Kurze Anmerkung zu Sprache und Bewusstsein

Kürzlich las ich in einer Wiener Zeitung namens heute einen Artikel über Anwohnerparkplätze. In Wien pinselt man die Parkberechtigung direkt auf den Parkplatz:

1119822_1_20150803_Anwohnerparken_03

Da man ja für Gleichberechtigung ist, steht auf den Parkplätzen abwechselnd “Anwohner” und “Anwohnerinnen”. Das führte laut heute zu Verunsicherung, da männliche Autofahrer nicht wussten, ob sie in einem Anwohnerinnenbereich parken dürfen und umgekehrt.

Lustig und auch nicht. Diese Posse zeigt ein grundsätzliches Problem auf, mit dem man sich in deutschsprachigen Ländern seit den 1980er Jahren herumplagen muss: der gendergerechten Schreibweise, wie man das nennt, in all ihren Varianten.

Bis in die 80er war diesbezüglich die Welt in Ordnung. Wer las, dass München 50.000 Studenten habe, wusste, dass es da nicht um das Geschlecht, sondern um die Tätigkeit geht, dass es also 50.000 Menschen in München gab, die bei an Unis eingeschrieben waren. Dann kamen im Zuge der durchaus notwendigen postmodernen Unübersichtlichkeit eine Menge an sogenannten Feministinnen – nennen wir sie besser negativ konnotiert Emanzen  – und beschlossen, sich wichtig zu machen. Sie fühlten sich plötzlich und angeblich diskriminiert und behaupteten, sie seien via Sprache ausgeschlossen. Ihnen schlossen sich haufenweise Männer an, vermutlich vor allem Ich-Schwache.

Seitdem lesen wir von StudentInnen oder Studierenden oder Student/-innen oder Student*innen etc. Interessant dabei ist, dass die Studentinnen die Quasi-Parität, was die schiere Zahl betrifft, just da erreicht hatten, als sie begannen, sich über die Sprache zu beschweren. Sie haben es also massenhaft an die Unis gebracht, ohne dass ihnen die Sprache etwas verbaut hätte.

Kommunikation ist schwierig genug. Warum sie verkomplizieren?

Sprache ist Teil gesellschaftlicher Übereinkunft. Wenn ich also gesellschaftliche Verhältnisse dahingehend ändere, dass Frauen real gleichberechtigt sind, brauche ich keine andere Sprache. Frauen haben sich übers generische Maskulinum eingebracht und etabliert und das hätte gereicht. Stattdessen kamen die Wichtigtuer, hier vor allem Wichtigtuerinnen.

Es funktioniert ja alles nicht. Beispiel Gerundium: Bäcker sind dann also die Backenden, Architekten die Architektenden und Metzger die Metzgernden.

Sprechen wird durch diesen Genderwahn immer komplizierter. Bei Aufzählungen rede ich dann von Sozialhilfeempfängerinnen und Sozialhilfeempfängern, als wäre das Wort nicht schon lang genug. Es gibt mittlerweile Leute, die ganze und durchaus kluge Vorträge in der weiblichen Form halten, oder ist es das Binnen-I, man hört es nicht. Entschuldigung: Mensch hört es nicht. Ich frage mich bei solch einem Redner, ob der tatsächlich meint, er diskriminiere Frauen nun weniger. Oder man versuche, einen gegenderten Text laut zu lesen. Kaum möglich. Selbst beim leise lesen muss man ständig die Is, die Sternchen, die Schrägstriche gedanklich eliminieren.

Es hat auch so etwas typisch deutsches: Ich muss dem Leser in jedem Satz mit dem Zeigefinger kommen. Seht her, ich achte auch auf Frauen! Ich grenze sie nicht aus! Ich bin für Gleichberechtigung! Ja, es gibt auch Studentinnen, nicht nur Studenten!

Wer hätte das gedacht.

Was ist eigentlich, wenn man einen Schlaganfall heraufziehen spürt und einen Arzt sucht? “Ist ein Arzt oder eine Ärztin da?”

Sprache beeinflusst Bewusstsein, sicher. Aber doch nicht so billig. Sprache ist vielmehr wandlungsfähig, Semantik wandelt sich notgedrungen in einer sich verändernden Gesellschaft. Wenn man früher etwas für merkwürdig hielt, war das so umfassend positiv gemeint wie jemand, der komisch war. Heute ist es umgekehrt. So geht das. Genausowenig würde man bei Bäckern notwendig nur an Männer denken, wenn es eine erhebliche Zahl von Bäckerinnen gäbe.

Leider schaffen auch diese Genderdödel Realitäten: Wenn heute an einer Uni auf einem Flugblatt nur von “Studenten” die Rede ist, weiß man, dass es sich um eines des RCDS oder ähnlicher Gruppen handelt. Wenn ich überall nur noch von Bäckerinnen und Bäckern oder BäckerInnen lese, dann ändert sich mein sprachliches Bewusstsein tatsächlich. Irgendwann sind wir dann soweit, dass wir immer beide Begriffe verwenden müssen, um nicht missverständlich zu werden. Früher gabe es diese Missverständlichkeit nicht. Die Emanzen haben es geschafft, dass nach und nach tatsächlich ein anderes Bewusstsein von Sprache vorherrschend wird. Und zwar, und das ist der Punkt, ohne jede Not. Der Genderschreibwahn ist das Produkt wichtigtuerischer Weiber. Dass die sich durchsetzten, ist gesellschaftlich problematisch. Es hängt wohl mit dem notwendig schlechten Bewusstsein der Männer wegen der Benachteiligung von Frauen zusammen. Nähmen sie Frauen ernst, würden sie sich gegen die gegenderte Sprache wehren.

Ganz lustig wird es, wenn die Genderprofessorin Lann Hornscheidt beklagt, sie fühle sich nicht angesprochen, wenn jemand (oder jemenschd?) die “sehr geehrten Damen und Herren” begrüßt. Sie möchte keinem Geschlecht zugeordnet werden. Das ist ja ok und sollte respektiert werden, aber dafür die Sprache umbasteln? Diese Leute sind auf einem üblen intellektuellen Niveau. Sie kapieren nicht, dass Sprache in weiten Teilen aus Abstraktionen besteht, aus pars pro totos. Wenn ich die obige Floskel verwende, so meine ich schlicht alle, die zuhören und gebe einen irgendwie bürgerlichen Rahmen vor.  Zumal die Aussprache gerne ich die Richtung “damenunterrn” geht, sich also auch die anwesenden Männer ob ihrer sprachlichen Benachteiligung beschweren könnten.

Ärgerlich wird diese Entwicklung auch dann, wenn man sieht, was die Germanistik nicht leistet. Um 68 herum entstand der Zweig der Soziolinguistik. Da interessierte man sich für Dialekte und Gastarbeitersprache. Die Soziolinguistik hätte heute ein weites Betätigungsfeld: die Sprache der Wirtschaft, die Sprache der Politik, die Sprache des Neoliberalismus, die Sprache von Pegida. Es müsste das vorherrschende Betätigungsfeld von Germanisten, von Sprachwissenschaftlern sein. Wie sieht es tatsächlich aus? Das Fach Soziolinguistik ist faktisch tot. KeinE einzigeR GermanistIn kümmert sich um die Soziolinguistik des Neoliberalismus. Eigentlich eine Katastrophe. Vielleicht hängt das auch mit der Drittmittelvergabe zusammen. Die genannten Themen sind fürs Kapital nicht sexy.

Es liegt eine gewisse Verschiebung vor – weg von gesellschaftlich und politisch relevanten Themen und Fragestellungen, hin zur banalen Unsäglichkeit der gegenderten Sprache. Hier hat sich ein Teil einer Generation von intellektuell dürftigen Frauen einmal wichtigtuen dürfen und darf das noch immer. Es wird nicht gerade einfacher, Frauen ernstzunehmen, wenn sie sich so danebenbenehmen.

Solange jeder schreibt, wie er will, mag das alles egal sein. Ich komme zu diesem Artikel nur, weil ich irgendwo las, dass in Österreich im Kultur- oder Bildungsbereich gendenderte Sprache vorgeschrieben ist. Blödheit staatlich verordnet.

Aber die Emanzen sind, wie gesagt, auf einem guten Weg: Wer heute von Studenten redet, kann bei demR ZuhörerIn (die deutschen Deklinationsregeln gendern: viel Spaß!) den Eindruck erwecken, er meine tatsächlich nur Männer. Jahrzehntelange Indoktrinierung zeitigt Ergebnisse.

Sprache als Ersatzhandlungsfeld: Anstatt Probleme anzugehen, wird auf einem Feld herumgedoktert, das es mit sich machen lässt, aber nichts ändert.

Und schließlich, weil man ja gerne missverstanden wird: All das Geschriebene berührt nicht die Notwendigkeit dessen, was man gender mainstreaming nennt. Die Versuche, reale Benachteiligung von Frauen aufzuheben, sind natürlich genauso notwendig wie das Bestreben, gesellschaftlich erzeugtes Rollenverhalten immer weiter zu eliminieren. Auch die merkwürdige Einteilung in homo und hetero setzt voraus, dass man das so einteilen kann. Das ist naturgemäß nicht so. Die rot-grünen Bildungspläne sind da vermutlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Bei all diesen Fragen hilft das Binnen-I nicht weiter.

Spontan habe ich diesen Artikel gerade geschrieben, weil ich in einer kleinen Geschichte des östereichischen Liedermachers, wie man sagt, Georg Danzer, diese Passage aus dem Jahr 1973 las:

Die Frauen und Mütter und Mädchen erzählen einander, dass wir Männer alle nur “das eine” von ihnen wollen, und was Wunder – es stimmt -, aber es ja meistens auch bei weitem das Beste, was sie zu bieten haben.

Man könnte vermuten, er habe die gegenderten Emanzen gemeint.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

So lange die Maschinen eigentlich ihr Wesen treiben, wird das Land von Fabriken übersäht, unter denen mehrere Gebäudeanlagen von der Größe des Königlichen Schlosses zu Berlin stehen und ringsum ragen tausende von rauchenden Oblisken der Dampfmaschinen empor, deren Höhe von achtzig bis hundertachtzig Fuß allen Eindruck der Kirchthürme zerstört…

Man ist sehr im Zweifel, was aus diesem furchtbaren Zustande der Dinge werden soll.

(Friedrich Schinkel über seine Englandreise, 1826)

Es war immer ein Wunsch der Bevölkerung, Teile der früheren Kabelfabrik zu erhalten. Der Schornstein als weiterhin sichtbares Symbol schien für viele Bürger ein logisches Element der Erinnerung zu sein

(Aus der Beschreibung eines neuen, sozialen Wohnprojekts auf dem Gelände eines früheren Kabelwerks in Wien.)

Schinkel sorgte sich um den Eindruck der Kirchtürme wegen Schornsteinen, Menschen heute sorgen sich, dass ein Schornstein abgerissen werden könnte. In 100 Jahren sorgen sich vermutlich Landbewohner wegen des Rückbaus von Windkrafträdern.

In Köln sorgte man sich vor einigen Jahren, dass ein paar Hochhäuser den Blick auf das Allerheiligste, den Dom, versperren könnten. Es geht offenbar um optische Umweltverschmutzung. Aber die ist schon beklagbar, wenn ein Wanderer im Alpinen auf einen zweiten trifft. Der beeinträchtigt den Blick aufs Ursprüngliche.

In der Lausitz sorgt man sich aus optischer Perspektive über den Braunkohletagebau . Aber dort entsteht jetzt ein riesiges Seengebiet, die vormals typisch norddeutsch-fade Landschaft wird bereichert.

Die Autobahn längs der ligurischen Küste ist ästhetisch ein wahres Prachtstück, man müsste einmal mit dem Fotoapparat konzentriert dort unterwegs sein.

autobahn

Sich wegen der Optik über hohe oder breite Gebäude zu beschweren, ist doch eher lächerlich. Wenn es wenigstens inhaltliche Gründe gäbe: die Fassade zu reaktionär, die Materialien nicht ökologisch, die Nutzung verwerflich. Aber sich beschweren, nur weil man etwas Neues sieht?

In Deutschland sehnt man sich via regressiver Biedermeierromantik gerne nach irgendeinem natürlichen Zustand. Der Wald, der Sonnenuntergang etc. Der Mensch aber verändert die Welt, seit er da ist. Mir erschließt sich genausowenig das Lamentieren über Orte wie Benidorm in Südspanien, die eine dominante Hochhausfront ans Meer setzen:

benidorm

Je höher die Häuser, desto mehr Menschen haben Meeresblick. Unberührte Natur gibt es sowieso nicht mehr, nur solche, die so aussehen soll. Die Masse wird in Benidorm nicht ignoriert, ihre Infrastruktur wird ganz offen präsentiert. Dorthin kommen Urlauber, die ehrlich genug sind zuzugeben, dass sie sich einen Kehricht für alte Kirchen interessieren. Und die Urlauber dort verhalten sich ökologisch tausendmal korrekter als die vielen Öko-Bürger, die auf dem eigenen Ferienhaus bestehen, natürlich mit ökogeprüfter Bettwäsche. Die dann in die uralten Kirchen rennen, obwohl sie ihnen genauso egal sind wie den Benidormern. Aber man hat ja in der Zeit gelesen, dass die Kirche interessant ist. Und ohne diesen ganzen geheuchelten neoliberalen Wissensscheiß landet auch der Öko-Bürger, das ahnt er, schnell auf dem Abstellgleis. Oder in Benidorm.

o.T. 274

(Foto: genova 2015)

In den Ungers diagonal reingehen

“Früher wären wir in den Ungers mit unseren Sachen diagonal reingegangen. Das brauchen wir heute nicht mehr.”

Sagt Wolf Prix, mittlerweile 72 Jahre alt, von Coop Himmelb(l)au anlässlich ihrer Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt,  das wiederum von Ungers, dem Quadratefanatiker, gebaut wurde (bauwelt 28/2015, S. 4). (Oder sollte man sich das englische “designed” angwöhnen? Gebaut haben ja andere, namenlose.) Andererseits: Coop Himmelb(l)au können in einen Ungers gar nicht anders als diagonal reingehen. Kein Foto eines Projektes von ihnen, das an der ungerschen Wand nicht diagonal präsentiert würde.

In den Ungers mit unseren Sachen diagonal reingehen, eine schöne Formulierung. Hat auch etwas was englisches, spachlich so locker und leicht und völlig unideologisch konstruiert.

(Foto: genova 2015)

 

Rem Koolhaas und die Tropen

Der Architekt Rem Koolhaas beschrieb in den 1990ern in S, M, L, XL die Stadt, wie sie künftig sein sollte. Er nennt sie generic city. Die ist zum einen spontan, weniger geplant, verwzeigter, multihierarchisch, strukturelle vielleicht ein wenig wie die islamischen Altstädte. Zum anderen geht er auf geographische und klimatische Begebenheiten ein:

The Generic City is in a warmer than usual climate; it is on its way to the south – toward the equator – away from the mess that the north made of the second millenium. It is a concept in a state of migration. Its ultimate destiny is to be tropical – better climate, more beautiful people. It is inhabitated by those who do not like it elsewhere.

In the Generic City, people are not only more beautiful than their peers, they are also repute to be more even-tempered, less anxious about work, less hostile, more pleasant – proof, in other words, that there is a connection between architecture and behaviour, that the city can make better people though as yet unidentified methods.

One of the most potent characteristics of the Generic City is the stability of its weather – no seasons, outlook sunny – yet all forecasts are presented in terms of imminent chance and future deterioration … Bad weather is about the only anxiety that hovers over the Generic City. (S. 1262)

Sicher kann man sowas wie den letzten Satz leicht angreifen: Koolhaas ignoriert den Schlamassel der Dritten Welt und blickt aus der Perspektive des reichen und sonnnenhungrigen Nordländers auf die Instrumentalisierten da unten. Man kann den Satz aber auch als bewusst naiv betrachten: eine schöne Vision. Überhaupt lässt man bei Koolhaas am besten das Problematische oder auch schlicht Banale weg und zieht das Originelle raus.

30 oder 35 Grad das ganze Jahr hindurch macht Menschen jedenfalls friedvoller, gelassener, vermutlich in der Tat auch schöner. Es entwickelt sich eine humanere Alltagskultur als in diesen Breiten hier, die eigentlich nicht ernsthaft besiedelt werden sollten. Wie bekloppt waren unsere Vorfahren, sich an Rhein und  sogar an Elbe und Spree niederzulassen? In Gegenden, in denen die Jahresdurchschnittstemperatur bei rund zehn Grad liegt? Wo man also bis auf wenige Tage im Jahr mit einer durch und durch lebensfeindlichen Umgebung konfrontiert ist? Wo man ohne das permanente Erwehren – Heizung, Daunenjacke, Citalopram – gegen diese Feindlichkeit noch vor Sonnenuntergang tot wäre?

Je weiter man nach Norden kommt, desto schlimmer wird es. Das lässt sich schon an den extremen Sonnenaufgangs- und -untergangszeiten ablesen. Nachts nur noch drei Stunden Dunkelheit zu haben, ist genauso menschenfeindlich wie tags nur noch drei Stunden Licht. Hätte Gott seinerzeit vernünftig eingegriffen, hätte sich der Mensch nie über den nördlichen bzw. südlichen Wendekreis hinausbewegt. Hin und wieder eine Expedition oder vollautomatische Gewächshäuser – mehr hätte nicht drin sein sollen.

No seasons – stimmt, und seien wir ehrlich: Das Geplapper vom schönen Herbst und Winter mit Kaminfeuer heißt, sich die Menschenfeindlichkeit schönzureden. Passend dazu, dass die Protestanten sich im Norden ausbreiten konnten. Wer sich in der klimatischen Katastrophe behaupten muss, braucht dazu eine große Erzählung. Entsagung, Bestrafung, der strenge Gott, Kohl in allen Variationen – all das fällt einem nur im Norden ein, als kindliches Weiterspinnen der realen Erfahrung.

Leider reüssieren die Menschen in diesen menschenfeindlichen Gegenden seit Jahrhunderten. Sie müssen via Imperialismus raus aus ihrer Katastrophengegend und bestimmen den Gang der Welt. Aktuell ist es der deutsche Zuchtmeister, der seinen Hass auf die Möglichkeit erfüllten Lebens abreagieren darf. Ich habe das vor einiger Zeit in Bezug auf Norddeutschland, der insgesamt unangenehmsten und dumpfesten Region, die mir je zu Gesicht gekommen ist, auf immer noch sehr lesenswerte Weise und überhaupt ganz authentisch beschrieben.

Die generic city als Lebensentwurf: spontaner, direkter, chaotischer, auf der Grundlage hoher Temperaturen und warmem Wasser. Ein wenig davon kann man derzeit auch in Mitteleuropa mitbekommen. Morgens um acht bei 28 Grad eine Wiener Melange trinken. Zwar mit dem Wissen, dass das morgen schon vorbei sein kann (und auch daher kommt die Dauernervosität in den gemäßigten Breiten). Aber in kurzen, gelungenen Momenten: die unbeschwerte Leichtigkeit des Seins.

(Foto: genova 2015)

o.T. 273

(Foto: genova 2015)

First Class Love

Wie wohl der typische Pegidist auf die Forderung nach “Liebe für alle Menschen!” reagieren würde? Vermutlich mit: “Aber ich will zuerst geliebt werden! Räbää!!”

(Foto: genova 2015)

o.T. 272

(Foto: genova 2015)

Die rote Ampel als “Nachrang”

Ein generelles Legalisieren des Rotfahren bietet übrigens das Idaho Stop Law (von 1982). Es erlaubt Radfahrern, Ampeln wie Stoptafeln und Stoptafeln wie Nachrangtafeln zu behandeln.“ Im US-Bundesstaat Idaho wurde das Gesetz erstmals 1982 verabschiedet.

Ein hervorragender Artikel in der FR zum Thema “Warum Radfahrer keine Ampeln brauchen”. Es geht darum, dass Ampeln für Radfahrer lediglich eine Empfehlung sein sollten. Laut FR gibt es “immer mehr Experten”, die das fordern.

Radfahrer und Fußgänger brauchen keine Ampeln, die gibt es wegen der Autos. Im Postnazideutschland ein naturgemäß unerhörter Gedanke. Deutsche Polizisten päppeln dennoch pflichtgemäß die Stadtsäckel auf, indem sie sich auf die Lauer legen. In Berlin gibt es jetzt sogar Zivibullen auf Fahrrädern, die sich um das Reinheitsgebot der deutschen Verkehrsordnung, was Radfahrer angeht, kümmern.

Die Berliner Zeitung zum Thema:

Die Ampel leuchtet rot, und weder Fußgänger noch Radfahrer halten an. In Frankreich ist das normal. „Ein Fußgänger, der in Paris an einer roten Ampel stehen bleibt, obwohl kein Auto kommt, ist ein Deutscher oder hat deutsche Eltern“, stellte Abel Guggenheim kürzlich fest. Für Fahrradfahrer gilt nach Meinung des Vorsitzenden diverser Radfahrverbände das Gleiche.

Und:

In Paris wird nun erlaubt, was nicht zu verhindern ist. An 1805 Kreuzungen dürfen Radfahrer künftig bei Rot rechts abbiegen. Die französische Hauptstadt wird damit fahrradfreundlicher und schafft sogar mehr Verkehrssicherheit.

Es zeigt sich nun in der Pariser Praxis, dass Ampeln für Radfahrer eher gefährlich sind, wenn die Signale beachtet werden. Etwas, das jeder Radler selbst schon längst erkannt hat:

Die Stadt hat bereits kreuzungsfreie Radschnellstraßen sowie diebstahlsichere Radparkplätze und wird so nicht nur fahrradfreundlicher, sie erhöht auch die Verkehrssicherheit. Drei bis fünf Radfahrer kommen auf den Pariser Straßen jährlich ums Leben. Die meisten tödlichen Unfälle ereignen sich an einer Ampel, wo Radler von anfahrenden Bussen oder Lastwagen erfasst werden.

Christophe Najdoski, Vize-Verkehrsbeauftragter der Stadt, bezweifelt, dass Ampeln entscheidend zur Verkehrssicherheit beitragen. Der Grünen-Abgeordnete verweist auf den sternförmigen Platz am Pariser Triumphbogen. Zwölf Straßen kommen dort zusammen, keine einzige Ampel regelt den Zustrom. Unfälle gibt es kaum. An der mit Ampeln bestückten Place de la Concorde hingegen seien die Unfallzahlen fünfmal so hoch.

In Deutschland undenkbar: Der Arc de Triomphe ist für die deutsche Volksseele das Urbild an Unübersichtlichkeit, an Verwirrung, an Chaos. Das deutsche Gegenstück, der Kreisverkehr am Berliner Großen Stern, ist mit 100 Ampeln bewehrt. Es zeigt sich hier die deutsche Neurose an einem kleinen Beispiel, dafür aber schön deutlich. Die Tatsache, dass die Masse der Menschen ein rotes Licht als verbindlicher betrachtet als ein Blick nach rechts und nach links, spricht Bände.

o.T. 271

198(Fotos: genova 2014)