Architektur und Alltag 4

Eine Kirche im lombardischen Veltlin (Valtellina). Irgendwann als einfache Natursteinkirche gebaut, wurde sie wohl im 17. Jahrhundert barock aufgemotzt. Sie bekam eine neue Fassade, deren Giebel – ganz typisch für unzählige solcher Umbauten damals – weit höher  als das Hauptschiff angelegt wurde.

Irgendwann ging offenbar das Geld aus und man stoppte die Umbauarbeiten. Exakt in diesem Zustand steht diese Kirche nun seit 300, 400 Jahren auf einer öden Freifläche an einer stark befahrenen Straße.

Die Fassade ist ziemlich genau zur Hälfte auf barock getrimmt mit Pilastern und einer Gesimsstruktur, die vorher nur im Ansatz vorhanden war. Bemerkenswert sind vielleicht noch die beiden Türme, die wohl zu verschiedenen Zeiten aufgesetzt wurden, aber eben, ohne den vorherigen abzutragen.

Das Gotteshaus, wie man sagt, hat wahrscheinlich nicht mehr seine eigentliche Funktion. Es steht auch merkwürdig aussätzig neben dem Dorf. Warum, wäre zu erkundigen.

Die Kirche ist ein weiteres der unzähligen Beispiele von toleranter Architektur im Süden. Man baut etwas, die Zeiten ändern sich, man baut weiter, um ab, aber man zerstört nicht. Und so sehen wir eine Art Architekturfreilichtmuseum, der dem Interessieren für Stunden lehrreichen Lesestoff bietet.

(Fotos: genova 2017)

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