Statik und Präzision

Immer wieder unglaublich: Das „Bildnis einer jungen Dame“ von Petrus Christus, um 1470 gemalt.

Ein klarer, katzenartiger Blick mit großer Schärfe. Keine Augenlider, kaum wahrnehmbare Brauen, dazu eine glatte, künstliche Haut, als hätte der jungen Dame schon das heutige Repertoire der Kosmetikindustrie zur Verfügung gestanden. Oder hat man so eine Haut, wenn man das Repertoire gerade nicht aufträgt? Die im Lauf der Zeit entstandenen vielen kleinen Brüche in der Ölfarbe wirken wie unzählige geplatzte Adern, was der Dame einen Hauch von Horrorfilm gibt.

Der Blick lässt den Betrachter sich schuldig fühlen. Was habe ich falsch gemacht?

Zur Komposition gehört die Materialität der Haut genauso wie all das Schmale: Nase, Mund, Ohren, Dekolleté, Schultern. Schmal, filigran, zart, gleichzeitig unerhört nüchtern und hölzern. Teakholzhölzern sozusagen. Lasiert.

Es wundert mich immer wieder, wie sehr das ausgehende Mittelalter eine großartige Detailtreue und Präzision entwickelt hatte. Diese Präzision ging aber in Mitteleuropa immer ins Statische. In Italien war man schon beschwingter, lebendiger, auf direktem Weg in die Renaissance. In der spätgotischen Malerei war die Präzision auf einem Höhepunkt, die Statik aber noch dominant. Es war eine Art Naturalismus an der Schwelle zu einer neuen Zeit. Gerade der Haaransatz der Dame wirkt sehr naturalistisch.

Dazu kommt das allgemeine Merkmal dieser Portraitkunst, und zwar dass man Augen, Nase, Mund und vor allem das Kinn damals zu klein malte. Warum eigentlich?

Wie auch immer, vielleicht ist es gerade diese konfrontative Statik, die komplett fehlende Dynamik, die diese Bilder, auch die von Jan van Eyck, so anziehend machen.  Statik und Unnahbarkeit. Was auch mit der fehlenden Zentralperspektive zusammenhängt. Vordergrund und Hintergrund, das hatte zu reichen.

Wobei: Man könnte Augen und die Mundpartie auch als überhaupt nicht statisch lesen. Mund und Augen geben der Frau – oder ist es noch ein Kind? – etwas Individuelles. Die Augen sind nicht symmetrisch, sondern bewusst ungleich gemalt. Das linke Auge hängt in Karl-Dall-Manier. Oder auch nicht. Es ist geheimnisvoll. Aber es sind eben nur Mund und Augen, die eine besondere Dynamik besitzen. Es ist im Mund eine minimale Bewegung vorhanden, die vermuten lässt, dass die Abgebildete einen leisen Vorwurf formuliert. Einen leisen, aber betroffen machenden Vorwurf.

Mit all diesen Attributen wirkt die Frau aktuell. Sie könnte in einem Alien-Film die Hauptrolle übernehmen. Mich würde auch nicht wundern, wenn Giorgio de Chirico sich 450 Jahre später dieses Bild angeschaut und seine metaphysischen Stadtlandschaften an dieser Ästhetik orientiert hätte.

Statik und Präzision – ein schöner Moment in der Geschichte der Kunst.

Das Bild hängt in der äußerst besuchenswerten Gemäldegalerie in Berlin.

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25 Antworten zu Statik und Präzision

  1. Jakobiner schreibt:

    Danke für das interessante und schöne Bild und dessen treffende Bildanalyse.Man kommt sich an die frühere ZDF-Sendung 1000 Kunstwerke bei der gelungenen Bildbeschreibung vor.Nur der Vergleich mit Karl Dall hängt etwas schief,wie dessen Augenlider.Aber vielleicht handelt es sich doch um ein Alien,wenngleich nicht einen Reptoiden.

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  2. genova68 schreibt:

    Sehen ist ein interessantes Feld. Wenn man beschreiben soll, was man sieht, wird es schon schwierig, obwohl oder gerade weil das Sehen für uns so selbstverständlich ist und wir gerne glauben, alles zu kennen und alles richtig einschätzen zu können.

    Stimmt, die 1000-Meisterwerke-Serie war super, alleine die Eingangsmusik. Warum gibt es sowas nicht mehr? Da könnte man auch in die aktuelle Diskussion über die GEZ-Gebühr einsteigen. Wie wirklichkeitsfremd die Parteien geworden sind, sieht man daran, dass die allen Ernstes noch mehr Geld haben wollen. Die AfD ist da die einzig realistische Partei, das muss man leider sagen. Wobei die natürlich nur alle Qualitätsprogramme abschaffen und Nazi-TV einführen wollen.

    Bürokratische Systeme neigen zur totalen Verfilzung. ÖR zeigt das. Sie können nichts dafür.

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  3. Jakobiner schreibt:

    Gibt es denn ein paar Infos über Petrus Christus, seine Kunstrichtung und Zeit und warum er das Bild so gemalt hat?Ist es ein Portrait,das wie Goya mehr karikiert oder stellt keine bestimmte Person dar oder ist da mehr über den Hintergrund bekannt? Hat die Junge Dame einen Namen oder ist es eine Dame von Welt?

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  4. Hugo schreibt:

    Die Linke im LT von Sachsen-Anhalt wollte erst auch gegen die Erhöhung stimmen, aber dann dafür, weil die AfD usw.usf. , bei dem Realismus der AfD bzgl. des ÖR-Pay-TV sollte mensch deren Ziel bedenken und das ist die Abschaffung des „Staatsfunks“.
    Wollt ja hier nix schreiben, da Kunstbanause; das Bildnis der jungen Frau ist halt schon gruselig…

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  5. genova68 schreibt:

    Kein Problem, Hugo, ich habe das GEZ-Thema hier gesetzt, was nicht zu der jungen Dame passt. Es fiel mir nur wegen der 1000 Meisterwerke ein.

    Die Linke wollte gegen die Erhöhung stimmen? Interessant. Sollten sie mal machen.

    Die Altparteien (um das Wort der Einfachheit halber zu gebrauchen) werden mit dieser Taktik Schiffbruch erleiden. Die AfD wird aufgewertet, wenn man vor allem nicht so wie sie abstimmen will, wenn es dann unangenehme Mehrheiten geben wird. Das versteht von den Wählern auch kaum jemand, vermute ich. Die CDU soll also für die Erhöhung stimmen, obwohl sie dagegen ist. Sowas ähnliches lief schon mal im Bundestag: Die Linke brachte die Mindestlohnforderung der SPD ins Parlament ein, die stimmte aus Koalitionsräson dagegen. Es offenbart die Lächerlichkeit und die Antidemokratie dieser Partei.

    In Wahrheit sind vermutlich viele Parlamentariere aktuell gegen eine Erhöhung. Der Apparat ist zu aufgebläht, das weiß auch jeder. Das Problem ist wohl die extrem aufgeblähte Bürokratie überall, auch in der Politik. Und das System GEZ ist nicht zur Reform in der Lage, das ist viel zu fein verästelt, durchaus demokratisch.

    Man sollte der AfD nicht den Gefallen tun, die Märtyrerrolle zu spielen. Aber genau das droht. Vielleicht sollte man sich grundsätzlicher klarmachen, dass die AfD eine reformierte NSDAP ist und eine Zusammenarbeit es mit denen auf keinen Fall geben darf. Parlamentarische Abstimmungen sind das aber nicht und sie würden eher ihrer Entzauberung dienen. Die NSDAP schaffte die Machtergreifung durch Straßenterror (da bietet sich derzeit Querdenken an) und gute Wahlergebnisse, die ihr dazu dienten, das Parlament arbeitsunfähig zu machen. Letzteres droht bei einem Verhalten der Altparteien in Sachsen-Anhalt.

    Ich verstehe die Angst davor, dass Linke mit AFD gemeinsame Sache machen. Es ist die alte Angst von 1932, wo NSDAP und KPD plus DNVP, also antiparlamentarische Parteien, die Mehrheit hatten. Aber die Linkspartei von heute ist beim besten Willen nicht die KPD.

    Das Verhalten der Bundes-CDU und auch von Manu Dreyer aus Rheinland-Pfalz ist dümmlich, aber von den meisten Politikern kann man auch nicht mehr erwarten. Die sind in diesem bürokratischen System nach oben gekommen. Das schaffen keine Menschen mit Inhalten. Das scheint mir mittlerweile das Grundproblem. Ein Trump ist der Ausdruck dessen.

    Jakobiner,
    die junge Dame war wohl nicht bekannt und keine Auftragsarbeit, sonst wäre ihr Name publik. Die Kunstrichtung habe ich oben beschrieben, Spätgotik, würde ich sagen. Die Gemäldegalerie ist voll von solch tollen Bildern, bevor es dynamisch wurde. Hundert Jahre später waren die Holländer sehr beschwingt und malten Menschen beim Schlittschuhlaufen.

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  6. Jakobiner schreibt:

    Die CDU fordert auch eine Reform der ÖR.Was reformiert werden soll,bleibt unklar.Über die Inhalte und den Content hört man nichts.Ich glaube auch,die Bevölkerung wäre nicht gegen eine Erhöhung,wenn mal die Programmqualität erhöht würde.Inzwischen nur noch Krimis,Quizshows,Liebesschnulzen, Rentner-und Hausfrauenfernsehen-ein Programm für Ü 65.ARTE mehr ein frankophiler 68er Toskanalinkenveteranensender.

    In der Internetbroschüre der Ausstellung steht etwas von Lady Talbot und einem flämischen Maler der Renaissance,was dann doch wieder verwundert.

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  7. neumondschein schreibt:

    Querdenken ist keine SA. Diese Freaks sind eher friedfertig. Zumindest gilt das für die großen Veranstaltungen in Berlin und Leipzig. Die Antifa in Leipzig war da weit gewalttätiger in Leipzig. Die hätte beinahe jemanden totgeschlagen. Um die würde ich einen großen Bogen machen, wenn sie mir in der Leipziger Innenstadt am Brühl begegnen würde, wo sie Touristen und Passanten belästigt und bedroht.

    Und die AfD ist auch keine NSDAP. Die AfD will auch kein NaziTV sondern das, was ¨brigbleibt, wenn man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschafft. Also totale Marktwirtschaft. Nur noch RTL2 und SAT1 und eine Reihe Angebote, die in die Nische treten, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk hinterläßt. Vielleicht auch KenFM-TV. Abgesehen davon ist die Zeit des linearen Rundfunks sowieso abgelaufen.

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  8. neumondschein schreibt:

    Ich glaube auch,die Bevölkerung wäre nicht gegen eine Erhöhung

    Total dagegen. Es gibt eine Menge Leute, die sich das Programm schon heute nicht leisten können.

    https://dudelsack.blogger.de/stories/2787684/

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  9. genova68 schreibt:

    Ach Gottchen, neumondschein entdeckt sein Herz für die, die sich die 87 Cent nicht leisten können. Ein Schelm, wer Böses denkt.

    Warum verteidigst du eigentlich die AfD? Wählst du die?

    Querdenken ist kein SA, stimmt. Da die aber gerne um die Teilnahme von Hooligans und Rockern bitten, haben sie das Zeug dazu.

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  10. neumondschein schreibt:

    18.xx EUR ist ein Haufen Geld für jemandem, dem es nicht hinterhergeworfen wird. Daher das vom Finanzamt einziehen lassen und damit wirtschaftliche Verhältnisse berücksichtigen. Und dann sind da noch die Unternehmen, die vollkommen sinnloserweise massenhaft Rundfunkgebühren bezahlen, und für jedes Fahrzeug noch einmal.

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  11. Hugo schreibt:

    Dumm und dusselig bezahlen sich die Unternehmen:
    https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/rundfunkbeitrag-was-rechtlich-gilt/150/32549/327119
    Frau Klatten-Quandt, bitte führen Sie die armen Groß- und Kleinaktionäre, Baubudenchefs, usw.usf. vor den Reichstag und mindestens noch dahin: https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lker_und_Gruppierungen_im_Star-Trek-Universum#United_Federation_of_Planets um sich zu beschweren!

    Und mal am Rande; wenn das Finanzamt einstreicht, wärs ne Steuer und ned zweckgebunden. Es heißt auch Öffentlich-Rechtlicher Funk, ned Staatsfunk, DAS ist der Witz an der ganzen Sache.

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  12. neumondschein schreibt:

    Das kann man doch ändern. Man könnte für die Zukunft bestimmen, daß das Finanzamt auch alles andere einstreicht. Auf den Zweck der eingestrichenen Steuern, Gebühren etc. hat das Finanzamt ja sowieso keinen Einfluß. Insofern hätte der Staat dadurch nicht mehr Einfluß auf das Programm als er ihn ohnehin schon hat. Die Gebühreneinzugszentrale von früher hatte ja auch keinen Einfluß auf das Fernsehprogramm. Da hat ihn auch das Finanzamt nicht.

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  13. genova68 schreibt:

    Es sollte eine erntshafte Diskussion über die GEZ-Gebühren geführt werden. Das Problem ist nur, dass man schnell das Kind mit dem Bade ausschüttet und damit nur der AfD einen Gefallen tut.

    Wenn man die 17,50 Euro reduzieren will, auf, sagen wir, 10 Euro, dann hätte jeder Haushalt im Monat 7,50 Euro mehr. Für die allermeisten vernachlässigbar, sie würden in ihrem Leben keine Veränderung bemerken. Für die ÖR würde das eine radikale Reform bedeuten, von der keiner weiß, wie sie aussehen soll. Überhöhte Intendantengehälter halbieren wäre ok, würde aber nur ein paar Cent ausmachen. Bundesligaübertragung kippen, ok, aber es schauen sich das auch viele an. Was ist dann mit Volksmusik und Silbereisen? Mit Bergdoktor? Deren Fans könnten antworten, dass sie nicht das kleine Fernsehspiel im ZDF finanzieren wollen und schon gar keine Rundfunksinfonieorchester. Das wäre dann auch weg und es wäre kein Orchester mehr da, das sich ernsthaft um zeitgenössische Musik kümmern würde. Finanzierung von Autorenfilmen? Minderheitenprogramm, weg damit. arte, 3sat? Zu elitär, streichen.

    Was bliebe? Politik? Talkshows? Monitor? Alles überlegenswert, aber die Gefahr ist groß, dass man sich für 7,50 Euro pro Monat komplett zerfleischt.

    Man hat ja heute mit den vielen Programmen und der Mediathek die Möglichkeit, sich eine Menge guter Sachen anzugucken und den Rest zu ignorieren. Dann ist jeder zufrieden. Insofern frage ich mich schon, wem man hilft, wenn man das System so angreift.

    Die Gebühren pro Haushalt einzuziehen ist natürlich falsch. Die Arroganz der ÖR ist das Problem, insofern ist es ok, dass sie Feuer unter den Arsch bekommen. Mehr Mitsprache. Aber bitte immer die möglichen Folgen bedenken. Die AfD will nur, dass es keinen Rundfunk mehr gibt, der sie nicht bedingungslos unterstützt. Die wollen nur zerstören.

    Zuletzt: Die ÖR haben in den letzten neun Jahren deutlich gespart, es gab seitdem auch keine Erhöhung. Würde das bei Löhnen und Gehältern so laufen, wäre das Geschrei groß.

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  14. neumondschein schreibt:

    Demnächst werden wir 30, 40, 50 und mehr EUR pro Monat asoziale Kopfsteuer bezahlen, von denen dann überhaupt kein Orchester mehr unterstützt wird, und wo sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Dreck um den europäischen Beitrag zur Weltkultur scheren wird, weil der ohnehin niemanden mehr interessiert. Der hier sagt, wie es ist. Wer Dvorak, Lully, Mozart, von Webern hören will, der braucht demnächst Internet- und Privatradio.

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  15. Hugo schreibt:

    Alta, der verlinkte Text ist von 2014! https://de.wikipedia.org/wiki/Puls_(Jugendkanal)
    Und Du mußt bestimmt „demnächst“ 99,99 Tacken löhnen, allein wegen der Verbreitung von Quatsch.*lol*
    Bin da weitgehend bei Genova, das ÖR-TV hat halt die Möglichkeit, „mutiger“ zu sein; anstatt die zigste Krimiserie im ZDF oder noch ne Schmonzette können die auch einen „Das kleine Fernsehspiel“ um viertel 9 bringen, ebenso muß die ARD ttt ned am Sonntag zwischen 5 nach elf und 5 nach halb 12 (+eventuelle Brennpunkte) hin- und herzappeln lassen, das kam mal 23:00 Uhr und als frühaufstehender arbeitender kulturinteressierter Kulturbanause will ich vor 12 im Bett sein(oder penn vor der Glotze ein).

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  16. neumondschein schreibt:

    Die Zukunft des linearen Fernsehens liegt sowieso hinter uns. Irgendwann wird auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk einsehen müssen, daß es keinen Zweck mehr hat, praktisch unerwünschte Alibi-Inhalte zu unchristlichen Zeiten zu senden.

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  17. neumondschein schreibt:

    Und den Mut müssen die öffentlich-rechtlichen Sender erst einmal beweisen. In nicht allzu ferner Zukunft wird das, was in der ganzen Welt außerhalb Europas als europäisches Kulturerbe verehrt und geachtet wird, von Chinesen und Russen verwaltet. Von deren staatlichen Strukturen, die ihre Legitimation aus der Bewahrung von Geschichte und Tradition beziehen. In Europa wird es nur noch Privat- und Internetradios geben wie Klassikradio, die vom Erbe schmarotzen dürfen, weil sie zum Kulturschaffen nicht aktiv beitragen können, weil der europäische Kulturbetrieb nicht so geschaffen wurde, daß er sich in einer kapitalistischen Welt bewähren könnte. Deshalb muß dieser Betrieb auch beständig subventioniert werden.

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  18. genova68 schreibt:

    50 Euro, lineares TV, Privatradio für Klassik?? Du hast eine blühende Fantasie, neumondschein. Leider hat die nichts mit der Realität zu tun. Es ist eigentlich überall das Gegenteil von dem, was du schreibst, wahr.

    Ein Klassikprivatradio gibt es schon, zumindest in Berlin. Die bringen den ganzen Tag die Top 10 der Klassik, analog zu den Sendern, die immer das Beste aus den 80er Jahren senden.

    Der europäische Kulturbetrieb wurde nicht so geschaffen, dass er sich in einer kapitalistischen Welt bewähren könnte? Welch fulminanter Satz, der die Verblendung offenlegt. Wenn sich Kultur kapitalistisch bewähren muss, dann ist der private Trash das Ergebnis, Radio wie TV.

    In einer kapitalistischen Welt bewährt sich nur das, was die meiste Rendite bringt. Wie willst du die Kultur denn derart präparieren? Was soll der ganze Unsinn?

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  19. neumondschein schreibt:

    Tendenzen in die Zukunft extrapoliert. Ist das. Einen Anspruch auf Klassik und Bildung und Nationalkultur, Lessing, Goethe, Schiller, hat der Hörer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nämlich nicht. Da muß er schon auf Privat-Radio ausweichen wie Klassikradio, Spivakov oder dergl. Bedienung eines Minderheitengeschmacks und Bedienung von Randgruppen bringt nämlich auch Rendite. Wobei das Resultat kein vollwertiger Ersatz dafür ist.

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  20. Hugo schreibt:

    Hä? Jeder ARD-Sender hat einen Kultur- und einen Klassikkanal. Der DLF/~ Kultur bringt jeden Abend eine Oper, ein Sinfonie/Kammer/Klavier/Streicher/wasweißichkonzert. Selbst „neue“ (die ja nun auch schon 100+ Jahre alt ist) sinfonische Musik kommt immermal. Auf arte kommt am Sonntag am frühen Abend sowas wie s.o. beim DLF. Auch Jazz wird in den Kultursendern gespielt.
    Ist alles ned sooo meine Baustelle, hat halt auch seine Berechtigung, die erfüllt wird.

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  21. genova68 schreibt:

    Ja, Hugo, so ist es.

    Neumondschein, es ist alles falsch, was du schreibst. Und das hat nichts mit Meinungen zu tun, es ist objektiv falsch. Der ÖR-Hörer hat einen Anspruch auf Klassik und Goethe. Nimm dir Deutschlandradio, beide Programme, nimm dir WDR 3, SWR 2 und die entsprechenden Kanäle aller anderen ÖR-Radios: Genau dort findest du die Spartenprogramme, die du angeblich suchst. Du behauptest, du wollest Bildung im Radio hören und meinst dann ernsthaft, auf private Radios ausweichen zu müssen? Auch Klassikradio bringt nur Klassikmainstream, sonst nichts. Und wenn sich das auch nicht mehr rechnet, machen die dicht.

    Diese Denke führt wieder zu den Querdenkern und anderen Verschwörungsideologen. Es ist eine totale geistige Verwirrung. Man kann ja sagen, dass einem windiges Wolkenwetter lieber ist als Wärme und Sonnenschein. Man kann aber nicht behaupten, dass man das windige Wolkenwetter eher in Andalusien findet als in Schottland. Genau das aber machst du, neumondschein.

    Woher kommt dieses Verhalten? Was läuft da psychologisch schief? Das sind die Fragen, die zu kären sind.

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  22. neumondschein schreibt:

    Jetzt erfindet er eine Nähe zu Verschwörungsirren, nur weil ich anmerke, daß der gesellschaftliche Auftrag öffentlich-rechtlichen Rundfunks immer weniger ernst genommen wird. Klassikradio kann es natürlich nicht besser. Darum Strukturreformen jetzt! Und sozial verträglichere Finanzierung bitte auch! Und keine Bezahlschranken und keine Werbung und kein Lizensgeschäft!

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  23. genova68 schreibt:

    Ok, Klassikradio kann es nicht besser, danke für die Korrektur. Ja, es braucht eine breite Diskussion um den Auftrag der ÖR. Wenn die durch die Ablehnung der Gebührenerhöhung in Fahrt kommt, ok. Meinetwegen hätte die CDU auch mit der AfD gegen die Erhöhung stimmen können. Die Aufregung darum ist künstlich, Teil der politischen Klasse. Keine Werbung wäre ok, aber die Regelung, dass es Werbung nur bis 20 Uhr gibt, ist ein Kompromiss. Wo sind Bezahlschranken beim ÖR?

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  24. neumondschein schreibt:

    auch keine Depublikation von Inhalten mehr bitte! Bezahlschranken deshalb, weil nicht alles, was öffentlich-rechtlicher Rundfunk produziert, in den Mediatheken publiziert wird. Vielmehr nutzen öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten die Gebühren, um Märkte zu verzerren. Da öffentlich-rechtlicher Rundfunk aber vom Volk bezahlt wird, hat er nicht das Recht, seine Produktionen demselben vorzuenthalten. Demnach muß eine dauerhafte Publikationspflicht eingeführt werden und der Urheberschutz abgeschafft werden. Man könnte jedoch darüber reden, ob künstlerisch anspruchsvolle Filme eingekauft werden dürfen, um sie zu Themenabenden zu verarbeiten, wie arte das macht.

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  25. Hugo schreibt:

    Was mich mal so interessiert ist z.B. das: https://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-2318724.html (auch wenns ebenso ned ganz so mein style is, yo, *lol*)
    Da kam letzte Woche um die gleiche Zeit eine Sendung mit Jello Biafra ( https://de.wikipedia.org/wiki/Jello_Biafra ), auch mal ne gute ACDC-Sendung, Tom Petty, wasweißich hör ned jeden Sonnabend um 7 abends Radio. Öfter spätabends haben die bei BR2 auch musikjournalistisch gut aufbereitete Musikspecials usw. usf und halt auch viel Feuilleton, Wissen (jeden Tag um 18:00) etc. .
    Daß Sachen in den Mediatheken ned ewig verfügbar sind, hat eben mit zeitlich begrenzter Bezahlung für die Verlags/Urheberrechte zu tun, was mal schnell eingebettete Lieder betrifft, die wiederkehrenden Tantiemen von Autor*innen, Drehbuchschreiber*innen usw.usf. Und dafür müßtest Du@Neumondschein bereit sein, mehr Rundfunkgebühren zu bezahlen, wenn alles, was sich jemand*in Jahre später nochma anschauen/hören will, auf Servern vor sich hinverschimmelt. Das Erzeugen und Verwalten von kulturellen Werken ist halt Arbeit und sollte auch honoriert werden, außer es ist vom Urheber für gemeinfrei erklärt (und auch da kann des mit Recht ned jede*r ungefragt zur öffntlichen Verbreitung verwenden).
    Und oh Wunder, falls Du irgendwas archivieren willst, gibts auch Möglichkeiten, das für Dich selber runterzuladen und zu speichern, wie lange was in den Mediatheken verfügbar ist, steht auch immer dabei.

    Schuldigung@Genova für immermehr OT, aber so „originelle“ Diskussionsbeiträge wie die von N. haben entschiedenen Widerspruch verdient *lol*. (Bei den ständigen Umbenennungen von DLF/dradio komm ich langsam nimmer mit, mal so am Rande…)

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