Vorwärts in die Fünfziger: Man lässt schön grüßen

Wir sehen hier ein Bild, das die Welt erklärt: Das Titelfoto des aktuellen Werbeprospektes von Möbel-Hübner („Ich soll sie schön grüßen“). Es liegt der Süddeutschen Zeitung bei:

Die Zielgruppe von Möbel-Hübner ist eigentlich der Durchschnittsspießer, der Kunde, dem Ikea zu hip oder zu hippelig ist. Das Logo des Hutes neben dem Claim scheint aus den 1950er Jahren zu stammen.

Von dem Image will man offenbar weg. Wohin? Hin zum postmodernen, neoliberalisierten Kunden im globalen Kontext: Menschen sind ausnahmslos jung und attraktiv, wir sind auf keinen Fall Rassisten, dafür steht die schöne Schwarze, und wohnen tun wir im Loft, das so groß ist, dass auch bei den aktuellen Mieten klar wird: Geld spielt keine Rolle, wir sind erfolgreich. Die Einrichtung ist ganz interessant, weil eigentlich 50er-Jahre-Retro, und passt auch zum anderen Teil der Doppelcodierung dieses Bildes: Die Rollenverteilung ist klar. Die Frauen sind Staffage, haben gut auszusehen, können blond, blöd sein oder auch nicht, egal. Wäre die Schwarze nicht schlank, sondern dick, sie könnte in der Werbung bestenfalls als Haushälterin auftreten. Die Männer hingegen haben Wissen: Sie begutachten den Wein, sie sind Experten, sie wissen Bescheid.

Merkwürdigerweise zeigt der Tisch keinerlei Anzeichen für ein bevorstehendes Essen, es stehen nur formbezogene Schalen drauf, die an die Architektur von Aldo Rossi erinnern. Design, das in den 50ern noch für Verwirrung, für den Vorwurf von fehlender Identität und Modernismus gesorgt hätte, ist nun mehrheitsfähig, natürlich nur via Sinnentleerung, als totalem Formalismus. Überhaupt wirkt die Küche jungfräulich. Wahrscheinlich bringt das Essen gleich ein Lieferdienst.

Man kann von diesem Bild umstandlos auf Trump und AfD zu sprechen kommen. Selbst dem Durchschnittsspießer wird gezeigt, dass er perfekt zu sein hat: Er muss viel verdienen, um sich diese große Wohnung leisten zu können, er muss über einen Geschmack verfügen, der ihn diese Einrichtung aussuchen lässt, er muss schön, schlank und entspannt sein, teure Kleidung tragen, Wein dem Terroir nach zu unterscheiden wissen, dabei liberal sein, so dass man auch Frauen und selbst schwarze Frauen akzeptiert, liberal auch dahingehend, dass man die Souveränität besitzt, eine unverputzte Wand aus Ziegelsteinen dritter Wahl als Avantgarde zu schätzen.

Der Durchschnittsspießer muss also all das sein, was er nicht ist. Selbst bei Möbel-Hübner.

Vielleicht kann man sagen, dass die Haltung, die in diesem Foto beispielhaft zum Ausdruck kommt, Rassismus durch Klassismus ersetzt. Vielleicht kann man sagen, dass man offenbar ohne Abstufungen, ohne Diskriminierungen nicht auskommt.

Es hat auch etwas Faschistisches: Propagiert wird ja nichts anderes als der Übermensch, einer, der mit einer beispiellosen Mühelosigkeit Übermenschliches leistet, der perfekt ist, also unmenschlich.

fade out

 

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