Was der Islam mit einem Wasserschlauch zu tun hat

Der Deutschlandfunk erklärt derzeit den Islam, Sure für Sure. Ein nettes Unterfangen, wird so doch Leuten wie mir das Religiöse nähergebracht. Ich bin leider immer wieder frustriert über das Kindergartenniveau, das einem im Koran entgegenschlägt, wie man sagt. Die Banalität der monotheistischen Religionen ist erschreckend.

Beispiel Sure 5, Vers 3: „Euch ist Verendetes verboten.“

Ok, man soll keine nicht ordentlich geschlachteten Tiere essen. Aber wenn ich zum Thema Lebensmittelhygiene heute eine Auskunft haben möchte, frage ich einen Experten. Oder ich google einfach ein bisschen. Warum ein 1.400 Jahre altes Buch lesen, das von Leuten verfasst wurde, die sich für Gott oder ähnliches hielten? Also irgendwie einen Dachschaden hatten? Muslime essen bis heute kein Schweinefleisch, was schon ein wenig mit Blödheit zu tun hat.

Im Deutschlandfunk erörtert ein Religionsexperte dann zum Thema tote Tiere allen Ernstes das hier:

Doch was ist mit dem Fell der Tiere? Darf man etwa den Balg einer Ziege, die man morgens tot aufgefunden hat, zur Herstellung eines Wasserschlauchs verwenden? Darf man ein Schaffell als Teppich verwenden, wenn das Schaf nicht rituell geschlachtet worden war?

Fragen, die die Welt nicht gestellt hat. Oder beschäftigt sich die islamische Welt tatsächlich damit? Wie stelle ich einen Wasserschlauch her?

Laut dem Islamexperten darf der Moslem aus der Haut einen Wasserschlauch herstellen, weil das der Prophet seiner Frau seinerzeit erlaubt hat. Gott sei Dank, sonst hätten wir jetzt keine Wasserschläuche. Allerdings hat der Prophet seine Meinung zu Wasserschläuchen später offenbar geändert und man darf wohl nur gegerbte Tierhaut für Wasserschläuche nutzen. Wobei: Die Experten sind sich nicht einig, man debattiert noch. In der islamischen Welt.

Man sieht an solchen Auseinandersetzungen, dass Religion tendenziell dumm macht. Marx hatte mit seiner Religionskritik, die unabdingbar für jedes linke Denken sein sollte, wohl recht. Solange Religion sich ums rein Metaphysische, von mir aus um die Emotion kümmert, ums Zwischenmenschliche auf relativem Niveau, ist sie vielleicht sogar notwendig, wer weiß. Und das moralische Gesetz in mir und der Himmel über mir geben Anlass genug, über einen Gott nachzudenken. Aber eben darüber und nicht über Wasserschläuche. Auf dem im Islam und Christentum üblichen banalen und herrsch- und kontrollsüchtigen Level ist Religion bestenfalls eine Farce, schlimmstenfalls die Anleitung zum Faschismus. Von der islamischen wie jüdischen Perversion, Jungs zu verstümmeln, indem man ihnen die Vorhaut abschneidet, rede ich da noch nicht einmal.

Ich glaube, Jesus und Mohammed waren das, was man heute Kleinbürgertumsspießer nennen würde. Das fanden sie selbst nervig und deshalb entwickelten sie einen Kontrollzwang. Lustkontrolle inbegriffen. Vielleicht waren die beiden auch ganz ok und die Nachwelt hat sie pervertiert. Vielleicht hatte Mohammed allen Grund, das Schweinefleischverbot zu erlassen, weil Freunde von ihm wegen des Verzehrs von Schweinefleisch gestorben sind. Dann haben seine Fans nicht begriffen, dass solche Regelungen nur vom Moment leben und ihre religiöse Erhöhung nur lächerlich ist. Wer weiß.

Lustig auch dieser Koranauszug:

„Heute habe ich eure Religion vollständig gemacht und meine Gnade an euch vollendet und habe daran Gefallen, dass der Islam eure Religion ist.“

Das meinte seinerzeit also Mohammed. Vielleicht hieß er auch Detlef. Wer kann das schon mit Sicherheit ausschließen?

Leute, die heute so etwas sagen, haben einen youtube-Channel oder kommen direkt in die Psychatrie. Mohammed schützt wohl die Gnade der frühen Geburt vor Verurteilung.

Die Deutschlandfunkexperten diskutieren auch über die letztgenannte Sure und ich habe das Gefühl, dass es vergeudete Zeit ist. Diskutieren kann und sollte man alles Mögliche, aber ein Märchenbuch doch bitte nur quellenkritisch. Was soll man denn inhaltlich diskutieren, wenn jemand behauptet, „die Religion bei Gott ist der Islam.“ Da kann ja jeder kommen.

Es ist mir ein völliges Rätsel, wie sich Milliarden Menschen mit großer Hingabe uralten Büchern widmen können, in denen vermutlich Größenwahnsinnige Geschichten und Befehle aufgeschrieben haben. Und sich darum kümmerten, wie man Wasserschläuche herstellt.

Aber das ist wohl mein Problem.

Der Vorteil der westlichen Welt ist zumindest, dass bei der Herstellung von Wasserschläuchen heute andere Fachbücher herangezogen werden.

Mohammeds Stempelsammlung:

(Foto: genova 2017)

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Vintage Lifting

So sieht es in gentrifizierten Stadtvierteln aus, wenn keine Autonomen in der Nähe sind. Wobei das eigentlich ok ist. Wer hässlich ist, lässt sich liften, und wer im Neoliberalismus verständlicherweise das Grausen vor der Gegenwart und der Zukunft bekommt, kauft sich Vintage-Krempel.

Gentrifizierung als Begriff lenkt vom eigentlichen Problem ab. Nicht Feinschmeckerlokale und teure vegane Restaurants sind ein Problem, sondern einzig der schmarotzende Kapitalismus und der schmarotzende Kapitalist. Die perverse Verwertung des Werts via Ausbeutung. Die Gewaltfrage liegt auch hier auf der Hand, aber nicht auf dem Niveau des Kapitals und dem des Kleinbürgertums. Das peinliche mediale Geplapper der vergangenen Tage über „Hamburg“, wie man sagt, zeigt nur die Debilität der öffentlichen Debatte. Die liberale Zeit schießt naturgemäß den Vogel ab, wenn sie argumentatives Scheinverständnis für die Krawallmacher aufbringt, um am Ende natürlich alles in die Affirmation des Bestehenden münden zu lassen. Ein paar Seiten weiter schreibt der so sympathische wie banale (ja, Banalität kann sympathisch sein) Chefrededakter Giovanni die Lorenzo in einer Ankündigung:

„Ich freue mich auf die neu konzipierte Kunstmarktseite, die von nun an jede Woche im Wirtschaftsteil der Zeit erscheint!“

Im Teaser des Artikels heißt es gar:

Giovanni di Lorenzo über seine Begeisterung für den Kunstmarkt

Wir leben in Zeiten, in denen auch der Chefredakteur sich prostituieren muss, d.h. seine Seele verkaufen. Er muss im Neoliberalismus naturgemäß vom Kunstmarkt (und bei Bedarf von jedem anderen „Markt“) „begeistert“ sein. Wobei di Lorenzo vermutlich tatsächlich glaubt, dass er jetzt vom Kunstmarkt begeistert ist. Vielleicht meint er damit auch nur, dass er sich auf die impressionistischen Nackten einen runterholt.

Gewalt und System: Ich erinnere mich an die Diskussionen vor 30 Jahren, als es um die WAA in Wackersdorf ging. Während in einer Veranstaltung Linke lange hin und her überlegten, was diesbezüglich geht und was nicht, meinte ein ortsansässiger Bauer sinngemäß: „Wenn mich ein Polizist am Arm packt, dann wehre ich mich. Was denn sonst?“

Die tägliche Gewalt, die vom Kapital und seinen Lakaien ausgeht, muss natürlich thematisiert werden. Gentrizifierung ist der erklärte Krieg der herrschenden Klasse an den Rest. Neoliberalismus ist, wenn der Rest den Krieg nicht wahrnimmt.

Kleine Läden zu plündern ist absurd. Die kapitalistische Gewalt unbeantwortet zu lassen, ist es auch.

(Foto: genova 2017)

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Kapitalismus und Naturverhältnis, Folge 547

Die Berliner Grünen-Politikerin Canan Bayram will Hans-Christian Ströbele beerben und in Kreuzberg ein Direktmandat für den Bundestag erringen. Zum Thema Wohnen hat sie ganz gute Ansätze. Im Interview mit dem Tagesspiegel  sagt sie:

Auch in der Mietenpolitik brauchen wir auf Bundesebene bessere Gesetze, damit Mieter besser geschützt werden. Wir brauchen Veränderungen im Baugesetzbuch und ich will zum Schutz von Mietern auch enteignen können, insbesondere bei Spekulanten. Wenn es um den Bau von Autobahnen geht, enteignen wir ja auch.

Schön, dass sie das Wort „enteignen“ in den Mund nimmt. Sie müsste hinzufügen, dass die Entschädigung nur in minimaler Höhe erfolgen sollte.

So bemerkenswert wie bezeichnend ist die sich anschließende Frage des Tagesspiegel-Redakteurs:

Friedrichshain-Kreuzberg ist durch den Mauerfall zum Herzen der Stadt geworden. Muss man es da nicht akzeptieren, dass die Mieten langfristig steigen?

Leider stellt Frau Bayram nicht die notwendige Gegenfrage, wie man auf einen solch absurden Gedanken kommt. Man muss in Berlin akzeptieren, dass der Sommer verregnet ist, aber sicher nicht, dass man „im Herzen“ mehr Miete zahlen muss. Das hängt einzig mit den bekannten ausbeuterischen Strukturen eines perversen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems zusammen.

Diese Gegenfrage wäre ein erster Schritt zu ernsthafter Aufklärung gewesen. Die Absurditäten, die die Gegenseite als Naturverhältnisse hinstellt, nicht nur zu hinterfragen, sondern deren absurde Logik aufzudecken. Nicht diejenige, die das Selbstverständliche, nämlich günstige Mieten, erreichen will, sollte sich erklären müssen, sondern derjenige, der die Absurdität zum Naturzustand erklären will.

Der Kapitalismus im fortgeschrittenen Stadium hat etwas von religiösem Fanatismus. Während diese einen Gott behaupten, dem man sich unterwerfen müsse und es anders überhaupt nicht gehe, behaupten jene das gleiche, nur heißt der Gott Kapital. Fantasmen akzeptieren, um die Nacktheit des Kaisers nicht zu sehen.

Die Umkehrung der Verhältnisse beginnt im Hinterfragen. Je selbstverständlicher die Herrschenden agieren, desto notwendiger. Ob der Führer nun Gott oder Kapital heißt, ist Nebensache.

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o.T. 378

(Foto: genova 2017)

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Eine sehr gute Analyse der Ereignisse in Hamburg

Ich glaube, abgesehen von ein paar ehrlich entrüsteten Hausfrauen sind doch alle ganz froh über die Krawalle in Hamburg. Nicht, dass man von solchen Leuten regiert werden oder sich auch nur ernsthaft auf deren Politikverständnis einlassen möchte – aber in Zeiten, in denen der Ausfall von U-Bahnen, die ausfallen, weil Gelder gekürzt wurden, von einer Computerstimme als „Betriebsstörung“ bezeichnet wird, und sich diese Stimme im direkten Anschluss für das nicht eingeholte Verständnis bedankt – in solchen Zeiten ist es doch erfrischend, wenn eine Horde aktiver Menschen daherkommt und irgendwas ganz real kaputt macht. Ich schätze, dass eine Mehrheit der Bevölkerung diese Gewalt gegen das Scheißsystem insgeheim ganz ok findet, auch wenn man das konkret angesichts der Bilder nicht begründen kann. Wer nicht einmal den Arsch in der Hose hat, eine wegen Finanzkürzung ausgefallene U-Bahn als solche zu bezeichnen, sollte eine aufs Maul kriegen. Da sind sich alle einig.

Davon abgesehen: In Zeiten, in denen man permanent dazu aufgefordert wird, sich irgendwas zu „holen“, sind diese Autonomen ganz systemaffine Bürger, die tun, was man von ihnen verlangt.

Dieses Amateurfilmchen vermittelt einen ganz guten Eindruck von den taffen Jungs, die die Welt retten wollen:

http://www.spiegel.de/video/embedurl/video-1780898-640_000_fff.html

Ästhetisch gelungen, keine Frage. Warum sollte man auf solche Bilder verzichten? Diese Leute haben sich vorbereitet, der Dresscode stimmt und sie geben sich Mühe. Sie könnten auch am Ballermann Sangria aus Eimern saufen, aber wir leben nun mal in einer pluralen Gesellschaft, das gilt ebenfalls für die Freizeitbeschäftigung. Diese Leute sind einem grundsätzlich sympathisch, weil sie etwas tun und sich links einschätzen, also auf der richtigen Seite stehen. Man kann ihnen nicht böse sein. Im übrigen hätte das Ganze einen wesentlich effektiveren Verlauf nehmen können, wenn die griechischen Autonomen ihre Reise nach Hamburg nicht wegen Geldmangel abgesagt hätten. Ich dachte mir beim Anschauen der Hamburger Bilder, dass der Widerstand hierzulande in den Kinderschuhen steckt: Keine Gasmasken, keine Motorradhelme, keine entschlossene Vorgehensweise: Man akzeptiert, dass der Gegner um Längen besser ausgestattet ist. Undenkbar in Athen. Dort kriegt auch die mitlaufende Oma einen Schutz gegen Tränengas vor den Mund geklemmt.

Analog zur eingesparten U-Bahn kann man die Berichterstattung von illustren Sendern wie N24 analysieren. Schaut man sich diese sogenannten Journalisten an, deren Gestik beim Bericht über eine Demo der beim Wetterbericht ähnelt (man schiebt das Tief mit ausholenden Armen aus dem Bild), bedauert man spontan, dass die Autonomen sich für Rewe statt für N24 entschieden haben.

Solche Ereignisse wie die Ausschreitungen, wie man sagt, in Hamburg, sind gewissermaßen ein Computerspiel, das hin und wieder in die Realität verlagert wird. G20 ist ein guter Anlass. Die Bullen freuen sich wohl genauso, dass sie mal komplett über die Stränge schlagen (sic) dürfen, ohne dass das irgendwelche Folgen hat. Merkel hat sich für dieses Verhalten erwartungsgemäß bedankt. Am Montag stehen sie schon wieder auf den Straßen und müssen die Sicherheitsausstattung von Radfahrern kontrollieren, die armen Schweine.

Der Unterschied zum Computerspiel ist das konkret Topographische: Die Autonomen wollten zur Elbphilarmonie vordringen, wo die Bonzen gerade einem Konzert lauschten. Es wäre sicher ein interessantes Aufeinandertreffen geworden. Politiker und Bürger im Gespräch. Man würde es Typen wie Merkel und Co. wünschen.

Die Journalisten freuen sich auch spürbar wie Bolle. Da liefern ihnen welche die Themen, wie praktisch. Und über angebliche Bürgerkriege zu berichten, ist dankbar. Vor allem, wenn es keine sind und die Anfahrtswege kurz.

Die Polizei ist dankbar, die Journalisten sind es und die Otto Normalverbraucher freuen sich über jedes Molotow-Cocktail als Vergeltung für die eingesparte U-Bahn. Alle sind zufrieden.

Lehnen wir uns also entspannt zurück und genießen die Eindrücke der zahlreichen Livestreams.

Wir wünschen gute Unterhaltung.

Hier noch eine ganz interessante Doku aus linker Sicht:

 

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China, der Sozialismus und der Deutschlandfunk

Die Radiojournalistin Ann-Kathrin Büüsker interviewt im Deutschlandfunk Jürgen Trittin. Der meint, man müsse mit China enger kooperieren, wegen Klimaschutz und Handelsinteressen und so. Dann bemerkt Frau Büüsker bemerkenswert:

„Wir reden über ein sozialistisches Regime, das die Rechte seiner Bevölkerung massiv einschränkt. Können wir mit solchen Leuten kooperieren?“

Seit wann ist China ein sozialistisches Regime? Frau Büüsker scheint im Kalten Krieg, irgendwann in den 60ern oder 70ern stehengeblieben zu sein. Dabei war sie damals vermutlich noch gar nicht geboren.

Vermutlich hat sie es gut gemeint. Die Menschenrechtslage in China ist sicher miserabel. Und die Frage, ob man mit solchen Leuten kooperieren kann, könnte sich stellen. Allerdings hat das noch nie interessiert, insofern ist die Frage naiv. Und vom Sozialismus hat die, ähm, Journalistin offenbar überhaupt keine Ahnung.

Wie unwissend ist jemand, wenn er das aktuelle China ernsthaft als sozialistisch bezeichnet? Was sagt das über den Bildungsstand, über das Weltbild dieser Person aus? Hatte sie ein stramm rechtskonservatives Elternhaus, Fraktion „Geh doch nach drüben“?

Ich bohre besser nicht weiter.

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Kurz etwas zum deutschen Donald Trump

Endlich sagt´s mal einer:

Über Tote nur Gutes? Geht leider nicht: Helmut Kohl war provinziell, patriarchalisch, abwehrend gegenüber Ausländern, herablassend zu Intellektuellen – und ganz gewiss kein Glücksfall für Deutschland.

Schreibt auf Spiegel-online Michael Sontheimer, Historiker und Sohn des Politikwissenschaftlers Kurt Sontheimer.

Kohl war eine neurotische Dumpfbacke, unbeherrscht, psychologisch zeitlebens auf dem Stand eines 13-Jährigen stehengeblieben, ein Lügner, ein vormoderner, antidemokratischer Machtmensch; Trump nicht unähnlich.

Er passte mit diesen Eigenschaften ganz gut zum toitschen Volk, deshalb wurde er immer wieder gewählt. Geradezu unerträglich seine Auftritte in den Elefantenrunden 1976 und 1980, bei youtube erhältlich. Moralisierend, selbstgerecht, dauerempört. Da waren seine katastrophalen familiären Verhältnisse noch nicht bekannt.

Das „Schwarzbuch Kohl“ beschrieb 1994 detailliert Kohls frühe Verbindungen in die pfälzische Wirtschaft und zu alten Nazi-Größen wie Schleyer und Fritz Ries, seiner Bimbes-Politik die folgerichtig zu den „Ehrenwörtern“ führte. Und dass seine Politik heute nicht als eine des Sozialabbaus gilt, liegt nur an den Verwüstungen, die rot-grün nach ihm anrichtete.

Bei aller Kritik darf man Kohls unbestrittene Verdienste erwähnen: Er machte die pfälzische Küche weltweit bekannt. Kartoffelsuppe, Saumagen, Leberknödel, Dampfnudeln, Flammkuchen, Schnecken, Kirschenplotzer und ein guter Zwetschgenkuchen, dazu einen Schoppen Wein, sind ganz hervorragende Gerichte, die in ihrer charmanten Mischung aus deutscher Derbheit und südländischer Raffinesse in unseren Breitengraden, wie man sagt, ihresgleichen suchen. Wer einmal in der durch und durch katastrophalen Küche Norddeutschlands versucht hat, etwas zu essen, weiß, was ich meine.

Was isst Merkel eigentlich? Vermutlich nichts.

Kohl als Förderer kulturell-kulinarischer Werte – dafür sollte man ihm posthum einen Orden verleihen. Den Rest kippen wir in die Tonne.

 

 

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Über Solidarität und Tornados im Kapitalismus

Gentrifizierung, Staffel 5, Episode 6: Teeater, ein kleiner Laden im Prenzlauer Berg in Berlin, muss schließen. Grund: Im Februar flatterte eine Mieterhöhung von 100 Prozent ins Haus. Der Eigentümer ist ein dänischer Immobilieninvestment-Fonds. Dort legen vielleicht Leute ihr Geld an, um im Alter, wie man sagt, eine höhere Rente zu bekommen.

Bemerkenswert ist die Reaktion der Ladeninhaberin, Sabine Landsberger, laut Tagesspiegel:

„Mir war klar, dass ich irgendwann dran bin, aber nicht so“

Genau. Da ein Mietverhältnis im Kapitalismus ein Naturverhältnis ist, ist man halt irgendwann dran. Irgendwann bricht der Vulkan aus, das Unwetter ereignet sich, der Tornado deckt das Dach ab. Es kann ja nicht immer die Sonne scheinen. So geht das.

Die Stoßrichtung des Tagesspiegel-Artikels ist bezeichnend. Landsberger hat ganz in der Nähe, in der Dunckerstraße, einen anderen Laden gefunden, den sie zu einer offenbar noch akzeptablen Miete nutzen kann:

Am Freitag organisiert Sabine Landsberger eine Umzugskette. Etwa 100 Kunden und Anwohner haben schon zugesagt. Und dann werden Teetassen, Kannen und Postkartenkartons weitergegeben, bis diese in der Duncker ankommen.

Manche Anwohner wollen Plakate mitbringen, Ladenbesitzer aus dem Kiez machen mit. 400 Meter Solidarität. Und ein Zeichen der Wut gegen Gewerbe-Gentrifizierung: Schaut mal, was vor eurer Nase mit den kleinen Geschäften passiert.

Diese Solidarität ist Schein. Ernstzunehmende Solidarität wäre es, den Laden dauerhaft zu besetzen und dem Immobilienfonds auf die Pelle zu rücken. Die Menschenkette könnte dann zum Bollwerk gegen die anrückende Staatsmacht umfunktioniert werden. Solidarität im Zeitalter des Neoliberalismus ist: ein paar Stunden eine Menschenkette bilden, die den Umzug organisiert und die Verhältnisse akzeptiert. Vermutlich wird früher oder später die nächste Menschenkette notwendig sein, dann vielleicht ein paar Kilometer länger.

Die ganze Lächerlichkeit von Demokratie und angeblichem politischen Handeln im fortgeschrittenen Kapitalismus lässt sich mit einer flotten Google-Nachrichtensuche aufzeigen: „mieten“, das wars.

Das Heer der Alleschecker, auch Journalisten genannt, berichten gewissenhaft über die Entwicklung. Die Badische Zeitung versucht es, unseren Kleinen zu erklären:

Das Problem: In vielen Städten, zum Beispiel in Freiburg, gibt es weniger Wohnungen als Leute, die eine Wohnung brauchen. Die Vermieter können daher mehr Geld verlangen, sie finden auf jeden Fall einen Mieter, der ihnen den Preis bezahlt. So können die Mieten sehr hoch sein. Das ist schlecht für Menschen, die nicht so viel Geld haben. Deshalb reden Politiker zurzeit auch so viel über das Thema. Sie fordern, dass mehr bezahlbare Wohnungen gebaut werden.

Schön gesagt: Das Naturverhältnis, nach dem Vermieter „mehr Geld verlangen können“, wird zementiert. Und Politiker reden viel und fordern noch mehr. Hätte dieser lustige Journalist nur einmal ein wenig Marx gelesen, er hätte die Möglichkeit zu einem ernstzunehmenden Erklärungsansatz für die Kleinen in der Hand gehabt. So: herrschaftsaffines Geplapper.

Die Kölnische Rundschau meint immerhin, dass die hohen Mieten eine „Gefahr für den sozialen Frieden“ darstellen. Eher nicht. Ein Tornado ist auch keine Gefahr für den sozialen Frieden. Im Untertanenland Deutschland schon gleich gar nicht.

Die Sächsische Zeitung sagt mit Blick auf Dresden:

„Die Stadt hat kaum Einfluss auf die Mieten“

Nachdem dort vor ein paar Jahren die glorreiche Linkspartei den kompletten kommunalen Wohnungsbestand verhökert hat, könnte da was dran sein.

In Berlin diskutierten kürzlich Spitzenpolitiker, wie man sagt, über das Thema:

An der Frage, wie sich mehr bezahlbarer Wohnraum schaffen lässt, scheiden sich die Geister der Spitzenpolitiker. Einig sind sie sich aber, dass etwas geschehen muss.

Das ist der aktuelle Stand nach mindestens zehn Jahren Diskussion über Gentrifizierung. Es ist eine Mischung aus Desinteresse und Unfähigkeit. Natürlich haben FDP, CDU und AfD kein Interesse an niedrigen Mieten. Die hofieren das Kapital. Bei den anderen dürfte so langsam durchsickern, dass sie noch mehr Wähler verlieren, wenn sie nicht einmal das grundsätzliche Thema Wohnen ernsthaft angehen. Aber der einzige, der diesbezüglich etwas zu melden hat, wurde bekanntlich vergangenen Herbst schon aus dem neuen Berliner Senat entfernt. Und auf Bundesebene ist nicht zu erwarten, dass sich irgendwer um das Thema kümmert.

Politik als Mischung aus Korruption und Dämlichkeit. Die Kapitalerwertung ist unantastbar.

Der neue Heilsbringer Martin Schulz erklärt, dass Wohnen „ein Grundrecht“ sei. Beruhigend. Das Weitestgehende, das man heute von der Sozialdemokratie erwarten kann: für den Wohnungsbau Steuergelder verwenden. Geld, das auf Umwegen in die Taschen des Kapitals fließt.

So lange die Politik nicht erkennt, dass das einzig relevante Problem die Kapitalverwertung von Immobilien ist, wird sich an dem Thema nichts ändern. Wohnungsbau aus der Kapitalverwertung rausnehmen und schon wohnen wir alle für fünf Euro den Quadratmeter oder weniger.

Hätte ein Partei oder einer dieser Hampelmänner und -frauen, die man Politiker und Politikerinnen nennt, ein ernsthaftes Interesse an der Lösung des Problems, würden sie exakt in dieser Stoßrichtung vorgehen. Diese Kameraden und Kameradinnen schaffen es allerdings nicht einmal, eine Mieterhöhung von 100 Prozent zu verbieten.

Episode 7 wird sich nicht verhindern lassen.

(Fotos: genova 2015)

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Von der wertbasierten Verseuchung der Welt

Die Welt ist PR-verseucht. Nichts neues, aber es ist immer wieder atemberaubend, wie man sagt, wenn man konkreten Auswüchsen dessen begegnet. So hat sich offfenbar die Architektenkammer Berlin vorgenommen, das Programm des diesjährigen Tages der Architektur – der morgen und übermorgen stattfindet – mit banalem Gequassel vollzupacken.

Ein Programmauszug, es geht hier um die Umnutzung einer denkmalgeschützten ehemaligen Malzfabrik in Tempelhof:

Das Industriedenkmal Malzfabrik ist eine pulsierende Insel mit Fokus auf Kreativität, Kultur und Innovation […] Mit einer nachhaltigen Unternehmensphilosophie, innovativen Ideen und Leidenschaft hat es Malzteam geschafft, einen einzigartigen Kreativwirtschaftsstandort aufzubauen. Malzfabrik präsentiert sich heute als Marke und steht für eine wertbasierte Immobilienentwicklung, die soziale, ökonomische und ökologische Aspekte nachhaltig verbindet.

Der Text ist so schlecht, dass er zur Karrikatur seiner selbst wird. Ich frage mich, ob heute noch jemand auf eine solch sinnlose Aneinanderreihung trendiger Wörter hereinfällt.

Pulsierend, Kreativität, Kultur, Innovation, nachhaltig, Unternehmensphilosophie, innovativ, Leidenschaft, einzigartig, Kreativstandort, Marke, wertbasiert, Immobilienentwicklung, sozial, ökonomisch, ökologisch, nachhaltig.

Es steht in diesem Text naturgemäß überhaupt nichts. Es geht rein um den flow, um das Wohlgefühl, dass beim Leser erzeugt werden soll, wenn er all diese Begriffe in sich hineinfließen lässt. Wobei eben, wie gesagt, eine solche sinnlose Häufung doch das Ziel verfehlen dürfte.

Ich vermute, dass die Architektenkammer die eingeladenen Architekten einfach auffordert, eigene Texte abzugeben. Und die beauftragen dann einen PR-Fuzzi. Es wäre selbstverständlich, dass die Architektenkammer in der Lage ist, in eigenen Worten zu begründen, warum genau dieses Projekt ausgewählt wurde. Aber vielleicht wissen die das selbst nicht so genau oder es ist Geld im Spiel.

Die PR-Verseuchung der Welt ist die schleichende Vergiftung unserer Hirne – wertbasiert, pulsierend und kreativ.

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o.T. 377

(Foto: genova 2014)

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