Umfunktionierte Stadtmauer

So sieht eine spezielle Form kontextbezogenen Bauens aus: Eine Stadtmauer wird aufgrund politischer und gesellschaftlicher Veränderungen ihrer Funktion beraubt, was in Italien, hier in Città di Castello, aber nicht dazu führt, sie abzutragen. Sie bleibt stehen und wird funktional angepasst. Das dahinterstehende Haus bekommt einfach zusätzlich vier Fenster und zwei Balkone.

In Deutschland wäre entweder die Stadtmauer schon längst zerstört worden. Oder nicht, dann würde bei solchen Umbauten heute der Denkmalschutz einschreiten und den Rückbau fordern.

Überhaupt ist der deutsche Denkmalschutz ein weiteres Zeichen dafür, wie unangenehm dieses Land ist, in dem wir alle leben müssen und also alle leben. Es geht nicht darum, das Alte in neue Notwendigkeiten zu integrieren, dem Alten also eine Überlebenschance jenseits der Musealisierung zu geben, sondern es geht um Künstlichkeit.

Ein Haus, das musealisiert wird, hat schon verloren.

(Foto: genova 2019)

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7 Antworten zu Umfunktionierte Stadtmauer

  1. Grandgoschier schreibt:

    Lieber genova,
    ich stimme Dir (bisher nur lesend) fast immer sehr zu, aber hier liegst Du, wenn wohl auch nicht in der Sache, so doch in den Tatsachen nicht ganz richtig, sofern nämlich Ladenburg am Neckar als Stadt in Deutschland gelten darf. (Daß es eine römische Gründung ist, …)
    Grüße,
    grandgoschier

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  2. genova68 schreibt:

    Hallo, Grandgoschier,
    ich freue mich, dass du hier kommentierst.

    Hat Ladenburg eine Stadtmauer? Dann wäre die Frage, ob sie so umfunktioniert wurde wie in dem Bild oben. Wenn das der Fall ist, dann nehme ich meinen Vorwurf tatsächlich zurück. Zumindest für Ladenburg.

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  3. Grandgoschier schreibt:

    Die Bildersuche nach“Stadtmauer Ladenburg“ liefert einiges, z.B. und auch „moderneres“: . Damit will ich zum Vergleich mit Italien aber nichts wertendes gesagt haben.
    (By the way, ich sehe hier keine Möglichkeit, auf Deinen Kommentar zu antworten. Es gibt nur „Kommentar verfassen“. Ist das so gedacht?)

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  4. Grandgoschier schreibt:

    O.K., ich bin wohl von der Kommentarfunktion hier überfordert.
    Im letzten Kommentar standen zwei Links, jeweils in spitzen Klammern. Soll man keine Links schreiben oder wie geht das hier? Hier ein Test ohne die spitzen Klammern: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ladenburg,_Stadtmauer_an_der_Westseite_der_Altstadt_20170601_007.jpg

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  5. genova68 schreibt:

    Vielen Dank für die Hinweise. Ladenburg scheint stadtmauertechnisch tatsächlich interessant sein, man sieht einiges an Stadtmauerumbauten aus jüngster Zeit, zumindest, wenn ich das richtig interpretiere. Ich nehme also Ladenburg von meiner Kritik ausdrücklich aus. Man sollte da einmal hinfahren. Bzw. war ich dort einmal, vor ca. 30 Jahren…

    (Man kann hier nicht direkt auf einen Kommentar antworten, es ist hier ja eher wenig los. Einfach einen Kommentar schreiben, das wird schon verstanden.

    Links einfach kopieren und hier einfügen. Manche Links setzt wordpress direkt in ein Bild oder Video um.)

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  6. Grandgoschier schreibt:

    Danke für die Erläuterungen. Ich bin da technisch eher noch ein Usenet-Bewohner. Die spitzen Klammern sind dann wohl für HTML-Tags? Test.
    Bei der Gelegenheit: Danke für das schöne lesenswerte Blog. Als Laie profitiere ich von den Anmerkungen zur Architektur und bilde mir ein, dann besser sehen zu können. Aber auch die anderen Artikel lese ich mit Gewinn und — das ist ein größeres Komplement als es vielleicht scheint — ärgere mich so gut wie nie darüber.

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  7. genova68 schreibt:

    Wenn du durch diese Artikel besser sehen kannst, dann ist das ein großes Lob. Danke.

    Die eckigen Klammern sind HTML-Befehle, ja Ein wenig vorsintflutlich, denke ich. Aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

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