Monatsarchiv: Juli 2011

be Berlin: Ich engagiere mich für meine Stadt!

“Berlin ist eine einmalige Stadt: kreativ, lebendig und immer in Bewegung. Die Spreemetropole überzeugt durch ihr lebendiges Kultur- und Stadtleben, als hochkarätiger Forschungs- und Wissenschaftsstandort und als florierender Standort einer jungen, zukunftsorientierten Industrie. Das Herz der Stadt sind jedoch die Berlinerinnen und Berliner selbst.”

Das sagt be Berlin, die “Hauptstadtkampagne”. Ich als eifriger Berliner möchte diese Kampagne meiner Stadt unterstützen und habe mich deshalb mit meinem Fotoapparat ein bisschen umgeschaut in der lebendigen, kreativen und bewegenden Metropole voller Berlinerinnen und Berliner.

Die Ergebnisse erheben den Anspruch auf Repräsentativität und dürfen von der Kampagnenleitung gerne verwendet werden.

Oder, um aus dem Vorspann einer Rubrik der deutschen bauzeitung zu zitieren:

“Städte werden vor allem von Bauten geprägt, die nicht in Architekturzeitschriften veröffentlicht werden. Dadurch entsteht auf dem Papier ein geschöntes Bild der Wirklichkeit. Um das wieder etwas geradezurücken, wird auf dieser Seite gezeigt, wie der Alltag wirklich aussieht.”

Bitte sehr:

Ich bin zuversichtlich, dass meine Fotos demnächst in den vielen informativen Stadtführern zu finden sind. Der Berlin-Besucher will ja wissen, woran er ist.

(Fotos: genova 2011)

Breivik, der Medienprofi

Noch zwei Bemerkungen zu Norwegen.

1.

“Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Humanität. Aber nie Naivität.”

Das sagt der norwegische Staatschef Jens Stoltenberg nach den Attentaten. Bemerkenswert, weil er offenbar davon ausgehen kann, dass diese humane, aufgeklärte, liberale Perspektive von einem Großteil der Norweger geteilt wird. Im Deutschland des Jahres 2011 unmöglich, das hätte ich mir höchstens noch bei Willy Brandt vorstellen können. Heute kommen sofort Vertreter christlicher Parteien und fordern schärfere Gesetze. Vertreter der Parteien wohlgemerkt, die nicht willens waren, sich von Sarrazin abzugrenzen und sich in Bierzelten fremdenfeindliche Ressentiments gern zueigen machen, nur subtiler.

2.

Breivik hat sein Ziel erreicht. Er wollte ein Attentat begehen und dadurch auf sein “Manifest” aufmerksam machen. Es wird jetzt überall zum download angeboten, beim Tagesspiegel sogar ganz oben. Das Manifest (Alleine die Idee, einen Oberbegriff als individuellen Namen zu benutzen, ist genial, und alle machen mit. PR-Experten erblassen vor Neid.) bekommt jetzt mehr Aufmerksamkeit als letztes Jahr Sarrazin. Und es steht auf den 1.500 Seiten mitnichten wirres Zeug. Das Ding ist eine nette Zusammenfassung dessen, was seit Jahren in sogenannten islamkritischen Kreisen en vogue ist. Da hilft jetzt auch keine Distanzierung. Breivik saugte jahrelang wachsam auf, was ihm das Internet bot und interpretierte das keineswegs so dümmlich, wie das beim rechtsradikalen Fußvolk die Regel ist. Seine Ausführungen zum modernen Rechtsradikalismus beispielsweise, der nicht mehr offen antisemitisch und nicht mehr offen rassistisch sein darf, sondern sich als Kritik am “Multikulturalismus” tarnen muss und freiheitsliebend die böse Ideologie des Islam kritisiert. Ein Rechtsradikalismus, der sich als bürgerliche Mitte oder als bürgerlicher Konservatismus tarnt, und zwar relativ raffiniert, wenn man sich jemanden wie Gert Wilders anschaut.

Die Rolle der Medien ist hier eine problematische. Sie müssen darüber berichten, sie müssen sich mit dem Geschreibsel auseinandersetzen. Aber in Zeiten, in denen der Inhalt nichts und die Aufmerksamkeitsökonomie alles ist (also die Hürde zu überwinden, überhaupt wahrgenommen zu werden), könnte es für Breivik und seine Kollegen nicht besser laufen. Via “Manifest” wird nun verbreitet, was die neuen Nazis, auch Rechtspopulisten genannt, sich seit Jahren bemühen, unters Volk zu bringen. Und die tollen Fotos von dem smarten jungen Mann sind ja auch nicht zu verachten.

Dumm ist er nicht. Insofern wäre Stoltenbergs  Antwort zu präzisieren. Keine Naivität, ja. Was aber auch heißt, die notwendigen Zusammenhänge herzustellen. Womit wir übrigens auch wieder bei Broder wären.

Norwegen und Henryk Broder: Der geistige Brandstifter zündelte erfolgreich

Auch Kolumnist Henryk Broder findet Erwähnung in dem Manifest des norwegischen Attentäters. Anders Breivik zitiert ein Interview, das Broder einer niederländischen Zeitung gab, und in dem der Autor Europäer aufforderte auszuwandern, sollten sie ihre Freiheit weiter behalten wollen. Broder ist überzeugt, dass die Europäer sich der Islamisierung nicht widersetzen werden”, so B. (Quelle: redblog)

Mit “B.” ist der Attentäter Breivik gemeint. Broder forderte in dem Interview in der Tat zum Auswandern auf.

Broder ist einer der zahlreichen geistigen Brandstifter. Er ist einer derjenigen, ohne die auch Breivik nicht zur Waffe gegriffen hätte. Jemand, der 1.500 Seiten zur Begründung seines Tuns verfasst, ist geradezu süchtig nach Legitimation, nach einem theoretischen Fundament, wie verschroben es auch wirken mag. Breivik brauchte Leute wie Broder, um die Schwelle zur Tat zu überwinden.

Broder im Tagesspiegel auf die Frage, ob er sich Sorgen machen, weil er nun “weltweit in so einem Zusammenhang exponiert werde”:

“Das einzige, worüber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile für meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp.”

Klingt ähnlich realitätsverlustigt wie die Begründungen Breiviks.

Broder ist in dem Zusammenhang deshalb interessant, weil er ein Scharnier herstellt zwischen den offen Rechtsradikalen von NPD, PRO, der Bloggerwelt einerseits und dem anständigen, offiziellen Diskurs im TV, in Zeitungen etc andererseits. Wer laufend bei Anne Will und Maibritt Illner sitzt, wer führender Kolumnist bei der Welt ist, wessen Bücher ausführlich rezensiert und sehr gut verkauft werden, der wird schon irgendwie recht haben. Der Kommentarbereich der Welt ist übrigens manchmal von dem einer NPD-Zeitung nicht zu unterscheiden. Die Fans wissen genau, was sie an ihrem Broder haben.

Broder und Co. fördern die braune Verseuchung der Gesellschaft, die dadurch – und begünstigt vom neoliberalen Denken allgemein – wächst. Die Fraktion Broder streut und bedient dabei das Ressentiment und lebt gut von ihm, gerne humorvoll, gerne gut geschrieben, vor allem “querdenkend”, was heute so viel heißt wie: der “schweigenden Mehrheit” entsprechend. Die Fraktion “Dr. Sarrazin” gibt den vermeintlich versierten Statistiker, der, dem neoliberalen Bildungskonzept entsprechend, einfach recht hat, weil er ganz, ganz viele Zahlen präsentiert und weil ein “Dr.” vor dem Namen steht. Er weiß viel, wie man sagt. Gemeinsam sind sie effektiv. Ob sie das glauben, was sie schreiben oder goebbelsmäßig ihre Anhängerschaft (zu der auch Breivik gehörte) verachten, weiß ich nicht. Das ist aber auch egal.

P.S.: Pro Deutschland tritt die Flucht nach vor an: Sie wollen sich heute Vormittag vor der norwegischen Botschaft in Berlin “mit den Opfern solidarisieren”.

(abfotografiert von genova, 2011)

Das Massaker von Norwegen und die deutschen Brüder im Geiste

Interessant, was der norwegische Attentäter Anders Breivik in den vergangenen Jahren in diversen Blogs, bei facebook und sonstwo im Netz publiziert hat. Er bezeichnete sich als Protestant, aber die heutige evangelische Kirche als “Witz”, weil deren Priester “für Palästina marschieren” und ihre Kirchen “wie minimalistische Einkaufszentren aussehen”. Und: “Das einzige, was die evangelische Kirche retten kann, ist eine Rückkehr zu ihren Grundlagen.”Auge um Auge, Zahn um Zahn, meint er wohl. Spiegel-Online sieht bei Breivik einen “christlich-fundamentalistischen Standpunkt”.

Weiter schreibt er:

“Für mich ist es sehr heuchlerisch, Muslime zu behandeln, als  unterschieden sie sich von Nazis und Marxisten. Sie sind alle Anhänger von Hass-Ideologien.”

Breivik sieht sich außerdem als “Rechtsnationalen”, als “Multi-Kulti-Hasser” und er ist gegen “Kulturmarxismus”. Vieles davon schrieb Breivik auf dem norwegischen Blog document.no, der größten norwegischen “anti-Islam, anti-immigration and pro-Israel website”. Auf einem anderen Blog sympathisierte er mit dem niederländischen Rechtspopulisten Gert Wilders. Breivik war von 1999 bis 2006 Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei.

Na, an was erinnern diese Beschreibung und die Zitate Breiviks? Klar, an die glorreichen Kameraden von pi-news, dem antiislamischen, rassistischen und vorgeblich israelfreundlichen Blog des Kölner Sportlehrers Stephan Herre. Der schließt sich den Aussagen Breiviks an. Der Blog bemerkt: “Was er schreibt sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum stehen könnten.”

Die Verbindungen sind offensichtlich, aber nicht nur das. Auch die Morde Breiviks stehen in Einklang mit der PI-Logik. Wer vom “Geburten-Dschihad” spricht, von der Scharia, die kommen wird, von dem nicht überbrückbaren Gegensatz von Okzident und Orient, von “wir oder die”; wer eine islamische Bedrohung an die Wand malt, die dazu führen wird, dass in wenigen Jahren alle Frauen in Deutschland mit einer Burka rumlaufen müssen, impliziert die Tat. Die Botschaft des publizistischen Dauerfeuers ist klar: Entweder wir wehren uns oder wir gehen in Dekadenz unter. Der Bürgerkrieg kommt. Und danach Nürnberg II.

Zu weit hergeholt? Von wegen: Bei PI wird gerne die Waffenfreigabe für “Bürger” gefordert und die passenden Kaliber diskutiert. Der “Hass auf alle Musels” und “Schleiereulen” gehört zum täglichen Repertoire. Fundamentalistische Christen werden gerne zitiert. Die vertreten ja “unsere” Werte. Wer sich sowas täglich durchliest und einschlägig deformiert ist, für den kann Widerstand zur Pflicht werden. Es ist ja für die gute Sache. Und folgerichtig bemerkt ein Kommentator, dass seit dem Attentat in Norwegen “sicher schon Hunderte Opfer islamischer Anschläge” wurden.

Ein anderer PI-User bringt das klar zur Sprache:

“Von seiner (Breiviks) Warte aus hat er wahrscheinlich rational gehandelt. Islamisierung ist mit friedlichen Mitteln nicht mehr aufzuhalten, also wende ich Gewalt an und zwar nicht gegen die Symptome (Moslems), sondern gegen die Ursache ( linksgrüner multikulti sozi Wahn).”

Der PI-Sud ist die Grundlage für eine Geisteshaltung, die Norwegen möglich machte. Es geht da nicht um “Islamkritik”, es geht um Hass. PI selbst ist das angesichts von 90 Toten wohl auch eine Nummer zu heftig. Die “Redaktion” schreibt:

“Dieser Beitrag soll darum auch eine sachliche Analyse und kein Reinwaschen von Eigenverantwortung sein … Wir dürfen uns vor lauter Auf-andere-mit-dem Finger-Zeigen nicht unserer Eigenverantwortung entziehen. Wir stehen in der Verantwortung für unser Handeln und Denken.”

Eigenverantwortung, aha. Doch erwartbar kommt keine Analyse zur Eigenverantwortung, sondern lediglich die Aussage, die Tat sei “das Werk eines einzigen Mannes”, eines Irren, gewesen. Er handelte wohl gesellschaftlich im luftleeren Raum. Wie könnte denn “Eigenverantwortung” angesichts des Blutbads aussehen?

Und selbst diese vagen Erklärungen der “Redaktion” gehen den meisten Lesern schon zu weit: User “Mastro Cecco” beispielsweise schreibt:

“Die Regierungen haben doch auf diesen Anschlag lange gewartet und gehofft, er möge möglichst bald kommen, damit sie allen Kritikern von Masseneinwanderung, Islamisieurung und Migrantengewalt den endgültigen “Todesstoß” verpassen können! …

DAS dürfen wir uns nicht gefallen lassen!

JETZT erst recht!!!”

Weitere bezeichnende Reaktionen der PI-Leserschaft zum Attentat von Norwegen finden sich im Blog Lindwurm.

Es geht noch besser. Pro Deutschland, ein Ableger der Rechtsradikalen von Pro Köln, stellt angesichts des Massakers in Norwegen die Frage: “Heute Oslo – morgen Berlin?” und dreht im dazugehörigen Artikel den Spieß um:

Auch in Berlin ist es ja bereits zur akzeptierten Normalität geworden, dass jede Nacht Autos angezündet werden, dass die Polizei um Leib und Leben fürchten muß, und dass sich viele Bürger in bestimmte Stadtviertel gar nicht mehr getrauen.

Es sind also böse Linke und böse Muslime, gegen die es jetzt vorzugehen gilt. Es gilt, das Feindbild aufrechtzuerhalten, egal, wie zwanghaft dieses Vorhaben daherkommt. Wer offiziell für “Grundgesetz und Menschenrechte” kämpft, kann wohl psychologisch nicht anders. Folgerichtig titelte PI am Freitag Abend noch, bar jeder (auch grammatikalischer) Erkenntnis:

“Warum bombt Islam ausgerechnet in Norwegen?”

Die Suppe köchelt. Es geht bei PI (täglich rund 50.000 Leser) und anderen Nazis 2.0 ja nicht um Islamkritik. Die wird, soweit ich das sehe, am effektivsten noch von kritischen Muslimen selbst praktiziert. Es geht um die Dauerproduktion von Hass. Hass auf Linke, Grüne, Schwule, Moslems, Türken, Araber, Afrikaner, alle, die sich für die Produktion von Hass anbieten.

Wohin das führen kann, haben wir jetzt gesehen.

Zitatquellen, soweit nicht anders gekennzeichnet: Spiegel-Online und pi-news. Zu pi-news außerdem das hier.

Sommer Null Elf

(Fotos: genova 2011)

Der Zeit voraus

(Foto: genova 2011)

Rainald Goetz über Matthias Matussek: “Komplett über seine geistigen Verhältnisse”

Nochmal flott zum Egozentriker Matussek, weil Rainald Goetz anlässlich einer Veranstaltung mit Rüdiger Safranski pointiert über ihn schreibt (Klage, 2008):

“Wenn Matussek redet, im weit offenen Hemd, werden Worte zu Vokabeln ohne Zugriff auf die geistigen Inhalte, die sonst von ihnen bezeichnet werden, werden Argumente zum rein körperlichen Akt des Sprechens, der nur noch dazu da ist, Expressivität vorzuführen, Intensivität und Plausibilität … Er hat sich völlig daran gewöhnt, dass er vokabularmäßig dauernd komplett über seine geistigen Verhältnisse lebt. Ein tolles Spektakel war dieser Abend, auf den Matussek in seinem Videoblog selbst hingewiesen hatte, vielen Dank.”

Treffend. Ergänzen könnte man, dass einem Journalisten heutzutage in Journalistenschulen gerne  beigebracht wird, wie man dauernd komplett über seine geistigen Verhältnisse schreiben kann. Die Tatsache des fehlenden Fachwissens wird nicht etwa durch sich anzueignendes Fachwissen kompensiert, sondern durch einen Schreibstil, der darauf ausgerichtet ist, das Fehlen des Fachwissens vor dem Leser zu verstecken.

Bei Matussek ist es ein rechts-reaktionäres, oberflächliches Bewusstsein von Geschichte, das er mit seinem Stil zu etwas Flottem, Lockerem, Energetischem hinbiegt. Beispielhaft noch immer sein Eintreten für´s Berliner Stadtschloss im Spiegel von 1998. Rechter, ahistorischer Blödsinn von der ersten bis zur letzten Zeile, kein Verständnis für Architektur noch für deren Geschichte, noch für Geschichte überhaupt, kein einziges seriös begründetes Argument; mir zu nervig, das auseinanderzunehmen. Schinkel ist da plötzlich Rekonstruktionsbefüworter. Aber dieser Blödsinn, der jedem Volontär um die Ohren gehauen werden müsste, schaffte es in den Spiegel.

Zu Rainald Goetz gehören allerdings auch Sätze wie (ebenfalls aus Klage):

“Die figurative Malerei ist am Ende, hatte ich zu Daniel Richter in der Paris Bar gesagt, das war mir am Tage zuvor bei Norbert Bisky eingefallen.”

Was eitle (oder schon egomane?) Selbstbespiegelung angeht, ist Goetz von Matussek so weit nicht entfernt. Der Unterschied ist, dass ersterer sehr gut beobachtet, im Detail und in positivem Sinn unpolitisch, und deshalb das plattmachende Klischee, vielleicht ironisierend gemeint, hin und wieder braucht, als Ausbruch aus der Genauigkeit.

Suchbegriffe, Teil zwei

Bei wordpress sieht man intern, mit welchen (Google-)Suchbegriffen dieser Blog gefunden wird. Auf welche Blogartikel sie abzielen, kann ich nur raten.

Hier (in Fortsetzung dieses Artikels) die sinnfälligsten Suchen der vergangenen vier Monate:

Baby isst katze

katze +tot +überfahren

scheiß auf neoliberalismus

destroyed

götterbaum sperma

gagfah im arsch

zionisten steuer

“ein lächerliches ländchen”

das grÜne wunder: keine deutsche partei ist bei kindern so beliebt wie die grünen

scheis schweiz

abschreckende mittel gegen hundekot, eventuell plakate

von schwiegermutter versklavt

alles ist bereits entdeckt, nur in der gegend der banalität

meine jungs sind psychopathen weil die waffe wirklich schiesst

saft abstellen

chinesin hat mich

universität genova

hitler+ziegel

freier zugang zum feuerlöscher

nacktfoto

unglaubliche sachen

es riecht nach wixxe in der stadt

stinkt die stinkesche

gibt es soldaten die auch normal nach dem krieg zurückkommen

История прусского ландтага

merkel ist jüdin

verfaulen auf brot

nutte ferrari düsseldorf

zwischen rudis reste rampe und dem südpol von neukölln

gaststätten in düsseldorf wo ab 22 uhr man rauchen darf

gaststätten düsseldorf rauchverbot ab 22 uhr aufgehoben

praktikum arschloch

cdu ist link geworden

vollbusige schwiegermutter

meine dreijährige tochter gehorcht nicht

underberg religion

investmentbanker psychopaten

zwanghafte armbewegungen

pimmelgröße bilder

winfried hermann verkehrsminister welche religion hat er

wie kann man sich gegen psychopathen wehren

warum wollen schwule schwarze immer weisse jungs

mit sperma durch die stadt

der mann der als erster die gesichtsplastik erfunden hatte

große eichel video

frisuren über hemden

tablett an brüste angehängt

sophie marceau ist sie operiert

was ist ein psychopath

türken sind unkultiviert

arschlochfreie zone

Auffällig nach wie vor ist das Thema “Sex mit der Schwiegermutter”, in welcher Variation auch immer, dazu die sinnfälligen Fragen nach der Authentizität der Brüste Sophie Marceaus und der Möglichkeit, dort ein Tablett anzuhängen. Allgemeine Fragen nach Bildern von großen Pimmeln sind nicht mehr so gefragt, die Bildersuche nach großen Eicheln zeigt, dass der User es konkreter möchte. Wichtig für meine Leser ist weiterhin der Komplex “Sperma in der Stadt”.

Daneben sind immer noch Psychopathen eine gefragte Kategorie, in Zusammenhang mit Soldaten und Investmentbankern ist das ja auch ein fruchtbares Thema, ebenso wie die Verbindung von Nutte und Ferrari mit Düsseldorf. Vielleicht der ehrlichste Ansatz einer Beschreibung des sogenannten rheinländischen Frohsinns.

Dass allerdings eine Anfrage mit der völlig sinnlosen Eingabe “CDU ist link geworden” ausgerechnet auf exportabel verweist, ist ärgerlich. Weiß doch der treue Leser, dass die CDU nicht link geworden ist. Sie war es immer schon.

Falls der Kittel brennt

(Fotos: genova 2011)

Die Geschichte von Edeltraud und Armando. Eine Assoziationskette mit Schlägen in die Magengegend

Attac geht es gut. Ein Newsletter informiert die “Freundinnen und Freunde”:

Die erfolgreiche Entwicklung von Attac ist in Deutschland ungebrochen. Attac wächst! Wir konnten jetzt unser 25.000stes Mitglied begrüßen: Edeltraud ist 45, technische Angestellte und hat einen erwachsenen Sohn.

Das erinnert mich an den einmillionsten Gastarbeiter in der Bundesrepublik: Der Portugiese Armando Rodrigues de Sá bekam alleine für sein Kommen 1964 ein paar warme Worte und ein Moped.

Ein stinkiges Moped bekommt Edeltraud wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich bekommt sie nur einen Händedruck, oder irgendwas solargetriebenes.

Armandos Leben verlief nach der Ankunft in Deutschland traurig, wie die taz schreibt:

Er lebt sparsam, geht nur sonntags ins Café, um Landsleute aus Portugal zu treffen. Er wohnt in einer Baracke: zwei Küchen, eine Gemeinschaftstoilette, im Schlafraum Stapelbetten. Zwei bis drei Mal pro Woche schreibt er nach Hause – über Deutschland nur Gutes. Es sei aber auch “ein Land des Geldes”, bemerkt er. Und: Man müsse einen starken Magen haben.

Er ernährt sich von Kartoffeln und Konserven. Bei einem Unfall trifft ihn ein Brett am Mageneingang. Die Schmerzen beachtet er kaum. Zwei bis drei Mal jährlich fährt er nach Hause. 1970 verlängert er seinen Winteraufenthalt um einen Monat. Als er zurückkehrt, stehen keine Stellen mehr zur Verfügung. Er sucht anderswo Arbeit. Die bekommt er in Mainz-Kastell, hat dort aber wegen fehlender Papiere Abzüge. Deshalb fährt er ein halbes Jahr später nach Hause, um sich den Nachweis seiner Eheschließung zu holen. In Portugal plagen ihn Magenschmerzen. Er sucht einen Arzt auf, der ihm empfiehlt, zu Hause zu bleiben, mit den Worten: “Wenn Du zurück nach Deutschland gehst, wirst Du Deine Knochen dort lassen.”

Armando Rodrigues de Sá befolgt diesen Rat. Im Laufe der Jahre verschlimmern sich die Schmerzen. Aufgrund neuer Interpretationen früherer Röntgenaufnahmen stellt sich heraus, dass er schon länger an einem Tumor leidet. Der weitere Verlauf der Krankheit zwingt die Familie, sich seine Rente auszahlen zu lassen. Medikamente müssen aus Spanien geholt werden, Krankenhausaufenthalte folgen. Eine Heilung scheint nicht mehr möglich. Zum Schluss gibt es nur noch Morphin gegen die Schmerzen. 1979 stirbt er an Krebs.

Die Kinder und Enkel von Armando sind die, die faul in der südlichen Sonne liegen, über ihre Verhältnisse leben und jetzt unser Geld wollen. Das lesen wir zumindest in der Bild, in verschärfter Form gerne über die Griechen. Die rassistischen, volksverhetzenden, beleidigenden, neoliberalen und in weiten Teilen faktisch-falschen Bild-Artikel über den Komplex Griechenland, Staatsverschuldung, Euro usw. stammen oft vom Chef des “Hauptstadtbüros” der Bild, Nikolaus Blome, der jetzt exakt für diese Artikel mit dem Quandt-Medienpreis ausgezeichnet wurde.

Der Preis wird laut Johanna-Quandt-Stiftung Journalisten verliehen, die dazu beitragen,

“das Verständnis für die marktwirtschaftliche Ordnung und für die Bedeutung des privaten Unternehmertums als Träger der wirtschaftlichen Entwicklung in der Öffentlichkeit und den Medien zu fördern.”

Wichtig für die Auswahl des Preisträgers sind auch  die „sorgfältige Auswahl und Deutung von Fakten” sowie „Qualität in Sprache, Stil und Allgemeinverständ-lichkeit”. Über die Griechenland-Kampagne der Bild-Zeitung sagt selbst Michael Spreng, ein ehemaliger Chefredakteur der Bild am Sonntag, dass die Redaktion versucht habe, “die Leser gegen die Griechen in einer Form aufzuwiegeln, die an Volksverhetzung grenzte”.

Über die Familie Quandt berichtet Wikipedia:

In der Zeit des Nationalsozialismus vermehrte und vergrößerte Quandt den Familienbesitz teils auf Kosten unrechtmäßig enteigneter Konkurrenten und wurde zu einem der größten Rüstungsproduzenten des Dritten Reichs. Die von Quandt und seinen Söhnen geführten Unternehmen beuteten dabei im Zweiten Weltkrieg in enger Zusammenarbeit mit dem Machtapparat des NS-Regimes systematisch die Arbeitskraft von Zwangsarbeitern aus, von denen viele aufgrund der schlechten Behandlung starben. Einer Anklage bei den Nürnberger Prozessen konnten sich die Verantwortlichen aus der Familie entziehen und Teile ihrer Firmen und ihres Vermögens über das Ende der Naziherrschaft hinaus retten. Das heutige Vermögen der Familie wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt. Die noch lebenden Mitglieder der Familie gelten als verschwiegen und öffentlichkeitsscheu.

Konkret ist die Preisverleiherin Johanna, die Witwe von Herbert Quandt, der “als Hauptkriegsverbrecher angeklagt worden wäre, wenn die heute zugänglichen Dokumente den Anklägern damals vorgelegen hätten.” Den Quandts wird der Betrieb eines “Auschwitz des Nordens” nachgesagt. Glück also für Johanna, die via Erbschaft ein Vermögen von zehn Milliarden US-Dollar (Forbes) besitzt, das in Teilen von einem Kriegsverbrecher und dessen Nazi-Aktivitäten stammt. Glück, weil sie, genau wie der Papi, auf der Sonnenseite des Lebens steht. Kein Schlag in die Magengegend. Wie viel Geld hat eigentlich Armando seinen Kindern und Enkeln vererbt? Vielleicht fährt ja das Moped noch.

Auf der anderen Seite hat auch die zweite Generation in Form der Tochter von Herbert und Johanna Quandt, Susanne (erst 1962 geboren), etwas abbekommen: Deren Vermögen liegt laut Forbes bei 15 Milliarden US-Dollar und ist damit die reichste Frau Deutschlands, hinter ihrer Mutter, die, so gesehen, als Versagerin gelten kann. Susanne gehört, ebenso wie ihre Mutter, zu den größten Parteispendern von CDU und FDP. Die Familie Quandt spendete allein im Jahr 2002 “zwei Millionen Euro an deutsche Parteien”. Wie selbstlos.

Susanne ist seit 2005 Mitglied im Hochschulrat der TU München. Der Hochschulrat ist ein neu geschaffenes Gremium in der deutschen Hochschul-landschaft, das den Einfluss der Studenten zurückdrängen und den der Wirtschaft erhöhen soll. Ein neoliberales Steuerungsinstrument also.

Susanne hat drei Kinder. Die werden sich die 15 Milliarden einmal teilen müssen.

Nochmal flott zurück zum Hetz-Fachmann Nikolaus Blome, denn der wird derzeit nicht nur von der Familie Quandt hoffiert, sondern auch von Jakob Augstein, Sohn von Rudolf und Verleger des linken Freitag. Augstein und Blome machen einmal die Woche auf Phoenix gemeinsam den Clown. Für Blome springt dabei heraus, dass er im linken Milieu die Bild als Pop-Produkt vermarkten und von der faktischen Gosse ablenken kann. Für Augstein springt dabei heraus, dass er seine Eitelkeit befriedigt. Ob Augstein vom Springer-verlag, sagen wir, Vergünstigungen, erhält, ist mir nicht bekannt. Es wäre jedoch zu kurz gedacht, das auszuschließen.

So könnte man diese Assoziationsketten stundenlang weitertreiben. Die Nachfahren der Hauptkriegsverbrecher spenden mit dem Hauptkriegs-verbrechergeld an CDU und FDP, womit das Geld immerhin in der großen Familie bleibt und nach wie vor denen vorenthalten wird, denen es zusteht. Und die Nachfahren der Hauptkriegsverbrecher verleihen Massen-verblödungsjournalisten Preise, bei denen es um das “Verständnis für die marktwirtschaftliche Ordnung” geht. So wie die von Herbert Quandt ausgebeuteten Zwangsarbeiter wahrscheinlich auch Teil der Ordnung waren. Quand hat die nur marktwirtschaftlich beschäftigt, alles ganz ordentlich. Und Johanna und Susanne sind mit ihren Aktienpaketen halt gleichberechtigte Marktteilnehmer, wie man das nennt. Und Massenverblödungsjournalisten werden weiterhin schreiben, wie faul die PIGS-Rassen sind. Und Armando war ebenfalls Teil dieser Ordnung, bis er den Schlag in die Magengegend bekam.

Das System läuft rund und die richtige Leistung lohnt sich. Erbin sein, zum Beispiel.

Edeltraud will bei attac jetzt “Nägel mit Köpfen” machen, sagt sie. Unsere Hoffnung ruht auf Edeltraud.


(Foto: genova 2011)