Das „Aus 500 mach 5.000“-Spiel

Kürzlich las ich ein Interview mit einer Architektin, die in Berlin-Lichtenberg ein interessantes, leicht experimentelles Haus mit guten individuellen Lösungen zu einem vertretbaren Preis gebaut hat. Auf die Frage, wie das möglich war, antwortete sie, sie habe das Grundstück schon im Jahr 2010 gekauft, für 500 Euro den Quadratmeter. Jetzt liege der Preis bei 5.000 Euro. Sie könnte, sagte die Architektin, das Haus heute nicht mehr bauen.

Von 500 auf 5.000. Bei 5.000 Euro fließen runde 80 Prozent der Bausumme ins bloße Grundstück. Es zeigt das Desaster der Wohnungspolitik in Deutschland und es zeigt, dass ganz bewusst nichts getan wurde, um es zu verhindern. Die entscheidenden politischen Kräfte wollen genau diese Entwicklung: Ausbeutung, wo immer möglich. Der verstorbene SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel hatte vergangenes Jahr noch ein Buch zum Thema vorgelegt. Er verstand es ausdrücklich als Handlungsanleitung für die aktuelle Politik. Die heutigen Politiker interessiert das nicht. Die Lösungen liegen auf dem Tisch, aber Politik und Medien geht es mehrheitlich darum, sie zu verhindern.

Jetzt ist der Mietendeckel also passé. Die Rechten argumentieren wie gewohnt: Die NZZ nennt das Urteil „eine Niederlage für die Ideologen“ und wirft dem Berliner Senat eine „undurchdachte Klientelpolitik“ vor. Die FAZ freut sich und will eine Wohnunspolitik, die in Städten ganz lyrisch „ein Kommen und Gehen ermöglichen“ soll, das Handelsblatt behauptet, der Mietendeckel sei „schädlich für alle“ gewesen und habe „unverhältnismäßig in das Eigentumsrecht der Vermieter eingegriffen“ and so on.

Das übliche rechte Geplapper im Sinne der Herrschenden also, angereichert gerne mit dem Zusatz, es müsse halt mehr gebaut werden. Alle diese Argumente lassen sich leicht widerlegen und das ist schon tausendfach geschehen.

Es zeigt sich, dass die rechten Medien und die rechten Parteien erneut gezeigt haben, wessen Interessen sie vertreten: die der Reichen, auf dass sie ungestört noch reicher werden. Um nichts anderes geht es. Etwas vornehmer ausgedrückt: Um Kapitalakkumulation, die systemisch aufrecht erhalten werden muss. Seehofer begrüßte das Urteil heute ausdrücklich.

Traurig ist, dass die Hauptschuldige heute niemand benannt hat: Angela Merkel. Die Frau ist seit 2005 Bundeskanzlerin, seit etwa 2007 wird das Problem der Gentrifizierung wahrgenommen. Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass das Land Berlin keine Kompetenz für einen Mietendeckel habe, da das Thema im Bund schon geregelt sei. Das ist formal richtig, aber inhaltlich natürlich Quatsch, doch es zeigt mit dem Finger auf Merkel. Es wäre, nähme sie ihren Amtseid Ernst, ihr Job gewesen, entsprechende Gesetze auf Bundesebene zu präsentieren. Machte sie natürlich nicht. Ihr Job ist es, das „Aus 500 mach 5.000“-Spiel laufen zu lassen.

Jüngst hat der Bauunternehmer Christoph Gröner der CDU knapp eine Million Euro gespendet. Diese Form der Korruption ist in Deutschland legal, was schon einiges aussagt. Aber es ist eben Korruption, die auch Merkel betrifft. Das stört kaum jemanden.

Merkel bleibt in unserer obrigkeitsaffinen Gesellschaft unantastbar. Eine Königin.

Kevin Kühnert findet klare Worte:

Kühnert hingegen griff die Kläger an. „284 Abgeordnete von CDU, CSU und FDP haben ihre Masken fallen lassen. Sie sind für den Profit der Immobilienlobby vor Gericht gezogen, während ihre Parteien auf allen Ebenen gegen einen effektiven Mieterschutz kämpfen“, meinte der frühere Juso-Chef. „Deutlicher kann man nicht zum Ausdruck bringen, auf welcher Seite des außer Kontrolle geratenen Wohnungsmarktes man steht.“

Ja, sicher, wobei den Rechten die Maske schon immer mehr schlecht als recht saß. Völlig perfide reagiert die Berliner CDU:

Die CDU-Fraktion schlägt einen Härtefall-Fonds für diejenigen Mieterinnen und Mieter vor, die aufgrund der falschen Versprechungen von SPD, Linken und Grünen jetzt in wirtschaftliche Bedrängnis kommen.

Perverser gehts nimmer.

Die Schuldigen von heute sind natürlich die die Klägerinnen CDU und FDP sowie die neoliberalen Medien und Merkel samt Anhang.

Problematisch sind allerdings auch die Leute, die seit dem neuen Buch von Wagenknecht mit dem Schimpfwort „Linksliberale“ belegt werden. Leute, die gerne grün wählen und in den letzten Jahren sagten, Merkel sei doch „irgendwie ganz ok“. Dieses Werturteil zeigt das Ausmaß der Katastrophe. Eine neoliberale und vollständig opportunistische Kanzlerin ohne jede Haltung, die naturgemäß die Ausbeutung vorantrieb, wird von diesen komischen Leuten als „ganz ok.“ beurteilt. Da sind mir die Hardcorekapitalisten lieber, die kämpfen für ihre Interessen und haben mehr Durchblick.

Die SPD sitzt seit 2013 in der Regierung, auch da kam nichts. Ein paar lächerliche Gesetze, die das Papier nicht Wert waren. Von Scholz hört man vermutlich nichts. Der plappert jetzt blumig von Respekt, das muss reichen. Kevin Kühnert will nun einen bundesweiten Mietendeckel.

Das Urteil könnte aber eine Chance sein, so wie Kühnert das fordert:

„Bei der Bundestagswahl am 26. September macht die SPD den Mieterinnen und Mietern ein klares Angebot: In der nächsten Bundesregierung wollen wir einen Mietenstopp in allen angespannten Wohnlagen durchsetzen.“ Zudem wolle man  jährlich mindestens 100.000 preisgebundene neue Wohnungen, um dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenwirken.

Die Chance wäre nun, dass sich rot und rot und grün auf Bundesebene zusammenraufen. Zumindest die Berliner Grünen fordern ebenfalls den bundesweiten Mietendeckel. Habeck hat sich auch schon für den Deckel ausgesprochen. Und die Bundesgrünen unterstützen seit ihrem letzten Parteitag die laufende Enteignungsinitivative von Deutsche Wohnen und Co. in Berlin. Die Bevölkerung unterstützte den Deckel zu 70 bis 80 Prozent. Es wäre also mehrheitstechnisch eine Chance. Man könnte den Feind auch klar markieren. Alles eine Frage der PR: Wie kommuniziert man das Bauen als Neue soziale Frage? Wie kommuniziert man beispielsweise, dass niemand durch Vermietung seine Rente aufbessern darf, weil das ein reines Ausbeutungsprojekt auf Kosten Anderer ist?

In Berlin gibt es am Abend der Urteilsverkündung spontane Proteste mit rund 10.000 Teilnehmern. Das macht Hoffnung. Wenn es gut geht, ist das nur der Anfang.

Zudem: Der bundesweite Mietendeckel dürfte nur ein Anfang sein. Das Ziel, auch das sollte man sauber formulieren, muss eine komplette Rekollektivierung des Bodens sein. Sozusagen in göttlichen Zustand. Boden kann als Erbpack vergeben werden, gerne auch an die nächste Generation weitervererbbar. Aber eben nicht verkäuflich.

Es wäre eine notwendige Voraussetzung, zu dem Ziel zu gelangen, das selbstverständlich ist: Jedem eine gute und günstige Wohnung. Bei der Entwicklung der Produktivkräfte ist das ein Kinderspiel. 800 Euro für einen Quadratmeter fertige Wohnung mit vernünftigen ökologischen Kriterien ist ohne weiteres machbar. Dass das unterm Kapital als unmöglich erscheint, zeigt nur das Ausmaß unserer Verblendung.

Neues Bauen im Frankfurt der 1920er Jahre

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15 Antworten zu Das „Aus 500 mach 5.000“-Spiel

  1. altautonomer schreibt:

    Zum Buch von Wagenknecht eine Bemerkung: Mit scharfen Worten attackiert Wagenknecht in ihrem Buch jegliche emanzipatorische Bewegungen, denen sich die Linkspartei eigentlich verbunden fühlt. Von den Fridays for Future über Black Lives Matter, dem Seebrücke-Bündnis bis hin zu den „Unteilbar“-Demonstrationen – für die einstige linke Frontfrau alles unerquickliche Veranstaltungen einer degenerierten „Lifestyle-Linken“, die den Bezug zu den wahren gesellschaftlichen Problemen verloren habe.

    Ob die alle Merkel toll finden, wage ich zu bezweifeln.

    Kühnert erinnert mich lediglich an Katja Kipping, die auch mit ihrer antikapitalistischen Agenda auf linkem Ticket an die Futtertröge – sprich Abgeordnetendiäten- kam. Linke Attitüden, wie die von Kühnert machen mich aus Erfahrung eher misstrauisch.

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  2. neumondschein schreibt:

    Von den Fridays for Future über Black Lives Matter, dem Seebrücke-Bündnis bis hin zu den „Unteilbar“-Demonstrationen

    sind alles astroturfing-Veranstaltungen, Jubelveranstaltungen wie die bestellten Demos in der DDR zum Republikgeburtstag oder dem Ersten Mai. Gegen gesellschaftliches Engagement hat sie wahrscheinlich nichts.

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  3. neumondschein schreibt:

    exportabel-genova: Was passiert mit jemandem, wenn man Mieten deckelt und gleichzeitig der qm 5000 EUR kostet? Zumindest wird dieser Jemand keine Wohnungen bauen. Es sei denn, dieser Jemand ist Altruist und verschenkt gern Geld. Weil das nicht allzuviele davon gibt, entstehen nicht viele neuen Wohnungen. Dieser Jemand müßte nämlich, um die 5000 EUR per qm bezahlen zu können, einen Kredit aufnehmen. Dessen Zinsen müssen die Mieter bezahlen, damit der Vermieter Gewinn machen könnte. Kann man potentiellen Vermietern keinen Gewinn in Aussicht stellen, so wird aus einem potentiellen Vermieter kein wirklicher. Das wäre so, als ob man dem exportabel-genova einen Job anbieten würde, der nicht nur nicht bezahlt wird, sondern, wo exportabel-genova noch Geld mitbringen müßte, damit er ihn machen darf.

    Die 5000 EUR per qm sind aber nicht die Schuld der Vermieter sondern die Folge der Liquiditätsflut an den Finanzmärkten sowie der neoliberalen Politik der letzten Jahre, d.h. der Privatisierung der Rente, des Niedriglohnsektors, der zur Stagnation der Realwirtschaft beiträgt und die Liquidität im Finanzwesen attraktiver macht, der Krisen in der Welt, die Krösusse in aller Welt dazu bringt, ihr Geld in „sichere Häfen“ wie Berlin zu bringen.

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  4. genova68 schreibt:

    neumondschein,
    deine Frage ist unklar, die Worte sind irgendwie durcheinander. Wie auch immer: Wenn es Bundesgesetze gäbe, die Miete und Verkaufspreise von Wohnungen und Gewerbe radikal deckeln würden, würde sich sofort der Bodenpreis anpassen. 5 Euro pro qm Miete und 1.000 Euro pro qm Kauf, und schon wäre der Bodenpreis bei vermuteten 200 oder 300 Euro pro qm. Das wäre simpel zu machen, aber eben nicht gegen die aktuellen Herrschaftsverhältnisse. Es gäbe einen massiven medialen Gegenwind und vielleicht ist es das, was SPD und andere fürchten. Beim Klima kann man aufspringen, bei Genderthemen auch, das kostet nichts. Eigentumsverhältnisse sind ernst zu nehmen, da kennen das Kapital und die hörigen Medien keinen Spaß.

    altautonomer,
    ich habe das Buch von Wagenknecht nicht gelesen, aber den langen Auszug, den t-online veröffentlicht hat. Ich würde für wohlwollende Lektüre plädieren. Es steckt einiges an Kritik drin, was kritisiert werden sollte. Andererseits hat sie eine rechte Schlagseite, wenn sie Querdenker verharmlost und auch ansonsten für alle offen argumentiert. Seebrücke und BLM kritisiert sie nicht offen, oder? Wo soll das sein? Aber kritisierbar ist alles, darin sehe ich kein Problem.

    In Teilen völlig falsch ist die Replik von Lamya Kaddor:
    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_89848648/sahra-wagenknecht-die-linken-politikerin-ist-aus-der-zeit-gefallen.html

    Wagenkecht wird dort als Nazi gelabelt und Kaddor offenbart eine erschreckende Unkenntnis über den Begriff der Arbeiterklasse. Wenn die Linke in ihren Teilen keinen vernünftigen, wohlwollenden Diskurs über die Themen hinkriegt, wird das im September übel. Aber Diskutieren wurde in Teilen verlernt.

    Ich habe kürzlich in einer alten arch+-Ausgabe geblättert, aus den 80er Jahren. Dort gab es einen Artikel von Leon Krier, einem reaktionären Architekten, schon damals. Es ist undenkbar, dass der in einer heutigen Archplus-Ausgabe zu Wort käme. Der Vorwurf, man würde einem Rechten oder Faschisten eine Bühne bieten, wäre massiv, bis hin zu Abokündigungen etc.

    Wir sind da auf keinem guten Weg, zumal in der heutigen Medienwelt mit youtube etc. man sowieso keine Meinung wegkriegt. Es gibt dann Parallelwelten. Vermutlich kann man heute Weimarer Verhältnisse durch genau diese Parallelmedienwelten schaffen. Im übrigen vertraue ich auf das bessere Argument, von mir aus auch auf die bessere PR-Strategie.

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  5. Jakobiner schreibt:

    Für einen bundesweiten Mietdeckel und weitergehende Forderungen bräuchte es ja auch Mal einebundesweite Mieterbewegung und Wohndemos in allen großen Städten,damit das Mal wahrgenommen wird.Zumal zu Coronazeiten.Bisher bleibt das ja scheinbar nur auf Berlin beschränkt.Und ein Bundeskanzler Laschet oder Söder wird das auch nicht ändern.Von Habeck und Baerbrock würde ich mir auch nicht viel erwarten.Zumal es ja auf schwarz-gruen hinauszulaufen scheint.

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  6. genova68 schreibt:

    Es gibt diese Gruppen auch in München, aber es stimmt schon, die Aktionen sind verhalten. Das hängt m.E. damit zusammen, dass man das Thema als gottgegeben, als naturwüchsig betrachtet. Dagegen kann man nichts machen. Wir sind da alle neoliberal komplett deformiert. Diesbezüglich ähnelt Deutschland Nordkorea. Eigentlich noch effektiver, weil wir uns hier frei denkend vorkommen, was in Nordkorea wahrscheinlich gar keine Kategorie ist. Und es betrifft ja auch eher die untere Hälfte, die sich sowieso selten zu Wort meldet, auch, weil sie keine politische Vertretung mehr hat. Ich kenne viele eher linke, grüne Leute, die sofort für Klimaschutz auf die Straße gehen würden, oder gegen die AfD, aber nicht gegen die Wohnpreise. Irgendwie schickt sich das nicht. Man spürt, so glaube ich, dass es da ans systemisch Eingemachte geht. Und radikal will man ja nicht sein.

    Andererseits waren vorgestern Abend in Berlin spontan (!) 15.000 Leute auf der Straße. Und wenn die Nachzahlungsforderungen kommen, wird man sehen, ob man den Bogen nicht überspannt hat.

    Ein grüner Kanzler scheint mir nicht so abwegig, weil die Grünen nur via r2g den Kanzler stellen können. Ob die da wirklich lieber mit Söder zusammengehen? Aber sicher, zuviel erwarten sollte man dann auch nicht.

    Söder hätte vielleicht auch den Vorteil, dass er die Polarisierung der Gesellschaft vorantreiben würde. Der Typ ist dermaßen demagogisch und populistisch, das dürfte gesamtgesellschaftlich nicht ohne Folgen bleiben.

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  7. altautonomer schreibt:

    genova und neumondschein: Anschlussbemerkung. Nachdem ich in konkret 9/2016 diesen Text las, war Wagenknecht für mich als Linke nicht mehr akzeptierbar, weil sie mit rechts anschlussfähigen Einstellungen öffentlich hausieren ging und geht.

    https://cms.konkret-magazin.de/hefte/id-2016/heft-92016/articles/sahra-wagenknecht-und-die-voelkische-selektion.html

    Zitate: »Erhards Ausspruch, Wohlstand für alle zu schaffen, das ist für mich linke Politik!« Erhard ordnete Lohnstopps bei 20 Prozent Inflation an und bezeichnete die staatliche Wohlfahrt als »modernen Wahn«. Aber woher soll sie das wissen?

    »Nicht alle Verarmten und Verelendeten der Welt können zu uns kommen« (Wagenknecht). Das sind laut Weltbank 1.400.000.000.

    Sie kündigte im Fernsehen (»Sommerinterview«) an, dass eine Regierungsbeteiligung durchaus »in Frage kommt« und »Deutschland nicht an dem Tag, da Die Linke ins Kabinett eintritt, die Nato verlassen« werde.

    Und wer seinen selbst inszenierten „Volksaufstand“ „Aufstehen vergeigt hat, sollte mit der Kritik wie z. B. an FfF (das sind eben nachweislich nicht alles wohlstandsverwöhnte Gymnasiasten) etwas zurückhaltender sein.

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  8. neumondschein schreibt:

    Oh, diese Vermieterschweine!

    Denken Sie daran: Zahlen Sie den jetzt bereits fälligen Fehlbetrag zügig eigeninitiativ nach. Also das, was Sie bisher nicht gezahlt haben. Ohne auf eine Aufforderung zu warten. Sonst ist das ein Kündigungsgrund, sagt der Jurist. Und sie geiern auf den Grund zu kündigen. Sie zu entfernen. Um das Mietobjekt zu entkernen. Umzuwidmen. Pastellfarben anzumalen. Neues Parkett reinzulegen. Eine emissionsarme Heizung. Fette Küche. Um es gewinnbringend an pausbäckige Erben, Investoren oder Geldwäscher zu verticken.

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  9. neumondschein schreibt:

    Der Nationalstaat ist die einzige demokratisch legitimierte Herrschaft derzeit. Auf deren Grundlage sind Sozialstaat, Schutz von Minderheiten, Frauenrechte und liberale Rechtsordnung gebaut. Da ist es kein Wunder, daß reformistische Sozialdemokraten wie Lafontaine und Wagenknecht den Nationalstaat nicht abschaffen wollen.

    Und was konkret betrifft: Das sind die ärgsten Moslemhasser derzeit. Das übrige Volk einschließlich ihrer Rechten hat sich stets irgendwann arrangiert mit Fremden jeder Art, mit Russen, Syrern, Türken, Vietnamesen, nachdem sie eine Zeitlang deren Hütten angezündet hat. Zionisten würden jedoch niemals damit aufhören.

    Und nebenbei bemerkt: Daß Zuwanderung automatisch Wirtschaftsaufschwung bringt, ist nicht erwiesen. Das kann sein, muß es aber nicht. Und TTIP mit ihren Schiedsgerichten und der bedingungslosen Unterordnung der Demokratie unter die Gewinninteressen multinationaler Unternehmen ist ein radikal-neoliberales Projekt. Wer das nicht will, der ist gegen TTIP. Und gegen internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit haben Lafontaine und Wagenknecht nichts. Nicht nur nicht gegen Zusammenarbeit mit Syrien, Iran, China, Rußland.

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  10. Jakobiner schreibt:

    Was soll das eigentlich heißen,den Nationalstaat nicht abschaffen wollen?Mit Ausnahme der EU bestehen ja überall noch Nationalstaaten,vor allem die USA,Russland,China,Indien,um nur Mal die größten zu nennen.Von daher ist das Gerede vom Nationalstaat als Relikt der Vergangenheit auch sehr merkwürdig und realitätsfern.Und selbst die EU-Kommission hat den EU-Rat,der sich aus Nationalstaaten zusammensetzt und auch die EU-Kommission Präsidentin bestimmte,zur Seite.Die EU ist eher ein Hybrid-und Mischgebilde zwischen Nationalstaaten und EU-Buerokratie.Also keine EUdSSR oder Vereinigte Staaten von Europa.

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  11. Jakobiner schreibt:

    „Zionisten würden jedoch damit niemals aufhören“.Womit und dieses antisemitische Gehetzt zeigt,wes Geistes Kind Neumondschein ist .

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  12. genova68 schreibt:

    Ja, neumondschein, ich spreche jetzt mal ein Machtwort: Deinen Antisemitismus dulde ich nicht mehr, noch dazu, wenn er so offensichtlich und so zwanghaft ist. Es gibt hier rote Linien.

    altautonomer,
    tja, so unterschiedlich sind die Lesarten. Ich finde alle drei genannten Zitate Wagenknechts unproblematisch. Mir ist schleierhaft, was daran skandalös sein soll.

    1. Wagenknecht hat sich ausführlich mit Erhhard beschäftigt. Ein paar Satzfetzen helfen da nicht weiter. Gut möglich, dass sie da populistisch ist, aber sie bezieht sich auf ein Zitat, und vermutlich hat sie das auch belegt.

    2. Wenn man in einem Jahr 800.000 Geflüchtete aufgenommen hat, ist der Satz völlig plausibel.

    3. Es wäre töricht, r2g vom Natoaustritt abhängig zu machen. Dummerweise sieht Wissler das offenbar anders.

    Das Thema Nation ist bei Wagenknecht problematisch, alleine vom wording her. Sie hat recht, wenn sie die sozialen Sicherungssystem national organisiert beschreibt und dass die Verlagerung auf EU-Ebene die Gefahr der Verschlechterung mit sich bringt. Und sicher verstehen sich die meisten hierzulande als Deutsche, nicht als Europäer. Das letztere wird propagandistisch seit Jahren hervorgehoben, aber völlig fruchtlos. Selbst ein US-Urlauber sagt, er kommt aus Deutschland, nicht aus Europa. Diese Kategorie funktioniert vielleicht umgekehrt: Chinesen machen einen Europaurlaub, elf Länder in 14 Tagen. Die Sprachunterschiede sind zu groß. Wir kriegen von anderen Ländern nach wie vor wenig mit, außer der Schicht von Leuten, die überall arbeiten, ständig fliegen etc. Nation ist sicher problematisch und ich könnte gut auf Deutschland verzichten, aber mir scheint das Runterbrechen auf Regionen erfolgversprechender als das Raufbrechen auf eine Riesenfläche, die zudem ziemlich unterschiedlichheterogen ist.
    Wagenknecht kann hier wieder einmal wohlwollend interpretiert werden, aber sie lässt halt immer das Hintertürchen auf, weil sie auf maximalen Zuspruch aus ist. Die grauenhafte Anbiederung an die Querdenker und auch ihre Zusammenarbeit mit den schlimmen Querfrontlern der nachdenkseiten zeigt das. Insofern ist sie gut, aber leider auch gefährlich. Die Linkspartei sollte sie konsequent einbinden und sie so fruchtbar machen, wie man sagt. Und sich die Dauerempörung wegen Wording sparen.

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  13. Jakobiner schreibt:

    Ich bin da auch am Schwanken.Eigentloch will Wagenknecht sich ja für einen Sozialstaat aussprechen und dafür steht eben Ludwig Erhard als Symbol.Dass das eine etwas idealisierte und romantische Darstellung ist,Mal eingestanden.Denn Erhard war anfangs Marktradikaler nach US-Vorbild und entdeckte den rheinischen Kapitalismus auch erst nach dem ersten und einzigen Generalstreik 1948,bei dem 20Millionen Arbeiter sich beteiligten.Danach hatte man es sehr eilig mit sozialer Marktwirtschaft und Sozialpartnerschaft,schon des sozialen Friedens wegen und würde die KPD dann 1954 verboten.Ebenso möchte Wagenknecht Erhards Idee beim Kartellrecht und Monopolrecht.Fuer die Kommunistische Platform wahrscheinlich alles Verrat am Kommunismus und der Planwirtschaft,aber die Geschichte hat darüber wohl ihr empirischer Urteil gefällt.Und NATO ohne Auslandseinsätze ala Lybien und Afghanistan wäre auch okay.Denn sie hat 70Jahre lang Frieden und Stabilität in Europa geschaffen.Und Putin ist auch nicht zu trauen

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  14. genova68 schreibt:

    Es gibt eine interessante Doku über Wagenknecht vom MDR:

    https://www.ardmediathek.de/video/mdr-dok/wagenknecht/mdr-fernsehen/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy8zYThiYWRmNy1mYzQxLTQ5YjYtYmVlOC0zZTRhYjQwZDg0Zjc/

    Ihre Kleidung, ihre Art, sich zu bewegen etc. sind interessant. Emotional nimmt man ihr die Unterstütztung der Arbeiterklasse nicht ab. Noch schlimmer als Proleten findet sie aber vermutlich den jeweiligen Zeitgeist.

    Auf solche Talente zu verzichten und nur den Zeitgeistheinis hinterherzurennen, wäre aber ein Fehler.

    Ja, dieses Nato-Fixieren halte ich auch für überflüssig. Daran dürfte keine Koalition scheitern. Es gibt aber wohl zu viele Dogmatiker in der Linkspartei, siehe Cuba si. Da köchelt der Stalinismus immer noch ein bisschen vor sich hin.

    Wagenknechts Dilemma schrieb schon Didier Eribon in „Rückkehr nach Reims“ auf, ein ganz hervorragendes Buch. Tenor: die Arbeiterklasse wählt links, ist aber strukturell gesellschaftspolitisch rechts, weil die Verhältnisse repressiv sind.

    Das müsste man in die Diskussion einbringen, es würde vieles erklären.

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  15. Jakobiner schreibt:

    Interessante Stelle in der Wagenknechtdoku,als sie meint,sie wäre im Kindergarten in der DDR aufgrund ihrer dunklen Tönung ausgegrenzt worden und hätte mit 4Jahren zu lesen begonnen,was sie spannender fand als im Sandkasten mit den anderen Kindern zu spielen.Klingt so ein bisschen nach innere Emigration und Elfenbeinturm.Rrklaert vielleicht auch Teile ihrer Persönlichkeit.

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