Von der Nutzlosigkeit

Eine alte Stadtmauer mit Turm und Wassergraben im norditalienischen Orzinuovi. Als Festung um 1200 gegründet, und aus dieser Zeit stammen vermutlich auch die abgebildeten Objekte.

Es ist eine in Italien häufig anzutreffende Szenerie: Ruinen, seit vielen Jahrunderten nicht mehr gebrauchtes, Stückwerk, das bestehen bleibt. Es ist offenbar seit 700 Jahren in Orzinuovi niemand auf die Idee gekommen, Mauer samt Turm abzureißen. Beides ist eingermaßen zerbröselt und man lässt es einfach stehen. Funktionslos, aber dennoch toleriert. Es kann heute als Spielplatz dienen oder als Sitzmöglichkeit, aber schon diese Gedanken sind typisch deutsch und deshalb zu unterlassen. Es ist einfach und es ist gut so.

Hierzulande, wie schon oft angemerkt, kaum denkbar. Man hätte es entweder schon längst weggerissen, da nutzlos, oder es perfekt restauriert. Oder man hätte zumindest Zäune angebracht, da man ja runterfallen und sich verletzen könnte. In Orzinuovi gibt es nicht einmal Touristen.

Das Nutzlose, das keine Nervosität erzeugt, keine Hektik, kein Gefühl, dass man ewas unternehmen müsse. Beneidenswert.

(Fotos: genova 2018)

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