Wie man wohnen soll: [gemäß CDU, AFD + FDP]

Für den Urlaub idyllisch, auf Dauer vermutlich nicht idyllisch: Wohnen in Berlin nach dem „Karlsruher Urteil“, wie man sagt.

Falls man nun aus der Großstadt in die Kleinstadt flüchten will: Der Tagesspiegel erklärt seinen Lesern:

Großstädte werden zu teuer : Wo sich der Immobilienkauf für Privatanleger noch lohnt

Laut einer Studie winken in Kleinstädten teils deutlich höherer Renditen als in den Metropolen. Wo liegen die lukrativsten Landkreise?

„Lukrativ“ bedeutet hier: Wie kann man von der massiver werdenden Ausbeutung auf dem Land profitieren? Wo ist es „lukrativ“, was besser als „gewinnbringend“ klingt? Wo „winken“ Renditen? Wer winkt, kann nichts Böses im Sinn haben.

Es geht nicht etwa um Leute, die eine Wohnung suchen. Nein, denen soll die Wohnung bitte zügig weggeschnappt werden, und zwar von denen, die schon mehr als genug haben, aber naturgemäß noch mehr brauchen und das suchen, was freundlich winkt.

Im Tagesspiegel und anderen bürgerlichen Zeitungen läuft sowas unter der Rubrik „Service“ oder „Ratgeber“. Das erwartet der aufgeklärte Leser vermutlich: Ausbeutungstipps. Gut möglich, dass ein, zwei Seiten weiter die Ausbeutung von Näherinnen in Bangladesh beklagt wird. Diese postmoderne Beliebigkeit ist heute das Fundament. Alles geht, nichts muss.

Die soziale Variante dieser Ausbeutung ist Lotto spielen: Alle zahlen das gleiche ein und ein paar wenige bekommen alles raus. Aber die Chancen sind gleich verteilt, jeder weiß vorher Bescheid und die Ziehungen am Samstagabend sind unterhaltsam. Ähnliches gilt für Aktienzocken. Es diversifiziert, wie man heute sagt, den Alltag.

Die Realität ist weder Lotto spielen noch Aktien zocken. Sondern: Könnte man die Luft so einfach einzäunen wie den Boden, gäbe es die auch nicht umsonst.

Alles ganz normal.

(Fotos: genova 2021)

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6 Antworten zu Wie man wohnen soll: [gemäß CDU, AFD + FDP]

  1. kormoranflug schreibt:

    Wer hat die vielen vorhandenen dem Volk gehörende Wohnungen und Plattenbauten an Grosskonzerne verkauft? Die CDU, SPD und die Linken…. Komisch jetzt wollen alle zurückrudern.

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  2. genova68 schreibt:

    Stimmt, wobei die Linke sich mittlerweile am deutlichsten distanziert und berlin- wie bundesweit ein deutliches Umsteuern fordert.

    Ganz aktuell heute im Tagesspiegel dieser Artikel:

    Mietmarktlabor Berlin
    Wie internationale Investments den Wohnungsmarkt umwälzen
    Die Wohnungskrise steht erst am Anfang. Sieben Monate haben Journalistinnen und Journalisten in 16 europäischen Großstädten gemeinsam recherchiert. Das Ergebnis: Die Ursachen der Krise sind gewaltig, die neuen Akteure auch – und die Folgen für die Menschen kaum absehbar.

    Essenz:
    – In London und Paris stehen ganze Stadtviertel leer, die Wohnungen dort wurden von Investoren gekauft und dienen nur der Spekulation.

    – Die Entwicklung wird sich verschärfen, auch in Berlin.

    – Immobilien- und Finanzmärkte sind eng verzahnt.

    – Es ist eine Legende, dass starker Zuzug zu den hohen Preisen führt: Der Zuwachs betrug in Berlin von 2010 bis 2020 10,2 Prozent.

    – Es muss das internationale Kapital irgendwo angelegt werden: „Die Investitionen globalisieren sich langsam. Platz eins belegen die USA. Aber auch Deutschland, Frankreich, England und Schweden investieren viel grenzüberschreitend. Katar und Russland sind auch mit dabei. Und je mehr mitbieten, desto höher steigen die Preise.“

    – die Verteuerungen gehen auf das Konto von großen Geldsammelstellen, beispielsweise Pensionsfonds. Es wird, z.B. wegen des Konzepts der privaten Altersvorsorge, immer mehr Geld eingesammelt, das irgendwo angelegt werden muss. Den Anlegern gehen die Anlagemöglichkeiten (Staatsanleihen, Aktien) aus, deshalb fließt immer mehr Geld in die Immobilienmärkte.

    Wir haben also die merkwürdige Situation, dass Boden überhaupt verwertbar ist, dass man also Geld für etwas zahlt, was niemand produziert hat. Und zweitens erleben wir in einer Krisensituation – in der das Kapital neue Anlagemöglichkeiten sucht -, dass genau in diesen Bereich „investiert“ wird. Dass also ein Bereich immer teurer wird, der keinen natürlichen Preis hat. Das geschieht zum Schaden fast aller.

    Die Lösung wäre einfach und der Ostblock hat es seinerzeit vorgemacht. Im Kapitalismus würde das allerdings bedeuten, dass die Wirtschaftsbilanzen einbrächen. Es käme zu einer Rezession, obwohl es fast allen besser ginge.

    Die aktuellen Wirtschaftswissenschaftler (wenn man diese Leute so nennen mag) hängen hier fest und ignorieren das Problem. Der Tagesspiegelartikel zeigt es aber ganz gut auf:

    https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/mietmarktlabor-berlin-wie-internationales-investment-den-mietmarkt-veraendert/

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  3. kormoranflug schreibt:

    So grosse Wohnungsmengen konnten die Anleger-Konzerne für Rentenfonts aus Dänemark, Schweden, Irland und Norwegen nur vom grossen Wohnungsbestand der staatlich verwalteten Wohnungen erwerben. Von Privaten Hausbesitzern gab es nur immer einzelne Objekte zu erwerben. Mir haben diese Verkäufe bei meiner beruflichen Tätigkeit schwer geschadet. Die sogenannten Anleger haben meistens kein Interesse an Verbesserungen oder Mängelbeseitigung von Wohnungs- oder Gebäudemängel. Sie verwalten die Mieter mit Anwälten und bekommen ihr Geld über die Börse oder Anleger – die diese Methoden gut finden. Nach meiner Auffassung kann nur noch durch Förderung und Bauen neuer Wohnungen entgegengewirkt werden. Interessant ist z.B. in Dänemark kann niemand ohne Staatsbürger zu sein Wohnungen erwerben – in Deutschland schon.

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  4. genova68 schreibt:

    Ja, der kommunale Wohnungsbestand wurde gerade in Berlin verhökert, zu Schleuderpreisen. Das war ein extremer politischer Fehler, es war Folge einer neoliberalen Ideologie und akuten Sparzwängen in Berlin. Ich bin aber immer für Vergebung, wenn man Fehler einsieht. Bei der Linksapartei würde ich das attestieren, bei der SPD nur in Teilen. Strategisch betrachtet muss man eben diese Teile fördern und in Austausch mit progressiven Kräften bringen. Will heißen: r2g auf Bundesebene in den Blick bringen, gegen die Scholz und Giffeys und den Schröder-Clan.

    Bauen neuer Wohnungen ohne weitere Änderungen bringt nur neues Futter für die Investoren. Die wollen ja bauen und bauen in Berlin auch fleißig, aber eben teure Investorenarchitektur, die dem normalen Mieter überhaupt nichts bringt, ihm eher schadet, weil so noch freie Flächen mit teuren Häusern zugebaut werden, die nur der Investorenlogik dienen. Dann besser nicht bauen.

    Förderung hört sich auch gut an, aber solange die Bodenpreise so hoch sind, läuft alle Förderung in die Kapital- bzw. Bodenverwertung. Es müsste zuerst die Bodenfrage gelöst werden.

    Gäbe es keinen Bodenpreise, wären die aktuell gebauten Wohnungen 80 Prozent billiger. Ohne jeder Förderung.

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  5. Jakobiner schreibt:

    Nun,r2g kommt auf Bundesebene sicherlich nicht,entweder schwarz-gruen oder schwarz-rot-gelb.Zumal hat Laschet jetzt auch noch Merz in sein Wahlkampfteam aufgenommen.Also lauter Konstellationen,wo für den Wohnungsbau auf Bundesebene nichts Gutes zu erwarten ist.

    Gestern noch ein Bericht in der Tagesschau des ARD über Hamburgs Hafencity.So etwa das Pardon zu den Docklands in London.Da wurde gefragt,ob sich die Befürchtungen,dass da ein gentrifiziert Neureichenstadtteil rauskommt,befürwortet hätten.Faktisch würde dies bejaht,aber dann die neuen Wohnungseigentümer als Pioniere zur Brachländerschließung wie die Siedler in den USA an der New Frontier .dargestellt.Dann darauf verwiesen,dass man nun soziale Vermischung wolle und es da auch ein paar günstigere Wohnungen und Projekte wie betreutes Wohnen gebe.Zudem sei Hafencity heute der Jugendtreffpunkt,weil es hip sei.Eine Cafebesitzerin beklagte sich noch über exorbitante Pachten,die keine „kreativen Experimente“erlaubten.

    Fraglich wie lange das noch so geht.Wenn wie bei Monopoly alle Wohnungen und Investitions-und Anlagemöglichkeiten vergeben sind.Platzt dann Mal die gesamte Immobilienblase und regelt das der Markt?Oder haben wir dann zugleich wieder eine Fette Finanzkrise?

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  6. genova68 schreibt:

    Bist du in Bezug auf r2g (oder besser: gr2) so pessimistisch. Dass die Grünen stärkste Partei werden, glaube ich nicht. Wenn nicht, könnte Baerbock nur in dieser Konstellation Kanzlerin werden. Oder mit rot-gelb-grün, ok. Grün-schwarz könnte die Grünen zerreissen. Die leben gerade davon, dass sie strategisch extrem gut unterwegs sind, keine Streitereien, populäre Themen. Aber in der Regierung dürfte das Wohlwollen schnell aufgebraucht sein und die linke Flanke der Grünen wäre offen.

    Hafencity, ja kann ich mir vorstellen. Ein neoliberales Projekt, sowas wird nur gemacht, um Kapitalbedürfnisse zu befriedigen. Im relativ ausgleichenden Deutschland wird dann eine Quote eingebaut, 25 Prozent „bezahlbare“ Wohnungen. Das sind dann 75 Prozent unbezahlbare, das fällt aber nicht jedem auf.

    Ja, wenn alle Investitionsmöglichkeiten vergeben sind, dann ist der Kapitalismus am Ende. Aber das dauert oder wird vermutlich nie passieren. Vor 15 Jahren diskutierte man beispielsweise die Privatisierung der kommunalen Behörden. In Würzburg gab es ein Pilotprojekt, das scheiterte grandios, man lies wieder davon ab. Aber das könnte man auch wieder auf den Tisch bringen. Reale Privatisierung der Bahn, da wäre auch noch viel Geld zu machen. Es gibt im Umland von Berlin auch viel Druck, noch mehr Bauland für Einfamilienhäuser zur Verfügung zu stellen. Das sind auch wunderbare Kapitalvermehrungsanlagen. Das beißt sich derzeit mit Behörden und Verkehrsplanern, die das nicht wollen.

    Ich frage mich beispielsweise, wie ein Krankenhaus in München neue Krankenpfleger rekrutiert, bei den Wohnungspreisen.

    Und solange es in Deutschland politisch ruhig bleibt und die Exportrekorde weiter purzeln, gibt es keinen Grund, die Aufwärtsspirale gefährdet zu sehen. Aber sicher kann das auch kippen. Wenn man beispielsweise immer mehr Migranten für systemrelevante Jobs braucht, muss man denen früher oder später Wohnungen zur Verfügung stellen, sonst kommen die nicht.

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