Italia moderna – sette

Ein in der Tat bemerkenswertes Gebäude aus den 1970ern im lombardischen Lodi:

Vermutlich ist es ein Anbau der benachbarten Kirche, mutig und souverän. Sichtbeton und heute vermutlich mit dem Trendbegriff Brutalismus belegt, hat es durch die Rundungen auch etwas Organisches und der angedeutete Vorgarten mit dem Bäumchen zwingt das Gebäude, einen Schritt zurückzutreten, was für den Betrachter die Massivität etwas reduziert.

Das Gebäude ist auch ein schönes Beispiel für die These, das das kontextbezogene Bauen, das immer wieder mal gefordert wird, meist ein regressiver Mythos ist. Man will einfach keine Veränderung und bemäntelt diese Haltung mit der Forderung nach Rücksicht. Die einzige Rücksicht, die man diesbezüglich nehmen sollte, ist der Schutz vor Abriss.

Verkaufsräume einer Möbelfirma zwischen Crema und Lodi:

Ein simpler zweigeschoßiger Kasten mit schmalen Profilen und Skelettbauweise, die eine großzügige Verglasung ermöglicht. Dazu ein erhöhter Mittelbau mit Eingang, dessen Vordach an Stahlseilen hängt. Als zahmer Schnickschnack wurde das Dach als optisches Tonnendach konstruiert mit einer merkwürdigen, hochtechnisch daherkommenden Unterstruktur, bei der mir interessieren würde, ob sie konstruktiv nötig ist. Dazu zwei bemekrenswerte Farben: eine Art Mintgrün und ein eher blasses Hellgelb.

(Fotos: genova 2018)

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5 Antworten zu Italia moderna – sette

  1. dame.von.welt schreibt:

    Aber der Super-Anbau nimmt doch jede Menge Bezug auf die Kirche: die Dachhöhen korrespondieren, ebenso die Fensterhöhe im Anbau mit dem Gesims der Kirche und die Gesamtform wirkt wie aus den Säulen entwickelt, bzw. sie vollendent.
    Ihr Foto ist sozusagen vorbildliches Lehrmaterial für kontextbezogenes Bauen.

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  2. genova68 schreibt:

    Stimmt, liebe dame von welt, das kann man auch so sehen. Was die Abmessungen angeht und und das Säulenartige angeht ist das Beispiel eins für kontextbezogenes Bauen. Aber dennoch hat man ein Gefühl, das einem das Gegensätzliche suggeriert: Putz gegen Sichbeton, jahrhundertelang erprobte Säulenordnung gegen organisch frei flottierende Rundungen bzw. hier eine Pilasterordnung mit Basis und Kapitell gegen eine radikal reduzierte Moderne, ein Rundgiebel mit ebenso penibel befolgter Ordnung gegen ein Nichtdach, eine Etagenordnung gegen eine Nichtetagenordnung und eine traditionelle Wandöffnung mit Rundbogen auf Säulen gegen eine Wandöffnung via abgeschrägte Ecke mit extrem getöntem Glas.

    Das Foto ist vorbildliches Lehrmaterial für ein Bauen, das sich formal als kontextbezogen bezeichnen lässt und dennoch allen Kontextlern den Schaum vor den Mund treibt.

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  3. Hugo schreibt:

    Das Vordach von dem Möbelgeschäft funktioniert wie die Tür einer aufgelappten Schrankwand-Minibar :
    https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/schrankwand-beleuchtet-mit-integrierter-minibar/1088490791-88-8154
    Das Flächenfachwerk ist quasi das Türblatt und die gelben Zugstangen die Klappscharniere.

    Die Tonnen sind optisch und/oder weil der Regen schöner abläuft.

    Den Spaß, also die zu erfüllende Vordachfunktion, könnte mensch übrigens aus vorgefertigten Hyparschalelementen zusammensetzen. Also die Dinger wo Du hier nen Artikel drüber hast, Teepott Warnemünde, das weggerissene Teil in Berlin fällt mir grade ned ein.
    Warum die ned allgemein (wieder) mehr in Mode kommen,erschließt sich mir nicht…

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  4. Hugo schreibt:

    aufgeKlappt natürlich…

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  5. genova68 schreibt:

    Nun ja, das Vordach könnte so funktionieren, das Ganze ist so angelegt. Ich glaube aber nicht, dass im vorliegenden Fall das Dach tatsächlich runtergeklappt werden kann. Dazu müssten die Zugstangen ja massiv ausgefahren werden können.

    Hyparschalen wären bei dem Gebäude sicher cool, ein weiterer Hingucker und konstruktiv passend.

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