Tschüss, lieber Konjunktiv eins!

Der Vorsitzende der Bergbau-Gewerkschaft, Michael Vassiliadis, sieht hierzulande keine Notwendigkeit für eine Verschärfung derzeitiger Klimaziele. Es ginge nicht darum, dass Deutschland „die Welt retten“ müsse.

schrieb die FAZ kürzlich. Immerhin die FAZ. Eigentlich steht die indirekte Rede im Konjunktiv I, es müsste also heißen

Es gehe nicht darum, dass Deutschland die Welt retten müsse.

Interessanterweise steht bei der FAZ das Verb müssen im Konjunktiv I, obwohl dort der Indikativ gerechtfertigt wäre:

Es gehe nicht darum, dass Deutschland die Welt retten muss.

Oder die FAZ macht es konsequent und benutzt zweimal den Konjunktiv II:

Es ginge nicht darum, dass Deutschland die Welt retten müsste.

Die Regeln für die indirekte Rede im Deutschen sind schwammig, oder besser: Sie sind im Fluss. Moderne Grammatiken erlauben alles. Das Originalzitat der FAZ dürfte dennoch objektiv falsch sein, da eine sinnlose Vermischung von Konjunktiv I und II in einem Satz stattfindet. Es ist schon merkwürdig, wenn Journalisten ihr Handwerk nicht verstehen. Es ist in etwa so, als wenn der Zimmermann die Säge falsch herum hält. Die falsche Verwendung des Konjunktivs ist unter Journalisten mittlerweile Standard. Es fällt direkt auf, wenn er ausnahmsweise mal richtig verwendet wird. Andererseits: Sprache entwickelt sich. Der Konjunktiv I ist offensichtlich nicht nötig, um verständlich zu kommunizieren. Der Genitiv genausowenig. Der Dativ erst recht. Und die deutschen Adjektivdeklinationen sind für jeden ernsthaft Deutschlernenden eine Zumutung. Insofern: entkernen, weg damit.

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Eine Antwort zu Tschüss, lieber Konjunktiv eins!

  1. Nobody schreibt:

    Moin! Wenn wir schon bei Fehlern sind:

    „Eigentlich steht die indirekte Rede im Konjunktiv I, es _müsste_ also heißen …“

    Nein, es _könnte_ so formuliert werden, denn es gibt noch die später erwähnten Varianten „muss“ und „ginge“. Und nun muss nobody gehen müssen, oder müssen gehen :mrgreen:

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