Mantua: Baugeschichte plastisch

Stellvertretend für unzählige andere hier ein wunderbar vielschichtiges Gebäude aus Italien. Man hat dort über Jahrhunderte hinweg einen Bau selten vollständig abgerissen, um darauf etwas neues zu bauen, sondern immer ergänzt. Teilabriss, Teilneubau. Daraus entstehen über die Zeiten die interessantesten Häuser. Das, was, nebenbei gesagt, dem Berliner Palast der Republik gut zu Gesicht gestanden hätte, wird südlich der Alpen, wie man sagt, völlig selbstverständlich gemacht: Umbau, Erweiterung.

Der Dom von Mantua in der östlichen Lombardei:

Wir haben ganz unten Reste einer romanischen Kirche, darüber eine wohl gotische Fassade, daneben der römische Glockenturm und die neoklassische Frontfassade aus dem 18. Jahrhundert, die in Norddeutschland als barocke durchgehen würde. Und außerdem hat irgendwann irgendwer ein ganz ordinäres Haus dazwischengeparkt.

Eigentlich ein unmögliches Gebäude. Es steht aber dennoch seit Ewigkeiten mit unzähligen Veränderungen mitten in der Stadt, an der Stirnseite des Hauptplatzes. Die Kirche zeigt permanent ihre Wunden, ihre Geschichte, ihre Unvollkommenheit. Es ist die Lesbarkeit von Zeit, von Geschichte, von wechselnden Ansprüchen. Es ist gut so.

Eigentlich müsste der Kölner Dom genauso aussehen. Stattdessen fing man dort im 12. Jahrhundert gotisch an und hört kurz vor dem 20. Jahrhundert gotisch auf. Und sowas wird dann Wahrzeichen einer Stadt. Was für eine Abstrusität.

Übrigens ist bei dem Dom von Mantua auch ganz hervorragend zu beobachten, wie sehr die Perspektive die Wahrnehmung beeinflusst. Von vorne sehen wir einen einheitlich klassizistischen Bau, mit dem der Turm rechts nichts zu tun hat:

(Foto: genova 2018 und wikipedia)

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