Irgendwann werden die uns dankbar sein

Ulrike Herrmann über den „schleichenden Grexit“, da kaum noch Banknoten aus den griechischen Bankomaten kommen und somit das Schmiermittel der Wirtschaft fehlt. Und dann:

Es ist erstaunlich, wie ungerührt viele Deutsche sind. Sie halten es für völlig normal, dass man den Griechen einfach den Geldhahn zudreht und ihre Wirtschaft zerstört. Die Deutschen glauben an eine Art schwarze Pädagogik: Wer nicht spart, muss fühlen.

Genau. Die müssen aufräumen. Wir zerstören denen alles, und dann fangen die neu an, jüngfräulich, rein und voller Enthusiasmus. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Lief bei uns ja auch so, alles war kaputt und dann kam das Wirtschaftswunder. Wir haben uns halt angestrengt. Warum sollen die es besser haben? Zuerst mal müssen die bestraft werden. Wo kämen wir sonst hin?

Und wir haben schon vor der Niederlage einiges geleistet, selbst wenn nicht alles optimal gelaufen ist. Jedenfalls lagen wir nicht faul am Strand. Etwas tun ist immer gut, im Garten werkeln oder Lebensraum suchen. Von Rumlungern ist noch kein Mercedes fertig geworden. Sollen die sich endlich mal um ihren Schafskäse kümmern. Und um die Oliven.

Ungezogene Lausbuben, gestörte Pubertäre, Hemd aus der Hose. Varoufakis tanzt auf der Dachterasse mit seinem Model Ouzo und trinkt Sirtaki und Tsipras widerspricht in Brüssel dem beliebtesten Politiker Deutschlands. Ohne Krawatte! Minderjährige ohne Erziehungsberechtigte.

Ungezogene Kinder muss man erziehen, und wer soll das machen, wenn nicht wir? Nötig sind nun Gehorsam, Ordnungsliebe und gesunder Menschenverstand. Die böse Griechennatur muss gebrochen werden. Wehret den Anfängen.

Irgendwann werden die uns dankbar sein.

Unverschämt, dass die Griechen unser schönes Geld nicht zurückzahlen wollen. Wir, die ehrlichen Deutschen, sollen zahlen. Dabei haben wir selbst nichts. Wegen der Chinesen. Oder der Polen. Oder der Asylanten. Oder so ähnlich. Der Feind ist überall. Aber wir können auch anders.

Überhaupt kam aus dem Süden noch nie etwas Gutes: Juden, Moslems, Südländer. Und einen Mercedes zusammenschrauben kann man bei der Hitze auch nicht. Geistig geht gleich gar nichts bei 30 Grad, zumindest keine deutsche Wertarbeit, das wusste schon Thomas Mann.

Kann man den Süden nicht abschaffen? Zusammen mit dem Euro?

Wollen doch mal sehen, wer am längeren Hebel sitzt.

(Foto: genova 2015)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltagskultur, Deutschland, Europa, Fremdenfeindlichkeit, Geschichte abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Irgendwann werden die uns dankbar sein

  1. Publicviewer schreibt:

    Schau mal nach, ob Du noch griechische Euronen im Portemonaie hast.
    Wenn ja, dann separiere sie von dem guten „Deutschen Geld“ sonst arbeitet es nicht mehr… ;-)

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s