Kunst und die bessere Welt: vom Sammeln im Kapitalismus

Der Unternehmensberater Dirk Kronsbein sammelt Kunst. Unter anderem Sachen des Street-Art-Künstlers Banksy. Dass die Krise unserer Zeit eine interessante, aber nicht einfach eine ökonomische, sondern vor allem eine geistige und gleichzeitig totale ist, merkt man an einem Interview, das Kronsbein der Zeitkunst vom Mai 2016 (S. 7) gab.

Zum einen betont Kronsbein, was er an Banksy schätzt:

„Banksy ist selbstlos, er stellt sich nicht in den Vordergrund. Ihm geht es um das, was er der Welt zu sagen hat. Er will einen Beitrag leisten für eine bessere Welt, und weist auf einfache Art, die jeder versteht, auf politische und soziale Missstände hin […] Banksy ist für mich der Robin Hood unserer Zeit.“

Außerdem sagt er zu Banksy:

„Sie (die Preise der Bilder von Banksy) steigen jedes Jahr, weshalb sie eine gute Geldanlage darstellen, insbesondere bei dem derzeitigen niedrigen Zinssatz … Gute Kunst hat seinen Preis und die Nachfrage ist sehr groß.“

Nicht schlecht. Robin Hood nahm den Reichen das Geld weg, gerne mit Gewalt. Was der sicher vermögende Herr Kronsbein dazu sagt? Die Welt ein Zitat, ein Spiel. In gewisser Weise sind wir in der totalen Postmoderne angekommen. Es ist nicht Orwell, es ist Huxley: Man darf alles sagen, aber es ist egal.

Warum sammelt man eigentlich Kunst? Weil man sich für das Künstlerische interessiert? Wohl kaum. Dann geht man in ein Museum oder generell an Orte, wo Kunst öffentlich ist. Kunstsammler sind eine absurde Spezies, aber immer hofiert. Herr Kronsbein, der sich auch auf seiner Website bis ins Lächerliche überhöht, interessiert sich vermutlich nicht für Kunst, sondern für sein Konto und fürs Ansehen. Kunst als Mittel der Geld- und Prestigevermehrung.

Man könnte fragen, ob nicht Banksy etwas falsch macht, wenn ein als sozialkritisch gesehener Künstler sich so instrumentalisieren lässt. Andererseits: Was soll man machen? Über eine Münchner Ausstellung der Tochter von Kronsbein (sie ist Galeristin) mit Bildern von Banksy  schreibt die Südwestpresse:

Dass sich der Künstler auf seiner Webseite einmal mehr explizit von kommerziellen Galerien distanziert, stört Kronsbeins nicht. Sie zeigen selbst das Bild, in dem sich der Graffiti-King über Leute mokiert, die für Street Art bezahlen: „Morons“ von 2007.

Eine bemerkenswerte Gemengelage: Der Künstler distanziert sich von diesen Gestalten, aber die Preise für seine Bilder steigen zugunsten dieser Gestalten immer weiter. Seine „Fans“ liegen ihm hündisch, wie man sagt, zu Füßen, er tritt sie und das Publikum kauft. Oder die Kronbeins dieser Welt instrumentalisieren? Man weiß es nicht. Das kostenlos in Museen ausliegende Blättchen Zeitkunst kommt jedenfalls zu keinem kritischen Halbsatz.

Banksy will offenbar eine bessere Welt und erreicht mit seinem Treiben, dass dem flottierenden Kapital eine weitere Verwertungsmöglichkeit an die Hand gegeben wird. Respekt.

Man könnte sich auch separat über den PR-Apparat der Kunstszene Gedanken machen. Während ich dieses merkwürdige Zeitkunst bis vor kurzem nicht kannte, erstaunte ich bei der Lektüre der Maiausgabe der Kunstzeitung. Die nahm ich bislang als recht kritisches Kunstorgan wahr. Nun erschien eine Lobhudelei auf die, na, was schon: Kunstsammlerin Gabriele Henkel.

Ihre nachhaltigste Leistung: Sie heiratete den Industriellen Konrad Henkel. Dann begann sie, fürs gleichnamige Unternehmen Kunst zu sammeln. Was man halt so macht, wenn der Tag lang ist. Mittlerweile sind es 4.000 Werke. Vermutlich ist die Rendite dieser Sammlung beträchtlich. Wer hat, dem wird gegeben.

Seit ein paar Jahren ist ein Saal der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf nach ihr benannt, und zwar wegen der laut Kunstzeitung „entwaffnenden Großzügigkeit der Düsseldorfer Sammlerin“. Sie spendete an das Museum aus ihrem Privatvermögen, wie die Kunstzeitung betont. Aus ihrer Sicht geschickt. Sie hat genug Geld, nun wird dafür ihr Name geehrt. Eine nette Karriere für das einstige Au-Pair-Mädchen. Ob sie mal irgendwas gelernt oder gar studiert hat, ist via Wikipedia nicht zu erfahren. Dafür liest man, dass sie im Beirat des New Yorker Moma sitzt. Meine Fresse.

Die Sammlung von Henkel besteht laut Kunstzeitung aus Klassischer Moderne, Zeitgenössischem und, natürlich, Stammeskunst aus Afrika. Ihre Paraderolle ist die der „Gastgeberin“ „legendärer Abendgesellschaften“. Schreibt eine Zeitung, die sich angeblich mit Kunst beschäftigt. Warum fällt mir gerade der Sonnenkönig ein? Vielleicht, weil der auch ein guter Gastgeber legendärer Abendgesellschaften gewesen sein soll.

Einzig kapitalistische Herrschaftsverhältnisse geben dieser Frau die Möglichkeit, sich so zu benehmen. Publizistisch wird sie hofiert. Henkel kann mit Geld ihren Status nicht mehr steigern, das gelingt ihr aber, wenn ein öffentlicher Saal eines öffentlichen Musems dauerhaft ihren Namen trägt. Was wollte sie mehr?

Und das mit dem „Privatvermögen“ ist in einer kapitalistischen Welt ja so eine Sache. Der Begriff der Ausbeutung ist im bürgerlichen Duktus auf das ökonomische Extrem beschränkt und neuerdings ums Körperliche erweitert. Ausbeuterische ökonomische Verhältnisse, wie sie dem Kapitalismus innewohnen, sind ausgeklammert. Ein Glück für Frau Henkel.

Überhaupt dieses Sammeln: eine pubertäre Angelegenheit. Man sammelt in seiner Kindheit eine Weile lang Playmobil oder Bierdeckel oder Zigarettenschachteln und dann hört man damit auf. Es ist ein reines Besitzen-, ein Habenwollen, das man, wenn es gut läuft, in seiner Sozialisation überwindet. Ich würde das Sammeln origineller Sachen ausnehmen, Comics in unterschiedlichen Sprachen, skurrile Postkarten und so weiter. Doch mittlerweile sammeln reiche Russen Originalpressungen von Blue-Note-Jazzplatten und treiben damit die Preise in absurde Höhen. Macht man sowas, weil man Jazz liebt? Nö, man hört sich die Platten wahrscheinlich kaum an, weil jedes Abspielen deren Wert mindert. Den finanziellen, versteht sich.

Eine vernünftige Gesellschaft ächtete das Sammeln als nicht überwundenen pubertären Spleen.

Die Medien und die Kunstsammler: Es ist ein in weiten Teilen affirmatives, ja geradezu untertäniges Verhältnis. Ob Henkel, Kronsbein, Westerwelle oder der SAP-Mann Hasso Plattner: Alle versuchen, ihr Ansehen per Kunstsammeln zu steigern, wohlwissend, dass sie das mit reiner weiterer Geldanhäufung nicht schaffen können. Oder sie retten, wie Bill Gates, die Welt. Plattner hat dafür gesorgt, dass der neue Landtag als altes Schloss entstand und baut nun daneben ein Museum für seine Kunstsammlung. Es ist ein schöner Ausdruck der Refeudalisierung der westlichen Welt. Gigantische Kapitalmengen werden ins Repräsentative umgeleitet, geschickt getarnt als deren Gegenteil: Es geht angeblich überhaupt nicht mehr ums Geld, sondern ums Schöne, ums interesselose Wohlgefallen. Es geht offiziell ums Gegenteil von Kapitalismus.

Und genau hier ist die Kunst so wunderbar instrumentalisierbar. Ob affirmativ am Hofe der tonangebenden Adeligen früher oder in der Henkelschen Vorstandsetage heute: Kunst wird manipuliert, um sich als Gegenteil dessen zu verkaufen, was man real tut. Man kann in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Bauhausrezeption verweisen, die von jener systemkritischen Komponente gereinigt wurde, die ihr, gerade unter Hannes Meyer, inhärent war. Vielleicht sitzt auch Frau Henkel auf Bauhausmobiliar.

Daneben war und ist Kunst schon immer Teil einer widerständigen Welt gewesen, und selbst wenn man sinnvollerweise den Definitionen von Kunst folgt, die ihr ein größtmögliches Maß an Autonomie zugestehen und jede Form direkter Einflussnahme aufs Künstlerische als ihm abträglich werten, steht Kunst notwendigerweise in einem Verhältnis zur Gesellschaft.

Kunst als Affirmation, so würde ich meinen, ist keine, sondern nur noch die Maschine, PR.

Durch und durch kapitalistische Kaufleute widmen sich der Kunst: Man könnte es auch als Eingeständnis von Selbsthass werten.

(Foto: genova 2012)

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28 Antworten zu Kunst und die bessere Welt: vom Sammeln im Kapitalismus

  1. dame.von.welt schreibt:

    Seine „Fans“ liegen ihm hündisch, wie man sagt, zu Füßen, er tritt sie und das Publikum kauft.

    Nicht immer.

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  2. blikker schreibt:

    Ebenfalls ganz kurzweilig in diesem zusammenhang der Film ‚Exit through the giftshop‘.

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  3. genova68 schreibt:

    Danke für die beiden Hinweise.

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  4. Jakobiner schreibt:

    „Daneben war und ist Kunst schon immer Teil einer widerständigen Welt gewesen“–das trifft ja wohl eher nur für den Teil der Kunst zu, die einen politisch-revolutionären oder politisch-reformerischen Anspruch hatte. Für die ganzen Landschaftsmaler, Stillebenmaler, den Großteil der Abstrakten,etc. wohl nicht. Und nicht einmal die sogenannt gesellschaftskritische Kunst ist so gesellschaftskritisch, sondern oft auch einem gewissen Manierismus huldigend einem damals noch linkeren modischen Zeitgeist folgend und oft Gesellschaftskitsch. Vom sozialistischen Realismus gar nicht zu sprechen, der wohl eher dem Nationalsozialsmus und dessen Realismus und Klassizismus entgegenkam.Und was an Warhol und Lichtenstein so kritisch und widerständig sein soll, erschließt sich mir auch nicht–er hat ja eher die Werbeplakaterei formvollendet.

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  5. genova68 schreibt:

    Es geht nicht in erster Linie um einen politischen Anspruch, es geht um die Form der Kunst. Beethoven hatte keinen politischen Anspruch, markierte aber die Spitze der künstlerischen Entwicklung. Das bewegt Gesellschaft. Landschaftsmaler etc. können auch nicht über einen Kamm geschoren werden. Ob CD Friedrich oder Monet oder Manet, das waren in ihrer Zeit künstlerische Revolutionäre. Kunst die explizit politisch sein will, ist meist keine gute.

    Der Punkt ist eher, dass Kunst heute meist nichts mehr bewirken kann, weil anything goes. Am ehesten ist das noch Rap oder sowas, der oft billig provoziert, Gewaltphantasien etc.

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  6. Jakobiner schreibt:

    Also Beethoven würde ich nicht als unpolitisch sehen. Es ist ja kein Zufall, dass seine 9te alternative Wiedervereinigungs- und Europahymne zugleich ist.Dieses „Alle Menschen werden Brüder“samt Musik sind ja die Übereinstimmung von Form und Inhalt, hat etwas sehr Kosmopolitisches, Vökerverständigendes, Weltbürgerliches und spricht den meisten Leuten aus dem Herzen.Wo du sicherlkich recht hast, ist dass viele Teile der sogenannt politischen und gesellschaftskritischen Kunst ganz schöner Kitsch und aufgesetzt sind–das hatte ich aber auch geschrieben. Aber nimm´mal z.B.John Heartfield, der war sowohl politisch wie auch künstlerisch ein Revolutionär mit seinen Photocollagen (was Kalus Staeck dann in den 70er Jahren imitierte).

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  7. Jakobiner schreibt:

    Ganz interessanter Artikel der World Socilaist Webnsite:

    „Eine wirkliche künstlerische „Avantgarde“ erfordert, sich den entscheidenden historischen Fragen zu stellen“

    https://prod.wsws.org/de/articles/2016/03/05/avan-m05.html

    Da ist viel Wahres dran, es ist auch eine Reaktion darauf, dass „anything goes“ und Kunst meist entpolitisiert wurde. Die Gefahr besteht aber bei dieser Position, dass sie nur noch politische Kunst als Kunst gelten lässt, was wohl eine ziemliche parteipolitische Verengung des Kunstbegriffs ist und zumal Gefahr läuft Kunst ala Lenin nur noch danach zu bewerten, ob sie Mittel der Propaganda ist. Die Bolschewiki förderten ja am Anfang viele Kunstrichtungen, so z.B. auch den Konstruktivismus–in der Folgezeit wurde der Kunstbegriff dann aber parteipoilitisch monopolisiert und der Parteilinie untergeordnet, womit man dann beim unsäglichen „sozialistischen Realismus“landete, der auch einem Naziepigonen gefallen konnte.

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  8. Jakobiner schreibt:

    Was politische Menschen nicht begreiofen, ist, dass Kunst per se auch etwas Spielerisches, Experimentierfreudiges, Kreatives hat, da einmal gerne mit Formen jenseits aller Inhalte spielt und ausprobiert. Auch, dass sich der Mensch gerne am sogenannt Schönem orientiert. Es ist zwar richtig, dass vieles davon auch Weltenflucht ist, Verdrängung weltlicher, zumeist politischer und individuller Lebensprobleme, oft eine Suche nach Harmonie, Idylle,Einfachheit die sich im Kitsch am besten ausdrückt, aber soll man dieses Bedrüfnis, die ja viel mit der Religion gemeinsam hat deswegen verbieten oder als kleinbürgerlich und reaktionär einstufen. Das gehört zur Seele und Psyche des Menschen eben dazu. . Dieses zutiefst menschliche Bedürfnis leugnen viele politische Menschen.Die Kommunisten odneten Kunst nur der Arbeiterbewegung, dem Ziel des Sozialismus und ihrer Verwertbarkeit bei der Propaganda für den Kalssenklampf unter–kein Wunder, dass es da auch aus dem linken Lager zu Trotzreaktionen kam:

    „1939 konnte daher Clement Greenberg, ein späterer Sympathisant der Workers Party von Max Shachtman, in einem Beitrag für die Zeitschrift Partisan Review mit dem Titel „Avantgarde und Kitsch“ erklären, dass Dichter und Künstler der „Avantgarde“ ihre „wichtigste Inspiration aus dem Medium selbst beziehen, in dem sie tätig sind. Ihre Kunst begeistert offensichtlich vor allem dadurch, dass sie sich ausschließlich mit der Erfindung und dem Arrangement von Räumen, Flächen Formen, Farben usw. beschäftigt und alles weglässt, was nicht zu diesen Faktoren gehört.“ Ein solcher Prozess, meint Greenberg, „erfordert weder Zustimmung noch Ablehnung“.
    Diese beschränkte und snobistische Haltung, die die Idee der „Avantgarde“ aushöhlt und sie letztlich von jeglicher Verbindung mit dem Sozialismus und der Arbeiterklasse loslöst, ist eine Reaktion auf große und tragische politische Ereignisse. Erschrockene und demoralisierte Intellektuelle wie Greenberg, von denen es sehr viele gab, waren vom Verlauf des Klassenkampfs zunehmend enttäuscht..(…)
    Auch die antimarxistische Frankfurter Schule spielte eine Schlüsselrolle, den Begriff „Avantgarde“ zu verfälschen. Diese Schule verdankte ihren Aufstieg hauptsächlich der massenhaften Vernichtung einer Generation wirklicher Marxisten durch den Stalinismus. Ein „linker“ Schüler des reaktionären, irrationalistischen Philosophen Heidegger, Herbert Marcuse [Der eindimensionale Mensch], verwarf die Auffassung, ein Künstler sei fähig, die Welt zu erkennen und ein Publikum durch die Rationalität und Wahrheit seiner Werke zu beeinflussen. Wie sollte auch eine Schule, die keinerlei objektive Bedingungen als Grundlage und Impuls für sozialistisches Bewusstsein anerkennt, sich mit der Erforschung „unseres dreidimensionalen Lebens“ abgeben?Die „authentische Avantgarde”, schrieb Marcuse, bestehe aus Künstlern, die „eine radikale Veränderung in Stil und Technik“ schaffen. Er behauptete, die Kunst errichte ein entferntes Reich bestehend aus der „ästhetischen Form“. Dieses repräsentiere und kritisiere die „Unfreiheit des Bestehenden“ und ermutige so das Individuum, sich seine oder ihre eigene psychische Befreiung vorzustellen. So gibt Marcuse auf seine Art wieder, was auch Greenberg behauptet. Er sagt, im Kunstwerk selbst, „in seinem eigenen (ästhetischen) Bereich … liegt ihr politisches Potential“.“

    Und was empfehlen uns die Trotzkisten in bester Tradition von Lenin ud Stalin:

    „Trotzki, André Breton und Diego Rivera boten mit ihrem Manifest für eine unabhängige revolutionäre Kunst (1938) eine Alternative zur offiziellen, unterwürfigen „Linksorientierung“ an. Darin betonten sie: „Unter dem Einfluss des totalitären Regimes der UdSSR und durch die Vermittlung der sogenannten ‘kulturellen’ Organe, die sie in anderen Ländern kontrolliert, hat sich ein tiefer Dämmer über die ganze Welt gelegt, der der Hervorbringung jeder Art von geistigen Werken feind ist.“In dem Manifest erklären sie weiter: „Aus allem, was bisher gesagt wurde, geht klar hervor, dass wir mit der Freiheit künstlerischen Schaffens keinesfalls die politische Indifferenz zu rechtfertigen wünschen, und dass es uns fern liegt, eine sogenannte ‘reine’ Kunst wieder zum Leben erwecken zu wollen, die für gewöhnlich den unreinsten Zwecken der Reaktion dient. Nein, wir haben eine zu hohe Vorstellung von der Funktion der Kunst, um ihr einen Einfluss auf das Schicksal der Gesellschaft zu verweigern. Wir halten es für die höchste Aufgabe der Kunst unserer Zeit, bewusst und aktiv an der Vorbereitung der Revolution teilzunehmen.““

    So legitim es ist eine revolutionäre Kunstrichtung zu propagieren, so totalitär ist doch der Ansprcuh alle Kunst, die nicht dem Ziel und der Propganda für Kalssenkampf und Revolution dient, als reaktionär, kleinbügerlich und als Nicht-Kunst oder als Nicht-Avantgarde zu denunzieren, ja wenn man die Macht hat, dann auch zu unterdrücken und als entartete oder reaktionäre Kunst auszulöschen.

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  9. Jakobiner schreibt:

    Genova: „Es geht nicht in erster Linie um einen politischen Anspruch, es geht um die Form der Kunst“ Dazu; „So richtig es ist, die Frankfurter Schule für den offensichtlichen Blödsinn zu kritisieren, dass sich aus neuer ästhetischer Formgebung politisches Bewusstsein und eine Revolution ergebe, so legitim es ist eine revolutionäre Kunstrichtung zu propagieren, so totalitär ist doch der Anspruch alle Kunst, die nicht dem Ziel und der Propganda für Klassenkampf und Revolution dient, als reaktionär, kleinbügerlich und als Nicht-Kunst oder als Nicht-Avantgarde zu denunzieren, ja wenn man die Macht hat, dann auch zu unterdrücken und als entartete oder reaktionäre Kunst auszulöschen“

    http://www.global-review.info/2016/07/15/kunst-und-avantgarde/

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  10. Jakobiner schreibt:

    “Es geht nicht in erster Linie um einen politischen Anspruch, es geht um die Form der Kunst.” Das ist der erste Quatsch–gesellschaftsveränderndes Bewusstsein könnte sich über die ästhetische Formerneuerung der Kunst ergeben. Zum einen ist diese Formveränderung eine Auseinadersetzung mit dominierenden Kunstrichtungen, zum anderen wird nicht klar, warum Formveränderungen gesellschaftliches Bewusstsein ändern sollten. Also über die Ebene hinaus, dass ein paar Kunstkritiker etwas Neues entdecken, aber welchen Einfluss sollten solche innerkünstlerischen Dispute auf die breite Gesellschaft haben, insofern sie nicht selbst Ausdruck und Widerspiegelung gesellschaftlicher Kämpfe sind, man also Ursache und Wirkung nicht verwechseln sollte.Oder die jeweiligen Künstler haben diese neue Fprmgebung individuell und autonom-losgelöst entdeckt, aber weswegen sollte ein Formwechsel in der Kunst eine breitere gesellschaftliche Reaktion hervorrufen. Das ist wohl eine fundamentale Überschätzung der Rolle der Kunst, der Ästhetik, der Formgebung und des Formwechsels auf die Gesellschaft.Typischer Blödsinn der Frankfurter Schule und Marcuses nur noch Randgruppen und Änderung der Formästethik durch Künstler als neues revolutionäres Subjekt zu postulieren.Die Hoffnung auf eine Kulturrevolution und nicht mehr proletarische Revolution oder Reform.

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  11. genova68 schreibt:

    Jakobiner,
    können wir uns mal wieder darauf einigen, dass du nur einen Kommentar in Folge abgibst? Danke.

    Ansonsten: Schau dir mal die Kunst um 68 an, gerade musikalisch und filmästhetisch. Du wirst nicht ernsthaft behaupten, dass das keinen nachhaltigen Einfluss auf die gesamte Gesellschaft hatte.

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  12. Jakobiner schreibt:

    Die mehreren Kommentare lagen daran, dass überhaupt keine Resonanz und Diskussion aufkam, also das Ganze auch eine Form des Selbstgesprächs dann annahm. Auch habe ich keine Lust zu kommentieren, wenn es schenibar ohnehin keinen interessiert oder das einfach ignoriert wird. Ist es denn so uninteressant, was ich schreibe, dass das mit Nichtbeachtung gestraft wird?Und Alte Dame darf auch mehrere längere Kommentare hintereinander schreiben, die teilweise Artikellänge annehmen ohne dass das beabstandet würde.Da wird ganz offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen.

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  13. Jakobiner schreibt:

    Die Kunst der 68er Jahre war ja gerade Ausfluß einer politischen Bewegung und hatte einen politisch-revolutionären Anspruch–da ging es eben nicht nur um die Form.

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  14. genova68 schreibt:

    Nein, es ist nicht uninteressant, was du schreibst. Aber wenn ich den Blog ansteuere und drei neue Kommentare von dir hintereinander lese, mit langen Beiträgen und teilweise ganzen Artikeln, die du aus deinem Blog hierher kopierst, dann ist die Hürde zur Antwort hoch. So entsteht keine Diskussion. So geht es wohl vielen. Und Selbstgespräche, mal ehrlich: Die führt man nicht in einem Blog. Ich habe dich schon x-fach gebeten, nur einen Kommentar zu posten. Du scheinst das immer wieder zu vergessen oder zu ignorieren.

    Kunstform: Happenings, musikalisch Rock oder Fusion, neue Instrumente, Elektronisierung, die Entwicklungen im Jazz, dazu die Kleidungsästhetik und vieles mehr: Das ist alles auch Form, aus dem heraus sich teilweise ein politischer Anspruch ableitete. Oder auch nicht, egal: Es hatte Wirkung.

    Malerei wird wohl überschätzt, das geht spätestens seit 68 schnell in den Kunstmarkt und hat gesellschaftlich keinerlei Relevanz. Ob man den Daniel Richter nun irgendwie kritisch findet und den Neo Rauch neokonservativ, ist gesellschaftlich ohne Belang, glaube ich. Dazu ist Malerei einfach aufmerksamkeitsökonomisch nicht mehr ausreichend. Das sind akademische Debatten, die außerakademisch nicht interessieren. Und Bilder werden zunehmend nur noch für den Markt gemalt. Und auch Fotografien. In der aktuelllen konkret ist dazu ein interessantes Interview mit einem Kunsthistoriker, der sagt, dass selbst als links und kritisch betrachtete Fotografen wirkungsästhetisch nur noch affirmativ unterwegs sind. Die Frage ist dann: Kann man das Foto an eine Wand hängen und wie wirkt es dort mit dem Interieur. Da kann man dann selbst ein verhungerndes Kind fotografieren, Hauptsache, die Farben passen zur Couch. Aber, wie gesagt, Kunst ist nicht nur Malerei.

    Architektonisch betrachtet ist die Ablösung des CIAM durch Strukturalisten und später durch biomorphe Architektur oder Metabolismus oder Wohnformen für neue Möglichkeiten des Zusammenlebens interessant, überhaupt ein neuer Umgang mit Material. Auch wenn ich Architektur nur bedingt als Kunst betrachte. Sowas wie das olympische Dorf in München verdient da Aufmerksamkeit.

    Interessant dabei, dass diese Wohnformen in Deutschland nicht mehr gebaut werden. Interessante Studentenwohnheime werden in Dänemark gebaut, hier ist tote Hose. Selbst diese Markt für Studenten wurde dem Kapital überlassen, dass überteuerte und isolierte 25qm-Miniwohnungen baut.

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  15. Jakobiner schreibt:

    Da hast du wohl recht, dass Kunst nicht nur Malerei ist, sondern auch Fotografie, Video-und Multimediainstallationen (die Documenta verzichtet ja inzwischen völlig auf Gemälde), ja auch die Architektur und Musik umfasst. Wobei ich deine Artikel zur Architektur immer ganz gerne lese, aber nur zur Hälfte verstehe, da du etwas fachsimpelst und davon ausgeht, dass die Leser mit den Termini so vertraut sind. Diese vielleicht noch mit einem Satz zu erläutern wäre ganz sinnvoll, denn sonst hat man den Eindruck, dass hier ein verhinderter Architekt und Dozent schreibt. Ich möchte aber trotzdem behaupten, dass in politisch unruihigen Zeiten von gesellschaftlichen und technologischen Umbrüchen die Rahmenbedingungen für revolutionäre oder reformerische Veränderungen von Form und Inhalt günstiger sind als etwa zu Zeiten des Biedermeiers oder einer mehr konservativen oder gar autoritären Ära.Da dürfte doch eine gewisse Korrelation mit politischen Bewegungen bestehen.

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  16. genova68 schreibt:

    „Ich möchte aber trotzdem behaupten, dass in politisch unruihigen Zeiten von gesellschaftlichen und technologischen Umbrüchen die Rahmenbedingungen für revolutionäre oder reformerische Veränderungen von Form und Inhalt günstiger sind als etwa zu Zeiten des Biedermeiers oder einer mehr konservativen oder gar autoritären Ära.“

    Tja, vielleicht. Paradebeispiel für deine These wären ja die Jahre nach der russischen Revolution bis zum Amtsantritt von Stalin. Und welche Zeit haben wir heute? Politisch unruhig? Und was ergibt sich daraus für die Kunst? Vielleicht ist es so, dass die kapitalistische Umarmung intensiver wird und alles Künstlerische auf diese Verwertung schielt, schon im Entstehungsprozess. Es gibt hier in Berlin immer wieder Galerien, die interessante Leute präsentieren, auch Maler. Da sollte man vielleicht öfter drüber schreiben. Architektonisch geht in Deutschland derzeit bis auf kleine Avantgarde-Leute nichts. Das Thema „Recyclete Architektur“ könnte was hergeben, aber da ist die Bauwirtschaft vor, schätze ich.

    Die Architekturartikel hier: Ja, schade, wenn der Leser etwas nicht versteht, wobei ich davon ausgehe, dass das eh ein randständiges Thema ist, das nur die Wenigsten interessiert und ich es mühevoll finde, alles zu erklären. Wenn Fragen bestehen: nur zu! Aber sicher bin ich ein verhinderter Dozent, wie wohl jeder Blogger.

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  17. Jakobiner schreibt:

    Wenn man sich die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution betrachtet, gab es ja da viele Neuerungen–vom Dadaismus zum Kubismus und Konstruktivismus bis hin zum Surrealismus. Würde also meine These stützen. Die Bolschewiki experimentierten am Anfang auch mit mehreren Kunstrichtungen, aber mit zunehmender Gleichschaltung der Partei und Lenins Credo, dass Kunst nur der Klassenkampfpropaganda und der Revolution zu dienen habe, war es dann schnell mit dem Experimentieren und der Liberalität vorbei–schon viel früher als Stalin und der sozialistische Realismus.

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  18. genova68 schreibt:

    In der sowjetischen Architektur lief die progressive Entwicklung ein wenig länger, ich würde sagen, und zwar bis in die 1930er. Es gab irgendwann Mitte der 30er einen Kongress sowjetischer Architekten, in denen die Branche von Modernisten, Corbusier-Anhängern und ähnlichem gereinigt wurde. Das spätestens war das Ende progressiver Entwicklung, aber bis dato wurde einiges gebaut. Aber ähnlich war das in Deutschland: Die experimentelle Phase der Architektur lag unmittelbar nach dem Ende des 1. WK, in der zweiten Hälfte der 20er wurde viel realisiert und da war in weiten Teilen Schluss mit dem Experimentieren. Bruno Taut plante anfangs Stadtkronen, später baute er Wohnsiedlungen, die preiswert sein mussten. Die Entwicklung hin zu quasi faschistischer Architektur – also die Weiterentwicklung der neuen Sachlichkeit zu Starrheit, Ordnungsfetischismus und teilweise Gigantismus – begann vor 1933.

    Es gibt übrigens einen schönen Fotoband von Frederic Chaubin, der ganz hervorragende sowjetische Architektur der 60er, 70er und 80er Jahre zeigt. Die Sowjetunion hat nach Stalin wieder ganz gute Sachen gemacht, halt nicht in der Masse. Aber da gibt es einiges zu entdecken und wenn man sieht, dass nun Corbusiers Sachen Weltkulturerbe sind – völlig zu recht – dann ist das auch Ausdruck guter PR westlicher Kulturinstitutionen. Ich weiß gar nicht, wie Putins Russland zu der modernen Architektur der Sowjetunion steht, ob die das als kulturelles Erbe Russlands betrachten.

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  19. Jakobiner schreibt:

    Die Säuberung in der Architektur in der Sowjetunion scheint zum selben Zeiotpunkt erfolgt, als die Schauprozesse und die Kollektivierung durchgeführt wurde. Gute Frage, ob es unter Putin überhaupt noch eine Moderne gibt. Interessant, auch, was die Chinesen so alles bauen. Zum einen diese ewigen mit blauen Glasfassaden und goldenen Schriftzügen versehenen Geschäftsgebäude, Pudong in Shanghai mutet ein wenig nach Las Vegas und Dismey Land an, zumal auch mit Transrapid und dann kenne ich noch Albert Speer, der Sohn des gleichnamigenn Architekten Hitlers, der in China die Autostadt Anting gebaut hat. Siue sieht aus, wie ein Wassenrtropfen, der konzentrische Kreise zieht. Desweiteren werden in China so alle Baustile willkürlich aus aller Welt 1: 1 kopiert fpür die neuen Neureichensuburbs und zumal werden auch neotraditionelle Kaiserbauten ala Disneyland als neue Shoppingstrassen gebaut. Wenn man von einem Archtitekturstil in China sprechen wollte, hätte man wohl Probleme da einen dominanten Stil zu finden. Es scheint eher nach der Devise zu gehen: Möglich ist alles.

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  20. genova68 schreibt:

    Danke für die Infos. In China ist wohl schon immer das Kopieren als Leistung anerkannt, nicht als etwas Verpöntes. Insofern ist es wohl als Anerkennung westlicher Leistungen zu sehen, wenn sie kopieren.

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  21. Jakobiner schreibt:

    Auch mal eine Überlegung zur Revolutionierung der Kunstform der Comedians:

    Vielleicht sollte aber auch mal ein Comedian auftreten, der erklärt, dass er Trump nicht lustig und unterhaltsam findet, noch irgendwie zum Lachen, sondern das Ganze sehr ernst nimmt und Trump für einen US-Faschisten, der in den USA eine Diktatur errichten will und einen Weltenbrand auslösen wird mit desaströseren Konsequenzen als der Irakkrieg 2003 und die Finanzkrise 2008.Das wäre eben die Wahrheit und die ist eben nicht zum Schenkelklatschen und Verzeihen durch Witzigmachen und Lustigfinden. Vielleicht wäre ein Comedian ganz gut, der das Ende der Witze und den Beginn des Enstes verkündet und die Leute von der Glotze auf die Strasse und in politische Arbeit offen mobilisiert.Auch Charlie Chaplin verulkte Hitler mit seinem “Der Große Diktator”, aber nachdem Hitler sein Völkermord- und Weltkriegsprogramm abwickelte, meinte Charlie Chaplin, er hätte diesen Film nicht mehr gedreht, da er durch die Verlächerlichung alles verharmlost hätte. Aber die Spaßgesellschaft will nichts vom Ernst der anstehenden Situation wissen, sondern diese unterhaltsam durch ein Lachventil, das sich zumeist an Äußerlichkeiten von Politikern abarbeitet, entlastet und unterhalten werden. Comedians und Parodisten sind daher die besten Problemverdränger und haben daher auch solche immensen Quoten, insofern sie überhaupt noch politisch sind.Ein Comedian, der öffentlich zum totalen Ernst und zur politischen Organisation aufruft, wäre ja mal ein revolutionärer Bruch mit dieser “Kunstform”. Ein Comedian, der den mangelnden Ernst und mangelnden Realitätssinn seiner Kollegen immer wieder durch den Kakao zieht, sich über ihre Witze lustig macht angesichts des Ernstes, den er dann immer wieder mit Forderung nach politischer Organisation konterkariert, wäre doch auch mal witzig, Sich über Witzemacher und Comedians lustig machen mittels der ewigen Betonung des Ernstes der Situation und diese dadurch lächerlich machen und die Leute davon zu entfremden und aktiv werden zu lassen und damit den Ernst der Situation zu begreifen und politisch aktiv werden zu lassen. Comedians und ihre Ventilfunktion lächerlich machen durch die Konfrontierung ihrer allesverharmlosenden Witze mit einer tödlich-gefährlichen Weltlage, über die sie sich witzig machen und diese zu kompensieren suchen und eben zu zeigen, dass die politische Lage sehr ernst ist und diese Comedians da eher ein weiterer ernster Witz sind, der nur verdrängt und den keiner braucht.Die Witzleute selbst zur Witzfigur zu machen, die uns sehr professionell vom Ernst und der Realitätswahrnehmung abhalten und auch professionell dafür angeheuert sind und bezahlt werden.Die Dekonstruktion der Comedians und die Erklärung des totalen Ernstes durch die Konfrontation mit der realen Weltlage und der Aufforderung sich nicht vor der Glotze abzulachen, sondern politisch aktiv zu werden! Freilch kommt es dann auch auf die politischen Inhalte an, denn mit dem Comedian und Politclown Beppo Grillo und seiner Fünfsternebewegung in Italien gibt es ja schon solch einen Präzedenzfall, wo ein Comedian politisch wurde, man sein Programm aber nicht als fortschrittlich bezeichnen kann.

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  22. Chinook schreibt:

    „Die Witzleute selbst zur Witzfigur zu machen, die uns sehr professionell vom Ernst und der Realitätswahrnehmung abhalten und auch professionell dafür angeheuert sind und bezahlt werden.“

    Jakobiner, dir fehlt es definitiv an Humor, Sarkasmus und Zynismus. Du nimmst dich selbst einfach viel zu ernst.

    „Die Dekonstruktion der Comedians und die Erklärung des totalen Ernstes durch die Konfrontation mit der realen Weltlage…“

    Wobei, eine gewisses komisches Element liegt deiner Argumentation inne. Im Angesicht vielfältiger Problematiken sollte man definitiv den „totalen Ernst“ erklären, damit die Menschen durch die Konfrontation mit der realen Weltlage aufwachen. Alles was fehlt ist ein Clown, der den „totalen Ernst“ erklärt, um die aktuelle kapitalistisch-gesellschaftliche Ordnung zu dekonstruieren.
    Hauptsache, wir erklären den totalen Ernst. Bisher haben wir dumm rumgealbert, aber jetzt, jetzt wird der totale Ernst deklariert und deshalb wird alles besser. Erstmal kümmern wir uns um die Comedians, dann um die Probleme….

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  23. Chinook schreibt:

    „Die Witzleute selbst zur Witzfigur zu machen, die uns sehr professionell vom Ernst und der Realitätswahrnehmung abhalten und auch professionell dafür angeheuert sind und bezahlt werden.“

    Ich hab schon viel im Netz gelesen, aber das ist ein Highlight. Made my day!

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  24. cyralinus schreibt:

    Ich finde Genova, in Deinem Artikel werden mehrere Sachen undifferenziert zusammengeworfen.

    1. Der Künstler: Es ist schon an sich eine tiefgreifende Entscheidung Künstler zu sein. Schon das allein würde ich als politischen Akt bezeichnen. Denn diese Entscheidung fordert so viel von einem selber, dass es an sich schon eine eigene Position in der Gesellschaft bildet. (Jedoch affirmativ bleibt, weil sie ohne damit monitär entlohnt zu werden nicht existieren kann.)
    2. Die künstlerische Motivation: Diese entsteht unabhängig von dem, was nachher mit den Werken passiert.
    3. a) Keine Kunst ist „avantgard“, weil sie mit Absicht bestrebt diese zu sein, sondern weil der Künstler sich tiefgreifend und neugierieg mit sich selbst und mit dem, was um ihn geschieht beschäftigt und die innere Notwendigkeit spürt zur Produktion- und durch diesen Weg etwas erschafft, was bewegt. (Von mir aus auch auf gesellschaftlicher Ebene).
    Kunst ist immer Teil einer widerständigen Welt und gleichzeitig Affirmation, denn wie sollte sie sonst innerhalb einer Gesellschaft existieren und Auswirkung auf diese haben?
    (Gilt übrigens auch für kritische Texte.) Man erreicht sowieso nur die, die bereit sind, sich damit auseinander zu setzen.
    b) Verkauf: Super! Der Künstler braucht Geld für sein Material und Nahrung. Sei der Käufer arm oder reich… Daran ist nichts Verwerfliches Kunst zu kaufen, im Gegenteil! (Wenn man mehrere Werke kauft, ist darf man sich Sammler nennen- na und!)
    Wenn jemand sich damit profilieren möchte, dann ist das eine psychologische Sache, tut dem aber nicht Abbruch, dass er damit die Kunst unterstützt.
    4. Ist es sinnvoll Kunst zu unterstützen? Künstlerisch tätig zu sein ist eine sich nicht entfremdete Tätigkeit, also eine sinnvolle Arbeit und somit wert unterstützt zu werden.
    5. Produktion und sinnvolle Arbeit: Arbeit wird für mich nicht danach definiert, ob ich Geld damit verdiene, sondern, wie sinnvoll diese ist. Sinnvoll ist für mich diese, wenn ich damit im Einklang mit mir selbst bin. Die Auswirkungen des Kapitalismus sind doch gerade, dass alle darauf programiert sind Materielles zu erlangen und die ganze Bildung- und Wertesystem auf das kapitalistische Wirtschaftssystem ausgerichtet sind. (Der Zwang unter anderem Dinge zu besitzen, deren Handhabung wir nicht unter Kontrolle haben und die uns beherrschen.) Wenn ich dies dadurch durchbreche, dass ich meine Befriedigung nicht mehr im Kaufen und Haben erlange, sondern durch nicht entfremdetes Tun, dann durchbreche ich den Kreis der Huldigung des Kapitals. Das ist für mich politisch. Wenn ich meine Berufung darin sehe, Spaziergänger zu sein und dem den ganzen lieben Tag nachgehe oder wenn ich mit Liebe Brötchen backe oder Blogger bin oder Installationen mache, etc., dann ist das Produktion von Mehrwert in einem anderem als dem kapitalistischem Sinn.

    Somit ist Kunstproduktion eine sinnvolle Tätigkeit und verdient unterstützt zu werden und beweist nur, dass Kunst Affirmation sein kann.
    Die Sonne wirft nunmal Schatten und der Schatten zeigt, das es Licht gibt.

    Amen.

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  25. cyralinus schreibt:

    6. Die Kunst einem öffentlichem Publikum bereit zu stellen erleichtert mehreren Menschen den ZUgang und somit die Auseinanderetzung damit.
    7. Das der Erwerb der Kunst von Menschen getätigt wird die Geld haben, tut der Wirkung und der Aussage der Kunst keinen Abbruch. Sei es auch in sich widersprüchlich, dass dies systemimanent geschieht.

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  26. cyralinus schreibt:

    (Sorry für Rechtschreibfehler)

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  27. cyralinus schreibt:

    (3. Wirkung:)

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  28. genova68 schreibt:

    Hi, Cyralinus,
    danke für deine vielen Punkte.
    Widersprechen würde ich in Folgendem:

    2. kann man infrage stellen, wenn die künstlerische Motivation vom Denken an den Verkaufserfolg beeinflusst ist. Ich habe irgendwo oben in den Kommentaren ein Interview in der Juli-Ausgabe von konkret erwähnt, wo ein Kunsthistoriker meint, dass ziemlich viel Fotografie heute nach Marktgesichtspunkten gemacht wird, und das sind dann trotzdem anerkannte irgendwie linke Fotografen. Man kann heute eben fast alles in eine Millionärsvilla hängen, selbst sterbende Kinder im Sahel. Es ist eine Frage der Ästhetik, der Umsetzung. Kunst muss sich dazu verhalten, will sie keine affirmative sein.

    3b ist realitätsfern, finde ich: die allermeisten Künstler können nicht vom Verkauf leben, daran ändert sich auch nichts, ein paar sind Millionäre, es gibt eine sehr dünne finanzielle Mittelschicht. Der Verkauf sorgt für extreme Ungleichheit, das kann kein soziales Argument sein.

    Was ist eine künstlerische Tätigkeit? Wenn ich auf den Markt schiele, schiele ich auf die Entfremdung. Oder man spricht von Kunsthandwerk, dann ist das alles ok.

    5. Deine Definition von Arbeit in Ehren, aber demnach ist Arbeit immer sinnvoll. Wie nennst du dann sinnlose Arbeit?

    Worin besteht der Mehrwert eines Bloggers? Dass er etwas tut, was ihm und vielleicht auch anderen gefällt? Ok. Aber warum nennst du das Mehrwert? Wenn ich marxsche Begriffe verwende, führt eine komplette Umdefinition eher zu Vewirrung.

    Der Aufhänger meines Artikels war aber, dass ein kritischer Künstler vom Gegenstand der Kritik, vom Kapital, geschluckt wird und kapitalismusaffinitiv gewandelt.

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