Eva Herman, Mario Barth und andere Katastrophen

image_fmbg_0_5-1191996131Eva Herman bei Kerner. Sie verlässt das Studio zehn Minuten vor Ende der Sendung, sie wurde von Kerner höflich dazu aufgefordert. Vorher wollte Senta Berger gehen, insofern blieb Kerner nichts anderes übrig, als auf eine der beiden zu verzichten. Ein Gast war offenbar zuviel.

Die Auseinandersetzung war letztlich doch auf Kerner-Niveau: Das umstrittene Zitat wurde zwar als Audio-Datei vorgespielt, aber die entscheidende Bemerkung dazu kam etwa eine halbe Stunde später von Margarethe Schreinemakers: Das Zitat ist sinnlos, da die Bezüge nicht klar herstellbar sind. Zumindest, wenn man es einmal hört. Eigentlich absurd, wenn sie jetzt sagt, sie würde das Gesagte genauso noch einmal sagen. Sie würde also einen objektiv sinnlosen Satz wiederholen. Mir fällt Loriot ein.

Wenn man das Zitat liest, kommt man schon eher zu dem Schluss, dass Herman die Familienpolitik der Nazis verteidigt, aber es bleibt noch ein Schlupfloch. Wie auch immer: Bei Kerner reden die eine halbe Stunde lang über das Zitat, ohne es zu kennen. Das einmalige Anhören reicht da nicht. Herman ist wohl in erster Linie intellektuell überfordert. Wenn sie bei ihrer Pressekonferenz nicht in der Lage ist, sich zu diesem brisanten Thema verständlich auszudrücken, dann ist das unprofessionell. Psychologisch könnte man vielleicht interpretieren, dass sie Nazi-affin ist (was die Familienwerte angeht), weil sie eben nicht in der Lage ist, sich klar davon zu distanzieren. Und wenn sie bei diesem rechten Katholikenbund auftritt und bei der FPÖ auftreten will, dann ist doch alles gesagt. Aber das sollte von der Meinungsfreiheit gedeckt sein.

Ganz übel jedenfalls wurde es, als Herman weg war. Ein sogenannter Komiker namens Mario Barth machte debile sogenannte Witze, frauenfeindlich und dumm, übelstes Niveau, und Berger und Schreinemakers fanden das anscheinend witzig. Oder taten sie nur so? Der Typ füllt die Hallen, er hat schon sechsmal die Köln-Arena voll bekommen, sagte er. Da passen 11.000 Leute rein. Das finde ich viel gruseliger als Herman: Dass sich so viele Leute so eine objektive Scheiße angucken. Barths Auftreten ist wesentlich unangenehmer als Herman.

Kerner ist übrigens einer, bei dem selbst ich den Begriff „Gutmensch“ verwenden würde. Er sagte in der Sendung, dass er sich jetzt zum ersten Mal die Homepage der NPD angesehen habe (natürlich rein beruflich) und sicher auch zum letzten Mal. Das ist so eine lächerliche Distanzierung. Als ob man Nazi sei, nur weil man sich die Homepage der NPD anschaue. Kerner sagt, dass er sich nicht im Original informieren will, hat aber gleichzeitig den Anspruch, über die NPD Bescheid zu wissen. Ist es fies, wenn ich jetzt meine, ich könnte mir den Moderator Kerner in jedem politischen System vorstellen? Weil man auf seinem intellektuellen Niveau alles begründen kann?

Herman bietet auf ihrer Homepage die Audio-Datei des umstrittenen Satzes an, es geht da noch ein bisschen weiter als gestern bei Kerner. Sie berichtet von einem angeblich linken und früher sogar „ein bisschen linksradikalen“ Musikprofessor, der sich auch in die rechte Ecke gedrängt sieht, weil er in Hamburg einen Chor gründen will. Das passt in das neoreaktionäre Bild: Diese Leute behaupten gerne, sie wären umgeben und gefangen von linken Gutmenschen, die politisch korrekte Meinungskartelle aufgebaut hätten, die man nun mutig in Frage stelle. Es ist nichts als Blödsinn. Wie viele Chöre gibt es in Deutschland? Ich habe selbst jahrelang im Schulchor gesungen, danach in mehreren Chören von Universitäten. Mich hat niemand deswegen in die rechte Ecke gedrängt. Warum sind rechte Positionen von vornherein geistig so jämmerlich? Ich weiß es nicht.

Christine Eichel ist Co-Autorin des „Eva-Prinzips“, lese ich gerade. Meine Güte. Ich kenne sie, weil sie ihre Dissertation (glaube ich) über die Ästhetik von Adorno geschrieben hat. Sie arbeitet jetzt beim dem lustigen Cicero (die mit der Intellektuellen-Liste) und schreibt in ihrem Blog, dass sie nun mutig eine Lanze für Elke Heidenreich bricht, weil es „höchste Zeit“ sei, das „Meinungskartell deutungsmächtiger Herren wie Grass und Walser in Frage zu stellen“.

Schon wieder so ein reaktionärer Quatsch. Elke Heidenreich moderiert eine Literatursendung mit Millionenpublikum und taucht sicher am laufenden Band in den Medien auf. Sie wird also bedroht von einem Meinungskartell? Gegen das sie sich anscheinend nicht selbst durchsetzen kann? Und die mutige Christine springt ihr bei? Mutig, weil sie jetzt auch zum Abschuss freigegeben werden darf vom Meinungskartell?

Die lustigen Neo-Bürger. Eine einzige Katastrophe.

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