o.T. 560

Fußgänger verboten, Autoschranke zerstört, Sackgasse. Eines der merkwürdigsten Bilder überhaupt:

(Foto: genova 2020)

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o.T. 559

(Foto: genova 2020)

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Waschbeton 15

Eigentlich ein perfektes Haus. O.W. Ungers, der ein Haus ohne Eigenschaften bauen wollte und dabei scheiterte, hätte hier sein Vorbild gefunden.

(Foto: genova 2020)

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o.T. 559

(Foto: genova 2020)

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o.T. 558

(Foto: genova 2019)

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o.T. 557

(Foto: genova 2020)

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BER und die Reaktion

Der BER, wie man sagt, ist offenbar fertig. Zumindest schreiben das ein paar Zeitungen. Ich habe den Eindruck, dass das in Berlin niemanden interessiert. Man flog bislang auch schön Tegel und von Schönefeld, und der Flughafen Schönefeld ist quasi der neue BER. Liegt direkt daneben.

Interessant aber, was Peter Richter in der Süddeutschen (21.8.20) über die BERsche Anmutung schreibt:

Es ist ein ästhetisches Regredieren: Während Tegel trotz Alter und Überlastung immer noch munterenZukunftsoptimismus ausstrahlt, verkündet Berlins neuester Flughafen noch vor der Eröffnung vor allem Rückzug: Stasis statt Dynamik, mehr Muschelkalk als in den Staatsbauten der Dreißigerjahre, mehr Holzvertäfelung als in allen Ratskellern des Landes, eine weitere von Berlins neoklassischen Shopping Malls, nur halt mit Gates zum Rollfeld. Bei der Besichtigung äußert jemand leise das Wort „gebaute Flugscham“.

Willy Brandt kann nichts dafür, dass ausgerechnet dieses jetzt schon staubig und veraltet aussehende Geschmacksmonument des Berliner Neunzigerjahre Konservatismus nach ihm benannt ist … Aber auch, dass der sagenhaft öde Apellplatz davor seinen Namen tragen muss, das hat er wirklich nicht verdient. Immerhin ist der BER nun fertig.


Ich habe BER noch nicht begutachtet und kann zu dem ästhetischen Moment wenig sagen. Es würde aber nicht wundern, wenn Richter Recht hätte. Den Neunzigerjahre-Konservatismus, die Regression, könnte in der Architektur der Architekten gmp angelegt sein. Schon deshalb, weil gmp typische Zeitgeistarchitekten sind. Man liefert, was gerade gefällt. Da die Planungen aus den 1990ern kommen, hat man – bei Berliner Verhältnissen – im Jahr 2020 halt einen Neunzigerjahreflughafen.

Dazu kommt: In den Neunzigern entwarf man das steinerne Berlin, also die rechte und reaktionäre Stadtplanung, die vorgeblich preußische Tugenden visualisieren wollte: eine rigide Traufhöhe von 20 Metern, Blockbebauung, die aber nichts über die tatsächlichen Machtverhältnisse verriet (Großinvestoren beschlagnahmten einfach ein paar Blöcke nebeneinander), und dazu die unsäglichen

Natursteinfassaden (hinter Stahlbetonstrukturen) mit vormodernen Fensterformaten. Man sieht heute auf Schritt und Tritt dieses kaputte, rechte, preußische, reaktionäre und kapitalistische Berlin, schlecht verarbeitet, es tut weh.

Berlin ist in gewisser Hinsicht immer noch die Hauptstadt Preußens. Diese rechte massenhafte Berliner Architektur war ein Ausdruck des dumpfen, rechten und eben typisch deutschen Geistes, der sich seinerzeit austoben durfte, übrigens mit voller Zustimmung kapitalistischer Logik. Progressive Architekten und Stadtplaner wurden an den Rand gedrängt.

BER also als Verlängerung dieser Tradition? Gut möglich.

Vorsichtig allerdings sollte man bei Richters Kritik am „öden Apellhofplatz“ sein. Sicher ist das eine riesige Asphaltfläche. Doch die hat in Deutschland ihren Reiz, weil die Deutschen, wie man sagt, Angst sogar vor einer großen leeren Fläche haben. Vermutlich wird sich schnell eine Bürgerinitiative finden, die irgendwas mit Bäumen fordert.

Die Süddeutsche weiter:

Das omnipräsente Nussbaumfunier soll warm und wohltuend wirken, bekommt aber spätestens dann etwas beklemmend Obsessives, wenn man merkt, dass es als Folie sogar um Lüfungslamellen aus Aluminium gewickelt wurde.


Es mangele außerdem an Ingenieurbüros, die den immer erdrückenderen Wust an Normen und Vorschriften überhaupt noch bewältigen können.

Die letzte Bemerkung dürfte eine notwendige sein. Die überbordende Bürokratie, eine naturgemäß deutsche Bürokratie, die jeden vernünftigen Gedanken austreibt.

Soweit ich weiß, wurde kurz nach Abschluss der Planung und kurz nach dem Beginn der Bauarbeiten der Fehler gemacht, die Planung kurzfristig doch noch einmal zu ändern, weil man mehr Platz für den Einzelhandel organisieren wollte. Damit begann das Verhängnis, das sich die nächsten zehn Jahre nicht mehr entwirren lies.

Wie auch immer: Seien wir dankbar. Die Touristen kommen demnächst wieder in großer Zahl und können sich selbst ein Bild davon machen, ob Nussbaumfunierfolien um Aluminiumlüftungslamellen ein no go sind oder nicht – wenn sie denn sehen können.

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Wohnen in Berlin

Derzeit wird in Berlin ja viel vom Mietendeckel geredet. Er ist momentan vor Gericht anhängig. Wir werden sehen. Die Praxis sieht allerdings so aus: In Mitte werden haufenweise neue Wohnblöcke gebaut, aber praktisch ausschließlich im hochpreisigen Bereich.

Beispiel: Graft Architekten haben gerade im Auftrag des Investgors Trockland ein Mietswohnhaus fertiggestellt. Ingesamt gibt es 243 Wohnungen, die Wohnungsgrößen liegen zwischen 40 und 300 Quadratmeter. Kostenpunkt: zwischen 25 und 30 Euro pro Quadratmeter Warmmiete. Auch hier werden vermutlich wenige Menschen ernsthaft wohnen, dafür viele aus aller Welt eine weitere Möglichkeit bekommen haben, ihr Geld zu parken.

Man muss sich das einmal klarmachen: Eine vierköpfige Familie braucht für eine bescheidene Wohnfläche von 100 Quadratmetern monatlich 2.500 bis 3.000 Euro. Diese Familie könnte in einem neugebauten Haus für runde 1.000 Euro Warmmiete wohnen. Wenn der Staat ein sozialer, kein asozialer wäre.

Es ist ein Beispiel von unzähligen. Ich wüsste nicht, wo derzeit preiswerter gebaut und vermietet wird. Gebaut wird viel, aber durch die Bank asozial.

Mit anderen Worten: Der Mietendeckel ist ok, wenn er Bestand hat. Leider gilt er nicht für Neubauten. Hätte man hier eine Grenze von maximal zehn Euro Warmmiete eingezogen, wäre das Wohnhaus von Graft nicht gebaut worden.

Das wäre ein Vorteil, denn der Platz wäre frei für soziales Bauen, nicht für asoziales Graftbauen. So aber ist der begrenzte Platz in der Stadt ein weiteres Mal noch begrenzter geworden.

Dieser Fall zeigt, dass das übliche Gejammer des Kapitals, wonach der Mietendeckel keine neue Wohnung schaffe, sinnlos ist. Es wird, genauer gesagt, keine bezahlbare Wohnung geschaffen, wie vorher auch schon. Graft Architekten zeigt, dass selbst ein totales Bauverbot immer noch besser wäre als die aktuelle Situation.

Eine Lösung wäre, die Miete  auf die erwähnten zehn Euro zu begrenzen. Trockland würde nicht mehr bauen. Die Vertreibung sämtlicher privater Investoren, wie diese Asis euphemistisch genannt werden, wäre die Voraussetzung für soziales Wohnen.

Die Architektur dieses Graft-Baus ist die aktuell in der Investorenarchitektur übliche: geschwungen, Dynamik vermittelnd, irgendwie futuristisch, man will ja kein klassizistischer Konservativer sein. Dazu schmale Balkone, selbst der soziale Wohnungsbau in den 1950er Jahren hatte breitere.

Die dysfunktionalen Balkone sind, so scheint mir, ein sicheres Zeichen dafür, dass dort niemand ernsthaft wohnen wird.

Zu der Meldung über Grafts Architekten passt auch ein Interview heute in der gedruckten Süddeutschen mit einem anderen Investor, nämlich Rolf Elgeti, zum Thema teures Wohnen. „Den 7-er BMW kann sich auch nicht jeder leisten“, sagt er dazu. Richtig. Allerdings werden in Berlin ausschließlich 7-er BMW angeboten. Nein: In Berlin werden VW Golf ausschließlich zum Preis eines 7-er BMW angeboten. Derselbe Elgeti sagte übrigens einen Tag zuvor, am Sonntag, dem Handelsblatt: „Wohnen ist in Deutschland zu billig.“

Solche Typen haben im Sozialstaat Deutschland viel zu sagen.

Stadt nicht mehr als Wohn-, sondern als Anlagemöglichkeit. Es ist pervers. Also ganz normal.

(Foto: genova 2019)

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o.T. 556

(Foto: genova 2018)

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Die Süddeutsche und der Linksradikalismus

Till Briegleb schreibt in der Süddeutschen (26.8.20) über Architektur nach Corona. Er schreibt in Teilen das übliche: Nichts werde nach Corona sein wie zuvor, alles werde sich ändern, blabla.

Ich behaupte: Durch Corona wird sich Architektur überhaupt nicht ändern. Dieses Änderungsgeplapper ist wesentlich auf übereifrige Journalisten zurückzuführen. Die müssen halt jeden Tag schreiben. Und da man nicht jeden Tag schreiben möchte, dass alles gleich bleibt, schreibt man, dass sich alles ändere.

In den vergangenen Jahrzehnten änderte sich Architektur angeblich all paar Jahre. Behauptete man. Erstens wegen Nine eleven, zweitens wegen der Klimakatastrophe und drittens, weil der Sand ausgeht.

Was ist real passiert? Es änderte sich nichts. Die Moden ändern sich, die Fassaden, das war´s. Architektur ändert sich so wie Klamotten sich ändern: Mal ist die Hose weit, mal ist sie eng. Entscheidender sind technische Neuerungen. Die Erfindung von Stahlbeton war die Basis für moderne Architektur, die Erfindung des Lifts jene für Hochhäuser. Es ändert sich im Laufe einer Generation auch sonst eine ganze Menge, vor allem in Bezug auf die Materialität.

Sicher ist es möglich, dass bei einer länger andauernden Pandemie der Einzelhandel langfristig leidet und viele Geschäfte schließen – wobei das auch ohne Corona passiert. Die könnten in preiswerten Wohnraum umgewandelt werden, schreibt Briegleb. Könnten. Das Kapital wird – zumindest in den Metropolen – alles daran setzen, dass dies nicht passiert. Und wenn, dann mit staatlichen Ausgleichszahlungen. Zahlen würde die Zeche, wie das bei einer rechten, neoliberalen Regierung wie der von Merkel üblich ist, die Allgemeinheit via Steuern.

Die Städte haben sich schon vor Corona in Teilen aus der kapitalistischen Verwertungslogik verabschiedet. Ob Duisburg oder Bad Bergzabern, ob Chemnitz oder Altenburg: Hier lassen sich vorerst keine Renditen mehr erzielen. Das aber ist in der Geschichte völlig normal. Dafür gibt es die bekannten Ausgleichsstädte: Berlin und Tübingen, Hamburg und Regensburg, Leipzig und Potsdam.

Also: Corona wird nichts ändern. Höchstens vorhandene Dynamiken beschleunigen.

Dennoch – um nun endlich zum Thema zu kommen – ist der Briegleb (früher bei der taz und der Woche) lesenswert, denn er stellt die uralte Frage nach der kapitalistischen Verwertungslogik des Bodens. Er beruft sich auf den trendy Berliner Architekten Arno Brandlhuber, der sagt:

Alles, was wir Menschen nicht produzieren, darf keiner Marktlogik mehr unterliegen.

Recht hat er. Eigentlich eine Selbstverständlicheit. Nicht so im fortgeschrittenen Kapitalismus. Brandlhuber wird vermutlich schon vom Verfassungsschutz beobachtet.

Briegleb schreibt zu Brandlhubers Bemerkung:

Übersetzt man diese Aussage in politischen Klartext, dann bedeutet sie eine Vergesellschaftung des Grundbesitzes, um den galoppierenden Spekulationsgewinnen ein Ende zu machen.

Und:

Dass die Grundstückspreise in München seit 1950 um 36.000 Prozent gestiegen sind, ohne dass ihre Besitzer dafür irgendeine Leistung erbracht hätten, verursacht die allermeisten Probleme der Stadtentwicklung, sozial, vernünftig und umweltbewusst für die Allgemeinheit zu planen.

Halten wir, wie man sagt, fest: Die „allermeisten Probleme der Stadtentwicklung“ verursacht die Tatsache, dass der Boden der Marktlogik ausgeliefert ist. Ich zitiere nicht die junge welt.

Briegleb fordert „eine grundsätzliche Richtungsänderung“, offenbar eine Vergesellschaftung allen Bodens.

Es ist bemerkenswert. Gefordert wird hier nichts anderes als den totalen Entzug des Bodens aus der kapitalistischen Verwertungslogik. Eine Forderung, die heute naturgemäß linksradikal ist. Auch Briegleb muss sich auf Besuch vom Verfassungsschutz vorbereiten.

Boden und Verwertung: Es ist die zentrale Frage der Zukunft. Und es ist die, um die am schärfsten gerungen werden wird. Denn ohne die Verwertung des Bodens bräche der Kapitalismus sofort zusammen. Ohne die Möglichkeit der Besitzenden, die Nichtbesitzenden gigantisch und dauerhaft auszubeuten, wird das asioziale Moment im Menschen nicht besiegt werden.

Momentan kauft China massenhaft Boden in Afrika. Wir werden davon hören.

Aber keine Angst: Die Süddeutsche lässt Linksradikale gerne im Feuilleton sich austoben. Spätestens, wenn der erste Anzeigenkunde murrt, ist der Spuk vorbei.

Schließlich leben wir nicht nur im Kapitalismus, sondern auch in Deutschland.

(Foto: genova 2020)

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