Italien – kein Supersieg

Es folgt ein Symbolfoto für den politischen Zustand Italiens nach den gestrigen Regionalwahlen in der Emilia-Romagna und in Kalabrien.

Immerhin hat Salvini sein Ziel einer Mehrheit in Bologna und Umgebung – einen „Supersieg“ nannte er das – nicht erreicht, aber das hätte auch eine kleine Katastrophe bedeutet. Die Emilia-Romagna ist links seit Menschengedenken. In Kalabrien dagegen haben die Leute für eine Partei (bzw. ein rechtes Parteienbündnis) gestimmt, das noch vor ein paar Jahren – als Lega Nord – die Kalabresen für dumm und faul erklärte und den Süden vom Norden abspalten wollte.

Wie groß muss die politische Not sein?

Andererseits: Organisierte Wirtschaftskriminalität ist in Deutschland ein weitaus größeres Problem als in Italien und die entsprechenden Gesetzes sind dort um einiges schärfer als hier. Korruption gibt es hier vermutlich in ähnlichem Ausmaß, aber das wird gerne verschleiert, beispielsweise wenn der ehemalige Führer der Arbeiterklasse nun vom Kapital in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank wechselt. „Deutschland ist nach wie vor ein Paradies für Geldwäscher“, schrieb vergangenes Jahr das Handelsblatt und betonte den hohen Stellenwert des Immobiliensektors. Kontrollen gibt es kaum.

Es sieht auch so aus, als sei Deutschland das Lieblingsziel der italienischen Kriminellen, wenn es um Geldwäsche geht:

Es ist indes ein offenes Geheimnis, dass Deutschland unter anderem bei italienischen Mafia-Organisationen als Standort für „Investitionen“ beliebt ist. Auch Geld aus anderen Ländern, das mit dem internationalen Drogenhandel in Verbindung steht, wird bevorzugt in Deutschland gewaschen. Die Kriminellen schätzen Diskretion und Effizienz bei der Abwicklung der Geschäfte.

Begünstigend kommen relativ laxe gesetzliche Bestimmungen hinzu und die noch immer ausgeprägte Vorliebe der Deutschen für Bargeld. Das fließt erstaunlich häufig bei Immobiliengeschäften.

Bargeld bei Immobiliengeschäften? Das deutsche Establishment also als Förderer italienischer Kriminalität.

Schließlich sei an das grundlegen asoziale Verhalten der Deutschen im europäischen Kontext erinnert: Zu geringe Löhne, zu viel Export, zu wenig Investitionen. Alles schon lange bekannt, aber im wirtschaftsjournalistischen Mainstream, der in Deutschland naturgemäß stramm rechts und menschenverachtend daherkommt, schon lange kein Thema mehr.

Und das Schlimmste: Wir können als Ausgleich für die politischen Zustände nicht einmal ernsthaft übers Essen diskutieren.

(Foto: genova 2019)

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