Architektur und Alltag 21

Ein zweigeschoßiges Wohnhaus mit einem Laden im Parterre irgendwo in Österreich. Die Fassade fällt vor allem wegen der farblichen Gestaltung auf. Eine gelbe Fassade – ein ungewöhnlich angenehmes blasses Gelb, ins beige gehend – mit roten Rollläden und einem im gleichen Rotton abgesetzen EG. Die Fassade wirkt erblindet und zugleich offen. Das Angenehme sind wohl die fehlenden Faschen, die fehlenden Ornamente und die elegant angedeuteten Gesimse. Der Architekt hatte – so unterstelle ich – ein Feingefühl für Proportionen und für eine Gestaltung, die nicht protzen will. Man spürt den Drang für Contenance, für Gleichgewicht, für Zurückhaltung, ohne sich zu verstecken.

Ich stelle mir dieses Haus in Berlin vor: Ein nettes Cafe, das am Abend in eine nette Kneipe übergeht, in der man drinnen und draußen sitzt und steht mit der feinen Abstufung. Die etwas orientierlungslos angefügte Garage könnte als Bierlager dienen.

Auch das wenig geneigte Dach trägt zum angenehmen Gesamteindruck bei. Je größer die Dachneigung, desto unangenehmer, desto deutscher, desto reaktionärer. Momentan sind in deutschen Neubaugebieten starke Dachneigungen in Mode. Es sind Zeichen der Zeit.

(Foto: genova 2019)

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