Ein Lob an Köln

Wir sehen hier die Innenstadt von Köln, ein durchaus repräsentatives Bild. So sieht es aus, nachdem zehn Jahre zuvor ein Stadtarchiv eingestürzt ist. Das ist positiv gemeint, denn es zeigt sich ein Stück nicht definierter Boden mitten in einer naturgemäß von der kapitalistischen Bestie beherrschten Stadt, in der das herrschte, was man einmal, schon damals verharmlosend, rheinischer Kapitalismus nannte.

Es geht in Köln natürlich um Korruption und eine gewisse Unfähigkeit der Bürokratie. Dazu kommt ein eher peinlicher Lokalpatriotismus, der bei der unfähgigen Bürokratie gerne beide Augen zudrückt.

Dennoch ist das alles sympathisch. Es passt nicht wirklich zur konsequenten kapitalistischen Verwertunglogik, und das ist nicht das schlechteste, was man über eine Stadt sagen kann. Ähnliches gilt für Berlin. Die Unfähigkeit der Bürokratie, ihre ausgeprägte Aversion für die Praxis und die vielen unbesetzten Stellen sind einerseits ärgerlich. Andererseits stelle man sich die Alternative vor: Eine Stadt im Herzen der Bestie, in Preußen, die sich auf ihre alten Tugenden beruft. Zackig, militärisch, unbarmherzig, totalitär, ungenießbar. Dann doch lieber die aktuellen Loser.

Vielleicht werden irgendwann einmal undefinierte städtische Räume wieder in ihrer Einzigartigkeit erkannt werden. Vielleicht erst dann, wenn auch der letzte Chinese den Eiffelturm bestiegen hat.

(Foto: genova 2019)

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