„Von durchaus feiner und ästhetischer Wirkung“

Es ist bekannt: Mit offenen Augen entdeckt man alle naselang, wie man sagt, Interessantes, oftmals geradezu Sensationelles. So wie diese Kirche in der sympathischen Metropole am Zusammenfluss von Rhein und Neckar am Oberrhein – auch die Poebene Deutschlands genannt – Mannheim:

Erbaut 1929 von dem mir bis dato unbekannten Architekten Wilhelm Würth im Stil der Neuen Sachlichkeit mit der Besonderheit, dass dem Kirchenkomplex ein Block mit schätzungsweise drei oder vier Wohnungen vorgestellt wurden, vom eigentlichen Kirchenbau durch einen stämmigen und nach außen versetzten quadratischen Turm getrennt.

Ein einschiffiger Hauptbau, eher eine Halle, der vor der Renovierung 1995 einen anderen Charakter hatte. Damals hatte der Wohnblock Balkone  und die Fenstersetzung war klar gegliedert. Die Klappjalousien erinnerten an mediterrantes Bauen. Bei der Renovierung wurde die Fassade komplett neu gegliedert, wobei interessant wäre zu erfahren, ob die Grundrisse gleich geblieben sind. Französische Fensterchen statt Balkonen sind wohnwertmäßig ein Rückschritt. Wie überhaupt Balkonen in Deutschland immer noch zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Man betrachte die an Corbusiers Domino-System angelehnte massenhafte Wohnbebauung in Athen: Überall komplett umlaufende Balkone. Hierzlande undenkbar.

Die seit der Renovierung roten Fenstereinfassungen, nun ja. Dadurch bekommt die Architektur insgesamt einen anderen Charakter. Die seitlichen Fenster im Hauptbau sind mächtig, vor und nach der Renovierung. Möglicher Monotonie des Neuen Bauens wurde durch die drei gesetzten Kuben gemildert: Hauptschiff, Turm, Wohnblock.

Wie aus dem Lehrbuch ist die Rückseite erhalten: Drei schmale vertikale Öffnungen, mittig gesetzt, sonst nichts.

„Von durchaus feiner und ästhetischer Wirkung“ charakterisierte der damalige Direktor der Mannheimer Kunsthalle, Gustav F. Hartlaub, die Kirche. So kann man das sagen.

Über die Neuapostoliker, die sich erst im 19. Jahrhundert erfanden – „neu“ ist hier also das passende Präfix – kann ich mich nicht äußern. Gläubige halt. Lustig ist allerdings ihr neunter Glaubenssatz. Eine Relation, der ich vorbehaltlos zustimme:

Ich glaube, dass der Herr Jesus so gewiss wiederkommen wird, wie er gen Himmel gefahren ist.

Auf alle Fälle.

(Fotos: genova 2018 und apostolische-geschichte.de)

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