#Wir haben Platz

In der Tat: Wir haben Platz. Berlin ist so locker bebaut, dass der Stadt ein paar Millionen Einwohner mehr guttun würden. Insbesondere außerhalb des S-Bahnrings, wie man sagt, weiß man oft nicht, ob man sich noch in einer Stadt oder schon in der brandenburgischen Tundra befindet. Das Genörgel des gemeinen Berliners, Berlin sei “zu voll“, ist nur Ausfluss der traditionellen deutschen Stadtfeindlichkeit, wonach eine Stadt immer zu voll ist, wenn dort mehr als eine Handvoll Leute wohnt.

Gäbe es massiven Bevölkerungszuwachs, könnte dann ganz gut mit fortschrittlichen Architekturideen aus anderen Ländern arbeiten. Unbürokratisch bauen, beispielsweise, oder strukturalistisch mit Partizipation, mit einem Standard, auf dem jeder Bewohner selbst weiterbauen kann. So wie vor einigen Jahren in Chile geschehen:

Projekte also, zu denen der Durchschnittsdeutsche weder fähig noch bereit ist.

Liebe Refugees und sonstwer: Wenn Ihr linksradikal seid, dann kommt bitte nach Berlin, fällt Bäume, rührt Beton an und – ganz wichtig – haut den privaten Investoren aufs Maul (das können wir nämlich auch nicht), sonst wird das nichts.

Danke im Voraus und freundliche Grüße,
genova

(Foto: genova 2020)

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4 Antworten zu #Wir haben Platz

  1. neumondschein schreibt:

    Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte dürfen hier nicht wohnen.

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  2. Hugo schreibt:

    …fällt Bäume…
    Zumindest die männlichen: https://taz.de/Botanischer-Sexismus/!5692824/
    Bin grade zu faul außer den Bildern des Links das Englische durchzulesen, ebenso den verlinkten Artikel in dem von mir verlinkten Artikel zu transkribieren; jedenfalls ist das Hauskonzept in Iquique mucho gut; wenn die Kinder kommen und/oder die Frau ein Nähzimmer haben möchte, baut mensch an…
    Hier wo ich grade sitze in einem Bauerndorf mit 169 Leuten, gibt es übrigens auch strukturelle Wohnungsnot. Hier lebten in den 80ern auch mal gen 250 Leute in den ehemaligen Gehöften. Wurde halt nach dem Zweiten Weltkrieg vieles erweitert, die Bauernhäuser aufgestockt, die Scheunen ausgebaut und auch einige Gehöfte geteilt und dort noch ne neue Bude hingesetzt. War/ ist halt aber alles Bauen im Bestand, Zu DDR-Zeiten war halt in so kleinen Dörfern in der Provinz Vergrößerung der ganz kleinen Dörfer blöd, weil wegen den Ver- und Entsorgungsanlagen, die haben halt Schwerpunkte im Sinne der Industriepolitik gesetzt und vorzugsweise da gebaut wo Arbeit am Ort war.
    Jetzt gibts halt immernoch Mangelwirtschaft; d.h., seit die DDR irgendwie auch Westen ist, müssen ja ausgewiesene Neubaugebiete komplett erschlossen werden; da haperts hier noch mit dem Abwasser, die nächste Kläanlage ist ned um die Ecke (&auch noch ein Berg dazwischen) und für Insellösungen sind die zu blöd/gibts keine Fördergelder wasauchimmer.
    Jedenfalls gäbe es hier genug Interessenten; die Großgemeinde hat halt die Neubaugebiete in den anderen Dörfern ausgewiesen und erschlossen, da sind wegen der Gewerbegebiete eh Kläranlagen nötig gewesen. Sind auch hier eingeborene Kinder wo des mit Beziehung und eigenen Kindern losging, woandershin ausgewichen, hätten aber gerne fußläufig bei Mama&Papa&Oma&Opa gebaut. Leer stehen zur Zeit drei Häuser, bei zweien sind die drei Bewohner (ein Ehepaar, ein Dauersingle) in den letzten vier Jahren verstorben, da kommen die Erben ned aus der Hefe. Ein paar Buden sind nur minimalbewohnt (überalterung usw.) und wenn mensch offenen Auges hier rumläuft, findet er noch vier bis sieben Baulücken. Alles im Bestand, d.h. der Gemeinderat bräuchte noch ned mal nen Bebauungsplan aufstellen.

    Falls Berlin mal ne richtige multikulturelle Metropole werden möchte und dabei ned in die „brandenburgische Tundra“ (die eher wie Meckpomm und Teile von Sachsen-Anhalt dank des Klimawandels zur Steppe wird, Tundra ist erst ab 55. Breitengrad *klugscheiß*) mäandern will; hm, Du hattest hier auch mal nen Artikel über Leerstände und arbeitest Dich ja auch ziemlich oft an der Immobilienspekulation ab. Als nächstes kann mensch ja an die Villenviertel und dort verdichten, hauptsache das Bethanien und der Wagenplatz dort nebendran bleiben haha…
    So erweiterbare Einfamilienreihenhäuschen wie in Chile bringens halt auch ned,da muß mer schon in die Höhe bauen und kann auch paar größere Grünflächen drumrum anlegen.

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  3. genova68 schreibt:

    Ein lustiger Artikel in der taz. Da man heute über alles redet, warum nicht auch darüber? Auch der Boulevard will gefüttert werden.

    Hugo, wohnst du in einer Kommune? Antikapitalistisch?

    Verichtung von mir aus auch in Dahlem, wobei es dort nie dicht war, nie Innenstadt, das sollte man den Menschen dort lassen, wenn sie es wollen. Ansonsten würde ich mich nicht an alten Villen abarbeiten, die sind unschuldig. Das Problem ist das, was heute gebaut wird, wie es gebaut wird und zu welchem Preis es verkauft wird.

    Die Idee aus Chile lässt sich nicht eins zu eins in einer Großstadt umsetzen, aber mit fünf Stockwerken eben schon. Unkompliziertes Bauen in D.:unvorstellbar.

    Überhaupt gibt es heute vermutlich zu viele Vorschriften, alleine die vielen Rauchmelder überall.

    In der DDR gab es wohl wesentlich weniger Bürokratie, aber e swurde ja auch nicht privat gebaut. Wer das machte, baute einfach, es interessierte nicht weiter. Die Enttäuschung ab 1990 war groß für alle Hausbauer. Warum ein Abwassersystem, wenn man die Plörre doch auch in die Wiese laufen lassen kann? Und warum ein Bebauungsplan, wenn das Grundstück doch mir gehört?

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  4. Hugo schreibt:

    „In der DDR gab es wohl wesentlich weniger Bürokratie, aber e swurde ja auch nicht privat gebaut.“
    Nein und nein. Es wurde s.o. privat gebaut, zur Not halt „schwarz“ mit Duldung, da waren die Strafen ned so exorbitant und die Hütte durfte stehenbleiben. Da Mangelwirtschaft wars halt mit Materialien und Werkzeugen (die wo Krach machen), doof. Und nochmal nein@ antikapitalistische Kommune, ich wohn in einem stinknormalen kleinen Dorf, die es hier in der (süd)thüringer Provinz zuhauf gibt. Kleinbäuerliche Struktur etc. pp. . Dreikammerklärgruben waren hier schon state of the art; daran hat sich auch in den letzten dreißig Jahren ned viel geändert, außer wenn mensch seine Hütte erheblich umbaut, ein Haus in einem Gebiet ohne Kläranlagenanschluß (bei uns sollt der Kanal schon seit drei Jahren dasein, wann der wirklich kommt, steht in den Sternen) neu baut, braucht ne Biokläranlage. Bin 43, hab also die DDR ned wirklich lange mitgemacht; da gibts bestimmt noch mal mehr, mal weniger lustige Geschichten zu erzählen von Älteren.
    Das mit den Grundstücken war auch so ne Sache, theoretisch hatte jede/r des, wo ned enteignet wurde (über 100 ha, bei Republikflucht, wasweißich wars weg), über die Nutzung entschied im Zweifelsfall der Staat. Viele bauten sich auch ihre Schrebergartendatschas zu kleinen Wohnhäusern um, viele bekamen (ab Mitte der 80er) Grundstücke zugewiesen zum Neubau etc. pp. Dann kam der Beitritt incl. Rückgabe vor Entschädigung und diversen anderen Späßchen.

    „Das Problem ist das, was heute gebaut wird, wie es gebaut wird und zu welchem Preis es verkauft wird.“
    Jo, und das ist durchaus ein Problem der Kategorie „selber schuld“. Die ganzen Altbauten und Brachflächen haben ned immer Deutsche Wohnen und diversen ominösen Immobiliengesellschaftnetzen mit Firmensitzen in Sonstwo gehört…

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