Kurz etwas zum deutschen Donald Trump

Endlich sagt´s mal einer:

Über Tote nur Gutes? Geht leider nicht: Helmut Kohl war provinziell, patriarchalisch, abwehrend gegenüber Ausländern, herablassend zu Intellektuellen – und ganz gewiss kein Glücksfall für Deutschland.

Schreibt auf Spiegel-online Michael Sontheimer, Historiker und Sohn des Politikwissenschaftlers Kurt Sontheimer.

Kohl war eine neurotische Dumpfbacke, unbeherrscht, psychologisch zeitlebens auf dem Stand eines 13-Jährigen stehengeblieben, ein Lügner, ein vormoderner, antidemokratischer Machtmensch; Trump nicht unähnlich.

Er passte mit diesen Eigenschaften ganz gut zum toitschen Volk, deshalb wurde er immer wieder gewählt. Geradezu unerträglich seine Auftritte in den Elefantenrunden 1976 und 1980, bei youtube erhältlich. Moralisierend, selbstgerecht, dauerempört. Da waren seine katastrophalen familiären Verhältnisse noch nicht bekannt.

Das „Schwarzbuch Kohl“ beschrieb 1994 detailliert Kohls frühe Verbindungen in die pfälzische Wirtschaft und zu alten Nazi-Größen wie Schleyer und Fritz Ries, seiner Bimbes-Politik die folgerichtig zu den „Ehrenwörtern“ führte. Und dass seine Politik heute nicht als eine des Sozialabbaus gilt, liegt nur an den Verwüstungen, die rot-grün nach ihm anrichtete.

Bei aller Kritik darf man Kohls unbestrittene Verdienste erwähnen: Er machte die pfälzische Küche weltweit bekannt. Kartoffelsuppe, Saumagen, Leberknödel, Dampfnudeln, Flammkuchen, Schnecken, Kirschenplotzer und ein guter Zwetschgenkuchen, dazu einen Schoppen Wein, sind ganz hervorragende Gerichte, die in ihrer charmanten Mischung aus deutscher Derbheit und südländischer Raffinesse in unseren Breitengraden, wie man sagt, ihresgleichen suchen. Wer einmal in der durch und durch katastrophalen Küche Norddeutschlands versucht hat, etwas zu essen, weiß, was ich meine.

Was isst Merkel eigentlich? Vermutlich nichts.

Kohl als Förderer kulturell-kulinarischer Werte – dafür sollte man ihm posthum einen Orden verleihen. Den Rest kippen wir in die Tonne.

 

 

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Über Solidarität und Tornados im Kapitalismus

Gentrifizierung, Staffel 5, Episode 6: Teeater, ein kleiner Laden im Prenzlauer Berg in Berlin, muss schließen. Grund: Im Februar flatterte eine Mieterhöhung von 100 Prozent ins Haus. Der Eigentümer ist ein dänischer Immobilieninvestment-Fonds. Dort legen vielleicht Leute ihr Geld an, um im Alter, wie man sagt, eine höhere Rente zu bekommen.

Bemerkenswert ist die Reaktion der Ladeninhaberin, Sabine Landsberger, laut Tagesspiegel:

„Mir war klar, dass ich irgendwann dran bin, aber nicht so“

Genau. Da ein Mietverhältnis im Kapitalismus ein Naturverhältnis ist, ist man halt irgendwann dran. Irgendwann bricht der Vulkan aus, das Unwetter ereignet sich, der Tornado deckt das Dach ab. Es kann ja nicht immer die Sonne scheinen. So geht das.

Die Stoßrichtung des Tagesspiegel-Artikels ist bezeichnend. Landsberger hat ganz in der Nähe, in der Dunckerstraße, einen anderen Laden gefunden, den sie zu einer offenbar noch akzeptablen Miete nutzen kann:

Am Freitag organisiert Sabine Landsberger eine Umzugskette. Etwa 100 Kunden und Anwohner haben schon zugesagt. Und dann werden Teetassen, Kannen und Postkartenkartons weitergegeben, bis diese in der Duncker ankommen.

Manche Anwohner wollen Plakate mitbringen, Ladenbesitzer aus dem Kiez machen mit. 400 Meter Solidarität. Und ein Zeichen der Wut gegen Gewerbe-Gentrifizierung: Schaut mal, was vor eurer Nase mit den kleinen Geschäften passiert.

Diese Solidarität ist Schein. Ernstzunehmende Solidarität wäre es, den Laden dauerhaft zu besetzen und dem Immobilienfonds auf die Pelle zu rücken. Die Menschenkette könnte dann zum Bollwerk gegen die anrückende Staatsmacht umfunktioniert werden. Solidarität im Zeitalter des Neoliberalismus ist: ein paar Stunden eine Menschenkette bilden, die den Umzug organisiert und die Verhältnisse akzeptiert. Vermutlich wird früher oder später die nächste Menschenkette notwendig sein, dann vielleicht ein paar Kilometer länger.

Die ganze Lächerlichkeit von Demokratie und angeblichem politischen Handeln im fortgeschrittenen Kapitalismus lässt sich mit einer flotten Google-Nachrichtensuche aufzeigen: „mieten“, das wars.

Das Heer der Alleschecker, auch Journalisten genannt, berichten gewissenhaft über die Entwicklung. Die Badische Zeitung versucht es, unseren Kleinen zu erklären:

Das Problem: In vielen Städten, zum Beispiel in Freiburg, gibt es weniger Wohnungen als Leute, die eine Wohnung brauchen. Die Vermieter können daher mehr Geld verlangen, sie finden auf jeden Fall einen Mieter, der ihnen den Preis bezahlt. So können die Mieten sehr hoch sein. Das ist schlecht für Menschen, die nicht so viel Geld haben. Deshalb reden Politiker zurzeit auch so viel über das Thema. Sie fordern, dass mehr bezahlbare Wohnungen gebaut werden.

Schön gesagt: Das Naturverhältnis, nach dem Vermieter „mehr Geld verlangen können“, wird zementiert. Und Politiker reden viel und fordern noch mehr. Hätte dieser lustige Journalist nur einmal ein wenig Marx gelesen, er hätte die Möglichkeit zu einem ernstzunehmenden Erklärungsansatz für die Kleinen in der Hand gehabt. So: herrschaftsaffines Geplapper.

Die Kölnische Rundschau meint immerhin, dass die hohen Mieten eine „Gefahr für den sozialen Frieden“ darstellen. Eher nicht. Ein Tornado ist auch keine Gefahr für den sozialen Frieden. Im Untertanenland Deutschland schon gleich gar nicht.

Die Sächsische Zeitung sagt mit Blick auf Dresden:

„Die Stadt hat kaum Einfluss auf die Mieten“

Nachdem dort vor ein paar Jahren die glorreiche Linkspartei den kompletten kommunalen Wohnungsbestand verhökert hat, könnte da was dran sein.

In Berlin diskutierten kürzlich Spitzenpolitiker, wie man sagt, über das Thema:

An der Frage, wie sich mehr bezahlbarer Wohnraum schaffen lässt, scheiden sich die Geister der Spitzenpolitiker. Einig sind sie sich aber, dass etwas geschehen muss.

Das ist der aktuelle Stand nach mindestens zehn Jahren Diskussion über Gentrifizierung. Es ist eine Mischung aus Desinteresse und Unfähigkeit. Natürlich haben FDP, CDU und AfD kein Interesse an niedrigen Mieten. Die hofieren das Kapital. Bei den anderen dürfte so langsam durchsickern, dass sie noch mehr Wähler verlieren, wenn sie nicht einmal das grundsätzliche Thema Wohnen ernsthaft angehen. Aber der einzige, der diesbezüglich etwas zu melden hat, wurde bekanntlich vergangenen Herbst schon aus dem neuen Berliner Senat entfernt. Und auf Bundesebene ist nicht zu erwarten, dass sich irgendwer um das Thema kümmert.

Politik als Mischung aus Korruption und Dämlichkeit. Die Kapitalerwertung ist unantastbar.

Der neue Heilsbringer Martin Schulz erklärt, dass Wohnen „ein Grundrecht“ sei. Beruhigend. Das Weitestgehende, das man heute von der Sozialdemokratie erwarten kann: für den Wohnungsbau Steuergelder verwenden. Geld, das auf Umwegen in die Taschen des Kapitals fließt.

So lange die Politik nicht erkennt, dass das einzig relevante Problem die Kapitalverwertung von Immobilien ist, wird sich an dem Thema nichts ändern. Wohnungsbau aus der Kapitalverwertung rausnehmen und schon wohnen wir alle für fünf Euro den Quadratmeter oder weniger.

Hätte ein Partei oder einer dieser Hampelmänner und -frauen, die man Politiker und Politikerinnen nennt, ein ernsthaftes Interesse an der Lösung des Problems, würden sie exakt in dieser Stoßrichtung vorgehen. Diese Kameraden und Kameradinnen schaffen es allerdings nicht einmal, eine Mieterhöhung von 100 Prozent zu verbieten.

Episode 7 wird sich nicht verhindern lassen.

(Fotos: genova 2015)

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Von der wertbasierten Verseuchung der Welt

Die Welt ist PR-verseucht. Nichts neues, aber es ist immer wieder atemberaubend, wie man sagt, wenn man konkreten Auswüchsen dessen begegnet. So hat sich offfenbar die Architektenkammer Berlin vorgenommen, das Programm des diesjährigen Tages der Architektur – der morgen und übermorgen stattfindet – mit banalem Gequassel vollzupacken.

Ein Programmauszug, es geht hier um die Umnutzung einer denkmalgeschützten ehemaligen Malzfabrik in Tempelhof:

Das Industriedenkmal Malzfabrik ist eine pulsierende Insel mit Fokus auf Kreativität, Kultur und Innovation […] Mit einer nachhaltigen Unternehmensphilosophie, innovativen Ideen und Leidenschaft hat es Malzteam geschafft, einen einzigartigen Kreativwirtschaftsstandort aufzubauen. Malzfabrik präsentiert sich heute als Marke und steht für eine wertbasierte Immobilienentwicklung, die soziale, ökonomische und ökologische Aspekte nachhaltig verbindet.

Der Text ist so schlecht, dass er zur Karrikatur seiner selbst wird. Ich frage mich, ob heute noch jemand auf eine solch sinnlose Aneinanderreihung trendiger Wörter hereinfällt.

Pulsierend, Kreativität, Kultur, Innovation, nachhaltig, Unternehmensphilosophie, innovativ, Leidenschaft, einzigartig, Kreativstandort, Marke, wertbasiert, Immobilienentwicklung, sozial, ökonomisch, ökologisch, nachhaltig.

Es steht in diesem Text naturgemäß überhaupt nichts. Es geht rein um den flow, um das Wohlgefühl, dass beim Leser erzeugt werden soll, wenn er all diese Begriffe in sich hineinfließen lässt. Wobei eben, wie gesagt, eine solche sinnlose Häufung doch das Ziel verfehlen dürfte.

Ich vermute, dass die Architektenkammer die eingeladenen Architekten einfach auffordert, eigene Texte abzugeben. Und die beauftragen dann einen PR-Fuzzi. Es wäre selbstverständlich, dass die Architektenkammer in der Lage ist, in eigenen Worten zu begründen, warum genau dieses Projekt ausgewählt wurde. Aber vielleicht wissen die das selbst nicht so genau oder es ist Geld im Spiel.

Die PR-Verseuchung der Welt ist die schleichende Vergiftung unserer Hirne – wertbasiert, pulsierend und kreativ.

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o.T. 377

(Foto: genova 2014)

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Die Grenzen von Sozialem und Demokratie

Wohnungen als Kapitalanlage sind nicht das einzige, aber ein typische Zeichen für das asoziale Element des Kapitalismus. Die FAZ schreibt:

Die Kundin aus Hongkong kam zum Großeinkauf. Bis zu vier Wohnungen würde sie gerne erwerben, ließ die Chinesin das Immobilienunternehmen Berlin Property Services wissen. In Frage kämen ausschließlich Neubauten, am liebsten mit einem bis zwei Zimmern, bloß nicht zu groß und in möglichst zentraler Lage.

Indes haben nicht nur private Anleger den deutschen Wohnungsmarkt entdeckt. Im Herbst 2016 hat der chinesische Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) 16.000 Mietwohnungen in Berlin, Kiel, Rendsburg und Köln erworben und dabei die großen börsennotierten Wohnungsgesellschaften wie Vonovia und Deutsche Wohnen ausgestochen.

Chinesen kaufen Wohnungen und vermieten die erst einmal, steht in dem Artikel noch. Wenn später das Kind in Deutschland studiert („Viele Chinesen haben erst in jüngster Zeit mitbekommen, dass es in Deutschland keine ernstzunehmenden Studiengebühren gibt“.), meldet man einfach Eigenbedarf an. In Frankfurt zahlen Chinesen durchschnittlich 9.000 Euro pro Quadratmeter. Man kann sich grob ausrechnen, wie hoch dann die Miete ist, die man bezahlt, bis man wegen Eigenbedarf rausfliegt. Es ist offenbar zwingend notwendig, dass den Chinesen hierzulande Kapitalverwertungsmöglichkeiten geschaffen werden. Zuerst beuten sie Millionen oder Milliarden Landsleute aus, dann pushen sie damit anderswo die Wohnpreise.

Was sagt eigentlich der aktuelle Boss der Genossen, der sich kürzlich noch so intensiv um den „hart schuftenden Busfahrer, der nicht weiß, wie er seine Miete bezahlen soll“ gekümmert hat, dazu?

Der erreichte Produktivitätsstand in dieser Gesellschaft ermöglicht naturgemäß gutes Wohnen für fünf oder sechs Euro warm. Kapitalistische Logik treibt den Preis auf 20 Euro hoch. Ein „Markt“ existiert nicht. Alles ganz normal. Dieser Staat kann sich noch so oft sozial nennen: Geht es um die Kapitalverwertung, ist das bloßes Geschwätz. Selbst die Überlegung, dass bei niedrigeren Mieten das gesparte Geld anderswo in die Wirtschaft investiert würd, interessiert nicht. Der Fetisch der Geldvermehrung für die, die eh schon zu viel haben, ist unantastbar.

Vielleicht sollte man Artikel 1 GG entsprechend ändern. Und Artikel 20 („Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“) um den Zusatz „- solange Kapitalverwertungsinteressen nicht tangiert werden“ ergänzen. Der Ehrlichkeit halber.

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Labilität und Stärke

„Schwerpunkt meiner Arbeit ist das Aufzeigen und das Vereinen von Polaritäten wie Labilität und Stärke, Fragilität und Masse, Bewegung und Statik sowie Balance und Volumen.“

Sagt die Bildhauerin Susanne Kraißer. Ziemlich nachvollziehbar.

Sie hat beim Modellieren keinen Plan, „den ich verfolge und zum Schluss bringe“, sagt sie. „Ich spiele beim arbeiten.“ Sie arbeitet mit weichem Wachs, der sich lange formen lässt.

Die Figuren haben etwas ungemein Intensives. Würden sie unvermittelt anfangen, sich zu bewegen, zu laufen, sich die Haar zu kämmen, man wunderte sich nicht. Die Platzierung auf der Betonstele unterstreicht diese Polarität: Der starre Beton, der fragile, lebendige Mensch.

Ohne den Begriff der Erotik ist eine Beschreibung dieser Figuren ein wesentliches Element nicht erwähnt. Man dringt als Betrachter in ihre Intimsphäre ein, was einem bei einem Stück Wachs gleichzeitig unwahrscheinlich und sehr real vorkommt. Ich habe überhaupt den Eindruck, als habe Kraissler ihre Objekte zu sehr konkreten Subjekten gearbeitet, mit Hüften, Beinen, Nacken und Kopfhaltungen, die etwas von dem Effekt realistischer Malerei haben, ohne krampfhaft eine Illusion schaffen zu wollen. Die Verbindung von starrer Materie zu Köperhaftigkeit, zu menschlicher Bewegung mit Makeln, scheint hier selbstverständlich und ohne Alternative. Es ist dieser Moment der angedeuteten und gleichzeitig ausgeführten körperlichen Dynamik, die hier so reizvoll ist.

Gefunden in einer Galerie in Ravensburg. Bemerkenswert, was die Provinz zu bieten hat.

(Fotos: genova 2017)

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Von Antisemiten und anderen Verschwörungstheoretikern

Eine ganz interessante Doku mit dem Auserwählt und ausgegrenzt über den aktuellen Antisemitismus von allen Seiten:

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Auserw%C3%A4hlt-und-ausgegrenzt-Der-Hass-au/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=43708284

Sie sollte eigentlich auf arte laufen, wurde aber kurzfristig aus dem Programm genommen. (Nachtrag 22.6.: Der WDR hat sie nun ausgestrahlt.) Nett ist heutzutage, dass man solch Zensur nicht mehr befolgen muss. Man schaut den Film einfach auf youtube an. Bemerkenswert auch die Hinterwäldler-Redaktion der Zeit, die schreibt, der Film sei „kurzzeitig auf bild.de“ zu sehen gewesen, aber nicht auf die Idee kommt, dass er dann dauerhaft im Internet zu finden sein wird. Die Öffentlich-Rechtlichen diskutieren darüber, ob man die Doku irgendwann einmal in einem dritten Programm kurz vor Mitternacht zeigen wird. Youtube kommt in deren Welt nach wie vor nicht vor. Kaum zu glauben.

Die Doku ist sehenswert. Nahezu alles, was dort gezeigt wird, ist wohl richtig. Der Antisemitismus unter Rechten, Linken und Moslems ist uferlos, es gibt nach wie vor extrem viele Komplexler weltweit, die sich an Juden abreagieren, weil sie irgendein anderes Problem haben. Die Minderwertigkeitskomplexe von Moslems sind da die bekanntesten. Vorfälle wie die im Großraum Paris, wo Moslems in großer Zahl Jagd auf Juden machen, wo man sich als Jude kaum noch in die Öffentlichkeit traut, sprechen Bände. Und auch in Neukölln wird kein Jude, der noch alle Tassen im Schrank hat, erkennbar als solcher herumlaufen. Massiver Antisemitismus ist Alltag in Deutschland und anderswo. Und mit dem Zuzug von einer Million Flüchtlingen, die vermutlich zum größten Teil antisemitisch sozialisiert sind, wird sich die Lage für Juden in Deutschland weiter verschlechtern.

Es ist trotzdem ok, dass arte den Film nicht ausgestrahlt hat. Oder besser: Dass dadurch eine Diskussion angezettelt wurde. Denn Ausgewählt und ausgegrenzt nimmt unverhohlen Partei für die Juden. Palästinenser und ihre Unterstützer kommen nur als Hardliner, Nazis, dogmatische Linksextremisten und Verrückte vor. Eine Nakba gab es eigentlich nicht. Gaza ist einfach nur ein angenehmer Wohnort, den die Hamas korrupt regiert. Die Bevölkerungsdichte in Paris ist höher und ist Paris nicht eine schöne Stadt?

Der Film entlarft sich in seinem Verlauf immer weiter selbst. Er beschreibt die Argumentation der Antisemiten durchaus richtig – Die Juden sind allmächtig und die Täter, die Opfer sind alle anderen: Moslems, die Deutschen, die Amerikaner, alle werden gesteuert und ausgebeutet von den Männer mit den Hakennasen, die unsere Brunnen vergiften.

Allerdings dreht der Film den Spieß einfach um. Nun sind die Juden die Opfer aller anderen: der Moslems, die einen judenreinen Nahen Osten wollen, der EU, die jedes Jahr riesige Geldbeiträge nach Gaza und Ramallah pumpt und damit Antisemitismus fördert, der Deutschen, die diese EU-Zahlen hauptsächlich leisten, der Amerikaner, weil von dort auch riesige Geldbeiträge kommen, der Christen, weil die via „Brot für die Welt“ und vielen anderen Organisationen Palästinenser in ihrem Judenhass unterstützen und überhaupt hunderter von NGOs weltweit.

Die Juden sind die armen Opfer, die sich gegen das weltweit versammelte antisemitische Establishment kaum noch wehren können. Israel macht nur hin und wieder, ganz selten einmal, einen Fehler, der kann ja mal passieren. Und überhaupt existiert Palästina ganz zurecht nicht, das ist alles Großisrael und die Araber sollen halt nach Jordanien ziehen. Der Film hat etwas Verschwörungstheoretisches. Übrigens sind auch der Spiegel und die Süddeutsche Teil der antisemitischen Front.

Wer im Nahostkonflikt derart parteiisch agiert, hat kein Interesse an Frieden oder irgendeiner Form von Verständigung. Wie gesagt, so ziemlich alles in dem Film Gezeigte ist richtig. Es fehlt nur die andere Seite. Lässt man die weg, handelt man fahrlässig.

Dämliche Araberverteidiger und dämliche Judenverteidiger sind sich ähnlicher, als sie vermuten.

So zeigt sich ein weiteres Mal, dass der Konflikt zwischen Juden und Arabern außerhalb der Region in erster Linie auf das Interesse unangenehmer Zeitgenossen stößt: Leute, denen es um irgendetwas geht, nur nicht um Frieden zwischen den Menschen dort.

Könnten die paar vernünftigen Leute da unten bitte mal eine Doku drehen? Danke im Voraus.

Update:

Hier bietet der Service-Blog Exportabel einen Mitschnitt der Maischberger-Sendung zum Thema:

http://www.ardmediathek.de/tv/Maischberger/Israelhetze-und-Judenhass-Gibt-es-einen/Das-Erste/Video?bcastId=311210&documentId=43710046

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Ein kurzes, aber sehr gutes und sehr tiefgründiges Politstatement:

In Großbritannien erzielt die Labourpartei unter Jeremy Corbyn ein ziemlich gutes Ergebnis. In den USA wird Bernie Sanders fast zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und man sagt, wie man sagt, er wäre heute, wäre er es geworden, Präsident der USA. Corbyn vertritt Positionen, wie sie hierzulande der linke Flügel der Linkspartei vertritt. Bei Sanders sieht es ähnlich aus. In Frankkreich haben Mélenchons aufsässige Franzosen die dortige SPD klar überholt.

Jungwähler behandeln Corbyn und Sanders fast wie Popstars, sie wählen die beiden zu weitaus größeren Anteilen als die anderen Altersgruppen.

In Deutschland macht die SPD in dubiosen Hinterzimmervereinbarungen den Hampelmann Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten, der auch fünf Monate nach seiner Inthronisierung keine einzige ernstzunehmende politische Forderung auf die Beine gestellt hat. Dümmer geht´s nimmer. Hoffen wir, dass sie im September auf ähnliche Ergebnisse wie die französischen Kollegen kommt. Eine linke Politik ist nur mit einer marginalisierten oder am besten zerstörten SPD möglich. Mal sehen, wie sich Wagenknecht entwickelt. Auf dem Hannoveraner Parteitag hat Gysi ihr vorgeworfen, rechtsextremistisch zu sein, also eine Nazi-Tante. Gysi schafft das mit dem Kunstgriff, den Bezug zur Nation als nationalistisch, als rechtsextrem zu kategorisieren. Der Bezug zur Nation ist naturgemäß ein falscher, vor allem hierzulande. Der Alternative des neoliberalen free floating hat Mister Gysi außer netten Worten allerdings nichts entgegenzusetzen.

Das Potenzial für deutliche, vielleicht sogar radikale Veränderungen, für eine Abkehr vom Neoliberalismus ist wohl gegeben. Im Lämmerstaat Deutschland gibt es bezeichnenderweise ein Festhalten an Königin Angela und eine in weiten Teilen neoliberalisierte Medienlandschaft, die sich der Königin nur mit der gebotenen Ehrfurcht nähert.

Die Linkspartei fordert nun zwölf Euro Mindestlohn. Ich sage diesbezüglich voraus, dass die üblichen Verdächtigen im Wahlkampf den Absturz des Wirtschaftsstandortes Deutschland voraussagen werden.

Die Medien werden das tun und Angela auch. Vermutlich sogar der Hampelmann.

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o.T. 376

(Foto: genova 2016)

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Kurze Bemerkung zum gefährlichsten Land der Welt

Kann man die USA als das gewalttätigste, imperialistischste und somit gefährlichste Land der Welt bezeichnen? Leider ja.

Seit 1945 betreiben die Amis eine Politik des Stärkeren, keine Politik des Rechts oder gar der Menschenrechte und ähnlichem. Diese Leute nehmen sich permanent heraus, jedes Land der Welt anzugreifen, zu destabilisieren oder zu zerstören, wenn es ihren vermuteten Interessen dient. Irak ist nur ein Beispiel. Es gibt kein mittelamerikanisches Land, in dem die Amis in den 1980ern nicht mit ihren schmutzigen Händen Menschen ermordet hätten. Nicaragua war der prominenteste Fall. Seit Jahrzehnten kooperieren sie mit den Saudis, um den wesentlich moderateren Iran an den Pranger zu stellen. Der große Friedensengel Obama hat in seinen Amtszeiten mehrere tausend unschuldige Zivilisten via Drohnen ermorden lassen. Da findet dann ein somalischer Bauer seinen Sohn in Stücken auf dem Feld herumliegen. Die kann er dann zusammensuchen. Für einen Friedensnobelpreisträger ist das kein Problem.

Kein Problem für die Amis.

Die Geisteshaltung eines offenbar nicht kleinen Teils der Amis ist eine Katastrophe. Schlechtes Essen und Töten im Namen des Guten. Gut, weil Amerika. Iran, lese ich heute in der Süddeutschen, provoziere mit seinen Schnellbooten immer wieder Zwischenfälle mit amerikanischen Kriegsschiffen. Wo? Direkt vor der iranischen Küste. Was würden eigentlich die USA machen, wenn iranische Schnellboote vor der Freiheitsstatue umherbrausen würden?

Die USA sind im permanenten Kriegszustand mit sich selbst und dem Rest der Welt. Ob mit oder ohne Trump, ist völlig egal. Unvergessen der Satz eines republikanischen Bewerbers in einem Wahlkampf vor ein paar Jahren:

„Wir wollen, dass der Rest der Welt so wird wie wir.“

Das wäre wohl deren Ende.

Das nur mal so nebenbei. Die positiven Aspekte der USA lasse ich jetzt aus Zeitgründen weg.

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