Afrikaner in den Alpen

Eine nette Pointe zum Heimatbegriff:

Die FAZ fragt in einem interessanten Artikel über Heimat und Tourismus, ob die Alpen-Touristen wissen,

dass die Geranie, erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts aus Afrika importiert, zur ikonischen Heimat-Blume im Alpenraum wurde, wo es um die Herstellung des Gefühls der guten alten Zeit ging? Mehr als fünfzig Millionen Jungpflanzen werden derzeit zu diesem Zweck jährlich als Stecklinge eingeflogen.

Die Geranie ist aus Afrika? Eine Katastrophe. Müssen wir sie nun ausreißen? Von den Tiroler FPÖ-Dorfbalkonen verstoßen? Oder gar abschieben? Wollen die Afrikaner sie überhaupt zurückhaben? Sollen wir die Millionen Junggeranien an der Grenze zurückweisen? Oder in Sammellagern unterbringen? Und was nehmen wir stattdessen als alpine Ikone?

Fragen über Fragen. Nicht mal mehr die Alpen taugen der Reaktion noch als Zufluchtsort. Vermutlich schlägt sie genau deshalb immer wilder um sich.

Wenn ich den Artikel richtig verstehe, suchte man in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den (deutschsprachigen) Alpen nach eine Gefühl der guten, alten Zeit. Und man besann sich auf eine Blume aus Afrika, die erst kurz zuvor in den Alpen heimisch geworden war? Nachforschungen wären hier nötig.

Wobei der Begriff „Alpenraum“ nicht präzise gewählt ist, meine ich. In den italienischen Alpen jenseits von Südtirol jedenfalls habe ich noch keine Geranie gesehen.

(Foto: genova 2018)

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2 Antworten zu Afrikaner in den Alpen

  1. Jakobiner schreibt:

    Vielleicht machten sich Bananen-, Dattelnbäume und Palmen auch noch ganz gut. Das wäre aber wohl dem letzten Alpentaliban und Andreas Hoferfan aufgefallen. Aber solange es Blumen sind, interessiert das nicht näher. Im übrigen sind die vermeintlich tradtionellen Trachten auch mehr eine Erfindung der Neuzeit, zumal anfangs eher Ursprungs ärmerer, rebellischer Schichten, die von der Kirche und den Traditionalisten als unkeusch und unzüchtig wahrgenommen wurden, bevor sie zum Oberschichtenprotzereoi vermögenderer Schichten und urbaner Sommerfrischler wurden. Also mit der eigenen Geschichte kennen sich diese Brauchtümler selbst nicht so aus und da wird viel Legenden- und Mythosbildung betrieben.

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  2. besucher schreibt:

    Jetzt fehlen nur noch die Drogen.
    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article182301592/Freigabe-in-Kanada-Eine-Legalisierung-von-Cannabis-ist-fatal.html

    Diese Frau Siems kapiert irgendwie gar nichts.

    Gefällt mir

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