Die NZZ und die rechte Propaganda ihres Chefredakteurs

Die NZZ war früher eine lesenswerte konservative Zeitung. Seit Eric Gujer dort die Chefredaktion übernommen hat, ist das Blatt nicht einfach weiter nach rechts gewandert. Die NZZ ist dümmer geworden. Nicht immer, aber immer öfter.

Jüngstes Beispiel ist eine Art Kommentar Gujers. Unter der Überschrift

Für die Marktwirtschaft muss man kämpfen, Sozialismus gibt es gratis

beschwert sich Gujer darüber, dass die „leistungsbereite Mitte“ von der Laschet-CDU ignoriert werde.

Gujer drischt die üblichen Floskeln. Unter Merkel habe sich „Stillstand und Stagnation“ ausgebreitet. Es sind Floskeln, die in der Regel Neoliberale gebrauchen, weil ihnen die Reichen nicht schnell genug noch reicher werden.

Gujer diagnostiziert:

Deutschland marschiert auf weitere vier Jahre zu, in denen sich nichts Grundlegendes ändern wird.

Was sich ändern soll, kann man bei diesem Kameraden ahnen: weitere sogenannte neoliberale Reformen. Als Beispiel nennt Guier die Grundrente, die ein Beleg dafür sei, dass die Sozialpolitik „neue Fettringe“ ansetze. Eine halbwegs auskömmliche Rente zu haben, ist für ihn Ödipositas. Ein Lieferkettengesetz, das die Verletzung von sozialen und humanen Mindesstandards ahnden soll, von Entwicklungshilfeminister Müller von der CSU derzeit in Vorbereitung, ist für Gujer

moralisch verbrämtes Misstrauen gegenüber allem, was Wohlstand schafft.

Gujer will offenbar, dass die Näherinnen in Bangladesh nicht üppige 35 Euro verdienen. 20 Euro täten es doch auch. Müller ist ein Weichei, das unseren Wohlstand gefährdet.

Dazu kommt eine Geschichtslüge:

Kapitalismus und Sozialismus standen Pate bei der Gründung der CDU und fanden beide Eingang in das Ahlener Programm von 1947.

behauptet Gujer. Zitieren wir aus dem ersten Absatz des Programms:

Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen.

Es ist das Gegenteil von dem, was Gujer behauptet.

Die in der Überschrift verbreitete Mär, wonach es Sozialismus gratis gebe, ist vollends absurd. Gujers Ansicht nach gibt das Kapital seine Macht und sein Geld also sofort ab und weicht freundlich dem Sozialismus, wenn man es nicht zur Eigeninitiative, weiterhin kapitalistisch tätig zu sein, aktiviert.

Nichts gegen konservative Meinungen. Man kann lernen, auch auf der Gegenposition. Einen Dünnpfiff, wie ihn die NZZ verbreitet, und das immer wieder mal seit Jahren, zeigt nur, dass aus Konservatismus Rechtspopulismus geworden ist. Man behauptet dummes Zeug und hofft auf Echo, ähnlich Breitbart und anderen Gestalten.

Schade um die Zeitung.

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4 Antworten zu Die NZZ und die rechte Propaganda ihres Chefredakteurs

  1. Hugo schreibt:

    Misjöö Gujer: „Chinas Direktinvestitionen werden misstrauisch beäugt und im Zweifelsfall verboten.“
    Und weil Sozialismus doof ist, ist es toll, von den Kommunisten aufgekauft zu werden. Geiler Move, wie mer neudeutsch so schön sagt.

    Zu den auch von „Neoliberalen“ nie erwähnten Wirtschaftszweige, die mit Subventionen (ob nun direkt oder über „Erleichterungen“) zugeschissen werden, verliert der auch kein Wort. Fängt bei der Automobilindustrie an, geht über die Energiewirtschaft und hört bei der Massenproduktionsagrarwirtschaft noch lange ned auf. In dem Sinne haben wir eh „Sozialismus“, Innovationsbremsen in Richtung eines Lebens mit der Umwelt ned gegen sie, gibts gratis dazu…

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  2. dame.von.welt schreibt:

    °Ödipositas° ist jedenfalls eine ganz großartige Wortschöpfung!

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  3. Jakobiner schreibt:

    Die Neoliberalen und die FDP sind ja aus Sicht der Libertären wie Eigentümlich frei und Oliver Janichs Partei der Vernunft auch schon Sozialisten.Das ist noch dehnbar.Die NZZ möchte ich früher wegen ihres aussenpolitischen Teils und der Schweizer Neutralität.Davon ist aber leider nichts geblieben.

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  4. genova68 schreibt:

    Man kann ja für die Abschaffung des Staates und die Einführung des totalen Marktes sein. Kann man alles diskutieren. Aber eben nicht auf dem Gujer-Niveau, nicht mit diesem dümmlichen Wording. Da ist tendenziell auch in der FAZ und der SZ zu beobachten, aber in letzterer schon lange nicht mehr so peinlich, meine ich zu beobachten.

    Hugo,
    ja, die Neoliberalen sind ja nicht gegen den Staat. Der muss haften, im Notfall zahlen, die Polizei bereitstellen. Es ist im Grunde reine Interessenspolitik. Der Staat im Kapitalismus ist im Wesentlichen Erfüllungsgehilfe desselben. Das ist wohl systemisch so, das ergibt sich so mit der Zeit.

    Ein schönes Beispiel finde ich die aktuellen Beihilfen für Restaurants etc. Die Vermieter verlangen nach wie vor extrem hohe Mieten, dafür gehen die Coronabeihilfen drauf. Die Beihilfen sorgen also indirekt dafür, dass die Vermieter, also die Bonzen, die nicht arbeiten, auch während der Krise auf ihren Mehrwert kommen. Sie streichen ihn ohne Arbeit ein, das wird garantiert. Entweder vom Mieter. Oder eben vom Staat. Und der Staat deklariert das dann als Ausgabe unter „Soziales“ und rühmt sich, wie sozial er doch ist.

    Wir, gerade wir im Westen Sozialisierten, haben das alles verinnerlicht. Wir erkennen weite Teile der kapitalistischen Propaganda nicht, weil wir meinen, objektiv zu sein. Weder die im globalen Süden noch die Ossis sind so, weil sie Brüche erfahren haben. Glaube ich zumindest.

    Ein Beispiel ist der Begriff der „sozialen Marktwirtschaft“.

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