Kreuzberger Dschungel

Ein durchschnittlich gepflegter Park in Berlin-Kreuzberg in Randlage. Kein Mensch verirrt sich hierher. Vielleicht ist er genau deshalb besuchenswert. Würde man hier allerdings ein paar Wohnhäuser planen: Massive Bürgerproteste, wie man sagt, wären sicher. Als Grund hielte dann das Weltklima her.

(Fotos: genova 2016)

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Ein Lob an Köln

Wir sehen hier die Innenstadt von Köln, ein durchaus repräsentatives Bild. So sieht es aus, nachdem zehn Jahre zuvor ein Stadtarchiv eingestürzt ist. Das ist positiv gemeint, denn es zeigt sich ein Stück nicht definierter Boden mitten in einer naturgemäß von der kapitalistischen Bestie beherrschten Stadt, in der das herrschte, was man einmal, schon damals verharmlosend, rheinischer Kapitalismus nannte.

Es geht in Köln natürlich um Korruption und eine gewisse Unfähigkeit der Bürokratie. Dazu kommt ein eher peinlicher Lokalpatriotismus, der bei der unfähgigen Bürokratie gerne beide Augen zudrückt.

Dennoch ist das alles sympathisch. Es passt nicht wirklich zur konsequenten kapitalistischen Verwertunglogik, und das ist nicht das schlechteste, was man über eine Stadt sagen kann. Ähnliches gilt für Berlin. Die Unfähigkeit der Bürokratie, ihre ausgeprägte Aversion für die Praxis und die vielen unbesetzten Stellen sind einerseits ärgerlich. Andererseits stelle man sich die Alternative vor: Eine Stadt im Herzen der Bestie, in Preußen, die sich auf ihre alten Tugenden beruft. Zackig, militärisch, unbarmherzig, totalitär, ungenießbar. Dann doch lieber die aktuellen Loser.

Vielleicht werden irgendwann einmal undefinierte städtische Räume wieder in ihrer Einzigartigkeit erkannt werden. Vielleicht erst dann, wenn auch der letzte Chinese den Eiffelturm bestiegen hat.

(Foto: genova 2019)

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o.T. 514

(Foto: genova 2019)

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Waschbeton 6

Eine unprätentiöse Organisation im Raum, die der Abgrenzung  von öffentlichem und semiöffentlichem Raum dient. Die Waschbetonröge könnte aus deutscher Sicht als Verwahrlosung öffentlichen Raums angesehen werden. Im italienischen Altstadtkontext wirkt das anders: Es ist ein seit Jahrhunderten praktizierter undogmatischer Umgang mit dem, was einen umgibt.

Vielleicht reicht einfache Pflege, um Waschbetonkonstruktionen akzeptabel erscheinen zu lassen.

Oberflächlich betrachtet passt Waschbeton nicht in die Altstadt. Diese Sichtweise setzt allerdings voraus, dass man das Konstrukt Altstadt als etwas künstliches betrachtet, das nur noch der Tourismusindustrie dient. Die Frankfurter neue Altstadt ist ein Beispiel dafür. In Italien gibt es so viel Altstadt, dass sie weiterhin lebt. Und man Waschbetontröge einsetzt, wenn sie praktikable Lösungen bieten.

Die Fahrradständer rechts daneben sind allerdings unpraktisch, zumindest aus Sicht des Rades. (Foto: genova 2019)

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Boris Palmer: Keine Mieterhöhung ohne Zustimmung der Kommunen

Überraschung: Der Grüne und OB von Tübingen, Boris Palmer, fordert radikale Eingriffsmöglichkeiten des Staates bei der Wohnungsmiete. Die Mietpreisentwicklung mache ihm große Sorgen, sagt er in einem Interview mit einen youtube-Kanal (ab 34:12) und er fordert massive Eingriffe in den Markt, dessen eigentliche Mechanismen nicht mehr funktionierten. Palmer spricht sich für den Berliner Mietendeckel aus und sagt:

Es braucht sehr viel schärfere Maßnahmen zur Regulierung des Mietmarktes. Man sollte den Kommunen das Recht einräumen, sich einen Vorbehalt für jede Mieterhöhung auszubedingen. Also keine Mieterhöhung mehr ohne Zustimmung der Kommunen und nur mit Nachweis, dass sie nötig ist, um Kosten zu decken. Keine Mieterhöhung mehr, nur damit der Eigentümer eine höhere Rendite erzielt.

Laut Palmer war das bis 1968 Gesetz. Ob er tatsächlich eine Mietreduktion bei überhöhter Miete fordert, bleibt unklar. Wie auch immer: Eine schöne Vorstellung, dass der Vermieter zur Kommune dackeln muss und belegen, dass er ohne die Mieterhöhung draufzahlen müsste. Langfristig bekämen wir so traumhaft niedrige Mieten. In Städten wie München wären Mieterhöhungen in den kommenden 50 oder 100 Jahren ausgeschlossen. Und nebenbei wäre das ein Ansatz, die Umverteilung von unten nach oben zu stoppen.

Palmer redet in dem Zusammenhang von Tübingen und dem Potenzial „sozialer Unruhen“. Ein sozialistischer Vorschlag von einem konservativen Grünen. Respekt.

(Foto: genova 2010)

 

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Alles ist relativ

Heute wird ja gerne behauptet, der Smart sei ein „Kleinstwagen“, so die offizielle Kategorie.

Wie sich die Perspektiven doch verändert haben:

(Foto: genova 2019)

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o.T. 513

(Foto: genova 2019)

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Bonzen in Aktion. Beispiel Afrikakonferenz

In Berlin findet heute eine „Afrikakonferenz“ statt. Da Angela Merkel dazu einlädt, kann man davon ausgehen, dass außer banalem Lächeln nichts passiert. Vermutlich werden dort einfach bestehende Herrschaftsverhältnisse zementiert und deutschen Konzernen der Weg zu weiterer Ausbeutung geebnet. Es wird also das gemacht, Merkel und was herrschende Politik immer macht. Dank ihres Lächelns fällt ihre Ausbeuterei nicht so auf, deshalb macht sie das schon seit 14 Jahren.

Bemerkenswert ist die Konferenz wegen dieser eigentlich lapidaren Mitteilung der Polizei:

Aufgrund der damit verbundenen Absperrungen für die anreisenden Konferenzteilnehmer kommt es von 6 bis 16 Uhr in Mitte zu Verkehrseinschränkungen.

Im Klartext: Die Konferenzteilnehmer treffen sich in Mitte und deshalb ist die zentrale Ost-West-Achse der Stadt inklusive vieler Straßen drumherum heute gesperrt. In Mitte und Kreuzberg stehen die Autos still.

Man spürt in solchen Momenten, wie sehr sich die herrschende Klasse, die Bonzen, i. e. Politiker, von dem, was man Volk nennt, entfernt hat. Weil ein paar Leute sich treffen, wird ohne Bedenken die halbe Stadt lahmgelegt. Die Teilnehmer könnten mit der BVG anreisen, es wäre kein Problem. Oder aber, wenn sie unbedingt mit ihren fetten Autos kommen müssen: Der Stadtrand wäre der ideale Ort.

Stattdessen: Hundert Leute treffen sich mitten in der Stadt, die Stadt wird abgeriegelt. So stelle ich mir die DDR vor: Greise Bonzen, denen komplett die Tuchführung fehlte. Ich stellee mir auch vor, wie Merkel und ihr Geschwader vor der leeren Straße steht und sich fotografieren lässt. Mit dabei auf dem Foto sicher auch Olaf Scholz, ein rechter, neoliberaler Politiker, der seine Wähler, die in der halben Stadt im Stau stehen, schon vor 20 Jahren verraten hat, damals noch als Generalsekretär der SPD. So gesehen ist der Stau nur noch das i-Tüpfelchen.

Man sollte auch die Bürokratie erwähnen. Es gibt Sicherheitsinteressen, wie man sagt, und es gibt Vorschriften. Und eine Bürokratie bleibt konsequent bis in den Untergang.

Jeder Unternehmensberater hätte von diesen Sperrungen abgeraten: Es sieht einfach nicht gut aus, und es produziert Wut unter denen, denen ins Tageswerk gepfuscht wird. Dass kein Berater gefragt wurde, zeigt das Moment des Dümmlichen, das Bonzen wohl immer innewohnt.

Wenn der Stau zur Ausschaltung der herrschenden Klasse führen würde, hätte sich das Warten gelohnt.

(Foto: genova 2017)

 

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Waschbeton 5

Ein Kopfsteinpflasterbereich für Fußgänger in Berlin. Vermutlich wurde dort irgendwann ein Loch gebuddelt, danach hat man entweder die Kopfsteinpflastersteine verlegt oder einen Überschuss an alten Waschbetonplatten, die aus einem mir nicht bekannten Grund verlegt werden sollten. Auf jeden Fall ist das Ergebnis sehenswert: Die Waschbetonplatten markieren deutlich und dauerhaft den Ort der Baustelle. Die Kopfsteinpflastersteine müssen sich der Form der Waschbetonplatten anpassen, sie sind flexibler. So bleibt das natürliche Waschbetonplattenformat, der rechte Winkel vorhanden. Die Bauarbeiter haben sogar für einen sorgfältigen Abschluss und Übergang der beiden Steinarten gesorgt.

Dieses Foto wäre ohne den beklagenswerten Zustand der Berliner Bürokratie nicht entstanden. Worüber man sich normalerweise aufregt, also über skurrile Entscheidungswege und deren Ergebnisse, ist hier einmal zu einer kleinen Dauerinstallation geronnen. In den üblichen Vorzeigedumpfbackenstädten wie Freiburg oder Tübingen unvorstellbar.

(Foto: genova 2016)

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Waschbeton 4

Sich nach hinten verjüngender Eingangsbereich in Trient mit dem Versuch, durch Waschbetontröge irgendwas zu verändern. Soll der Eingang dadurch bewusst schmaler werden? Oder soll man nicht mehr an die Fenster herankommen? Soll das Grün zur Auflockerung der Atmosphäre beitragen? Oder zum Klimaschutz? Wir wissen es nicht, freuen uns aber dennoch mit interesselosem Wohlgefallen über das Arrangement. Möge dieses Kleinod noch lange bestehen!

(Foto: genova 2018)

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