Kommunismus, Sozialismus und Architektur

Es folgt ein mäandernder Rundgang durch Architektur und Widerstand und widerständige Architektur.

Am 200. Jahrestag der Großen Französischen Revolution sind es nicht nur Millionen, sondern Milliarden Menschen, die die Gewalt und die Komödie der Herrschenden nicht mehr wollen. Sie kämpfen überall, um sich die Welt wieder anzueignen, die ihnen die neuen Adligen entrissen haben. Sie erwarten von den Architekten, dass sie ihnen helfen, eine Umwelt zu bauen, die endlich die ihre ist … Aux armes, citoyens, es müssen noch viele Bastillen gestürmt werden!“

Das sagte der Architekt und Marxist Claude Schnaidt (1931-2007) 1989, wenige Monate vor dem Ende der DDR. Schnaidt war interessiert am Wohnungsbauprogramm der DDR, machte sich aber, soweit ich weiß, nicht mit ihrer herrschenden Klasse gemein. Er beschäftigte sich lange Zeit mit dem Leiter des Bauhauses von 1927 bis 1930, Hannes Meyer, einem erklärten Kommunisten.

Über Meyer hat Schnaidt 1965 ein Buch geschrieben. Er war wohl der erste, der Meyers Rolle im Bauhaus hervorheben wollte. Danach kamen die westdeutschen Apologeten, die das Bauhaus zur reinen und unpolitischen Designikone herunterlabelten, auf dass das Design kapitalistisch verwertbar werden konnte. Das aktuelle Minimalismusgeplapper ist ohne diese Propaganda nicht zu denken. Minimalismus als weitere Möglichkeit die Kapitalrendite zu erhöhen. Eine im Grunde durch und durch perverse Idee. Also genau das richtige für heutige Zeiten.

Meyer ist also tot. Dass er heute wieder ins Bewusstsein kommt, ist auch dem Architekturtheoretiker Philipp Oswalt, der von 2009 bis 2014 das Dessauer Bauhaus leitete, und seinem letztes Jahr erschienenen Buch über Meyer zu verdanken. Oswalt wurde gefeuert. Vielleicht feuerte man Oswalt, weil er nicht genügend Touristen nach Dessau zog, vielleicht, weil er zu links, zu kritisch war. 2014 feuerte die sachsen-anhaltinische Politik Oswalt, 1930 feuerten die Nazis Hannes Meyer. Interessante Ähnlichkeiten. Auf Philipp Oswalt folgte 2014 Claudia Perren. Das ist die, die 2018 Feine Sahne Fischfilet gefeuert hat.

Der Marxist Claude Schnaidt wiederum war 1990 Gründungs- und langjähriges Mitglied der Stiftung des Bauhauses Dessau. Es scheint sich in Dessau ein Kampf im Kleinen abzuspielen, was anderswo ein paar Kategorien größer aufgeführt wird. Die AfD im Osten, beispielsweise, oder die Schlossapologeten in Berlin. Man möge keinen allzugroßen Unterschied zwischen den AfD-Faschisten und den Befürwortern des Berliner Schlosses machen. Es ist das gleiche Gestein. Letztere können sich nur besser benehmen.

Kurz vor dem Jahresende ist im Alter von 88 Jahren der Architekt Luigi Snozzi gestorben, an Corona, wie man sagt. Snozzi war vielleicht kein Kommunist, aber bekennender Sozialist und jemand, der dem Menschen zu seinem Recht in der Architektur verhelfen wollte. Snozzi baute viel mit Sichtbeton und immer kontextorientiert. In tessinischen Mendrisio, seinem Geburtsort, wohnte nicht nur er, sondern auch die vermutete Hälfte seiner Verwandschaft. Fragte man in Mendrisio nach Snozzi, so lernte man den Onkel, den Bruder, die Schwägerin und mehr kennen. Vielleicht liegt es an Leuten wie Snozzi, dass sich im Tessin eine ungemein angenehme regionale und zugleich moderne, fortschrittliche und emanzipierte Architektur etablieren konnte. Es wird dort kein Kitsch gebaut. Unglaublich, aber wahr: Kitsch existiert dort nicht.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Snozzis Arbeiten zu Braunschweig. Er wollte die Trümmer der kriegszerstörten Stadt zu einer Art Wall aufhäufen und nur die Grundmauern der Stadt erhalten. Eine geniale Idee, damals wie heute. Die Erinnerung als reale, zerstörte. Die weitere Geschichte verlief dann anders, Leute wie Snozzi hatten keine Chance. Man rekonstruierte in Braunschweig mittlerweile irgendein Scheißschloss und ließ ein Shopping-Center einziehen.

„Zerstöre mit Verstand“ war ein Leitspruch Snozzis, denn Bauen bedeutet immer Zerstörung, aber eben, wenn es gut läuft, ohne Erinnerung auszuradieren. Snozzi baute nicht allzu viel, seine Bekanntheit gründet eher auf seiner Sorgfalt, die er dem einzelnen Auftrag widmete, vergleichbar vielleicht Peter Zumthor. Und er baute fast ausschließlich im Tessin. Die internationale Bekanntheit der Tessiner Architektur – manche sprachen von der Tessiner Schule – war nicht zuletzt auf ihn zurückzuführen. Es ist eine Sensibilität in seinen Bauten spürbar, ein Bezug zum Ort und ein Bezug zu ihm selbst. Einerseits. Andererseits keine Furcht vorm Beton, vor aktuellen Tendenzen überhaupt.

Wo sind heute die Sozialisten und Kommunisten in der Architektur? Ist es deren Fehlen, dass sich die Perversion, die totale Bodenverwertung und die Oberflächlichkeit, der Fassadismus und die Banalität so ausbreiten können? Dass es keinerlei Widerstand gegen die Haus- und also Menschenzerstörung gibt? Dass die bekannten Investoren und also Menschenzerstörer in Berlin immer noch furchtlos sich bewegen können, hat mit dem Fehlen von Leuten wie Meyer, Schnaidt und Snozzi zu tun. Vermute ich.

(Foto: genova 2019)

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22 Antworten zu Kommunismus, Sozialismus und Architektur

  1. Sebastian schreibt:

    Also ich bin auch ein Befürworter und Freund des Schlosses, wenngleich ich durchaus auch Wehmut für den Palast der Republik empfinde.

    Warum bin ich deshalb faschistoid?

    Und was genau ist an der AfD „faschistisch“? Auch wenn die AfD sicherlich ihre problematischen Seiten hat, finde ich es unklug, deren Mitglieder pauschal als Faschisten abzustempeln, da die AfD nur eine logische Reaktion auf den grassierenden Linkspopulismus ist – Gendersprache, Frauenquoten, Paritégesetze, Entrechtung von (unverheirateten) Vätern, Migrationsrelativismus, Islamverharmlosung etc.

    Die Linke hätte es selbst in der Hand, die AfD zu marginalisieren. Mehr Schmidt, weniger Roth.

    Und als Ossi habe ich so meine Erfahrungen mit sozialistischer Architektur. In bezug auf die DDR bedeutete das: rücksichtsloser Umgang mit dem historischen Erbe, lebensfeindliche Reißbrettstadträume, Plattenbauwüsten, verfallende Altbauviertel.

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  2. genova68 schreibt:

    Sebastian,
    ich stemple die AfD-Mitglieder nicht pauschal als Faschisten ab. Sie müssen sich entsprechende Fragen allerdings gefallen lassen, angesichts des Zustands der Partei. Es gab bekanntlich eine Entwicklung von Lucke bis heute.

    Die AfD ist eine rechtsradikale Partei und deshalb keine „logische Entwicklung“. Man kann Gendersprache dämlich finden – wie ich – und dennoch nicht AfD wählen. Wer heute AfD wählt, ist vermutlich rechtsradikal, vermutlich ein Faschist. Oder politisch unzurechnungsfähig. Es gibt hunderte und tausende Belege für die rechtsradikale Haltung der Partei.

    Bei aller Kritik an der Linken: Schmidt ist lange aus dem Geschäft raus, da wird vergleichen schwierig, und Roth ist bei den Grünen. Aber ich stimme dir in Teilen zu: Die politische Linke macht offenbar die falschen Angebote. Zumindest muss sie sich fragen, warum der Anteil der AfD-Wähler unter den Arbeitern so hoch ist, speziell im Osten. Die Linke hat da ein Problem. Es ist allerdings problematisch, das auf Leute wie Claudia Roth zu projezieren. Die ist eine beliebte Zielscheibe der Rechten, und zwar nicht, weil sie falsche politische Forderungen hätte, sondern weil sie eine selbstbewusste, schrille, laute Frau ist, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Die Kritik an Roth ist also in weiten Teilen schlichter Sexismus.

    Islamverharmlosung und Migrationsrelativismus sehe ich nicht, nirgendwo. Der Islam wird permanent problematisiert, auch manchmal von mir hier im Blog. Migration ebenso. Wenn ein Asylbewerber eine Frau missbraucht, ist das wochenlang Thema. Wenn ein Biodeutscher das macht, ist es eine Randnotiz in der Lokalzeitung.

    Frauenquoten und Gleichstellungsgesetze sind politische Forderungen, über die man streiten kann. Sie führen jedoch nicht notwendig dazu, eine rechtsradikale Partei zu wählen.

    Die AfD wählt man, wenn man eine Diktatur will, einen Führer mit starker Hand, einen massiven Abbau von Demokratie, von Meinungsfreiheit, von Pressefreiheit. Wenn man das will, dann wähle man bitte AfD. So einfach ist das. Aber bitte nicht der Mythos des Opfers: „Wenn die Linke nicht versagt hätte, würde ich nicht AfD wählen.“

    Wer AfD wählt, trägt selbst die Verantwortung.

    Zum Schloss:
    Ästhetisches Empfinden ist Teil der Sozialisation. Wenn man das neue Berliner Schloss als schön empfindet, stimmt schon mal etwas mit der Sozialisation nicht. Nicht unbedingt mit der eigenen, sondern mit der gesamtgesellschaftlichen. In Kurzform: Wir trauen der eigenen Zeit nicht mehr und haben gleichzeitig keine Idee für die Zukunft. Deshalb finden wir das Schloss schön. Es käme darauf an, etwas positives zu entwickeln. Das aber geht nicht in einem kapitalistisch-regressiven System. Wir spüren genau: Eine Veränderung wird eine Verschlechterung bringen. Deshalb erfreuen wir uns an dem Kasten, der ästhetische Mittel transportiert, die Absolutismus, Unterordnung und Unfreiheit postulieren.

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  3. grandgoschier schreibt:

    Genova, danke für deine klaren Worte zur Eigenverantwortung für das, was man wählt. Dieser merkwürdigen Entschuldigungslogik, nach der am Ende der Versailler Vertrag an Auschwitz schuld ist, darf man nicht folgen.

    Zum unkritischen Gutgefinde von alten, älteren oder historisierenden Gebäuden fällt mir immer eine Bemerkung von Michael Buselmeier aus dem Buch „Literarische Führungen durch Heidelberg“ ein, das ich jetzt tatsächlich mühsam herausgesucht habe:

    „Auch den Bau der Universitätsbibliothek empfanden viele Zeitgenossen als verletzenden Eingriff, während wir uns inzwischen daran gewöhnt haben, den monströsen Historismus der Jahrhundertwende als schön zu empfinden.“

    Das bringt es doch auf einen Punkt: Meistens ist da keinerlei Haltung. Das ist nur dumpfe Gewohnheit. Dieselbe übrigens, die immer „Beton ist häßlich“ sagt.

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  4. Sebastian schreibt:

    @genova

    Was stimmt denn mit meiner Sozialisation nicht, wenn ich das Schloß schön finde?

    Zur Erinnerung: Früher stand da mal ein ganz ähnlicher Bau, der stark die Berliner Identität ausmachte.

    Hast du denn mal überlegt, ob mit deiner Sozialisation etwas nicht stimmen könnte und du in Wirklichkeit verwirrt bist? Könnte ja sein. Nicht daß ich diese Art der Argumentation gutheiße, aber diese Frage mußt du dir schon gefallen lassen.

    Du tust so, als würde das Schloß irgendwo auf der grünen Wiese oder auf dem Kulturforum in Westberlin gebaut werden. Es wurde aber genau dort gebaut, wo es früher schon einmal stand und unter sehr üblen Bedingungen beseitigt wurde.

    Auf dem Kulturforum wird jetzt zeitgenössische Architektur verwirklicht. Moderne Architektur kommt also durchaus zum Zuge dort, wo es auch angebracht ist.

    Ich meine es gut mit dir. Deshalb nimm‘ mir bitte nicht übel, wenn ich dir die typische Paranoia eines linksversifften Weltbildes attestiere. Das angeblich „kapitalistisch-regressive“ System läßt doch auch moderne Architektur zu wie zum Beispiel auf dem Kulturforum.

    Warum „postuliert“ die barocke Ästhetik des Schlosses Absolutismus, Unterordnung und Unfreiheit? Wo besteht da der zwingende Zusammenhang? Genau hier zeigt sich die Paranoia, die leider für viele heutige Linke typisch ist. Auch Georg Diez argumentiert auf diese extrem konstruierte und willkürliche Weise.

    Man kann gerne gegen das Schloß sein. Aber diese Einbettung in einen abstrakten politischen Kontext ist völlig willkürlich und spekulativ. Ähnlich paranoid argumentieren Feministinnen, die Gegnern der Gendersprache unterstellen, konservativ und gegen Gleichberechtigung zu sein – sich also die Gegnerschaft nur damit erklären. Dieses Ad-hominem-Getue und diese Paranioa sind ein Hauptmerkmal von Ideologien bzw. totalitären Geisteshaltungen.

    Ich betrachte mich als Linken, und mir ist es völlig schnurz, woher das Schloß kommt. Ich finde einfach, daß es gute Argumente für den Wiederaufbau gibt. Und niemand kann meiner Meinung nach leugnen, daß der Bau stadträumlich und von den Proportionen her viel besser in die Ecke paßt als der Palast. Davon abgesehen kommt auch ein gutes Stück historischer Identität ins geschundene Berlin zurück.

    Übrigens: Der alte Fritz repräsentiert auch den aufgeklärten Absolutismus, also auch durchaus viel Positives.

    Paranoid sind deine Ausführungen deshalb, weil du die berechtigte Kritik an unseren zu wenig regulierten Märkten mit allem Möglichen verbindest und völlig spekulative Zusammenhänge herstellst, um dein Weltbild zu untermauern und zu rechtfertigen. :)

    Auch deshalb, weil du ein typisches Schwarzweiß-Weltbild transportierst, in dem man nur ein schlimmer Reaktionär sein kann, wenn man das Schloß gutfindet.

    Mehr Entspanntheit und Nüchternheit, weniger Spekulation würde deiner Argumentation guttun. Mit dem Kauf von Bio-Fairtrade-Bananen kann man jedenfalls mehr für eine sozialere Gesellschaft tun als mit einem vermeintlich „progressiven“ Bau auf der Museumsinsel.

    PS: Ich bin übrigens vehement dagegen, daß der Neptunbrunnen auf derm Rathausforum wieder zum Schloßbrunnen wird, wie es viele Reko-Taliban fordern. Der Begriff stammt übrigens von mir. In diesem Fall ist er auch gerechtfertigt, da eine Verlegung sehr viel Geschichte und Ästhetik zerstören würde. Der Neptunbrunnen erzählt ja viel über die Nachkriegsgeschichte.

    Viel besser wäre eine moderne Replik des Schloßbrunnens an historischer Stelle. So würde wieder ein typischer Berolinismus entstehen. Mit zwei Brunnen, an denen man schön die Geschichte Berlins studieren könnte.

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  5. genova68 schreibt:

    Ja, Grandgoschier, Versailles ist an Auschwitz Schuld, so kann man diese Haltung wohl zuspitzen.

    Sebastian,
    du betrachtest dich als Linken? Hm. Dann solltest du mit Begriffen aus dem rechtsradikalen Milieu wie „linksversifft“ vorsichtig sein. Sonst nimmt man dir dein Linkssein nicht ab.

    Deine Sozialisation: Nimms nicht persönlich, du bist Teil der Gesellschaft. Was ich meine, versuchte ich schon oben auszudrücken: Ästhetisches Empfinden ist sozialisiert. Wenn dir das Schloss gefällt, dann ist das die Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit, dummerweise nach Absolutismus und Diktatur. Diese konkrete politische Implikation kann zwar aus der kollektiven Erinnerung rausgewaschen werden, übrig bleibt dann aber nur klebrige Ästhetik ohne weiteren Inhalt als „gute alte Zeit“.

    Jede Zeit hat ihre Ästhetik ob sie das will oder nicht. Und etwas, was nicht mehr existiert, baut man nur noch in Ausnahmefällen auf. Meinetwegen der Barcelonapavillion, aus Dokumentationszwecken. Generell ist der Wiederaufbau eines nicht mehr existenten Gebäudes absurd. Eine Frau setzt auch nicht ihren toten Ehegatten neben sich aufs Sofa. Er ist tot und kommt nicht zurück. Mit Häusern meint man, sowas machen zu können. Es ist Selbstbetrug, es ist das Zufriedensein mit dem Schein.

    Und man baut schon gleich gar nicht auf dem angeblich politischsten Platz Deutschlands ein Schloss wieder auf. Tut man es, ist das Zeichen für Zukunftsangst, für fehlende Ideen, fehlender Mut, keine Vision. Genau dann wünscht man sich Kaiser und andere Idioten zurück. Und das schwingt unvermeidlich im Schloss mit. Die AfD ist die vehementeste Verteidigerin des Schlosses. Das sagt einiges.

    „Stadtraum und Proportionen“ schreibst du: Das sind die üblichen inhaltsleeren Argumente für das Schloss. Man kann dort einen Wolkenkratzer bauen oder sonstwas Großes, vielleicht auch bewusst etwas Kleines: Es kommt auf den Entwurf an. Scheiß auf Kontextualität. Das ist auch so ein Angstargument, wenn einem nichts einfällt.

    „Ein Stück historischer Identität“: Das ist so ein Plapperbegriff, entschuldigung. Das Schloss war Synonym für Gewaltherrschaft, für Unterdrückung der Massen, für Ausbeutung. Dazu kommt, dass es das barocke Schloss, so wie es nun entstanden ist, nie gab. Das Schloss war ja gerade ein positives Beispiel für work in progress: Es gab Gotik, Renaissance, Barock, es wurde immer wieder etaws angebaut, erweitert, umgebaut. Der jetztige cleane Kasten ist das Produkt der feuchten Phantasie von Spießern und Bonzen. Man denke nur an diesen von Boddien, diesen Traktorproduzent. Genau solche Typen stehen fürs Schloss.

    Wessen Identität willst du denn wiederherstellen, du Linker?

    Wir können von der Geschichte lernen, aber nicht in der Form, dass wir ein Schloss wiederaufbauen und dann behaupten, wir seien demokratisch.

    Generell ist es traurig, dass nicht nur die Reaktion ein Schloss wiedererrichten konnte. Es ist vor allem traurig, dass gute aktuelle Architektur zu wenig Beachtung findet und nur der Markt mit seiner Billigarchitektur. Man sollte sich überlegen, was man heute braucht. Kein Schloss, sondern ein Expermimentierfeld für ökologisches und soziales und preisgünstiges Bauen. Generationenübergreifend vielleicht, den Gemeinschaftssinn betonend.

    Das wäre eine Vision.

    Aber ich finde es cool, dass du hier kommentierst, Sebastian. Lass dich nicht abhalten. Diskurs kann nicht falsch sein.

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  6. Jakobiner schreibt:

    Du solltest Mal nach Bayern kommen.Keine Ansichtskarte,wo Schloss Neuschwanstein und Chiemsee drauf ist.Und Touristtöme aus Asien.Gibt darüber auch ein witziges Buch:Neuschweinstein-chinesische Touristen in Bayern.Die bauen dann die gute alte Zeit in China wieder modellgerecht auf-vom Fachwerkhaus bis zum Heidelberger Schloss.Auch das Hightechzentrum von Huawei in Kanton ist ein reines Disneyland,soll aber Internationalität und Weltoffenheit verströmen und Tradition und Zukunftsorientierung zugleich.Das wäre so,als wenn man in Berlin buddhistische Pagoden und chinesische Drachenhäuser hinstellt oder neben dem Kanzleramt einenNachbau der Verbotenen Stadt.Neuschwanstein steht aber für König Ludwig,dermit Richard Wagner in einer mythischen Märchenwelt lebte,keine Kriege führte und für seine Prachtschlösser auch nicht die Staatskasse vernahm,zumal die. liberalen damals die Regierung stellten.In Bayern wird das Schloss Neuschwanstein eher als Ausdruck einer friedlichen und positiven Epoche verklärt.Soeder hat es auch als Kulisse für das Treffen mit Merkel benutzt und Macrons diese Bilder gefallen,da er sich auch etwas als moderner Sonnenkönig wahrnimmt.Wir sagt die CSU immer:Lederhose und Laptop.

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  7. Sebastian schreibt:

    Deine Sozialisation: Nimms nicht persönlich, du bist Teil der Gesellschaft. Was ich meine, versuchte ich schon oben auszudrücken: Ästhetisches Empfinden ist sozialisiert. Wenn dir das Schloss gefällt, dann ist das die Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit, dummerweise nach Absolutismus und Diktatur. Diese konkrete politische Implikation kann zwar aus der kollektiven Erinnerung rausgewaschen werden, übrig bleibt dann aber nur klebrige Ästhetik ohne weiteren Inhalt als „gute alte Zeit“.

    Ich bin zwar nicht dein Coach, aber deine Argumentationen sind voll von Spekulationen und unbelegten Behauptungen. Du produzierst damit ein cleanes Schwarzweiß-Weltbild mit den guten Linken und dem Kommunismus auf der einen Seite und den bösen Rechten und dem Kapitalismus auf der anderen Seite. Dem ordnest du alles unter. Und du bist da halt recht unbekümmert und phantasievoll.

    Du behauptest, daß ästhetisches Empfinden sozialisiert sei. Warum haben wir dann zwei unterschiedliche Wahrnehmungen?

    Und warum sehne ich mich nach Absolutismus und Diktatur, wenn ich das Schloß okay oder schön finde? Da besteht nun mal kein zwingender Zusammenhang. Es ist aber ein schönes Narrativ, damit du dich weiterhin immunisieren und zu den Guten zählen kannst.

    Schließlich wollen die Schloßbefürworter letztlich doch die Diktatur zurück.

    Verstehst du jetzt, warum ich deine Äußerungen als paranoid bezeichnete? :) (Ich kenne über Architekturforen eine Menge Schloßfreunde, die keineswegs konservativ sind oder mit autoritären Staatsformen liebäugeln.)

    Die AfD möchte bestimmt keine Monarchie oder Diktatur zurück. Steht jedenfalls nichts davon im Wahlprogramm. Eher im Gegenteil. Mir war so, als ob die Volksentscheide forcieren wollen.

    Du arbeitest einfach mit einer Menge spekulativer, zweckgerichteter Verknüpfungen, die ein bestimmtes Schwarzweiß-Weltbild zeichnen. Und das ist halt nicht gerade sophisticated.

    Und wenn man alles Nichtlinke derartig dämonisiert, ist es kein Wunder, wenn die Leute Abstand nehmen. Ich beziehe mich jetzt auch auf die linken Parteien, die ähnlich agieren und sich wundern, warum, die Wähler wegrennen. Die haben keinen Bock darauf, daß sie bei jeder Kleinigkeit sofort als Sexist, Rassist, homophob, rechts etc. bezeichnet werden.

    Dieses paranoide Weltbild ist das Grundproblem der heutigen Linken. Salopp gesagt: Kümmer dich um Kapitalismuskritik und erfreue dich an der Schönheit des Schlosses. Die Probleme liegen ganz woanders. Du packst da eine ganze Menge willkürlicher Dinge in das Schloß. Die Stella-Fassade finde ich übrigens sehr gut und sie widerlegt ein bißchen deine These vom barocken Wohlfühlbacklash. In gewisser Weise ist diese Schloßversion durchaus progressiv.

    PS: Ich bin sicherlich kein normaler Linker. Ich habe mich von allem Ideologiehaften in diesem Milieu emanzipiert. Und man findet bei den Linken nun mal eine Menge Gutmenschentum. Und ich muß sagen, daß deine willkürliche Dämonisierung des Schlosses und seiner Anhänger auch in dieses Muster paßt. Ich kann nur sagen, daß die Linken viel attraktiver würden, wenn sie mal etwas entspannen würden und sich z.B. auch an dem Schloß erfreuen könnten.

    Das nennt man Dialektik.

    Der Wähler empfindet diese Art der Anti-Schloß-Polemik übrigens eher als Ausdruck nationalen und kulturellen Selbsthasses. Auch so eine Problembaustelle vieler heutiger Linker. Das gestörte Verhältnis zur eigenen Kultur, die Fixierung auf die Nazizeit.

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  8. Jakobiner schreibt:

    Die AfD will natürlich eine Diktatur-dir Nationalkonservativen Rechtsradikalen um Gauland nach dem Vorbild der Ordnungszelle Bayern unter Jahr,der Flügel um Hoecke eine faschistische Diktatur eines 4.Reichs mit KZ und Schutzhaft.Nur so blöd,das ins Wahlprogramm zu schreiben sind sie natürlich nicht.Das ist die Hidden Agenda,die jedoch bei den vielen hetzerischen Kommentaren immer wieder zum Vorschein kam.Und die NSDAP,die DVU und die Republikaner waren auch alle für Volksentscheid e,was sie nicht demokratisch macht.

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  9. genova68 schreibt:

    Sebastian,
    sicher kann man soziologische Erkenntnisse als Behauptungen abtun, es ist keine Naturwissenschaft. Sozialisation bedingt Geschmacksempfinden, das ist allerdings Standard, Bourdieu hat Interessantes dazu geschrieben. Wenn wir beide unterschiedliche ästhetische Vorlieben haben, dann hängt das vermutlich mit unseren unterschiedlichen Sozialisationen zusammen.

    In Gebäuden ist alles mögliche angelegt, Hegel nannte das den sedimentierten Geist. Wir hatten in den 1960er Jahren ein gesamtgesellschaftlich progressives Bild, da fand die Masse Altbauten nicht attraktiv. In den 1970ern begann sich das zu wandeln. Das sind keine autonomen Prozesse, sondern dahinter stecken Erfahrungen. Beispielsweise negative mit moderner Architektur. Insofern ist es erstmal nichts schlimmes, alte Architektur schön zu finden. Es hängen aber auch immer die sedimentierten Erfahrungen mit drin. Ein Schloss hat als Zweck unhintergehbar die absolutistische Machtdemonstration. Man kann ein bestehendes Schloss in einer langen Deformationsphase umorientieren, es verliert dann seine eigentliche Aufgabe und wird Museum oder sonstwas. Wenn ich allerdings ein Schloss neu baue, hat das eine andere Intention.

    Grundsätzlich zeigt die Popularität des Schlosses, dass den zeitgenössischen Lösungen wenig Vertrauen entgegengebracht wird. Das hat mit ästhetischen Erfahrungen zu tun, aber eben auch mit dem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber der aktuellen Politik und Ökonomie. Und da kommt der Neoliberalismus ins Spiel.

    Beim Schloss ist die Situation offensichtlich, weil man vom politischsten Platz Deutschlands spricht. Dort ein Schloss zu bauen, kann nichts anderes sein als eine politische Botschaft. Davon abgesehen hat jede Zeit ihren eigenen Ausdruck, in Musik, Literatur, Architketur, allgemein in Kunst. Wenn Epochen sich nur noch auf die Vergangenheit beziehen, bekommen sie früher oder später immer größere Probleme. Der Historismus zeigte das. Die Distanz zwischen traditioneller Form und der unglaublichen Geschwindigkeit, mit der der technische Fortschritt sich enwickelte, führte zum aprupten Ende und zum Beginn der Moderne. Neue technische und politische Realitäten erfordern neue ästhetische Formen. Beim Schloss ist das auch offensichtlich: Es gab mal einen Appell vieler wichtiger Museumschefs weltweit: Man solle bitte ein Museum mit heutigen Anforderungen bauen und kein Schloss, dass dann sofort Museum werden soll. Es wird nicht funtkonieren, dieses Schloss, es wird eine lebenslange Lüge auf dem politischen Platz sein.

    Das ist nicht paranoid, was schon als Begriff hier problematisch ist, weil du mir unterstellst, dass ich geisteskrank sei. Ich wäre mit solchen Begriffen vorsichtig.

    Du bist halt enttäuscht, weil du feststellen musst, dass du ein reaktionäres ästhetisches Empfinden hast. Das ist eine traurige Erkenntnis. Aber du hast ja offenbar generell reaktionäre Haltungen, gegen Feminismus, gegen Migration, gegen „Gutmenschen“, gegen „links-grün-Versifftes“, Verteidigung der AfD als wahrhaft demokratischer Partei.. Steh doch einfach zu deiner reaktonären Haltung! Meinungsvielfalt ist ok. Dein Spagat wird auf Dauer nicht gelingen.

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  10. Jakobiner schreibt:

    Die Frage ist aber,ob du das nicht wirklich zu dogmatisch siehst.Zwar stehen Briefmarken-Antiquitaetensammler, Gartenzwerg-undModelleisenbahnbetreiber im Verdacht rückwärtsgewandt,reaktionär,spiessig und nostalgisch zu sein,aber nostalgische Anflüge hat doch jeder Mensch.Wenn das natürlich zum Dauerprogramm und zum steten Geisteszustand wird,ist das natürlich dann schon bedenklich.Aber etwas Nostalgie und Retro sollte man Menschen schon noch zugestehen.Wenngleich die vielen 70er,80er,90er und 2000er Revival-TV-Shows dann doch etwas inflationäre sind,vielleicht auch zeigen,dass sich viele ehemals Junge nicht mit dem Altern abfinden wollen und sich gerne sehnsüchtig an das früher und damals erinnern wollen.Bei dem Schloss wirken vielleicht ähnliche psychologische Mechanismen.Sind Mittelalterfestivals und Reactmentgruppen dann historisches Interesse oder ein Zurücksehnen nach der guten alten Zeit,die freilich gar nicht so gut war.Denn meistens wird bei Mittelalterfesten geschlemmt und gevoellt ,während es damals für die meisten Bauern eher Hirsebrei gab samt Zahnausfall und Schwarzem Tod.

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  11. genova68 schreibt:

    Ja, nostalgische Anflüge hat jeder Mensch. Aber wenn du das Thema Schloss etwas weiter spannst, erkennst du, dass es hier nicht um nostalgische Anflüge geht. Das Schloss ist eingebettet in die Entwicklung in Berlin seit dem Mauerfall. Damals wurde die Kritische Rekonstruktion ausgerufen. Das bedeutete eine imaginierte alte preußische Architektur, keine Weiterentwicklung. Es wurde die halbe Ostberliner Innenstadt mit phantasielosen Kästen zugepflastert, von mittelmäßigen Architekten. Kritisch war daran gar nichts, es war eine geschickte Begriffsdenunzierung, um den Begriff weithin akzeptabel zu machen. Diese Historisierung an sich ist das eine, das andere ist, dass gleichzeitig ein neoliberales Stadtmodell durchgesetzt wurde. Die verschiedenen Regierungen mit SPD und CDU verkauften bis in unsere Tage hinein massenhaft Grundstücke. Man redet von mehr als 21 Millionen qm. Das sind nun private Flächen, auf denen nichts Soziales mehr gebaut werden kann. Und die Käufer sind damit ausnahmslos superreich geworden, weil gleichzeitig der Run auf Berlin einsetzte. Und vielleicht nur einsetzen konnte, weil es plötzlich so viel frei handelbare Stadtflächen gab.

    Dieser neoliberale Umbau der Stadt wurde also pseudohistorisch verbämt, indem man eine Architektur etablierte, die an die „gute alte Zeit“ erinnern sollte. Eine menschenverachtende Baupolitik wurde mit einem regressiven Geschichtsbild aufgeladen. Es geht hier also nicht um eine Modelleisenbahn oder um die Nostalgie, die uns alle befällt, wenn wir Musik aus unserer Jugend hören.

    Zumal es hier nicht um Tendenzen aus unserer Jugendzeit geht. Es geht um eine Architektur, die aus eigenem Erleben niemand mehr kennt. Gerade deshalb ist es so leicht, den Leuten ein rechtes Geschichtsbild unterzujubeln. Mittelalterfeste sind reine Mythen. Die kann man am Wochenende pflegen oder es sein lassen: Kein Mensch wird am Montag mit dem Pflug und dem Ochsen davor seinen Garten pflügen, sondern den Kärcher rausholen.

    Und schließlich muss man fragen, warum Menschen in Massen sich dieses Geschichtsbild unterjubeln lassen: Weil ihnen die Gegenwart nichts Gutes verspricht. In anderen Zusammenhängen schiene uns solch ein Verhalten absurd. Niemand würde mit einer Kutsche nach München reiten oder Schuhe aus dieser Zeit tragen. Dort ist der Fortschritt manifest.

    Es gibt also einen Zusammenhang zwischen regressiver Architektur und dem Ausverkauf der Stadt. Dieselben Leute, die die regressive Architektur fordern, wenden sich vehement gegen den Mietendeckel und noch mehr gegen alle Forderungen, die Kapitallogik aus dem Bausektor zu verbannen.

    Und das Schloss steht sinnbildlich für diese Entwicklung: menschenverachtender Neoliberalismus, der den Leuten nett und barock verkauft wird. Wenn es nett und barock ist, kann es ja nicht schlecht sein. Natürlich kann man den Kasten nett finden. Ohne die genannten Implikationen zu bedenken, ist das aber eine sehr oberflächliche Aussage. Aber vielleicht ist die Schlossbewunderung für viele ein unbewusster Akt von Kapitalismuskritik, weil man das Schloss mit einer vorkapitalistischen Zeit verbindet. Das wäre zwar ziemlich regressiv, aber es wäre ein interessanter Aspekt, den man weiterverfolgen könnte. So wie sich die AfD bei Bedarf gerne antikapitalistisch gibt, wenn sie den kleinen Mann an die Wahlurne locken will. Dann wird halt die „Globalisierung“ verteufelt und es werden die großen Konzerne kritisiert.

    Das letzte Mal, dass eine Epoche sich baukulturell geweigert hat, den Fortschritt aufzunehmen, war der Historismus in der Industriellen Revolution. Es kam dann zur Moderne und zu allen weiteren Implikationen bis hin zu Hitler. Der Druck auf dem Kessel entlädt sich irgendwann.

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  12. Jakobiner schreibt:

    Mal.umgekehrt gefragt:Wenn sie in Berlin lauter Hochhäuser oder modernste Wolkenkratzer oder was die Architektur sonst noch als Sinnbild des modernen hergibt gebaut haetten,hättest du das dann bejubelt oder als geballtesteten Ausdruck von Neoliberalismus gesehen?Waere dann auch Mal interessant,wie AfD und Konservative darauf reagiert hätten-Kritik an einer Amerikanisierung des Stadtbilds und Plädoyer für gewachsene Strukturen und traditionelle deutsche Architektur?Solche Kritik könnte sogar bei einigen Teilen der Berliner ankommen.Schon in der Weimarer Republik bestand ja bei den Berlinern Unbehagen gegen Metropolis,wieFritz Lang in seinem gleichnamigen Film zeigte,der auch Goebbels hervorragend gefiel.Wobei sich die Nazis ja auch für den Erhalt der Kiezheimat einsetzten,obgleich sie Germania wollten.Gibt es eigentlich überhaupt sowas wie eine typisch deutsche Architektur?
    Zum zweiten Frage ich mich,wie die Wowereit Regierung ,die ja faktisch pleite und verschuldet war,Gelder für sozialen Wohnungsbau ala Wien hätte auftreiben sollen?Da hätten doch die CSU-Bayern sich spätestens beim Länderfinanzausgleich gleich wieder aufgeregt.Geht es überhaupt ohne Investoren,zumal Berlin in den 90ern ja auch enormen Bevölkerung szuwachs hatte.

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  13. genova68 schreibt:

    In Berlin wurde ab 1945 viel Modernes gebaut, in den Westbezirken Charlottenburg und Schöneberg ist das deutlich zu sehen. Es wurde mit der Entwicklung Schritt gehalten und du siehst dort Moderne im International Stile, Mies-van-der-Rohe-orientiert, beispielsweise das Posthochhaus in Kreuzberg https://de.wikipedia.org/wiki/Postbank-Hochhaus_(Berlin)

    , also pure Moderne, wie auch alle möglichen Entwicklungsschritte danach. Es fand also eine zeitgemäße Architekturentwicklung statt. Wie immer man das beurteilt: Man setzte sich mit aktuellen Entwicklungen auseinander, und diese Entwicklungen waren im Wesentlichen nicht Retro. Das war eine Architektur, die zuerst als demokratisch beeinflusst bestimmt war, also Transparenz, Gleichwertigkeit usw.. Später wurde es abwechslungsreicher, Brutalismus, Strukturalismus etc. Es waren jedenfalls immer nach vorne gerichtete Ideen. Das Neo-Preußentum nach 1990 war ein deutlicher Einschnitt in diese Entwicklung.

    Also: Es gab in Teilen diese moderne Hochhausentwicklung in Berlin. Und ein Hochhaus ist nichts prinzipiell kapitalistisches, siehe das Posthochhaus. Kapitalistisch wurde es sehr schnell in Frankfurt, schon in den 1970ern. Dort wurde massiv mit Boden spekuliert und alte Substanz weggerissen. Diese Hochhäuser dort sollte man heute nicht ohne diese Geschichte sehen. Aber in Frankfurt ist ja eh klar, dass es dort um einen massiven kapitalistischen Raubbau an der Gesellschaft geht. Das ist ästhetisch interessant, wenn man dort umherläuft, auch die Skyline schaut man sich gerne an. Aber dort wohnt niemand mehr und es arbeiten zum größten Teil dort unangenehme Leute, schätze ich.

    Berlin wuchs in den 1990ern nicht, sondern schrumpfte, bis etwa 2002.

    Aber danke, dass du das Thema ansprichst: In Berlin wurden Fehler gemacht, die in ganz Deutschland gemacht wurden. An denen sieht man, wie scheiße dieses Land ist. Nur ein Beispiel: In Österreich gehört die Bahn dem Staat, nicht privatisiert. In Wien (und anderswo) gab es schon in den 1980ern riesengroße Güterbahnflächen, die nicht mehr genutzt wurden. In Wien hat die Kommune das selbstverständlich genutzt, um soziale und renditefreie Projekte, vor allem Wohnen, zu ermöglichen. In Berlin dagegen wurde alles an Investoren verkauft. In Düsseldorf und anderswo war das genauso. Das waren katastrophale Entscheidungen, zu denen die Deutschen nicht gezwungen wurden, das haben die ganz alleine geschafft. Warum dieses Land so kapitalaffin und ausbeutungshörig ist, müsste man ergründen.

    Folge: In Wien entstehen nach wie vor massenhaft gute und billige Wohnungen für alle. In Berlin entstehen keine. Ich habe darüber schon berichtet:

    https://exportabel.wordpress.com/2014/08/26/wohnungsbau-in-berlin-luxus-in-wien-standard/

    https://exportabel.wordpress.com/2017/11/24/kabelwerk-wien-wie-man-gut-und-guenstig-wohnen-kann/

    Wowereit war einer der Protagonisten dieser asozialen Politik, er gilt heute als linker Sozialdemokrat. Man müsste fragen, wie gehirngewaschen wir sind, dass wir das Geschichtsbild so plump konstruieren. Wir brauchen uns nicht über die Mär des antifaschistischen Schutzwalls aufzuregen.

    Wowereit war Pleite, ja, aber Berlin ist immer noch pleite. Zu Beginn der Wowereit-Regierung hatte Berlin etwa 61 Milliarden Euro Schulden, vor Corona 57 Miliarden. Durch die Bodenverkäufe erzielte man 5 Milliarden Euro. Du siehst, auf diesem Weg kommt man nicht zum Ziel. Zumal die fünf Milliarden heute vermutlich mindestens 20 Milliarden wert sind. Wahrscheinlich noch viel mehr. Es war eine Politik für die oberen Zehntausend. Das Problem ist aber nicht Wowereit, das Problem ist die kapitalaffine Medienlandschaft.

    Für sozialen Wohnungsbau muss man kein Geld auftreiben, in Wien finanziert sich das selbst, außer die Bodenzukäufe. Letzteres müsste man halt durch Enteignung abfedern. Boden nur noch vergesellschaftet, abgesehen vom eigenen Häuschen. Leider steht man mit so einer Forderung heute im VS-Bericht unter „linksextrem“. Was an sich nicht stört, aber die Akzeptanz bei den Massen einschränkt.

    Zu Metropolis: Wenn ich von zeigemäßer Architektur rede und mich gegen das Schloss ausspreche, meint das nicht notwendigerweise Wolkenkratzer. Es meint, sich heute und hier zu überlegen, was man braucht (vermutlich keine Wolkenkratzer). Das Ergebnis wäre offen, aber kein Schloss. Ich hatte damals schon die Idee, dass auf dem Schlossplatz eine Stätte für Kommunikation, für Gespräch jenseits von Online hätte geschaffen werden müssen. Die Sprachlosigkeit, die Bubbles, die beklagt werden, wäre ein sinnvolles Thema gewesen. Eine Stiftung für Kommunikation oder sowas. DAS wäre ein angemessenes Zeichen für den politischsten Platz des Landes gewesen. Ein Schloss ist aber auch ein Zeichen.

    Das sind aber auch alles flotte Gedanken, die sicher auch der teilweisen Korrektur bedürfen.

    P.S.: Man sollte beim Schloss auch nicht vergessen, dass dort zuvor ein wichtiges Gebäude, auch was den damaligen technologischen Stand anging, zerstört wurde, der Palast der Republik. Der DDR-Architekt Manfred Prasser kommentierte über die Beweggründe der Zerstörungswut:

    „Das war knallharter Kommunistenhass. Was die DDR gebaut hatte, musste weg. Wie bei Ulbricht – der ließ das Schloss abreißen, weil er den Kaiser hasste. Die Deutschen lassen ihren Hass immer an Steinen aus. Sie beseitigen nicht den Geist, sondern die Bauwerke, die Symbole … Wir Deutschen sind so.“

    Demnach brauchte man zunächst den deutschen Hass auf das falsche Gebäude, um danach das Schloss wiederaufbauen zu können. Alleine das sollte ein triviales „Finde ich schön“ unterbleiben.

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  14. Jakobiner schreibt:

    Okay,das macht es klarer.Aber inwieweit ist das Preussentum so schlimm?Zwar stand es als Inbegriff des deutschen Militarismus der Junker und Adeligen, doch hat Sebastian Haffner doch mal dagegengehalten,dass dort jeder nach seiner Faison glücklich werden sollte,es viele liberale Seiten gab,zumal auch die preussischen Modernisierer um Gneisenau,Scharnhorst,etc.ein modernes Staatswesen erst hervorbrachten.Ist also vielleicht doch nicht so binär holzschnittartig böse oder gut,sondern eher durchmischt.Interessant war auch,dass die DDR in ihrer Spätphase Teile Preussens wiederentdeckte und sogar als partiell fortschrittlich sahen.Zumal auch DeGaulle von der DDR als den“roten Preussen“sprach,aber in einem eher negativen Sinne.Fuer etliche Konservative bieten die preussischen Modernisierer auch einen historisch von Weltkriegen und Holocaust unbelasteten Bezugspunkt für ihre Identitätsfindung,zumal auch in Bezug auf das Traditionsverständnis der Bundeswehr,die ja keine neue Wehrmacht mehr sein soll.Selbst der Mitarbeiter von Ulla Jelpke,NikolausBrauns findet,dass Bismarcks Saturirrungspolitik,seine Ausgleichspolitik mit Russland und seine ablehnende Haltung gegenüber dem Kolonialismus wie auch die Einführung des Sozialstaats antimilitaristisch,antikolonialistisch und sozial gewesen seien.Wobei auch Gauland Bismarck hoch schätzt,aber eher seinen Spruch,dass Politik nicht mit schönen Reden,sondern Blut und Stahl gemacht werde.Also die Beurteilung des Schlosses hängt wohl auch mit der Beurteilung des Preussentums zusammen,wobei man da allgemein doch eher an den Hauptmann von Köpenick denkt.Aber vielleicht ist dessen historische Rolle widersprüchlicher,durchwachsener und durchmischt er.

    Die zweite Sache,die mich interessieren würde.Die Postmodernisten meinten Jamal,dass alle Grand Narrative schon erzählt worden seien und alles Zukünftige nur Variationen schon Auserzaehlter Erzählungen sei,so auch die Architektur.Ist fundamental Neues da überhaupt noch möglich?Was ist denn von den gepriesenen Green Cities,smart cities und ähnlichem zu halten,die ja gerade von etlichen Architekturbüros entworfen werden?

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  15. genova68 schreibt:

    Ob das Preußentum schlimm war oder nicht, lohnte eine längere Diskussion. Aber wenn du dich darauf beziehst, dann müsstest du darlegen, inwieweit das Schloss auch nur einen linken oder emanzipatorischen Gedanken in sich transportiert. Ich löse auf: Du wirst auf keinen einzigen kommen. Das, was du an positiven Punkten Preußens finden magst (wobei mir nicht viel einfällt außer Stein-Hardenberg), symbolisiert sich sicher nicht im Schloss. Das steht für Monarchie, Bekämpfung von Demokratie, blutige Niederschlagung von Aufständen, Reaktion. Wir sollten doch froh sein, dass 1918 mit der Monarchie Schluss war.

    Und wenn du Gneisenau ansprichst: Der symbolisiert ja gerade das Problem: Napoleon geschlagen, aber um den Preis der Wiedereinsetzung der Reaktion mit Wiener Kongress und Karlsbad. In der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts repräsentiert ja Preußen gerade das Dilemma, die fortschrittlichen Ideen aus Frankreich und aus Südwestdeutschland bekämpft zu haben. Preußen als übermächtiger Part Deutschlands war auch dafür verantwortlich, dass die Forderung nach deutscher Einheit ohne Hass auf Franzosen und Fortschritt nicht zu haben war. Somit drückt sich im Schloss eher der Weg zu Hitler aus als irgend etwas Emanzipatorisches.

    So gesehen ist das Verlangen nach dem Kasten vielleicht ein Ausdruck authentischer Gefühle vieler Deutscher. Wohl bekomm´s.

    ———————

    Zu deiner zweiten Frage würde ich sagen, dass Geschichte niemals aufhört und bildnerische Darstellungen schon gleich gar nicht. Man könnte höchstens von einem beständigen Wechsel von einfach zu kompliziert sprechen: Die Romanik als einfache Statik mit großen Wandflächen, die Gotik dann als komplizierte Weiterentwicklung oder als eine völlige Neuerfindung von Statik, mit Stützen außerhalb der Mauer, die dann wirklich revolutionär aufgelöst werden konnte; die Renaissance als Ausdrucksform eines entstehenden städtischen Bürgertums jenseits von Kirchenbau mit hoher Rationalität, der Barock als Gegenbewegung, der Klassizismus als Rückbesinnung auf Strenge, der Historismus als vorläufiges Endstadium des Eklektizismus, dann die Moderne mit Antworten auf neue Techniken.

    Postmodern ist ein Begriff, der vielleicht – so meine Einschätzung – in der Architekturgeschichte nicht überleben wird, weil er sich schnell in viele Stile aufteilte. Das, was wir heute postmoderne Architektur nennen, sind die plakativen Ironiebauten mit disfunktionalen Säulen und solchen Sachen. Danach kam schon die Zweite Moderne, heute bestimmen organische Sachen den Zeitgeist. Die kommen von neuen CAD-Methoden im Entwurf und dadurch gibt es neue Formen.

    Kurzversion: So lange es technischen Fortschritt gibt, wird es neue architektonische Ausdrucksformen geben. In der Moderne war dieser Umstand sichtbar, weil Stahlbeton ungeahnte Spannweiten zuließ. Aber generell gilt: Jede Zeit hat ihre eigene Ausdrucksform, und findet die Zeit sie nicht, dann stimmt etwas nicht.

    Es wäre so, als würden neue Jugendgenerationen immer nur die Musik ihre Eltern und Großeltern hören: Es wäre das Ende der Zivilisation, die vom Fortschreiten lebt. Es ist die Natur des Menschen.

    Green cities: Ich sehe da momentan vor allem viel PR, begrünte Hochhäuser von Stefano Boeri und solchen Leuten sind rein plakativ. Das Kapital versucht natürlich auch hier, up to date zu bleiben und mischt mit. Ernsthafte ökologische Anstrengungen sehe ich nirgendwo. Wäre man bei dem Thema ernsthaft, müsste man sich beispielsweise mehr um die Eigenheime kümmern, siehe aktuelle Diskussion, oder über die irgendwann anstehende Entsorgung der giftigen Dämmstoffe. Aber vielleicht bin ich auch nicht informiert genug.

    Smart Cities repräsentieren schlicht den Fortschritt in der Computertechnologie für den Bausektor. Es gibt da meines Erachtens zu wenig Diskussionen darüber, was wir wollen und was und wichtig ist.

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  16. Jakobiner schreibt:

    Also,damit wir uns nicht falsch verstehen.Ich bin kein Fan des Preussentums,sehe es mehr als reaktionär,militaristisch und Verkörperung des Untertanenstaats.Wie die Marxisten ihre drei Köpfe Marx,Lenin,Mao/Stalin gerne auf Plakaten in eine Reihe stellten,so die Nazis den Preussenfritz,Bismarck und Hitler-die sahen da eine historische Linie. Aber die Nazis machten aus dem Weltbürger Goethe auch den antisemitischen Nationalisten,was zeigt,wie brutal da einfach interpretiert wurde. Wobei das beim Preussentum sichtlich einfacher fällt,da es eben faktisch viele Anknuepfungspunkte gibt.

    Interessant ist,dass China versucht mit seiner Neuen Seidenstraße Vorreiter des weltweiten Baus von smart cities zu werden.Auf den Philippinen wird gerade solch eine Modelstadt errichtet-Pearl City.Mir nicht bekannt,dass es im Westen ein aehnlichesProgramm gibt.Chinas Architektur ist sowieso seltsam.Ein synkretischesGemisch aus allem Historismus,Bauhaus und dann solch ein Wolkenkratzer Disneyland wie die Skyline von Pudong. Und ganz merkwürdige Formen sind da auch dabei.Albert Speer,der Sohn des gleichnamigen Hitlerarchitekten und Rüstungsministers,hat in China eine Stadt gebaut,die in konzentrischen Kreisen aufgebaut wurde nach dem Vorbild einesWassertropfen,der insWasser fällt.

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  17. genova68 schreibt:

    Zu China kann ich nicht viel sagen, es ist wohl eine andere Kultur. Angeblich gibt es dort die Haltung, via Plagiat seinen Respekt vorm Plagiierten auszudrücken. Das, was bei uns Urheberrechtsverletzung bedeutet, sieht man dort offenbar anders. Bei Luxusmarkenimitation irgendwie nachvollziehbar: Warum soll ein T-Shirt mit dem Markennamen drauf 50 Euro kosten, wenn man es simpel für fünf Euro produzieren kann?

    Zu Preußen und Hitler gibt es einen gesellschaftlichen Rollback. Man diskutiert wieder Kriegsschuldfragen, baut das Schloss, baut die Garnisonskirche etc. Das fing 1990 an, popularisierte sich via WM 2006. Meines Erachtens ist mittlerweile auch der Journalismus wesentlich unkritischer als früher. Die kulturalistische Linke besorgt den linken Part und verzettelt sich in Gendersprache und Wordingsfragen, überlässt das Feld der Ökonomie aber den Neoliberalen, mit denen man themenabhängige Bündnisse eingeht: Das Kapital hat nichts gegen den Genderstern oder Antirassismus, solange diese Ansätze sich verwerten lassen.

    Man sieht das aktuell auch an der Diskussion über die angebliche Linkstendenz der Journalisten bzw. der Volontäre bei den ÖR. Laut Umfragen sind die alle mehrheitlich links. Aber was bedeutet das? Offenbar nur, dass der Genderstern sich leichter durchsetzen lässt. Ökonomisch ist die Zahl der ökonomiebewussten linken Journalisten sehr begrenzt, da wird das Feld nach wie vor von Neoliberalen bestellt. Insofern ist der Journalismus im Wesentlichen rechts, aber eben nicht dogmatisch, sondern ganz unideologisch aufgestellt: Bei weichen Themen ist Originalität erlaubt, bei den harten Themen ist unbedingt die Linie einzuhalten.

    Die nach wie vor katastrophal geführte Debatte um Gentrifizierung zeigt das. Im wesentlichen fällt den Akteuren nichts ein außer „mehr bauen“.

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  18. Jakobiner schreibt:

    Naja,die Deutschen waren auch Mal Weltmeister im Kopieren und Plagiatieren,siehe Made in Germany,dann die Japaner. Hitler hat dieArier und deutschen als Kulturschaffer behauptet,die gelben Rassen alsKulturbewahrer,die nur Kopieren können und die Juden und Slawen als Kulturzerstoerer.Ind über die sogenannte chinesische Kultur gibt es auch viele falsche Klischees und Gerüchte.

    Von diesem Rollback habe ich auch schon peripher gehört.Aber da ging es um die Kriegsschuldfrage von WW1 und nicht um WW2.Daran rüttelt mit Ausnahme von Schulze-Rhonhof noch niemand.Aber die Junghistorikergruppe um Sönke Neitzel leistete da in einem programmatischen Gastbeitrag in der Welt Vorarbeit.Desweiteren Henfried Muenkler,der meinte,dass man Europa nicht einen könnte,wenn man der Ansicht sei,dass Deutschland den WK 1 begonnen habe.Was man im entfernten Bayern noch mitbekommt,ist dass die trotzkistische Studentengruppe eineFehde mit Prof.Joerg Baberowski führt,dem Geschichtsrevisionismus bezüglich des 3.Reichs nachgesagt wird.Vielleicht wisst ihr ja da Näheres.Wer bestimmt eigentlich letztendlich,ob das Schloss gebaut wird?Die Bundes-Oder die Landesregierung?

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  19. genova68 schreibt:

    Ah, du meinst, das Bild vom freudig kopierenden Asiaten geht auf Hitler zurück? Hm, dann müsste ich umdenken. Ich meine gelesen zu haben, dass das Kopieren in China aufrichtig als Erstrebenswert angesehen wird, als etwas, auf das man stolz sein kann. Die haben ja auch ungeniert einen BMW-SUV nachgebaut, und zwar so, dass man einerseits den Willen erkennen kann, andererseits aber auch die gestalterische Unfähigkeit, einen Nachbau mit minimalen Änderungen hervorzubringen. Vielleicht konnten sie nur zu hundert Prozent kopieren.

    Aber mittlerweile geht es da wohl weniger ums Kopieren als ums Davongaloppieren.

    Barberowski und Münkler haben schon rechte Tendenzen, würde ich sagen. Wobei das ok wäre, problematich ist ihre extreme Empfindlichkeit. Münkler sah sich ja schon in einer neuen NS-Zeit wegen dieser Studentengruppe. Seitdem kann ich Münkler auch fachlich nicht mehr Ernst nehmen.

    Ich habe darüber vor sechs Jahren einmal etwas geschrieben. Komischerweise hast du damals nicht kommentiert ;-)

    https://exportabel.wordpress.com/2015/05/18/herfried-munkler-und-die-faz/

    Den Schlossbau bestimmte damals der Bundestag. Wegen allgemeinem Interesse. Und der Fraktionszwang wurde damals aufgehoben, wenn ich micht recht entsinne. Befürworter und Gegner gab es in allen Fraktionen. Ich hätte gerne noch einmal eine Liste mit allen Befüwortern in der Hand. Mann muss ja wissen, wo der Feind steht.

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  20. Jakobiner schreibt:

    Da habe ich deinen Blog möglicherweise noch nicht gekannt.Ich hatte mit Muenkler mal eine einmalige emailkorrespondenz,in der ich seine Fetischisierung der Arbeitsethik kritisierte.Zurueck kam eine wutschnaubende,beleidigende Kurzreplik,womit das dann scheinbar widerlegt sein sollte. Einige Professoren halten sich scheinbar immer noch für nicht zu kritisierende Halbgötter.

    Die Einteilung in Kulturschaffende,kulturbewahrende und Kulturzerstörer der Rassen steht im übrigen in Hitlers Mein Kampf.

    ZuletztDerPalast der Republik stand ja nicht nur für architektonische Moderne,sondern auch für die DDR Diktatur.Wenn man das Schlosswegen seines reaktionären,absolutistischen Symbolgehalts kritisiert,müsstest du das auch mit dem Palast machen.

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  21. genova68 schreibt:

    Ja, der Palast der Republik stand mitnichten für Demokratie. Aus heutiger Sicht sage ich, dass man nichts abreißen soll, was existiert, abgesehen von einzelnen unbedeutenden Häusern, die kaputt sind etc. oder bei großer Platznot und unpraktikablen Gebäuden. Der Neubau heute ist fast immer renditetechnisch orientiert.

    Der Palast stand 40 Jahre und deshalb hätte man ihn stehen lassen müssen. Umbauen, erweitern, modernisieren, anbauen, was auch immer, wäre ok, es geht mir nicht um den authentischen Erhalt von etwas. Tabula rasa ist schon aus ökologischen Gründen heute nicht mehr vertretbar. Ich hätte mich aus heutiger Sicht natürlich auch gegen die Sprengung des Schlosses ausgesprochen.

    Zumal die Platzverhältnisse in Mitte eindeutig sind: Es gibt viel Platz und wenig Bebauung. Zwischen dem Schloss und dem nächsten Gebäude, dem Fernsehturm, sind es mehrere hundert Meter.

    Hitlers Einteilung wollte ich nicht übernehmen. Ich frage ja eher, ob das Plagiat in China nicht einen höheren Stellenwert hat als hier. Also dass man nicht nur plagiiert, weil es billiger und praktischer ist, sondern weil man darin einen Ausdruck von Respekt dem Original gegenüber sieht.

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  22. Jakobiner schreibt:

    Nein,das ist mir schon klar,dass du HitlersEinteilung nicht übernehmen willst.Ob das mit der Hochachtung gegenüber dem Kopierten stimmt,ist umstritten.Einige Experten meinen auch,dass das eine durchsichtige Schutzbehauptung der Chinesen sei und den Zweifler an dieser Aussage als Ignoranten gegenüber chinesischer Hochkultur darstellen will.
    Aber wie du in deinem neuen Artikel ja selbst schreibst,ist der Kopiervorwurf gegenüber den Chinesen auch Ausdruck neuer deutscher Überheblichkeit,die meint,Deutschland sei super und man konnte nichts aus Asien lernen.Zumal China inzwischen bei Hochtechnologie,z,B Quantencomputer zusammen mit den USA Deutschland und Europa weitgehend abgehängt hat,dass diese möglicherweise Wissen aus China stehlen oderkopieren müssen um noch mithalten zu können. Und im Falle Corona zeigt Taiwan und andere demokratische asiatische Staaten,dass es auch anders geht.Irgendwie hat sich unter den 16Jahren Merkel da ein Muttikomplex rausgebildet Mutti wird es schon richten und man muss sich keine Gedanken mehr machen.

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