o.T. 359

(Foto: genova 2016)

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4 Antworten zu o.T. 359

  1. hANNES wURST schreibt:

    Vielleicht kennst Du diese schönen Fotos von der tollen Natalia Dolgowska (http://dolgowska.com/) noch nicht, die Dir gefallen dürften:

    http://www.vice.com/de/read/fotos-von-den-unfertigen-haeusern-polnischer-auswanderer

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  2. genova68 schreibt:

    Vielen Dank, ich kannte die Frau bisher nicht. Es ist ja die reinste Becher-Schule, die sich hier zeigt. Grauer Himmel, Frontalansicht, keine Mätzchen. Dazu kommt die Architektur dieser Häuser, eine Mischung aus lokaler Bautradition mit tief heruntergezogenen Satteldächern, mit Gauben, mit eingeschnittenen Doppeldächern und mit diesen angesetzten Dächern auf jedem Stockwerk einerseits und die irgendwie brutalistisch gestalteten Erdgeschosse, teilweise ohne Fenster, unverputzt. Die EGs erinnern teilweise an abstrakte Kunst, da frage ich mich, inwieweit die Gestaltungsaspekte im Sinn haben. Vielleicht befinden sich in den EGs teilweise Scheunen, ohne Fenster, dann sieht das eben so aus.

    Die Dachkunst ist da schon ganz interessant. Man versucht offenbar, das Dach nicht nur als Hausbedeckung einzusetzen, sondern als individuellen Schutz über möglichst vielen Fenstern, man schneidet Balkons aus dem Dach heraus, man zieht es an manchen Seiten tiefer als an anderen, man vermeidet unter allen Umständen den einheitlichen Dachabschluss. Das Dach als individueller Schutz oder Pseudo-Schutz oder als eine vor allem optische Angelegenheit. Das Dach soll den Schutz sichtbar machen.

    Interessant auch, dass das Dach dort nicht mit Ziegeln gedeckt wird, sondern mit Wellblech oder Schiefer. Hat man dort keine Ziegeln?

    Die bauen dort zum Teil noch massiv an eine Tradition angelehnt, bemerkenswert. Das Dach ist ja sowieso ein unglaublich politisches Thema. Bei uns gab es die Dächerkriege in den 1920ern: Steildach vs. Flachdach, das ist offenbar, weil so gut sichtbar, massiv politisch aufgeladen.

    Dazu kommt bei den Fotos, dass leerstehende Häuser immer etwas besonderes sind. Das eigentlich Bewohnte, das Schutzbietende, das Menschliche ist plötzlich vom Verfall gekennzeichnet, es siecht dahin. Ein leerstehendes Haus bedeutet immer eine Aufgabe, ein Versagen von Menschen. Das wiederum schauen sich Leute gerne an. Es hat etwas Voyeuristisches.

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  3. hANNES wURST schreibt:

    Sehr schöne Fotografien, oder? Bestimmt eine wahnsinnig tolle Frau. Durch die dazugestellten Aufnahmen aus den USA kommt ein treffender Kontrast zur Geltung. Die majestätischen Bauruinen gegen das billige Pop-Image. Ich finde, dass die Häuser dafür, dass sie wahrscheinlich mit eher billigen Materialien und nach einem Entwurf von der Stange (es sind ja alles Variationen des gleichen Themas) entstanden sind, einladend aussehen. Dennoch sind sie verwaist, weil der US-Pop einfach mehr bietet.

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  4. genova68 schreibt:

    Ja, auf alle Fälle sehr schöne Fotografien, Nur nicht neu als Idee, sondern von Becher abeguckt. Was aber keine Kritik ist. Man kann ja nicht jeden Tag das Neue erfinden. Und eine Schule ist erst eine, wenn viele das Neue nachmachen.

    Die Materialien der Häuser sind wohl billig, preiswert, die Ziegel sind dritte Wahl und das Wellblech ist auch nicht teuer. Entwürfe von der Stange: Naja, Entwürfe von der Stange gibt es hier in Deutschland in jedem Neubaugebiet, da ist nirgendwo mehr ein Architekt zugange. Die Häuser auf den Fotos aus Polen finde ich eigentlich recht individuell, innerhalb des einen Themas „Regionale Baukultur“. Architekten waren da vermutlich nicht zugange, sondern da wird wohl, wie früher überall, privat geplant. Architekten für einzelne Wohnhäuser gab es offenbar nur in der Phase des Aufschwungs bis in die 1990er Jahre, seitdem haben Baukonzerne die Macht übernommen, man wähl aus Katalogen aus, wie bei Klamotten und allem anderen auch, und vor der Moderne haben sich die Leute Häuser ohne Architekt und ohne Katalog gebaut: Immer nur eine neue Mauer, wenn Geld da war oder die Familie Nachwuchs bekam. Das wurde dann automatisch individuell.

    Der US-Pop bietet mehr, oder auch nur der US-Kapitalismus. Aber auch das ist ja nun ins Schwanken gekommen, wenn man die Berichte über die Wirtschaft in den USA jenseits des Silicon Valley liest.

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