Es gibt noch guten Journalismus: zwei Beispiele

Gibt es in der sich verändernden Medienszene noch guten Journalismus? Entgegen allem Geunke: ja.

Zwei aktuelle Beispiele.

Die Show Royale von Jan Böhmermann präsentiert regelmäßig wichtige politische Themen in seriöser Darstellung. Nicht seriös in dem Sinn, den wir alten Männer damit verbinden. Voraussetzung für diese spezielle Form der Oberflächlichkeit der Show Royale ist sehr präzise redaktionelle Vorarbeit. Davon kann man bei Böhmermann ausgehen. Es ist ein Wust an Recherche, der durch ein enges Sieb gepresst wird. So bleibt die Essenz übrig, und mehr interessiert die Masse sowieso nicht. Die Essenz wird kurzweilig aufgeführt, mit vielen visuellen Effekten und präzise auf den Punkt gebracht. Genau so funktioniert guter Unterricht, gutes Lernen, bei dem möglichst viel hängenbleibt. Und nichts anderes ist diese zeitgenössische Form von Bildungsfernsehen.

Ob es um den illegalen Sandabbau für Betonherstellung geht, um Nazis in Ostdeutschland, um die lächerliche deutsche Filmbranche, um die rechtsradikalen Querdenker, um den Fake der Homöopathie: Böhmermann verklamaukt das Thema, reduziert in 15 Minuten auf das Wesentliche und erreicht damit Millionen. Verklamaukung bedeutet offenbar nicht nur Belustigung. Es sind visuell ähnliche Effekte wie die bei Rechten und Populisten. Oder es sind auch nur die zeitgenössischen Effekte der sozialen Medien. Aber es funktioniert. Der Kunde ist König.

Die Show Royale ist eine Art Weiterentwicklung der heute-show, die nur vermeintlich aufklärerisch wirkt. Es ist da vor allem der Zeigefinger, der überzeugen soll.

Ob man Böhmermann mag, wie man zu seiner künstlerischen Disposition steht, ist ein anderes Thema. Er wirkt. Die Leute da abholen, wo sie stehen.

Nebenbei fällt auf, dass dieses Format viel aufklärerischer ist als STRG_F, Y-Kollektiv und ähnliche dauerbetroffene Reportageformate der Öffentlich-Rechtlichen für junge Leute, bei denen es vor allem darum geht, die Reporter in den Vordergrund zu stellen. Die stellen sich gerne dumm. Sie sind erstmal ahnungslos und zeigen das. Das soll wohl authentisch wirken. Während Böhmermann sich informiert, bevor er auf Sendung geht, und die Selbstpräsentationsformen der sozialen Medien für die Sache nutzt. Y-Kollektiv et al. haben von den sozialen Medien übernommen, dass die Kamera auf die Journalisten selbst gerichtet sein muss. Es ist die typische Ausdrucksweise von Narzismus und Egozentrik: Man läuft mit einer Kamera in der Hand durch eine Stadt, die man angeblich vorstellen will, zeigt dabei aber nur dauernd sein Gesicht.

Negativ könnte man bei der Show Royale anmerken, dass finanzpolitische Themen nicht angefasst werden. Ob es um Rente geht oder Euro, um Gentrifizierung oder Finanzmärkte: Der Niedergang des kritischen Journalismus in diesen Feldern macht auch nicht halt. Und dass Gentrifizierung noch kein Thema war, ist mehr als bedauerlich. Auch Themen wie Vermögensverteilung, Kapitalismus als Sozialdarwinismus, also das Grundsätzliche, müssten in den Fokus. Denn ein Böhmermann taugte natürlich auch als Hofnarr.

Das zweite Beispiel für guten aktuellen Journalismus ist die Recherchearbeit des Tagesspiegel und im Hintergrund agierender Recherchenetzwerke zur Gentrifizierung, aber auch zu den Querdenkern. In Bezug auf das letztgenannte Thema würde ich dazu auch die Facebookgruppe Friedensdemo-Watch zählen, wobei ich nicht weiß, ob es da persönliche Kontakte gibt. Es geht jedenfalls um das, was man gemeinhin Querfront nennt: Rechtsradikale wie Jürgen Elsässer oder die Querdenker, die vorgeben, sich politisch neutral nur um das Wohl des Volkes zu kümmern.

Wie wichtig diese Recherchearbeit ist, zeigen die Teilnehmerzahlen bei den Querdenkerdemos. Wo man vor ein paar Jahren noch vermutet hätte, dass das nur eine Handvoll politisch Verwirrter anzieht, zählt man heute auch mal 50.000 verblendete Menschen.

Dass es so viele gibt, liegt an der Raffinesse, mit der die Querdenker und deren Umfeld vorgehen. Aktuelles Beispiel ist #allesdichtmachen. Offenbar wussten die allermeisten teilnehmenden Schauspieler nicht, dass die Aktion wohl

Teil einer größeren Kampagne ist, die eine antidemokratische Agenda verfolgt.

wie der Tagesspiegel schreibt. Immerhin haben nun viele ihre Beiträge zurückgezogen, nachdem sie bemerkt hatten, wessen Geschäft sie da bedienen.

Dieser hochinteressante Tagesspiegel-Artikel erläutert ausführlich die Zusammenhänge zwischen Wortführern, die in Zusammenhang mit Querdenken und deren Umfeld stehen, und Schauspielern. Ob es der merkwürdige Notarzt Paul Brandenburg ist oder der neurechte Youtuber Gunnar Kaiser, die Aktivisten des „Corona-Ausschusses“, die Schauspieler Nina Proll und Volker Bruch oder der Regisseur Dietrich Brüggemann. Proll war tatsächlich Gast dieser Verschwörerveranstaltung „Corona-Ausschuss“. Wer da mitmacht, weiß, was er tut oder er sollte es wissen. Das geht dann nahtlos über in die Formate von Ken Jebsen und anderen einschlägig bekannten Aktiven.

Ohne diese Zusammenhänge momentan wirklich exakt benennen zu können: Das, was von Journalisten bisher herausgefunden wurde, ist vielsagend. Die dämlichen Reaktionen von Jan Josef Liefers auf die Kritik ebenfalls.

Als Hintergrund dieser verwirrten Verhältnisse kann man wohl ganz allgemein die neoliberale Ideologie ausmachen, die Begriffe wie „Freiheit“ und „sozial“ und deren Verhältnis zueinander pervertiert haben. Kritik an denen da oben erfordert immer den kritischen Blick aufs eigene Umfeld. Sich nicht von der vermeintlichen Elitenkritik der Rechten abzugrenzen, ist ein no go. Doch wer soll angesichts der jahrzehntelangen Enteinzelung noch durchblicken? Seien wir also gnädig. Die Leute da abholen, wo sie stehen.

Auch in diesem Sinn wünsche ich einen nachhaltigen 1. Mai.

(Foto: genova 2019)

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23 Antworten zu Es gibt noch guten Journalismus: zwei Beispiele

  1. altautonomer schreibt:

    Böhmermann wird aus aktuellem Anlass wieder mal mit dem Ziegenf..cker-Video als unglaubwürdig gedisst. Zentraler Vorwurf: Böhmermann-Satre darf alles, Schwurbler-Satire nicht? Dabei hat der Club der 53 in meinen Augen die Grenzen der Satire zweifelsfrei überschritten bzw. Geschmacklosigkeit zelebriert. Dazu hat die bürgerliche Journaille von Maischberger bis Rakers (3 nach 9) nichts anderes zu tun, als eilfertig alle Akteure der Kampagne von rechtem Denken freizusprechen.

    Im übrigen gefällt mir Deine klare Sprache in diesem Text, indem Du diese Mischpoke von selbsternannten Querdenkern, Wutbürgern, Faschismusverhinderern und ihre Führer als rechtsradikal bezeichnest. Dafür 10 Likes.;-)

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  2. genova68 schreibt:

    3 nach 9 ist nur noch PR-Journalismus, also kein Journalismus. Rakers ist ein schönes Beispiel dafür. Die ist ideal für die Moderation von Konzernevents. Die Passage mit Liefers dort zeigt, wie wenig Sprache vermag, wenn man sie nicht aufklärend einsetzt. Man hätte das Einminutenvideo einfach mal Satz für Satz analysieren sollen. Das macht aber keiner. Textanalyse. Es ist so ähnlich wie die Diskussion über den Text von Sandra Kegel, FAZ, bei der Schwan-Diskussion. Diese öffentlichen Diskussionen sind mittlerweile so durchsetzt von persönlichen Befindlichkeiten und Egozentrik, dass nur noch die Metadiskussion darüber lohnt, denke ich.

    Wobei ja jeder alles darf. Böhmermann Erdogan kritisieren und die Schauspieler ihre Videos veröffentlichen. Es geht ja nur darum, dass dass auch kritisiert werden darf, selbstverständlich.

    Danke für zehn Likes, so viele habe ich noch nie bekommen :-)

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  3. altautonomer schreibt:

    Nachtrag: Die Gefahr sehe ich in der Tatsache, dass man die Covodioten anfangs als eine kleinere Gruppe von Sonderlingen lange Zeit nicht als eine Gefahr wahr genommen hat. Dann bekamen ihre Demos immer mehr Zulauf. Insoweit ist die Reichweite der Videos prominenter TV-Lieblinge nicht zu unterschätzen, denn damit ist die Schwurbel- und Verschwörungsdiskussion in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

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  4. altautonomer schreibt:

    Was ich noch sagen wollte, da ich einmal so richtig in Fahrt bin: Genova! Im Gegensatz zu Dir und mir haben diese 53 TV-Stars unmittelbaren Kontakt zur politischen Elite. Auf Charite-Veranstaltung wie „Ein Herz für Kinder“, bei der Bambi-Verleihung, bei der Verleihung des Grimme-Preises oder der Goldenen Kamera sudeln sich die Polittypen -in der ersten Reihe sitzend- gern im Dunstkreis der Kultur- und Kunstschaffenden. Warum hat keiner der 53 jemals die Gelegenheit genutzt, am Rednerpult in der Dankesrede diese politischen Verantwortlichen ordentlich einzutüten? Weil sie sich lieber gegenseitig vollschleimen und einen Eklat vermeiden möchten. Es gibt auch keine Informationen, dass dies zumindest unter Ausschluss der medialen Öffentlichkeit bei der anschließenden After-Show-Party gewagt wurde.

    Der Einzige, der mir diesbezüglich noch gut in Erinnerung ist, war Marcel Reich-Ranicky, der in seiner Rede den Deutschen Fernsehpreis ablehnte, aber später von Thomas Gottschalk umgedreht wurde.

    Jetzt stellen sie sich blöd, fühlen sich verführt oder überrumpelt. Diese Heuchlerbande.

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  5. genova68 schreibt:

    Ja, das mit der Mitte der Gesellschaft ist nicht falsch. Die Covidioten sind insofern gefährlich, weil sie sämtliche Begriffe umdeuten. Nun sind plötzlich Reichsbürger und Elsässer für das Grundgesetz, für mehr Demokratie, gegen Ermächtigungsgesetze etc. Das ist eine Entwicklung, die schon länger läuft und die ich auch gerne mal näher untersucht hätte. Analog zur AfD, die ja auch für mehr Demokratie, mehr Meinungsfreiheit etc. auftritt. Es ist absurd, aber viele fallen darauf herein.

    Das Geheimrezept von Wahlsiegern und populären Bewegungen ist wohl immer, dass man möglichst viel unpolitische Menschen anspricht. Die Parteien, die das schaffen, gewinnen Wahlen, unabhängig vom Programm. Und solche Gruppen bringen viele Menschen auf die Straße, die sich leicht täuschen lassen. Wobei das wohl nur für letzten Sommer gilt. Wer seit dem 1. August 2020 noch für Querdenken sich ausspricht, ist vermutlich rechtsradikal. Oder verwirrt. Diese Form der politischen Verwirrung hat zugenommen, vermute ich.

    Die Schauspieler, keine Ahnung, ich kenne mich da nicht aus. Negativ sind mir eben Liefers und Poll aufgefallen. Ersterer wegen seiner Lügenpressenbehauptung, letztere wegen Corona-Ausschuss. Und Medienkritik wäre ja vonnöten, wir leben im Kapitalismus mit entsprechend abghängigen Medien. Aber vernünftige Medienkritik kommt nun mal nicht von rechts und auch nicht von Liefers.

    Was die anderen erzählt haben, weiß ich nicht, ich habe die Videos nicht gesehen.

    Letztlich haben wir Ältere uns immer noch nicht daran gewöhnt, dass heute jeder Depp einen Youtube-Channel einrichten kann. Blödsinn öffentlich zu machen, war noch nie so leicht wie heute. Was eher fehlt, ist eine Kultur, das Geplärre auszusieben. Es kostet zu viel Lebenszeit.

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  6. genova68 schreibt:

    Apropos guter Journalismus: Es reicht, bei einer Querdenkerdemo einfach nur die Leute reden zu lassen. Das kommt dabei raus: 12 Minuten Deutschland im Jahr 2021:

    Wer noch Energie hat, möge sich die 14 Minuten von Teil 2 anschauen. Faszinierend. Im Wesentlichen Nazis und Esoteriker. Eine Mischung, wie sie wohl nur in Deutschland möglich ist:

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  7. Jakobiner schreibt:

    Seltsam,mit Böhmermann kann ich gar nichts anfangen.Ich zappe immer gleich weg,weil mir dieser zappelnde Egokasper unsympathisch ist.Vielleicht habe ich da etwas verpasst,aber scheinbar nicht,da er ja wie beschrieben wirklich wichtige Themen völlig ignoriert.Mir unbegreiflich,wie man dieser Witzfigur Kultstatus verleihen kann.Aber das liegt vielleicht am Konzept des Kults.Interessant,was inzwischen schon als gelungener investigativer Journalismus gilt,etwa ein Oliver Pocher.Interessanter finde ich da schon den Postillion.Zwar immer dieselbe satirische Masche,aber sie bringt es sehr gut auf den Punkt.

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  8. Jakobiner schreibt:

    Um noch zu verdeutlichen, was ch meine, 3 Links zum Postilion. Vieleicht sollte man diese Covidioten auch mehr mit dem Mittel des Humors und der Satire bekämpfen:

    https://www.der-postillon.com/2021/05/podcastillon-kw-2117.html
    https://www.der-postillon.com/2021/04/homoeogift.html
    https://www.der-postillon.com/2021/04/meinungsdiktatur.html

    Interessant finde ich den biederen intelligenten rechten Typen mit dem Hut und Lodenmantel, der meint, dass die absehbare Finanzkrise kommen wird, eine Pleitewelle und dann eine richtige Massenbewegung entstehen kann, die sich aus materieller Not speist. Zwar bedauert er, dass die Leute dann aus ökonomischen und materialistischen Motiven handeln und nicht wie jetzt „Idealisten“ sind, die dann den harten Kern stellen werden, aber es ist ihm auch recht. Rechtsradikale haben zwar eine falsche und verkürzte Kapitalismuskritik, haben aber kapiert, dass Kapitalismus eben nur mit immer wiederkehrenden Finanz- undWirtschaftskrisen funktioniert, die sie dann für sich nutzen werden. Mit Carl chmidt halten sie es: Wer den Ausnahmezustand kontrolliert, der herrscht.

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  9. genova68 schreibt:

    Es geht, wie geschrieben, weder um Kultstatus noch um die persönliche Haltung zur Kunstfigur Böhmermann. Es geht darum, dass er gute Aufklärung betreibt und damit viele Leute erreicht, die sonst nicht erreicht würden. Das muss man in unsesrer aufmerksamkeitsbetonten Zeit erstmal hinkriegen.

    Postillon ist ein anderes Format. Auch gut, aber deshalb ist Böhmermann nicht schlecht.

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  10. altautonomer schreibt:

    Die für mich auffälligste, von Querdenkern erfundene Umdeutung (Occupation linker Begrifflichkeiten) ist die der „Alternativen Medien“. Diese Bezeichnung irritiert mich jedesmal, weil ich dabei an Interim, Pflasterstrand, Konkret, Antifa-Info, Graswurzelrevolition, Schwarzer Faden, radikal, Analyse und Kritik (AK) und Jungle World denke. Heute sind das RT deutsch, Telegramm, achgut, Reitschuster, Nachdnkseiten, PI-News, Rubikon, KenFM und ExoMagazin TV (der UFO-Sender).

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  11. neumondschein schreibt:

    Riesige Verschwörung! Die wollen uns alle unterjochen! Keine Verschwörungstheorie! Sondern erstklassiger Journalismus!!!

    Hat ja super geklappt, euer #TatortBoykott 😁 https://t.co/4ck4MQsqHF

    — Die Mediatheke (@die_mediatheke) May 3, 2021

    https://platform.twitter.com/widgets.js

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  12. neumondschein schreibt:

    Böhmermann wird aus aktuellem Anlass wieder mal mit dem Ziegenf..cker-Video als unglaubwürdig gedisst. Zentraler Vorwurf: Böhmermann-Satre darf alles, Schwurbler-Satire nicht? Dabei hat der Club der 53 in meinen Augen die Grenzen der Satire zweifelsfrei überschritten bzw. Geschmacklosigkeit zelebriert.

    Böhmermann-Ziegenficker-„Satire“ stellt Schmähkritik dar, d.h. Angriff auf die Person und nicht Kritik in der Sache. „Ziegenficker“, „sein Gelöt stinkt schlimm nach Döner“ ist keine Auseinandersetzung in der Sache. Sondern schlicht Beleidigung. Nicht nur Beleidigung an der Person Erdogans sondern aller Türken und Muslime. Das hat sich Böhmermann von rechtsextremen Moslemhassern abgehört, die muslimische Einwanderer beständig „Ziegenficker“, „Ölaugen“ und dergleichen Namen verpassen. D.h., Böhmermann vertritt keine Meinung sondern Qualitätsjournalismus, also Pogromstimmung und gewöhnlichen Haß. Das ist nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die 53 Querulanten, „Schwurbler“, finden Regierungsmaßnahmen dumm, unangemessen und unverhältnismäß. Das ist ein legitimer Anspruch. Deren Parodien sind keine Geschmacklosigkeiten, verletzen niemanden, beschädigen nicht das Ansehen von Mitbürgern oder schneiden irgendjemandem die Ehre ab. Sie sind auch nicht schuld an amtlicher Willkür, Mißwirtschaft, Pflegenotstand. Demnach keine Geschmacklosigkeit. Auch wenn die 53 mit komischen Leuten vernetzt sind.

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  13. neumondschein schreibt:

    Interim, Pflasterstrand, Konkret, Antifa-Info, Graswurzelrevolition, Schwarzer Faden, radikal, Analyse und Kritik (AK) und Jungle World

    Das meiste davon ist Gülle. konkret und Jungle World sind auch nichts besser als achgut und PI-News. Sie bedienen nur anderes Publikum. Das sind dieselben Moslemhasser und Pogromhetzer. Wobei sich achgut ein wenig gebessert hat und PI-News seit einiger Zeit das national-konservative Spektrum bedient und nicht mehr so den zionistischen Rassismus wie früher.

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  14. genova68 schreibt:

    Nicht nur Beleidigung an der Person Erdogans sondern aller Türken und Muslime.

    Das finde ich immer ein besonders lustiges Argument. Im Umkehrschluss: Wenn Erdogan Merkel beleidigt, beleidigt er auch mich und 80 Millionen Deutsche. Aha.

    altautonomer,
    ja, es ist die Besetzung von linken Werten. Ähnliches gilt für Rechtsstaat, Demokratie und Meinungsfreiheit.

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  15. altautonomer schreibt:

    Die Aktion war so minutiös geplant wie ein „Tatort“-Dreh
    Ein Schauspieler, der ebenfalls von Brüggemann angesprochen worden war und namentlich nicht genannt werden möchte, zeichnet ein völlig anderes Bild von der Entstehungsgeschichte.

    Im Gespräch mit dem Tagesspiegel berichtet er, dass Brüggemann und die Regisseurin Jeana Paraschiva federführend bei der Durchführung gewesen seien. Demnach verschickten sie via Email eine Projektskizze, mit der sie die geplante Aktion erklärten. Im Anhang der Mail fand sich ein Dokument mit Texten, die wirkten, als seien sie größtenteils von Brüggemann verfasst worden. Der Angeschriebene konnte sich aus diesem Konglomerat ein Statement aussuchen, das er später vor der Kamera vortragen würde.

    Ähnliches berichten die Schauspieler Richy Müller und Kida Ramadan. Auch ein Plan mit Drehorten und Zeitslots lag bereits zu diesem Zeitpunkt vor. An einem Wochenende im April sollten die Clips aufgenommen werden. Die Aktion #allesdichtmachen war so minutiös geplant wie eine „Tatort“-Produktion.

    Eine eigene Themensetzung, so der Schauspieler, sei dabei offensichtlich aber nicht erwünscht gewesen, die Stoßrichtung war vorgegeben: die Lockdown-Maßnahmen der Regierung, das „Narrativ“ von Politik und Wissenschaft mit einer alternativen Erzählung „umzustoßen“, wie es Brüggemann im „Welt“-Interview ausdrückt. Hinter #allesdichtmachen steckt somit eine klare politische Agenda; die vielen Stimmen gehen vermutlich auf einen einzigen Autor zurück.

    Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/wer-steckt-hinter-allesdichtmachen-eine-spur-fuehrt-ins-querdenker-milieu/27140704.html

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  16. neumondschein schreibt:

    Das finde ich immer ein besonders lustiges Argument. Im Umkehrschluss: Wenn Erdogan Merkel beleidigt, beleidigt er auch mich und 80 Millionen Deutsche. Aha.

    Nein, „Ziegenficker“, „Gelöt stinkt schlimm nach Döner“ ist an dieser Stelle etwas anderes als „Hurensohn“.

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  17. Jakobiner schreibt:

    Wenn Erdogan Merkel beleidigt oder von der Leyen aufs Sofa setzt,zielt er nicht nur gegen die Person oder individuelle Politiker/in,sondern schon gegen das Land,seine Bewohner und die Institutionen.Wenn Erdogan von Faschismus in Deutschland spricht,meint er nicht einmal so sehr die AfD,sondern Demokraten,demokratische Parteien und demokratische Institutionen,die er weghaben möchte.

    Interessant,der Artikel des Tagesspiegels.Wenn dem so wahr,dann hat Brüggemann die Texte zur Auswahl wie in einem Drehbuch zusammengestellt und die Schauspieler sich einen rausgesucht und verlesen.Soweit zur eigenen Meinung.Kennzeichnend bei Brüggemann scheint seine Indifferenz mit der er Diskurse abbilden will,wahr und falsch unkommentiert und gleichberechtigt nebeneinander stellt und Narrative demonstrieren will.Eine Spätgeburt des Postmodernismus also,in dem es keine objektiven Wahrheiten mehr gibt,sondern nur gesellschaftlich konstruierte Konstrukte.

    Auch interessant,dass es linke Querdenker „Freie Linke“gibt.Querfrontler scheinbar.Aber wohl eher marginal.

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  18. Jakobiner schreibt:

    Auch interessant,dass Tatortkommissare solche Autoritäten aufgrund desKultstatus dieser Serie und Institution sind.Der Tatort hat den sonntäglichen Gottesdienst und Kirchgang ersetzt. Deswegen auch diese Toleranz gegen diese Volksgoetter.Aehnlich Helene Fischer.Die hält sich ja bewusst mit politischen Positionen zurück,um möglichst viele Fans anzusprechen.Als sie sich einmal gegen rassistische Pogrome aussprach,gab es einen Shitstorm enttäuschter rechter Fans mit Boykottdrohungen.

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  19. genova68 schreibt:

    Die „freien Linken“ sind in der Tat marginale Querfrontler.

    Brüggemann behauptet, einem „faschistoiden Shitstorm“ ausgesetzt zu sein und dass nur noch die AfD „grundlegende Wahrheiten“ ausspreche. Was soll man da sagen?

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  20. Jakobiners schreibt:

    Bezeichnend,dass mit Ausnahme des Tagesspiegels da keiner mal nachrecherchiert hat,wer eigentlich der Urheber der Aktion war und dessen Hintergründe beleuchtete.Eigentlich ein Armutszeugnis für den Journalismus.Umgekehrt finde ich aber viele Reaktionen auf die Aktion und auch die Forderung nach einem Berufsverbot und Kündigung Liefers für völlig überzogen.Interessant,dass jetzt eine neue Künstlergruppe solch eine Aktion gemacht hat,die aber nun als positivesVorbild seitens desMaonstream gelobt wird.Und dann auch nicht die Alarmstufe Rot vergessen,die ohne Reichsbürger,Rechte und solche Brüggemanns auskommt,aber wenig Aufmerksamkeit zuteil wird.

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  21. genova68 schreibt:

    Der Tagesspiegel hat das mit viel Aufwand recherchiert, da finde ich Arbeitsteilung nicht schlecht. Wobei in der Welt ein Jungredakteur widerspricht und die Qualität der Recherche anzweifelt, aber hinter einer Bezahlschranke. Allerdings weiß man gemeinhin um die Qualität der Welt, insofern muss man das vermutlich nicht Ernst nehmen. Ich habe deswegen übrigens mal wieder kurz in die Welt-Kommentarspalten geguckt. Wenn man meint, in Deutschland gebe es kein Problem mit Diskriminierung und Sozialdarwinismus, der lese die Kommentare in der Welt. Wie groß mag der Anteil der Bevölkerung sein, der so denkt?

    Berufsverbot für Liefers? Wer fordert das? Ich kenne niemanden. Es gab da den einen Rundfunkrat, SPD, der wurde tausendfach kritisiert und er hat alles zurückgezogen.

    Ja, alarmstufe rot. Sicher sind Extreme stärker in den Medien vertreten, aber alarmstufe rot ist ja nur die Veranstaltungsbranche, und die vertreten ihre Interessen, quasi eine Gewerkschaft. Da bekommt man nicht so viel Aufmerksamkeit. Es gibt zu viele Themen, als dass alle gleich behandelt werden könnten. Mir fällt gerade ein, dass ich sicher schon zehn Jahre lang nichts mehr von den chinesischen Übergriffen in Tibet gelesen habe.

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  22. Jakobiner schreibt:

    Berufsverbot hat nur der SPDler gefordert,aber in vielen Shitstorms würde gefordert,dassLiefers alsTatort-Boehme gefeuert wird.Wie gesagt:Das ist eine sakral-mediale Heilsfigur mit Vorbildcharakter,die immer gegen die Böden ermittelt und für das Gute steht.Dieses Unpersoenlichkeitsmachen gibt es inzwischen auch in Hollywood.Da Kevin Spacey übergriffig war,würde er nun posthum aus vielen Filmen entfernt und mit einem neuen Schauspieler ersetzt.Waere so,als wenn man Klaus Kinski oder Roman Polanski posthum aus den Filmen entfernen würde.Die Bolschewiki haben im Rahmen der Stalinschen Säuberungen auch Trotzki,Sinojew und Bucharin aus früheren Gemeinschaftsfotos entfernt.Und Trump spielte für 3 Minuten in Kevin allein in New York mit und würde nun auch rausgeschnitten.Fuer mich ist das übertrieben.Ich denke immer,dass man Person und Werk auseinanderhalten sollte.Selbst wenn Einstein seinen Kanarienvögel vergewaltigt hätte,wäre die Relativitätstheorie trotzdem richtig

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  23. genova68 schreibt:

    Ja, dieses Entfernen und Eliminieren hat gerade wieder Hochsaison. Es erinnert an unheilvolle Zeiten. Man entfernt ja immer im Zeichen des Guten. Das war bei Stalin und in der DDR nicht anders. Es geht aber tiefenpsychologisch wohl immer um die Zerstörung des Anderen, um das Ausschalten des anderen, das vorgeblich Gute muss als Begründung konstruiert werden.

    Lehmann verliert sämtliche Jobs wegen des Quotenschwarzen, Aogo verliert den Skyjob, weil er „vergasen“ sagte. Es ist lächerlich bzw. gefährlich, weil die Hypermoral der Guten zuschlägt. Eine Zeit-Redakteurin beschrieb auf twitter die Vorgänge um Aogo und kommentierte dann:

    „Sky hat reagiert. Gut so.“

    Kein Pardon. Eine deutsche Tugend. Man könnte mit den Leuten reden, sie zu einem Antirassismustraining etc. verpflichten, was auch immer. All das ist aber nicht gewollt. Stattdessene eine neuauflage schwarzer Pädagogik: totale, umfassende Bestrafung.

    Leute erblöden sich auf twitter nicht bekanntzugeben, dass sie jetzt keinen Münsteraner Tatort mehr gucken. Andere verzichten nun auf Berlin Babylon. Solche Leute machen sich heute mit ihrem Agieren aber nicht lächerlich, wie es nötig wäre, sondern sie zeigen damit ihre hochmoralische Gesinnung.

    Kein Pardon. Auch wieder typisch deutsch, diese extreme Gründlichkeit, auf die man hierzulande so stolz ist. Aber wohl nicht nur ein deutsches Phänomen. Alles Auswüchse neoliberaler Politik. Vielleicht sollte man den Faschismusbegriff dahingehen erweitern, dass das Neoliberale mit hinein spielt.

    Aber es gibt immer noch genügend vernünftige. Der Rundfunkmann von der SPD, der die Absetzung forderte, wurde schnell zurückgepfiffen.

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