Kuba und die Standards linkspolitischer Hygiene

Die Linkspartei hat ein Problem mit Stalinismus. Das ist im Grunde seit 1946 bekannt, also seit der Gründung der SED. Ich wähle die Partei zwar seit den 1990er Jahren, aber teilweise recht desorientiert und mit dem Wissen, dass die wesentlichen Strömungen der Partei mit Diktatur und Menschenrechtsverletzungen nichts am Hut haben.

Ein nicht einflussarmer Teil der Linkspartei aber hat sich von der SED nie verabschiedet. Deutlich wird das jeden Januar, wenn bei der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration regelmäßig Stalinisten und FDJ-Fans in blauen Hemden mitmarschieren, ohne dass sie von der Demo ausgeschlossen werden. Und diese Diktaturaffinität zeigt sich immer wieder an der Haltung zu Kuba.

So schrieb eine der Vorzeige-Hardlinerinnen, die in Hamburg sozialisierte Ulla Jelpke, in der jungen Welt zu der Menschenrechtssituation in Kuba:

Irritierend ist die Arroganz, mit der der kubanischen Gesellschaft hier (in Deutschland) unterstellt wird, nicht demokratisch zu sein.

Jelpke lobt die kubanische Verfassung,

in der Menschenrechte und der sozialistische Rechtsstaat verankert sind, mit Leben gefüllt werden muss, dass es bürokratische Hemmnisse und Fehlentwicklungen gibt, dass die sozialistische Demokratie ausgebaut werden muss, dafür brauchen die Kubaner keine Nachhilfe aus Europa.

Wie es in Kuba tatsächlich aussieht, weiß Wikipedia:

Viele bürgerliche und politische Rechte, insbesondere die auf freie Meinungsäußerung, Presse-, Vereinigungs-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit, werden massiv beschnitten. Es gibt keine unabhängige Gerichtsbarkeit. Menschenrechtsvereinigungen sind nicht zugelassen. Die kubanische Verfassung garantiert viele Grundrechte, etwa die Kunstfreiheit, die Meinungsfreiheit und die Religionsfreiheit, nur mit der Einschränkung, dass ihre Ausübung nicht gegen die Revolution oder die sozialistischen Ziele gerichtet sein darf

Und:

Unabhängige Journalisten und Menschenrechtsaktivisten werden regelmäßig belästigt, eingeschüchtert und vorübergehend festgenommen. Es wird von Misshandlungen durch Fußtritte und Schläge berichtet. Die Haftbedingungen sind hart und führen zum Teil zu körperlichen Problemen bei den Häftlingen. Oppositionelle werden darüber hinaus regelmäßig sogenannten Actos de Repudio ausgesetzt. Dabei zieht ein organisierter Mob vor dem Haus des Oppositionellen auf und beschimpft ihn und seine Familie stundenlang und lautstark als „Würmer“ (spanisch: gusanos) und Verräter. Teilweise geht dies bis zur straffreien Zerstörung von Eigentum der Betroffenen

Ein wahrhaft vorbildlicher sozialistischer Staat, in dem das Individuum sich frei und in sozialer Sicherheit entfalten kann. Eine Fundamentaloppositionelle wie Jelpke landete vermutlich schnell in einem Foltergefängnis. Die Floskel, dass es „bürokratische Hemmnisse und Fehlentwicklungen gibt“, kennen wir aus den SED-Verlautbarungen von 1989.

Eigentlich müsste ein Artikel wie der in der jungen Welt zum Parteiausschluss Jelpkes führen. Zumal sie eine Wiederholungstäterin ist:

Im März 2006 nahm Jelpke in einem Interview mit dem Magazin Kontraste Stellung zur Frage, ob es in Kuba Menschenrechtsverletzungen gebe. Dabei erklärte sie, dass es auf Kuba vor allem Menschenrechte gebe, die eingehalten würden.

Man kann an Kuba alles mögliche loben: das Gesundheitssystem, das Bildungssystem, vielleicht die Emanzipation, vielleicht auch den Umweltschutz. Man kann und muss auch darauf verweisen, dass die USA sich redlich bemühen, das Land wirtschaftlich zu ruinieren. Man kann und muss darauf hinweisen, dass die anderen Staaten in der Region in vielen Kennzahlen schlechter abschneiden. Kuba bleibt dennoch eine Dikatur.

Linke, die das im 21. Jahrhundert noch nicht begriffen haben, können sich in der DKP austoben, in der SDAJ oder der FDJ und was es noch so alles an skurrilen Kleinstgruppen gibt. Es ist egal.

Hintergrund des jüngsten Jelpke-Artikels in der jungen welt ist ein Beschluss der Linkspartei zu Kuba:

Die Linkspartei als Nachfolgerin der SED muss sich von solchen Fanatikern verabschieden. Dabei geht es nicht um eine angestrebte Koalitionsfähigkeit mit SPD und Grünen. Sondern um Standards linkspolitischer Hygiene.

Die Jelpkesche Verteidiung Kubas ist in einem romantischen Sinn verständlich: Ein Staat, der sich gegen kapitalistische Zumutungen wehrt, der einen anderen Weg ausprobiert, der sich der imperialistischen Umklammerung der Amis verwehrt. Daraus, also aus der Negation des Bösen, das zwangsläufig Gute abzuleiten, ist eine Sackgasse. Es ist schon einmal schiefgegangen.

 

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15 Antworten zu Kuba und die Standards linkspolitischer Hygiene

  1. neumondschein schreibt:

    Ulla Jelpke ist ein Grund, Linkspartei zu wählen. Katja Kipping, Klaus Lederer, Jule Nagel und Harald Wolf der, das lieber bleiben zu lassen. Letztere, nicht erste bescheißen ihre Wähler. Letztere haben kein Problem mit der PKK und im Prinzip auch nicht mit islamistischem Terror. Daß die PKK längst nicht so basisdemokratisch und feministisch ist, wie sie tun, interessiert von denen niemand. Und von den Islamisten, die Syrien, den Libanon und den Irak bedrohen, ganz zu schweigen.

    Charakteristisch für diese Scheinlinke ist auch, daß sie von jedem Bürger verlangen, ihre Altersvorsorge an der Börse zu erwürfeln, gleichzeitig unter Gebrauch blödsinnigster Verschwörungstheorien auf Kapitalbesitzer hetzen, auf Vermieterschweine, Banken, Derivate, auf die Firma Blackrock u. dergl. mehr. Dabei selbst einst kommunal verwaltetes Eigentum an Hedgefonds verschleudern und dafür sorgen, daß der von diesen Scheinlinken produzierte Haß nicht diese Hedgefonds trifft, weil es antisemitsch wäre. Sie treten für TTIP ein, das diese Hedgefonds schützt und treten Altersrentnern in die Fresse. Das ist logisch inkonsistent.

    Desweiteren nähern sich das westliche und das kubanische System, was Meinungsfreiheit und Pluralismus betrifft, allmählich an. Keine der oben genannten Scheinlinken hat etwas gegen Zensur, staatliche Repression, Medienmonopole und physische Gewalt gegen Andersdenkende. Dabei werden die Ziele ihres Hasses, die Ken Jebsen, die Querdenker, die Vermieterschweine u. dergl. nicht von Feindstaaten aufgebaut und ideologisch radikalisiert, wie die Nawalny und die Exil-Kubaner in Miami.

    Man muß noch dazusagen, daß Fidel Castro und die europäischen Stalinisten sich nie ganz grün waren. Die Lateinamerikaner sind entspannter und die Europäer autoritärer. Dafür waren die Lateinamerikaner ärmer. Von daher muß man daran zweifeln, ob die lateinamerikanischen Stalinisten wirklich eine Spielart des sowjetischen Systems verwirklichen wollten, oder ob die wirtschaftliche und geopolitische Unterstützung der Europäer den Ausschlag für die stalinistische Ausrichtung ihres politischen Systems gegeben hat.

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  2. Jakobiner schreibt:

    Es ist ja nicht nur die Kubaverehrung.Ebenso gelten die Sympathien dieser Stalinosten Maduros und Chavez Sozialismus des 21.Jahrhunderts,Putin und inzwischen teils auch dem neototalitaeren China.Hauptsache irgendwie gegen die Amis.Und solche Gruppen wie der Arbeiterbund und der KBW und ihre Überbleibsel fanden auch noch Nordkorea und die Roten Khmer verteidigenswert.Zudem werden die ganzen Massaker und Repressionen als“revolutionär e Notwendigkeiten“tituliert und legitimiert.

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  3. genova68 schreibt:

    Mein Gott, neumondschein. Jetzt gibst du ja Vollgas.

    Bemerkenswert ist der Satz

    Desweiteren nähern sich das westliche und das kubanische System, was Meinungsfreiheit und Pluralismus betrifft, allmählich an.

    Heißt das, du bist der Meinung, dass das westliche System sich in Sachen Menschenrechte besser schlägt und die Kubaner sich dem annähern?

    Ansonsten:
    Die Linkspartei will private Altersvorsorge?

    Der Hass der Linken geht also gegen Jebsen und Querdenker? Von Hass würde ich nicht reden, sondern von Kritik. Die natürlich nötig ist. Aber es ist ja bekannt, dass du mir Rechtsradikalen und Verschwörungsideologen sympathisierst. Was „Vermieterschweine“ in dieser Reihung sollen, ist mir unklar.

    Warum hast du dich so verrannt, neumondschein. Ich glaube, du bist ein ganz netter Kerl, der leider politisch völlig abgedreht ist.

    Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Filmchen des Y-Kollektivs über Verschwörungsideologen. Mir geht die Machart dieser Sparte von Journalismus zwar gehörig auf den Keks – die Reporter stehen im Mittelpunkt, moralische Aufgeladenheit ersetzt Analyse, fehlendes Wissen der Reporter ist offensichtlich – aber dieser Alex, der ab 2:20 ins Bild kommt, ist sehenswert. Er sieht ganz normal aus, glaubt aber alle Verschwörungsheorien, bis hin zur flachen Erde. Die Reporterin versagt naturgemäß bei der Analyse, aber der Zuschauer kann sich ein eigenes Bild machen. Es geht ja letztlich um die psychologische Beschaffenheit dieses Alex:

    Ja, Jakobiner, so ist es.

    Interessant auch, wie Kunst und Architektur in Russlang von der kurzen Befreiung nach 1917 ab 1930 unter die Fuchtel der Dogmatiker kamen: Es war die Ansicht, dass alle sich in den Dienst einer Sache stellen müssten, selbst die Kunst. Wer das nicht tut, darf ausgeschlossen werden.

    Mir scheint das heute ein wenig so bei diesen Identitätslinken im aktuellen Fall der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“. Dort hat eine Janine Kunze sich unterirdisch geäußert. Zwei Tage später vollzog sie eine 180-Grad-Wende und entschuldigte sich via Instagram untertänigst:

    https://www.ksta.de/kultur/rassismus-kritik-an-wdr-show-janine-kunze-entschuldigt-sich-via-instagram-38000798

    Es ist offensichtlich, dass das nicht Kunzes Meinung ist, sondern dass sie dazu genötigt wurde. Vermutlich mit der Drohung, sonst keine Jobs mehr zu bekommen.

    Erzwungene öffentliche Abbitte ist ein Merkmal diktatorischer Systeme. Die DDR hätte es nicht besser hinbekommen.

    Ähnlich funktioniert es mit der Gendersprache. Wer die nicht benutzt, wird als „geschlechterungerecht“ behandelt, das wiederum ist Diskriminierung, und Diskriminierung ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

    Ich habe den Eindruck, man sollte so langsam aufpassen, dass diese Knallköppe nicht zu viel Macht bekommen.

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  4. Jakobiner schreibt:

    Ich hatte früher auch Sympathien für die kubanische Revolution,kannte auch Leute von der Kuba-Freundschaftsgesellschaft.Unter dem Batistaregime war das ja ein Armenhaus mit angeschlossenem Spielcasino und Bordell der USA,mafioeser Verbindungen und Batista,bei knochenharter,schlecht bezahlter Zuckerrohrernte für die Bacardi,die jetzt im Exil.in Florida weilen und eine Demokratiestiftung für einen regime change gegründet haben. da war das sicherlich erst Mal eine Verbesserung,zumal das kubanische Gesundheitssystem spitze ist und es auch keine Armut und Kriminalität samt Slums wie sonst in Lateinamerika gibt.Zudem scheint ein karibischer Stalinismus erträglicher unter Sonne und Palmen ,Cuba Libre-Rum-Happy Hours und Sambarhythmen,zumal Castro und Guevara nie solchepuritanischen Kulturrevolutionaere wie etwa Mao waren,sondern mehr Genussmensch en.Auch bewundernswert,dass sich diese kleine Insel so gegenüber dem US-Titanen und Giganten überhaupt behaupten konnte und dann die Welt noch an den Rand eines Atomkrieges brachte.U
    Zudem auch in Afrika,Angola und Äthiopien internationalistische Brigaden entsandte.Aber mit der Zeit ging mir der Personenkult um den Jesusgleichen Che und bärtigen Fidel auf die Nerven,zumal jeder sie beim Vornamen nannte,als kenne man sie persönlich und duze sie.Viele Castroisten versuchten ihn auch mit Barttracht,Gestik,Mimik undZigarre nachzuahmen.Nach der CIA-Ermordung des Che wuchs dies ja in einen Märtyrer Kult über.Und wenn man sich mit der kubanischen Opposition mal beschäftigte,waren das auch vieleDemokraten und Literaten,die alsFaschisten liquidiert oder weggesperrt wurden,keineswegs Batistaanhaenger.Zumal Che Guuevara und Castro auch zerstritten waren,da Guevara bei einer Konferenz der blockfreien dieSowjetunion also imperialistisch wie dieUSA bezeichnet hatte.Rs gab ja auch Gerüchte,dass die Stasifrau an seiner Seite Tamara Bunker ihn deswegen zu seinen Focusguerilla Zeiten in Bolivien ansMesser der. CIA auslieferte,um einen Kritiker zu beseitigen und gleichzeitig einen komministischen Märtyrerkult zu schaffen.Aber wie dem auch ist:Schwierig zu sagen,wie sich Kuba entwickeln würde unter einer kapitalistischen Demokratie-Word das dann wieder ein neobatistisches Armenhaus wie Haiti nach dem US-Musterdemokraten BabyDoc oder eine blühende Happy Hour-Bacardi-Werbungsinsel mit Ein Wenders Bona Vita Social Club?

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  5. neumondschein schreibt:

    che ist vor allen Dingen der Halbgott der Westlinken. So ein Popidol wie Jimi Hendrix. Den Stalinisten im Osten war der eher gleichgültig.

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  6. Jakobiner schreibt:

    Zu Che waren dann Jesus Christ Superstar und Hair die passenden Musicals. Che war der neue CIA-Gekreuzigte. Greta ist da vielleicht die weibliche Reinkarnation und Wiederauferstehung.

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  7. Hugo schreibt:

    Genova: „Erzwungene öffentliche Abbitte ist ein Merkmal diktatorischer Systeme. Die DDR hätte es nicht besser hinbekommen.“ Nuja, wer sich, wie Janine Kunze, als (wasserstoffperoxidgepimpte) Blondine mit großer Oberweite (sie selber in in der Sendung), was vermutlich ihre „unique selling points“ sind, auf eine Diskriminierungsstufe wie die Roma stellt, trägt zumindest ned dazu bei, „Blondinenklischees“ zu entkräften. Für Deinen DDR-Vergleich taugt die Geschichte nu ned, und des von der anderen Blondine mit voluminösen sekundären Geschlechtsmerkmalen rausgehauene „Sauce ohne festen Wohnsitz“ als Aufhänger für die Entrüstung und die schlechte flapsige „Aufarbeitung“ in dem Sendeformat ist weitaus diskriminierender als „Zigeunersauce“. Da muß mensch nur mal gucken, wie die seit ner halben Ewigkeit seßhaften Roma aufm Balkan und in Ungarn heutzutage behandelt werden…
    Und der blonde Tommy war mal in den USA als Jimi Hendrix verkleidet und kann deswegen die Schwarzen verstehen und findets ned schlimm, wenn die blonde Tittenfrau Janine weiterhin Mohrenköpfe an ihre Kinder verfüttern will *gähn*. Wemmer keine Ahnung hat, sollte mensch einfach mal die Schnauze halten!

    Bei der zu kritisierenden Verharmlosung der Diktatur in Kuba seitens der „DIE LINKE“ geh ich mit, ich hadere auch immer mit mir, die zu wählen, bei der diesjährigen Thüringenwahl reloaded entscheide ich des wohl spontan, evtl. kriegen die nur die Erststimme.

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  8. genova68 schreibt:

    Hugo,
    ich verteidige sicher nicht die Ansichten dieser Kunze, ich kannte die bis dato auch nicht. Sie hätte die Klappe halten sollen oder sie muss die Kritik vertragen, klar. Ich bezweilfe aber einen Sinneswandel bei Kunze, schon gar nicht in der Form, in dem sie ihn präsentiert. Diese Form der Unterwürfigkeit hat etwas von diktatorischen Systemen. Man sollte eher damit klarkommen, dass sie sowas formuliert – und unzählige Millionen Deutscher damit kein Problem haben. Dann muss man halt mehr Überzeugungsarbeit leisten. Erzwungene Abbitte ist kein tolerables Instrument. Zumal der Schuss – wie in richtigen Diktaturen – früher oder später immer nach hinten losgeht.

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  9. Hugo schreibt:

    Bin ned zum Antworten gekommen die Woche.
    Janine Kunze spielt (mittlerweile) in einer der gefühlt drei Dutzend ZDF-Krimiserien eine Kommissarin; hab ich mal beim Rumschalten gesehen, also vermutlich nix, wo die so schnell rausgeekelt wird. Worauf ich lezten Sonntag hinauswollte, ist, daß es in totalitären Staaten Zensur seitens des Staates gibt, die gibts hier ned, hier wird im Nachhinein die Verbreitung aus diversen Gründen (Volksverhetzung, Verleumdung, Diskriminierung, zu gewalttätig, in sexueller Hinsicht erniedrigend und/oder mit Kindern, Sodomie, wasweißich) verboten oder eine Altersbeschränkung incl. Werbeverbot verhängt wegen Jugendschutz (Gewalt und Porno).
    Ich halte es für eine Nebelkerze, daß hier in vorauseilendem Gehorsam vor einer von Reaktionären bis weit „in die Mitte“ fabulierten zukünftig zu erwartenden Staatsdoktrin so Personen wie die ZDF-Kommissarin eher nimmer gecastet werden, weil die gegen den angeblichen „linken mainstream“ krakeelen. Sollten die ÖR und die Privaten wirklich so progressiv sein, wäre die grottenschlechte WDR-Sendung ned nochma ausgestrahlt worden und Frau Kunze ihre Anstellung bei der fürs ZDF produzierenden Filmfirma los und müßte sich wie Eva Hermann (die ehemalige tagesschau-Sprecherin und NDR-Talktante) andere Brötchenbezahler suchen.
    Da halt die DDR als Argument zu bringen, verunglimpft halt auch die damals wegen Nichtigkeiten bis hin zu mehr als berechtigter Kritik am Staat drangsalierten bis hin zu getöteten Leute.
    Und wenn Frau Kunze denkt, sich da so in Mimik, Gestik und Sprache hochfahren zu müssen, weil seit ihren ersten Sprachversuchen vier Dekaden ins Land gegangen sind und ein Teil der „am Rand der Gesellschaft“ stehende Mitmenschen ned „nur“ wichtigere Probleme haben, als mit einer diskriminierenden Bezeichnung („Zigeuner“) für gebratenes Aas mit ner Paprika-Tomatenpampe obendrauf in Verbindung gebracht zu werden, hat sie, Tommy G. und weite Teile der biodeutschen Mitmenschen incl. der Regierenden ein Weiterentwicklungsdefizit! Da die in der Sendung auch noch nebenher den „Negerkönig vom Takatukaland“ thematisierten und es doof fanden, den umzubennen; da hat Astrid Lindgrens Tochter nix dagegen, den in Neuauflagen der Bücher ihrer verstorbenen Mutter in derem Sinne zum „König einer Südseeinsel“ zu machen.
    Ob die des mit ihrem „mea culpa“ ernst gemeint hat, weiß ich ned, evtl. hats ja doch mal „klick“ unter den blondierten Haaren gemacht…

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  10. Jakobiner schreibt:

    Jedenfalls stellt das jetzige Kuba in Sachen Kapitalismus für die Linke inzwischen auch schon ein Problem dar, wie die WELT berichtet:

    „Auf Kuba entlädt sich die Wut auf den Sozialismus

    Fidel Castros Enkel protzt in einem Videoclip mit einem Luxusauto und provoziert damit seine kubanischen Landsleute. Die Wut auf der Straße gegen die Diktatur nimmt zu, ein kubanischer Frühling scheint plötzlich möglich. Mit Folgen über die Insel hinaus.

    Sandro Castro platzt fast vor Stolz: „Film das, Mami, damit sie sehen, wie er die Straße auffrisst“, ruft er seiner Begleiterin zu. Von Zeit zu Zeit müsse man eben die Spielsachen ausprobieren, die man zu Hause herumstehen habe, sagt Castro lachend in dem Videoclip, der in Kuba seit seiner Veröffentlichung die Gemüter erhitzt.

    Das Problem: Sandro Castro ist der Enkel von Kubas verstorbenem Revolutionsführer Fidel Castro und sitzt am Steuer eines luxuriösen Mercedes. Er provoziert nicht zum ersten Mal. Sandro Castro ist Mitorganisator der Miss-Cuba-Wahl, gern gesehener Gast oder als Besitzer einer der angesagten Nachtclubs selbst Gastgeber für die Reichen und Schönen Havannas.

    Abgesehen davon, dass er mit den im Clip dokumentierten 140 Stundenkilometern das kubanische Tempolimit (100 km/h) deutlich überschreitet, ist das Video auch noch aus anderen Gründen ein großes Problem für das sozialistische Regime. Es konterkariert entscheidende Legenden der kubanischen Revolution. Das Prinzip der Gleichheit der Klassen, die Legende der wirtschaftlichen Einschränkungen durch das Embargo der USA und die Verachtung kapitalistischer Statussymbole gehören eigentlich zum ideologischen Standardrepertoire auf der Elf-Millionen-Einwohner-Insel in der Karibik.

    Inzwischen hat Sandro Castro festgestellt, welche Lawine er losgetreten hat und sich bei jenen Landsleuten entschuldigt, die sich beleidigt fühlten. Die Luxuskarosse gehöre einem Bekannten, der Spruch über das Spielzeug sei ein Witz gewesen, erklärte er. Er sei eigentlich ein ganz einfacher Mensch. Das Video sei zudem ohne Autorisierung an die Öffentlichkeit gelangt und eigentlich nur für einen engen Kreis an Whatsapp-Freunden gedacht gewesen.

    Doch das machte das Ganze für die Kubaner nur noch schlimmer. „In 62 Jahren hat nie ein Castro oder ein Funktionsträger öffentlich um Entschuldigung für sein gutes Leben gebeten, während das Volk im Elend versinkt“, kritisierte Künstler und Aktivist Luis Manuel Otero Alcántara aus Havanna.

    Über den angeblichen oder tatsächlichen Reichtum des Castro-Clans ranken sich seit Jahrzehnten viele Mythen. Fakt ist: Die Veröffentlichung des Videos trifft Kubas Revolutionäre zur Unzeit. Während die Wut auf der Straße gegen die Diktatur zunimmt, untergraben ausgerechnet die mächtigen Funktionäre die Grundprinzipien der Revolution.

    Und das hat Folgen über die Insel hinaus. Kuba ist für linke Parteien weltweit eine Art Fixstern im sozialistischen Universum. Das Land ist wirtschaftlich zwar ein Zwerg, ideologisch aber ein Gigant, der als linkes Bollwerk dem „imperialistischen Intimfeind“ USA bereits 60 Jahren standhält. Verliert die sozialistische Revolution Kuba, sinkt das Mutterschiff der Linken.

    Das Lebensgefühl einer ganzen Generation

    Inmitten dieser Gemengelage verbreitet sich auf Kuba derzeit ein Protestsong in nie dagewesener Dimension und Geschwindigkeit. „Patria y Vida“ (Vaterland und Leben) heißt das Lied von sechs nicht nur auf der Insel prominenten kubanischen Musikern um Yotuel Romero und das Grammy-Gewinnerduo Gente de Zona. Schon der Titel ist ein Angriff auf das Unantastbare, denn einer der Leitsprüche der Revolution war stets „Patria, Socialismo o Muerte“ (Vaterland, Sozialismus oder Tod).

    In ihrem Song kritisieren die Musiker Dinge, die normalerweise tabu sind: Sie zeigen in dem Videoclip dazu Bilder von Protesten und Repression, thematisieren Armut, Unterernährung – und den stetigen und zuletzt wieder ansteigenden Exodus junger Kubaner, die lieber die lebensgefährliche Flucht über das Meer zum Klassenfeind nach Florida wagen, als einem System zu dienen, in das sie kein Vertrauen mehr haben. „Keine weiteren Lügen mehr, mein Volk fordert Freiheit, keine weitere Doktrin“, singen die Künstler und treffen damit ganz offenbar das Lebensgefühl der jungen kubanischen Generation. Fast drei Millionen Menschen sahen sich den Clip bislang im Netz an.

    https://www.welt.de/politik/ausland/article227608589/Kuba-Ich-glaube-das-ist-der-Anfang-vom-Ende-der-Diktatur.html

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  11. genova68 schreibt:

    Ich würde mich aber bei dem Thema nicht auf die Welt verlassen. Die sind schlicht nicht seriös und nach wie vor aufs Antikommunistische eingeschworen. Poschardt, Meyer und andere Nervensägen. Der Kommentarbereich ist in weiten Teilen ein AfD-Forum. Was natürlich nichts an der Kritik an Kuba ändert.

    Hugo,
    entschuldige, dein Kommentar vom 27. Februar ist mir durchgerutscht.

    Das mea culpa von Kunze klingt einfach extrem unglaubwürdig, das wording, das ist nicht von ihr.

    Die Frage ist ja, was sagbar ist und was nicht. Das Z-Wort sollte sagbar sein, auch im TV, es sollte dann Widerspruch kommen. Die Sendung war als Stammtisch konzipiert und ich vermute mal, dass ein großer Teil der Bevölkerung damit keine Probleme hat. Man kann die nicht ausschließen, wie es nun so manche Pseudolinke fordern. Es hängt auch mit der aktuellen Diskussion um Thierse zusammen, an der man das Problem ganz gut veranschaulichen könnte.

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  12. Jakobiner schreibt:

    Ich glaube mal der WELT. Der Impetus der Revolution ist vorbei, die Nachfolgegeneration will nur noch reich und kapitalistisch sein, so auch der Enkel von Castro. Die wollen die neue Bourgeosie sein. Vergleichbare Phänomene hat man ja auch bei den Prinzlingen der KP China oder KP Vietnam.

    Aber es gibt noch Hoffnung: Das Team Todenhöfer. Mit Todenhöfer haben wir jetzt mal ein Interview gemacht. Ich glaube zwar nicht, dass er über die 5% kommt, zumal er sich auch ewige Jugend auferlegt hat, die keine Zweifel am Zahn der Zeit zulässt.Und ob das Team Todenhöfer ohne Todenhöfer dann Bestand haben würde oder das Team mehr tot wäre-dahingestellt.

    https://www.global-review.info/2021/03/08/interview-mit-dr-juergen-todenhoefer-die-gruenen-sind-kein-feind-aber-ihre-klimapolitik-ist-ein-nationalistischer-irrweg/

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  13. genova68 schreibt:

    Cooles Interview. Todenhöfer scheint mit manchen Fragen überfordert.

    Ich würde aber dringend zum Lektorat raten. In dem Interview sind mindestens 50 Rechtschreibfehler, sowas wirkt unseriös.

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  14. Jakobiner schreibt:

    Genau 5 Fehler und 4 davon von Todenhoefer selbst.Aber wir werden es verbessern.Am krassesten ist,dass er uns „blanke Islamfeindlichkeit“und AfD-Naehe attestierte.

    Im übrigen gab ein Urgestein des deutschen Feminismus Hannelore Marbry ein Zentralorgan ihrer Organisation des Titels „Der Feminist“heraus und verdrehte die heutige Diskussion etwas

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  15. genova68 schreibt:

    Nee, es sind schon sechs Fehler, bevor Todenhöfer sich zu Wort meldet. Ist jetzt aber auch nicht mein Thema, der Inhalt ist interessant.

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