Der Geldadel bestimmt in der Uni Düsseldorf mit

Die Unternehmerfamilie Schwarz-Schütte schenkt der Düsseldorfer Universität 24 Millionen Euro. Das Geld haben sie übrig, weil sie ihre Pharmafirma für 1,4 Milliarden Euro verkauft haben. Mit Menschenliebe hat das allerdings nichts zu tun: Die 24 Millionen Euro sind zweckgebunden und werden für den Aufbau eines „Düsseldorfer Insituts zur Förderung des Wettbewerbs in Wirtschaft und Gesellschaft“ verwendet. Der Junior des Familienclans, Patrick Schwarz-Schütte, wird in der Westdeutschen Zeitung als „Anhänger der freien Marktwirtschaft“ bezeichnet. Soziale Marktwirtschaft ist dem wohl schon zu sozialistisch.

Das Institut ist laut WZ das „Herzstück“ der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

So läuft das heute: Ein Milliardär spendet ein bisschen Geld und bekommt dafür ein Institut, das so tun darf, als sei es wissenschaftlich. Er macht aus seinem Finanzkapital informelles Kapital, und zwar mit dem Heiligenschein der Wissenschaftlichkeit. Und das Beste: Die Universität hat sich verpflichtet, nach zehn Jahren (dann ist das Geld wohl alle) sämtliche Kosten dieses Institutes zu übernehmen.

Sema Kouschkerian ist die Autorin des WZ-Artikels. Sie schreibt allen Ernstes:

So heiter spricht die Führungsetage der Heine-Uni nur selten über Finanzen. Aber ein Geschenk von 24 Millionen Euro kann auch den kritischsten Denker in den Zustand gewisser Unbeschwertheit versetzen.“

Es ist genau umgekehrt: Bei jedem, der auch nur halbwegs kritisch denkt, müssen angesichts dieser Story alle Warnlampen angehen. Wahnsinn, was journalistisch alles möglich ist. Die unbeschwerte Sema zitiert Patrick Schwarz-Schütte mit dem merkwürdigen Satz:

„Es gibt zu wenig Verständnis dafür, dass Wettbewerb das einzige Ordnungsprinzip ist, das am Ende eines Tages Wohlstand bescheren kann.“

Aha. Lustigerweise schrieb die Financial Times Deutschland rund ein Jahr zuvor, der Verkauf von Schwarz-Schütte sei „nicht ganz freiwillig“ erfolgt: Das Unternehmen sei „auf Dauer dem Konkurrenzkampf nicht gewachsen“ gewesen. Solange man sich allerdings sein Marktversagen dermaßen vergolden lassen kann, ist es ja egal, wie man die Geschichte interpretiert.

Der Papi von Patrick heißt übrigens Rolf. Er ist schon 86 und bekleidet folgende Ämter: Ehrensenator der Uni, Ehrenpräsident der „Freunde und Förderer“ der Uni, außerdem war er jahrelang Präsident der Industrie- und Handelskammer. Das sind die mit den Zwangsbeiträgen und der Pflichtmitgliedschaft. Soviel zur freien Marktwirtschaft.

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2 Antworten zu Der Geldadel bestimmt in der Uni Düsseldorf mit

  1. genova68 schreibt:

    Auch nicht schlecht: An der Privatuni in Friedrichshafen soll „die erste Professur für Propaganda nach 1945“ eingerichtet werden:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32095/1.html

    Liken

  2. Pingback: Die Dummheit wird intensiver sein als heute « Exportabel

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