EM in Frankreich: Die Berliner Zeitung auf rechten Abwegen

Eigentlich schreibt die Berliner Zeitung auf der Meinungsseite ganz vernünftige Sachen. Selten etwas wirklich Neues, Eigenständiges, aber der linksliberale Kompass funktioniert. Umso erstaunlicher, dass man gestern lupenreine neoliberale Propaganda ertragen musste. Ein Axel Veiel nimmt die EM in Frankreich zum Anlass, dem Land einen modernisierten neoliberalen Nationalismus zu empfehlen. Motto: Die Franzosen sollen jetzt hautfarbenunabhängig zusammenrücken und die Reichen endlich reicher werden lassen.

Bei den aktuellen Protesten gegen die Politik der Regierung geht es darum, die Verteilung nicht ungerechter werden zu lassen. Das, was man nun auch in Frankreich Reformen nennt, ist nur die Verschiebung der Verhältnisse nach deutschem Vorbild: Weniger für die Arbeiter-, mehr für die Kapitalseite.

Veiel denunziert diesen Kampf:

Die den Kommunisten nahestehende Gewerkschaft CGT, die den Protest anführt, streitet für den Erhalt des Bestehenden. Um Besitzstandswahrung geht es ihr, nicht um eine sozial möglichst gerechte Gestaltung des Wandels.

Die Argumentation kennen wir aus den Jahren um 2002. Damals war der DGB der Besitzstandswahrer, was als Schimpfwort fungierte. Ergebnis: In den Folgejahren explodierten die Gewinne der Kapitalseite, die Löhne und Gehälter gingen real zurück. Veiel will diese Entwicklung jetzt in Frankreich. Wer das nicht will, ist Besitzstandswahrer.

Das hat schon etwas Demagogisches. Veiel unterstützt diese „Reformen“ und faselt gleichzeitig etwas von „sozial möglichst gerechter Gestaltung“. Diese Floskel verrät seine Eignung als PR-Mitarbeiter bei der INSM, sonst nichts. Möglichst gerecht ist für Veiel vermutlich die deutsche Entwicklung. Dass in Frankreich vielleicht wirklich manches „verkrustet“ ist oder auch nicht, ich weiß es nicht: geschenkt. Denn darum geht es nicht.

Dann mancht Veiel den Protestierenden den Vorwurf, dass sie zu der „von der Regierung bereits weitgehend ausgebeinten Reform“ nicht einfach Ja und Amen sagen. Wenn die schon ausgebeint haben (geiles Wort), dann sollen die Kommunisten gefälligst ja sagen! Sehnsuchtsort Preußen.

Dann kommt die nationalistische Karte, die Veiel den Franzosen empfiehlt, auf dass die sich vom Kapital schneller aufs Kreuz legen lassen:

„Ein paar Wochen kollektiver Fußballglückseligkeit, wer würde sie den Franzosen nicht gönnen. Auf dass sie neuen Mut fassen, zu neuen Ufern aufbrechen.“

Veiel meint hier auch das Verhältnis von Biofranzosen und Migranten. Oder von weißen und nicht-weißen Franzosen. Ein perfides Spiel. Die sollen sich jetzt gefälligst vier Wochen in den Armen liegen und danach gemeinsam der neoliberalen Politik ihrer Regierung zustimmen. Veiel kennt nun keine linken und keine rechten Franzosen mehr, nur noch Franzosen. Alles aus der deutschen Geschichte bekannt.

Welche neuen Ufer? Die Ufer deutschen Jasagertums, meint Veiel wahrscheinlich. Daran sollen sich die Revoluzzer ein Beispiel nehmen. Die Deutschen ertragen neoliberale Politik seit Jahrzehnten und motzen nicht. Auch diese deutsche Politik führt übrigens zu ökonomischen Vewerfungen in Frankreich.

Veiel, der Vertreter eines Täterlandes, empfiehlt anderen die gleiche absurde Medizin.

Fußball als rechtsnationalistische Veranstaltung, unter deren Einfluss das Kapital an Boden gewinnen kann. Peinlich für die Berliner Zeitung (vermutlich stand das auch in der Frankfurter Rundschau), dass die sowas abdrucken. Alleine das wording verrät die neoliberale Gehirnwäsche.

Es ist ein perfides Spiel, das Veiel am ersten EM-Tag spielt. Wenn man in Bezug auf die Nation auf irgendwas stolz sein kann, dann nur auf soziale, revolutionäre Errungenschaften. Wenn schon Bezug auf die Nation, dann muss er naturgemäß von links kommen, alles andere ist indiskutabel. In Sachen Revolution sind die Franzosen bekanntlich kampferprobt. Doch Veiel dreht den Spieß um: Die sollen sich neovölkisch gemeinsam dem Kapital beugen. Postmodern verkleistert er diese originär rechte Haltung mit der vorgeblichen Lösung des „Migrantenproblems“.

Klassenverhältnisse, so möchte man Veiel zurufen, wie man sagt, verschwinden nicht durch vierwöchiges Kicken-Zugucken. Ginge es Veiel um die Befriedung der Verhältnisse, würde er sich einen Erfolg von CGT und den vielen anderen Gruppen, die derzeit aktiv sind. Es geht um mehr als 400 Arbeitskämpfe.

Veiel sollte bei der Welt anheuern. Oder gleich bei der Jungen Freiheit. Ideologisch dürfte das kein Problem sein.

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59 Antworten zu EM in Frankreich: Die Berliner Zeitung auf rechten Abwegen

  1. Jakobiner schreibt:

    Ohne die Arbeitsmarktreformen dürfte es keine Abnahme der Arbeitslosenzahlen und eine Wende im wirthschaftlichen Abschwung geben. Das zeigt: Temporäre Verbesserungen der witrschaftlichen Situation eines kapitalistischen Landes kann nur mit verschlechterten Arbeitsbedingungen, Ausweitungen des Niedriglohnsektors und der prekären Arbeitsverhältnisse, Ausweitung der Zeitarbeit, Auflösung des Kündigungsschutzes, Entgrenzung der Arbeitszeiten,Sozialabbau,etc. herbeigeführt werden. Und dieser temporäre Aufschwung dauert nur solange, bis ein oder andere Länder nachziehen, dann ist es nämlich mit dem relativen Wettbewerbsvorteil vorbei und muss die nächste Agenda 2010 und weitere Verschlechterungen in Angriff genommen werden.Für LInke ein Dilema: Ändern sie nichts, bleibt die Stagnation/Rezession, ändern sie etwas, geht dies nur um den Preis von Verschlechterungen–i beiden Fällen wird eine linke Regierung Wählerstimmen verlieren. IOnteressant, dass der Front National sich auffällig aus der Debatte um die Arbeitsgesetze heraushält und sich neutral gibt. Inzwischen wählen schon 40% der französischen Arbeiter den FN.Die Konservativen wollen eher noch schärfere Arbeitsgesetze, dürften sich also bei den Arbeitern nicht beliebt machen, während der FN Gewinner der Stimmabflüsse bei der Linken sein könnte.INteressant auch, dass die deutschen Medien so wenig wie möglich über die französischen Arbeitskämpfe berichten.

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  2. Jakobiner schreibt:

    Interessant ist, dass die Ablehnung der Arbeitsgesetze weit über die Arbeiterschaft hinausgeht. Laut Umfragen sind 70% der Franzosen gegen die Arbeitsgesetze. Scheinbar werden diese auch von den Mittelschichten und dem Bürgertum als Angriff auf die französische Lebensweise gesehen.In Deutschland war die Opposition gegen die Agenda 2010 bei weitem nicht so breit, wie auch die deutschen Einheitsgewerkschaften da etwaige Kämpfe verhindert haben und die einzige politische Reaktion die Etablierung der Linken war, die aber auch mehr und weniger vor sich hindümpelt.

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  3. Jakobiner schreibt:

    In den deutschen Medien auch kaum wahrgenommen: Die sozialistische Regierung möchte den Ausnahmezustand in die französische Verfassung hineinschreiben lassen. Damit könnte dieser nicht nur temporär, sondern zum Dauerzustand werden.

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  4. genova68 schreibt:

    Ohne Reformen kein Rückgang der Arbeitslosigkeit: Klingt nach INSM :-) Du siehst, wie schnell man das Wording der Neoliberalen übernimmt. Die machen das sehr geschickt.

    Mich würde eine vernünftige Analyse interessieren: Zahl der Arbeitslosen gesunken, Exportanstieg, Lohnreduzierung, Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte, Statistikmanipulation, Niedriglohnsektor. Das ist alles keine Erfolgsgeschichte, auch nicht in Deutschland.

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  5. Jakobiner schreibt:

    Nach der Agenda 2010 kam es nun einmal zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit/ Zuwachs der Arbeitsplätze, höherem Wirtschaftswachstum und Steueraufkommen trotz gesenkten Spitzensteuersätzen–der Preis dafür waren aber schlechtere Arbeitsbedingungen. Deutschland war der kranke Mann Europas und gilt heute als das Powerhaus Europas.Das kommt daher, dass es sich einen relativen Wettbewerbsvorteil verschaffte. Du scheinst das infrage zu stellen, um den Glauben an eine Reformpolitik innerhalb des Kapitalismus aufrechterhalten zu können.Was wäre die Alternative? Nachfrageorientierte, keynesianistische Politik–wie gesagt hat die bei einer mehr geschlossenen Volkswirtschaft wie der BRD AG funktioniert, aber verliert ihren Multiplikatoreffekt durch die weitgehende Öffnung zur Weltwirtwschaft, wie sie auch Staatsschuldenfinanziert ist und besetnfalls ein Strohfeuer an Konjunktur entfacht.Momentan sorgen niedrige Zinsen, Ölschwemme, niedriger Euro für Sonderbedingungen, die wohl aber auch nicht ewig halten werden.In den nächsten Jahren wird Deutschland, wenn andere Wettbewerber ihre Reformen durchgeführt haben auch wieder in eine Rezession kommen und dann wird wieder der Ruf nach weiteren Reformen und Agenden laut.Das wurde ja im Buch „Die Globalisierungsfalle“ganz gut dargestellt.Das Dilema der französischen, aber auch sonstigen Linken ist, dass sie kein anderes Wirtschaftssystem in ihrem Angebot haben und die vorigen Modelle wie kommunistische Planwirtschaft oder Sozialismus des 21. Jahrhunderts ala Venezuela kein Arbeiter will, da diese noch fataler als jeglicher Kapitalismus wäre.Daher gibt es eine gewisse Nostalgie zurück zur sozialen Marktwirtschaft der BRD der 60er Jahre, die LInkspartei und AfD gleichermassen bedienen, aber die kapitalistische Konkurrenz zwischen den Wirtschaftsstandorten und ihren Nationalstaaten führt eben zu einem ganz anderen Trend und Systemzwang. Insofern die Linke kein neues Wirtschaftsmodell diskutiert oder wieder im Angebot hat,bleibt sie diesen Systemzwängen ausgesetzt und kann bestenfalls Abwehrkämpfe führen um den Status Quo noch irgendwie zu erhalten oder die Verschlechterungen abzumildern.

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  6. genova68 schreibt:

    In Sachen Arbeitslosigkeit war es doch so, dass die Einführung von Hartz IV zu höheren Zahlen führte, weil anders gezählt wurde. Irgendwann um 2007 änderte die GroKo die Zählweise, weswegen viele aus der Statistik herausfielen. Man rechnet heute mit einer stillen Reserve von 1,4 Millionen (über 58, krank, Umschulung, unterbeschäftigt, in Vermittlung privater Agenturen und mehr), die sollte man fairerweise dazurechnen. Ich glaube, das wird intern auch gemacht, aber die offiziellen Zahlen sehen anders aus.

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/hg-arbeitslosenzahlen-101.html

    Ich glaube auch nicht, dass Deutschland der kranke Mann Europas war. Das war eine gut angelegte Propagandageschichte um 2002 herum. Doch auch damals exportierte Deutschland einige Milliarden mehr als es importierte. Das wäre als kranker Mann Europas nicht möglich gewesen, da hätte es einen riesen Importüberschuss geben müssen.

    Aber das mit dem gestiegenen Wettbewerbsvorteil seit der Agenda 2010 stimmt natürlich, das ist also ein Wachsen und Konsolidieren auf Kosten anderer. Das siehst du ja genauso.

    Wobei das Wirtschaftswachstum weit hinter dem zurückbleibt, was neoliberale Adepten versprachen: 2006 und 2007 gab es jeweils deutlich über drei Prozent, dann ging es wieder runter, dann kam die Finanzkrise. Die letzten Jahren liegen wir bei knapp über null Prozent. Das angeblich so gut laufende Deutschland ist eine Fata Morgana. Wir profitieren massiv von Nullzinsen. Die Zeit schreibt, dass von 2009 bis 2014 der Bund mehr als 100 Milliarden Euro alleine an Zinszahlungen gespart hat – verglichen mit dem Zinssatz vor der Finanzkrise. Deutschland profitiert nun also doppelt: Zuerst werden Konkurrenten niederkonkurriert, wenn die Schachmatt sind und dort die Zinsen steigen, gehen die Zinsen hierzulande zurück. Es ist perfide.

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-02/schwarzenull-bundeshaushalt-eurokrise

    Ob der Kapitalismus auf Dauer funktioniert, weiß ich nicht, aber um das Gegenteil zu beweisen, müsste man mir erstmal erklären, inwieweit Keynes gescheitert sein soll. Er wurde nur irgendwann nicht mehr beachtet, weil die Versuchung, den Staat zu plündern, fürs Kapital größer war. Wir haben einen Nachholbedarf in der Infrastruktur von vielen hundert Milliarden Euro, Straßen, Schiene, Schule, Bildung, das ist bekannt. Gleichzeitig steigen die extremen Vermögen der Reichen. Es ist schlicht eine Frage der Umverteilung, des Einsatzes der erwirtschafteten Kaufkraft. In der Praxis findet diese Umverteilung nicht statt, deswegen ist aber nicht gleich die Theorie im Eimer. Wären in der EU die linken Kräfte stärker, könnte man da sicher einiges bewirken. Globalisierung hin oder her: Die deutsche neoliberale Politik seit Schröder ist hierzulande gemacht worden und wird gemacht, da kehren wir besser vor der eigenen Tür.

    Wie gesagt, das was du beschreibst, kann schon eintreten: der neoliberale Wettlauf hält an. Inwieweit das systemisch im Kapitalismus so sein muss, weiß ich nicht. Ich will den Kapitalismus gar nicht grundsätzlich verteidigen, die Missstände sind offensichtlich und es sieht ja wirklich so aus, als seien die Machtverhältnisse so, dass sich das nicht zum Guten ändern ließe, aber theoretisch muss das nicht sein.

    Mich würde in Sachen Kapitalismus noch die Frage der Wertschöpfung interessieren: Inwieweit wird die Wertschöpfung immer unproduktiver, da beispielsweise steigende Bodenwerte auch zu Wertschöpfung führen, die aber die Krise nur verschärfen. Wenn in Berlin die Wohnungen teurer werden, dann ist das ja auch Wertschöpfung,aber eine, von der nur das Kapital etwas hat. Inwieweit beispielsweise hat zunehmende Migration nach Deutschland den Effekt, dass im hiesigen System dann die Immobilienpreise steigen? Man könnte so also schon zynisch von einer Wirtschaftsleistung durch Migranten sprechen, einfach nur, weil sie kommen und Wohnungen nachfragen.

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  7. Jakobiner schreibt:

    Also, die Abnahme der Arbeitslosigkeit mit Statistiktricks zu erklären, kann das Ganze zwar etwas relativieren, aber nicht leugnen. Dass Deutschland immer noch mehr exportierte als importierte, ist kein hinreichender Indikator, ob ein Staat in der Krise ist oder nicht. Der Keynesianismus wurde aufgegeben, da dessen Programme in den 60 und 70er Jahren offensichtlich nicht mehr funktionierten–Sichwort: Stagfaltion.Die zunehmende Öffnung der bisher noch relativ geschlossenen Volkswirtschaften zu EU und Weltmarkt hin, führten eben dazu, dass nationale keynesiantische Programme nicht mehr ihren Effekt hatten. Deshalb ging man zur angebotsorientierten Stratgie über. Insofern man noch keynesianitisch wirken will, müsste dies ein internationales keynesianistisches Programm sein, auf das etwa Japan jetzt bei dem G-7-Gipfel gedrängt hat, was aber vo den USA und vor allem Deutschland abgelehnt wurde–man will weiter die angebotsorientierten neoliberalen Austeritäts- und Strukturreformen beibehalten. Erst wenn diese an ihre Grenze kommen, ist vielleicht wieder ein Umdenken möglich in Richjtung eines internationalen Keynesianismus.Aber die Nationalstaatenkonkurrenz und die Standortkonkurrenz verhindert dies bisher. Chin aist da die Ausnahme. Seine Wirtschaft hat jetzt riesige Überproduktionen in der Stahl,- Metall-, Beton-, Bau-, und Eisenbahnindustrie. Deswegen hat China jetzt ein riesiges globales keynesianistisches Programm aufgelegt: Die One Belt-One Road-Initiative, die neue maritime und kontinentale Seidenstrasse, die riesige Infrastrukturbauten und Wirtschafts- und Verkehrskorridore in Asien, Europa,und Afrika mittels der neugegründeten Asian Infrastructure Investment Bank finanzieren will.Wie Marx in seinem Kapital richtig nachweist,funktioniert der Kapitalismus eben nur mit Krisen, diese sind systemimmanent, egal ob sie jetzt die konkrete Verlaufsform eine Überproduktions-, Wirtschafts- oder Finanzkrise annehmen.Diese Krisen kann man nicht verhindern, bestenfalls diese durch Reghulierung etwas abmildern und deren Verlaufsform etwas abändern. Aber um aus diesen Krisen wieder herauszukommen beschliessen Regierungen eben die Kapitalverwertungsbedingungen fürs Kapital zu verbessern, was eben bedeutet dass dies eine Verschlechterung für die Arbeiterkalsse und die sozial Schwachen bedeuett.Dass die erhofften Konjunktureffekte da vielleicht auch nicht so positiv ausfallen, wie von mir dargestellt, okay. Aber mir geht es den Systemzwang und das Dileam der Linken aufgrund dieses Systemzwangs aufzuziegen. Widersetzen sie sich den Kapitalverwertungsverbesserungen, bleibt die Konjunktur in der Stagnation, sogren sie für diese und sorgen für einen temporären Bomm, der auch nicht ewiag ist, das andere Konkurrenzstaaten und Stzandorte nachziehen werden und damit den relativen Wetbbewerbsvorteil wieder neutralisieren,verlieren sie bei ihrer eigenen Anhängerschaft. Insofern ist die Frage, ob man nicht einmal wieder in der Linken Wirtschaftssysteme jenseits des Kapitalismus und Kommunismus oder Sozialiasmus des 21. Jahrhunderts diskutiert und andenkt, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen.

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  8. Jakobiner schreibt:

    Diese Krisen kann man nicht verhindern, bestenfalls diese durch Regulierung etwas abmildern und deren Verlaufsform etwas abändern. Aber um aus diesen Krisen wieder herauszukommen beschliessen Regierungen eben die Kapitalverwertungsbedingungen fürs Kapital zu verbessern, was eben bedeutet dass dies eine Verschlechterung für die Arbeiterklasse und die sozial Schwachen bedeutet und oft auch für die Mittelschichten.Die verbesserten Kapitalverwertungsbedingungen bewirken auch, dass es zu weiteren Kapitalkonzentratitionen und Ungleichgewichten kommt, die dann die nächste Krise vorwegnehmen, die dann nochmals zugespitzter erfolgt aufgrund der neuen wirtschaftlichen Konzentrationsprozesse. Zudem versxchweigst du, dass Deutschland aus der Finanzkirse stärker als zuvor und als jeder andere Staat herauskam, also der Effekt der Agenda länger gewirkt hat–auch über die Finanzkrise hinaus.

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  9. Jakobiner schreibt:

    Die Frage ist auch, wie oft man diese Agendas wiederholen will–bis zur totalen Verelendung und Polarisierung der Bevölkerung, die dann nur noch durch ein autoritäres oder faschistisches Regime „befriedet“werden kann, wenn die Klassengegensätze und die Klassenkämpfe eskalieren sollten.Hier kommt dann wieder die AfD ins Spiel.

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  10. genova68 schreibt:

    Man könnte infrage stellen, dass die deutsche Volkswirtschaft überhaupt so gut läuft. Das müsste man an den Wachstumsraten festmachen und die sehen so aus:

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2112/umfrage/veraenderung-des-bruttoinlandprodukts-im-vergleich-zum-vorjahr/

    Die letzten vier Jahre: 1,7 %, 1,6 %, 0,3 %, 0.4 %. Die drei Jahre zuvor waren es, die Finanzkrise eingeschlossen, pro Jahr etwa 0,8 %. Wir haben es hier eher mit Meinungsmanipulationen zu tun. Die deutsche Wirtschaft läuft nicht dolle, die Propaganda der Medien läuft dolle. Die Wachstumsraten der 70er Jahre, mit Ölkrise, waren höher.

    Genauso wie der Eindruck von Vollbeschäftigung vermittelt wird und das Problem der Facharbeitermangel darstellt. Letzteres ist wohl so, aber eine Ursache fehlgeleiterter Ausbildungspolitik, würde ich sagen. Facharbeiter fehlen in der Pflege und auf dem Bau, in beiden Fällen ist nicht die tolle Wirtschaft die Ursache, sondern das offenbar unausgereifte Ausbildungssystem.

    Keynes wurde schon lange aufgegeben, spätestens mit Kohl, das hat nichts mit der Agenda zu tun. Die Agenda war ein Programm zur Bereitstellung von mehr Werwertungsmöglichkeiten fürs Kapital, nix schwache Wirtschaft. Schau dir einfach mal die Wirtschaftwachstumsraten in der betreffenden Zeit an, ebenfalls von statista:

    Von 1998 bis 2005, also rot-grüne Koalition:

    2 %, 2 %, 3 %, 1,7%, 0 %, -0,7 %, 1,2 %, 0,7 %.

    Da wurde eine kapitalismustypische Krise mit zwei schlechten Jahren zum neoliberalen Staatsumbau genutzt, danach ging der Export hoch und der Binnenmarkt zurück. Ein imperialistisches und somit typisch deutsches Programm.

    Ich glaube eben nicht, dass die Regierungen neoliberale Programme beschließen, um aus irgendwelchen Krisen herauszukommen. Die kommen dadurch erst rein. Es liegt eher am Druck von Lobbys.

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  11. Jakobiner schreibt:

    Vielleicht sollte man es ausch so sehen: Neoliberale Programme können dazu dienen, dass sie Krisen temporär entgegenwirken, sie können aber auch vorangetrieben werden, um einen ohnehin schon existierenden Wettbewerbsvorteilnochmals zu vergrössern. Im ersten Falle wäre dies eher Systemzwang, im zweiten Strebertum und Großmannssucht.Reagan/Thatcher haben ihre neliberalen Programme jedoch einduetig wegen der krisenhaften Wirtschaftsentwicklung durchgezogen.Die Zahlen, die du für Deutschland nennst, lassen den Begriff „Powerhouse“doch etwas kärglicher aussehen. So dolle ist das wirklich nicht.Bezeichnende, dass Gerhard Schröder aus dem Off bereits wieder eine Agenda 2030 fordert. Dem kann es nie genug sein.

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  12. Chinook schreibt:

    „Ohne die Arbeitsmarktreformen dürfte es keine Abnahme der Arbeitslosenzahlen und eine Wende im wirthschaftlichen Abschwung geben. Das zeigt: Temporäre Verbesserungen der witrschaftlichen Situation eines kapitalistischen Landes kann nur mit verschlechterten Arbeitsbedingungen, Ausweitungen des Niedriglohnsektors und der prekären Arbeitsverhältnisse, Ausweitung der Zeitarbeit, Auflösung des Kündigungsschutzes, Entgrenzung der Arbeitszeiten,Sozialabbau,etc. herbeigeführt werden.“

    Dies gilt keineswegs nur für „kapitalistische Länder“. Jedes Land wird in Zeiten „mangelnder Einnahmen“ versuchen die Wettbewerbsposition durch derlei Maßnahmen auf die ein oder andere Art und Weise zu steigern. Wegen Internet/Globalisierung kann man zunehmend allerdings kürzere Zeitfenster erhöhter Handlungsfähigkeit dadurch generieren, in welchen ein strukturelles Umsteuern möglich ist. Wobei marktwirtschaftliche Systeme eine höhere Resilienz und geringere Vulnerabilität aufweisen als sozialistische Konstrukte. Das Problem marktwirtschaftlicher Systeme ist nicht, dass sie keinen um Potenzen größeren Kuchen generierten als sozialistische, sondern, dass eine mangelnde Verteilung desselbigen ohne Umverteilungsmechanismen, welche Ausdruck eines hohen Maßes an gesamtgesellschaftlicher Kooperation sind, zu gesellschaftlichen Verwerfungen führt – und eben in der Folge wieder zu einer sinkenden gesellschaftlichen Kooperation, welche wenigstens mittelfristig die wirtschaftlichen Möglichkeiten einschränkt, was aber „oben“ erst deutlich später ankommt.
    Vieles, was in der Agenda 2010 umgesetzt wurde, war damals notwendig – aber genauso notwendig wäre es gewesen, in Zeiten besserer wirtschaftlicher Lage diese Maßnahmen wieder zurückzufahren und sie sich nicht als persistente Strukturen etablieren zu lassen.
    Wachstum kann man eben über Innovation oder Lohnkürzungen generieren. Seit über zehn Jahren speist sich praktisch das gesamte deutsche Wachstum aus Lohnkürzungen während Innovation nicht stattfindet – was im Grunde bedeutet, dass das Wachstum allein als Indikator für den Zustand der Gesellschaft (und auch die nachhaltige Wettbewerbskraft der Wirtschaft) kaum noch Aussagekraft hat. Aber strukturelle Änderungen sind von den Politikern heute nicht zu erwarten, da diese meist einen erwartbaren Stimmenverlust mit sich bringen. Merkel würde doch nie freiwillig auf einen Stimmenverlust hinsteuern, selbst wenn dieser am Ausgang der Kanzlerfrage nichts änderte; aktuell sehe ich auch keinen anderen Politiker, der dies in Kauf nähme. Das lässt schon fast den Schluss zu, dass gesellschaftliche Kooperation – und nicht nur solche von unten nach oben – von den heutigen Politikern überhaupt nicht mehr als Wert beachtet wird, den sie durch ihre Politik zu sichern und befördern haben. Sie appellieren lediglich, dass man Probleme gemeinsam lösen müsse. Zu ca. einem einem Drittel der Bevölkerung und deren Lebensumständen haben sie den Bezug vollkommen verloren, anders ist das nicht zu erklären. Selbst Neoliberale in den USA schütteln teilweise den Kopf über die deutsche Wirtschaftspolitik und auch die Probleme, welche der durch Deutschland angestoßene Lohnkürzungsdruck auf europäischer Ebene z. B. Frankreich macht – welches im Grunde pro Arbeitsstunde einen höheren Output als Deutschland erzeugt – aber gegen die Lohnkonkurrenz aus Deutschland kaum ankommt. Die Rente in Deutschland real ein riesiges Umverteilungsprojekt von unten nach oben, andere Ansätze werden mittlerweile als sozialistisch gar nicht diskutiert. Im Gegensatz dazu fahren die Schweizer mit ihrem sozialistischen Rentensystem ganz gut und sehen dazu gar keine nachhaltig gesellschaftlich tragfähige Alternative.
    Das Problem ist, dass die politisch Verantwortlichen ihre Arbeit nicht machen. Die Marktwirtschaft regelt sich selbst, deshalb ist sie so effizient. Ihre Aufgabe ist, dass soziale in die Marktwirtschaft zu tragen. Westerwelle hatte schon Recht mit seiner römischen Dekadenz, er hat sie nur nicht in den richtigen Milieus verortet.

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  13. Chinook schreibt:

    „Ich glaube eben nicht, dass die Regierungen neoliberale Programme beschließen, um aus irgendwelchen Krisen herauszukommen. Die kommen dadurch erst rein. Es liegt eher am Druck von Lobbys.“

    Auch in sozialistischen Systemen wird in dem Sinne auf „neoliberale Programme“ zurückgegriffen, um Handlungsspielraum zu eröffnen (Nordkorea setzt bspw. Zwangsarbeit ein/ China Wanderarbeiter = reale gesamte Lohnkürzung zu Lasten von Teilen der Bevölkerung) – oder es scheitert massiv (z. B. Venezuela). Es gibt eben keine unbegrenzten Möglichkeiten, einen nicht tragbaren Ausgabenüberschuss zu beheben. Natürlich spielen Lobbys eine große Rolle darin, rein arbeitgebernahe Regularien persistent zu verfestigen. Ähnliche Mechanismen finden sich in Schwellen/Entwicklungsländern mit sozialistischerer Ausrichtung jedoch auch, ob über Klientelismus, erhebliche Machtgefälle oder Korruption etc. ist für die gesellschaftlichen Verlierer im Grunde zweitrangig. Mit gewonnenem Handlungsspielraum muss man allerdings umgehen können und dafür braucht man eine Vision, Vorstellung oder wenigstens Idee, wo man überhaupt hin will – gesellschaftlich, wirtschaftlich, außenpolitisch. Das Problem sind weniger Neoliberale oder Lobbys, sondern dass die bürgerliche Mitte irgendwann ab den Achtzigern eigentlich aufgehört hat zu denken und aus diesem Milieu speisen sich die Parlamente. Man hatte einen hohen Grad an Wohlstand erreicht, ein nie erreichtes Maß an Sicherheit etc., und dann gedacht, man könnte auf den Freeze-Knopf drücken und es reichte in den Verwaltermodus zu schalten – für einen erheblichen Teil der Gesellschaft funktioniert es ja auch. Die Politiker aller Parteien haben heute entweder gar keinen Eindruck davon, wieviel Schlagseite das Schiff langsam bekommt oder sie haben eine Ahnung davon, aber keinen blanken Schimmer, warum. Weil sie sich selbst eigentlich als Verwalter sehen und nicht als Impulsgeber, was persönliche Risiken mit sich bringt, die ein Mensch, der sein gesamtes Leben auf die Karrierelaufbahn Politiker ausgerichtet hat, selten aufbringt. Darin sehe ich den eklatanten Unterschied von vielen Politikern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu jenen heute. Früher war nicht alles besser, aber sicher gab es mehr prägende Politiker, denen ab und an mal etwas wichtiger war als sie sich selbst. Und das gilt genauso für Die Linke wie für die AfD.
    Deine Ansichten sind schon etwas ewiggestrig. Irgendwas klappt nicht, also sind die Neoliberalen schuld, oder die Lobbys oder… oder…
    Aber das ist bequem gedacht, Die Linke spielt gesellschaftlich kaum eine Rolle mehr, weil sie der Gesellschaft nichts anzubieten hat als alte, abgedroschene und dumpfe Parolen. Die 68er haben viel bewirkt und fungierten als Impulsgeber, während die Linken heute sich damit begnügen an den Realitäten und empirischen Erkenntnissen der letzten 50 Jahre vorbeizudiskutieren, natürlich unter sich selbst. Wenn ich in Kreuzberg einen orientalischen Imbiss habe und nebenan ein McDonalds einzieht und mir die Kunden abspenstig macht, sollte ich vielleicht drüber nachdenken, warum das so ist und ob an meinem Produkt etwas verändert werden muss. Wenn ich aber einfach auf McDonalds schimpfe, sagt das wenig über die Marktsituation oder McDonalds aus, aber viel über mich – nämlich, dass ich denkfaul bin. Solange die Linke dies nicht tut, hat sie einen größeren Zuspruch schlicht nicht verdient, hab allerdings auch nicht das gefühl, dass die Linken damit ein großes Problem hätten. Die alten Theorien eignen sich doch hervorragend für nen Umtrunk im Bibliothekszimmer oder bei der Vernissage.

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  14. genova68 schreibt:

    „Es gibt eben keine unbegrenzten Möglichkeiten, einen nicht tragbaren Ausgabenüberschuss zu beheben.“

    Wo soll denn dieser Ausgabenüberschuss bestehen? In China etwa? Und bezeichnest du China und Nordkorea ernsthaft als sozialistische Gesellschaften?

    Vielleicht solltest du dir doch noch mal „alte Theorien“ zu Gemüte führen, am besten ohne Umtrunk und Vernissage.

    „Wenn ich in Kreuzberg einen orientalischen Imbiss habe und nebenan ein McDonalds einzieht und mir die Kunden abspenstig macht, sollte ich vielleicht drüber nachdenken, warum das so ist und ob an meinem Produkt etwas verändert werden muss. “

    Ja, in der Tat, aber dein Beispiel ist rein fiktiv.

    Solche Sätze finde ich verräterisch:

    „Die Politiker aller Parteien haben heute entweder gar keinen Eindruck davon, wieviel Schlagseite das Schiff langsam bekommt oder sie haben eine Ahnung davon, aber keinen blanken Schimmer, warum.“

    Keiner hat Ahnung, nur du, selbstredend. Ein Phänomen einer komplizierter, weil über mehr Informationen verfügenden Welt sind die Leute, die behaupten, alles zu checken. Den Satz sagen übrigens AfD-Politiker, die nehmen auch nur sich aus.

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  15. Jakobiner schreibt:

    Chinook redet irgendwie, als hätte es 3-4 Jahrzehnte neoliberaler Politik gar nicht gegegebn und hätten die Linken regiert und gebe es deswegen Wirtschaftskrisen. Dabei ist die Finanzkrise ja verschärftes Produkt der ganzen Finanzmarktderegulierungen, wie sie von den Neoliberalen –wie Chinook selbst einer ist–betrieben wurden.Auch redet er am Thema vorbei. Der Kapitalismus hat systemimmanent immer Wirtschafts- ud Finanzkrisen. Deren Stärke und deren Verlaufsform kann man politisch nur etwas modulieren. Fallen diese Regulierungen weitgehendst weg wie bei den Neoliberalen schlagen diese Krisen stärkstmöglich durch. Chinook sieht diese Krisen jedoch nur als falschers Handeln von politischen Akteuren und nicht als systembedingt.Ja es wäre besser, Chinook würde sich einmal mit den „alten Theorien“ wie etwa das „Kapital“von Marx beschäftigen. Falls ihm die 3 Bände zuviel sind, empfehle ich Michael Heinrichs „Einführung in die Kritik der Politökonomie“. Alles immer noch topaktuell.

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  16. Chinook schreibt:

    „Chinook redet irgendwie, als hätte es 3-4 Jahrzehnte neoliberaler Politik gar nicht gegeben und hätten die Linken regiert und gebe es deswegen Wirtschaftskrisen.“

    Habe ich nie behauptet. In jedem System gibt es Krisen. Der Kapitalismus bietet jedoch Chancen, die bisher kein anderes System bietet.

    „Der Kapitalismus hat systemimmanent immer Wirtschafts- und Finanzkrisen. Deren Stärke und deren Verlaufsform kann man politisch nur etwas modulieren.“

    Deren Stärke und Verlaufsform könnte eben hinreichend beeinflußt werden, insbesondere in global starken Volkswirtschaften, die am oberen Ende der Wertschöpfungsketten sitzen. Ansätze dazu gibt es mittlerweile zuhauf und ich sehe es als einen großen Fehler, dass dies an den hiesigen WiWi-Fakultäten praktisch ignoriert wird. Da wird tatsächlich vollkommen „Insel-disziplinär“ gearbeitet/gelehrt – und selbst das mit einem sehr eingeschränkten Blickfeld. Aber während das System Kapitalismus Krisen generiert, sind sozialistische Systeme oft genug die Krise. Es fehlen halt die sozialistischen Menschen, welche die sozialistische Gesellschaft bilden könnten. Mir ist ein kapitalistisches System mit einer sozialen/kooperativen Gesellschaft lieber, als Sozialismus mit einer unterdrückten Gesellschaft – die es braucht um ein solches System überhaupt Jahrzehnte zu halten.
    Ich sage ja nicht, dass Linke an irgendwelchen Krisen in Europa Schuld trügen, sondern dass sie heute wenig zu deren Verhinderung beitragen könnten, aufgrund ihrer selbst zu verantworteten Irrelevanz. Da hilft es eben nicht mal eben das Kapital zu lesen und es als Anleitung zu nehmen die Welt zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand zu führen. Marx „Kapital“ ist nicht, interessante Anleitungen gegeben zu haben, sondern seiner Zeit insofern voraus gewesen zu sein, als dass er Multi-Layer Problematiken als Erster extrem ausführlich beschrieben hat und versuchte Handlungsoptionen zu einem integrativen Lösungsweg zu verknüpfen. Wer sich als Linker heute noch pauschal auf Marx beruft, wenn es um Lösungen aktueller Probleme geht, dem mangelt es im Grunde genau an dem, was Marx zu einem innovativen Denker gemacht hat.

    Klar sind Krisen systembedingt. Wie stark sich diese äußern ist allerdings tatsächlich eine Frage, die politische Akteure beeinflussen können müssen. Tun sie dies nicht, verlieren sie an Legitimation, weil sie schlicht eine Arbeitsverweigerung betreiben – und das ist aktuell sehr gut zu beobachten.

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  17. Chinook schreibt:

    Neue Ansätze kommen heute eben nicht mehr aus der Linke Ecke, das übernehmen andere:

    http://www.ft.com/cms/s/0/5d5aa24e-23a4-11de-996a-00144feabdc0.html#axzz4BfS91mT4

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  18. genova68 schreibt:

    „Der Kapitalismus bietet jedoch Chancen, die bisher kein anderes System bietet.“

    Ja, aber es geht doch um die Qualität der Chancen. Chancen für wen. Chancen ist ein ähnlich neoliberalisierter Begriff wie Reform und tausend andere.

    Du scheint wirklich die Entwicklung der letzten 30 Jahre verschlafen zu haben. Der Kapitalismus bietet seitdem den Reichen gute Chancen, reicher zu werden und umgekehrt. Der absolute Vorrang der Verwertung des Kapitals könnte vielleicht sozialverträglich ablaufen, wenn der Staat oder die Gesellschaft oder wie man diese Instanz des Gemeinwohls nenne möchte, für eine sozialverträgliche Verwertung sorgen würde. Stattdessen schaut er beispielsweise zu, wie die Verwertung im Immobiliensektor abläuft. Wir, neoliberal verseucht, finden es völlig normal, wenn ein Altbau, der sich seit 100 Jahren amortisiert hat, 5000 Euro den Quadratmeter kostet. Interessant dabei ist, dass andererseits die Ausbeutung der Natur umsonst zu haben ist. Es ist das Recht des Stärkeren. Kapitalismus ist notwendig Sozialdarwinismus, wenn die Planken fehlen. Kapitalismsu ist darüber hinaus in einer humanen Perspektive schlichtweg Blödsinn.

    „Neue Ansätze“ machte auch Hitler. Ein Nullbegriff also. Deine Sprache, Chinook, ist manchmal so beliebig. Wer außer Linken sollte denn vernünftige Ansätze machen?

    Das gesellschaftliche Denken ist in weiten Teilen im Arsch. Ein Oliver Nachtwey schreibt in einem eigentlich ganz interessanten Artikel in der FAZ, dass früher die unteren Schichten nicht abstiegen, sondern mit allen anderen aufstiegen:

    „In dieser Logik könnte die Schere zwischen oben und unten sogar weiter auseinandergehen (was macht es schon aus, ob Bill Gates oder Susanne Klatten noch eine weitere Milliarde verdienen), sofern die unteren Bereiche der Gesellschaft ebenfalls besser dran sind. Und genau an dieser Stelle beginnt das wirkliche Problem der sozialen Ungleichheit.“

    Ein beliebter Denkfehler. Wenn es die Gesellschaft nicht stört, dass Klatten eine weitere Milliarde verdient, solange nur der Müllfahrer seine zwei Prozent Lohnerhöhung bekommt, rasselt sie unweigerlich in den Darwinismus. Denn die Klatten wird mit ihrer Knete die Welt zwangsläufig in den Untergang führen, weil sie die Verwertung ihrer Milliarden braucht, die sie anderen abnehmen muss. Früher oder später eben auch dem Müllfahrer. Man muss der Klatten das Geld abnehmen, nicht wegen Neid, sondern aus volkswirtschaftlichen Gründen.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/soziale-ungleichheit-gesellschaft-des-abstiegs-und-der-prekaritaet-14281707.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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  19. Chinook schreibt:

    „Wer außer Linken sollte denn vernünftige Ansätze machen?“

    Inwiefern sollten bspw. Neomarxisten geeignet sein, neue Ansätze überhaupt nur anzudenken? Also Ansätze, die real umsetzbar wären und nicht auf der a priori zu erfüllenden Annahme bestünden, dass man erst einen „neuen Menschen“ schaffen müsste. Was hätten diese beizutragen, was andere nicht könnten?

    Ein beliebter Denkfehler von Sozialisten ist, dass sie ein eingeschränktes Verständnis gesellschaftlicher Strukturen aufweisen (und nahezu keines wirtschaftlicher Belange). Diese sind für sie ja mehr oder weniger Ergebnis einer sozialistischen Ordnung und stellen keine gegebene Basis dar, auf welcher man eine sozialere (und insbesondere auch global kompetitiven) Ordnung aufbauen müsste. Ohne diesen Denkfehler/diese Denkfaulheit wären aber eben die ganz großen zumindest theoretischen Würfe nicht möglich.
    Wobei ich sozialistischen Systemen ihren praktischen Nutzen gar nicht in allen Bereichen von vornherein absprechen möchte. In Gesellschaften, die kulturell und/oder aus historischen Gründen schon „diszipliniert“ aufgestellt sind, kann ein sozialistisches System mit seiner naturgegebenen Erzeugung stramm hierarchischer und alle gesellschaftlichen Bereiche infiltrierenden Ausprägung, eventuell eine Steuerungsmöglichkeit durch die politische Kaste generieren, welche eine autozentrierte, nachhaltige Entwicklung hin zu marktwirtschaftlicher Struktur/Wettbewerbsfähigkeit erst ermöglicht.
    Staaten die dieses Konzept so in etwa verfolgen sind bspw. China oder Vietnam. Marktwirtschaft erzeugt die globale Wettbewerbsfähigkeit verbunden mit einem Aufstieg vergleichsweise breiter Bevölkerungsschichten. Natürlich wird man schauen müssen inwiefern die polit. Kaste bereit ist, zukünftig ihren Status weiterem Wachstum und „Fahrstuhleffekt“ zu opfern.
    Während Staaten die Sozialismus wirklich ernst nehmen, bspw. Nordkorea oder Venezuela, schlicht im Arsch sind.

    „Wenn es die Gesellschaft nicht stört, dass Klatten eine weitere Milliarde verdient, solange nur der Müllfahrer seine zwei Prozent Lohnerhöhung bekommt, rasselt sie unweigerlich in den Darwinismus.“

    Oder ein Staat wie Simbabwe, der das Credo – nimm von den Reichen und gibs den Armen – ernst nimmt. Ergebnis, die gesamte landwirtschaftl. Produktion ist eingebrochen und dadurch fehlen nicht zuletzt dringend benötigte Devisen, die man im Export hätte erwirtschaften können.
    Das Problem von Sozialisten ist, dass sie seit Jahrzehnten die realen Auswirkungen sozialistischer Systeme ignorieren und zu sehr an den Buchstaben eines im 19. Jhr. von Marx verfassten Werks kleben, weil sie selbst keine Lösungen haben genau die Punkte an ihrem Denken zu modernisieren, die in den heutigen Erkenntnisraum schlicht nicht mehr passen.

    „Stattdessen schaut er beispielsweise zu, wie die Verwertung im Immobiliensektor abläuft. Wir, neoliberal verseucht, finden es völlig normal, wenn ein Altbau, der sich seit 100 Jahren amortisiert hat, 5000 Euro den Quadratmeter kostet.“

    Das ist eben wieder so eine leere Hülse. Klar gibt es massive Probleme mit extrem schnell ablaufenden Verdrängungseffekten vor allem in wachsenden Regionen (und das sind vornehmlich, aber nicht nur, Großstädte) und da braucht es neue Überlegungen, wie man eine soziale Durchmischung befördern kann – oder diese Effekte insofern verlangsamt, dass sie sich in einem Zeitfenster abspielen, in welchem z. B. Suburbanisierungstendenzen etc. wieder auftreten könnten. Oder neue Wohnformen, besserer ÖPNV Anschluss etc. Eben für breite Milieus eine lebenswerte Wohnumgebung zu ermöglichen, welche auch genau die soziale Interaktion befördert, aus welcher die wirtschaftl. Stärke und Resilienz gegenüber vielfältigen Faktoren, vor allem der westl. Kulturräume, erst erwachsen ist.
    Was du so nonchalant oft in den Raum wirfst beförderte aber eine Verschärfung des Problems und kann so nicht Teil der Lösung sein. Heute beschweren sich nicht wenige Berliner über ihre Mieten in Altbauten. Aber was ist die Alternative? Die Kosten für den Erhalt und die Restaurierung abgewirtschafteter Altbauten, müssen in irgendeiner Form sich im Mietpreis wiederfinden. Gehen wir davon aus, ein Vermieter würde niedrige Mieten nehmen, aber dafür nichts investieren – bei Neubauten würde eine pauschale Mietpreisdeckelung für Regionen angesetzt. Es gäbe kaum Investitionen, also Neubauten und keine Investitionen in den Erhalt bestehender Bausubstanz. Was in Berlin so ähnlich jahrzehntelang ablief, weshalb die Mieten vergleichsweise niedrig waren – aber oft genug bzgl der Wohnqualität- „you get what you pay for“. Die Folge wäre eine Abnahme an Mietfläche. Klar, nach deiner Logik enteignet Berlin dann eben die Hausbesitzer. OK. Und dann? Selbst dir sollte klar sein, dass die Stadt nicht die Investitionen tragen kann, die notwendig wären, die Mietfläche zu steigern. Dann enteignest du die Klatten und ein paar andere auch noch und wirst sauer, wenn du gesehen hast, dass die Milliarden die du in Programme steckst ohne nachhaltige Wirkung verpuffen, ala Venezulea.

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  20. Jakobiner schreibt:

    Dazu zwei Lesetips für Chinook und andere:

    Was ist links und was sind die Aufgaben der Linken?
    http://www.global-review.info/2016/06/17/was-ist-links-und-was-sind-die-aufgaben-der-linken/

    Weltkapitalismus: Nach Stagflation nun “säkulare Stagnation”
    http://www.global-review.info/2016/06/20/weltkapitalismus-nach-stagflation-nun-sakulare-stagnation/

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  21. genova68 schreibt:

    Alles klar: Sozialisten propagieren einen „neuen Menschen“, haben keine Ahnung von Wirtschaft und Gesellschaft und der Staat, der den Sozialismus am ernstesten nimmt, heißt Nordkorea.

    „Klar gibt es massive Probleme mit extrem schnell ablaufenden Verdrängungseffekten vor allem in wachsenden Regionen (und das sind vornehmlich, aber nicht nur, Großstädte) und da braucht es neue Überlegungen, wie man eine soziale Durchmischung befördern kann“

    Aha, Überlegungen.

    Zu den Altbauten ganz kurz:

    Ein 100jähriges Haus ist schon x-fach amortisiert, eine Miete von drei bis vier Euro warm deckt alle Kosten inklusive eines Modernisierungsvorschusses ab. Siehe Wiener kommunale Altbauten. Alles über diesen vier Euro geht in die Taschen des Kapitals – leistungsloses Einkommen.

    Was behauptest du, Chinook, stattdessen?

    „Gehen wir davon aus, ein Vermieter würde niedrige Mieten nehmen, aber dafür nichts investieren – bei Neubauten würde eine pauschale Mietpreisdeckelung für Regionen angesetzt. Es gäbe kaum Investitionen, also Neubauten und keine Investitionen in den Erhalt bestehender Bausubstanz. “

    Und dann das:

    „Selbst dir sollte klar sein, dass die Stadt nicht die Investitionen tragen kann, die notwendig wären, die Mietfläche zu steigern.“

    Hä? Wer ist „die Stadt“? Eine kapitalistisch organisierte Stadt kann das in der Tat nicht, weil dann Bodenpreise entstehen, die kein günstiges Wohnen ermöglichen. Aber das ist eben wieder eine Frage gesellschaftlicher Strukturen.

    Es ist einfach alles falsch, was du schreibst. Aber wenn man einfach die Ideologie der Kapitalverwertung übernimmt, kommt so ein Denken raus. Gegen eine solche Dogmatik kommt das beste Argument nicht an.

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  22. Jakobiner schreibt:

    Was ist links und was sind die Aufgaben der Linken?

    Seit dem Ende des Kalten Kriegs erklären viele Menschen, dass es kein links und rechts mehr gebe, nur noch rinks und lechts und diese Abgrenzungen keine Bedeutungen mehr hätten, ja man auch Querfronten bilden könne. Dass etwa Syriza mit den rechten Unabhängigen Griechen eine gemeinsame Koalition zur Durchsetzung der EU-Austeritätspolitik eingehen, wird da als Beispiel gebracht, dass die bisherigen Unterschiede sich auflösen würden. Oder dass der rechte, neoliberale philipinische Präsident Duterte in seine Regierung maoistische Kommunisten als Minister aufgenommen hat oder nun Teile der ehemaligen Kommunistischen Partei Italiens zum Anti-Establishmentbündnis mit der rechtspopulitischen 5- Sternebewegung Beppo Grillos aufrufen, scheint selbige These zu unterstreichen. Es wäre so, als wenn die Linkspartei mit der AfD eine gemeinsame Regierung eingehen würde. Meiner Ansicht hängt dies auch damit zusammen, dass es in der traditionellen Linken einen ausgeprägten Nationalismus, der sich vor allem am Nationalstaat orientiert gab, eine gewisse Volkstümelei verfolgte und sich unter Kommunismus nur eine zentralistische Planwirtschaft unter der Diktatur einer Partei vorstellte und daher autoritäre Lösungen aller gesellschaftlichen Probleme bevorzugt.Während Marx , Lenin und Trotzki, die zwar auch autoritär dachten, noch den Weltmarkt als grossen Vereiniger sahen, die Globaliserung sahen, einen internationalen Weltsowjet als Gegenmodell einer bürgerlichen Globalisierung, die in Nationalismus, Standortkonkurrenz, Imperialismus, Faschismus und Welktriegen münden musste und dies auch tat als Ziel hatten, so wurde dies spätestens unter Stalin, Mao, Ho Chi Minh, Castro, Kim Il Sung,Pol Pot in einen Nationalkommunismus überführt, der reaktionäre rechte Elemente geradezu beförderte. Dennoch polarisieren sich heutige Politiker angesichts eines Jahrzehnts der gefeierten Mitte wieder immer mehr in rechts und links, sei es nun Bernie Sanders und Trump, Le Pen und Melechon oder die AfD und die Linkspartei.

    Jürgen Elsässer, der Nationalbolschwist, der sich für Querfronten ausspricht, wird jedoch von klarer denkenden Rechtsradikalen wie Götz Kubitschek ausgebremst. Kubitschek erklärte ganz offen, dass der Unterschied zwischen Linksnationalisten und Rechstnationalisten eben sei, dass erstere immer noch an die Gleichheit der Menschen glaubten, während die Rechte an die Ungleichheit der Menschen glaubte.Das ist schon ein wesentlicher Hinweis auf eine Unterscheidbarkeit, aber reduziert sich auf den alten Gegensatz zwischen bürgerlichen Aufklärungsidealen von Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheitlichkeit im Gegensatz zu den reaktionären Vorstellungen.

    Jedoch ist die Berufung auf die Gleichheit der Menschen,dieses von allen, auch Linken vorgetragene “Buntsein”, unabhängig von Religion, Rasse, Geschlecht und anderen Identitäten ein relativ schwaches Alleinstellungsmerkmal für eine Linke, da dies auch bürgerliche Kräfte und Reformisten teilen, zumal eben auch das Kapital und seine globalistische Entwicklung das Prinzip der Gleichheit der Menschen nur noch aufgrund von Leistungsfähigkeit und Sozialdarwinsismus unterscheiden, aber Religion, Rasse, Geschlecht oder Ethnie ihm ziemlich egal sind ,solange diese Leute gut.als individuelle Arbeitsnomaden oder eben im Team funktionieren zwecks Kapitalakkumalion. Es ist auch kein Zufall, dass die UNO-Menschenrechtscharta da keine Diskriminierung aufgrund von Klassen kennt, sondern sich dem bürgerlich-kapitalistischen Ideal von Gleichheit anschließt und auch Sozialdarwinismus nicht bannt. Von daher ist die Berufung einer Linken auf die Gleichheit des Menschen kein Alleinstellungsmerkmal und ohne den Kampf gegen soziale Diskriminierung unvollständig.

    Ich möchte daher mal auf eine andere Vision kommen, um überhaupt noch eine Perspektive für links aufzuzeigen.

    Die letzten verbliebenen linken Systeme schwanken zwischen dem Sozialismus des 21, Jahrhunderts Venezuelas, dem staatskapitalistisch-oligarchischem System Chinas oder Vietnams oder den Ideen einer Arbeiterbeteiligung an den Betrieben einer Ludwig Erhardtschen sozialen Marktwirtschaft einer Sarah Wagenknecht, vielleicht noch zwischen Forderungen von Teilen des Silicon Valleys, deutscher Unternehmer und der Piraten nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, zumal alle ja Nordkoreas System ablehnen.

    Dies sind die wesentlichen Impulse der Linken und daran orientieren sich die meisten.Ausgespart bleibt die weitere Produktivkrfatentwicklung von Industrie 4.0 und der Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft, sowie eben die ganzen neuen Produktivkraftentwicklungen im Silicon Valleys und ähnlicher Orte, wo schon längst auch künstliche Intelligenz, Transhumanismus ala Ray Kurzweil und seinem Menschheit 4.0 und anderes diskutiert wird. Das Interview mit Deutschlands Starpopulärphilosophen David Precht mit Sarah Wagenknecht ist mir da noch in guter Erinnerung. Precht versuchte Wagenknecht klarzumachen, dass im Silicon Valley riesige Produktivkraftentwicklungen vor sich gehen, ja es eben auch die „Californian Ideology“gibt, die mittels ihrer technologischen Produktivkraftsentwiclungen heute die wesentlichen Treiber der Utopienproduktion ist. Mit all ihren utopissischen, sozialdarwinistsichen Ausformungsmöglichkeiten.Wagenknecht wusste wie die meisten Linken gar nicht worüber Precht sprach,Es ist auch bezeichnend, dass ein Claus Kleber in seinem ZDF-Beitrag “Silicon Valley–Schöne neue Welt” kurz vor Mitternacht über das Silicon Valley und die visionären Technologien dem Publikum überhaupt einmal nahebringen muss, was im Silicon Valley schon seit Jahrzehnten geschieht. Jedenfalls zeigt dies wie auch die mangelnde Literatur innerhalb der Linken bezüglich Produktivkraftentwicklungen, dass dies ein weißer Fleck ist. Wie schon bei den als Nebenwidersprüchen erklärten Frauenemanzipation, Emanzipation der Homosexuellen, dem Ignorieren ökologischer Fragen,etc. scheint die Linke nun auch die ganzen neuen Fragen der kommenden Produktivkraftentwicklung und ihrer gesellschaftlichen, nicht nur wirtschaftlichen Implikationen mal wieder gehörig zu verschlafen.

    Ebenso fehlt die Diskussion um andere Wirtschaftssysteme als die oben genannten linken Entwürfe. Hier haben bürgerliche, ja sogar exfeudalistische Ideologen schon die Führung übernommen. Sei es nun die sharing economy eines Jeremy Riffkin, der auch schon einmal einer Merkel Vorträge hält, sei es nun das Bruttonationalglücks Bhutans, das den bisherigen BSP- Ökonomismus ganzheitlich infrage stellt und ein neues Wirtschaftsmodell in Aussicht stellt, das schon von der Enquettekomission des Deutschen Bundestags diskutiert wird, aber bei der Linken gar nicht wahrgenommen wird.Man mag diese Systeme zwar kritisieren, aber es zeigt eben, dass bürgerliche und sogar exfeudalistische Kräfte mehr scheinbar antikapitalistische Modellbildung drauf haben als die Linke.Die Heilsversprechen einer sharing economy und ihrer Utopie, wie auch ihre konterrevolutionäre Rolle verdeutlicht der südkoreansiche Philosoph Byung Chul- Han in einem Beitrag der SZ sehr gut:

    “Kommunismus als Ware, das ist das Ende der Revolution

    Aus heutiger Sicht wirken die notwendigen Angaben wie Beruf, Schulabschluss oder Entfernung zum Arbeitsplatz fast lächerlich. Es war eine Zeit, in der man glaubte, dem Staat als Herrschaftsinstanz gegenüberzustehen, der den Bürgern gegen deren Willen Informationen entreißt. Diese Zeit ist längst vorbei. Heute entblößen wir uns aus freien Stücken. Es ist gerade diese gefühlte Freiheit, die Proteste unmöglich macht. Im Gegensatz zur Zeit der Volkszählung protestieren wir kaum gegen die Überwachung. Freie Selbstausleuchtung und -entblößung folgt derselben Effizienzlogik wie die freie Selbstausbeutung. Wogegen protestieren? Gegen sich selbst? Diese paradoxe Situation bringt die amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer mit ihrem “truism” zum Ausdruck: “Protect me from what I want.”

    Es ist wichtig, zwischen setzender und erhaltender Macht zu unterscheiden. Die systemerhaltende Macht nimmt heute eine smarte, freundliche Form an und macht sich dadurch unsichtbar und unangreifbar. Das unterworfene Subjekt ist sich hier nicht einmal seiner Unterworfenheit bewusst. Es wähnt sich in Freiheit. Diese Herrschaftstechnik neutralisiert den Widerstand auf eine sehr effektive Art und Weise. Die Herrschaft, die Freiheit unterdrückt und angreift, ist nicht stabil. Das neoliberale Regime ist deshalb so stabil, immunisiert sich gegen jeden Widerstand, weil es von der Freiheit Gebrauch macht, statt sie zu unterdrücken. Die Unterdrückung der Freiheit provoziert schnell Widerstand. Die Ausbeutung der Freiheit dagegen nicht.

    Nach der Asienkrise war Südkorea gelähmt und geschockt. Da kam der IWF und gab den Koreanern Kredite. Dafür musste die Regierung die neoliberale Agenda gewaltsam gegen Proteste durchsetzen. Diese repressive Macht ist die setzende Macht, die häufig auf Gewalt zurückgreift. Aber diese setzende Macht unterscheidet sich von der systemerhaltenden Macht, die im neoliberalen Regime sich sogar als Freiheit gibt. Für Naomi Klein ist der gesellschaftliche Schockzustand nach Katastrophen wie der Finanzkrise in Südkorea oder Griechenland die Gelegenheit, die Gesellschaft gewaltsam einer radikalen Neuprogrammierung zu unterwerfen. Heute gibt es in Südkorea kaum Widerstände. Es herrscht dagegen ein großer Konformismus und Konsens mit Depression und Burn-out. Südkorea hat heute weltweit die höchste Suizidrate. Man wendet Gewalt gegen sich selbst an, statt die Gesellschaft verändern zu wollen. Die Aggression nach außen, die eine Revolution zur Folge hätte, weicht einer Selbstaggression.

    Heute gibt es keine kooperierende, vernetzte Multitude, die sich zu einer globalen Protest- und Revolutionsmasse erheben würde. Vielmehr macht die Solitude des für sich isolierten, vereinzelten Selbst-Unternehmers die gegenwärtige Produktionsweise aus. Früher standen Unternehmen miteinander in Konkurrenz. Innerhalb des Unternehmens war dagegen eine Solidarität möglich. Heute konkurriert jeder mit jedem, auch innerhalb eines Unternehmens. Diese absolute Konkurrenz erhöht zwar die Produktivität enorm, aber sie zerstört Solidarität und Gemeinsinn. Aus erschöpften, depressiven, vereinzelten Individuen lässt sich keine Revolutionsmasse formen.

    Man kann den Neoliberalismus nicht marxistisch erklären. In ihm findet nicht einmal die berühmte “Entfremdung” von der Arbeit statt. Heute stürzen wir uns mit Euphorie in die Arbeit bis zum Burn-out. Die erste Stufe des Burn-out-Syndroms ist eben die Euphorie. Burn-out und Revolution schließen sich aus. So ist es ein Irrtum zu glauben, dass die Multitude das parasitäre Empire abwirft und eine kommunistische Gesellschaft installiert.
    Die Ökonomie des Teilens führt zu einer Totalkommerzialisierung des Lebens

    Wie steht es heute mit dem Kommunismus? Überall wird Sharing und Community beschworen. Die Sharing-Ökonomie soll die Ökonomie des Eigentums und des Besitzes ablösen. “Sharing is Caring”, “Teilen ist Heilen”, so heißt eine Maxime der “Circler” im neuen Roman von Dave Eggers, “The Circle”. Die Pflastersteine, die den Fußweg zur Firmenzentrale von Circle bilden, sind durchsetzt mit Sprüchen wie “Sucht Gemeinschaft” oder “Bringt euch ein”. Caring is Killing, sollte es aber eigentlich heißen. Auch die digitale Mitfahrzentrale “Wunder Car”, die jeden von uns zum Taxi-Fahrer macht, wirbt mit der Idee der Community. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass die Sharing-Ökonomie, wie Jeremy Rifkin in seinem jüngsten Buch “Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft” behauptet, ein Ende des Kapitalismus, eine globale, gemeinschaftlich orientierte Gesellschaft einläutet, in der Teilen mehr Wert hätte als Besitzen. Im Gegenteil: Die Sharing-Ökonomie führt letzten Endes zu einer Totalkommerzialisierung des Lebens.

    Der von Jeremy Rifkin gefeierte Wechsel vom Besitz zum “Zugang” befreit uns nicht vom Kapitalismus. Wer kein Geld besitzt, hat eben auch keinen Zugang zum Sharing. Auch im Zeitalter des Zugangs leben wir weiterhin im “Bannoptikum”, in dem diejenigen, die kein Geld haben, ausgeschlossen bleiben. “Airbnb”, der Community Marktplatz, der jedes Zuhause in ein Hotel verwandelt, ökonomisiert sogar die Gastfreundschaft. Die Ideologie der Community oder der kollaborativen Commons führt zur Totalkapitalisierung der Gemeinschaft. Es ist keine zweckfreie Freundlichkeit mehr möglich. In einer Gesellschaft wechselseitiger Bewertung wird auch die Freundlichkeit kommerzialisiert. Man wird freundlich, um bessere Bewertungen zu erhalten. Auch mitten in der kollaborativen Ökonomie herrscht die harte Logik des Kapitalismus. Bei diesem schönen “Teilen” gibt paradoxerweise niemand etwas freiwillig ab. Der Kapitalismus vollendet sich in dem Moment, in dem er den Kommunismus als Ware verkauft. Der Kommunismus als Ware, das ist das Ende der Revolution.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256

    Byung Chul-Hans Statement, dass man den Neoliberalismus nicht marxistisch erklären könne, stimmt nur teilweise, da man den wirtschaftlichgen Teil des Neoliberalismus durchaus marxistisch und sehr gut erklären kann, aber er verweist eher darauf, dass der heutige Marxismus der Linken sich vor allem auf Ökonomiestudium und nicht auf Produktivkraftentwicklung und deren gesellschaftliche, geopolitische und ideologischen Implikationen in bester Tradition der Frankfurter Schule mit ihrer Ideologiekritik erweitert, sondern dies getrennt, wenn überhaupt macht und kein holistisches, ganzheitliches Bild vom Kapitalismus, seinen Entwicklungen und Gesetzmäßigkeiten und seiner Kritik und daraus entstehenden Gegenmodellen entwirft, die man aber auch bei ihm vermisst.Byung vertritt da auch nur eine auf Hip gemachte postmoderne Schule des Dekonstruktivismus,der sich vor allem sehr liberal auf die Instrumentalisierung des Freiheits- und Transparenzbegriffs fokusiert und der die Möglichkeiten einer Revolution grundsätzlich infrage stellt, zugleich aber zum Widerstand aufruft.

    Desweiteren: Die Erfahrungen, dass es meist auf der Linken nur die Alternative zwischen Anarchismus und Kommunismus gab, also zwischen völliger Dezentralität und totalitärer Zentralistät, die auch die Ebenen der Ökonomie und der Politik gleichschaltete, zeigt eben, dass man sowohl eine neue Ökonomie braucht, wie auch ein anderes politisches System. Nun hoffen einige, dass nach einer Revolution sich alles spontan aufgrund einer höheren Ratio selbstorganisieren würde, es keinen Staat,vielleicht noch eine Verwaltung und nicht einmal das, sondern sich eine totale, sich selbstdurchorganiserende Gesellschaft einstellen würde, während ich daran nicht glaube, sondern eher davon ausgehen, dass eine linke Gesellschaft mehrere Verfassungsentwürfe in die Breite diskutieren, vorschlagen würde, es also ein breiter Partizipationsprozess mit breiten gesellschaftlichen Erörterungen, Diskussionen, die um die besten Modelle streitet und nicht etwas Aufokroytiertes wäre, zur Abstimmung vorlegen sollte, die eine Gewaltenteilung und eine mehr an Poppers offener Gesellschaft orientierte Gesellschaft zur Abstimmung haben solte. Nun werden da zwei Vorwürfe dagegen erhoben: Zum einen, dass eine Verfassung totalitär sei und top-down. Wie gesagt: Man hätte da schon einige Vorschläge, die aber abänderbar, diskutierbar und auch abstimmbar wären. Dagegen möchte ich zudem argumentieren, dass eine Verfassung halt die klaren politischen und ökonomischen Kompetenzen der Arbeiter- und sonstigen Vertretungen und ihrer Verbindung zu einem neuen Wirtschaftssystem festlegt, es also keine Willkür gibt, sondern eben eine Rule of Law.Zum zweiten ist mir dieser sich selbstorganisierende Begriff von Gesellschaft zu schwammig. Er setzt vorraus, dass es eine Art Schwarmintelligenz gebe, die alles nach einem höheren Prinzip der Vernunft aus sich selbst heraus selbstorganisieren würde. Die anarchistischen Selbstverwaltungsversuche der Geschichte, die sich niemals zuvor Gedanken über eine Verfassung gemacht hatten, sondern alles dem freien Spiel des Chaos und der freien Kräfte überantwortet, sprechen da klar dagegen, wie eben auch die dann totalitären Gegenplanungen des Leninismus und Stalinismus, die schon ihre Verfassungen im Gepäck hatten, aber gar nicht zur Diskussion oder gar Abstimmung stellten und in die LÜcke des libartärkommunistischen Chaos der Anarchisten dann ihre totalitären Regime durchsetzen konnten.. Beide Extreme der völligen Planlosigkeit und der Hoffnung auf Selbstorganisation, wie auch der völligen zentralistischen Planung mit aufoktroyiertem System und Verfassung sollte man als geschichtliche Lehre eben vermeiden.Wenn man eine Revolution macht, sollte man verschiedene Verfassungsentwürfe zur Wahl stellen,diese und Alternativen dazu breit diskutieren und die revolutionären Massen darüber abstimmen lassen.Auch sollten diese Verfassungen so beschaffen sein, dass sie eben Gewaltenteilung und andere normale Freiheiten und Minderheitenschütze als selbstverständlcih voraussetzen. Desweiteren sollte man eine grundlegende Kritik des Nationalstaats bringen hin zu einer Diskussion zu mehr internationaler Kooperation, globalen Institutionen, ja auch eines Weltstaats, eines Weltsowjets oder zumindestens grösseren Einheiten, da alle Linke sich im Nationalstaat eingebürgert haben und keine grössere Weltvision mehr haben.Die Geschichte des Kommunismus des 20. Jahrhunderts war vor allem eine Geschichte der Nationalkommunismen und hat ihren letzten tragischen Ausläufer heute noch in Nordkorea

    Bisher ist die Linke in Sachen Diskussion um die Produktivkraftentwicklung und ihre Implikationen, die Diskussion eines neuen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems, sowie linken Verfassungen als auch der Perspektive einer Transzendierung über den Nationalstaat hinaus ein einziges totes Biotop und hat daher auch keine Ausstrahlungskraft. Das gilt es zu ändern. Vielleicht ist die neue Vision der Linken: Globalismus als internationalistischer Liberalkommunismus- in Abgrenzung zu den anarchistischen, libertärkommunitischen Schwarmintelligenzvorstellungen einer sich selbstorganisierenden Gesellschaft, die nur im Chaos und neuem Leviathan endet oder stalinistischen Zentralstaatstotalitarismen und zumal mit internationalistischer Ausrichtung im Gegensatz zum bisherigen Nationalkommunismus und seinem “Sozialsmus in einem Land”. Der Weltmarkt und die Globalisierung treiben auf eine internationale Arbeitsteilung der Produktivkräfte und eben auf eine internationale Organisation eines Globalsimus, der sich als Liberalkommunismus versteht hin und nicht mehr auf regionale oder nationalstaatliche Lösungen.

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  23. Jakobiner schreibt:

    Ganz interessanter Artikel über die sogenannte und vielbeschworene „Mitte“ von Herfried Münkler–er bestreitet die Gleichsetzung von sozialer und politischer Mitte, glaubt auch nicht, dass keynesianistische Konjunkturprogarmme die Polarisierung der politischen Mitte verhindern könnten, da die politische Mitte für einen gewissen Reflexionsstil und eine politische (Disjkussions-) Kultur stehe..

    Aber er macht es sich auch etwas zu einfach, die politische Mitte nur als unausgesprochenen Vertreter der differenzierten Vernunft zu sehen und geht auch gar nicht auf die inhaltlichen Auseinandersetzungen ein.

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/serie-mittelschicht-die-mitte-ein-hochgradig-gefaehrdeter-ort-1.3047923

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  24. genova68 schreibt:

    Danke für den Link.

    Man kann fragen, ob Keynes Rechtsradikalismus verhindert, klar. Alleine er sicher nicht, aber es ginge um die Frage von Solidarität in der Gesellschaft. Die wird immer weiter durch Konkurrenz abgelöst. HannesWurst hat kürzlich einen Link zu einer Panoramasendung ausgebuddelt, in der darum geht, dass Neubauten nur noch für eine kleine Minderheit bezahlbar seien:

    In München etwa kann sich eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von ca. 4200 Euro 91,8 Prozent aller angebotenen privaten Neubauwohnungen schlicht nicht mehr leisten, sollen nicht mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete draufgehen. In Berlin kommt für einen Single, der 2300 Euro verdient, sogar nur jede 40. private Neubauwohnung infrage. Für alle, die weniger verdienen, gilt: Viel Spaß bei der Wohnungssuche.

    Und zwar auf der Basis, dass man nicht mehr als 30 Prozent seines Einkommens für die Miete ausgibt.

    Wer schafft denn da die Mitte ab? Das durch die Mitte etablierte Wirtschaftssystem.

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/immobilien-preise-neubauten-101.html

    Da braucht man keinen faselnden Münkler, der mit Analyse mit Bräsigkeit verwechselt. Er redet einem Neoliberalismus das Wort, indem er Keynes diffamiert und behauptet einfach, eine fehlende Diskussionskultur sei das Problem. Politiker sagen in so einem Fall, man müsse den Menschen da draußen ein Projekt einfach nur besser erklären, so wie einem störrischen, dummen Kind.

    Münkler ist ein weiteres Beispiel für den Niedergang des Bürgerlichen. Solche Leute haben außer Phrasen einfach nichts mehr anzubieten. Es ist eine Ratlosigkeit, die aufgrund des selbstgewählten Instrumentariums entstand.

    Der letzte Satz zeigt das Dilemma:

    „Die politische Mitte muss sich auf das zurückbesinnen, was sie ausmacht und was sie von den Rändern des Parteienspektrums unterscheidet.“

    Diese Mitte hat in den vergangenen 20 Jahren zu den neoliberalen Verwerungen geführt und dazu, dass nur noch ein paar Prozent sich Neubauwohnungen leisten können. Das kann dann wohl nicht die Mitte sein. Laut Münkler geht es aber nur um fehlende Diskussionskultur. Es ist eine selbstentmündigende Politik, die gemacht wird, via Kapitalismuszwängen, und genau diesen Analyseschritt geht Münkler nicht, weshalb Süddeutsche und Co. so wertlos geworden sind, nimmt man ein paar gute Leute wie Laura Weissmüller oder Niklas Maak bei der FAZ heraus.

    Politisch betrachtet ist Mitte doch eh ein sinnloser Begriff. Es geht um rechts und links und Mitte ist blabla. Was soll das denn sein, abgesehen von Selbstzuschreibungen wie vernünftig, bedächtig, unvoreingenommen, kritisch. Der Niedergang der Parteienlandschaft ist ja nicht nur ein realer in Bezug auf neoliberale Politik, sondern auch eine Entpolitisierung, weil alle Parteien in der Mitte sein wollen. (Und die sorgen dann dafür, dass die Mittelschicht kleiner wird. Eine super Idee.)

    Noch skurriler wird es, schaut man sich den Titel von Münklers neuestem Buch an:

    „Macht in der Mitte – Die neuen Aufgaben Deutschlands in Europa“

    Jezt haben wir schon drei Mittes: eine soziale, eine politische und eine geographische. Münkler scheint einen Mittetick zu haben. Hauptsache in der Mitte bleiben, dann wird alles gut.

    Aber Münkler fühlte sich ja auch schon von einem Mini-Blog an den Faschismus erinnert. Eine echte Koryphäe.

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  25. Chinook schreibt:

    Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, was jetzt genau deine Kritik an der im Text von Münkler aufgestellten These ist.

    Deine generelle Kritik, dass das Kapital und der Neoliberalismus für alle Probleme weltweit verantwortlich zeichnen und sich deahalb vor allem in Berlin niemand mehr Wohnungen leisten kann, schließt ja nicht zwingend aus, das Münklers These der Relevanz öffentlicher politischer Diskussionskultur relevant sein könnte.

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  26. Jakobiner schreibt:

    Gute Antwort, Genova. Hat mir sehr gut gefallen.Vor allem auch der Hinweis auf den „Mittetick“, der angeblich kein links und rechts mehr kenne. Zu Münklers „Die Mitte“-Thesen gibt´s auch einen Artikel auf Leo Bruxens Blog, wobei mir seine Entgegnung nicht so gut gefällt wie deine–villeicht solltest du deinen hiesigen Kommentar ja dort auf die Kommentarliste setzen:

    http://blog.initiativgruppe.de/2016/06/25/die-mitte/

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  27. Jakobiner schreibt:

    Man muss den Münklerartikel im Kontext der SZ-Serie zur Mitte sehen. Nachdem Münkler den Keyensianismus infrage stellt, stellt ein weiteres Interview der SZ mit einem Soziologen auch den Abstieg der Mittelklasse infrage („eingebildeter Abstieg“), desweiteren werden in anderen Artikeln Pikettys Ergebnisse zur Einkommensumverteilung infrage gestellt–also ein neoliberales „Weiter so!“.

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/soziologe-stephan-lessenich-ueber-die-mittelschicht-der-eingebildete-abstieg-1.3037190?reduced=true

    Noch zum Keyneisanismus und dem Neoliberalismus ein Artikel von Global Review:

    „Nach dem mehr keynesiantischen Programm in westlichen Staaten seit Rossevelts New Deal, die infolge der kapitalistischen Weltwirtschaftskrise 1929 aufgelegt wurden, kam der Weltkapitalismus nach 2 Jahrzehnten eines Nachkriegsbooms in den 70er Jahren in die sogenannte “Stagflation”, d.h. dass trotz hoher Inflation die Wachstumsraten niedrig blieben. Helmut Schmidt hatte damals noch die Devise “Lieber etwas mehr Inflation als mehr Arbeitslose”. Diese Rechnung ging nicht mehr auf. Zum einen hing dies damit zusammen, dass die noch relativ geschlossenen Volkswirtschaften des Westens infolge der einsetzenden Globalisierung und der Herausbildung des europäischen Wirtschaftsraumes sich immer mehr öffneten und die nachfrageorientierten Multiplikatoreffekte keynesianistischer antizyklischer Programme deutlich verringerten. Spätestens mit Reagan und Thatcher gingen westliche Regierungen dann zur angebotsorientierten Politik über, die in Deregulierung der Märkte, “Entbürokratisierung”, Schwächung der Gewerkschaften, Privatisierungen, Austeritätspolitik, Sozialabbau und anderen Maßnahmen ihre Rettung sahen. Der Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks, sowie die prokapitalistischen Wirtschaftsreformen unter Deng Xiaoping in China, der Aufstieg der BICS-Staaten und der emerging economies boosteten die Globalisierung erst so richtig, so dass die 90er Jahre bis zur Asienkrise 1997 als das glodene Zeitalter der Globalisierung erschien. Paul Krugmann nannte die Asienkrise jedoch die “erste Krise der Globalisierung”, bei der erstmals auch Japan als erstes G-7-Land des kapitalistischen Zentrums erfasst wurde und fragte in seinem Buch, ob das nächste Mal die tektonischen Erschütterungen des Weltkapitalismus nun nicht mehr über die Peripherie, die immer kleiner wurde, sondern selbst aus den kapitalistischen Zentren erfolgen würde. Dotcom-Blase 2001 und Finanzkrise 2008 folgten. Das Kapital hatte in die BRICS-Staaten und emerging economies bis zur Sättigung investiert, wodurch es zu einer Überakkumulationskrise kam. Das Kapital hatte keine weiteren Verwertungsmöglichkeiten mehr gefunden und es wäre schon früher zur Finanzkrise oder einer Weltwirtschaftskrise gekommen, hätte die US-Regierung nicht mittels der Deregulierung der Finanzmärkte in den 90er Jahren und dem System der subprime-Hypothekenkredite ein Auslassventil für überakkumuliertes Kapital eingerichtet. Da dies ein Schnellballsystem war, kollabierte dieses auch in Form der Finanzkrise, die sich im Falle Europas zu einer Staatsschulden- und Eurokrise samt Rettungsschirmen und bail-outs- transformierte.Die Zentralbanken wurden infolge immer wichtiger für die Revitaliserung der Wirtschaft und die Banken-/Staatenrettungen.Zumal sie nun dem japanischen Beispiel der Niedrigzinspolitik folgten, um den Weltkapitalismus wieder anzukurbeln. Diese Grenzen sind nun anscheinend erreicht. Faktisch existiert in allen wesentlichen Industrieländern Nullzinspolitik, ja inzwischen werden auch schon die ersten Negativzinsen eingeführt, als ob man von einer tendenziell fallenden Zinsrate als dem Gesetz des Kapitalismus reden könnte.Nach der Stagflation der 70er Jahre taucht nun als Beschreibung des neuen Zusatnds der Begriff “säkulare Stagnation”auf, d.h langfristige Stagnation der Weltwirtschaft trotz Niedrigst- und Negativzinsen. Die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik scheint nun an ihre Grenzen zu gelangen. Japan, dass schon seit Jahrzehnten eine Niedrigzinspolitik verfolgt ohne aus seiner deflationären Stagnation herauszukommen, schlug nun beim G-7-Gipfel ein keynesianistisches Weltkonjunkturprogramm der kapitalistischen Staaten vor, was jedoch von der US- und deutschen Regierungen, sowie den anderen G-7-Staaten abgelehnt wurde, die weiterhin auf Austeritäts- und neoliberaler Wirtschaftspolitik samt sogenannten Strukturreformen setzen, also am sogenannten “Washington Consensus”festhalten. Da keynesiansitsche Programme national kaum mehr wirken, bedarf es als Alternative auch eines internationalen keynesianistischen Programms vieler der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt gleichzeitig, damit diese überhaupt einen Multiplikatoreffekt haben kann. Davon ist jedoch aufgrund der Standortkonkurrenz nichts zu sehen. Ausnahme ist das staatsoligarisch-kapitalistische China, das nun seine eigene Wachstums- und Überproduktionskrise im Stahl-, Bau-, Beton-, Zugsektor neben Dumpingexporten nun auch mit einem globalen keynesanistischen Infrastrukturprogramm in Asien, Afrika und Europa namens One- Belt- One- Road- Initiative zu lösen sucht und nun sowohl eine maritime, wie auch eine kontinentale Neue Seidenstrasse bauen will, die gigantische Infrastrukturbauten, neue Handelswege, neue Wirtschaftszentren vorsieht, die die bisherige Peripherie mehr ans erhoffte neue Zentrum der Weltwirtschaft, China anbinden sollen. Dies führt auch zu Diskussionen, ob das chinesische Wirtschaftssystem inzwischen eine Alternative zu dem westlichen Wirtschaftssystem wird, da es aufgrund seiner mehr staatlichen Lenkungselemente imstande sei über Staatsfonds und keyensianistische Programme global und strategisch zu agieren, während die westlichen Systeme eher nur dem schnellen Profit des Einzelunternehmens gehorchen. Jedenfalls zeigt die Weltwirtschaft all jene Symptome, die Marx in seinem Kapital so trefflich beschrieben hat. Inwieweit es sich um eine Überproduktionskrise, eine Überakkumulationskrise, die Folge der Erhöhung des konstanten Kapitals infolge der mikroelektronischen Digitalisierungsrevolution handelt, das die abstrakte Arbeit wegrationalisiert und zu einer historischen Schranke des Kapitalismus führt, wie dies etwa die Krisisgruppe behauptet, wäre seitens Marxologen und Wirtschaftswissenschaftlern noch näher zu untersuchen. Dass aber nun führende Teile der US-Eliten von einer “säkularen Stagnation”sprechen, zeigt, dass die kapitalistische Krise eben nicht ein Zufall ist, sondern systembedingt und nicht mehr als vorrübergehend betrachtet wird.

    Die Ironie der Geschichte: Deng Xiaoping orientierte sich mit seinen Wirtschaftsreformen damals an Japan und den asiatischen Tigern und kleinen Drachen. Nachdem China nun die Führung übernommen hat, orientiert sich nun Japan wegen der global-keyenesianistischen OBOR-Initiative Chinas und aufgrund des Scheitern der westlichen Washington Consensus nun an China mit dem Vorschlag eines globalistisch-keyensianistischen Weltkonjunkturprogramms der G-7 und G-20.Times are changing.

    Wahrscheinlich wird es bei weiterem Anhalten der Krise nur drei Optionen geben: Ein Weitermachen des alten neoliberalen , angebotsorientierten Washington-Consensus, bis die nächste Krise viel fataler ausbricht–vergleichbar 1929. Ein Paradigmenwechsel in der Wirtschaftspolitik der G-7-Staaten in Richtung eines internationalen keyensianistischen New Deals, vielleicht sogar nach Vorbild der chinesischen OBOR-Initiative oder aber es beginnen endlich einmal grundsätzliche Diskussionen um ein grundsätzlich neues Wirtschafts- und Politiksystem.“

    http://www.global-review.info/2016/06/20/weltkapitalismus-nach-stagflation-nun-sakulare-stagnation/

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  28. genova68 schreibt:

    Hi Jakobiner,
    bitte keine ganzen Artikel von andern Blogs hier reinkopieren. Es überfordert alle Beteiligten.

    Danke für das Lob für meinen Kommentar. Was mir dabei noch auffällt: Münkler verteidigt damit auch die Totalitarismustheorie, also linksaußen und rechtsaußen auf die gleiche Stufe zu stellen: Beides gleich gefährlich. Für einen Schmalspurdenker wie Münkler sicherlich.

    Wenn ich heute zum Thema Gentrifizierung das Stellen der Bodenfrage fordere, also ein Überdenken von Eigentumsverhältnissen und Marktlogik, bin ich aus der Mittesicht von Münkler sicher linksradikal und stehe damit auf der gleichen Stufe wie jemand, der die Deportierung von Ausländern fordert. Das ist das Ergebnis der Münklerschen Denke, und das ist sicher kein Zufall.

    Chinook,
    über die Relevanz von Diskussionskultur kann man gerne reden. Es geht um die Münklersche Voreinteilung in Gut und Böse.

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  29. Chinook schreibt:

    „über die Relevanz von Diskussionskultur kann man gerne reden. Es geht um die Münklersche Voreinteilung in Gut und Böse.“

    Eine solche sehe ich nicht, ebensowenig kann man aus dem Artikel, meiner Ansicht nach, schließen, dass Münkler Keynesianismus verurteilte. Seine aufgestellte These besagt lediglich, dass durch an Keynes angelehnte Konjunkturprogramme, selbst im Falle deren Gelingens, nicht zwangsweise die wirtschaftlich/bürgerliche Mitte wieder zur aktuellen politischen Mitte tendierte. Eine Haltung zu Keynes oder anderen Ansätzen und deren wirtschaftlichen Wirkungen nimmt er nicht ein.
    Seine These besagt, dass wirtschaftliche Einflussfaktoren die Tendenz der bürgerlichen Mitte zu politischen Richtungen verändern kann. Aber das dieser Prozess durch allein wirtschaftliche Einflussfaktoren nicht reversibel ist.
    Es herrscht also die spezifische politische Ausrichtung P1 und ein bestimmtes Wohlstandslevel W2. Dann sinkt der Wohlstand, die Unsicherheit nimmt zu. Die bürgerliche Klasse driftet aufgrund wirtschaftlicher Einflussfaktoren zur polit. Ausrichtung P2 und unterliegt dem schlechteren Wohlstandlevel W2. Jetzt führt man ein Konjunkturprogramm ein, welches wirkt und die bürgerliche Klasse auf das Wohlstandslevel W1 hebt. Ist es unter der Betrachtung anderer Entwicklungen, z.B. gesellschaftlicher etc. im Zeitraum von Stagnation bis wirkendem Konjunkturprogramm, nicht naiv anzunehmen, die Variable polit. Ausrichtung P(x) müsste sich zwangsweise durch die Veränderung des Wohlstandsniveaus W2 auf W1 wieder von der Ausprägung P2 auf P1 zurückentwickeln? Vielleicht entwickelt sich das Wohlstandsniveau von W1 auf W2 und zurück auf W1. Die polit. Ausrichtung jedoch schlicht von P1 zu P2 und verbleibt dort oder P1 zu P2 zu P3. Er hat nichts anderes gesagt, als dass der Faktor Wirtschaft politische Ausrichtungsänderungen in Schichten hervorrufen kann, aber eine dadurch veränderte politische Ausrichtung sich durch ein Wohlstandsniveau wie vor den polit. Ausrichtungsänderungen sich nicht zwangsweise in einer vergleichbaren polit. Ausrichtung der Schichten niederschlägt. Sondern er sieht eben die polit. demokratische Diskussionskultur auch als gesellschaftl./polit. Stabilisierungspfeiler.
    Ich halte diese These für valide, auch wenn diese Einsicht doch eher banal ist und in Diskussionen um nachholende Entwicklung schon vor einiger Zeit praktisch ausführlichst erörtert wurde. Allerdings ist es dennoch wichtig derlei Gedankengänge in eine öffentliche Diskussion in Deutschland einzubringen, weil hier doch sehr oft absolut statische Denk-Modelle bevorzugt werden, welche weniger die Realität abbilden als eine ideologische Ausrichtung dessen, der sie entwickelt/äußert.

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  30. Chinook schreibt:

    Was man Münkler zugute halten muss ist, dass er tatsächlich Thesen einbringt und durch seine Art der Argumentation insbesondere seinen Studenten neue Denkschemata nahe bringt.
    Der kleine von dir erwähnte „Mini-Blogger“ Zwergenaufstand ist doch auch ein Treppenwitz. DIese Studenten haben Münklers These vom Verfall der Diskussionskultur im Grunde ja bestätigt. Sie haben schlicht populistisch agiert und in ihrer Argumentation Versatzstücke Münklers Vorlesung so strukturiert/kommentiert/interpretiert, dass es zu dem a priori gegebenen Denkmuster ihrer Ideologie passte. Und selbst das noch ohne jedes logische oder rhetorische Niveau. Einer Diskussion, welche ihnen angeboten wurde, haben sie sich nicht gestellt; womit sie sich und ihre Ideologie der Lächerlichkeit preisgaben, sofern das überhaupt noch möglich war. Der intellektuelle Tiefstand der absolut Linken und der daraus resultierende Griff in die Populismus-Trickkiste, wurde jedenfalls exemplarisch verdeutlicht. Die Leute haben wirklich viel Spaß gemacht, nur halt anders als sie dachten. Zwei Einsichten blieben: Berliner Gender-Studies hatten eine Chance, der Output ist Scheiße, insofern gehört das abgeschafft – auch um naive Abiturienten zu schützen. Und die Mini-Blogger sind die Helden der Rigaer Straße und genau da gehören sie auch hin – da können sie dann versuchen Polizisten wegen Einbruchdiebstahl in Bezug auf Fahrräder zu verklagen und Facebook-Shitstorms organisieren. Das ist sicher eher deren Profession, als an einer Unis Politikstudenten zu nerven.

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  31. heinz schreibt:

    Münkler wurde von Kay Sokolowsky treffend beschrieben:
    „Es gibt zwei Kategorien von Intellektuellen: die kritischen und die integrierten. Zu welcher Sorte Herfried Münkler gehört, ist mit einem Blick in seine Vita schnell ermittelt: Als Jugendlicher, Ende der Sechziger, trat er den Jusos bei. Er bewegte sich wie die meisten Genossen seines Alters seither von halblinks nach stramm rechts, das heißt, in die Mitte der deutschen Gesellschaft.“
    http://www.konkret-magazin.de/hefte/heftarchiv/id-2015/heft-92015/articles/der-denkpanzer.html

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  32. genova68 schreibt:

    Danke für den Artikel in der konkret, absolut lesenswert, auch diese etwas andere Definition von Mitte, die Münkler vollends lächerlich macht.

    Der Rechtsdrall dieses Typen wird in dieser konkret-Passage deutlich:

    Weil Deutschland durch die NS-Zeit »verwundbar« sei »wie kein anderer Staat in Europa« sei es auserkoren, über die EU zu herrschen. Denn: »(Ein) Hegemon, der um seine Verwundbarkeit weiß und sie auf Schritt und Tritt spürt, wird in der Regel auch nicht als Hegemon auftreten.«

    Letzter Satz ist Zitat Münkler. Dass Deutschland in der EU seit Jahr und Tag als Hegemon auftritt, ist Münkler entgangen. Was für ein substanzloser Schwafler. Der heuert demnächst bei der AfD an.

    Chinook,
    du redest am Thema vorbei. Der Watchblog kritisierte und Münkler fühlte sich an 1933 erinnert. Das ist extrem primitiv, gerade für einen Politologen. Alles andere ist hier Nebensache.

    Und ansonsten: P1 ist eine Disko in München.

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  33. Jakobiner schreibt:

    Der Minibloggeraufstand und die Kritik an Münkler wie auch seinem Kollegen Beresboski kommt im wesentlichen von der trotzkistischen 4. Internationale, die als einzige einmal die Äußerungen von Professoren von Medieninteresse INHALTLICH hinterfragt , darstellt und kritisiert. Das darf man scheinbar nach Münklers Ansicht nicht–der Herr Professor gilt als unangreifbare Lichtgestalt und Säulenheiliger. Lieber scheinen ihm da angepasste Studneten, die nur ganz konstruktiv mitarbeiten und ihren Scjhein schnellstmöglich machen wollen und die sich sonst außer Karriereaussichten nicht weiter für ihren Studiengegenstand interessieren.Diese Dünnhäutigkeit Münklers auf Kritik ist eher Ausdruck eines autoritären Charakters.

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  34. genova68 schreibt:

    Ja, so ist das wohl.

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  35. Chinook schreibt:

    „Zu welcher Sorte Herfried Münkler gehört, ist mit einem Blick in seine Vita schnell ermittelt:“

    Genau, so einfach ist das. Man ermittelt die Vita und schon braucht man sich mit den Argumenten nicht mehr zu beschäftigen.

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  36. Chinook schreibt:

    „Der Watchblog kritisierte und Münkler fühlte sich an 1933 erinnert“

    Und damit hatte er im Allgemeinen recht. Denn der Watchblog war unter aller Kanone und hat sich außer populistischer Mittel gar keiner anderen bedient. Die AfD bspw. nutzt ganz ähnliche Kommunikationsstrategien. Und die Parallelen von der AfD zum Faschismus ziehen ja nun auch Linke. Vielleicht hätten sich diese Mini-Blogger doch mehr am langweiligen ZDF ein Beispiel nehmen sollen, als an Russia Today. Haben sie aber nicht.
    Sie haben versucht in 34er Stürmermanier jemanden zu brandmarken, das Publikum auf rein emotionaler Ebene anzusprechen, unter Vorspiegelung falsch wiedergegebener Zusammenhänge Klicks zu generieren – und konnten dabei weder ihre Rechtschreibung im Zaum halten, noch eine sinnvolle Argumentation aufbauen. Ich habe den gesamten Blog zu meiner Belustigung durchgelesen und nie vernommen, was diese Leute überhaupt wollten. Die wussten immer ganz genau was sie nicht wollten (Kapital und alles was Münkler sagte), aber nie, für was sie einstehen könnten. Verbesserungsvorschläge – Fehlanzeige. Übrigens, wurden diese Leute ja nicht von Rechten „niedergerungen“, sondern, meiner Ansicht nach, hat sie die Kritik von Links verstummen lassen.. Was ich auch schlecht finde, aber die Leute waren halt „stulle“.
    Eines ist sicher, diese Leute hatten halt keinen Arsch in der Hose. Sie wollten die große Bühne, Münkler lud sie ein, sie wollten nicht diskutieren. Nichtmal ein ihnen genehmes Format vorschlagen. Ne Art von Linken-Coitus-Interruptus. Das war halt einfach feige und da läßt sich auch keine andere Legende drum spinnen.
    Ich finde es total super, wenn Studenten provokativ agieren und ihre Autoritäten herausfordern – und ja – es gibt Profs da bekommst du bei schlüssiger Argumentation ne gute Note und es gibt manchmal welche, da liefert man den besten Essay ever, widerspricht ihrer Ideologie und bekommt ne 4. Dann ist das halt so. Dass muss man als Student aushalten müssen/können (allerdings auch eher in Bereichen wie Ethnologie etc.). Ich bezweifle jedoch, dass Münkler einer von jenen ist. Es ist sicher kein Problem ihn offen zu kritisieren, mit ihm zu diskutieren, wovon viele Studenten ja auch gebrauch machen – wenn sie nicht gerade durch nervende Populisten davon abgehalten werden.
    Ich persönlich halte die letzten Eingaben von Münkler für nicht besonders stark, um das gelinde auszudrücken. Er wurde mit dem Werk „Neue Kriege“ bekannt, welches sehr gut war und die „Friedensforschung“ in der BRD durch/aufrüttelte. Allerdings war kaum eine These seine eigene, sondern er hat Ansätze einiger anglikanischer/französischer Autoren zusammengefasst und übersetzt. Trotzdem hat er diese „neuen“ Thesen in den deutschen Sprachraum eingebracht, was auch eine Leistung ist. In den letzten 10 Jahren hat er sich gut positioniert im politischen Consulting-Geschäft. Er versuchte immer ein „Strategist“ anglikanischer Schule zu werden und hat doch nie verstanden, was diese Leute ausmacht. Nämlich das man sie holt, wenn die Kacke am Dampfen ist, gerade weil sie ideologisch ungebunden sind und eine radikal-objektive Einschätzung abgeben können.Irgendwann hat er halt gemerkt, das es diesen Job in der BRD für Profs so nicht gibt und sich der Konservativen angedient.

    Was aber eben nicht bedeutet, dass alle seine Ansichten nicht valide wären. Da macht ihr Extremlinken es euch eben sehr leicht. Würdet ihr soviel Zeit in das Entwickeln real vielleicht umsetzbarer Lösungsansätze stecken, wie in das googeln von Biographien, vielleicht hätten eure Aussagen irgendeine Relevanz. Aktuell seid ihr einfach nur stehend K.O., ihr wisst es nur noch nicht. Und das ist schade!

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  37. Chinook schreibt:

    „die als einzige einmal die Äußerungen von Professoren von Medieninteresse INHALTLICH hinterfragt , darstellt und kritisiert“

    Haben sie nicht getan! INHALTLICH kam da ja gar nix. Dargestellt ham se auch nix, außer was ihnen im Kontext genehm war. Und bewerten konnten sie es aufgrund ihres eingeschränkten Horizonts nicht, was vor allem Linke kritisiert haben. Sie haben versucht Stürmer-Populismus für eine gerechte Sache zu instrumentalisieren und nichtmal gesehen, warum dies ein Problem sein könnte. Das ist doch das eigentlich bedenkliche. Diese Art der Auseinandersetzung erinnert eben an Weimar und nicht unbedingt an genau die kooperative Gesellschaft, welche unser Wachstum erst ermöglichte.

    Aber ich lasse mich gern eines besseren belehren. Wenn Auszüge dieser Studenten vorhanden sind, die wirklich gute inhaltliche Kritik darstellten, lese ich sie gerne, falls jemand sie verlinken würde.

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  38. Chinook schreibt:

    Und damit das klar wir. Das Problem war nicht, das ein paar junge Leute, die in den ganzen Theorien allein aufgrund ihres Alters und Bildungsstandes nicht sattelfest sein können, Kritik geübt haben. Sondern die Art und das Instrumentarium, welches sie wählten.

    Da kann ich nur sagen ACHTUNG!!!ACHTUNG!!!:
    Wer links abrutscht kommt rechts wieder hoch und umgekehrt. Die Parallelen sind da!
    Weil es eben nicht bloß um Haltungen geht. Es geht auch um Haltung. Eine Haltung nimmt man ein, nicht weil alle anderen zujubeln, nicht weil man dafür belohnt wird, nicht weil das umgebende Milieu sie gutheißt. Haltung an externe Faktoren anzupassen ist Mitläufertum, sie vollkommen unabhängig zu gestalten, charakterisiert einen Außenseiter. Im Raum dazwischen kann real Veränderung stattfinden – und genau diesen sucht die Jugend heute zu besetzen, bspw, die Studenten von der LSE, die größere philosophische Anteile am Studium forderten. Gut begründet und mit klaren Argumenten. Da ist eben der Unterschied zwischen Leuten die sich konstruktiv einbringen und solchen, die versuchen destruktiv zu agieren.

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  39. Jakobiner schreibt:

    Ist das keine inhaltliche Kritik?
    https://www.wsws.org/de/articles/2015/09/04/muen-s04.html

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  40. Jakobiner schreibt:

    Dann holen wir mal die angeblich mangelnde inhaltöliche Kritik nach:
    „Die Begeisterung in Deutschland über das Clarkebuch “Die Schlafwandler” hat meiner Ansicht nach zwei wesentliche Motive und Gruppen der Befürworter: Zum einen die in der WELT zitierten konservativen Junghistoriker, die darin einen Freispruch des deutschen Staates und des preussischen Militarismus sehen. Wie schrieb einer von ihnen: Wenn die Annahme der deutschen Alleinschuld nicht zutreffe, relativiere sich auch die Idee einer Einbindung Deutschlands in die EU als friedensstiftendem Projekt.Das tendiert mehr in Richtung Renationalisierung und AfD-Positionen hin.Von der anderen Seite her argumentiert Herfried Münkler (dessen Buch “Der Grosse Krieg” nun zum deutschen Clarkeäquivaklent gelobt wird), der in dem Ersten Weltkrieg vor allem ein europäisches Versagen sieht und deswegen eine europäische Lösung, die EU befürwortet, in der Deutschland aber mehr Macht haben soll.Nicht umsonst ist Herfried Münkler neben Günther Grass auch Unterzeichner einer Unterstützungsliste für den SPD-Eurokommissionskandidaten Martin Schulz.
    Münkler hat auch gesagt, dass die Interpretation des Ersten Weltkriegs wichtig ist, wenn Deutschland heute eine zentrale Rolle in der EU wie nun eben in der Finanz- und Ukrainekrise spielen soll—O-Ton:

    “Es lässt sich kaum eine verantwortliche Politik in Europa betreiben, wenn man die Vorstellung hat: Wir sind an allem schuld gewesen.”

    Man sieht also, dass es scheinbar weniger um wissenschaftlich-historische Forschung, sondern sich eher um interessensgeleitete Interpretationen des damaligen Geschehen handelt, um politische Zwecke der Jetztzeit zu legitimieren.“

    Münklers offen erklärter wiissenschaftlicher Ansatz, Geschichte so umzuinterpretieren, dass sie als Legitimation für heutige Machtpolitik dienen kann, scheint dich gar nicht zu stören.

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  41. Jakobiner schreibt:

    Ausführlich unter:
    Clarkes “Die Schlafwandler” und die deutsche Rezeption zwischen EU-Apologie und neudeutschem Nationalismus

    http://www.global-review.info/2015/05/14/clarke-die-schlafwandler-die-deutsche-rezeption-zwischen-eu-apologie-und-neudeutschem-nationalismus/

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  42. Jakobiner schreibt:

    Auch als Beispiel, wie Münkler und die Uni reagiert, wenn die Kritik nicht anonym, sondern mit Namen vorgetragen wird:

    https://www.wsws.org/de/articles/2015/05/21/anon-m21.html

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  43. heinz schreibt:

    „Was für ein substanzloser Schwafler. Der heuert demnächst bei der AfD an.“
    Das glaube ich nicht, die dürften ihm, ähnlich wie bei Sarrazin. zu schmuddelig sein. Außerdem wird er mit dem „Gegen die da oben“ nichts anfangen können. Er hat sich als Politikberater gut etabliert, um „denen da oben“ mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und die herrschende Politik ideologisch zu legitimieren. Die meisten seiner Thesen dürften in SPD und CDU Konsens sein oder wenigstens als diskutabel gelten. Warum sollte er sich da mit einem Haufen wie der AFD einlassen?

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  44. Chinook schreibt:

    „Ist das keine inhaltliche Kritik?l“

    Klares nein. Diese „Kritik“ hat mit dem was Münkler gesagt hat im Grunde nichts zu tun. Das Bild der Autoren ist, daß Münkler Militarist sei, also für Kriege und weil er ungesteuerte massenhaften massenhafte Zuwanderung skeptisch sieht, hetze er gegen Flüchtlinge. Vollkommener Quatsch. Die Leute die diesen Artikel verfasst haben, könnten ebensogut für Rechte schreiben.

    „Auch als Beispiel, wie Münkler und die Uni reagiert, wenn die Kritik nicht anonym, sondern mit Namen vorgetragen wird:“

    Genau so ein Quatsch. Erbärmlich dann auch noch die Opferkarte zu ziehen, ich sag doch, kein Arsch in der Hose. Wieder Sätze aus dem Kontext genommen, Arbeiten mit Unterstellungen oder Halbwahrheiten und das ganze dann schön so strukturiert, dass es populistisch in die eigene Ideologie passt. Also die von dir verlinkten Artikel sind so weit abseits jeder Realität und von einer abwegigen selektiven Wahrnehmung der Autoren gezeichnet, dass ich da eigentlich gar nicht weiter auf die Texte an sich eingehen will. Mein Rat an die Autoren, gebt euren Vögeln Wasser. Aber zdas ist halt schon so schlecht, dass man es nicht mal ignoriert.

    Besonders lustig ist, wie die einen tumben Deppen von der in den Medien überwiegend sachlich geäußerten Kritik an den anderen Stullen versuchen, zu profitieren:

    „Baberowski hat laut einem Bericht des Tagesspiegels erklärt, „die Universität müsse solchen ‚Spinnern’ Hausverbot erteilen und Strafanzeige gegen sie stellen“. Sie müsse „ihre Mitarbeiter vor Extremisten aller Art schützen“.“

    Beide Gruppen muss man getrennt betrachten. Die Mini-Blogger haben allein online populistisch in Stürmerduktus agiert. Die Anderen haben Lehrveranstaltungen gestört und als Studenten versuchten, den Radikalos klar zu machen, dass ihre 5 Minuten „Fame“ aufgebraucht waren, kam es zu „Handgreiflichkeiten“. Ersteres ist Anstoß, um ein Diskussionsangebot zu unterbreiten, letzteres kann durchaus eine Strafanzeige nach sich ziehen – aus gutem Grund. So geht’s nicht. Du kannst nicht anfangen offensiv Leute zu nerven, nur weil dir sonst aufgrund deiner Geistigen Umnachtung keiner zuhört. +
    Lustig auch die Annahme, Münkler sei so mächtig, sich Gefälligkeitsartikel schreiben zu lassen. Da wird es dann lächerlich. Er saß nach dem Buch „Neue Kriege“ in einigen Talkshows, aber wenn er heute da sitzt, naja, ob er immer erste Wahl war, ich wage es zu bezweifeln. Was schade ist, denn bei Konfliktthemen ist er argumentativ stark. Ich finde seine Kritik an den Mini-Bloggern vollkommen in Ordnung und zutreffend. Allerdings hätte er mehr Diskussionsangebote machen sollen, auch unter Wahrung der Anonymität der Blogger, durch bspw. eine Diskussion im kleinen Kreis unter Einbindung der Asta, bevor er den „Big Stick“ ausgepackt hat.
    Münkler hat seinen Zenith definitiv lange überschritten. „Neue Kriege“ war ein großer Wurf im deutschsprachigen Raum, auch ein wichtiger, aber es waren eben nicht seine Ideen. Er war nie ein „Strategist“, also jemand dessen Naturell es ist „Outside of the box“ zu denken. Im universitären Bereich gibt es dafür in Deutschland historisch bedingt auch gar keine Kategorie, allein der Begriff „Geostrategie“ ist fast schon anrüchig. Und genau das kam in seinen Werken seither halt auch raus. Sie waren langweilig und irrelevant, ohne jeglichen innovativen Ansatz.

    Zu der Angst der´von Studenten vom Prof benachteiligt zu werden kann ich nur sagen, dann lasst es einfach sein mit eurer Meinung und Diskussion in irgendeinem Unirahmen. Aber in den Seminaren bekommt ihr keine schlechteren Noten, wenn ihr eure Anti-System Meinung äußert, da habt ihr keine nennenswerten Probleme?
    Eben!!!
    Wie sollte das heute im Bachelor-System überhaupt funktionieren, dass ein Prof dich rausprüft? Soll er die Klausur am Semesterende so schwer machen, dass keiner besteht? Klar gibt es Profs/Dozenten die schlechte Noten verteilen, allerdings ist das im Bachelor-System deutlich schwieriger als beim Diplom. Aber ok, es gibt Profs die ziehen sowas durch wenn sie dich im Kurs haben und das zieht den individuellen Schnitt um 0,x runter. Kann ich nur zu raten, wenn man diese Bedenken hat, einfach ein Seminar zu wählen, welches unter der Ägide eines anderen Profs läuft. Gegeben werden die eh von Dozenten – und an den heutigen Unis kennt da eh niemand deinen Namen.
    Das passiert übrigens ja nicht nur Linken, sondern vor allem auch Konservativen, die an sozialwissenschaftlichen Fakultäten Nebenfächer belegen, oder vor allem Leuten, die dem Dozenten schlicht aus unerfindlichen Gründen unsympathisch sind. Und wenn wir gerade dabei sind, das unfairste aller Zeiten sind mündl. Prüfungen. Jemand der rhetorisch gut ist, die Initiative behält und mit den Prüfern ein Gespräch führt, kommt immer irgendwie durch, selbst wenn er wenig Ahnung hat. Jemand der fachlich weit besser ist, aber im direkten Gespräch unsicher, hat ein riesiges Problem.
    Viele Studenten unterschiedlicher polit. Couleur haben mit solcherlei Problemen zu kämpfen, die gibt es. Aber dies als Ausrede zu nutzen, keinen angebotenen Dialog anzunehmen und gleichzeitig a priori einen Gegenvorschlag dadurch auszuschließen, dass man sich, wenn man mit Münkler rede praktisch mit dem Kapital gemein mache und deshalb kein Interesse daran hätte – das ist schon eine unglaubliche demokratische, kooperativ-gesellschaftliche Negativleistung.

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  45. Chinook schreibt:

    „Es lässt sich kaum eine verantwortliche Politik in Europa betreiben, wenn man die Vorstellung hat: Wir sind an allem schuld gewesen.“

    Er hat recht.Die Lösung ist, offen zu diskutieren. Die Deutschen wollen wenigstens bewundert werden, drunter geht es nicht. Und wenn es dann schief geht und sie nicht bewundert werden, wollen sie wenigstens recht behalten, und wenn das nicht geht, müssen sich wenigstens moralisch höher sehen können als alle anderen. Dieser Antrieb ist ein falscher und er hat auch historische Gründe. worauf Münkler verweist.
    Schau dir doch die aktuelle Situation an. Hätte Merkel Dublin II nicht außer Kraft gesetzt, die Briten wären heute noch in der EU und die AfD wäre heute als EuroThemenPartei untergegangen. Ich glaube, darüber brauchen wir nicht groß debattieren. Und das ist nur eine kleiner Teil der Probleme des EU-Projekts, aber ein unglaublich durchschlagender.
    In der EU ist Deutschland mittlerweile eigentlich der Außenseiter, der seine Macht nutzt um den eigenen Willen durchzubringen. Sei es das Griechenland-Thema etc., der Türkei-Deal, das Einstellen von Dublin2 etc. Die ExtremLinken werfen Münkler ja im Grunde vor, dass er genau diesen deutschen EU-Hegemon wünsche – und genau da wird deutlich, dass sie einfach nchhts von dem verstehen, was Münkler sagt.
    Er hat grundsätzlich recht. Deutschland wird eine starke Rolle spielen müssen(ob es will oder nicht – es wird eine große Rolle spielen), um die EU zusammenzuhalten, es wird aber – damit das klappen kann – seinen historischen Ballast abwerfen müssen, um rational agieren zu können.
    Und, wie die Schuldfrage des ersten Weltkriegs gelöst wird, spielt dabei keine Rolle. Wer Münklers Werke liest und sie nach Schuld scannt, der hat schlicht nicht ansatzweise verstanden, was er schreibt und dadurch sagt. Schaut man sich Ansichten von Konfliktexperten zum Zustand Europas an, haben diese schon vor 10 Jahren prognostiziert, dass es wohl schief gehen wird. Übrigens genau aus den Gründen, weswegen die Krise heute besteht. Nämlich einer zu großen sozialen Ungleichheit in Verbindung mit ungesteuerter Zuwanderung. Das offen anzusprechen ist keine Hetze, es ist mittlerweile eine Tatsachenbeschreibung.

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  46. Chinook schreibt:

    „Dann holen wir mal die angeblich mangelnde inhaltöliche Kritik nach:
    „Die Begeisterung in Deutschland über das Clarkebuch “Die Schlafwandler“

    Also ich hab das Buch genauso wenig gelesen wie das von Münkler zum WW.1 In beide auszugsweise mal reingeschaut und wegen Desinteresse abgebrochen. Nix neues – normales Historikergedöns. Ich halte beide Bücher für im Kern irrelevant. Seltsam finde ich, dass sich viele bei der Schuldfrage aufhängen. Was für ein Schwachsinn, hundert Jahre später eine moralische Bewertung überhaupt zu versuchen vorzunehmen, wie es die Rezensenten immer wieder versuchen. Interessiert die Gefallenen und deren direkten Hinterbliebene wohl peripher.
    Clarke hat recht und seine Opponenten oft genauso. Das sind eben Multi-Layer Problematiken, mit denen vor allem Geschichtswissenschaftler selten umgehen können. Da braucht es den Quick-Fix auf eine Zahl und einen spezifischen Vorgang, der dann der entscheidende war. Die Realität läßt sich so kaum abbilden. Clarke hat eigentlich nichts anderes gesagt, als dass das europ. Mächtesystem sich verfahren hatte und nicht mehr aus dem Schlamassel raus kam, Banal. Und richtig in der Einschätzung, denn der WW1 ist eigentlich ein „Außenseiter“. Ein Krieg der mit Waffen geführt wurde, die weiter waren als das Denken und unter Hierarchiesystemen, welche Waffen und ihre polit. Penetrationskraft im Hinblick auf globale Gleichgewichtsänderungen schlicht nicht einschätzen konnten. Denn das Denken war eigentlich noch in der Lineartaktik der napoleonischen Kriege verwurzelt und daraus folgend auch in polit. Entscheidungen, die nicht auf die neuen strukturbildenden Verhältnisse angepasst waren. Wie man dann Schuld verteilt, also eine moralische Kategorie, hängt von der Perspektive ab. Aber was sicher ist, die Verantwortlichen Eliten beider Seiten haben absolut keine Empathie mit ihrer Bevölkerung gehabt. Woher auch.
    Die französische Generalität hat (richtig) ausgerechnet, dass sie einen Abnutzungskrieg gewinnen würde (vollkommener aristokratischer Lineartaktik-Geist), weil sie mehr Soldaten mobilisieren konnte. Die Deutschen haben gegen Ende die Grundlagen des „beweglichen Kampfes“ (was ihnen als Macht ohne Durchhaltefähigkeit und mit historischer Erfahrung in Bezug auf Jägertruppen näher lag) entwickelt. Und genau dieses Ergebnis, dass die Franzosen glaubten mit ihrer Taktik erfolgreich gewesen zu sein und die Deutschen die neue Zeit verstanden, hatte durchaus massive Auswirkungen. Allein diese Feststellung ist viel grundlegender als die Schuldfrage, welche ohnehin perspektivabhängig ist. Zumindest was den WW1 angeht.
    Das Grundproblem der deutschen universitären („Friedens“)-Forschung ist, dass kaum ein Doktorand solcherlei Themen überhaupt bewerten kann, weil sie schlicht keine Ahnung haben. Alles was mit Militär zu tun hat ist böse, mit Geostrategie ist auch schlimm. Während man in UK/USA Seminare zur Wirkung und dem taktischen Einsatz von Waffen belegen kann, um eine minimale Verständnisgrundlage zu schaffen, kommen hier immer irgendwelche Linken und erklären, warum es moralisch nicht korrekt sei, sich über derlei Themen überhaupt auch nur zu informieren.
    Und da bekommen wir eben wieder den Bogen, warum es so wichtig ist, dass Menschen sich offen austauschen, ohne ihre Ideologie mit stolzgeschwellter Brust vor sich her zu schleppen und jedes ungelegene Argument dadurch zu beantworten, dass man die Person welche es äußerte, verächtlich macht.

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  47. Jakobiner schreibt:

    Ellenlanges Geschwafel von Chinook. Auch die dreiste Behauptung, die Schuldfrage sei nur moralisches und überhaupt „historisches Gedönse“ und spiele bei Münkler gar keine Rolle. Ob er das auch beim 2. Weltkrieg sagen würde? Ihm scheint diese Frage ja undenkbar und völlig unwichtig, wer Agressor und Angegriffener war.Zumindestens ist doch klar, dass Münkler mit seinem zitierten Ausspruch klarmacht, dass er gedenkt historische Ereignisse und deren Schuldfrage (der er anders als Chinook eben gerade zentralen Stellenwert beimisst) danach zu bewerten und zu interpretieren, wie sie für eine Legitimation heutiger deutscher Machtpolitik geeignet erscheinen. Damit gibt man jeglichen wissenschaftlichen und objektiven Anspruch an den Forschungsgegenstand auf. Und da hilft es auch nicht der Linken mal wieder fehlende militärische und geopolitische Kenntnisse, über die Chinook ja angeblich so reichlich verfügt, vorzuwerfen.

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  48. Chinook schreibt:

    „…danach zu bewerten und zu interpretieren, wie sie für eine Legitimation heutiger deutscher Machtpolitik geeignet erscheinen.“

    Mit der Aussage an sich trifftst du den Nagel nicht nur mal wieder aufs vortrefflichste neben den Kopf. Sie ist auch schlicht dumm. So ist das halt mit der roten Brille auf, wenn der Input so amüsant gefiltert ist, wird der Output lustig.

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  49. genova68 schreibt:

    Chinook,

    „Seltsam finde ich, dass sich viele bei der Schuldfrage aufhängen. Was für ein Schwachsinn, hundert Jahre später eine moralische Bewertung überhaupt zu versuchen vorzunehmen, wie es die Rezensenten immer wieder versuchen. Interessiert die Gefallenen und deren direkten Hinterbliebene wohl peripher.“

    Genau. Ich schlage vor, wir streichen auch die Schuldfrage für WK2 und Holocaust. Interessiert die toten Juden nur periphär.

    „Deutschland wird eine starke Rolle spielen müssen(ob es will oder nicht – es wird eine große Rolle spielen), um die EU zusammenzuhalten, es wird aber – damit das klappen kann – seinen historischen Ballast abwerfen müssen, um rational agieren zu können.“

    Das ist rechtes Hegemonialdenken, was du da an den Tag legst, komplett AfD-kompatibel – auch wenn die das noch nicht so deutlich sagen. Deutschland spielt in der EU längst eine starke Rolle, die stärkste, falls dir das entgangen sein sollte, gegen die meisten EU-Mitglieder und vor allem im Sinne des deutschen Kapitals. Eine dumme Politik via Export, die am Ende alle schwächt. Und den historischen Ballast abwerfen, was ist das denn? Als wäre der noch irgendwo vorhanden. Die komplette deutsche Europapolitik ignoriert jeden historischen Ballast. Du versuchst die typisch rechte Strategie, Deutschland als Opfer darzustellen, das sich endlich befreien und wieder führen muss.

    Die aktuelle deutsche Politik tut das Gegenteil von „Europa zusammenhalten“. Es eine Konkurrenz aller gegen alle. Dieses neurechte Geplapper ist entlarvend.

    Diesen Bloggern Stürmer-Duktus zu unterstellen, ist genauso absurd. Das waren ein paar unbedeutende Leute, die einen Prof auf Lebenszeit kritisiert haben. Das kann man wiederum kritisieren oder auch nicht, aber es hatte genügend argumentatives Niveau. Da werden die realen Machtverhältnisse völlig umgepolt, aber das machte ja auch Münkler. Die FAZ schreib seinerzeit einen grandios absurden Artikel über diesen Watchblog, ich habe damals hier bei exportabel etwas dazu geschrieben. Man sieht, wie schnell die Rechte durchdreht und ihr jede Seriosität abhanden kommt. Privilegien schützen, das ist deren Hauptjob.

    https://exportabel.wordpress.com/2015/05/18/herfried-munkler-und-die-faz/

    Es ist typisch für die Rechte, dass sie sich permanent als Opfer stilisiert, ohne das kommen die nicht aus. Das arme drangsalierte Deutschland, die armen drangsalierten Professoren. Die dürfen sich nicht mal wehren!!!11!! Es ist lächerlich.

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  50. Chinook schreibt:

    „Du versuchst die typisch rechte Strategie, Deutschland als Opfer darzustellen, das sich endlich befreien und wieder führen muss.“

    Quatsch, dass habe ich nicht getan. Die beiden Weltkriege sind bezüglich einer Schuldfrage überhaupt nicht zu vergleichen.

    „Deutschland spielt in der EU längst eine starke Rolle, die stärkste, falls dir das entgangen sein sollte“

    Ist mir weder entgangen, noch widerspricht es meiner Aussage, dass Deutschland eine große Rolle in Europa spielt, ob es will oder nicht. Um für strukturprägend konstruktiv gestaltend in Europa wirken zu können, bedarf es rationaler Entscheidungen. Historischer Ballast führt nicht dazu, dass sich die grundlegende Machtverhältnisse von allein änderten, aber dazu, dass Entscheidungen emotional getroffen werden, also irrational. Deine Ansicht ist schlicht von altem Denken Radikallinker geprägt, die glauben Deutschland würde zum vierten Reich, wenn Entscheidungen nicht beständig vor dem Hintergrund der Taten von (Ur-)Großeltern bewertet würden. Historischen Ballast abzuwerfen heißt nicht, sich seiner Verantwortung nicht gewahr zu sein. Wer das annimmt, hat schlicht keinerlei Vertrauen in die Zivilgesellschaft und hat tiefergehend betrachtet eventuell ein eher gebrochenes Verhältnis zu freiheitlich-demokratischen Systemen. Auch nichts neues bei den Radikallinken.
    Du erkennst richtig, dass Deutschland eine mächtige Rolle spielt. Und seit Jahren defintitiv keine konstruktive in Europa. Unter Merkel war die deutsche Europapolitik lange gar nicht wirklich vorhanden und seit einigen Jahren ist sie belehrend, um das mal euphemistisch auszudrücken. Das stimme ich dir zu. Genau deshalb muss Deutschland seinen historischen Ballast abwerfen, um wieder zu rationalen Entscheidungen zu kommen, welche langfristig konstruktiv für Europa wirken können. Den Ballast abzuwerfen ist da nur ein Punkt unter vielen und bedeutet eben nicht, sich seiner Verantwortung nicht gewahr zu sein – und die kommt eben in einem Modell wie Europa allein schon mit der Stärke. Wer soll denn sonst in Europa gestaltend wirken? Griechenland? Italien? Die Slowakei, Ungarn oder Tschechien? Deutschland kann nicht entscheiden ob es in Europa massives Gewicht hat, wohl aber wie es jenes nutzt. Und da helfen Entscheidungen nicht, die durch historisch bedingte Haltungen/Erfahrungen der Deutschen beeinflußt werden, ob es nun die Austeritätspolitik ist, oder im Alleingang DublinII auszuhebeln.

    „Die komplette deutsche Europapolitik ignoriert jeden historischen Ballast.“

    Wenn dem so ist, warum regst du dich dann über die Schuldfrage des WW1 auf? Ist dann doch sowieso egal.

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  51. Chinook schreibt:

    „Ob er das auch beim 2. Weltkrieg sagen würde?…Ellenlanges Geschwafel von Chinook….über die Chinook ja angeblich so reichlich verfügt, vorzuwerfen.“

    Das du mir „Geschwafel“ vorwirfst ist schon amüsant. Wenn du was zu sagen hast, dann schreib es doch einfach direkt. Du kannst mich direkt ansprechen.
    Ich hab dir das schonmal gesagt (auch wenn’s etwas her ist), dass du nicht über mich labern sollst, um dich beim Blog-Chief einzuschleimen, zu der Zeit hast du eher rechte Ansichten vertreten. Schön, dass du deine Sinnkrise überwunden hast.

    Ernsthaft???? Irgendeinen Scheiß zu plappern, um beim Blogbetreiber positiv aufzufallen, das ist richtig und wichtig?????????????

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  52. Jakobiner schreibt:

    Wie gesagt, auf die Tatsache, dass Münkler Geschichte posthum so uminterpretiert, um sie zur Legitimation heutiger Politik hinzubiegen–darauf bist du bei deinen ellenlangen Ausführungen nicht ein einziges Mal eingegangen.Im Gegenteil, dui scheinst das ja zu befürworten. Auch schreibst du, dass man“ historischen Ballast abwerfen“ solle, auch beim Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust. Dass man gegenüber einer solchen rechtsradikal anmutrenden Schlussstrichmentalität dann Einspruch erhebt, denuzierst du mit Verbalinjurien mit „roter, linksradikaler Brille“,etc., was mir zeigt, dass du ein neoliberaler Rechter bist, der auf diversen Blogs als Troll unterwegs bist.Und wo soll ich wann „rechte Ansichten“vertreten haben? Auch hast du die In-die-Verantwortung-Wachsen- Rhetorik ganz gut drauf. Dieses Verantwortungsgeschwafel ist doch das, was man „nationale Interessen“und Machtansprüche nennt. So zu tun, dass Deutschland nur uneigennützig handeln würde und zum Wohle aller und des großen Ganzen, ist auch sehr systemaffirmativ.Frei nach Luther: Hier stehe ich, ich kann nicht anders.Und dann diese Schleimervorwürfe–diese Psychopathisierung kommt meistens dann, wenn einem die Argumente ausgehen.Genauso könnte ich dir vorwerfen, ein bezahlter Troll zu sein oder social bot oder ein Profilierungsneurotiker,etc. Aber was sollen diese Exkurse ins Persönliche?

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  53. Jakobiner schreibt:

    Zu der Minibloggeraffäre: Wie harmlos ist die denn, wenn man das mal mit den Aktionen der 68er vergleicht, wo Seminare gesprengt wurden, Professoren vom Katheder geholt und mit Eiern beworfen wurden. Und dass man Münklers Ansichten zu mehr militärischer Rolle Deutschlands auch als Militarismus ansehen kann oder seinen Ansatz Geschichte so umzuinterpretieren, dass sie heutigen Machtinteressen dienlich ist oder Babebowskis Verteidigung von Ernst Noltes Bemerkungen zum Nationalsozialismus als Revisionismus ansieht, ist doch recht harmlos.Auch wenn du von anderen forderst, „Eier in der Hose zu haben“und aus der Anonymität herauszutreten, fragt man sich, warum du selbst einen Nickname namens Chinook nötig hast.Zudem tust du so, als hättest du sol alle Fachdisziplien in einem studiert, von der Geolpolitik bis hin zu dem Studium der Waffentechnologie, gibst dich also großkotzig als Alleswisser und Durchblicker, während du den anderen immer nur mangelnde Kompetenz und mangelndes Wissen vorwirfst.

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  54. Jakobiner schreibt:

    Chinook, das nur von „Linksradikalen“verkannte Genie!

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  55. Jakobiner schreibt:

    Auch ist die Forderung „historischen Ballast abzuwerfen“, etwas trügerisch. Es bedeutet nämlich, sich der europäischen Geschichte entledigen zu können. Auch wenn man als Deutscher „historischen Ballast“einseitig „abwerfen“würde: Aber andere Länder und andere Völker haben und werden diese Geschichte aber eben nicht vergessen und die Angst vor einem von Deutschland dominierten Europa äußert sich eben auch in der Skepsis gegenüber der EU, die als von Deutschland dominiert angesehen wird.

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  56. genova68 schreibt:

    „Wer soll denn sonst in Europa gestaltend wirken? Griechenland? Italien? Die Slowakei, Ungarn oder Tschechien?“

    Es sollten alle gestaltend wirken, wenn man den Unionsgedanken Ernst nimmt. Deiner Meinung nach soll also nur Deutschland „gestaltend“ wirken und alle anderen machen dann was? Mitlaufen?

    Das wesentliche Problem ist ein ökonomisches und da spielt die deutsche Überlegenheit eine große Rolle. Merkel meinte in ihrem jüngsten Podcast, dass Europa jetzt „endlich“ die wettbewerbsfähigste Region der Welt werden solle, so wie im Lissabon-Vertrag vorgesehen. Das halte ich für entlarvend. Es ist ein „weiter so“ neoliberaler Politik. Die Frau ist unsäglich, eine reine Machtpolitikerin ohne jede eigenständige Idee. Die Flüchtlingspolitik eventuell ausgenommen.

    Und es ist ja schön, Chinook, dass du die deutsche EU-Politik kritisiert, aber mit solchen Sätzen kommt man nicht weiter:

    „Um für strukturprägend konstruktiv gestaltend in Europa wirken zu können, bedarf es rationaler Entscheidungen.“

    Was soll das den aussagen? Deutschland gestaltet Europa strukturprägend konstruktiv, blabla, aber in welche Richtung, ist die Frage. Es ist ein Zerfleischen, das Deutschland mit seiner Exportstärke verwirklicht.

    Piketty dazu im neuen deutschland:

    „Für Piketty trägt die Politik in Deutschland »sicher die Hauptverantwortung«. Berlin führe sich »als Besserwisser auf, was für den Rest der Europäer schlicht unerträglich ist. Es ist auch irrational, denn dadurch, dass man die Länder Südeuropas in den Würgegriff nimmt, werden die Kredite nicht schneller zurückgezahlt. Man spürt dahinter die Lust, bestrafen zu wollen, die mit Nationalismus zu tun hat.« Dies sei zwar nicht der Nationalismus von rechten Parteien wie der britischen Ukip oder dem französischen Front National – aber ein »softer Nationalismus«, einer durch Exportpolitik.“

    http://www.neues-deutschland.de/artikel/1017325.piketty-kritisiert-deutschen-exportnationalismus.html

    Ich unterschreibe jedes Wort.

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  57. Chinook schreibt:

    „Auch schreibst du, dass man“ historischen Ballast abwerfen“ solle, auch beim Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust.“

    Aha, wo denn? Dass du öfter, mehr oder weniger explizit, unterstellt hast, ich würde in der Spur von Weltkriegsrevisionisten und Holocaustleugnern wandeln, ist mir nicht entgangen – aber wo du das aus meinen Kommentaren rausliest, ist mir ein Rätsel. Eines, welches man durchaus auf eineneinen Mangel bzgl. eines verständigen Lesens schieben könnte.

    Warum ich Anonym schreibe? Warum nicht? Hab ich den Anspruch die Welt zu verändern? Ich kommentiere ab und an, weil es mir Spaß macht. Ein größeres Ziel verbinde ich damit nicht. Hätte ich einen anderen Anspruch, würde ich das anders halten. Als Münkler kritisierender Mini-Blogger hielte ich das wohl anders.

    Für mich persönlich macht es bei Leuten die ohne Agenda auftreten keinen Unterschied ob mit Klarnamen oder nicht. Aber wenn man Agenden publisht und versucht anonym politisch zu arbeiten, dann ist das eben meist erbärmlich. Da hilft auch keine selbstinszenierung als „fast whistleblowendes“ Opfer des kapitalistischen Systems.

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  58. Chinook schreibt:

    Jetzt haben sie nen Neuen gefunden. Koopmans. Lächerlich. Erfrischend wäre, die Berliner Studenten würden mal etwas konstruktiv beisteuern. Aber wenn man halt nur weiß was man nicht mag, aber nicht, was man mag…..und warum… da brauchen die wahrscheinlich noch ein paar Semester im Vorlesungsaal außerhalb der Rigaer. LOL. Geht es noch lächerlicher?

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  59. Jakobiner schreibt:

    Die Vorwürfe gegen Koopmann scheinen recht substanzlos und aufgebauscht. Das macht aber die Kritik an Baberowski und Münkler nicht falscher. Also nicht alles in einen Topf werfen, sondern differenzieren:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/berliner-studenten-werfen-ruud-koopmans-nationalismus-vor-14357049.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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