Grüne, Reaktion, Liebigstraße etc.

Der Journalist und Autor des Buches Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alle, Christoph Twickel, über die Rolle der Grünen bei der Gentrifidingsbums:

„Im Übrigen ist es weniger der Biomarkt und der Soja-Latte, der für Aufwertung und Vertreibung sorgen – fragen Sie mal die Mieterverbände: Da ist es u.a. die energetische Modernisierung, ein urgrünes Anliegen, in deren Folge Hartz-IV-Empfänger plötzlich feststellen müssen, dass ihre klimafreundliche Wohnung nicht mehr den Angemessenheitskriterien entspricht. Weil nämlich die Vermieter die Modernisierung auf die Miete umlegen können. Nichts gegen Klimaschutz – aber so befördert er die Segregation in den Städten.“

Frau Künast hat vor ein paar Jahren ja auch die Bürger ermahnt, nicht mit Billigfliegern zu reisen, wegen des Klimas oder so. Wohlgemerkt, nachdem sie der Agenda 2010 zugestimmt hat. Nur, falls jemand meint, mit Künast als Regierender Bürgermeisterin käme man NICHT vom Regen in die Traufe. Mietsteigerungen von 30 Prozent in zwei Jahren in Kreuzberg interessieren diese Kreise auch nicht.

Überhaupt ist das Interview mit Twickel ganz interessant, weil es auch auf den Zwiespalt innerhalb eines Teils der Linken aufmerksam macht, meines Erachtens nach typisch deutsch. Statement des Fragestellers:

„Einerseits ist die Technologiefeindlichkeit, die ja auch einen Teil des geistigen Inventars der Anti-Gentrifizierungsbewegung ausmacht (zum Beispiel, wenn sich bei einer Sendung zum Thema im Zündfunk ein Student darüber beschwert, dass in Rentnerwohnungen Zentralheizungen eingebaut werden) …“

Erinnert an Robert Pfaller und seine Diagnose, dass man in Deutschland wegen der mehrfach gescheiterten Machtaneignung des Bürgertums Angst vor Luxus und Genuss habe. Der Altbauwahn, gerade in Berlin zu beobachten, ist Teil dieser deutschen kulturfeindlichen Haltung: Mit dem Bekenntnis zum Altbau, der als eine Art verlängerter Arm der „Natur“ und des Natürlichen gesehen wird, soll ein Bekenntnis zur Kritikfähigkeit an modernen Entfremdungsphänomenen abgelegt werden. Das Bekenntnis zur Natur ist zwingend, weil man die Stadt nur als unvermeidliches Übel ansieht, aber eigentlich doch lieber „auf´s Land“ ziehen will. Natur wird idealisiert, weil einem gesellschaftlich nichts einfällt außer Regression.

Der Altbau als heile Welt. Die strukturelle Ähnlichkeit dieser heilen Linke-Welt-Ästhetik mit der einer durchschnittlichen deutschen Neubausiedlung wäre da auch ein spannendes Thema.

(Mit Dank an MondoPrinte für den Hinweis.)

P.S: Hat das etwas zu tun mit dem, was heute in der Liebigstraße in Berlin-Friedrichshain abgeht? Egal: Bewohner wehren sich gegen eine Hausräumung, und zwar nicht nur juristisch, sondern ganz konkret. Den Ansatz, die Räumung für die Stadt so teuer wie möglich zu machen – inklusive Straßenblockaden und Zerstörung von Material an vielen Orten in Berlin – könnte ein ganz sinnvoller Ansatz sein.

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15 Antworten zu Grüne, Reaktion, Liebigstraße etc.

  1. Pingback: Ägypten und „unsere“ Befindlichkeiten | MondoPrinte

  2. PeWi schreibt:

    Und dann werden Plattenbauten, worin ich mit Begeisterung wohne, zu igittigit-Bauten. Und unsere Plattenbausiedlung, die kulturell, grün“technisch“ und wohnqualitätsmäßig so viel zu bieten hat zu Ghettos umfunktioniert.

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  3. genova68 schreibt:

    Ja. Derzeit zehrt man ja noch von einer Baupolitik, bei der man davon ausging, dass der Staat steuern muss. Das ist seit einer Weile vorbei, das Kapital darf ungeniert machen, was es will, dessen Schmarotzen wird immer dreister, die Folgen wird man in 20 oder 30 Jahren massiv spüren. Die Liebigstraße und die Rigaer Straße werden dann Teil des Prenzlauer-Berg-Bionadismus sein. Es findet, das ist zumindest mein Eindruck, in Kreuzberg auch eine Art Enttürkisierung statt. An die wird einfach nicht mehr neu vermietet, manche Makler geben das offen zu.

    Das hat ein bisschen auch mit dem zu tun, was Mike Leigh der taz erzählt:

    „wir haben geschafft, in Großbritannien eine radikal verantwortungslose rechte Regierung zu installieren – ich fürchte, dass es die gefährlichste und exzentrischste Regierung ist, die England je erlebt hat. Premierminister David Cameron entmachtet unter dem Deckmantel einer perversen Vorstellung von „Demokratie“ eine staatliche Einrichtung nach der anderen. Camerons Demokratieverständnis geht davon aus, dass etwas erst demokratisch sein kann, wenn es in Privatbesitz ist.

    Wir alle sind gerade dabei, aus der gemütlichen Enttäuschung, die New Labour darstellte und an die man sich gewöhnt hatte, aufzuwachen – und langsam steigt in uns allen tatsächlich Panik auf. Dann blickt man nach Amerika und findet dort eine Bewegung wie die Tea Party vor. Man muss leider befürchten, dass sich da ein weltweiter Trend zur sozialen Verantwortungslosigkeit, zu einer infantilen neuen Form des Faschismus abzeichnet. Das ist schon beängstigend.“

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2011%2F01%2F27%2Fa0127&cHash=ea911435b7

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  4. Nihilist schreibt:

    Nun, Politiker, also da fällt mir nur eines zu ein. Vor langer Zeit habe ich einmal an einer Qualifizierungsmaßnahme meines damaligen Arbeitgebers (der seine Mitarbeiter regelmäßig zu solchen Kursen schickte) den Begriff – Dissonanzreduktion – „gelernt“. Andere Menschen benutzen nun den Begriff – kognitive Dissonanz – und wie ich immer wieder erkenne, können gerade die Menschen ihre Dissonanzen verdrängen, denen es besser geht.

    Das zeigt sich auch (meines Erachtens) an den Unruhen die nun in eingen Ländern zur Zeit am kochen sind. Unterdrückte Menschen (anscheinend mit der Ausnahme in Deutschland) wehren sich irgendwann gegen Unrecht.

    Aber vielleicht müsste ich nur lange genug leben, um vielleicht in 35 Jahren (nach 40 Jahren ALG-2) die Menschen wie in der ehemaligen DDR nach 40 Jahren genug hatten, ebenfalls eine Richtungsänderung bei den Deutschen zu erleben.

    Nun, vielleicht werde ich ja 95 Jahre alt – dann kann ich meinen Urenkeln (die noch nicht geboren sind) von der „guten alten Zeit“ VOR dem Sozialkahlschlag erzählen. Von Bonzen die nur bis zu ihrer eigenen Nasenspitze denken können, von Lobbyisten, die für sich ein paar „Krumen“ die vom Tisch ihrer Auftraggeber gewischt werden verbiegen und kriechen, und von den Fädenziehern im Hintergrund, (in Deutschland auch schon an anderer Stelle „die drei Nornen genannt“).

    Frauen sind eben doch nicht „sozialer“ eingestellt, sie tarnen ihren Egoismus nur besser. Wie war noch der Spruch, eine Frau ist erst dann zufrieden, wenn ihr Mann mehr Geld verdient als sie ausgeben kann. Und der „dressierte Mann“ wurde ja schon einmal beschrieben.

    Was war das für ein Aufschrei. Heutzutage würde so etwas vielleicht bei Wikileaks …

    Mit Heine – denk ich an Deutschland in der Nacht …

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  5. InitiativGruppe schreibt:

    Mike Leigh hat das treffend formuliert. Der Unterschied zwischen England und den USA ist aber gewaltig:

    England ist harmlos wegen seiner bescheidenen Größe, außerdem werden die Engländer es dem Cameron bald heimzahlen – das Prinzip Verantwortung funktioniert dort schon noch so weit.

    Die USA sind zu groß und militärisch potent, als dass es sich die Welt leisten könnte, dort die Verantwortungslosigkeit regieren zu lassen. Dazu kommt noch, dass es dort so etwas wie politische Verantwortung kaum noch gibt, jedenfalls nicht rechts von Obama.

    England macht mir keine Panik. Ich seh den Cameron schon vom Wähler geröstet am Spieß. Die USA machen mir Angst. Die sind mir so unheimlich wie mir noch nie etwas in der Politik in meinem ganzen Leben unheimlich war.

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  6. Nihilist schreibt:

    @IG – 6.2.11 03:51

    Auch schon aufgewacht? Mir ist die USA seit Vietnam unheimlich. Und dann der Schah, Noriega, Hussein und so weiter wurde meine Ansicht über die USA nicht besser.

    Erst die Wahl Obamas hat ein klein wenig Hoffnung auf die Vernunft gebracht, die aber schnell wieder verschwunden ist.

    Und nun habe ich zusätzlich ein unheimliches Gefühl, wenn ich an Deutschland denke. Das das Merkel nicht mit Macht beim Bush im Allerwertesten landen konnte, sondern nur als Opposition, war ja noch ein Glücksfall. Aber inzwischen …

    Nun, ich werde in einigen Tagen 60. Trotzdem bin ich der Ansicht, das gerade in der Politik (aber wenn ich da so an einige der Jüngeren denke – wie Alt die schon im Geise sind) mindestens mit 50 Schluss sein sollte. Wenn nicht sogar früher. Meine Idee, Politiker dürften nur zwischen 30 und 45 sein. Und auch nur Maximal zwei Perioden, die aber auf 5 Jahre verlängert werden sollte, um Berufspolitiker zu vermeiden. Sowie eine Amtshaftung, für ab grob fahrlässige Handlungen. Und wenn die nach dem Ausscheiden in Bereiche wechseln, die vorher protegiert wurden, dann sofort ein Berufsverbot in dem Bereich verhängen.

    Und es wäre wichtig, die Gewaltenteilung endlich wirklich zu vollenden. Also keine Politiker mehr in der Judikative, keine Richter mehr in die Legislative.

    Aber ihr letzter Satz ist der wichtigste für mich – der meine Vorstellung über ihre Denkweise untermauert – es ist Ihnen also nicht so unheimlich, wenn ein großer Teil der eigenen Bevölkerung in Armut (SGB-Gesetze) gedrückt wird. DAS ist mir viel unheimlicher, das so etwas in einer reichen Gesellschaft möglich ist, weil es schon einmal in unserer Gesellschaft möglich war, einen Teil … nur damals eben viel direkter … und wer heutzutage immer noch nicht die Augen hat, das zu sehen … so ein Mensch ist mir sehr, sehr uneimlich.

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  7. InitiativGruppe schreibt:

    Es gibt die sozusagen normalen Unglücke, Verbrechen, Katastrophen, Ungerechtigkeiten … und es gibt das, was sich da möglicherweise in den USA anbahnt. Das hat eine andere Dimension, wenn es Politik wird.

    Was, werter Nihilist, wenn die USA Außenpolitik mit der Atombombe anfangen? Wenn sie zum Beispiel eine Atombombe auf Teheran werfen? Wenn sie Israel grünes Licht geben, die Palästinenser allesamt zu deportieren – mit der daraus folgenden Eskalation im Nahen Osten und darüber hinaus?

    Schau dir an, was Huckabee, Palin und andere außenpolitisch und militärisch befürworten! Es ist zwar nicht wahrscheinlich, dass sie schon in den nächsten Jahren zum Zuge kommen werden, aber es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit. Dann werden die Karten der Weltpolitik neu gemischt. Dann droht der Alptraum Realität zu werden.

    DAS ist es, was mir so unheimlich ist.

    Vietnam, Irak oder die Armut hier und da – das ist nichts, was die Menschheit gefährdet. Die ökologische Katastrophe schon eher. Aber die Armaggedon-Konzeption vieler US-Republicans, die ist das Gespenst, das jetzt in meinem Hirn sein Unwesen treibt.

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  8. Nihilist schreibt:

    Nun, IG, ich halte nicht viel von der Menschheit. Die Erde würde uns auch nicht vermissen. Es sind schon so viele Arten verschwunden. Und vielleicht entwickelt sich dann ja eine echte Intelligenz. Also Wesen, die nicht ihre Grundlagen zerstören.

    Aber so lange die Menschheit noch auf diesem Planeten existiert, so lange ist für mich Gerechtigkeit den Schwächsten gegenüber das wichtigste, und somit ist für mch eben Ungerechtigkeit das größere Übel, nicht die Beendigung der Existenz der Menschheit. Denn dann wären ja ALLE betroffen, was nur Gerecht wäre. Und sollten sich ein paar Privilegierte in vermeintlich sichere Bunker begeben, was die dann „erleben“ werden, nein Danke. Eigentlich schade, das die Welt nicht nach dem Ablauf des Mayakalenders …

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  9. InitiativGruppe schreibt:

    Im Unterschied zu dir mag ich die Menschen, Nihilist.

    Ehrlich gesagt, ich trau deiner Gerechtigkeitsliebe nicht über den Weg, wenn dir beim Abwägen der Werte das Überleben der Menschen so zweitrangig vorkommt. Gerechtigkeitsliebe müsste ja doch wohl eine Seite der Menschenliebe sein, und die drückt sich gewiss auch darin aus, dass man das Leben und die Menschen liebt.

    Lieber leide ich unter Ungerechtigkeit, als dass ich ins Gras beiße. Es mag ein Ausmaß an Ungerechtigkeit geben, das ich nicht mehr ertragen kann. Aber davor bin ich, wie DER Mensch generell, durchaus flexibel, es muss schon einiges zusammen kommen, bis der Punkt erreicht ist, an dem ich den Tod vorziehen würde.

    Eins ist mir klar. Kommt es zu einer sozialistischen Revolution, müsste man dich vorher ganz schnell aus dem Verkehr ziehen. Für die Gerechtigkeit würdest du nämlich jede Menge Blut fließen lassen. Jede Menge. Meins wohl auch.

    Nimm mir diesen Absatz nicht übel. Es kommt ja zu keiner sozialistischen Revolution, und so wird dich niemand aus dem Verkehr ziehen müssen. Echt.

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  10. Nihilist schreibt:

    Ich bin für Verbannung. Die Methode des Scherbengerichts eben.

    Ich bin nun einmal gegen Folter und Mord. Das entspräche auch nicht Kants bekannten Imperativ. Strafe ja, auf jedem Fall, aber eine Enteignung und Verbannung reicht dort aus.

    Und das meine „Utopie“ sich an Morus Utopia orientiert, könnte ein aufmerksamer Leser meiner Beiträge auch schon erkannt haben. Denn ich plädiere für einen grundsätzlichen Humanismus.

    Nur, wer aus Egoismus andere Menschen in eine menschenunwürdige Lage versetzt, weil eben nicht alle Menschen mit dem Lebensstandard leben können – schon von Isaac Asimov in – Warum Krieg – Diogenes Taschenbuch 28 – Albert Einstein und Siegmund Freud – vorgerechnet.

    Einleitung:

    Es gäbe genug Geld, genug Arbeit, genug zu essen, wenn wir die Reichtümer der Welt richtig verteilen würden, statt uns zu Sklaven stasrrer Wirtschaftsdoktrinen oder -traditionen zu machen. — Die Massen sind niemals kriegslüstern, solange sie nicht durch Propaganda vergiftet werden. Wir müssen sie gegen Propaganda immunisieren, Wir müssen unsere Kinder gegen Militarismus impfen, indem wir sie im Geiste des Pazifismus erziehen. Der Jammer mit Europa (und Deutschland vor allem – Anmerkung von mir) ist, daß die Völker mit falschen ielen erzogen worden sind.

    (Nun komme ich) Das falsche Ziel, der persönliche Reichtum, die persönliche Macht, die Gier.

    Und so lebe ich mit der Einstellung, das die Menschheit eben nicht vernunftbegabt genug ist, daß sie irgendwann doch sich selber ins Grab schaufelt. Und das wäre (wennn ich die Gaia-Theorie betrachte) ein Segen für die Erde.

    Eine Überlegung: Sind die Krankheiten der Menschen das „Feedback“ unserer Handlungen gegen Gaia?

    Den Witz mit den zwei Planeten hab ich ja schon einmal erwähnt. Homo Sapienes – das geht vorbei.

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  11. genova68 schreibt:

    „ich halte nicht viel von der Menschheit. Die Erde würde uns auch nicht vermissen.“

    Nihilist,
    warum liest du dann Morus und Einstein und die vielen anderen Philantrophen, die du hier schon erwähnt hast? Mir wäre das bei solch einer negativen Grundeinstellung zuviel Aufwand. Dann doch lieber in der Natur spazierengehen.

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  12. InitiativGruppe schreibt:

    Nihilist,
    nach dem Sonntag Leos Montagspredigt.
    (Meiner Mutter Traumberuf für mich war: katholischer Pfarrer; sie hätt mich so gern von der Kanzel predigen gehört. Ganz kann ich mich diesem Traum meiner Mutter nicht entziehen … und du bist jetzt das Opfer:)

    Lebenserfahrung lässt uns von uns selbst fordern:
    Glaube niemals, das ein Mensch, wenn er gehörig unter Druck steht, derselbe sein wird, der er ist, wenn er nicht unter Druck steht.

    Mit andern Worten, ich, du und genova68 stehen hier und jetzt nicht unter Druck und können friedlich freundlich über uns selbst sprechen, über unsere Menschlichkeit, über unsere Werte, über unsere Nächstenliebe. unseren Gerechtigkeitssinn …

    Was passiert mit uns, wenn wir in die Presse einer Katastrophe geraten, wenn Angst und Wut und Erbitterung uns durchschütteln? Werden wir dann auch noch die netten drei Dialogpartner sein, die wir jetzt sind?

    Soweit ich mich kenne, steckt auch ein Mörder, ein Sadist, ein feiger Opportunist in mir. Da dies so ist, frage ich mich: Was kann ich hier und jetzt, wo ich nicht unter Druck stehe und billig ein netter Mensch sein kann, also, was kann ich hier und jetzt dafür tun, dass ich, falls ich mal unter mörderischen Druck gerate, NICHT als Mörder, Sadist, feiger Opportunist handeln werde?

    Das, so scheint mir, ist DIE moralische Herausforderung – interessanterweise wird sie in der Moralphilosophie und im Ethikunterricht kaum je auch nur angetippt.

    Die Antwort, die ich meine geben zu sollen, lautet:
    – Mach dir auf jeden Fall mal nichts vor. Sei dir deiner potentiellen Gemeinheit immer bewusst.
    – Gewöhn dich an den Gedanken, dass du ohnehin sterben wirst. In bestimmten Situationen ist es besser zu sterben, als Unrecht zu tun, und wenn du dir deiner Sterblichkeit voll bewusst bist, fällt es dir leichter, durch diese Letzt-Tür zu entkommen.

    Wie komme ich auf diese beiden vermutlich nicht sehr verbreiteten Imperative für das Vermeiden von schwerer Destruktivität (vulgo: Unmoral)?

    Da steckt mit drin, dass erstens die Wahrheit und zweitens meine Mitmenschen wichtiger sind als ich, die ephemere Person Leo Brux. Darin drückt sich Liebe aus: Liebe zur Welt, wie sie ist (= Wahrheit, Realität), und Liebe zu den Menschen, wie sie sind.

    Drum, Nihilist, schau ich so missbilligend auf deine Absage an die Menschheit und deine voreilige Flucht in eine utopische Gedankenwelt.

    Amen.

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  13. Nihilist schreibt:

    Nun, ich habe eine Idealvorstellung, und ich würde mir durchaus wünschen, das die Menschen irgendwann wirklich nach Vernuftsgründen eine Lebensweise erreichen, in der ALLE Menschen endlich wirklich die gleichen Rechte und Freiheiten (Menschenrechte) auch real haben, nicht nur auf dem Papier.

    Aber, und jenes ist das Problem, ich bin leider realistisch genug, um zu erkennen, dass ein großer Teil nur eines will – Macht über andere – nach dem Motto, „bück dich, dein Ar… gehört mir“.

    Und „Imagine“ von Lennon – hat eine Zeile – Du magst sagen ich bin ein Träumer … und so träume ich eben von einer Welt im Sinne von Morus Utopia, wo materielle Dinge eben nichts an Wert besitzen.

    Aber da ich wie gesagt realsitisch veranlagt bin … da denke ich, die Menschheit hat es nicht verdient zu überleben, wenn sie so weiter macht wie bisher. Eine „Wende“ muss her, aber das haben ja schon andere erklärt, ohne Erfolg.

    Wie fragte Pispers in – bis neulich 2010 – (gestern Abend – 20:15 – 21:00 Uhr) was hat sich denn geändert, von Schwarz-Gelb zu Rot-Grün zu Schwarz-Rot und nun zu Schwarz-Geld?

    Die Mittelschicht (zu der einige hier wohl durchaus gehören) braucht zur Existenz ihres „besseren Lebenstils“ eben „Sklaven“, also eine Unterschicht, die ausgebeutet und ausgenutzt wird. Und diese „Schicht“ muss nur dumm genug sein um den Feindbildern die ihnen vorgegaukelt werden zu glauben.

    Da waren die Inder mit ihrem Kastensystem doch offener. Und die „heiligen Kühe“ haben wir doch auch.

    Aber wie gesagt, ich bin gegen Gewalt, da ich durch eigene Erfahrung die Folgen kenne. Auch wenn ich manchmal am liebsten … aber solche Phasen meiner Emotio werden schnell von der Ratio verurteilt. Es kommt eben immer darauf an, wer der „Reiter“ ist.

    Und Angst – nun, nur vor einem qualvollen Sterben, nicht vor dem Tod selber. Es gibt kein Leben nach dem Tod, dummerweise für viele Menschen auch nicht VOR dem Tod. Nur die Mächtigen, die LEBEN hier und jetzt so, wie sie den Dummen vorgaukeln, das sie nach dem Leben so leben würden, in einem fiktiven Paradies. Und dazu müssen sie nur GLAUBEN.

    Mein „Überlebenstrieb“ ist nur der Neugier geschuldet. Ich bin wirklich neugierig, wie das alles zu Ende gehen wird. Und wenn ich das erleben könnte … aber trotzdem habe ich meine Idealvorstellung von einer möglichen Weiterexistenz der Menschheit.

    Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust …

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  14. InitiativGruppe schreibt:

    Glaubst du, dass die Mächtigen und Reichen GUT leben?
    Ich glaub es nicht.
    Die Lektion hab ich gelernt, als ich noch im Kindergarten war: Schokolade ist schon gut, aber man kann auch ZU VIEL Schokolade essen …

    Ich glaube, sie sind vor allem eins: KRANK.

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  15. Pingback: Noch´n Lesebefehl « Kritik und Kunst

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