DDR: „Sehr demokratisch und sehr antifaschistisch“

Kleiner Nachtrag zur hiesigen Stalinismus-Debatte:

Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Ulla Jelpke, hat Ex-Stasimit-arbeitern zu deren jährlich stattfindender Tagung (bezeichnenderweise in Straußberg, ) ein Grußwort geschickt. Demnach war die Stasi offenbar ganz harmlos, im Gegensatz zum bösen BND, „eines von Altnazis aufgebauten aggressiven imperialistischen Dienstes“.

Jelpke mag in Sachen BND von mir aus Recht haben, aber darum geht es nicht. Wer als angeblich Linke nicht einmal in der Lage ist, die Stasi klar als das zu bezeichnen, was sie war – also ein stalinistische Krake in einem Nichtrechtsstaat mit Armen in jeden noch so privaten Winkel -, von dem erwarte ich so einiges, aber keine emanzipierte linke Politik.

Hoffentlich gibt es in der Partei Mehrheiten, die solche Hampelmänner und -frauen zur Seite zu drängen. Als einfaches Parteimitglied wäre eine Jelpke egal, als Bundestagsabgeordnete ist sie eine Fehlbesetzung. Es ist ja auch eine Art parteischädigendes Verhalten, kurz vor den Sondierungsgesprächen in Düsseldorf mit solchen Diskussionen aus Absurdistan zu kommen.

Es gilt hier das gleiche wie für ähnliche Debatten, die derzeit etwas wehleidig im linken Spektrum geführt werden: Natürlich fahren weite Teile der sogenannten bürgerlichen Presse einen Kampagnenjournalismus gegen die Linkspartei, um deren Regierungsbeteilung in NRW zu vereiteln. Natürlich wird hier das Gespenst des Kommunismus aus dem Keller geholt, natürlich ist das (so wie der TV-Beitrag unten) niveaulos und dumm. Und natürlich zeigen SPD und Grüne erneut, wie weit sie nach wie vor im neoliberalen Lager verwurzelt sind und kein Interesse an einer anderen Politik haben.

Doch all das entbindet die Linkspartei in NRW nicht vor einem halbwegs seriösen Auftreten. Oder was ist davon zu halten, wenn die jetzige Abgeordnete des Landtages, Carolin Butterwegge, auf die Frage eines TV-Reporters, ob „die Stasi legitim war“, keine Antwort parat hat? Oder wenn Anna Conrads, ebenfalls jetzt im NRW-Landtag, auf die Frage nach der „Solidarität mit RAF-Terroristen“ nur zu antworten weiß, sie wisse nicht, was der Reporter von ihr wolle? Oder wenn Gunhild Böth ( ehemaliges DKP-Mitglied) die DDR als „sehr demokratisch und sehr antifaschistisch“ bezeichnet? Und wenn die Spitzenkanditatin, Bärbel Beuermann, auf die Frage, ob die Stasi „legitim“ war, mit der Gegenfrage antwortet, ob der Verfassungsschutz legitim sei?

Sicher: Der Reportbeitrag ist billiger Kampagnenjournalismus. Doch genau, WEIL er so billig ist, sollte es für halbwegs professoniell agierende Politiker kein Problem sein, nicht in die gestellten Fallen zu tappen. Und die Linkspartei sollte so langsam checken, dass sie kein esoterisches Grüppchen mehr ist, für deren Verlautbarungen sich niemand interessiert.

Wenn die Linkspartei nicht in der Lage ist, sich von solchen Gestalten zu distanzieren, braucht sie sich nicht wundern, wenn dieses Projekt auf Dauer nix wird. Selbstredend, dass es schade wäre, wenn sich ein linker parlamentarischer Politikansatz  durch Stalinismus und Dilettantismus selbst diskredittiert.

Hoffen wir, im Sinne eine linken Politik, dass der Kelch einer Regierungsbeteiligung dieses Mal an den NRW-Linken vorbeigeht.

P.S.: Der Fahnenträger im Report-Beitrag ist übrigens ein Kabarettist der PARTEI. Nicht mal das haben diese investigativen und GEZ-finanzierten Journalisten gechekt.

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34 Antworten zu DDR: „Sehr demokratisch und sehr antifaschistisch“

  1. Nihilist schreibt:

    Wem nützt es?

    Das ist, besser sollte, immer die erste Frage sein.

    Wem nützte der Terror der RAF? Dem Staat, um Rechte zu beschneiden, so wie auch der Anschlag auf die Twin-Towers in Nex York nur dem Abbau von Bürgerrechten diente.

    Wem nützt die Dummheit solcher Kandidaten? Können die wirklich so Dumm sein? Oder sind das Maulwürfe, die wie bei Antifa-Demos, wenn V-Leute eingeschleust werden, die aus der Gruppe heraus Krawall machen sollen, um die Gruppe an sich zu diskreditieren? Da sind ja schon solche Typen entlarvt worden.

    Und woran erkennt man einen NPD-Funtionär? Am Gehaltsscheck vom Verfassungsschutz!

    Eine Diktatur, so wie sie schon von Platon in „Der Staat“ geschildert wurde, das diese aus einer Demokratie heraus entstehen muss.

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  2. hanneswurst schreibt:

    Ich wette, einen ebensolchen Beitrag könnte man sich auch über die SPD zurechtschneidern. Etwas schwieriger vielleicht, weil unter den MdLs der SPD nicht so viele unerfahrene, nicht auf Medien getrimmte Leute sind. Personen wie Zimmermann oder Michalowsky wurden natürlich gar nicht erst befragt – nicht sensationell genug.

    Da ich der Siegermacht entstamme möchte ich kein Urteil darüber abgeben, wie schlimm das MfS und die DDR an sich überhaupt waren. Das müssen die Ossis unter sich ausmachen, und bei denen scheint es ja tatsächlich genügend Nostalgiker zu geben, die werden schon wissen warum. Mir persönlich hat kein DDR Bürger ein Leid angetan, alle sehr nett. Auch das Essen ist gut, Thüringer Rostbratwurst – köstlich. OK, die Architektur war extrem pragmatisch, aber immer noch besser als Stadtschloss wieder aufbauen und solchen Käse.

    Das eigentliche Unrecht ist doch, dass in der BRD vierzig Jahre lang wie die Maden im Speck gelebt wurde, ohne auch nur eine müde Milliarde zu den Brüdern im Osten zu pumpen. (Stimmt das überhaupt? Egal.) Wenigstens hat Helmut Kohl als einer der Wenigen verstanden, dass da einige Reparationszahlungen fällig sind, und erst mal die Ostmark günstig in DM gewechselt. Von Helmut Kohls Sozialgefühl kann sich sogar die LINKE noch etwas abschneiden.

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  3. genova68 schreibt:

    Hanneswurst,

    ich habe deinen Beitrag KOMPLETT durchgelesen und stimme dir im Wesentlichen zu (Rostbratwurst, Architektur, Siegermacht).

    Allerdings hat Strauß einige Milliarden in die Ostbrüder gepumpt. Reparationszahlungen in deinem Sinn wurden also geleistet.

    Dass Zimmermann nicht befragt wurde, liegt wahrscheinlich wirklich daran, dass der vernünftige Antworten gegeben hätte, und das war ja nicht erwünscht.

    Nihilist,
    du meinst, Jelpke und Co. sind vom Verfassungsschutz? Pikant, pikant.

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  4. Redford schreibt:

    Kohl wird schlechter gemacht, als er ist/war. Sicher, er hat auch manchen Fehler gemacht und das Kapitel mit den „Russlandeutschen“ vergessen wir ebenso besser, doch in anderen Ländern wäre Kohl aufgrund seiner Verdienste um die Wiedervereinigung eine Legende, von denen man sich noch in 300 Jahren erzählen würde. In Deutschland ist er bloß „die Birne“.

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  5. Robert Michel schreibt:

    Was erwartest du von einer Partei die in weiten Teilen noch mit der SED identisch ist? Doch sicher nicht das sie sich gegen die von ihr installierten Organe richtet.

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  6. Nörgler schreibt:

    So ein Kohl-Hasser bin ja nicht mal ich, dass ich ihn der Hauptschuld an der sog. „Wiedervereinigung“ bezichtigen würde.

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  7. Redford schreibt:

    Ach, der Herr Nörgler. Ihr Kumpel momorulez war zwar fähig, einen Artikel über mich zu verfassen, jedoch leider nicht den Schneid, sich einer offenen Diskussion zu stellen. War ja auch einfacher, den, um den es geht, mundtot zu machen. Zumindest hat er so gezeigt, wo er steht, nämlich ganz unten auf der Skala von Fairness und Demokratie. Aber Schwamm drüber. Diese Erfahrung hat mich immerhin motiviert, einen eigenen Blog zu starten. Irgendjemand muss ja gegen die Sch**sse anschreiben, die auf Metalust verbreitet wird.

    Im übrigen: Die Verdienste von Kohl zu schmälern ist übrigens sehr unredlich. Ich bin kein Fan von ihm und habe damals – dummerweise – sogar den Fehler gemacht, Schröder zu wählen. Kohl als ewiger Kanzler? Nein, danke. Heute denke ich anders darüber. Trotz allem war Kohl ein Staatsmann, der Schröder nie war und unser Hosenanzug nie sein wird (auch keine Staatsfrau).

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  8. Nihilist schreibt:

    Kohl (und nicht nur der) war käuflich. Siehe

    http://www.gavagai.de/skandal/spenden/HHD38.htm

    Im Sommer 1998 schlug die Kohl-Regierung beim Verkauf von 112 600 Eisenbahnerwohnungen das höhere Angebot eines asiatischen Investors aus und gab den Zuschlag einem Konsortium, an dem das Ehepaar Ingrid und Karl Ehlerding beteilit waren. Dieses Ehepaar spendete dann im Wahlkampf 1998 fünf Millionen Mark (5.000.000 DM) an die Bundes-CDU und weitere 900.000 DM an die CDU Mecklenburg-Vorpommern. Süddeutsche Zeitung, 30.3.2001, S.5

    Und seine „Nebeneinkünfte“ von Kirch sind ja auch nicht ohne gewesen.

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  9. mondoprinte schreibt:

    Auch eine schöne Strategie von Redford (und Co?), die Kommentarspalte eines Blogs zu einem anderen Thema in Beschlag zu nehmen, um diese dann mit sich selbst vollzumachen.

    Was den eigentlichen Beitrag angeht: Volle Zustimmung!

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  10. aron2201sperber schreibt:

    @Nihilist

    wem nützt es, dass die 68er Bewegung ihren „Horst Wessel“ bekam?

    wer feixt noch heute über den Rechtsstaat?

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/05/26/ein-ddr-spion-feixt-gegen-den-rechtsstaat/

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  11. genova68 schreibt:

    Kann mir mal jemand sagen, warum in diesem Blog ständig off topic diskutiert wird? Mache ich etwas falsch?

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  12. hanneswurst schreibt:

    @genova: Ich hatte 1982 einen Schwarzwälder-Kirsch Becher in Ost-Berlin, war gar nicht mal so schlecht.

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  13. genova68 schreibt:

    Danke, Hanneswurst, mein treuer Gefährte, dass du zum Thema zurückkehrst (Ostberlin hat ja doch damit zu tun).

    Interessant, dass es in Ostberlin Schwarzälder-Kirsch-Becher gab, das hätte ich nicht vermutet.

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  14. hanneswurst schreibt:

    @genove: Man erkennt an solchen Details doch, dass die DDR gar nicht so ideologisch war wie immer behauptet wird. Die Sahne war zwar aus Deckweiß hergestellt – oder schmeckt zumindest so – aber was zählt ist der gute Wille und diesen Becher konnte sich jeder leisten; dieses gute Gefühl machte eine leckere Sache daraus.

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  15. genova68 schreibt:

    Das mit der Sahne glaube ich dir jetzt einfach mal. Immerhin warst du es, der 1982 in Ostberlin den Schwarzwälder-Kirsch-Becher gegessen hat.

    Das mit dem guten Willen und dem darauffolgenden guten Gefühl könnte man bestimmt auch philosophisch betrachten.

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  16. hanneswurst schreibt:

    Wenn man bedenkt, dass die DDR im Grunde ein Kriegsgefangenlager war, dann muss man die Insassen inklusive der Parteigenossen dazu beglückwünschen, wie human es in diesem Lager zuging. Die Sowjetunion hat im 2. Weltkrieg mit über 20 Mio. Opfern einen gewaltigen Blutzoll gezahlt. Klar dass die sauer waren und erst mal einen guten Teil der Deutschen eingezäunt haben (es soll keiner behaupten, dass irgendeine politische Spitze der DDR zu irgendeinem Zeitpunkt irgendetwas gegen den Willen des Sowjets ausrichten konnte). Die fröhlichen Westleute, besetzt von dem Teil der Siegermächte die vielleicht fünf Prozent der Verluste der Sowjets zu verbuchen hatten, waren nach einer kurzen Zeit der Entbehrung wieder etwas. Maßgeblich gesponsert von den USA, die nicht einmal ein Prozent der Verluste – und keine zivilen – erlitten hatten, aber als mutige und faire Helden dastanden. Wer weiß, ob es ohne die Bewohner der DDR, die tapfer das Kreuz für uns getragen haben und als Dank nach der Wende als die Doofen dastehen, einen kalten Krieg ohne Eruption überhaupt gegeben hätte.

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  17. genova68 schreibt:

    Interessante Perspektive. Aber du musst aus den Ossis ja nicht gleich quasigöttliche Erscheinungen machen, nur weil du 1982 in Ostberlin einen Schwarzwaldkirschbecher gegessen hast, der dir aufgrund des unterstellten guten Willens des Schwarzwaldeisproduktionskollektivs gemundet hat.

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  18. hanneswurst schreibt:

    @genova: Irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Kern (>nicht< Kirschkern) meiner Argumentation nicht zu Dir vorgedrungen ist.

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  19. genova68 schreibt:

    Das kann und möchte ich nicht ausschließen.

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  20. Katzenblogger schreibt:

    Nö, Genova, du machst hier nichts falsch.

    Das OT-Gequarke ist das Ergebnis politischen Bloggens. Je nachdem, wer sich da über den Weg läuft – hier ist einfach Streit strukturell immanent (bzw. scheint in der Natur des Politischen zu liegen), zumal, wenn sich minder-intelligente und leicht verhaltensauffällige Streithähne daran beteiligen.

    Ich nenne keine Namen – aber es sollte den Betreffenden ziemlich klar sein, wer hier gemeint sein könnte.

    Im Übrigen finde ich, dass Genova ein ganz solider Politblogger ist. Das wollte ich auch mal gesagt haben. Ich teile zwar nicht jeden seiner Gedanken, finde aber (und das ist schon viel!), dass er in erfreulichen Ausmaß vernunftorientiert argumentiert, und auch, nicht minder erfreulich, dass er ein höflicher Zeitgenosse unter den Bloggern ist (was ich in Bezug auf mich z.B. nicht behaupten könnte).

    Also: Frohes Weiterblogggen noch!

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  21. Redford schreibt:

    Stimmt. genova68 ist ein höflicher Geselle. Das habe ich in auch schon wissen lassen. Wenn ich da an anderen Blogger denke, die schnell pampig werden oder löschen und zensieren… ja, da muss ihn wirklich mal loben! :)

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  22. genova68 schreibt:

    Danke, Katzenblogger. Dem Betroffenen ist es allerdings offensichtlich nicht klar, dass er gemeint ist.

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  23. Redford schreibt:

    Mir ist klar, dass Katzenblogger mich gemeint hat. Und nun? Ich sehe keine Veranlassung, auf jeden verbalen Kothaufen, den irgendjemand absondert, zu reagieren. Es ist gerade diese Arroganz vieler linker Möchtegern-Intellektueller, die ich so abstoßend finde.

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  24. Nörgler schreibt:

    Genova findet wiederum meine Arroganz abstoßend. Es ist eben alles eine Frage der relativen Größen.

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  25. InitiativGruppe schreibt:

    Ich teile Genova’s Position.

    Die Linke benimmt sich doof, die Rechte nutzt das erfolgreich und destruktiv aus.

    Die Linke macht es mit ihrer unprofessionellen Haltung in NRW unmöglich, dass Rot-Grün mit ihr koalieren.

    Die FDP hätte diese Koalition gern gesehen – sie hätte ihr gut getan. Aber nun sitzt die FDP selber ein bisschen in der Falle. Große Koalition – das wär auch gut für sie, aber Neuwahlen — könnten katastrophal werden. Für beide Taugenichtse unter den Kleinen, auch für die Linke. Wer nicht Große Koalition will, wird jetzt endgültig gezwungen sein, entweder SPD oder die Grünen zu wählen.

    Also kann die SPD jetzt mit der CDU pokern. Wenn die nicht genug Zugeständnisse macht, d. h. zum Beispiel die SPD-Bildungspolitik übernimmt, dann kann die SPD den Auftrag zur Regierungsbildung sozusagen an die CDU zurückgeben – dann kann ja die mal schauen, ob sie FDP und Grüne gemeinsam ins K0alitionsboot kriegt, und zu welchem Preis.

    Darauf, dass die Linke in NRW mal lernt, wie man Politik macht in der Wirklichen Welt, werden wir noch mindestens vier Jahre warten müssen.

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  26. Nihilist schreibt:

    Alles ist relativ, sogar ein Haar. Ein Haar auf dem Kopf ist es relativ wenig, ein Haar in der Suppe relativ viel.

    So ist es auch zum Haare raufen, wenn gegensätzliche Meinungen jeweils nur den eigenen, subjektiven Standpunkt vertreten und alles andere verteufeln. Das kann man bei fast jeder Scheidung betrachten.

    Objektiv betrachtet, sieht alles anders aus. Nur, da muss man sich selbst etwas zurück nehmen. Und das fällt eben den meisten Menschen schwer, oder aber, es ist ihnen sogar unmöglich.

    Beispiel Demokratie. Immer wieder wird behauptet, es sei die beste aller Regierungsformen. Falsch. Es ist auch nur die Diktatur der Stimmenmehrheit. Echte Demokratie würde keine Regelungen treffen, mit der ein Teil der Gesellschaft an den Rand gedrängt wird, in prekäre Beschäftigungen oder sogar in die auswegslose Situation eines ALG-2-Beziehers.

    Gerechtigkeit sieht anderes aus, nur, wer will schon Gerechtigkeit? Dieses Modell, von den „alten Humanisten“ wie Morus oder Erasmus, die noch das Unrecht erkannten, und ein Gegenmodell präsentierten, dem gleichen Recht für alle, davon sind wir heute wieder genau so weit, wenn nicht sogar weiter, entfernt, als wir uns vorstellen können und als manche erkennen wollen.

    Wem nützt es … jeden Morgen als erstes diesen Gedanken und dann jede Meldung, jedes Erlebnis des Tages so betrachten, wieviel Zwist und Streit könnte vermieden werden.

    Wem nützt es, wenn Unrecht ausgeübt wird? Wem nützt es, Gefahren an die Wand zu malen?
    Wem nützt es, andere Menschen in Abhängigkeit zu halten?
    Wem nützt es, die Menschen auf ein „besseres Leben“ im Jenseits zu vertrösten?

    Die Reihe könnte ich noch stundenlang erweitern. Aber als Denkanstoß sollte es genügen.

    DENKEN, besser Nachdenken, an die eigene Nase fassen und einmal innerlich einen Schritt zurück treten, und versuchen sich selbst zu betrachten.

    Erkenne dich selbst, soll der Spruch in Delphi gewesen sein. Ein sehr guter Spruch. Nur eines ist dann wichtig, Mut. Mut zur Wahrheit und den Mut, sich den eigenen Ängsten zu stellen.

    Sie, die Ängste, als Produkt einer Manipulation zu erkennen und diejenigen, die diese Manipulationen in Presse, Funk und Fernsehen verbreiten als die Nutzniesser der Angst und der Ungerechtigkeit zu erkennen, sind dann fast die logische Folge.

    Denken Sie schon selber oder GLAUBEN Sie noch alles?

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  27. InitiativGruppe schreibt:

    „Beispiel Demokratie. Immer wieder wird behauptet, es sei die beste aller Regierungsformen. Falsch. Es ist auch nur die Diktatur der Stimmenmehrheit. Echte Demokratie würde keine Regelungen treffen, mit der ein Teil der Gesellschaft an den Rand gedrängt wird, in prekäre Beschäftigungen oder sogar in die auswegslose Situation eines ALG-2-Beziehers.“

    Schreibt Nihilist.

    Kein Wunder, dass Nihilist sich Nihilist nennt. Wenn man Begriffe so puristisch und abstrakt nimmt, sind sie nicht wirklichkeitstauglich.
    Wie wär’s mit einem nüchtern-pragmatischen Verständnis von Demokratie? Es wäre menschlich, und Nihilist müsste nicht zum Nihilisten werden.

    Erkenne dich selbst – fordern sowohl das Delphische Orakel als auch Nihilist.
    Was erkenne ich nun, wenn ich mich selbst erkenne? – Dass ich höchstselbst ziemlich unvollkommen bin, mein Wissen hint und vorn nicht reicht, dass ich verletztlich bin und ständig auf andere angewiesen, dass ich anderen vertrauen muss, wenn ich durchkommen will, undsoweiter.

    Lauter Sachen, die was mit Ambivalenz zu tun haben. Und weil ich mich solchermaßen selbst erkenne, geh ich dann eben auch so mit Begriffen wie Demokratie um.

    Aber mal von der Begriffsbildung abgesehen, was die sozialen Fragen angeht, die Nihilist anschneidet, können wir schon an einem Strang ziehen. Ich pragmatisch, er fundamentalistisch. Es sei denn, er sagt sich als Nihilist, dass es schon genügt, nur sauber und klar zu denken, nicht aber auch, im Schmutz der Welt sich durch tatsächliches Handeln das edle Denken schmutzig machen zu lassen.

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  28. Nihilist schreibt:

    Nun, die Bezeichnung Nihilist wurde mir mit 21 Jahren von einer Tante verpasst, als ich Kritik an der Form der Demokratie wagte. Ich habe immer noch die Worte im Ohr – „lasst uns mehr Demokratie wagen“ – die Willy damals auf dem Marktplatz auch meines Wohnortes sprach.

    Der Bimbeskanzler mit seiner geistig moralischen Wende hat das alles versaut.

    Ich habe immer noch die Lösung für eine gerechte Teilung im Kopf, die ich auch einmal gelernt habe.

    Wenn eine „Torte“ (als Sinnbild) zu teilen ist, dann darf eben nicht der, der sie teilt sich das erste Stück nehmen, sondern er bekommt das Teil, welches am Schluß übrig bleibt. Dann wird der „Teilende“ sich bemühen alles ganz gerecht zu teilen.

    Nicht 20 % der Bevölkerung in relativer Armut, 50 % die so gerade auskommen, 25 % die sich was leisten können und 5 % die alles einsacken.

    Und wohin die Demokratie sich entwickelt, da trage ich sicher Eulen nach Athen – in die Diktatur – das hat schon Platon erkannt.

    Ja, ich habe Prinzipien. Und deswegen bin ich ein Nihilist, weil ich die derzeitigen Prinzipien der Gesellschaft für falsch halte. Ich habe Werte, und an erster Stelle steht dort – Gerechtigkeit – und dann noch die Worte der französischen Revolution.

    Nur, Gewalt ist nie das richtige Mittel. Und so habe ich auch meine Vorbilder – Henry David Thoreau, Gandhi, Martin Luther King.

    Und schrieb Schiller schon im Tell – die Milch der frommen Denkungsart hast du mir vergiftet, Landvogt – meine Denkungsart lasse ich mir nicht vergiften!

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  29. InitiativGruppe schreibt:

    „Wenn eine „Torte“ (als Sinnbild) zu teilen ist, dann darf eben nicht der, der sie teilt sich das erste Stück nehmen, sondern er bekommt das Teil, welches am Schluß übrig bleibt. Dann wird der „Teilende“ sich bemühen alles ganz gerecht zu teilen.“

    Da gehen wir d’accord.

    „Ja, ich habe Prinzipien.“

    Ehrlich gesagt, ich bin ein ziemlich prinzipienloser Typ. Ich misstraue Prinzipien. Außer vielleicht dem einen, dass ich mir selber gegenüber wahrhaftig bleiben muss.

    (Nicht unbedingt andern gegenüber. Ich lüge, täusche, manipuliere schon öfters mal ein bisschen.)

    Mir scheint, es gibt keine Prinzipien, die nicht ihre Ausnahmen erfordern — und sind es dann noch Prinzipien?

    Sogar das, das ich hier als mein vielleicht einziges postuliert habe, genehmigt Ausnahmen: Wenn ich in einem ganz miesen Zustand bin oder unangenehm überrascht werde, dann lass ich schon mal dreie gerade sein und verzeih es mir hinterher, wenn ich wieder bei Sinnen bin.

    Könnte man sagen: Der Nihilist ist ein frustrierter Idealist?

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  30. StillerMitleser schreibt:

    Es gibt eine Stellungnahme von Jelpke:

    http://www.jungewelt.de/2010/05-28/024.php

    Ganz unsinnig ist die Stellungnahme nicht. Trotzdem: Mir behagt da eher Sarah Wagenknechts Haltung zur DDR.

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  31. genova68 schreibt:

    Mitleser (wieso nicht Mitkommentator?),
    danke für den Hinweis.

    Was Jelpke da schreibt, ist nicht falsch, aber die Grußadresse kam halt völlig unkritisch rüber, die jetzige Relativierung ist eine deutliche. Davon abgesehen würde mich interessieren, wie viele Nazis bei der Stasi unterkamen. Dass eine Menge Nazis ohne Probleme in der DDR hohe Positionen besetzen konnten, ist mittlerweile bekannt, auch dank der von Jelpke geforderten unabhängigen Geschichtsforschung.

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  32. Mitleser/Mitkommentator schreibt:

    @genova68: weil ich meistens nur mitlese, dies aber gern und regelmäßig…

    Zu Jelpke: Hast Recht ;-)

    Mir gefällt Wagenknechts Position (wenn ich sie richtig verstehe), wenn sie sagt, selbst wenn die DDR gute Seiten hatte, kann sie nicht zum Maßstab künftiger emanzipatorischer Politik werden. Für mich ist dies eine vernünftige Position zwischen Dämonisierung und Verklärung, was die DDR angeht und eine wichtige Positionierung der DDR-Debatte: Selbst wenn wir über Gutes und Schlechtes der DDR reden, ist sie Teil der Geschichte, aus der zu lernen ist, nicht aber Maßstab linker Politik.

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  33. genova68 schreibt:

    Na, da ist der zweite Schritt zum Mitkommentator ja gemacht :-)

    Wagenknechts Ansatz scheint mir auch ganz vernünftig, wobei die eben, im Gegensatz zu Jelpke, Politprofi ist (sie hat nach 1990 schnell gelernt) und sich bei Bedarf in Talkshows ganz lammfromm verhält. Sie hat sich also auf dieser formalen Ebene einem Politikertypus angenähert, den es in allen Parteien gibt und der viel zu Politikverdrossenheit beiträgt. Sie hat die Gesetze der Mediengesellschaft verstanden, würde sonst wohl auch sofort rausgejagt. So fordert sie beispielsweise bei Anne Will ganz brav die Erhöhung von Hartz IV um ein paar Euro und würde sich eher die Zunge abbeißen, als dort vom Kommunismus zu reden. Das ist zumindest mein Eindruck. Aber man kann ihr das ja nicht wirklich übel nehmen.

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