Tammam Azzam und die Zerbrechlichkeit

Selten sieht man ein Bild und hat das Gefühl, etwas wirklich Neues zu sehen. Bei den Bildern von Tammam Azzam ist das, zumindest bei mir, der Fall. Azzam malt an der Grenze zwischen figürlich und abstrakt.

Acryl auf Leinwand und Papiercollagen auf Leinwand, das sind die hauptsächlichen Materialien von Azzam. Vielleicht sind diese eher ungewöhnlichen Mischungen der Grund für die Wirkung. Die Motive sind hart und zerbrechlich zugleich dargestellt. Hart in den Schnitten und in den vermuteten Themen: Krieg, Gewalt, Zerstörung, selbst die Kleinteiligkeit, die allen seinen Bildern inhärent ist, wirkt hart, missbräuchlich. Es sind vielleicht nur chaotische Städte dargestellt, doch die Ahnung, dass es um zerstörte Städte, um zerstörte Landschaften geht, schwingt mit.

Zerbrechlich ist der Duktus der Materialien, des Auftrags. Die Papiercollagen sind vermutlich tatsächlich zerbrechlich, zumal Azzam sie manchmal nicht auf Leinwand aufträgt, das Bild also vermutlich zerfällt, wenn man es transportiert. Unzählige und zuvor bemalte kleine Papierschnipsel fügt Azzam zu großformatigen Werken zusammen.

Diese Zerbrechlichkeit des Materials korrespondiert mit den dargestellten Themen. Die Berliner Galerie Kornfeld zeigt eine schöne Übersicht seiner Werke, auch im Netz. Körper, die sich mit dem Papier aufzulösen scheinen, abweisende Dörfer in Kuben, apokalyptische, dunkle Landschaften mit Bombenkratern und ein Vater, der sein Kind durch ein desolates Flüchtlingscamp trägt.

Die Bilder scheinen ebenso leicht zerstörbar wie die Zivilisation.

Der 1980 geborene Azzam wuchs in Syrien auf und emigrierte wegen des Krieges über Umwege nach Berlin.

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5 Antworten zu Tammam Azzam und die Zerbrechlichkeit

  1. eimaeckel schreibt:

    Eindrückliche Bilder. Danke für die Vorstellung.

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  2. genova68 schreibt:

    Ja, eindrücklich trifft es gut.

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  3. Jakobiner schreibt:

    Alles sehr bunt.Wirkt aber nicht unbedingt die Zerstörung verharmlosend.Vielleicht soll es auch zeigen,dass die zerstörten Städte zuvor und noch lebendig waren.Man stelle sich dagegen düstere,apokalyptische Bilder als Kontrast vor .Das Bild Damaskus Bonvoyage mit den zerstörten Haus mit den Luftballonen schwebend und auf Reise ist sehr eindringlich.Seltsamerweise aber mehr Gebäude und minimalistisch Menschen.Absicht?

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  4. Jakobiner schreibt:

    Korrektur:Man Stelle sich dagegen düstere apokalyptische Schwarz-weißbilder vor

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  5. genova68 schreibt:

    Absicht sollte man guten Künstlern immer unterstellen. Sonst sind es keine.

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