Von Persönlichkeiten gegen Mittelmaß und Mutlosigkeit

Susanne Klatten und ihr Bruder Stefan Quandt, Hauptaktionäre bei BMW, Multimilliardäre und vor allem Milliardenerben (auf Exportabel hier und hier schon thematisiert), sind in die „Hall of Fame“ aufgenommen worden. Die Hall of Fame ist ein PR-Gag der Realsatirepublikation manager magazin.

Bei dieser Ruhmeshalle engagiert man sich

„gegen Mittelmaß und Mutlosigkeit … und zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich um Wirtschaft und Gesellschaft besonders verdient gemacht haben“,

so die Eigenbeschreibung.

Um Wirtschaft und Gesellschaft besonders verdient gemacht: Klatten und Quandt zweigen Jahr für Jahr eine runde Milliarde Euro aus dem Gewinn des Unternehmens BMW ab. Man kann das bei den beiden nicht auf einen Stundenlohn umrechnen, weil sie dafür keine Stunde und auch keine Minute gearbeitet haben. Der Stundenlohn tendiert gegen unendlich, sozusagen.

Auf der dazugehörigen Festveranstaltung gab es noch mehr Skurriles. Die herrschende Klasse unter sich. Nikolaus von Bomhard, Aufsichtsratsvorsitzender der Münchener Rück und der Deutschen Post, lobte seiner Laudatio auf Klatten und Quandt

„ihr nachhaltiges Wirken und ihre vielfältigen sozialen wie kulturellen Engagements: „Sie wissen, dass Unternehmer eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung tragen und Vorbild sein müssen.““

Sozial und kulturell engagiert den Arbeitern das Geld aus dem Kreuz leiern. Das nennt man in diesen Kreisen gesamtgesellschaftliche Verantwortung.

Der Veranstaltungsort, so das manager magazin (bei dessen Lektüre einen schnell der Verdacht beschleicht, der Chefredakteur heiße Sonneborn) weiter,

wirkt wie eine Trutzburg im Abendlicht.

Da hatte vermutlich Freud seine Hände im Spiel. „Trutz“ bedeutet einen Akt der Gegenwehr. Die illustre Gesellschaft sieht sich offenbar in der Opferrolle und muss sich nun organisieren, um zu kriegen, was ihr zusteht. Die illustre Gesellschaft weiß sicher genau, wie asozial sie sich benimmt und ist vielleicht selbst am meisten verwundert darüber, dass die Ausgebeuteten sich das gefallen lassen. Sie, die illustre Gesellschaft, ist deshalb permanent in Abwehr- und Angriffsstellung zugleich. Und auf den Abend folgt die Dämmerung und dann die Nacht.

Bemerkenswert noch, dass in diese Hall of Fame auch zwei Gewerkschaftsbosse, nämlich der DGB-Chef Hoffmann und der IG-Metall-Chef Hofmann, aufgenommen wurden. Sicher auch wegen Verantwortung und Engagement, eben der herrschenden Klasse gegenüber.

Apropos Vorbild: Am besten nehmen sich nun 80 Millionen Menschen in Deutschland diese beiden Typen zum Vorbild: Jedes Jahr eine Milliarde Euro einsacken, ohne einen Finger dafür zu rühren. Vielleicht sollte die Putzfrau des Trutzburg-Events damit anfangen: Den Damen und Herren verkünden, sie stelle mit sofortiger Wirkung ihre Arbeit ein und verlange dafür eine Milliarde Euro pro Jahr. Die Betroffenen hätten sicher Verständnis, gehört dieses Verhalten doch zu ihrem Alltag. Was übertrieben klingt, ist exakt das, was das noble Geschwisterpaar Klatten und Quandt macht.

Die Klassenfeinde treffen sich in einer Trutzburg. Dort hocken sie für ein paar Stunden zusammen und engagieren sich gegen Mittelmaß und Mutlosigkeit.

In der Tat: Wir sind zu mittelmäßg und zu mutlos. Schade, dass wir die Gelegenheit nicht nutzen.

(Foto: genova 2016)

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