Wie man gut und günstig bauen kann – jenseits der Polit- und Baumafia

Was mit dem rausgemobbten Berliner Ex-Baustaatssekretär Andrej Holm auf dem Spiel stand, zeigt auch ein Blick auf Werner Sobek. Sobek ist ein Avantgardeeingenieur, der sich seit vielen Jahren mit aktuellen Positionen der Architektur – vornehmlich aus technologischer Sicht – beschäftigt. Bekannt geworden ist unter anderen sein mittlerweile 17 Jahre altes Haus „R128“: Schon 1999 nullenergetisch und komplett recylebar.

Sobek wurde vor einer Weile von der baden-württembergischen Stadt Winnenden gefragt, ob er Unterkünfte für Flüchtlinge entwickeln könne. Die hat Sobek nun realisiert:

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Die 22 Einheiten basieren auf der Logik der Container-Architektur, sind mit einer Lärchenholz-Fassade umhüllt und ressourcensparend, recyclebar und emissionsfrei. Sobek arbeitet mit der Firma AH-Aktiv-Haus zusammen, die die Gebäude baut und ausliefert. Ihren Angaben zufolge erfolgt die schlüsselfertige Realisierung innerhalb von zwölf Wochen. Hier gibt es weitere Fotos und Grundrisse.

Die Schorndorfer Nachrichten schreiben dazu:

Die Räume sind für heutige Maßstäbe sehr klein und kompakt. „Sie können aber später Wände herausnehmen und aus den kleinen Wohnungen größere machen“, sagt Sobek. „Sie können noch ein Stockwerk draufsetzen oder das obere herunternehmen und woanders aufstellen.“ All das versteht er unter nachhaltigem Bauen.

Die Stuttgarter Nachrichten berichten:

Die innen mit Fichtenholz-Schalplatten und Laminatböden ausgekleideten Wohneinheiten werden inklusive Fußbodenheizung, Elektrik, Bad- und Küchenausstattung bis hin zum einzelnen Lichtschalter komplett geliefert und müssen lediglich an Strom- und Wasserleitungen angeschlossen werden. Der Hersteller verspricht, dass sein Bausystem binnen zwölf Wochen gefertigt, komplett montiert und getestet geliefert werden kann.

Alle Modelle seien so konzipiert, dass sie nach individuellen Wünschen umgestaltet, oder vergrößert werden könnten, sagt die Aktivhaus-Geschäftsführerin Stephanie Fiederer.

Wir haben hier also einen Gebäudetyp, der ökologisch ok ist und fexibel nutzbar, was die Grundrisse und auch die mögliche Nachverdichtung angeht. Die Häuschen sind mit Solarzellen, Batterien und Wärmepumpen ausgestattet, die verwendeten Baumaterialien sind komplett nachwachsende. Beton wurde nicht verwendet.

Der Preis liegt laut Herstellerfirma 30 bis 40 Prozent unter dem des „herkömmlichen“ Bauens. Konkret bedeutet das: Sobek schätzte zu Beginn runde 1.650 Euro Baukosten pro Quadratmeter Geschossfläche, bezugsfertig, so wie das die Schorndorfer Nachrichten beschreiben. Nur die Anschlusskosten kommen noch dazu. Die Herstellerfirma berichtet nun von 1.380 Euro netto. Es gehört nicht viel Phantasie zur Vermutung, dass man diese Kosten noch deutlich senken könnte: bei serieller Fertigung und staatlicher Vorleistung in die Erforschung preisgünstigen Bauens – was eigentlich Standard wäre, hätten wir das, was man einen Sozialstaat nennt. Das aktuelle Vorgehen dieses Sozialstaates ist es im Wohnbereich, absurd hohe Mieten zu tolerieren und vorgeblich den Armen einen Teil der Miete zu bezahlen. Das Geld wandert direkt in die Taschen der Bonzen. So geht deutscher Sozialstaat.

1.200 Euro? 1.000 Euro? Weniger? Eine 50-Quadratmeterwohnung für weniger als 50.000 Euro neu bauen? Kein Spekulantentum zwischenschalten? Für kapitalistisch Verformte sind das paradisische, also nicht erreichbare Zustände. Das Kapital hat ganze Arbeit geleistet.

Man müsste einmal eine Rechnung aufstellen: In den Metropolen zahlt man 4.000 oder 5.000 Euro oder mehr für in weiten Teilen schlechte Architektur oder man zahlt entsprechende Mieten, Monat für Monat, selbst für einen Altbau. Welch gigantische Summen überweist man so mit der Zeit dem schmarotzenden Kapital? Welch ungeheuerliche Form der Ausbeutung findet hier statt? Demokratisch legitimiert, wie man sagt?

Sobeks Bauprojekt ist interessant, weil der Mann zeigt, inwieweit heute der erreichte Stand der Produktivkräfte zu konfortablem, ökologischem und preisgünstigem Wohnen genutzt werden kann – wenn man die erreichten Standards für den Menschen verwendet, nicht gegen ihn.

Natürlich hat diese Art von Bauen in Deutschland und ähnlich dämlichen Ländern keine Chance. Die Bau- und die Politmafia ist dagegen – wie das aktuelle Beispiel Berlin gerade zeigt. Hier sagen einem die Politiker, dass man unterhalb der aktuellen Marktpreise leider nicht bauen könne.

Die Haltbarkeit der Wohnungen gibt Sobek übrigens mit „300 bis 400 Jahren“ an – „bei guter Pflege“.

(Foto: bauwelt)

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26 Antworten zu Wie man gut und günstig bauen kann – jenseits der Polit- und Baumafia

  1. Jakobiner schreibt:

    Das wäre in Bayern bestenfalls in Städten denkbar–fürs Land gilt vor allem der bäuerliche Landhausstil.Da müsste man „nur“ die Baugesetze- und vorschriften ändern–aber das mag die Baumafia wohl weniger wie auch die ganzen Traditionalisten.

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  2. genova68 schreibt:

    Die Bauverordnungen werden von den Kommunen gemacht. Es wird doch ein paar bayrische Kommunen geben, die sich ein Haus ohne Gauben etc. vorstellen können.

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  3. thom schreibt:

    Da passt was nicht zusammen, Haltbarkeit „300 bis 400 Jahren“, der Hersteller sagt aber 30-40,
    was ist denn da nun korrekt ?

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  4. Chinook schreibt:

    Man mag es sich gar nicht vorstellen können, aber die Bauvorschriften sind Ergebnis verschiedener Erfahrungen – meist schlechter die sich allerdings oft lediglich mittel- bis langfristig auswirken. Man schaue über den großen Teich und bewerte die Abwesenheit hoher baulicher Ansprüche objektiv. Es gibt ne Menge tolle Architekten mit sehr guten Ideen und noch mehr Referenzprojekte – in der Praxis jedoch, scheitern viele dieser Ansätze eben nicht am Kapitalismus, sondern an übertriebenen Ambitionen und an Leuten, die sich selbst für viel genialer halten als sie sind. Das Marketing ist immer top – und hält nie was es verspricht, ganz abgesehen von Kosten unter realen Bedingungen.
    Wenn es möglich wäre supergünstig zu bauen, warum sollten die Projektentwickler und Investoren den zusätzlichen Ertrag eigentlich an die Mieter weitergeben? Wenn der Staat als Konkurrent auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass im selben Maß wie der Staat Bautätigkeit unterstützt die privaten Investitionen nachließen und am Ende dieselbe Wohnfläche vorhanden wäre. Vielleicht etwas weniger, vielleicht etwas mehr – so oder so – niemand erwartete einen großen Unterschied.
    Die zirkuläre Logik dieses Teufelskreises weist schon darauf hin, dass es neue Konzepte braucht, um eine räumliche Segregation verschiedener Milieus (nicht Schichten) wenigstens zu bremsen. Aber meiner Ansicht nach wird ein Herumdoktorn an den Bauvorschriften die Grundproblematik nicht lösen, aus mehreren Gründen.
    Aber spielen wir es mal durch, private Investoren bauen günstig und unterliegen einer immerwährenden niedrigen Preisbindung, weshalb das Gehalt eines Wohnungsinteressenten kein objektiv monetärer Hinderungsgrund ist, diesen abzulehnen. Was es heute übrigens bei Hartz4-Empfängern auch oft nicht ist, denn eine sicherere Zahlungsquelle als das ein Amt zahlt (ok,“abgesehen davon“, dass aktuell in der Praxis die Wohngeld-Sätze zu niedrig für die Innenstadt sind und am Rand der Städte viel zu hohe Mieten dank Subventionierung von Amtswegen gezahlt werden), kann sich ein Vermieter eigentlich kaum wünschen:
    Es stellt sich ein Akademiker vor, ein Handwerker und ein Ungelernter. Es ist zu erwarten, dass alle drei die Miete anstandslos entrichteten und in der Hinsicht auch kein Risiko bestünde. Wer wird wohl die Wohnung bekommen? Ich weiß nicht genau wer, ich weiß aber wer wahrscheinlich nicht.
    Warum hat der Akademiker heute die deutlich besseren Chancen, bei gleichem Ertrag für den Vermieter? Weil wir etwas verloren haben, was sich bis in die 80er entwickelt hat, nämlich dass es räumliche Überschneidungen zwischen Schichten gab – und dies gesellschafltich auch geschätzt wurde. Jeder wollte irgendwie ins Theater, in die Oper, politisch eine Ansicht haben. Distinktionsmerkmal in einer breiten Bevölkerung war mehr die Bildung, in einem sehr „klassischen“ Sinn – aber nicht unbedingt das Einkommen/Vermögen. Die Eltern haben gerade nach Erfahrungen aus dem Krieg viel dafür getan, dass ihre Kinder ein hohes Bildungsniveau erreichen und es mal besser haben – aber zu unterschiedlich wollte auch niemand sein. Eintrittsticket in die ferne Welt der Wohlhabenden war die Bildung und ein zumindest interessiert vorgetragener, desinteressierter Habitus an klassischen „Reichenbeschäftigungen“. Heute konstituiert Bildung und Intellektualität (meinetwegen auch der bemühte Versuch so zu wirken und dadurch geweckte Sympathie) eben keinen gesellschafltichen Status mehr, sondern der finanzielle Erfolg wird als Indikator für Horízont und Intellektualität genommen. Das erzeugt jedoch ein Problem, denn jeder kann sich Bildung aneignen und einen gewissen intellektuellen Habitus von Zeit zu Zeit verfolgen, um Anknüpfungspunkte und Kontakte außerhalb seines engen Umfeldes zu finden, aber niemand kann Geld aus dem Hut zaubern, um selbiges zu tun. Dies bedeutet, dass viele Menschen sehr frühzeitig von den oberen 50% der Gesellschaft ausgeschlossen sind und wiederum andere trotz geistigen Tieffliegertums aufgrund von Kontakten und Herkunft in relevante Funktionen kommen, in denen sie mit ihrer naiven, infantilen Art Schaden anrichten können. Die abgehängten 50%, die mittlerweile merken dass sie abgehängt sind, so blöd sind sie also wohl doch nicht, wählen Leute wie Trump. Eigentlich folgerichtig. Sie wissen, sie werden durch ihn wahrscheinlich nichts gewinnen, aber alle anderen haben mehr zu verlieren und ganz nebenbei wirkt Trump ihnen nah, weil er genau wie sie von der etablierten „Intelligenzia“ verachtet wird.
    Die Frage ist, in einer Gesellschaft in welcher der Mammon den Status definiert und insbesondere auch die individuelle Leistung absolut belegt- denn Mammon wird ja nicht durch Glück zuteil, sondern nur durch härtere Arbeit als andere und deshalb immer verdient – wie soll eine Senkung des Mietpreises da für eine generell andere Zuteilung von Wohnungen sorgen, selbst bei gedeckelten Mietpreisen? Und was hat die Linke insgesamt aktuell beizutragen? Nichts! Gar nichts und das liegt nicht am Kapitalismus oder Neoliberalismus und dem Niedergang von Gewerkschaften etc. – sondern an einer intellektuellen Verhärmung der Linken und daraus folgenden Unfähigkeit neue Gesellschaftsentwürfe abseits von Marx‘ in eine gesellschaftliche Diskussion einzubringen. Das haben Trump und die Linke gemein, der eine will zurück in die Vergangenheit, die anderen denken noch in deren Strukturen.

    Eigentlich reichen zwei Sätze aus, die Gesundheit einer Gesellschaft oberflächlich zu erfassen.

    Frei nach Ian Buruma: In schlechten Zeiten versuchen die Wohlhabenden den Habitus und die Mode der Armen zu kopieren, in guten ist es andersrum.
    Und frei nach Nassim Taleb: In Mediocristan gibt die Mitte den Ton an, in Extremistan setzen die Ränder die Agenda.

    Naja, sieht nicht gut aus aktuell.

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  5. genova68 schreibt:

    thom,
    ein aufmerksamer Leser :-) Ich nehme na, dass der Hersteller eine juristische Garantie gibt, Sobek vermutet und sagt ja dazu, dass es auf die Pflege ankommt.

    Chinook,
    „Wenn der Staat als Konkurrent auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass im selben Maß wie der Staat Bautätigkeit unterstützt die privaten Investitionen nachließen und am Ende dieselbe Wohnfläche vorhanden wäre. “

    Es wäre ein Segen, wenn die Bautätigkeit der privaten Investoren (damit sind nicht die privaten Bauherren gemeint, die ein Haus fü sich selbst bauen) auf null zurückginge. Schluss wäre es mit der elenden Preistreiberei.

    Generell geht es darum, private Investoren aus dem Immobiliensektor komplett rauszudrängen. Dabei reichten schon die fehlende Aussicht auf Profit. Du behauptest übrigens, dass preiswertes Bauen nicht möglich sei, obwohl ich da oben gerade ein Beispiel gebracht habe. Das nennt man wohl Ignoranz.

    Wien ist ein größeres Beispiel für günstiges Bauen.

    Was die Bauvorschriften angeht: In ärmeren Ländern stockt man einfach auf, wenn man mehr Wohnraum braucht. Flüchtlinge hierzulande verstehen nicht, wieso das hier nicht einfach gemacht wird. Es hängt mit der totalen Bürokratie zusammen.

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  6. Chinook schreibt:

    „Es wäre ein Segen, wenn die Bautätigkeit der privaten Investoren (damit sind nicht die privaten Bauherren gemeint, die ein Haus fü sich selbst bauen) auf null zurückginge. Schluss wäre es mit der elenden Preistreiberei.“

    Genova, das wäre für Mieter im Allgemeinen mit Sicherheit kein Segen. Es geht nicht ohne private Investitionen in den Wohnungsmarkt. Wenn die privaten Investitionen auf Null zurückgingen, dann würden die Mietpreise explodieren und zwar richtig. Der Staat könnte das nie und nimmer auffangen, was übrigens auch nicht wünschenswert wäre. Man schaue sich mal Bonn Tannenbusch, München Neu Perlach etc. an. Dat is innovative kommunale Architektur par excellence. Gerade dein Beispiel Wien verdeutlicht doch, wie eine vernünftige kommunale Baupolitik aussieht. In Wien wird eben nicht hauptsächlich günstig gebaut, das ist Quatsch, sondern oft zu höheren, aber im Verhältnis zur Architektur und wie diese sich in das Alte einpasst, guten Preisen. Meist wird es dann sogar nicht deutlich teurer als veranschlagt. Und auch in Wien gibt es Gentrifizierung, entgegen des offiziell vertretenen Standpunkts der Stadt. Aber deutlich langsamer als in deutschen Städten. Klar, die ganze österreichische Wohnbaupolitik ist der Deutschen überlegen, ganz abgesehen von der Niederländischen – aber eben auch unter anderen Voraussetzungen und Strukturen. Natürlich kann man die Baupolitik eines wohlhabenden, in ein rurales Umfeld eingebetteten Wien, nicht auf einen massiven, „armen“ Agglomerationsraum wie NRW übertragen – oder auf ne Stadt wie Berlin, wo nichtmal die administrativen Grundstrukturen funktionieren. Ganz abgesehen von den kommunalen Stellen, welche auf die Wohnungsbaupolitik Einfluss nehmen. Da hat gerade Berlin doch Null Kompetenz, weil irgendwelche Bauingenieure ohne Ahnung sozialräumlicher Zusammenhänge über Bauvorhaben entscheiden, ohne den blassesten Schimmer von möglichen sozialräumlichen Auswirkungen zu haben.
    Ich ignoriere auch nicht dein Beispiel, aber diese Preise sind eben nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. In den USA wird auch günstig gebaut, hat sich in Europa bisher aber noch nicht ausgezahlt. Nebenbei, 30% unter den üblichen Baukosten und unter idealen Bedingungen, ist nun nicht unbedingt etwas, was mir das totale Staunen abnötigte. Vor allem wenn das Objekt nicht unbedingt auf maximale Haltbarkeit ausgelegt ist. Bei den heutigen innenstadtnahen Arealen geht es denn auch weniger um die Bau- als um die Grundstückskosten. Da hatte (und hat) gerade Berlin große Konversionsflächen zur Verfügung, die will man aber mit hochwertigsten Eigentumswohnungen zupflastern, weil man glaubt dadurch eine zahlungskräftige hochgebildete Klientel in eine wirtschaftlich schwache Region zu locken, die dann für den nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung schon sorgen würde, ohne das die Stadt vernünftige Strukturpolitik machte. Nebenbei kommt auch noch Geld in den Haushalt und man muss sich um die Flächen nicht mehr weiter kümmern. Da sind wir dann aber im Grunde nicht mehr im Städtebau-Bereich, sondern haben es eben mit einer abgehobenen Politik zu tun, welche Input von den eigenen Wählern gar nicht mehr registriert und sich allein auf Rat von wirtschaftsnahen Akteuren stützt – aufgrund eigener Inkompetenz.
    Das für Flüchtlinge nicht genug Raum vorhanden ist, hat damit wenig zu tun. Wenn man innerhalb eines Jahres eine Millionen Leute aufnimmt, wird man eben nicht ab sofort eine Stadt wie Köln aus dem Boden stampfen können. Die Erwartungen sind in der Hinsicht nicht nur etwas übertrieben.

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  7. genova68 schreibt:

    In Wien baut die Kommune nicht zu höheren, sondern zu niedrigen Preisen. 60 Prozent der Wiener wohnen in solchen günstigen Wohnungen. Auf dem sogenannten Markt gibt es auch dort Gentrifizierung.

    Ansonsten, Chinook, ich sage es dir zum wiederholten Male: Du beherrscht die Kommunikation von Leerformeln. Beispiel:

    „Ich ignoriere auch nicht dein Beispiel, aber diese Preise sind eben nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.“

    Bestimmte Voraussetzungen, aha. Welche? Ich bringe den Artikel, verlinke, du behauptest „bestimmte Voraussetzungen“, also eine irgendwie künstliche Situation. Das ist quatsch.

    35 Prozent unter den normalen Baukosten ist faktisch ein wahnsinniger Fortschritt. 35 Prozent Kosteneinsparung ist in jedem Betrieb ein wahnsinniger Fortschritt.

    Halten wir fest: Man kann mit 1500 Euro pro qm gute Wohnungen bauen, gezahlt wird derzeit 4000, 5000 oder 6000 Euro, weil ein Markt imaginiert wird, der Zahlungskräftige bevorzugt.

    Ich wiederhole einfach den zentralen Punkt: Wir sind auf einem Stand der Produktivkräfte, wo es ein leichtes wäre, jedem eine günstige und gute Wohnung zu bauen. Ein Kinderspiel. Dass es nicht so läuft, liegt an der menschenverachtenden Kapitallogik. Diese Kapitallogik ist offenbar darauf angewiesen, dass Bodenwerte existieren, Tauschwerte für etwas, das einfach da ist. Zum Leiden der Menschen.

    Gegen Ende deines Beitrags kriegst du halbwegs die Kurve, aber auch hier: Die zahlungskräftige Klientel, die Berlin in die Stadt locken will, ist nicht mehr sonderlich zahlungsfähig, wenn sie die Wohnung erstmal gekauft haben. Es ist eine absurde Logik: Ich verkaufe einer zahlungskräftigen Klientel einen Golf zum Preis einer S-Klasse und das soll dann für wen von Vorteil sein? Um beim Autovergleich zu bleiben: Ich stelle Golfs her, verkaufe die aber zum Preis einer S-Klasse, sage dann, dass der Markt leider nichts anderes erlaube und alle machen mit.

    Ich schätze, dass die Immobilienwirtschaft via Bodenpreise ein bedeutender Faktor kapitalistischen Wirtschaftens ist, der immer ein knappes Gut zum Thema hat, nämlich Boden, der ist nicht vermehrbar. Deshalb ist diese Sparte für den entwickelten Kapitalismus so wichtig. Man kann ständig über ein knappes Gut verfügen und die Preise nach oben treiben. Jede verantwortungsvolle Gesellschaft würde den Immobiliensektor komplett aus der Verwertung rausnehmen und gute und günstige Wohnungen für alle bauen.

    Dass diese Selbstverständlichkeit als Utopie betrachtet wird, zeigt das katastrophale Ausmaß der Verblödung im Kapitalismus.

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  8. Chinook schreibt:

    Genova, du argumentierst vollkommen abgelöst von der realisierten baulichen Substanz und Architektur, vergleichst Äpfel mit Birnen. Ich bin auf dein Beispiel nicht näher eingegangen, weil es vollkommener Unsinn ist, Häuser dieser Art als die Idee bzgl. sozialen Städtebaus in urbanen, verdichteten Räumen überhaupt in Betracht zu ziehen. Übrigens haben die Produzenten, Vermarkter und der Architekt selbst, diese Schiene aus gutem Grund nie betreten. Dieses Fass hat „die Kommune“ aufgemacht. Was dort errichtet wurde ist eine Unterkunft für Asylsuchende, die anderen Ansprüchen genügt als sie der Mieter in Berlin, München, Frankfurt etc. hat. Das Konzept ist übrigens auch nicht neu. Solche Häuser mit Holzverkleidung, nach Sonnengang ausgerichteten Fensterfronten, Solarthermie und Solarzellen etc. ausgestatteten Häuser gibt es schon seit den 90ern in größerer Zahl. Neu ist, dass es als Fertighaus angeboten wird, was dem Hersteller die Realisierung von kostensparenden Skaleneffekten ermöglicht. Was ich gar nicht kleinreden will. Durchsetzen wird sich das nicht, aber es gibt für dieses Angebot sicherlich eine ausbaufähige Nische, vor allem in ruralen Regionen.
    Was mich allerdings interessiert ist, woher du die Kosteneinsparung von 30% hast. Ich habe den Berichten dazu lediglich entnommen, dass die Baukosten mit 1650 Euro/qm „ein gutes Stück“ unter den – Achtung – ortsüblichen Baukosten lägen. Und da sind wir wieder bei Äpfel und Birnen. Mag ein kostengünstiges Konzept sein oder auch nicht, jedenfalls erkenne ich keine Infos, mit welchen Bausubstanzen hier verglichen wird noch wie sich die Kosten zusammensetzen oder welche Ausstattung genau damit einherginge. Sind die im Beispiel genannten Häuser mit Solarzellen, Wärmepumpen und Batterien ausgestattet wie von dir angenommen, werden diese mitberechnet und wenn, dann wie? Ansonsten nimmst du es mit Angaben „von Herstellerseite“ etwas genauer.
    Aber ok, beziehen wir uns auf die Herstellerseite und die dort gemachten Angaben zu Häusern, welche am Markt angeboten werden und nicht auf sehr spezifisch geplante „Wohnheime“.
    Da sehe ich gleich den üblichen Ökomarketing-Quatsch und bin verschiedenen Angaben gegenüber sehr skeptisch – und dies keinseswegs, weil ich das Konzept insgesamt für verfehlt hielte. Ich führe auch gerne aus warum.
    Ignorieren wir mal das Geblubber bzgl. Smart Grids. Zukunftsmusik und wird es in Deutschland schon allein aufgrund von Datenschutzgesetzen wahrscheinlich, bezogen auf einen sehr hohen smarten Koordinationsgrad, auch noch ne Zeit bleiben. Ganz davon abgesehen, dass diese Technologien Einsparpotenziale ausschöpften aber klassische Grundversorgungsfragen und deren Gestehungskosten unberührt lassen.
    1. Urbane Verdichtung. Soll eines der Vorteile dieser Häuser sein. Da wird dann auf der Homepage ein wahrscheinlich mit Photoshop (und nicht GIS Software) erstelltes/bearbeitetes Bild gezeigt, auf dem wohl potenzielle Standorte türkis eingefärbt sind. Ich weiß auch nicht, was da überhaupt für urbane Strukturen gezeigt werden sollten, aber europäisch sind sie nicht. Aber ok Eye-Catcher – got it. Warum sich jedoch genau die beworbenen Häuser für eine Verdichtung urbanen Wohnraums wegen Leichtbauweise und einem einfachen Anschlusskonzept eignen, bleibt das Geheimnis der „Hersteller“. Das wird halt einfach mal behauptet.
    2. Zero Energy (natürlich in der Jahresbilanz). Ich mag da irgendwie ein Spielverderber sein, aber mir ist die Jahresbilanz herzlich egal und solange das Haus nicht in Freiburg steht, naja. Für mich gibt es eben einen Unterschied zwischen praktisch „autarker“ Energieversorgung und teuer subventionierten „Kleinstkraftwerken“. Ich kann dir auch nen DIeselgenerator ins Haus stellen und du kaufst billig hektarweise Regenwald von Krombacher dazu, dann hast du bei entsprechenden Energieressourcen eine autarke Versorgung und die auch noch CO2-Neutral. Und nochmal, ich sage nicht, dass das Konzept an sich keine Berechtigung hätte, sondern das es halt marktschreierisch beworben wird – das allerdings sehr gut.
    Im Ernst, Solarzellen sind teuer und lohnen sich nicht, solange man nicht Strom subventioniert ins Netz einspeisen kann, zu Zeiten in denen ihn niemand braucht und es deshalb eher Stabilitätsprobleme verursacht und nicht gespeichert werden kann. Ganz abgesehen davon, dass viele Solarzellen wegen Haltbarkeitsproblemen (nach Ablauf der Garantie) eben doch teurer sind als a priori berechnet. Eine Lösung von strategischen Energiethematiken ist das also nicht, aber es kann sich bei guter Planung anhand der Subventionen monetär lohnen. Ökologisch ist ne andere Frage.
    3. Und da kommen wir zum nächsten Punkt. Batterien und Zero Emission, denn anscheinend verfügen diese hochwertigen Container über welche, um die Energie zu speichern. Aber wie wir lernen, ist ein Haus ohne Schornstein auf jeden Fall gut. Also ein Toyota Prius hat den ökologischen Footprint eines Humvees, über die gesamte Lebensdauer gerechnet. Warum? Wegen der Batterien/Akkumulatoren! Also lassen wir außer Acht unter welchen Umständen die Rohstoffe gewonnen werden, die Herstellung von Batterien bedarf eines extrem hohen energetischen Aufwands. Ist ja super, wenn das Haus dann rechnerisch in der Jahresbilanz keinen mehr hat. Aber wem wirklich an ökologischen Aspekten gelegen ist, der sollte sich den energetischen Input bzgl. Batterien und Solarzellen wenigstens mal anschauen und diesen mit dem dann praktisch genutzten Output an Energie vergleichen.
    4. Und da sind wir schon beim letzten Punkt. Der kompletten Zero Waste-Rezyklierbarkeit der.. ja, von was genau eigentlich? Der Fassade? Also ich hab was gelesen von Wärmetauschern, Akkumulatoren und Solarzellen. Ob das dann ökologisch insgesamt sinnvoll ist, hängt eben von der Definition und den Ansprüchen an Recycling ab, recyclebar ist es aber. Im Gegensatz zu anderen Häusern scheinen ja aber keine Altlasten zu verbleiben – warum die bei nem anderen Haus vorhanden sein sollten, darauf wird nicht eingegangen – und das Gelände ist vollständig renaturierbar. Da sollten die mal im Ruhrgebiet schauen, was alles „renaturierbar“ ist.

    Halten wir fest, ihre selbstgesteckten Ziele von ökologischer Nachhaltigkeit erfüllen die Hersteller jedenfalls. Und genau jene suchen sie marketingtechnisch in Wert zu setzen, ist ja am ende des Tages immernoch eine auf Gewinn ausgerichtete Unternehmung – die defintiv etwas zum Diskurs um innovative Wohn-/Bauformen beizutragen hat.

    „60 Prozent der Wiener wohnen in solchen günstigen Wohnungen.“

    Besonders genau kannst du dir Wien nicht angeschaut haben. Ungefähr diese Anzahl wird verhältnismäßig günstig wohnen, weil die Mietpreise vieler Wohnungen durch sozialen Wohnungsbau einerseits und in erheblichem Maß auch durch Förderung für ganz böse private Investoren andererseits, relativ niedrig gehalten werden können. Das hat aber rein gar nichts mit Baukosten unter dem Druchschnitt zu tun.
    Das Wiener Bauen hat im Grunde über Jahrzehnte gut funktioniert und aufgrund früher Bürgerinitiativen, wurden sogar viele Nachkriegsverfehlungen dort gar nicht erst in großem Ausmaß begangen. Wichtiger ist jedoch, dass das „rote Wien“ immer eine aktive Wohnungsbaupolitik betrieb. Einerseits durch eigene direkte Aktivität, andererseits durch das Fördern privater Investoren. Die Wiener ham halt von Anfang an eines gecheckt: Um eine sozial gesunde Mischung aufrechtzuerhalten, muss man Geld in die Hand nehmen, was sie durchgängig über Jahrzehnte gemacht haben. Weshalb Verdrängungsproblematiken in Wien heute zumindest handlebar sind. Ich finde es geradezu amüsant, wenn Amtspersonen aus der Berliner Verwaltung nach Wien reisen, um sich daran ein Beispiel zu nehmen. Klar, der Kaffee ist geil – aber für Berlin realisierbare Ansätze finden sich doch eher in Wuppertal oder Nantes. Nicht soviel Spaß für die Geschäftsreise. Lustig wird es allerdings dann, wenn sie versuchen Lehren aus Wien zu ziehen – denn da gibt es vor allen architektonischen Lehren eine ganz grundlegend strategische. Wien investiert, direkt oder indirekt, mehr als das zwanzigfache von Berlin in den Wohnungsbau. Das es da so toll läuft liegt eben nicht an supergeilen Designkonzepten, sondern an althergebrachter kapitalistischer, monetärer Durchschlagskraft. Und an einer Administration, welche wirklich gute Arbeit macht und immer am Puls der Zeit ist, ohne sich in scheinbar Innovativem zu verzetteln.
    Wenn die Berliner Administration 15 Jahre gute Arbeit macht, dann ham se vielleicht den Punkt erreicht von Wien lernen zu können. Meine Meinung.

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  9. genova68 schreibt:

    Die Containerbauten auf dem Land von Sobek sind richtungsweisend, auch für die Großstadt. Sie sind vierstöckig stapelbar, haben flexible Grundrisse, sind ökologisch vorbildlich und günstig. Sobek weiß, was er tut, seit 30 Jahren. Du kannst das alles ignorieren und das Gegenteil behaupten, aber das führt nicht weiter. Nullenergiehäuser, Häuser ohne Beton etc. sind möglich und werden gebaut.

    Die Ausstattung habe ich im Bericht beschrieben und der Hersteller und Sobek machen das sehr genau. In den Baukosten sind sogar die Küchen mit drin, Wärmepumpen etc. natürlich auch. Was nicht drin ist, ist der Grundstückspreis. Den rauszulassen, halte ich für sinnvoll, denn dann macht man diese kapitalistische Verwertungslogik nicht mit. Das ist eine Frage der Emanzipation. Wenn ich mich darauf einlassen muss, Höchstpreise für ein Stück Boden zu bezahlen, wird es nichts mit dem kostengünstigen Bauen. Boden gehört in Gesellschaftshand, ohne jede Spekulation. Und es gibt Politiker, die das durchsetzen sollen. Enteignung, Entschädigung, wie auch immer. Ein sozialistisches Verfahren halt. Das ist sinnvoll und deshalb muss das angegangen werden. Die Bodenfrage ist eine, die in jeder halbwegs entwickelten Gesellschaft gestellt werden muss. Das war in Deutschland beispielsweise in den 20er Jahren der Fall, in den 50ern und 60ern auch noch. Dass das heute als revolutionär gilt, zeigt nur den Verblendungsgrad.

    Boden wird nicht produziert, sondern nur besetzt, das ist eine Frage der Kräfteverhältnisse. Wenn der Bund Güterbahnhofsflächen an Private verkauft und die die Preise nach oben treiben, dann muss man diese asoziale Politik beenden. Das erwarte ich schlicht von jedem Politiker, der sich irgendwie links wähnt. Tut er das nicht, ist er sowieso ein Arschloch.

    In Wien wird billig gebaut, weil die Kommune einerseits seit 100 Jahren keine Grundstücke mehr verkauft und andererseits seit 100 Jahren Grundstücke vorausschauend günstig kauft. Das Gelände um den neuen Hauptbahnhof und die Seestadt Aspern sind zwei Beispiele. Natürlich müsste man auch in Wien die Zügel anziehen und die 40 Prozent stärker regulieren. Aber auch Wien lebt im Kapitalismus.Und bitte nicht kleinreden, dass 60 Prozent der Wiener nicht perversen Kapitalisten ausgeliefert sind. Ich halte das für einen großen Vorteil gegenüber Berlin oder München.

    In Berlin wird seit 100 Jahren eine falsche Baupolitik betrieben. Es ging nie um günstiges Bauen, der Sozialwohnungsbau war nie günstig, sondern steuerfinanziert, und die Abschreibungsmodelle haben Reiche nur reicher gemacht. Dazu kommt die begrenzte Preisbindung, die dazu führt, dass Ex-Sozialwohnungen plötzlich 15 Euro den QM kosten, nur weil die privaten Eigentümer behaupten, das verlangen zu müssen. Die Hälfte maximal ist kostenverursacht, den Rest sacken reiche Bonzebn ein, indem sie die Bewohner schamlos ausbeuten.

    Halten wir einfach fest: In Altbauten wohnt man kostendecken für 5 Euro warm, in Neubauten für sieben oder acht Euro. Alles, was drüber geht, ist kapitalistische Spekulation, Ausbeutung, Zerstörung von Menschen.

    Ausbeutung ist ein Problem, das man angehen sollte, ganz einfach. Wohnen ist heute prinzipiell billig. Der Stand der Produktivkräfte ist da eindeutig. Alles andere wird uns vom Kapital eingeredet. Es gibt staatlicherseits aber schlicht kein Interesse an billigem Bauen. Die Bodenverwertung gehört zum Geschäft. Nicht umsonst spricht man bei steigenden Preisen für Boden von „Wertschöpfung“. Dabei haben wir immer nur ein Stück Boden mit Sand, für den kein Mensch etwas geleistet hat. Den Boden hat Gott zur Verfügung gestellt. Eigentlich völlig pervers, aber wir haben uns drangwöhnt, diese Perspektive einzunehmen. Würde man das bleiben lassen, sänke das Bruttosozialprodukt. Welcher Politiker will das schon?

    Der Staat als Handlanger kapitalistischer Interessen hat kein Interesse an günstigem Bauen. Es könnte beispielsweise eine IBA in Berlin zu diesem Thema geben, auf dem kommunalen Tempelhofer Feld. Da wollte aber Michael Müller Luxuswohnungen bauen lassen. Das ist eine klare Sprache.

    Sagen wir es doch deutlich: Dem Kapitalismus ist die Menschenfeindlichkeit und die Menschenzerstörung inhärent. Ein Beispiel dafür ist das Baugeschäft.

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  10. Chinook schreibt:

    „Die Containerbauten auf dem Land von Sobek sind richtungsweisend, auch für die Großstadt. Sie sind vierstöckig stapelbar, haben flexible Grundrisse, sind ökologisch vorbildlich und günstig. Sobek weiß, was er tut, seit 30 Jahren. Du kannst das alles ignorieren und das Gegenteil behaupten, aber das führt nicht weiter. Nullenergiehäuser, Häuser ohne Beton etc. sind möglich und werden gebaut.“

    Nö, ich behaupte gar nichts. Ich führe nur aus, warum ich sehr skeptisch bin ob das alles was diffus versprochen wird in der Realität so auch gilt. Und wenn das alles praktisch umsetzbar ist, dann erwarte ich vom Anbieter im Grunde auch Belege mit einer genauen Angabe der verwendeten Technik, Rahmenbedingungen und dem Verbrauch bzw. wieviel Strom wann zugekauft wurde. Du hast es aber architektonisch treffend beschrieben, Wohnen im Container und bei solcherlei Konzepten oft, im Schaufenster. Und wenn du die Teile dann stapelst und in die Stadt stellst, vielleicht sogar nicht unbedingt in Süddeutschland, wie sieht es dann aus mit dem Nullenergiehaus – und mit so Punkten wie der Schalldämmung zwischen den Wohneinheiten? Wo sind dann die Flächen für PV? Und wieviel Strom wird dann in Hamburg erzeugt? Welche Kapazität hat der Energiespeicher? Wie sieht das gestapelt in dichter urbaner Bebauung mit den Abschattungen und der Wärme aus? Auch auf dem Land einstöckig, muss ich evtl. meine Bäume fällen und die vom Nachbarn gleich mit? Es gibt nunmal einen sehr großen Unterschied zwischen bilanziellen Nullenergiehäusern und autarken. Und nochmal einen zwischen Nullernegiehäusern unter idealen und suboptimalen praktischen Bedingungen. Seitdem sich die PV-Förderung ändert, ist es denn auch eher still geworden um die finanziellen Vorteile und das Marketing setzt zunehmend auf ökologisches Gewissen. Mal abgesehen von den Risiken PV-Anlagen zu installieren, die öfter mal durch kürzere Haltbarkeiten generiert werden als garantiert – wobei ich aktuell nicht zwangsweise bei jedem Hersteller von PV sicher davon ausgehen würde, dass es ihn in einigen Jahren noch gibt und die Garantie auf jeden Fall gilt.
    Das sind alles Punkte, die bei einem Bauherren – zurecht -in die Entscheidungsfindung miteinfließen und die du geflissentlich ignorierst, weil du das Konzept halt toll findest. Damit selbst Bauherren im ländlichen Bereich dieserlei Konzepte in Masse als Alternative sähen, müssten wenigstens die Baukosten deutlich niedriger liegen und das ist ja dann auch dein Hauptpunkt, bezogen vor allem auch auf den sozialen Wohnungsbau. Gehen wir meinetwegen davon aus, dass die Bodenpreise irrelevant seien.
    Dann weist diese Flüchtlingsunterkunft, mit gemeinsamer Waschküche etc., Baukosten/qm von 1650 Euro auf. Aber ab 1200 Euro/qm kann man in Deutschland vernünftig bauen und das Gebäude relativ frei gestalten/ausstatten und den eigenen Bedürfnissen anpassen. Was bei den Containern nur sehr eingeschränkt geht. Also wo ist die von dir als grandios eingeschätzte Preisersparnis? Selbst wenn die Energiekosten Null betrügen, was auf der Homepage soviel ich gesehen habe nicht behauptet wird, würden sich die Mehrsuagaben erst nach irgendwas um 20 Jahren amortisieren, vorausgesetzt ich installiere keine PV etc. und verfüge über einen guten Standort für das Ökohaus. Klar, das ist eine extrem vereinfachende „Rechnung“ die vielerlei Aspekte außen vor lässt. Aber sie verdeutlicht durchaus die grundsätzliche Systematik.

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  11. Chinook schreibt:

    Und was eine 100prozentige Rezyklierbarkeit bedeuten soll, in einem Haus in welchem Akkumulatoren verbaut sind, erschließt sich mir nicht. Klar sind die recyclebar, aber es entsteht halt viel schwer verwertbarer Giftmüll und ein extrem hoher Energieeinsatz. Aber ist ja egal, recyclen wir dann in Regionen mit AKWs und den Giftmüll deponieren wir in Afrika.

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  12. Chinook schreibt:

    Was Wien angeht, da kannst du im Pippi Langstrumpf-Modus sozialistisch argumentieren wie du willst. Das die Wiener Konzepte im Hinblick auf einen hohen Bestand relativ günstiger Wohnungen funtkioniert, liegt am finanziellen Aufwand und nicht an supertoll kostensparenden baulichen Ansätzen. Die kapitalistischen Strukturen scheinen da also besser genutzt zu werden als in Berlin.

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  13. Chinook schreibt:

    „Sobek weiß, was er tut, seit 30 Jahren.“
    Wusste Le Corbusier auch und trotzdem würde ich nict alle seine Ideen als Lebensqualität striftend ansehen. Immer dann, wenn Architekten glauben zu wissen wie Menschen leben wollen und vor allem, wie sie modern leben soltlen, geht es schief.

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  14. genova68 schreibt:

    Ich schlage vor, du wendest dich mit deinen Detailfragen direkt Sobek. Mir scheint, du suchst das Haar in der Suppe und kippst deswegen die ganze Suppe weg.

    „Aber ab 1200 Euro/qm kann man in Deutschland vernünftig bauen und das Gebäude relativ frei gestalten/ausstatten und den eigenen Bedürfnissen anpassen.“

    Das ist eine schöne Erkenntnis. Damit musst du jetzt vernünftig arbeiten und dich beispielsweise fragen, warum man in Kreuzberg eine Altbauwohnung nicht mehr unter 4.000 Euro/qm bekommt.

    Container: Sobek baut nicht mit Containern, sondern mit ökologischen Baumaterialien. Man nennt das nur Containerarchitektur, weil man die stapeln kann und flexibel erweitern. Der bessere Begriff ist „modulare Bauweise“.

    Sobek als bösen Corbusier zu dämonisieren: nun ja. Wenn du den plan voisin meinst, dann zeig mir die Entsprechung bei Sobek. Wenn du seine Wohnmaschinen meinst, dann erklär mir, was dir daran nicht passt. Aber, wie gesagt: Detailfragen bitte direkt an Sobek.

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  15. gunst01 schreibt:

    Maximal teure Lösung die kaum weiterverwertet werden kann. Schon die Möblierung zeigt eklatante Mängel die einer späteren Nutzung im Wege stehen. Da gibt es bessere Lösungen von Praktikern.

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  16. genova68 schreibt:

    Es ist mir nicht ganz klar, wie man bei 1400 Euro Baukosten von einer maximal teuren Lösung sprechen kann. Nennt man das Ignoranz?

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  17. Chinook schreibt:

    Wenn man deutlich unter 1400 Euro pro qm in vernünftiger Qualität bauen kann, angepasst auf den/die Nutzer, dann sind die 1400 doch eine teure Option für ein Fertighaus?

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  18. Chinook schreibt:

    Wobei bisher immer Baukosten von 1650 Euro/qm genannt wurden.

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  19. Chinook schreibt:

    Beim Aktivhaus B10 von Sobek bspw. Baukosten von 3000 Euro/qm angegeben, nicht für den Prototypen sondern in Serienfertigung. Sobek will energetisch effiziente Häuser bauen, günstig ist allerdings nicht seine Baustelle. Genova, warum glaubst du denn, dass solcherlei Häuser ein günstiges Bauen beförderten? Das erschließt sich mir wirklich nicht.

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  20. Chinook schreibt:

    „Wenn du den plan voisin meinst, dann zeig mir die Entsprechung bei Sobek.“

    Meinte ich nicht. Das muss man im historischen Kontext sehen. Was ich meinte ist folgendes. Dass wenn Architekten anfangen neue Strukturen zu entwerfen, von denen sie aufgrund verschiedener Faktoren (bspw. Energieersparnis), begeistert sind, sie teilweise dazu neigen, neue „sozialräumliche Interaktionsmodelle“ zu entwerfen, welche durch die bauliche Manifestation befördert würden.
    Nehmen wir Münchchen Neu Perlach. War ein Projekt, welches den Menschen soziale Interaktion – durch gute bau-strukturelle Planung erleichtern sollte. Die Hochhäuser wurden halbkreisförmig um eine Freifläche angeordnet um einen Bezug zu schaffen. Es sollten Orte sozialen Austauschs einziehen, Supermärkte, Restaurants, Kneipen, etc. Zudem hatten die Menschen ja mehr Fläche zur sozialen Interaktion zur Verfügung als in der Stadt, durch verdichtete Bauweise. Das lustigste Argument der Architekten, man kann die Kinder endlich frei spielen lassen, zwischen den Hochhäusern auf der zentralen Freifläche, weil man sie immer im Blick hätte und rufen könne. Klar, aus Hunderten Metern Luftlinie von Balkon zum „Park“. Hat alles nicht funktioniert. Weil es nicht klappt, dass ein Architekt eine bauliche Struktur schafft und die Menschen dann ihre Bedürfnisse anpassen, um supergeil im Sinne des Architekten zu funktionieren und auch noch Spaß daran zu haben. Und auch Sobek wird nicht den energiesparenden und jede seiner Handlungen auf ökologische Aspekte hinterfragenden Menschen entwickeln (er könnte es auch nicht, da er in der Hinsicht kaum Kompetenz zu haben scheint). Ob die Borstei in München, die eine wohlhabende Zielgruppe ansprach oder der Karl-Marx Hof in Wien, der sich an Arbeiter richtete, Architekturkonzepte die eine bestimmte Einstellung/Handlungsorientierung der Bewohner voraussetzen, haben sich selten als nachhaltig erwiesen. Architekten sollten effiziente Häuser entwerfen für genau die Gesellschaft die ihre Häuser nutzt. In der Hinsicht sollten sie versuchen Innovationen voranzubringen; Wohnen ökologischer machen, günstiger, ästhetischer etc. Jedoch, wenn ein Architekt über seine bauliche Planung eine soziale, ökonomische oder wirtschaftliche Agenda versucht einzubringen, dann bin ich immer mehr als skeptisch. Skeptisch, nicht negativ eingestellt.
    Architekten, Raum- und Stadtplaner werden nie darüber hinwegkommen, dass in Umfragen zur urbanen Lebensqualität die große Mehrheit der Menschen mittelalterlich strukturierte Städte als die angenehmsten Wahrnehmen. Und vor allem in der Benotung deutlich besser bewerten als selbst die neuesten architektonisch gehypten Stadtviertel. Ist halt scheisse, wenn du die Struktur von vor Hunderten Jahren im Besten Fall immer nur versuchst zu imitieren und es dann letztendlich doch nicht befriedigend schaffst. Zugegeben, ist auch eine unmöglich Aufgabe.

    Aber Sobeks Konzepte ala Wohnen im Schaufenster. Kann man machen, wenn man das Fertighaus mit der Fensterfront an nen See stellt, super. Dann auch gern vier übereinander ohne den regenerative Energien Quatsch, dann wirds vielleicht sogar von den Betriebskosten her billiger und ich kann heizen wann ich will – und nur wenn ich es allein bewohne, Schallschutz und so. Ansonsten, in ner Stadt – Schrott. Bezüglich der energetischen Daten gibt er keine Angaben raus, die eine objektive Bewertung zuließen, was eine Aussage an sich ist. Stapeln als Option – Quatsch – dann erreicht der Compound niemals die selbst gesteckten energetischen Kriterien, nicht mal nah dran. Auf der Aktivhaus-Homepage wird meiner Ansicht nach schlicht Marketing-„Bullshit“ erzählt – oder sagen wir es mal so – wenn ich X Fragen diffus selbst aufwerfe, dann werde ich die doch selbst wenigstens oberflächlich sinnvoll klingend (aber inhaltlich nichtssagend) beantworten können. Vor allem wenn ich eine ZERO-Transparenz Politik verfolge und nur allgemein antworte.
    Ich finde jeder Anbieter von Energiesparhäusern sollte einfach genau zwei Zahlen veröffentlichen. Die Energiekosten des Hauses mit Solarzellen etc. und die Kosten wenn man ganz normal bei RWE und Co.hauptsächlich konventionelle Energie bezöge. Das wäre fair, denn es wird ja damit geworben, dass die Energiekosten so niedrig seien, dass dies Mehrausgaben rechtfertigte. Sowas sollte schon nachgerechnet werden können. Ich hab nix gegen Energiesparhäuser, auch nichts gegen skalierbare Fertighäuser, die mit der Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 zunehmende Relevanz bekommen werden (außer halt, dass diese Entwicklung zur Industrie 4.0 ungeahnte Zahlen an Arbeitskräften „freisetzen“ wird), aber ich bin für Fairness und Transparenz. Der Käufer soll eben die Chance haben, vor der Kaufentscheidung die kurz/mittel/langfristigen Kosten abzuschätzen und wenn schon mit Öko Werbung gemacht wird, muss man eben auch erläutern, was mit den Akkus passiert, welchen ökologischen Footprint die haben etc. Renaturierung der Fläche besser möglich als bei anderen? Warum und vor allem wo? Das Haus wirtschaftlich günstiger im Betrieb als andere, wo? Ein Baustein der Energiewende, weshalb? Es reicht halt als Verkäufer, wenn man was ernst meint, auf die Frage Warum, nicht zu sagen – Weil ich das will und deshalb machen wir das so und erreichen unsere Ziele! – sondern man muss es nachvollziehbar und belegbar begründen.
    Das muss man natürlich nicht, man kann wie Trump Gefühle ansprechen. Wenns um Business und dessen Marketing geht eine nicht unbedingt verkehrte Strategie. Aber am Ende des Tages – innovativ, transparent, nachvollziehbarer Nutzen? Eher nicht!

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  21. genova68 schreibt:

    Chinook,
    das Thema lässt dich offenbar nicht los. Ganz kurz:

    1. Es geht, wie gesagt, um modulare Bauweise. Nenn das von mir aus Fertighaus, aber das kann eine vernünftige Qualität haben. Fertighaus gegen Qualität auszuspielen geht nicht.

    2. 1650 Euro nannte Sobek zu Beginn, der Hersteller sagt jetzt konkret: knapp über 1.300 Euro. Einfach mal zur Kenntnis nehmen. Die Quellen sind alle im Artikel verlinkt.

    3. B10 ist ein anderes Haus, darum geht es jetzt überhaupt nicht. Analog könnte ich einen preisgünstigen VW Polo loben und du entgegnest, dass der Phaeton zu teuer ist.

    4. Neu-Perlach ist das Gegenteil von Sobeks modularer Bauweise: eine Megasiedlung der 60er. Insofern gehe ich darauf nicht ein.

    5. Sobeks Flüchtlingshaus ist flexibel: Wände sind herausnehmbar, es ist bis auf vier Stockwerke erweiterbar, das Grundmodul hat rund 45 qm. Du kannst also aus einer Singlewohnung nach und nach eine für eine Großfamilie machen. Genau so sollte man heute bauen. Der Mensch kann die Architektur Stück für Stück an seine Bedürfnisse anpassen.

    7. „Stapeln als Option – Quatsch – dann erreicht der Compound niemals die selbst gesteckten energetischen Kriterien, nicht mal nah dran. “ Hä?

    6. Schaufensterwohnen: Das gefällt dir oder nicht, Geschmackssache. Detailfragen zur Energiebilanz richte bitte, wie schon gesagt, an Sobek direkt oder an den Hersteller. Das, was er dazu in Bezug auf sein Flüchtlingshaus sagt, ist eindeutig. Für mich zumindest.

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  22. Chinook schreibt:

    „Das, was er dazu in Bezug auf sein Flüchtlingshaus sagt, ist eindeutig. Für mich zumindest.“

    Im Grunde ist es das. Was man ganz klar aus den verfügbaren Infos rausziehen kann, ist, diese Bauweise ist insgesamt für den Mieter teurer als vergleichbare, schon etablierte Verfahrensweisen. Über den „Öko-Gehalt“ kann man sicher diskutieren, über die Wohnqualität auch. Aber am Ende ist der Preis pro qm höher – und zwar signifikant.

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  23. genova68 schreibt:

    ????

    Vielleicht kann man Widersprüche, die offenbar aus fundamentalen Unterschieden bei den sinnlichen Wahrnehmungen herrühren, einfach stehenlassen.

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  24. Chinook schreibt:

    Was ich meine sind ja nicht zuallererst die sinnlich wahrgenommenen „Soft Facts“. Die würden ja auch erst relevant, wenn der Plan/die Idee auf die Realität prallte. Wenn bspw. eine bestimmte bauliche Struktur evtl. gesellschaftlich mit sozialem Wohnungsbau assoziiert würde etc. Dann mal schauen, wie lange ein bestimmtes, damit assoziiertes Bauen noch in der Breite als wünschenswert betrachtet würde. Das liegt aber außerhalb der Wirkreichweite von Architekten; diese sind für lebenswerte bauliche Wohnstrukturen für Individuen „verantwortlich“ und haben im besten Fall einen Plan, oder überhaupt minimale Einflußmöglichkeiten, durch bauliche Strukturen auch eine gesellschaftliche Teilhabe und Austausch über Milieugrenzen hinweg, zu befördern. Ich möchte Sobeks Ansätze auch gar nicht pauschal schlecht machen. Wie er seine Konzepte bewirbt, davon halte ich nichts und auch die Skalierbarkeit halte ich bei seinen baulichen Konzepten für nicht gegeben, nicht mal bei niedrigeren Kosten als denen, die aktuell erzielt werden. Aber ich respektiere vollkommen, was er tut, dass er an seinen Weg glaubt und dass er Visionen hat und diese weiterentwickelt. Insofern ist denn auch dem von mir kritisierten Marketing gar nicht mono-perspektivisch gerecht zu werden. Man kann sagen es ist zielgruppengerechte Verkaufsförderung unter Zuhilfenahme zu kurz gedachter Aspekte, oder eben auch Vernetzung mit Partnern aus ganz unterschiedlichen Bereichen, um seine Ideen/Visionen in Diskurse einzubringen und ihnen so überhaupt erst Relevanz zu verschaffen – und nebenbei wirtschaftlich noch was mitzunehmen, um die Denkfabrik weiter am Laufen zu halten. Und hätten wir viel viel viel viel mehr solcher Leute, die Visionen klar einbringen und so den breiteren Diskurs über unterschiedliche Konzepte aus verschiedenen Perspektiven erst ermöglichen, wir befänden uns nicht in der Sackgasse, in der ich Deutschland aktuell sehe. Ich mag seine Visionen nicht teilen, aber wenigstens hat er welche und bietet etwas an, auf was man evtl. aufbauen kann – in jedem Fall lohnt ein Blick darauf und Gedanken darüber, sind sicher nicht verschwendet. Da unsere Gesellschaft aktuell in einer seltsamen Lethargie festhängt und Leute wie Sobek entweder ignoriert werden oder es sie auch zunehmend in einer Generation der Kieselrund-Gewaschenen nicht mehr in großer Zahl gibt, äußert sich denn auch.
    Die Linken haben keine Visionen mehr, nicht mal innovative Gesellschaftsentwürfe und die Konservativen hatten noch nie welche, was selbst ein Hardcore-Konservativer nach etwas Nachdenken eingestehen müsste – ist allerdings auch nicht die Rolle eines Konservativen, Wandel zu befördern. Bisher ist es doch so gelaufen, dass die Linken Visionen erarbeiteten, die Konservativen auf alten Strukturen beharrten und dann in der gegenseitigen Auseinandersetzung Kompromisse geschlossen wurden, welche die Gesellschaft voran brachten. Aber nicht mit so extremen Umwälzungen, das man große Teile der Gesellschaft dabei verlor. Linke als Leute aus dem Wünsch-Dir-Was-Land und Konservative als Realitäts-Korrektiv. Dieses Reaktionsmuster auf Stressfaktoren hat funktioniert und eigentlich dazu geführt, dass in der Demokratie vielleicht etwas zeitversetzt reagiert wurde, aber dann eben doch eine gewisse Initiative und teilweise auch Progressivität in der Reaktion auf sich verändernde Gegebenheiten Einzug hielt – politisch, wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich. All diese Punkte geht Sobek aus der Architektenperspektive an. Das ist toll und ich will es nicht kleinreden, soviel dazu.

    Natürlich kommt jetzt das Aber. Aber du hast die „Sobek-Bauweise“ als eine günstige Bauweise ins Spiel gebracht, welche in einem Maße komparativ günstiger sei, dass Mietpreise dadurch signifikant gedrückt würden. Wie ich das verstanden habe als ein möglicher Lösungsbaustein, um in nachgefragten, urbanen Räumen evtl. eine höhere soziale Durchmischung zu ermöglichen, weil eben die Mieten bezahlbarer sind. Und genau das ist nicht der Fall, denn selbst die von dir ins Spiel gebrachten 1300 Euro/qm sind noch substantiell höher als konventionelle Ansätze – die dann auch noch auf spezielle Bedürfnisse besser angepasst werden können. Insofern nehme ich Sobeks Konzepte als das was sie sind, Experimente. Es wird Know-How bzgl. der Verarbeitung/ Eigenschaften alternativer Materialien und Produktionsprozesse generiert, als Ersatz taugt es aktuell jedoch nicht. Allerdings könnte ich mir schon vorstellen, dass an günstigen Standorten im ruralen Bereich ohne die ökologische Ausrichtung, das Konzept schon heute für manche Bauherren interessant sein könnte.

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  25. Chinook schreibt:

    „1. …Fertighaus gegen Qualität auszuspielen geht nicht.“

    Doch. Fertighäuser haben bisher generell eine geringere Ausbaubarkeit und Haltbarkeit als Massivhäuser. Mit der Entwicklung von Industrie 4.0 werden individuelle Fertighäuser jedoch sicher einen anderen Stellenwert erreichen, zuallererst im ruralen Bereich. Aktuell jedoch liegen sie was Anpassung, Haltbarkeit, Schallschutz etc. angeht heute zurück.

    „2. 1650 Euro nannte Sobek zu Beginn, der Hersteller sagt jetzt konkret: knapp über 1.300 Euro.“

    Also substantiell teurer als konventionelle Bauweisen. Um die von dir gewünschte Mietminderung zu realisieren, müssten die Kosten jedoch substantiell niedriger liegen.

    „3. B10 ist ein anderes Haus…“

    Hab ich nur eingebracht, um zu vergegenwärtigen, dass Sobek eben nicht dezidiert günstig bauen will. Sondern er setzt die Priorität auf von ihm definierte Nachhaltigkeitsfaktoren und versucht mit Priorität darauf so günstig wie möglich zu produzieren. So wie jeder Andere auch, nur dass eben der USP von anderen Anbietern meist nicht die ökologische Nachhaltigkeit ist, wie sie Sobek versteht.

    „5. Sobeks Flüchtlingshaus ist flexibel: Wände sind herausnehmbar, es ist bis auf vier Stockwerke erweiterbar, das Grundmodul hat rund 45 qm. Du kannst also aus einer Singlewohnung nach und nach eine für eine Großfamilie machen…“

    Das Flüchtlingsheim ist kaum als Exempel geeignet, aber ok. 45qm sind heute das Minimum womit ein Single in einer Stadt auskommen muss, wenn das Gegenteil von Wohlhabend und noch in der Lage die Miete zu bezahlen. Jetzt nehmen wir an ich bekomm ne Freundin und dann evtl. sogar noch ein Kind. Dann will ich 60-70 qm. Die kann ich aber nicht mieten, denn alles ist modular aufgebaut. Also müsste ich das nächste Stockwerk zusätzlich mieten/kaufen. Wie ne Handyflat, du bekommst 100 Minuten für 10 Euro oder eben 200 für 20. Weil es unökonomisch ist mehr Quadratmeter zu mieten/kaufen als ich brauche, werde ich mir wohl eine andere Bleibe suchen, die besser auf meine Ansprüche passt. Genauso, wie das heute die Mieter/Hausbesitzer auch machen. Den riesigen praktischen Vorteil sehe ich nicht. Toll, Wände kann man versetzen, ein Vorteil für den Vermieter, weniger den Mieter. Wenn man in einem dieser Fertighäuser irgendwann die Wände versetzen kann (wie oft macht man das eigentlich innerhalb der eigenen Mietzeit?) und dabei auch die Anschlüsse für Herd/Ofen/Waschmaschine und man einen Furz am einen Ende der Wohnung am anderen Ende nicht hört, dann fange ich an das interessant zu finden.

    „7. „Stapeln als Option – Quatsch – dann erreicht der Compound niemals die selbst gesteckten energetischen Kriterien, nicht mal nah dran. “ Hä?“

    Diese Häuser (und teilweise auch die Kostenkalkulation) fußen auf dem Konzept Energieeffizienz, deshalb sehen sie aus wie sie aussehen. Gehen wir mal von dem wahnsinnigen Gedanken aus, ich könnte in einem urbanen Gebiet nach Gusto einfach ein Modul oben drauf packen, denn da wohnt ja nicht schon jemand anderes. Auch du wirst einsehen, selbst wenn man alle Grundstücke enteignet, es macht in der Stadt keinen anderen Sinn als viergeschossig zu bauen. Aber die ganzen tollen Energieeffizienz-Behauptungen werden anhand von eingeschossigen Containern getätigt. Wenn ich also die Öko-Container vierfach stapele, dann verfügt der gesamte Wohnkomplex noch über 1/4 der PV-Fläche. Somit müsste noch deutlich mehr Energie extern bezogen werden als ohnehin schon und der gesamte „Form Follows Function“-Ansatz wäre ad absurdum geführt. Natürlich, in deiner Welt enteignest du einfach den Garten von deinem Nachbarn mit Massivhaus und baust die PV-Anlagen dann da rein – for the greater ecological good. Aber in der Praxis……

    „6. Schaufensterwohnen: Das gefällt dir oder nicht, Geschmackssache.“

    Sicher, Geschmackssache. Aber Geschmack ist so eine Sache. Wenn ich 10 Leuten ein Gratishandy anbiete, werden 9+ ein iPhone dem Android-Handy vorziehen, weil es ihren Geschmack eher trifft. Schaufensterwohnen in der dichten Stadt bedeutete eine sehr eingeschränkte Privatsphäre und die Fensterflächen minimieren geht kaum, wegen der Energiebilanz. Ich bezweifle, dass sich das jemals durchsetzen könnte. Ich zumindest habe noch nie jemanden getroffen, der in so nem Teil leben wollte. Man hat solcherlei Konzepte in der Stadt noch nicht mal ausprobiert soweit ich weiß, aus gutem Grund. Man braucht in der Wissenschaft keine Fragen stellen, auf welche man die Antworten schon kennt. Wenn dir irgendein Fall bekannt ist, wo Menschen unter mangelnder Privatsphäre auf dem Präsentierteller lange ausgehalten hätte, das würde mich interessieren.

    „Detailfragen zur Energiebilanz richte bitte, wie schon gesagt, an Sobek direkt oder an den Hersteller. Das, was er dazu in Bezug auf sein Flüchtlingshaus sagt, ist eindeutig. Für mich zumindest.“

    Nun gut, ich brauch ja keine Fragen stellen, die schon zuhauf gestellt wurden. Als naturwissenschaftlich nicht gänzlich unbedarfter Hansel, kann ich durchaus die Leistung von einer aktuellen superduper PV-Anlage, die in Freiburg installiert ist abschätzen, der Verbrauch von Haushalten ist bekannt und Messlatten bezüglich der Wärmeenergie von Schaufensterhäusern etc. gibt’s auch (alles natürlich ohne Beachtung der Kosten). Und wenn man das dann mal anschaut, sind viele Behauptungen bzgl. sogenannter Nullenergiehäuser möglich – vor allem jedoch über die Jahresbilanz. Wenn der Makro-Standort passt (also eher in Freiburg als in Hamburg), wenn der Mikro-Standort passt (keine Abschattung, perfekte Ausrichtung, wenige Wolken, keine Kältefalle, etc.) und der Hausbewohner energiespargeil ist. Die Daten die selten rausgegeben werden sind, was hat das Haus insgesamt gekostet und wie teilt sich das genau auf – und insbesondere, wieviel Energie wurde extern zugekauft, wieviel wann erzeugt und verbraucht. Würden diese Daten zugänglich sein, ich vermute stark der ökonomische Nonsense ganz ganz ganz vieler Projekte würde auffallen. Was jeder halbwegs informierte Mensch mit etwas Recherche und nem Taschenrechner eigentlich auch wissen kann. Es ist eben ein Unterschied, ob ich irgendwie Öko sein will, oder günstiges Wohnen voranbringen möchte.

    Achtung, jetzt doch nochmal etwas „polemisches“ – ich kann es halt nicht lassen.
    Für mich persönlich ist ein Energiesparhaus der absolute Alptraum, vor allem falls es auch noch smart wäre und meinen Kühlschrank als Energiespeicher missbrauchte. Als Hobbykoch hab ich da bspw. so eine Marotte und als Bewohner eine andere. Ich will, dass mein Kühlschrank einfach nur die von mir vorgegebene Temperatur hält, nicht mehr aber definitiv auch nicht weniger. Und als Bewohner meiner Räume habe ich die Marotte, mir sämtliche Freiheiten zu nehmen auf die ich gerade Bock habe, auch wenn es energetisch ineffizient ist. Einfaches Beispiel, ich mag es warm, also dreh ich die Heizung im Winter auf und erzeuge eine Temperatur, die energetisch keinen Sinn macht, weil man dann mit dem Energiesparhaus letztendlich extern zukaufen muss – aber hey, immerhin kann ich im T-Shirt durch die Gegend rennen.Und dann kommen ab und an Freunde vorbei und es passiert schon mal, dass die Wohnung mit Zigarettenqualm zugestänkert wird – und früher oder später, im Winter immer später, muss der Qualm raus, was auch mal dauern kann (in nem Schaufenstercontainer mal eben das Fenster aufreißen, toi toi toi). Wieder X Tage Sonnenschein verballert und wertvolle PV-Solar-Akku-Energie. Da hat man dann ein Design ala Gorillagehege Zürcher Zoo, nur ohne den Spaß, weil man Energie sparen muss. Vielleicht sollte man da als Motivations-Gimmick so ne Energie-Gewinn-Anzeige ähnlich in manchen E-Autos ins Haus bauen. Wenn du aus der Tür gehst bekommst du dann ne Ansage, Status: Du hast heute 3 Minuten warm geduscht, 69 Sekunden weniger als sonst und damit den Energielevel des Hauses in den letzten zwei Monaten um 43% gesteigert. Bei Beibehaltung des aktuellen Energieparens für ca. 1200 Jahre sterben in den nächsten 10 Jahren vier Eisbären weniger – und der Afrikaner der durch den Abbau des Kobalts für die Hausakkus etc. verreckt ist , der wäre ohne den Job eh verhungert. Aktueller Status: Plus 10 Eisbären und ein Sternchen für moralische Überlegenheit.

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  26. genova68 schreibt:

    1,300 Euro ist nicht substanziell teurer als konventionelle Bauweisen. Inklusive Küche und Sanitär sind 1.300 Euro günstig. Angesichts der verbauten Technik sowieso. Und, wie erwähnt, könnte man den Preis durch Massenproduktion massiv drücken. In den 1.300 Euro stecken auch Forschungs- und Entwicklungskosten.

    Das modulare Bauen bietet die Aufstockung. Ich kann aus drei dann sechs Stockwerke machen, was aktuell in Berlin und anderswo ein Segen wäre. Das gleiche gilt fürs Wände versetzen, wenn man sich die Grundrisse in Altbauten anschaut.

    Wenn ich die Container vierfach stapele, benötige ich vermutlich das dreifache der Energie, aber dann für die vierfache Wohnfläche. Wenn dann Energie extern bezogen wird, ist das nicht tragisch.

    Die Schaufensterwohnungen lassen sich, soweit ich sie kenne, alle blickdicht schließen. Geschmackssache und Tageslaune eben. Man kann beispielsweise im Winter die Sonne reinlassen und muss nicht heizen.

    Die ganze Diskussion ging übrigens davon aus, dass man in Berlin meist mehr als 4.000 Euro den QM zahlt. Oft für Schrottarchitektur.

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