„… ´n krass wichtiges Ding“

Wir Älteren vermuten es ja schon länger: Die CDU ist eine durch und durch verlogene und scheinheilige und also dumme Partei, deren Ziel einzig die dauerhafte Realisierung einer Politik für die Interessen der oberen Zehntausend, wie man sagt, ist. Die Christenunion als Volkspartei ist also unserer, der Älteren Vermutung nach, der politische Abdruck eines in weiten Teilen durch und durch verlogenen und korrupten und also dummen Volkes, wie man sagt.

Ein junger Mann mit Namen Rezo gibt uns jetzt Gewissheit. Er publizierte kürzlich ein Video, das politische Aufklärung im besten Sinn betreibt. Nichts, was hier gesagt wird, ist neu. Neu ist aber, dass so ein Video in vier Tagen über 3,3 Millionen Aufrufe bekommt und die Medien sich ausführlich damit beschäftigen. Es gibt offenbar Bedarf. Und der Video-Anhang mit Quellenangaben könnte zumindest vom Umfang her unter einer Promotion stehen.

Das Video sorgt laut Deutschlandfunk „bei der CDU für Nervosität“. Haha. Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär und auch noch jung, verbreitet, Rezo verbreite „Falschbehauptungen“. Und er behauptet, allen Ernstes, er habe „mehr Skrupel“ als Renzo.

Das ist nun wirklich ein starkes Stück.

Ein alter weißer Mann muss sich an Rezos körperliches Rumgezappel erst gewöhnen, aber so ist sie wohl, die junge Generation. Oder vielleicht ist sie nur so, wenn eine Kamera läuft.

Rezo behandelt  – außer konkreter Immobilienpolitik – fast alle politischen Bereiche: Wirtschaft, Vermögensverteilung, Klima, Bildung, Artenvielfalt, Krieg, Völkerrecht, Drogen. Egal, wohin man schaut, die Politik der CDU – und in kaum geringerem Maß die der SPD –  ist naturgemäß das Letzte, so bisher unsere Vermutung und jetzt unsere Gewissheit.

Kritiker sagen, das Video schüre Politikerverdrossenheit. Ich sage: Jedes aufklärende Video über diese Politiker schürt Politikerverdrossenheit. Jedes Interesse für reale Politik schürt Politikerverdrossenheit. Je mehr und umfangreicher und nachhaltiger und also intensiver Politikerverdrossenheit, desto besser für aufgeklärte Politik.

Lustig ist die Doppelbedeutung des Videotitels, wobei leider nur die eine Bedeutung tatsächlich ist:

Die Zerstörung der CDU

Ich fordere nun die vielen Milllionen junger Rezipienten meines Blogs zur aufmerksamen Rezeption dieses krass wichtigen Dings auf. Bitte sehr:

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41 Antworten zu „… ´n krass wichtiges Ding“

  1. hANNES wURST schreibt:

    Ein Stück weit wird da der Regierungskoalition das Übel der ganzen Welt in die Schuhe geschoben, und er geht mit seinen Daten ebenso polemisch wie ein Politiker um. Dennoch Hut ab, gute Performance, sehr unterhaltsam und viel Wahres dran. Im aktuellen Hype sollte nicht untergehen, dass dies vor allem ein Erfolg seines politischen Ziehvaters Tilo Jung ist, der seit Jahren hochwertige politische Inhalte (z.B. in den Podcasts „Jung und Naiv“ und „Aufwachen“) liefert, die kompetent, nicht über das Maß polarisierend und eben auch: nicht einschläfernd sind.

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  2. genova68 schreibt:

    Ziehvater ist Tilo Jung. Danke, wusste ich nicht. Bei dessen Videos habe ich das Problem, das ich mit den meisten Videos habe: Wenn sie länger als zehn Minuten sind, gucke ich sie mir nicht an. Das von Rezo war das erste lange seit einer halben Ewigkeit, das ich mir komplett anschaute. Aber auch nur mit anderen PC-Arbeiten nebenbei. Bei einem Buch oder Zeitungsartikel kann man querlesen, beim Video nicht.

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  3. REzO:
    Hersteller und verantwortlich „im Sinne des Presserechts“ ist (das Video wird bei YT mit diesem Impressum versehen):

    TUBE ONE Networks GmbH
    Ströer Allee 1
    50999 Köln

    Das Geschäftsmodell von TUBE ONE GmbH geht beispielsweise aus dieser Stellenanzeige der Firma TUBE ONE Networks GmbH hervor:

    „Wir, die TUBE ONE Networks GmbH, sind das Social Video Netzwerk der Ströer Content Group. Wir kombinieren 500+ Kanäle auf sozialen Plattformen wie Instagram, Twitter, Snapchat, YouTube und Facebook mit 600 Mio. Videoviews pro Monat und 50 Mio. Social Media Fans. Als reichweitenstarkes Netzwerk schaffen wir es, unseren Werbekunden interessante Umfelder und auf die Bedürfnisse ausgerichteten Content anbieten zu können. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit, Kampagnen effektiv in das Ströer Netzwerk einzubinden und auf Public Videos sowie alle weiteren digitalen Umfeldern zu erweitern.“

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  4. Reinplatzer schreibt:

    Gut und bemerkenswert finde ich vor allem, wie er sehr viele Themenbereiche zitatgestützt behandelt, die gerade in ihrer komprimierten Zusammenschau ein Gesamtbild der Politik aufzeigen, das für sich spricht. Sehr interessant aufbereitet.

    Der Schuss Polemik wäre tatsächlich gar nicht mehr nötig gewesen, aber dennoch eine erträgliche Dosis und, wie mir scheint, eher dramaturgisches Mittel denn federführend.

    Rezo ist ’ne coole Socke ;)

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  5. Jakobiner schreibt:

    Es gibt jetzt schon einen Offenen Brief der CDU als Antwort an Rezo

    https://www.cdu.de/artikel/offene-antwort-rezo-wie-wir-die-sache-sehen

    und widerum darauf das Statement 80plus Youtuber–letzteres recht platt und viele Butoxtuzzis:

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  6. geno schreibt:

    gänsehaut! ist politik sehr viel komplizierter als von der jugend dargestellt? weil politiker mit ihrem amtseid den gesunden menschenverstand abgelegt haben? die politik sollte jetzt von der jugend und ihren neuen polithelden lernen. https://campogeno.wordpress.com/2019/05/25/jetzt-geht-aber-auch-waehlen/

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  7. genova68 schreibt:

    Die Ströer-Geschichte, die Herr oder Frau Lügenpresse hier präsentiert, ist offenbar die neuste Verschwörungstheorie. Dieser Rezo ist professionell und das wird nun verschwörerisch beklagt, als werde der Inhalt dadurch irrelevant.

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  8. neumondschein schreibt:

    Die einen ängstigen sich vor dem Weltende. Die anderen vor dem Monatsende

    (Wahlspruch der Gillet Jeunes)

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  9. neumondschein schreibt:

    Die Zerstörung von SPD und Grüne:

    also: Die deshalb zur EU-Wahl bitte auch nicht wählen!. Bleiben nur noch Linke. NPD und Piraten.

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  10. genova68 schreibt:

    Danke für diesen qualitativ hochwertigen Beitrag, neumondschein. Ich schwanke auch noch zwischen Linke und NPD.

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  11. neumondschein schreibt:

    OK. Holger Kreymeiers Beitrag ist nicht so zu verstehen, daß SPD und Grüne nicht gewählt werden dürften. Er meinte nur, daß diese Parteien ebenso unwählbar wären wie CDU, CSU und AfD. Ansonsten ist Holger Kreymeiers Beitrag durchaus sehenswert. Und Rezos Beitrag natürlich auch. An diesen Beiträgen sollte sich die Lügenpresse eine Beispiel nehmen! Fakten verlinken! Einfach Fakten verlinken! Und sich der öffentlichen Diskussion stellen. So geht das! Daß so kurz vor Wahlen sich die politische Diskussion entscheidend verbessert, ist wohl Rezos Verdienst. Anstatt Bullshit („Europa ist die Antwort“) öffentlicher Meinungsaustausch, so, wie es sich in einer Republik gehört!

    Bezugnehmend auf die Verschwörungstheorien rund um Rezos Video muß man anmerken, daß Interpretation wissenschaftlicher Resultate nur etwas taugt, insofern man auch die wissenschaftliche Methodik bewertet. Und in der Klimaforschung sind die Methodiken Hardcore. Allgemein-populär-wissenschaftliche Expertise reicht bei weitem nicht. Das ist interdisziplinär: Strömungsphysik, Ozeanologie, physikalische Chemie, hohe Mathematik und Rechentechnik. Alles davon Hardcore. Und nichts, wo Hinz und Kunz Zugang zu hätte. Um so erstaunlicher ist das umfangreiche Literaturverzeichnis, das Rezo anführt. Man muß annehmen, daß irgendjemand Rezo das zugesteckt hätte. Man müßte wissen, wessen Interesse Ströer vermittelt hat.

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  12. genova68 schreibt:

    Du bist echt eine Ulknudel, neumondschein. Bitte geh heute nicht wählen.

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  13. neumondschein schreibt:

    Zu spät! Hab schon per Briefwahl Piraten gewählt.

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  14. genova68 schreibt:

    Piraten? Ok, genehmigt. Was soll ich denn wählen? Ich würde gerne eine linksextremistische Partei wählen, die offen zur Gewalt aufruft. Gibt es da etwas im Angebot?

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  15. neumondschein schreibt:

    … nach Nordkorea auswandern und in die Armee dort eintreten. Zuvor aber sich unbedingt beraten lassen! Sonst: mindestens Arbeitslager wegen Spionage für den Klassenfeind!

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  16. genova68 schreibt:

    Ich wollte eigentlich nur um die Ecke wählen gehen…

    Ich überlege mir gerade ernsthaft, was ich wählen soll. Rezo sagt es mir ja nicht so richtig.

    Nach ein bisschen googeln finde ich die Varoufakis-Partei ganz interessant, da machen eine Menge Prominenter mit:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Democracy_in_Europe_Movement_2025

    MLPD ist antisemitisch, DKP hätte einen gewissen Reiz, ebenso die Trotzkisten der Vierten Internationalen, aber das ist alles so verstaubt.

    Diem25 könnte eine Option sein. Im Prinzip geht es ja eh nur darum, durch Wahlteinahme die Rechtsradikalen klein zu halten. Wer erwartet sich ernsthaft etwas von diesem lächerlichen EU-Parlament? Die fehlenden Steuerzahlungen von amazon und co. sind seit Jahren ein Thema und nichts passiert. Die vollumfängliche systemische Korruption dieser lustigen EU beenden „wir“ heute sicher nicht.

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  17. neumondschein schreibt:

    Ich wollte eigentlich nur um die Ecke wählen gehen…

    die kurdische Arbeiterpartei tut es auch! Die suchen Kanonenfutter. Kannst bei deren Demo anheuern. Finden ja genügend davon statt!

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  18. hANNES wURST schreibt:

    Ich wähle die Grünen. Ich kann nicht ewig wegen Joschka Fischers Bomben auf Belgrad schmollen. Außerdem finde ich es großartig, dass die Grünen Lena Meyer-Landrut einfach in Annalena Baerbock umbenannt, etwas aufgefüttert und zur Vorsitzenden gemacht haben. Bis gestern schwankte ich noch zwischen Volt und den Grünen, dann habe ich die ersten Folgen der guten neuen Serie „Chernobyl“ gesehen und dabei irgendwie das Gefühl gekommen, dass es nicht ganz sinnlos ist, eine Partei mit Fokus auf Ökologie zu wählen. Aber für Dich, Genova, ist das natürlich keine Alternative, viel zu reaktionär diese Edelökos. Eine coole linke Partei kenne ich momentan auch nicht, DM25 finde ich auch nicht schlecht, weil es ja wohl wie bei Volt vernünftig ist, wenn Europa eine Partei bekommt, die wirklich europäisch handelt. Mit den Inhalten von DM25 habe ich mich aber nicht beschäftigt und Volt kommt mir zu weich gewaschen daher, die wollen es irgendwie jedem recht machen.

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  19. neumondschein schreibt:

    Ne, du! Der Jugoslawienkrieg war doch nur die erste Schandtat. Die Grünen unterstützen in aller Welt Faschisten und Islamisten, Kriege und Umstürze, Verfolgung und Vertreibung. Kannst Du Dich an die drei auf dem Dresdner Neumarkt als Kunstobjekt aufgestellten Busse erinnern, die nach Protesten auf den Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin umzogen? Wenn Du meinst, so etwas wählen zu können, dann kannst Du auch NPD wählen. Und an Hartz4 waren auch die Grünen beteiligt. Vergiß das nicht! Naja, Klaus Lederer ist von der Linken, der die Busse verteidigt hat, und dem es egal ist, daß diese Kunst islamistischen Terror verherrlicht. Die Linkspartei darfst Du also auch nicht wählen.

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  20. genova68 schreibt:

    Echt? Die drei Busse vorm Brandenburger Tor standen nur deshalb dort, weil die Nazis in Dresden die Busse vom Neumarkt vertrieben haben? Sachsen ist wirklich ein no go.

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  21. genova68 schreibt:

    Hannes,
    du hast mich überzeugt, ich werde auch die Grünen wählen. Die Ökologie ist einfach zu wichtig.

    Ich gehe gleich los.

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  22. neumondschein schreibt:

    Die Piraten sind aber besser. Die sind auch für Klimapolitik.

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  23. genova68 schreibt:

    Mist, die poll station war geschlossen. Seit wann machen die schon um sechs Uhr zu?

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  24. Hugo schreibt:

    Die Öffnungszeiten stehen auf der Wahlbenachrichtigung.

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  25. genova68 schreibt:

    Danke für den Hinweis, Hugo, aber ich habe heute nachträglich Briefwahl gemacht. Alles in Ordnung.

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  26. Jakobiner schreibt:

    Varouflakis Diem 25 ist spätestens wählbar, seit Pamela Anderson (Barb on the Wire, Baywatch) Wahlwerbung für sie macht. Stehe auf Blondinnen und Blondinnenwitze.

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  27. hANNES wURST schreibt:

    Ich stehe auf Blonde und Blondinnen und Bonde|innenwitze

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  28. genova68 schreibt:

    Hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahaha

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  29. hANNES wURST schreibt:

    Es ist ja kaum möglich das (vorläufige) europäische Gesamtergebnis zu ergoogeln, dafür aber natürlich genaue Ergebnisse für Hüngstenbeek und Dudelhofen. Was ist das denn für ein Europa? Kann mir gespart bleiben, hätte ich mal lieder AfD gewählt! Jedenfalls hat Volt mit 0,7% in Deutschland ganz gut abgeschnitten, DieM 25 mit 0,3% weniger gut. Soviel zum paneuropäischen Ansatz. Gestern war ich ausnahmsweise im Biomarkt und habe es schon wieder bereut „Grün“ gewählt zu haben – was da für Nervensägen rumlaufen! Die Serie „Chernobyl“ ist dennoch sehr empfehlenswert – nur nicht am nächsten Tag wählen gehen.

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  30. genova68 schreibt:

    Du bist also einer der ganz wenigen Exemplare, die sich spontan zwischen Grün und AfD entscheiden.

    Das mit dem Biomarkt ist vielleicht ein ganz guter Selbsttest. Man geht in den Bioladen und beschließt, nicht mehr grün zu wählen. Man geht zu Aldi und beschließt, nicht mehr die Linke zu wählen. Man geht in die Kirche und beschließt, nicht mehr CDU zu wählen. Man geht ins Geschichtsmuseum und beschließt, nicht mehr AfD zu wählen. Man geht in die Gewerkschaft und beschließt, nicht mehr SPD zu wählen. Man liest die Titanic und beschließt, nicht mehr die Partei zu wählen. Man kauft sich einen Hund und beschließt, nicht mehr die Tierschutzpartei zu wählen. Man kauft sich eine Bibel und beschließt, nicht mehr die bibeltreuen Christen zu wählen.

    Was bleibt? Nirgendwo mehr hingehen und alle wählen oder überall hingehen und zum Nichtwähler zu werden.

    Die Kreuzberger haben sich übrigens am aufmerksamsten das Video von Rezo angeschaut: Die CDU kommt hier nur noch auf 5,7 Prozent.

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  31. hANNES wURST schreibt:

    Man geht nach Kreuzberg und beschließt, wieder CDU zu wählen.

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  32. hANNES wURST schreibt:

    Hier einmal die Logik der „Gefällt mir/dir“ Sternchen, für mich als Spickzettel: steht unter einem Kommentar ein blaues Sternchen mit der Beschriftung „Gefällt mir“, dann gefällt mir der Artikel nicht (oder ich habe mich noch nicht dazu geäußert). Steht unter dem Kommentar ein orangenes Sternchen mit dem Text „Gefällt dir“ dann soll dies anzeigen, dass mir der Kommentar aktuell gefällt. Durch einen weiteren Klick auf „Gefällt dir“ kann ich erreichen, dass wieder das blaue Sternchen „Gefällt mir“ anzeigt, was ja bedeutet dass mir der Kommentar NICHT gefällt, oder dass ich noch unentschlossen bin.

    Wichtig: der Text unterliegt einem Wechsel der Perspektive, durch den Klick ändert sich die Perspektive, anfänglich („Gefällt mir“) wird eine Aussage aus der Perspektive des Lesers getroffen, nach einem Klick („Gefällt dir“) wechselt die Perspektive auf die Perspektive des Blogs bzw. eines nicht näher bezeichneten dritten Subjekts. Auch die Semantik ändert sich: im Zustand „Gefällt mir“ bezeichnet der Text den Zustand, der durch einen Klick produziert wird. Im Zustand „Gefällt dir“ jedoch wird der aktuelle Zustand angezeigt.

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  33. Hugo schreibt:

    „Was bleibt? Nirgendwo mehr hingehen und alle wählen oder überall hingehen und zum Nichtwähler zu werden.“
    Wenns die Option „Fickt Euch“ (diplomatisch: „Ich bin mit dem obigen Angebot nicht einverstanden.“) auf dem Wahlzettel gäbe und natürlich auch in die Statistik geht, hm, so einige Male hätte ich des angekreuzt.
    Bei Europawahlen zum zweiten Mal die: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Gleichheitspartei
    Die haben allerdings bei ihrer Version der wahren kommunistischen Lehre einen Vorteil, mensch weiß nicht, was Trotzki so wirklich draufhatte als Obermacker, konnter ja leider auch ned richtig beweisen. Ist so der Style wie Jesus (uralte Geschichte), Che und Martin Luther King (ungefähr in der gleichen Zeit, ned ganz so alt wie die von Trotzki).

    Ich weiß nicht, wieviel Pfennigbruchteile so ein Youtuber pro Klick für die Werbung kriegt und wieviel WerauchimmerinderkapitalistischenVerwertungskettebeteiligtist, ist mir auch relativ Rille, jedenfalls hab ich die dem das gestern Abend in den Rachen geworfen: https://www.youtube.com/watch?v=DQav1nhtTc0
    Ich hab mal in nem Hausprojekt incl. regelmäßigen Tanzveranstaltungen mit Livemusik gewohnt und mitgewurstelt, daß der Gedisste keine Ahnung hat, wäre sogar mir aufgefallen, falls, ja falls diese yt-Kulturen meine wären: https://www.youtube.com/watch?v=kXUHiHVyp6I . Bin eher der analoge Typ haha.
    Mal als Vergleich; der Gedisste hat regelmäßig 700.000+ Klicks, Rammstein hat innerhalb einer Woche (nur) 260.000 Alben verkauft. Auch wenn immer so getan wird, als ob die irgendwie noch Subkultur wären,die sind so ziemlich von Anfang an Pop gewesen.

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  34. Hugo schreibt:

    Achso, den eigentlichen Inhalt des zu beurteiltenden Videos hab ich ganz vergessen: Dazu reicht ein CDU-O-Ton (sind nur gute 8 min):
    https://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html?audioMode=2&audioID=4&state%5BlaunchMode%5D=4&state%5BlaunchModeState%5D%5Bsuche%5D%5BsearchTerm%5D=schipanski
    Also hatter alles richtig gemacht, der Rezo.

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  35. genova68 schreibt:

    Der Inhalt des Videos:

    Interessant einerseits natürlich, dass das so eine Aufmerksamkeit bekam. In Zeiten der Reizüberflutung schon bemerkenswert. Und die Reaktion von AKK, Zensur einführen zu wollen, zeigt ja, dass die CDU eine regressive Partei ist und dass die üblichen Politiker heute völlig zurecht ein schlechtes Ansehen genießen. Das einzige, was AKK einfällt, ist, die Meinung, die ihr nicht passt, zu verbieten. Sie verurteilt Meinungsmache, haha. Es gibt ja schon einigermaßen klare Regeln gegen fake news, aber das reicht ihr nicht. Der Ausleseprozess in den alten Parteien führt offenbar dazu, dass Leute wie AKK nach oben kommen. Es geht um Macht, um sonst nicht allzuviel.

    Die Grünen sind gerade populär, weil man mit ihrer Wahl zeigen kann, dass man ein Bewusstsein für das Problem entwickelt hat. Man kann sie wählen und trotzdem fliegen und mit dem SUV umherfahren. Ich sprach kürzlich mit einer grün wählenden Familie, gebildet, sozial, die beim gerade auf die Welt gekommenen zweiten Kind verkündete, sie brauche jetzt unbedingt einen Van. Man achte beim Kauf aber auf die Emissionswerte. Ein Golf Kombi, der ein Drittel weniger Sprit braucht, täte es natürlichauch, aber das Anspruchsdenken, das einem im Kapitalismus anerzogen wird, ist dem Menschen in Fleisch und Blut übergegangen.

    Interessant andererseits, dass das Thema Klima so umfassend ist, dass eine Lösung praktisch nicht in Sicht ist. Es geht ja um die ganze Welt, wie soll man da auf einen Nenner kommen? Und es geht darum – und das wird eben überhaupt nicht diskutiert -, dass man das Thema in Zusammenhang mit der kapitalistischen Logik diskutieren müsste.

    In en 1980er Jahren war das Thema Umweltschutz massiver en vogue als heute, und man entschloss sich zu massenhaft verbauten Filtern in der Industrie und bei Autos zu Katalysatoren. Der Widerstand dagegen kam nur von eingefleischten Autofans, die befürchteten, dass die Autos dann nicht mehr so gut beschleunigen. Die Industrie checkte schnell, dass es ein profitables Geschäft ist, wenn sie einen Kat für 500 Mark einkaufen, ihn ins Auto einbauen, das Auto für 800 Mark mehr verkaufen und der Staat dafür 1.000 Mark in Form von Steuervorteilen subventionierte. Alle waren zufrieden.

    Bei CO2 sieht es derzeit so aus, als müsse man schlicht die Zahl der Autos etc. verringern, und da ist im Kapitalismus eben nicht vorgesehen. Weniger Autos, weniger Flüge, weniger Fleisch. Das ist zwar theoretisch alles bekannt, aber praktisch wird das wohl nicht kommen. Weil es weniger Profit bedeuten würde. Und das ist systemisch nicht vorgesehen. Man hofft auf Co2-Endlagerung und ähnliches, und das könnte dann in der Tat ein Renner werden. Aber nur, weil da eine neue Technologie zum Einsatz käme, bei der man sich politisch nur über die Finanzierung einig werden müsste.

    Alleine das Zusammenwachsen Europas führt dazu, dass immer mehr geflogen wird. Viele Friday-Jugendliche werden auch nicht ernsthaft und dauerhaft zurückstecken.

    Insofern denke ich, dass alles so weitergehen wird, wie bisher. Man kann sich ja nicht einmal darauf einigen, nur noch spritsparende Autos zu produzieren, in gleicher Gesamt-PKW-Zahl wie heute. Und die Tendenz geht heute überall dazu hin, dass alles möglich ist. Spiegel-Online kann mit einem flammenden Apell für mehr Klimaschutz aufmachen und direkt darunter für „touristische Geheimtipps“, die man unbedingt besuchen müsse. Die Widersprüche verkraftet die heutige Gesellschaft ohne Probleme, und deshalb ist auch die Friday-Debatte vor allem eben eine Debatte. So wie man nach dem Finanzcrash 2008 ganz offen über den Kapitalismus diskutierte, was nur zu einer Verschärfung der Verhältniss führte. Bemerkenswerterweise ist die Friday-Debatte vom Kapitalimusproblem unbeleckt, was vielleicht doch ihr Teenager-Niveau zeigt.

    Das Thema wird weiter diskutiert werden, denn der Diskurs ist heute das Wichtigste überhaupt. Aber er dient gleichzeitig dazu, dass man nichts tun muss. Das ähnelt der Gentrifzierungsdebatte.

    Der Mensch ist flexibel und wird sich anpassen. Wir in Deutchland werden davon vermutlich eher wenig mitkriegen. Und Opfer irgendwo in heißen Gegenden der Erde nehmen wir in Kauf. Jene werden eh nicht gefragt.

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  36. Reinplatzer schreibt:

    Eben. Im Kapitalismus geht es um Markterschließung und nicht um Marktschließung, denn davor steht die Profitkultur, die wiederum mit dem was sie abwirft, genau die Gesellschaft erzeugt, die zu ihr passt. Und so weiter …

    Ökologie (wie jedes andere Thema) kann darin nur als Aufgabe der Markterschließung gesehen werden, was zu gewissen – äähm – objektiven Widersprüchen im Moralkorsett des Ökobürgers führt, die darin liegen, dass sich Natur einfach nicht überreden lassen will, den Flieger ins Biohotel nach Bangladesh als umweltschonender anzusehen als den Bumsbomber nach Thailand.

    Natur ist der Katastrophenfall der Ökos, weil sie sich nicht betrügen lässt. Das muss kaschiert werden, und das ist ihre vornehmliche Aufgabe.

    Kürzlich habe ich einen Aufsatz verfasst, der mit den Mythen unterschiedlicher Weltkulturen zu tun hat und stellte, quasi als Beifang, erstaunt fest, dass sie alle eine Figur wie den Sisyphos kennen. Merkwürdig, nicht wahr?

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  37. Hugo schreibt:

    Was übrigens lustig ist, daß den (professionellen) Medienschaffenden des Internets von (nicht nur) CDU-Berufspolitikern vorgeworfen wird, ned „richtig“ zu arbeiten. Die verdienen ihr Geld mit den Clips und die sind auch nicht mal eben so zwischen Kaffee und Abendbrot vorbereitet, gedreht und geschnitten.
    Bei Frau AKK weißmer ned womit sie ihre Brillen bezahlt (für die Brötchen wird wohl der Generalsekretär*innentarif reichen: https://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Raetselraten-um-Kramp-Karrenbauers-Gehalt ), was die so den ganzen Tag macht, hm, Frau Dr. Merkel hat als Hauptberuf Kanzlerin und den Parteivorsitz jahrelang ehrenamtlich (also in der Freizeit) gemanaged.
    Im Internet rumsurfen wohl eher nicht, die Kinder sind auch schon ausm Gröbsten raus *schulterzuck*.

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  38. genova68 schreibt:

    Reinplatzer,
    das mit Sisyphos ist interessant. Sisyphos steht demnach für eine Aufgabe, die systemimmanent nicht bewältigt werden kann. Aus Unwissenheit oder Unwille oder systematischem Unvermögen. Wobei unser System sicher derzeit vehement daran arbeitet, das Klimaproblem kapitalverträglich in den Griff zu kriegen. Windparks, Co2-Speicherung, mehr Energieeffizienz bei Flugzeugen etc.

    Ökologie als Markterschließung: Theoretisch kann das gelingen, Beispiel Katalysatoren und Filter. Mehr Bahnfahrten statt Flüge wären auch kapitalfreundlich möglich, wenn man die Bahn privatisierte und der Staat massiv subventioniert. Das Kapital kann auf Bangkok verzichten, wenn die Leute massenhaft bereit wären, mit dem Zug irgendo in Mitteleuropa Urlaub zu machen. Aber da sind die Möglichkeiten begrenzt, wenn man sich einmal ans globale Niveau gewöhnt hat. Alleine vom Wetter her.

    Wo findet man denn den Aufsatz?

    Hugo,
    die CDU fällt derzeit mit vielen Kommentaren aus der Zeit. Allerdings sollte das derzeitige Gehype um das Wahlverhalten der Jungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die kommenden Wahlen eher von den Alten entschieden werden.

    Was die Jungen in der JU angeht, empfehle ich dieses Video:

    Die Bewerbungsrede zum JU-Vorsitz von Tilman Kuban vom März dieses Jahres. Knapp über AfD-Niveau. Auf Kühnerts Bemerkung, dass in Berlin die Mieten zu hoch seien, entgegnet er: Kühnert solle sein Studium beenden, dann finde er auch eine Wohnung in Berlin.

    Diese Leute wollen uns mal regieren. Das ist nicht mehr mehrheitsfähig, vermute ich. Diese JU lässt die Vermutung wahrscheinlicher werden, dass die CDU mittelfristig abkackt und das gleiche Schicksal erleidet wie die SPD.

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  39. Reinplatzer schreibt:

    Meine Überzeugung ist, was den motorisierten Individualverkehr angeht, dass eine langfristig sinnvolle Option nur sein Ausstieg und der Ausbau eines erschwinglichen und bedarfsdeckenden ÖPNV sein kann. Da werden aber liebe Gewohnheiten und Statussymbole tangiert, deren Wahrung zu Scheinlösungen oder bloßen Symbolhandlungen verleiten, die insgeheim aber alle Beteiligten eingehen: Politik, Industrie, Konsumenten. Ich denke, diese Aufgabe ist keine Frage der Notwendigkeit, sondern der Bereitwilligkeit. Inklusive der Bereitwilligkeit, tief ins Marktgeschehen nach Bedarfslage einzugreifen und nicht nach Geldlage, was eine immense Veränderung darstellen würde.

    Ein Obdachloser den ich etwas näher kenne, sagte mir, es gebe in unserer Stadt mehr Autostellplätze als Schlafplätze. – Ich weiß nicht ob das wirklich stimmt, vermutlich nicht, aber in der Reihenfolge der Wichtigkeiten liegt er richtig. Ich finde das grundverkehrt.

    P.S.: Mein Aufsatz ist nicht Online, den habe ich für eine Arbeitsgruppe vor Ort erstellt.

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  40. genova68 schreibt:

    (Aus einem mir nicht bekannten Grund bleiben deine Kommentare, Reinpatzer, meist im Spamfilter von wordpress hängen.)

    Einen Komplettausstieg aus dem motorisierten Indivdualverkehr wird es wohl nicht geben, einen sparsameren Umgang damit wäre ein Schritt.

    Angesichts des Klima-Hypes erinnert Thomas Fricke heute im Spiegel daran, welch fatale Folgen neoliberale Politik im Sozialen hat. In Bezug auf die Agendapolitik ab 2000 unter Schröder schreibt er:

    Weil Deutschland nach damals gängiger Gaga-Diagnose sonst angeblich nicht mehr zu retten war, mussten für die Oberen Spitzensteuersätze historisch gesenkt werden (in einer Zeit, in der deren Einkommen ohnehin schon stärker stiegen als die aller anderen) – während denen am unteren Ende über alles Mögliche Druck zu machen war, um die Löhne zu senken. Etwa indem es nicht mehr so lange Arbeitslosengeld gab; oder indem selbst Höherqualifizierte irgendwelche Billigjobs annehmen mussten; oder über die größte Liberalisierung von Leiharbeit und die völlig widersinnige Abschaffung der Meisterpflicht. Was durch die neue Billigkonkurrenz ebenso den Druck erhöhte – und gewirkt hat. Siehe oben.

    Selten ist de facto so viel Geld von unten nach oben verteilt worden wie – unter Sozi-Kanzler Schröder.

    Und das alles, ohne dass das ökonomische Versprechen eingelöst wurde, wonach dank der Reformen am Ende alle mehr Einkommen haben. Heute kriegen trotz wirtschaftlicher Erholung viel mehr Leute nur einen Niedriglohn als vor der Agenda-Zeit. Aufstieg durch Verzicht? Von wegen.

    Man könnte hinzufügen, dass der Spiegel damals bei der Gagadiagnose voll dabei war.

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spd-und-agenda-selbstzerstoerung-dank-gerhard-schroeder-a-1270001.html

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