Von der Verwertung oder: Wer hat den höchsten?

Ein angenehmer Artikel von Niklas Maak in der FAZ über den geplanten Neubau eines Wolkenkratzers für die Bank JP Morgan in New York. Architekt ist der Supermann Norman Foster.

So weit, so wenig erwähnenswert. Interessant wird die Gemengelage, weil auf dem Bauplatz mitten in Manhatten momentan noch dieses Gebäude steht:

Es ist das aktuelle JP Morgen Headquater. Ein 215 Meter hoher Bau aus dem Jahr 1958 im International Stile, formvollendet, elegant und, erwähnenswert, von einer Architektin erbaut, von Natalie Griffin de Blois (1921-2013), die im Büro Skidmore, Owings and Merrill arbeitete. Sie arbeitete federführend an solch wunderbaren Gebäuden wie dem Pepsi Building in New York mit, vielleicht einem der formal perfekesten Häuser überhaupt, und ebenso beim Lever House in New York und dem Ford World Headquater in Michigan. Allesamt ganz hervorragende Kästen im International Stile ohne Kompromisse mit wunderbaren Eingangssituationen, Mies ließ grüßen. Die Frau war mir bis dato unbekannt.

Die JP Morgan-Zentrale also wurde 2012 komplett saniert und auch ökologisch erneuert. Maak schreibt:

Einen solchen Koloss mitten in Manhattan wieder verschwinden zu lassen – es wäre der größte Abriss in der Geschichte New Yorks – kostet ein Vermögen und lässt sich ökonomisch nur dann rechtfertigen, wenn man mindestens hundert Meter höher bauen darf.

Genau das soll nun passieren. Das geplante Hochhaus soll 360 Meter hoch werden. Es wäre also ökonomisch zu rechtfertigen.

Was hier exemplarisch zum Ausdruck kommt, ist eine bekannte Perversion des Kapitalismus: Wenn es Rendite bringt, wird es gemacht. Es ist ökologisch absurd, ein 70 Jahre altes und 50-stöckiges Haus, das überdies gerade grundsaniert wurde, abzureißen. Alleine der Abriss verschlingt Unmengen an Energie. Einzig ein Um- oder Anbau wäre angemessen. Die kapitalistische Logik fragt aber nur nach einer Angemessenheit: der finanziellen auf BWL-Basis. Wenn auch nur eine Person damit Geld verdienen kann, ist der Abriss gerechtfertigt. Es gibt keine andere Bezugsgröße.

Man kann sich natürlich auch aus denkmalschützerischer Sicht über den Abriss dieses Gebäudes aufregen.

Ich bin mir sicher, dass sowohl Foster (das ist der mit der Reichstagskuppel) als auch JP Morgan als auch die Stadt New York aus dem Stehgreif kompetente Vorträge zum Thema Nachhaltigkeit halten können. Wichtig ist, dass man darüber redet. Die Verwandlung von C zu C´zu stören, gleicht dagegen der Beleidigung des Propheten bei frommen Muslimen. Beides ist unhinterfragbar. Das Prinzip hat immer Recht.

Der  Kapitalismus befindet sich demgemäß – wie schon mehrfach hier dargelegt – auf dem intellektuellen Niveau einer monotheistischen Religion – und ist vermutlich auch deshalb so beliebt.

(Foto: wikipedia)

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