Zwei Symbolbilder zum Thema „Niedergang des italienischen Kinos“ kostengünstig abzugeben


Gebote bitte per Mail, das Mindestgebot liegt (beim nur zu berechtigten Kunstfaktor 50) bei 8.500 Euro pro Foto. Danke im Voraus.

(Fotos: genova 2017, 2018)

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o.T. 466

(Foto: genova 2018)

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Italia moderna – tre

Teil drei der sympathischen Serie über moderne Architektur in der Po-Ebene. Ich muss es hier noch einmal betonen: Man kann die Po-Ebene nicht zügig bereisen, weil man alle paar Kilometer wegen unglaublich interessanter Architektur zum halten und schauen genötigt wird. Außerdem geht man ständig essen.

Wir, wie man sagt, beginnen mit diesem komplexen Sichtbetongebäude, vermutlich aus den frühen 1970ern irgendwo zwischen Mailand und Parma. Sichtbeton, Fensterbänder, Industrieanmutung, Auskragungen, mächtige Pfeiler, Betonung des Konstruktiven, eine Menge netter Details und vor allem fast verwirrende Vielfalt des Gesamtkörpers. Es ist fast eine Stadt in der Stadt, beeinflusst von der Idee, sich urbanistisch abzukoppeln, aber nicht abgeschottet, sondern offen. Man könnte das Gebäude mit dem diffusen Begriff Brutalismus belegen oder es als strukturalistisch bezeichnen. Gelungen.

Eine Bank in Piacenza. Zwei Kuben, der eine zwei-, der andere fünfgeschossig mit schöner Dachterasse. Als Fassade dient kurzzeitig in Mode gewesenes braunes Glas, der Palast der Republik lässt grüßen. Interessant wäre zu erfahren, ob die beiden Stützen in der Mitte des höheren Gebäudeteils wirklich tragend sind. Wollen wir es hoffen. Aus der Zeit gefallen und gerade deshalb optisch so angenehm ist die Wellblechwand am angrenzenden Gebäude rechts mit dem konstruktivistisch anmutenden Ausschnitt oben.

(Fotos: genova 2018)

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Italiener wollen Herrenrasse sein

Immer wieder irritierend: Italiener mit dem Hitlergruß.

Dabei müsste ihnen doch klar sein, dass sie keine Herrenrasse sind, sondern Untermenschen. Hitler war da aus polittaktischen Gründen nicht eindeutig und akzeptierte pro forma eine zweite Herrenrasse, die italienische. Das hatte Mussolini irgendwann nach den Nürnberger Gesetzen so erklärt. Eine deutsche Herrenrasse im Norden und eine italienische Herrenrasse im Süden, so die Idee. Aber seien wir ehrlich: Mit der Herrenrasse ist es wie mit der Bundesliga: Es kann nur einen Meister geben.

Südländer (mit Teint!) und Herrenrasse, das ist ein no go, da sind die deutschen Nazis sich wohl einig. Die zeitgenössischen Italiener da oben stimmen also unwissentlich ihrer Vernichtung zu, die Deppen. Oder glauben die ernsthaft, deutsche Nazis betrachteten sie als gleichwertig?

Möge der arische Gott ihnen gnädig sein.

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Italia moderna – due

Es folgt Teil zwei unserer symphatischen Familienserie über moderne Architektur aus der dritten Reihe in der Po-Ebene.

Ein variantenreicher Sichtbetonbau (eine Schule), außen ein-, im Kern zweistöckig mit dem prägnanten Eindruck, ohne Fundament, ohne Sockel auf die Erde gesetzt zu sein. Einzelne Kuben verschiedenster Ausmaße sind zu einer Einheit zusammengesetzt, die an guten Strukturalismus erinnern. Es fehlen leider Bilder aus überblicksartigen Perspektiven, was an den vielen Zäunen in der Umgebung lag. Insofern ist auch schwierig zu sagen, ob die ausfransenden Teile doch einer ordnende Gesamtkomposition unterliegen.

Die nächsten Bilder zeigen drei Bauten aus den 1960ern bis 1980ern, die die Vielfalt von Architektur aus dieser Zeit dokumentieren. Links ein kleines Gebäude im International Stile mit einem zurückgesetzten Erdgeschoß. Es wirkt trotz der formalen Geschlossenheit luftig, was auf den fehlenden Stein als Baumaterial zurückzuführen ist. Dass sich die blauen Panele mit der Zeit unterschiedlich gefärbt haben, wirkt eher sympathisch, was bemerkenswert ist, angesichts der doch oft bescheidenen Qualitäten von Patina bei moderner Architketur.

Daneben ein hochinteressantes Gebäude, weil dessen Erdgeschoß völlig anders anmutet als das Obergeschoß. Unten haben wir eine Art 50er-Jahre-Klassizismus mit Rundbogenfenstern und dünnen goldenen horizontal gesetzten Aluprofilen, wobei die Fensterflächen auffallend groß sind, keine Sprossen. Die Rundbögen sind präfabrizierte Betonelemente, die dünnen, ziegelverkleideten Pfeiler machen eher einen filigranen denn einen ernsthaft stützenden Eindruck. Darüber ein viel solideres, stämmigeres Geschoß, das mich strukturell an die portugiesische Moderne der 1940er und 1950er Jahre erinnert, dort allerdings mit anderer Farbgebung. Es hat etwas von abstrakter, geometrischer Kunst. Oben ein markantes, schmuckloses Gesims und ein Flachdach, das als Satteldach beginnt. Die Fenster im gerundeten Mittelrisalit stehen in auffälligem Kontrast zu den vier Hauptfenstern.

Rechts ein breit angelegter eingeschossiger Laden mit großdimensioniertem Sichtbetongesims auf umlaufendem und bis zum Boden reichendem Glasband, der damals typische und nette Versuch der optischen Täuschung: Wie kann das Glas den schweren Beton halten? Ohne Mies van der Rohe wäre dieses Gebäude vermutlich nicht entstanden. Auf die Postmoderne weist dagegen der via Dreieck zurückgesetzte Eingangsbereich hin. Das Hauptgebäude erhebt sich zurückgesetzt, ein ganz und gar indifferenter Kasten aus Fertigteilen, bei dem die Gestaltung zugunsten des betonten Dachs zurückgenommen wurde. Es erinnert an eine Scheune: klobig, klotzig, überstehend, die Holzstreben sitzen auf schmucklosen, rotbraun gestrichenen Säulen. Der Dachgiebel zeigt unverfroren die Holzkonstruktion. Es ist eine hochinteressante Kombination: Unten pure Moderne, oben eine archaische Konstruktion, aber schon im Ansatz gefaked, denn das Alte thront hier auf dem Neuen.

Es fällt generell die Vielfalt moderner Architektur in der Provinz auf. Hier noch eine unscheinbare Halle in Sondrio mit bemerkenswerten Fassadendetails. Die Halle scheint völlig unprätentiös, eine reine Zweck- und Gebrauchsarchitektur mit aber dann doch differenziertem Aufbau: Unten ein Geschoß mit unverputztem Industrieziegel, darüber an den Hauptseiten Putz, seitlich durchgehende Fensterbänder, unterschiedlich hoch abgestuft und mit Holzsprossen gefasst. Skurril auch die sich nach unten verjüngende Holzstütze an der Ecke, die tatsächlich eine statische Funktion haben dürfte. Auffällig sind auch die Betonfensterstürze, oben gar dem Giebel angepasst. Das Gesims, das an den Hauptseiten das EG vom ersten Stock trennt, geht an den Seitenteilen in die unregelmäßige Trennung von Wand und Fensteröffnung über und lässt an den Ecken dem erwähnten Holzpfeiler den Vortritt.

Wir haben hier eine ganz hervorragende Architektur, die sich auf den zweiten Blick als Schatztruhe erweist: Hier hat jemand mit feinem Wissen und vermutlich leichtem Grinsen ein Haus komponiert, das sich über Stunden hinweg mit immer neuen Entdeckungen lesen lässt.

Fortsetzung folgt.

(Fotos: genova 2018)

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Dreimal Funktionalismus

Drei unterschiedliche Ansätze über Architektur und Funktionalismus, die alle auf ein Dilemma hinweisen.

1. Böhm und der nutzbare Raum

Gottfried Böhm, schrieb die bauwelt im April 2010, habe keine spitzen Winkel gebaut und deshalb seien bei seiner Architektur auch keine nicht nutzbaren Räume entstanden – ganz im Gegensatz zu den Gebäuden dekonstruktivistischen Superstars Zaha Hadid und Frank Gehry.

Zu Böhms Werk zählen solch wunderbaren Kreationen, wie man sagen kann, wie St. Gertrud in Köln, das Rathaus in Bensberg, die Kirche in Neviges und auch Teile des Kölner Stadtteils Chorweiler. Expressionistisch, brutalistisch, skulptural, organisch, was auch immer, nicht einfach bestimmbar und vielleicht deshalb: Es ist unbestritten gute Architektur. Es gibt hier also, laut bauwelt, keine nichtnutzbaren Räume, was bedeutet, das der vom Architekten zur Verfügung gestellte Raum komplett genutzt werden kann. Wofür und ob geplant oder zufällig, bleibt dahingestellt.

Böhm ist keineswegs das, was man einen Architekten des Funktionalismus nennt, dennoch ist diesen Ausführungen gemäß das Ergebnis seiner Architektur funktional – die Räume sind gut nutzbar. Diese Architektur funktioniert.

2. Mümken und die Entfremdung durch Wohnen

Anlässlich dieser Kritik an nicht nutzbaren Räumen fällt mir ein Aufsatz von Jürgen Mümken ein. Der „Postanarchist“, wie wikipedia meint, schrieb vor einiger Zeit über „Neues Bauen und die Taylorisierung des Lebens“:

Das Neue Bauen und Neue Wohnen kam in den 20er Jahren in einem sozialistischen bzw. sozialreformerischen Gewande, war aber nur eine Etappe in der Modernisierung des Kapitals. Daß SPD und Gewerkschaften die Trägerinnen dieser Modernisierung war, darf uns nicht wundern, denn sie hatten die Überwindung des Kapitalismus schon lange aufgegeben, aber auch die KPD konnte sich von Mythos der »Entwicklung der Produktivkräfte« nicht lösen. Ich weiß nicht, wie AnarchistInnen und AnarchosyndikalistInnen in den 20er Jahren dem Neuen Bauen und Neuen Wohnen gegenüber standen, aber aus heutigen Sicht gibt es daran mehr zu kritisieren als zu loben. Es ist notwendig die kapitalistische Stadt und Architektur zu überwinden, wenn wir eine freie sozialistische (sprich anarchistische) Gesellschaft wollen.

Zusammengefasst sagt Mümken: Die Taylorisierung formalisierte den Arbeiter nicht nur im Arbeitsprozess, sondern auch beim Wohnen. Denn auch im vermeintlich sozialen Neuen Bauen der 1920er Jahre sei es nur um „Rationalisierung und Modernisierung der Bauproduktion“ gegangen. Dieser „Aberglaube an die `Wirtschaftlichkeit´“ habe „dazu beigetragen, die Arbeit immer mehr zu entfremden“ – und den Bewohner vom Wohnen entfremdet, könnte man hinzufügen.

3. Kroll und der Militarismus im Bauen

Der so fabelhafte wie vergessene belgische Architekt Lucien Kroll entwickelte die These, dass die moderne Architektur im Funktionalismus erstarrte, weil sie sich nicht der ihr innewohnenden militaristischen Struktur entledigte, sondern dieser immer mehr aufsaß.

Kroll beschrieb die Architekturgeschichte in einem Aufsatz für die Zeitschrift Freibeuter (Ausgabe 12) im Jahr 1982 als „Kampf zwischen den Galliern und den römischen Legionen“. Die vorherrschende Macht sind demnach die angepassten Funktionalisten, er und ähnliche sind die Gallier.

Die Gallierthese ist immer etwas peinlich, weil man sich selbst als die heroisch gegen eine Übermacht Kämpfenden betrachtet, aber die Argumentationsrichtung ist sicherlich richtig.

Von den drei Thesen scheint mir die von Mümken die am wenigsten vertretbare. Wohnen in einem funktionalen Haus bedeutet nicht, dass die Bewohner in irgendeiner Weise funktionalisiert wären, gleichgeschaltet, uniformierte, konformierte Bewohner, deren individuelle Bedürfnisse im Neubau getötet seien. Gute funkionalistische Architektur funktioniert im besten Sinn, so wie bei Böhm und vielen anderen, die man gute Architekten nennen kann. Der Funktionalismus in der Architektur war also völlig in Ordnung, solange er als Neues Bauen deklariert werden konnte und nicht in den Vulgärfunktionialismus abglitt.

Guter Funktionalismus funktioniert für vielerlei Bedürfnisse.

Taylorisierung ist vielleicht für den Arbeiter unangenehm und deshalb zu vermeiden, aber das berührt nicht die Frage der so entstehenden Architektur. Die ist gut oder schlecht, unabhängig vom Taylorismus. Vereinheitlichung der Normen und typisierte, modulare und präfabrizierte sind sinnvoll und notwendig fürs kostengünstige Bauen.

Sicher, wir brauchen die Überwindung der kapitalistischen Stadt, aber was Mümken da will, scheint mir eine Art romantische Rückbeförderung ins vormoderne Zeitalter zu sein. Holzhütte und Laugier und so. Eine sozialistische Gesellschaft (den von Mümken fabrizierten Zusammenhang zur anarchistischen Gesellschaft lasse ich jetzt außen vor), die es anzustreben gälte, wäre diese romantische jedenfalls nicht, wenn man eine ungefähre Ahnung vom Stand der Produktionsmittel damals hatte.

Das ist das nächste Problem in Mümkens Analyse: Natürlich ist es sinnvoll, wenn die Produktivität steigt. Das tut sie, seit es Menschen gibt und das wird so weitergehen. Erfinden wird der Mensch immer, sonst wäre es keiner. Es ist ein quasi göttliches Gesetz. Die Frage ist vielmehr, wie man mit der Produktivitätserhöhung umgeht: Kapitalistisch, also besinnungslos auf C Strich gebürstet, oder im humanen, also nichtkapitalistischen Rahmen.

Der Fortschritt in der Architektur aus der Perspektive des Bewohners war also in den 1920er Jahren phänomenal, und zwar auch wegen der Produktivitätsfortschritte. Die Mümkensche Haltung ist meines Erachtens eine typisch deutsche und schon deshalb abzulehnen. Fortschritt wird als per se Böses gebrandmarkt, es soll bitte alles so bleiben wie es ist. Heim in die Romantik.

Ich vermute, dass Böhm und Kroll sich jedweden Produktivitätszuwachs zunutze gemacht haben – im Sinne des Menschen, bleibt zu hoffen.

(Foto: genova 2018)

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Neues von der Geisterbahn

Der Deutschen Bahn sind versehentlich ein paar aktuelle Zahlen zu ihrer Finanzplanung in die Öffentlichkeit gelangt. Das führende Avantgardemedium Deutschlands, die Rheinpfalz, schrieb vor kurzem in ihrer Printausgabe, dass die DB internen Planungen zufolge in den kommenden fünf Jahren alleine für Stuttgart 21 3,3 Milliarden Euro aus Eigenmittel bereitstellen muss.

Stuttgart 21: Eine interessante Geschichte, an der man seit knappen 20 Jahren den korruptiven und bürokratischen Alltag in diesem unseren Lande studieren kann.

Die Bahn bezifferte die Kosten für das Projekt Stuttgart 21 zu Beginn, 1995, auf 2,4 Milliarden Euro. Die Gegner formierten sich und behaupteten, das Ganze werde runde zehn Milliarden Euro kosten. Die Bahn beharrte auf ihrer Zahl. Wir wissen, was danach passierte. Mit den falschen Zahlen gewann die Bahn einen Volksentscheid und seitdem hat sie die Zahlen alle paar Jahre angepasst, wie man sagt. 2010 behauptete die Bahn 4,8 Milliarden Euro, mittlerweile geht sie von 8,2 Milliarden Euro aus, der Bundesrechnungshof schätzt zehn Milliarden. Also die Summe, die die Gegner schon zu Beginn von S 21 prognostizierten. Allerdings würde es wundern, wenn bis zur tatsächlichen Eröffnung des Flughafens und der Neubaustrecke die Summe gehalten würde.

Bislang kam fast die ganze verbaute Summe vom Land Baden-Württemberg, vom Bund und aus Brüssel. Nun sind die Töpfe leer und die Bahn muss ihr Vorhaben selbst bezahlen. Dazu macht sie Schulden und kürzt bei anderen Vorhaben. Der neue Bahnchef Richard Lutz gibt offenbar intern zu, dass S21 aus dem Ruder gelaufen ist.

Dass die DB-Zahlen von Anfang an falsch waren, ist offensichtlich. Dennoch gibt es nirgendwo Konsequenzen. Das seit Ewigkeiten von der CSU geführte Bundesverkehrsministerium macht das Gemauschel seit vielen Jahren mit und Frau Merkel hat offenbar auch ein Interesse daran, dieses defacto kriminelle Verhalten zu decken. Völlig falsche Zahlen, Milliarden von Steuermitteln, eine täglich belogene Öffentlichkeit: Wer so etwas gut hinbekommt, ist entweder Chef der Deutschen Bahn, Verkehrsminister oder gleich Bundeskanzlerin.

So geht Deutschland. Die deutschen Medien schauen gerne nach Russland oder Italien oder in lächerliche Bananenrepubliken in Afrika. Es ist, um das klar zu sagen, hierzulande nicht besser. Man tarnt die Korruption nur aufwändiger.

Wobei Korruption vielleicht nicht der richtige Begriff ist. Vielleicht ist es auch nur eine Mischung aus Büürokratie und Größenwahn. Unvergessen der Kalauer des mittlerweile abgetretenen Bahnchefs Rüdiger Grube aus seinem Antrittsjahr 2009:

„Die Bahn ist dazu da, den besten Service der Welt zu erbringen.“

sagte der GröBaz damals. Es kam hier die Hybris eines extrem ehrgeizigen Aufsteigers zum Ausdruck, gemischt mit dem typisch deutschen Größenwahn, der uns, wie man sagt, die besten Autos der Welt bauen und das wertvollste Blut in den Adern pochen lässt. Naturgemäß braucht es in diesem Environment auch den besten Service der Welt. Und dass wir da nicht ein Land vergessen!

Dieser eine Satz hätte reichen müssen, um Herrn Grube umgehend abzusetzen. Jemandem mit solch absurden Denkstrukturen sollte man nicht die Führung eines Konzerns überlassen, der sich sozial und ökologisch verhalten müsste. Wobei hier mein Denkfehler liegt. Die Bahn soll sich nach dem Willen der Herrschenden vor allem asozial verhalten.

Gruber ist Geschichte, den Service der Bahn kann man vermutlich weiterhin mit einem Superlativ beschreiben, es ist der schlechteste der Welt, und der neue Bahnchef Lutz ist seit 2003 in führenden Positionen mit den Finanzen der Deutschen Bahn befasst. Er hat also auch die wundersamen Preissteigerungen bei S21 mitbekommen. Das qualifiziert ihn vermutlich für seinen neuen Job.

Gruber und Lutz kommen übrigens von ganz unten, aus der Arbeiterklasse, ähnlich wie Gerhard Schröder. Arbeiterklassenangehörige, die aus ihrer Klasse möglichst schnell raus wollen, sind die Schlimmsten, das zeigen nicht nur diese drei Beispiele. Zu jedem Verrat bereit. Vermutlich ist es eine nur teilbewusste Verachtung ihrer Herkunft. Eine Verachtung, die einen massiven Vernichtungswillen beherbergt. Die Agendapolitik Schröders war wohl genau das. Man schämte sich von Anfang an vor seiner Herkunft, vielleicht ekelte man sich davor, man schaffte es dort heraus und das kann dann jeder schaffen. Wer mit 40 noch Arbeiter ist, hat nicht mehr als den Niedriglohn verdient. So geht wohl das Denken dieser Herren.

S 21: Korruption oder Bürokratie?

Beides geht wohl Hand in Hand. Die Politik ist bereit, gefakte Zahlen jahrelang zu decken; in unserer postpolitischen Zeit ist faken Teil von Politik. Wer nicht faked, hat in der Politik nichts verloren. Dieses Faken wiederum schafft Abhängigkeiten, die in unserer hervorragend entwickelten Bürokratie gut übertüncht werden können.

Es ist ein bürokratischer Apparat, in dem jeder Beteiligte nur darauf erpicht ist, seinen kleinen Stall sauberzuhalten. Das Ganze interessiert nicht. Interessierte Kreise infiltrieren gezielt einzelne Bereiche der Bürokratie, und zwar die, die parieren müssen, damit das Vorhaben S21 einen Abschnitt weiter kommt. Und irgendwann kann man nicht mehr zurück. Damit die Leute sich so benehmen können, braucht es natürlich auch eine Öffentlichkeit, die sich das bieten lässt. Der erwähnte Artikel in der Rheinpfalz ist brisant, wird aber nicht weiter interessieren. Die Öffentlichkeit traut der herrschenden Klasse mittlerweile – völlig zu Recht – jede Untat zu, also warum sich darüber noch aufregen?

Vielleicht käme man hier mit Luhmann weiter.

Die sogenannte Bahnreform aus dem Jahr 1993 wäre eine Analyse wert. Es  ging hier um die Kapitalisierung eines großen Staatskonzerns, die zu asozialen Bedingungen führte. Der Staat, kapitalistisch und also naturgemäß auch asozial, sorgte dafür. Offiziell soll die Bahn noch immer an die Börse gebracht werden. Das dient einzig und alleine der Rendite, das Kapital will mehr. Logistisch braucht die Bahn kein Geld aus dem Börsengang. Es ist die kapitalistische Logik, die unerbittlich umgesetzt wird.

An dem Umgang des Staates mit der Bahn kann man überhaupt gut erkennen, wessen Interessen der Staat vertritt. Riesige Güterbahnhofsflächen wurden in den letzten 30 Jahren zu Ramschpreisen verkauft, damit das Kapital dort teure Wohnungen hochziehen kann. Doch die Propaganda des angeblichen „Sozialstaates“ besetzt nach wie vor die Köpfe.

Wie auch immer: Eine absurde Vorstandsclique bei der Bahn und vermutlich korruptionsaffine CSU- und CDU-Politiker an den entsprechenden Schaltstellen in der Politik: Sowas nennt man in Deutschland Verantwortung. Statt der realen zehn Milliarden werden 2,4 Milliarden kommuniziert und alle Verantwortungsträger halten still.

Mit einer Mafia hat das vermutich nicht viel zu tun, dennoch hier noch einmal dieses Stichwort: Italienische Behörden fordern von Deutschland seit langem eine Verschärfung des Strafrechts nach italienischem Vorbild. Deutsche Politiker wollen das nicht.

Warum wohl?

Wichtig bleibt jedoch die Form: Wir danken Ihnen für die Reise mit der Deutschen Bahn.

(Foto: genova 2018)

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Einige sehr grundlegende Gedanken zur Theorie der intellektuellen Abgehängtheit in der Provinz

„Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unterworfen. Sie hat enorme Städte geschaffen, sie hat die Zahl der städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem Grade vermehrt und so einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen.“

(K. Marx, Manifest der Kommunistischen Partei)

Das nebenstehende Foto – kürzlich im Bahnhof einer ganz normalen deutschen Kleinstadt aufgenommen – zeigt das so umfassende wie erschreckende Ausmaß des realen Idiotismus, dem die Landbewohner ausgesetzt sind. Um solche Bilder zu knipsen, muss man nicht extra nach Sachsen fahren, wie man vermuten könnte. Das Landleben ist überall.

Es gibt diese seltenen Momente, wo man nach einem mehrtägigen Aufenthalt in der intellektuellen Einöde den Bahnhofszeitschriftenhandel der nächsten Großstadt betritt und die Sichtung der aktuellen Ausgabe der konkret einem Glücksgefühle beschert: Man ist nicht allein. Oder: Neben der völligen und durch und durch ausgewachsenen Idiotisierung des Lebens gibt es noch ein paar Lebenszeichen.

Man sollte  – das hat mein Besuch in der Kleinstadt ebenfalls zweifelsfrei ergeben – auch mit der Mär des Landbewohners als des Meisters der Kommunikation über den Gartenzaun aufräumen. Der Landbewohner von heute schweigt wie ein Grab, operiert mit einem Laubbläser und liest TV mich und TV schlau. Es sind die Medien der „herrschende Klassen der Gesellschaft“ (Marx).

Das Dorfleben in Deutschland ist eine einzige Katastrophe, ein Hort der Unkultur, der Barbarei, des generellen Unwillens und des Inzests. Allein der vermutlich verbreiteten Sodomie kann man Positives abgewinnen.

Und man muss an dieser Stelle tatsächlich Positives über den Kapitalismus sagen, so wie Marx es getan hat: Hätte das Kapital seinerzeit nicht die Massen in die Städte gezwungen, es müssten heute noch mehr Menschen dem Landlebenidiotismus sich ergeben.

Danke dafür.

(Foto: genova 2018)

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Vom Nichtstun unter Druck und den besseren Nazis

Die völlige und ganz und gar umfängliche Perversion der westlichen sogenannten Leistungsgesellschaften zeigt sich bekanntlich und wie jedes Phänomen beim Beobachten von Details. Eine Annäherung in drei Kapiteln.

I.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete kürzlich in ihrer Wochenendausgabe (15.11., S. 59) über den Trend zum Sabbatical, also einer halbjährigen Auszeit vom Job. Es wäre aber kein Sabbatical im Kapitalismus, würde man dann einfach nichts tun. Das Sabbatical, so die SZ,

„ist zum neuen Statussymbol geworden. Das setzt die Kurzzeit-Aussteiger mächtig unter Druck“.

Das, was man mit der Sechsmonatsauszeit eigentlich vermeiden wollte, nämlich Druck, steigert sich sogar. Laut Süddeutscher, weil in der Auszeit viel Aktivität erwartet wird. Weltreise, Yoga in Indien, Extremklettern, bei Non-Profit-Organisationen mitarbeiten und vor allem: Man muss sich selbst finden. Entsprechende Geschichten nach dem Sabbaticalende werden erwartet. Entspannend wäre es beispielsweise, die sechs Monate kiffend auf dem Sofa zu verbringen, Jazz zu hören und ab und an einen Porno zu gucken. Das aber ist nicht angesagt.

Die totale Marktförmigkeit ist nicht nur im Menschen angelangt, sondern sie ist dort 24/7, wie man sagt, existent. Das haben nicht einmal die Nazis hinbekommen. Man muss, was den Erfolg der Strategie angeht, vor Neoliberalen mehr Respekt haben als vor den Nazis. In Sachen Totalität sind die Neoliberalen einfach die besseren Nazis.

Wir haben die völlige Affirmation, die unbegrenzte Verfügbarkeit über uns akzeptiert. Wir präparieren uns 24/7, auf dass die Verfügbarkeit noch effizienter werde. Deshalb nehmen wir auch hin, dass Konzerne wie Google oder Facebook sich so benehmen, wie sie sich benehmen. Eigentlich ist alles menschlich.

Zwei Wochen zuvor porträtierte die Süddeutsche übrigens eine gut aussehende und schlanke 52-jährige neunfache Mutter, die schon mit 35 Jahren erfolgreiche Fondsmanagerin wurde.

„Bis zum vierten Kind haben wir beide Vollzeit gearbeitet. Das war stressig.“

sagt sie (2.11., S. 19). Sie soll wohl ein Vorbild sein. Toll, was die Frau leistet! Sie hatte tatsächlich 2017 eine viermonatige Auszeit, ein Sabbatical. Was machte sie da?

„Ich habe mein Buch geschrieben“.

Man glaubt es kaum.

Nett, um das mal vorsichtig zu sagen, auch dieser Satz:

„Kinder brauchen Zeit und Aufmerksamkeit.“

Es ist alles eine einzige Perversion.

Ich empfehle als Alternativaktivitäten fürs Sabbatical:

– Schlammcatchen in Marzahn

– Sangriaeimertrinken am Ballermann.

– Investorenbüros anzünden auf dem Kudamm

Aber nur, wenn man dazu gerade Lust hat.

II.

Diese Biopolitik, von Foucault schon früh gut beschrieben, die totale Besetzung der Körper und der Seelen durch die Kapitallogik, ist umso präsenter,  je weniger uns das auffällt. Die totale Verfügbarkeit ist möglich durch die Unauffälligkeit des Vorhabens.

Foucault berichtete in Die Geburt der Biopolitik auch über die Geschichte des Marktbegriffs und sieht ihn „im Mittelalter, im 16. und 17. Jahrhundert“ als einen „Ort der Gerechtigkeit“. Es sei damals nicht um Preisfindung gegangen, sondern nur um die „Abwesenheit von Betrug“, was dem „Schutz des Käufers“ gedient habe. Es sei ein „privilegierter Ort der Verteilungsgerechtigkeit“ gewesen. Später erst sei der Markt zum Ort der Wahrheitsfindung, nämlich eines sogenannten normalen Preises geworden. Dieser Normalpreis ist der objektiv wahre, denn er wird von jemandem bezahlt. Der Markt als Ort der Veridiktion, so nennt Foucault das:

„Der Markt soll die Wahrheit sagen.“

Die Deutsche Bahn – ein hundertprozentiges Staatsunternehmen – hat auch einen Normalpreis, der so absurd hoch liegt, dass ihn kaum jemand bezahlen kann. Er liegt für die Strecke Berlin-München bei 321 Euro hin und zurück. Fährt man zu zweit für ein paar Tage ins Bayrische, ist man nur für die Fahrt 642 Euro los. Das ist normal, sagt die Bahn. Das ist normal, sagt dieser Staat. Es ist eine Art künstliche Wahrheitsfindung.

Vielleicht ist es dieser Normalitätsbegriff, der uns alles mitmachen und erleiden lässt. Es ist halt so, sagt der Deutsche gern. Im Sabbatical sich unter Druck setzen und für 1.000 Euro einen ganzen Monat schuften. Es ist normal, weil wir es tun. Indem wir es tun, realisieren wir die asozialsten Forderungen des Kapitals. Und da das Kapital schon in unseren Gedärmen angekommen ist, ist der Ausweg kaum zu finden.

Der Markt war Ort der Gerechtigkeit und ist nun Ort der Wahrheit. Das nährt die in hier kürzlich geäußerte These von der strukturellen Ähnlichkeit von Neoliberalen, Nazis und religiösen Fanatikern. Alle drei argumentieren mit einem unfehlbaren Gott im Hintergrund: Mit Markt, miit Blut und mit dem absoluten Heiligen. Alle drei komponenten haben immer Recht. Es ist die Norm, bei der Abweichung geahndet werden muss.

III.

„Wie verändert der Neoliberalismus die Art der Menschen, zu denken und zu fühlen, aber auch ihre Körper?“

fragte der Theaterregisseur Falk Richter kürzlich ganz richtig bei einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung („Kultur gegen rechten Kulturkampf“) und konstatierte, dass die neoliberalisierten Menschen „eine Körperlichkeit des erschöpften und überanstrengten Körpers“ aufweisen und in einer Angst abzusteigen leben. Es gebe keine sozialen Netze mehr – und auch keinen Gott, möchte ich hinzufügen.

Richter weiter:

„Es war natürlich irgendwann absehbar, dass der Neoliberalismus eine ganze große Gruppe von Menschen produziert, die eine große Unzufriedenheit haben und die nicht mehr fest in ihrem Leben verankert sind“

und denen

„werden jetzt Angebote gemacht, wohin sie ihren Hass richten können.“

Die Wut dieser Leute richtet aber nicht gegen das Kapital als realen Grund für die Missstände, sondern gegen die weiter unten. Es sind Fiktionen, sagt Richter, und das ist vielleicht gar nicht uninteressant. Man könnte ja sagen, dass die realen Ungerechtigkeiten ein einfacheres Ziel wären als von Umvolkung und Volkstod zu reden. Ist es aber nicht.

Der linke Theoretiker Georg Füllberth sagte dazu vor ein paar Jahren, dass das Kapital

„die Gesellschaft ständig umwälzt: durch technologische Innovationen und die Mobilisierung von Konsens, in dem die Volksmassen selbst als Subjekt ihres Begehrens zur Weiterentwicklung des Kapitalismus beitragen… Die Unterklassen akzeptieren die Hegemonie des Kapitals und befestigen diese durch ihre eigene Mobilisierung selbst.“

Die vom Neoliberalismus produzierte Gruppe von Unzufriedenen liegt meines Erachtens bei knapp 100 Prozent. Bis auf ein paar durchgeknallte Neolibertäre, Hayek- und Rand-Fans goutiert niemand die Auswirkungen realkapitalistischer Politik. Selbst hier, wo wir global betrachtet zu den Gewinnern gehören. Aber wir ahnen alle, dass wir Gefangene sind. Die große Leistung dieses Systems ist es, den meisten glauben zu machen, es gehe ihnen gut. Bewundernswert in dieser Hinsicht ist die Leistung von Unternehmen wie Nike oder Adidas: Sie beziehen die fertigen Schuhe aus asiatischen Sweatshops für ein paar Euro und verkaufen sie für 100 Euro weiter. Gigantische Summen des erzielten Gewinns gehen ins Marketing, das den Leuten einredet, einen Vorteil davon zu haben, für einen Kleidungsartikel mit gut sichtbarem Labelaufdruck viel Geld zu zahlen.

Die Menschen mit diesen Labels auf dem Körper sind zufrieden. Andere sind es, weil sie im Sabbatical aktiv sind.

Die Deutsche Bahn hat den Normalpreis kürzlich umbenannt. Er heißt jetzt Flexpreis.

Vermutlich hilft wirklich nur noch Schlammcatchen.

(Fotos: genova 2018)

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Verkaufe sozialkritisches Bild von Gerhard Richter

Nabend allerseits,

da ich finanziell gerade unter Druck, wie man sagt, stehe, verkleinere ich meine Kunstsammlung und trenne ich mich schweren Herzens von diesem Övre von Gerhard Richter:

Der Meister hat es 1973 gemalt, Öl auf Leinwand, 1,20 x 0,80 m, ohne Titel. Es zeigt RAF-Gefangene des deutschen Staates, die in der Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichten müssen. Ernten für das Schweinesystem – ein bis heute tabuisiertes Thema, das der kritischen Aufarbeitung bedarf. Auf dem  Traktor sitzt der junge Franz-Josef Strauß als Aufpasser. Bei der vierten Person von links soll es sich um A. Baader handeln. U. Meinhof liegt – für den Betrachter unsichtbar – im gelben Wagen und schreibt ein Gedicht. Im Hintergrund sieht man verschwommen den Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim. Das pestizidgetränkte Grünzeug im Vordergrund verstärkt den Eindruck depravierter Verhältnisse.

Richter zeigte hier schon früh sein soziales Engagement für unter Druck, wie man sagt, stehende Randgruppen unserer Gesellschaft.

Ich erstand das Werk 1974 für 60.000 DM.

Offerten (Mindestgebot 42 Mio. Euro, man kann den Markt nicht ignorieren) bitte per Mail ins Postfach.

Danke im Voraus und mit solidarischen Grüßen

genova

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