Italia moderna – cinque

Und weiter geht´s mit dieser nicht endenwollenden und bei meinen zahlreichen Leserinnen und Lesern unglaublich populären Serie zu netter Architektur in der Po-Ebene.

Hier ein Gebäudekomplex eines kleinen Unternehmens, wie so oft in Norditalien, spielerisch-postmodernistisch ausgeführt. Im mittleren Bild ein präsenter Giebel und die Andeutung einer massiven Wand, die sich zugunsten zweier Säulen gleich wieder auflöst und so eine zerklüftete Fassadenstruktur markiert. Das Grün des Giebels setzt sich im durchlaufenden Gesims fort. Das Spiel wird im rechten Bild variiert, die Säulen sind zugunsten der größeren Fassadengeschlossenheit verschwunden, der Eingangsbereich dafür konstruktivistisch und unregelmäßig gestaltet. Der Architekt wollte den Eindruck von Festigkeit nur andeuten, nicht ausführen. Im linken Bild eine Art Bungalow mit Giebel, hinter dem sich vermutlich nichts verbirgt. Alles ist angedacht, aber nicht konsequent ausgeführt: Die Farben grün und blau verleihen dem Anwesen einen Pop-Akzent, ohne das die Architektur das weiterführt. Die Mixtur aus Offen- und Geschlossenheit, die Rundbogentüren als Adaption von Historischem und dann wieder die Uneinheitlichkeit der Gesamtfassade: ein Spiel mit Sein und Schein und somit etwas, das sich länger betrachten lässt.

Eine Friedhofshalle in Rovereto: Das Thema ist hier der Aufbruch eines kompakten Sichtbetonblocks. Er ist mit seinen massiven Stützen und Streben nur noch angedeutet und aus dieser Wunde erhebt sich ein konventionelles Satteldach, wobei man das darunter liegende Gebäude nur vermuten kann. Das Gebäude hat etwas grundlegendes: Einerseits beschränkte man sich auf die Materialien Holz, Blech und Beton, letzterer in zwei verschiedenen Oberflächenbeschaffenheiten, zum anderen geht es hier um die Grundformen Kubus, Dreieck und ein Zylinder, der vielleicht etwas gewollt als Apsis integriert wurde.

Es ist ein nettes Spiel mit Sehgewohnheiten: Der Kubus hat ein Satteldach, das aber nicht passt und vielmehr ein Haus im Haus darstellt, der Satteldachgiebel ist durch die Betonstruktur verdeckt, obwohl jene aufgebrochen wurde.

Zwei Lagervarianten, von denen zumindest die rechte in Norditalien öfter zu sehen ist. Vermutlich konnte man das aus dem Baukasten so bestellen. Einfache Betonfertigelemente mit aufgepappten Pilastern. Die Betonelemente erinnern wegen ihrer unterschiedlichen Farbintensität an die zweite Wahlqualität der DDR-Platte.

Im linken Bild vermeiden zwei flache Giebel den Eindruck eines bloßen Kastens und die differenten Wandöffnungsformate verleihen dem Ganzen eine gewisse Anmut: große Türen und kleine Fenster, jeweils mit Rundbögen. Dazu ein Gesims oder eine Fasche als bloßes, aber aufgrund seiner schnörkellosen Klarheit ein wirkungsvolles Gestaltungselement.

In beiden Fällen ist die Moderne bzw. die gemäßigte Postmoderne in der Landwirtschaft angekommen.


(Fotos: genova 2016, 2017)

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