Interessante Gedanken zum Begriffspaar „Urlaub“ und „Deutschland“

Die größte Gefahr scheint gebannt: Wir, wie man sagt, müssen unseren Urlaub nicht in Deutschland verbringen. Die Grenzen zu südlichen Ländern öffnen sich langsam.

Doch diese Variante wurde wochenlang ernsthaft diskutiert: Deutsche sollen Urlaub in Deutschland machen. Es konnte einem Angst und Bange werden. Was ist schon eine Coronaanstreckung gegen Urlaub in Deutschland?

„Deutschland“ und „Urlaub“ zusammenzudenken ist in etwa so, als wolle man „Nordpol“ und „Tropen“ zusammendenken. Es ist unmöglich. Auch bei hohem Fantasieeinsatz geht das nicht. Verschwörungstheoretische Zeitungen wie die Süddeutsche berichten von Umfragen, nach denen sich angeblich zwei Drittel der Deutschen einen Urlaub in Deutschland vorstellen können. Fake news waren schon realitätsnäher.

Es sollen in den vergangenen Jahren vereinzelt deutsche Urlauber in Deutschland gesehen worden sein. Es seien beispielsweise auf der Sandanhäufung namens Sylt Erholungssuchende gesichtet worden. Das behaupten zumindest Verschwörungstheoretiker. Wir, der aufgeklärte Teil Deutschlands, die Avantgarde also, wissen: Es ist nicht möglich. Aber es gibt ja auch Leute, die behaupten, die Erde sei eine Scheibe.

In Deutschland Urlaub zu machen bedeutete entweder in den ganz und gar hässlichen Gegenden Norddeutschlands mit einem extrem menschen- und also urlauberfeindlichen Klima (17 Grad, Brise, Nieselregen) freiwillig mehrere Wochen zu verweilen. Es bedeutete konkret: Man träfe in einer einzigartigen optischen Hässlichkeit auf – Deutsche.

Oder man machte in Süddeutschland Urlaub. Dort bestände zugegebenermaßen die Möglichkeit, in einer schönen Gegend mit höheren Temperaturen bei Windstille und heiter bis wolkigem Himmel die schönsten Wochen des Jahres, wie man sagt, zu verbringen. Allerdings hätte auch diese Variante einen entscheidenden, nicht weiter diskutablen Nachteil: Auch hier träfe man auf  – Deutsche.

Wir sehen: Wie wir es auch drehen und wenden – Urlaub in Deutschland ist wie ein Strand ohne Wasser, ein Fahrrad ohne Räder, ein Joint ohne THC, ein Stück Torte ohne Sahne. Also eine nicht vorstellbare Konstellation. Deutsche dazu zu verurteilen, sich zwölf Monate im Jahr in Deutschland (!) aufzuhalten, grenzt an weiße Folter. Es sollte sich vorsorglich die UNO äußern.

Danken wir also den europäischen Regierungen für die Lockerungen. Wir sind gerne mit Maske, Abstandhalter und Gummihandschuhen unterwegs. Solange wir dieses  Land noch verlassen dürfen.

Verschwörungstheoretiker verbreiten derzeit diese Fotomontage von der Nordsee im Netz: Ein deutscher Urlauber im hässlichsten Meer der Welt:

(Foto:genova 2019)

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2 Antworten zu Interessante Gedanken zum Begriffspaar „Urlaub“ und „Deutschland“

  1. Jakobiner schreibt:

    Da hast du die Rechnung ohne den Wirt gemacht:Kaum im Ausland rotten sich die Deutschen an überfüllten Stränden,bei Ballermann ,Tourispots oder Kreuzfahrtschiffen wieder zusammen.Es gibt kein Entkommen.

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  2. genova68 schreibt:

    Ich fahre nicht an den Ballermann. Oder wenn, dann nur aus Beobachtungsgründen.

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