Die AfD, Adolf Hitler und 1818

„In jedem Bundesland haben AfD-Funktionäre und AfD-Mitarbeiter Verbindungen in die radikal rechte Szene“,

heißt es in dieser sehenswerten ARD-Doku, wie man sagt, aus dem Herbst 2018:

Dort kommt auch der Parteichef Jörg Meuthen zu Wort (ab 42:40). Er sagt:

„Ich kenne meine Partei und ich weiß, dass wir nicht in diesen rechten Rand reinrutschen, weil wir eine vernünftige Partei sind.“

Er hat Recht. Die AfD muss nirgendwo mehr hinrutschen, sie hängt im braunen Sumpf längst drin. Es gibt unzählige Belege, ein paar davon bringt die obige Doku.

An Deutlichkeit kaum zu überbieten, wie man sagt, ist dieses Foto aus dem Jahr 2016:

AH für Adolf Hitler und 18 für die entsprechenden Initialien. Das Auto gehörte oder gehört Siegbert Droese, der mittlerweile allen Ernstes für die AfD im Bundestag sitzt. Hier geht es nicht mehr um Nazis, die Hitler offiziell blöd finden. Hier geht es um ein klares Bekenntnis.

Die AfD reagierte übrigens so:

 

Man ist halt Opfer des linken Establishments, was sonst.

Die AfD ist in Teilen der faktisch direkte NPD- und somit NSDAP-Nachfolger.

Andreas Kalbitz, der starke AfD-Mann in Brandenburg, ist ein ähnliches Kaliber. Vor ein paar Jahren war er noch bei der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, die mittlerweile verboten wurde. Unter die AfD-ler mischen sich immer wieder vermeintlich harmlose Friedensfreunde wie jüngst Rainer Rothfuß. Ehemals CDU-Mann und in Tübingen Professor für politische Geographie tauchte er in die Verschwörungstheoretikerszene ein, um nun seinen Eintritt in die AfD zu erklären. Rothfuß kann reden und ist für die rechtsextremen Zirkel der Partei hervorragendes Blendwerk.

Befremdlich ist immer wieder, dass Leute wie Meuthen, Gauland oder Weidel die besorgten konservativen Bürger mimen können und ihnen das im TV oft gelingt. Es sind aber Rechtsradikale, die ihren Nazi-Flügel, der vom „vollständigen Sieg“ träumt, aktiv gewähren lassen. Oder selbst Teil davon sind? Man sollte das so deutlich sagen und sie immer wieder mit den Fakten konfrontieren. Deutsche Journalisten, allen voran Anne Will oder Sandra Maischberger, um die weitreichenstärksten zu nennen, sind diesbezüglich ziemlich inkompetent. Ein Trauerspiel. Es ist unerheblich, ob Gauland am Wahlabend verkündete, man wolle andere Politiker „jagen“.

Man könnte diesen Journalismus-Alphatierchen fast schon fahrlässige Förderung des Rechtsextremismus vorwerfen. Sicher kann sich der Verfassungsschutz um diese Leute kümmern, aber das wäre eigentlich die Aufgabe fähiger Journalisten. Es gibt solche, aber man hat den Eindruck: Je weiter man in der Medienhierarchie nach oben schaut, desto weniger dieser Fähigen sichtet man.

Nebenbei: Interessant sind die wirtschaftspolitischen, ähm, Vorstellungen der AfD. Von der libertären Weidel bis zum Nazi-Höcke ist alles vertreten. Es ist völlig unmöglich, diese Breite in einer Partei abzubilden. Bis dato wird das übertüncht durch die Produktion der üblichen Feindbilder, Flüchtlinge, Linke, Islam etc. Die AfD-Wähler sind so dumm und machen das mit.

Die strategische Frage in einer rechtsradikalen Partei ist immer nur die: Kann man das aktuelle Feindbild weiter erfolgreich bedienen oder braucht man ein Neues? Müssten sie sich ernsthaft mit Wirtschaftspolitik befassen, wäre es sofort aus mit der Partei.

(Foto: genova 2015; Screenshots: Vice vom 22.8.16 entnommen)

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6 Antworten zu Die AfD, Adolf Hitler und 1818

  1. hANNES wURST schreibt:

    7777 (Grüß Gott Genosse Genova), vielen Dank dafür, dass Du Dich endlich eindeutig positionierst. Du bist gegen den Nationalsozialismus, das ist schön. Ich bin übrigens auch gegen den Nationalsozialismus, meiner Meinung nach ist diese Ideologie gescheitert. Aber es stimmt: viele Personen des öffentlich-rechtlichen Lebens geben keine eindeutige Auskunft über ihre Präferenz in dieser Sache. Deswegen plädiere ich dafür, dass eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht eingeführt wird, dass zum Beispiel Anne Will mit „Grüß Gott, liebes Publikum“ anmoderiert (es wird außerdem „77“ eingeblendet), während Eva Herman uns mit einem beherzten „Heil Hitler meine Damen und Herren“ (Einblendung „88“) begrüßen muss.

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  2. genova68 schreibt:

    Ich positioniere nicht mich gegen Nationalsozialismus, sondern die AfD für Nationalsozialismus. Was ich vom Nationalisozialismus halte, ist geheim und gehört außerdem nicht hierher. Ich bin objektiver Beobachter unserer subjektiven Gesellschaft. Dein Kennzeichnungsplädoyer unterstütze ich ausdrücklich.

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  3. Jakobiner schreibt:

    Ein Paradebeispiel solch illustren Journalismus war gestern auch die Sendung Unter den Linden in Phönix–im Streitgespräch Beatrix von Storck und ein Grünenvertreter“Bürgerdemos von links und rechts“.Storck redete da viel von Demokratie, Pluralismus, Zivilgesellschaft (damit meint sie Pegida und Konsorten) , Meinungsfreiheit, Toleranz und ähnlichen Werten, wobei der Grüne da eifrig sich zu diesen gemeinsamen Werten bekannte, nur am Sprachstil der AfD etwas auszusetzen hatte. Man gewann den Eindruck: Demokraten unter sich–keine Volksverräter, Lügenpresse, System- und Altparteien, nicht einmal der Höcke oder Vogelschiß-Gauland wurde gebracht. Und der Moderator sass seelig dabei und verhielt sich neutral und zurückhaltend. Wie pfelgten die 68er noch zu sagen: Scheißliberale!

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  4. besucher schreibt:

    Mittlerweile wird er AfD-intern nur noch Wolfsschanzen-Siggi genannt:
    https://www.morgenpost.de/politik/article213322893/AfD-Vorstand-posiert-vor-Wolfsschanze-mit-Hand-am-Herz.html

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  5. hANNES wURST schreibt:

    77. Da sind jetzt schon wieder einige Kommentare ohne Kennzeichnung. Ist es denn so schwer? 77 oder 88!

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  6. genova68 schreibt:

    Hand am Herz vor der Wolfsschanze ist auch nicht schlecht. Merkwürdig, dass es bei diesem Siggi keine gesetzliche Handhabe gibt. Warum wird einerseit die Immunität von Abgeordneten aufgehoben,weil sie im Verdacht stehen, Steuern hinterzogen zu haben und bei so einem Kaliber erfolgt keine Reaktion? Es geht hier ja nicht um Vogelschiss, wo die Interpretation, man finde den NS schlimm, noch möglich ist. Es geht um klare Bekenntnisse zu Hitler.

    P.S.: Schön, mal wieder etwas von dir zu lesen, Besucher.

    Jakobiner, die Geschichte mit der Talkshow kann ich mir vorstellen. Gerade die oben erwähnte Doku liefert so viel Material: Es ist übel, sich als Verantwortlicher die nicht anzugucken. Es ist schlicht guter Journalismus.

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