Kurze Bemerkungen zu zwei Häusern

Zwei Häuser irgendwo zwischen Piacenza und Modena, die ganz simpel moderne und traditionelle Architektur vereinigen und deshalb als postmodern gelten können. Auf eine Spiegelglasfassade wird ein Zeltdach gesetzt. Im ersten Fall werden die Ecken durch massive Pfeiler visuell verstärkt, im zweiten Bild tut es eine dünne grüne Kunststoffverstärkung, die die Fassade einfasst.

Das Dachthema nimmt das zweite Haus ernster als das erste. Es ist hier nicht nur ein lediglich als Speicher nutzbarer Raum, sondern es beherbergt zwei vollwertige Wohnstockwerke. Also das, was man heute in deutschen Neubaugebieten oft sieht, gerne auch in den österreichischen Alpen. Es wird, gerade in Hotels in touristisch stark frequentierten Gebieten, viel umbauter Raum benötigt, man ziert sich aber, klar in die Höhe zu bauen. Die Zahl der eigentlichen Stockwerke ist begrenzt, unterm Dach finden sich zwei, drei oder noch mehr Etagen, die als solche nicht auffallen, sondern vom flüchtigen Beobachter als „Dach“ eingestuft werden.

Die beiden Häuser sind ein gutes Beispiel für die These, dass Architektur nicht in hässlich und schön einzuteilen ist. Das kann man als radikal subjektives Urteil machen, ist generell aber uninteressant. Die diesbezüglichen Urteile klassischer, mittelalterlicher und solcher Architekturtheoretiker aus der Renaissance sind heute überholt, sie wirken willkürlich, gezwungen, gar lächerlich. Der gesunde Menschenverstand ist immer ein zeitgenössischer, auch auf architektonische Schönheit bezogen. Die Moderne hat da für erkenntnistheoretische Fortschritte gesorgt, scheint mir. Leider hat sie auch dafür gesorgt, dass ein Schönheitsbegriff absolut gesetzt werden kann und das Unschöne radikal ausgemerzt wird. Architektonisch ist dieses faschistische Denken bis heute in Berlin zu begutachten. Aber warum sollte auch ausgerechnet in Berlin faschistisches Denken nicht mehr en vogue sein, wenn auch unter der Decke gehalten?

Die beiden Häuser sind interessant, weil man an ihnen Geschichte herauslesen kann. Nutzungspraxis, ökologische Fragen, Kosten wären gesondert zu untersuchen. Ästhetische Urteile zu fällen, kann alleinig auf der Basis des Standes des Materials geschehen. Und da fällt mir bei diesen Gebäuden hier nichts ein, was ich gegen sie anbringen könnte.

(Fotos: genova 2018)

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