Wodurch ist Provokation noch möglich?

Durch Kopftücher, durch Schwarze, die Einlass in die EU fordern, durch Burkas, durch verlorene Spiele der DFB-Auswahl, Hassrap und durch in den Himmel ragenden Busse in Dresden.

Das sind die Themen, die die Menschen, wie man sagt, interessieren. Nazis mitten in Berlin provozieren auch noch, ein bisschen.

Alles andere, was Provokation sein möchte, ist nur Spektakel. Und Spektakel ist heute ein anderes Wort für den Versuch der Renditebildung und somit der Kapitalakkumulation.

Eine Ausnahme gibt es noch: Für einen Berliner ist auch sowas hier – naturgemäß nicht in Berlin aufgenommen – so eine Art Provokation, zumindest kommt einem der Gedanke:

Eine weiße Wand, ohne Tags. Respekt und keine Angst vor einer weißen Wand. In Berlin unvorstellbar.

Die Provokation führt in der Nach-68er Zeit fast notwendig in die Renditebildung. Nichts, wodurch sich nicht noch mehr Geld verdienen ließe. Von Kunst brauchen wir nicht mehr zu reden.

Der Nachwuchs der linken 68-er Eltern in Kreuzberg hat es schon länger kapiert. Die sind ziemlich angepasst.

In der Architektur gilt das Gleiche. Dekonstruktivismus als vermeintliche Provokation ist die affirmativste Art der Formbildung überhaupt. Es macht etwas her, ist vermeintlich nicht angepasst und immer und zu allem zu gebrauchen. Man müsste sich einmal über die Anfänge dekonstruktivistischer Architektur Gedanken machen. Derrida lieferte die Theorie und Koolhaas, Hadid, Libeskind, Coop Himmelblau und Gehry bauten. Die Namen stehen heute für die totale Affirmation des Bestehenden, vielleicht mit Ausnahme des Erst- und mit einem Dreh ins Neolibertär-Sozialdarwinistische beim Zweitgenannten. Unter Umständen könnte die Form wieder provozieren, wäre sie mit einem widerständigen Inhalt verbunden.

Nur geträumt.

(Foto: genova 2018)

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2 Antworten zu Wodurch ist Provokation noch möglich?

  1. neumondschein schreibt:

    Eine weiße Wand, ohne Tags. Respekt und keine Angst vor einer weißen Wand. In Berlin unvorstellbar.

    Doch! In Ostberlin! Früher, als die Mauer noch stand, da blieb die Mauer an der Ostseite die ganze Zeit weiß (also grau). An die Westseite haben die Insassen jedoch die Mauer mit Aufmerksamkeiten verziert, mit Tags und allerhand Kunstwerken.

    Gefällt 1 Person

  2. genova68 schreibt:

    Ostberlin, früher, ja. Ist schon eine Weile her.

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