Ausbeuter sorgen sich um Demokratie

Der Berliner Mietendeckel: Jetzt gibt es also den konkreten Gesetzesentwurf. Man kann sagen, dass sich die rechten, kapitalistischen Kräfte in der SPD durchgesetzt haben. Es ist keine Rede mehr von ernstzunehmenden Obergrenzen. Eine Wohnung, für die 15 Euro nettokalt verlangt werden, wird wohl weiterhin so viel kosten. Vernünftig wären maximal sieben Euro. Es wird Mietobergrenzen geben, die jetzt neu berechnet werden. Theoretisch gab es diese Mietobergrenzen schon via Mietspiegel, der aber bislang zugunsten unverschämter Vermieter ständig nach oben justiert wurde. Neubauten sind vom Gesetz überhaupt nicht betroffen.

Von den bislang diskutierten Mietobergrenzen von runden acht Euro ist nichts mehr zu lesen. Der Vermieter, i. e. der Ausbeuter, darf sich freuen. Trotzdem behaupten sogenannte bürgerliche Medien, das Gesetz sei „revolutionär“. Alleine das zeigt, wie katastrophal unsere Situation ist.

Trotzdem wollen die CDU und die FDP klagen. Es wundert nicht.

Parallel läuft noch der Versuch der Enteignung großer Wohnungsspekulanten („Deutsche Wohhnen“). Der Tagesspiegel berichtet über die Gegenwehr des Kapitals:

In Wirtschaftskreisen wird seit Beginn der Kampagnen gewarnt vor den Folgen von Enteignungen. Der Präsident des Eigentümerverbandes Haus & Grund Deutschland, Kai Warnecke, etwa hatte „alle demokratischen Parteien und die Bürger aufgefordert, sich schützend vor das private Eigentum zu stellen. Privateigentum ist das Fundament der sozialen Marktwirtschaft“ – letztlich sehen viele damit sogar die Demokratie in Gefahr.

Es ist die übliche Verblödungsmasche. Kein Mensch will Privateigentum verbieten, nicht mal Karl Marx wollte das. Es ging immer nur um das Privateigentum an Produktionsmitteln, und selbst das wird derzeit nicht diskutiert. Kai Warnecke geht es um die pure Ausbeutung via die Notwendigkeit des Wohnens. Es geht darum, aus  alten Häusern 1.000 oder 10.000 Prozent Rendite rauszuholen. Wie das geht, zeigen die letzten fünf oder zehn Jahre in Berlin. Es geht, weil es ohne Wohnen nicht geht. Der Typus Warnecke ist erfolgreich, weil man auf Notwendigkeiten nicht verzichten kann. Der Typus Warnecke wird sich als nächstes die Atemluft vornehmen. Perfide ist natürlich, seine Ausbeutungslogik mit den Begriffen des Sozialen und der Demokratie zu verbinden, aber in der Wahl der Mittel war das Kapital noch nie zimperlich.

Ob Demokratie oder Hitler, man nimmt, was Rendite verspricht.

Das Gegenteil der Warneckeschen Ausführungen ist wahr: Je mehr Raum eine Gesellschaft Typen wie ihm lässt, desto geringer ist die Aussicht auf Soziales und Demokratie. Revolutionär ist nicht der Mietendeckel, sondern die Unverschämtheit, mit der ein Wernecke seine Hetze verbreitet. Der Mann wird auch morgen noch Mitglied einer ehrenwerten Gesellschaft sein.

Wir sehen an solchen Äußerungen, wie hohl die westdeutsche Demokratie schon immer war: Ohne die jahrzehntelang erprobte propagandistische Grundierung – „soziale Marktwirtschaft“ statt „Kapitalismus“, „Demokratie“ statt „Naziseilschaften“, „Freiheit“ statt „Sozialismus“ – könnte ein Warnecke sich heute nicht so äußern, ohne sofort zurücktreten zu müssen.

Warnecke wird bleiben.

Insofern ist auch hier wieder darauf hinzuweisen: Das deutsche Problem sind die offziellen Faschisten, derzeit AfD genannt, nur am Rande. Das Problem sind die Kräfte, die die Perversionen des Kapitalismus zulassen. Und die stecken in uns allen.

(Foto: genova 2013)

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Das perfekte Musterhaus des Berliners

Der gemeine Berliner stellt sich bekanntlich gerne einen dicken Baum direkt vor sein Haus. Je massiver der Baum das Haus verstellt, desto besser. Das Optimum: Man sieht vom Haus gar nichts mehr und drinnen ist es ganztägig stockdunkel. Architektur und Design sind bei diesem Haus egal. Wichtig ist nur, dass man von ihm nichts sieht.

Ich habe nun ein Musterhaus entworfen, dass das Herz jedes Berliner Hausbesitzers höher schlagen lässt, weil es diese Kriterien perfekt erfüllt. Ein besonderes Augenmerk legte ich darauf, dass es sich nicht um einen luftig-leichten Baum handelt, sondern um eine deutsche Tanne, die keinen Lichtstrahl durchlässt und jede menschliche Regung abtötet.

Ich als gut integrierter Neu-Berliner unterstütze diese skurrilen Eigenarten der Ureinwohner natürlich gerne. Das Foto können Architekten als Vorlage benutzen und es kann auch für Innenhöfe benutzt werden. Das an mich zu entrichtende Honorar ist der Honorarordnung für Architekten (HOAI) zu entnehmen. Dabei ist zu beachten, dass sich die Ausführungsplanung zu 100 Prozent mit der Tanne beschäftigt.

(Foto: genova 2019)

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o.T. 510

(Foto: genova 2019)

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o.T. 509

(Foto: genova 2019)

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Der Serviceblog Exportabel informiert:

Im Folgenden sehen wir ein Stück blauen Himmel. Ich veröffentliche das Foto, da nun im grauen Deutschland die graue Jahreszeit beginnt, die naturgemäß von Oktober bis Februar (Süddeutschland) bzw. von September bis Juni (Norddeutschland) dauert. Bis Februar respektive Juni werden wir, wie man sagt, keinen blauen Himmel zu sehen bekommen.

Es sei denn, die geneigten Leserinnen und Leser schneiden sich dieses Foto aus. Sie können es sich an ein Fenster hängen und beim Hinausschauen der Illusion hingeben, der Himmel sei blau.

Das Foto wird also Süddeutschen bis Februar und Norddeutschen bis Juni helfen, über eine an sich nicht erträgliche Jahreszeit in einem an sich nicht erträglichen Land hinwegzukommen.

Ich bin sicher, spätestens im Dezember wird man diesen Beitrag schätzen.

(Foto: genova 2018)

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Kurze Abhandlung über eine Wand im Lombardischen

Eine Wand, die es in sich hat: Unterschiedliche Wandstärken, zum Teil in Sichtbeton, zum Teil in einer anderen Betonart ausgeführt, deren Name ich nicht kenne. Dazu kommen, sozusagen als Sockel, ein paar Kuben, die als Pflanzenbehältnisse dienen. Vermutlich ein Witzbold hat einen Pflanzenkübel aus irgendeinem Kunststoff davorgestellt. Ein Witzbold oder jemand mit einer hervorragenden Beobachtungsgabe und einem feinen Sinn fürs Detail.

Die Wand – genauer gesagt sind es zwei – gehört zu einem Verwaltungsgebäude im Lombardischen, feucht, schimmlig, rostende Armierung. Es ist egal. Die Wirkung guter Gestaltung wird durch solche Nebensächlichkeiten nicht beeinträchtigt. So wie die alten Kirchen uns heute noch beeindrucken, unbeachtet ihres Zustandes, so beeindruckt uns diese Wand als Zeichen einer Ära, in der man mit Beton subtil gestaltete.

Da diese Wand nicht in Deutschland steht, können wir hoffen, sie noch lange bewundern zu dürfen.

(Foto: genova 2018)

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Italia moderna – otto

Teil acht unserer massenkompatiblen Serie über moderne italienische Architektur.

Wir beginnen mit diesem fünstöckigen Kasten in Parma, der an gemäßigten norddeutschen Expressionismus erinnert. Die Fensteröffnungen sind mehrstufig in der Fassade nach innen versetzt, die zwei Spalten mit schmalen, schießschartenartigen Fenstern unterstreichen diesen Eindruck des konskrutiv-plastischen. Das Dachgesims ist mit seinen differierenden Stärken und den hellen Ziegeln (oder sind es Betonfertigteile?) plastisch herausgearbeitet. Dieses Motiv nimmt das Gesims über dem Erdgeschoß auf und verstärkt es. Es hat etwas Kubisches, konsequent modernes, eine Arte strenger Jugendstil. Typisch italienisch passen dazu farblich die Holzrolläden. Das Dachgeschoß ist zurückgesetzt und wirkt aufgesetzt, wobei hier die Reduktion der Formen unterstrichen wird: Die Reliefstruktur tritt zugunsten klarer Formen zurück.

Das Haus steht zum Verkauf. Interessenten mögen sich bei mir melden, ich helfe gegen eine großzügige Provision gerne bei der Vermittlung.

Hier ein schönes Beispiel dieser typischen und so oft anzutreffenden Leichtigkeit italienischer Nachkriegsarchitektur. Alles an diesem Haus ist filigran, leicht, antiprotzig: Der Dachüberstand, die Geländer, die kleinen Balkone, die Wandstärken. Die lediglich gestaltenden vertikalen Metallstreben, die an den Balkonen angebracht sind, unterstreichen diesen Eindruck. Sie helfen überdies ganz praktisch, wenn eine Wäscheleine gespannt werden soll, immer noch eine Lieblingsübung von Italienern. Die Farbgebung verrät ästhetische Sicherheit: Zwischen beige und braun changierend kommt hier niemals der deutsche Kleinbürgermuff zum Ausdruck, der nur zwischen feuchtpups- und dünnschissgelb variieren kann.

Italienischer Neorationalismus also, der so feingliedrig und bescheiden auftritt wie der Neorealismus im Film.

Zwei Detailfotos eines fünstöckigen Gebäudes in Trient. Die Pfeiler verjüngen sich nach unten, die Fassade ist sparsam, aber intensiv gestaltet, und zwar in einer Art Kubismus. Es werden also ganze Baublöcke in der Fassade verschoben, es gibt strenggenommen kein Ornament. Es erinnert ein wenig an das, was in den 1990er Jahren als Dekonstruktivismus die Städte dominierte. Die Pfeiler bestehen aus Platten oder Scheiben, in unterschiedlichen Weisen zusammengesetzt und beschnitten. Es ist überhaupt die Grundidee dieses Gebäudes: Wir nehmen den Prototyp einer Platte und zerschneiden sie. So erhalten wir alle nötigen Bauteile und es scheint keine Wände zu geben. In den Pfeilern manifestiert sich dieses Konstruktionsprinzip in seinem Höhepunkt: Die Scheiben werden hier, nur hier, auch nicht-rechtwinklig zurechtgeschnitten und bilden somit nicht nur den Pfeiler, sondern auch die Ecke. Genial. Auch hier wieder diese typisch italienische Stilsicherheit in Details.

Zum Schluss ein Haus mit Fertigfassadenteilen, deren Gleichförmigkeit durch die geschlossenen Rollläden unterstrichen wird. Der merkwürdig verstärkte Traufbereich unterstreicht diesen Eindruck.

(Fotos: genova 2018)

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o.T. 508

(Foto: genova 2019)

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Die RAF und Helmut Kohl – neue Erkenntnisse

Dieses Foto wurde mir kürzlich aus einschlägigen Kreisen zugespielt und es beweist, dass die Geschichte der RAF umgeschrieben werden muss. Bislang ging man davon aus, dass die Leute um Hogefeld und Grams die RAF ab Sommer 1984 neu aufgebaut haben. Das hier erstmalig veröffentlichte Foto zeigt jedoch eine Entführung, die schon 1982 stattgefunden hat, bis heute aber von interessierten Kreisen geheimgehalten wird.

Es handelt sich um nichts Geringeres als die Entführung von Helmut Kohl durch die RAF. Er saß im Mercedes, hinten im Bild. Seine Personenschützer hatten im Passat Platz genommen, vorne im Bild. Kohl – seinerzeit noch Oppositionsführer – war auf dem Weg in ein Sägewerk im Südpfälzischen, das als konspirativer Treffpunkt für die damals populären Geldkofferübergaben galt. Schäuble war an diesem Tag verhindert. Von wem Kohl an diesem Tag Geld erhalten sollte, ist nicht bekannt.

Auf dem Hof des Sägewerks schlugen Grams und Hogefeld zu: Sie stoppten die beiden Staatslimousinen mit ausgestreuten Sägespähnen, rissen die hintere linke Tür des Mercedes auf und zerrten Kohl aus dem Wagen. Gleichzeitig schüchterte Hogefeld die Personenschützer im Passat mit einer Holzpistole ein, sodass die beiden die Flucht ergriffen.

Die Terroristen versteckten Kohl unter Pressspahnplatten, die auf einem benachbarten Hügel herumlagen und drohten ihm mit Holzsplittern. Dort wurde auch das Foto aufgenommen.

Im Zuge der grassierenden postmodernen Beliebigkeit der 1980er Jahre vergaßen die Linksextremisten aber ihre politischen Forderungen und verlangten nurmehr Saumagen auf Lebenszeit. Obwohl sowohl Hannelore als auch die Buben umgehend davor warnten, auf die Forderungen einzugehen, signalisierte der CDU-Kreisverband Pfalz Zustimmung.

Kohl wurde nur 48 Stunden später freigelassen und marschierte – über Anstand, Moral und Willy Brandt meckernd – zur nächsten Telefonzelle.

Wie ich aus informierten Kreisen erfahren habe, liefert die CDU Pfalz noch heute wöchentlich mehrere Kilo Saumagen an Hogefeld und Grams, die sich im Ausland befinden sollen. Als Übergabeorte dienen abwechselnd eine Autobahnraststätte bei Oggersheim und ein jüdischer Friedhof in Frankfurt.

In beiderseitigem Einvernehmen wurde Stillschweigen über den Entführungsfall vereinbart. Doch nach einer jüngst erlittenen Lebensmittelvergiftung entschloss sich Hogefeld auszupacken. Sie trat an mich heran und versprach, das Beweisfoto zu übermitteln, wenn ich ihr im Gegenzug verspreche, ab sofort die wöchentlichen Saumagenlieferungen zu übernehmen – neuerdings auf biologischer Basis und mit artgerechter Tierhaltung.

Nach einiger Bedenkzeit sagte ich zu. Meine Motive sind Staatsräson und die Verpflichtung zur historischen Wahrheit.

(Foto: B. Hogefeld 1982)

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o.T. 507

(Foto: genova 2019)

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