Neues von Ziegert

Dieser Anhänger steht derzeit mitten in Berlin, in Neukölln. Es ist eine Werbefläche des sogenannten Maklers Ziegert. Mit „Stadt- und Menschenzerstörer“ wäre Ziegerts Wirken ehrlicher beschrieben.

Ziegert bewirbt hier kostenlos überteuerte Wohnungen, Kapitalanlagen, beispielsweise Zwei-Zimmer-Wohnungen in Charlottenburg für 755.000 Euro (plus 45.000 Euro Provision, also Vermittlungsgebühr). Es sind durch die Bank scheußliche, herrschaftsaffine, reaktionäre Architekturen für Neureiche ohne jeden kulturellen Anspruch. Man sieht im Werbekatalog, der dem Anhänger zu entnehmen ist, wie massiv sich Ziegert und Konsorten breit gemacht haben.

Ziegert ist in Berlin eine Marke. Das Geschäftsgebahren dieses Kameraden habe ich hier beschrieben. Die Liste der Angebote ist lang und betrifft zentrale Gegenden: Ziegert und seine Kollegen sorgen dafür, dass man nirgendwo mehr günstig bauen kann, denn es wurde bereits alles zugebaut. Der Mietendeckel für den Bestand ist angesichts dessen ein Hohn.

Nach 20 Jahren roter und rot-rot-grüner Regierung in Berlin fühlt sich ein Ziegert in der Stadt pudelwohl. Das ist deutsche kapitalistische Realität.

Was ich nicht verstehe: In Neukölln ist so ziemlich jede Wand bemalt, besprüht, beklebt. Aber ausgerechnet der Ziegert-Anhänger steht tadellos da. Selbst der LKW dahinter hat seine Bemalung schon abbekommen. Wo sind die jungen Leute, die ständig eine Spraydose mit sich führen? Hier würde es sich lohnen, zu verschönern: „Stadt- und Menschenzerstörer“ aufzuschreiben würde schon reichen. Es wäre ein Akt nötigen zivilen Ungehorsams. Ich vermute, Ziegert kann sich in Berlin noch frei bewegen. Auch das spricht nicht für das angebliche Widerstandspotenzial Berlins. Warum soll man Zerstörern des eigenen Lebensraums tatenlos zusehen? Weil das kapitalistische deutsche Rechtssystem die Ziegerts dieser Stadt hofiert? Nö.

Also, liebe junge Berliner: Nehmt euch bitte diesen Anhänger vor: Columbiadamm, kurz hinter der Moschee. Übermalen und die Sympathie aller sympathischen Menschen in Berlin und darüber hinaus ist euch sicher.

Danke im Voraus

genova

(Foto: genova 2020)

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Eine Antwort zu Neues von Ziegert

  1. genova68 schreibt:

    Aktuell im Tagesspiegel: Journalisten recherchieren zur aktuellen Mietenhöhe und finden heraus, dass es eine Reihe von großen Immobilienunternehmen gibt, die extrem hohe Mieten verlangen und bei Beschwerden juristisch versiert reagieren:

    https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/diese-zehn-firmen-treiben-den-mietspiegel-in-berlin-besonders-in-die-hoehe/

    Wäre die Politik auch nur halbwegs bereit, sich für das einzusetzen, wofür sie gewählt wurde, würde man solchen Firmen den Hahn abdrehen. Stattdessen zeigen derzeit in Berlin die CDU, die AfD und die FDP, wes Geistes Kind sie sind – ihr Kampf gilt dem Mietendeckel.

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