Das deutsche Eboli

22 bis 28 Grad meldet die Süddeutsche Zeitung am 9. Mai, und:

An den Küsten kühler Wind mit starken Böen.

Auf Seite drei in der gleichen Ausgabe der Hinweis, an der deutschen Ostseeküste sei es

300 Tage im Jahr windig, an 65 Tagen ist Sturm.

Die immer gleiche Frage: Wie kann man dort oben wohnen? Freiwillig, nicht etwa in der Verbannung. Christus kam nach Angaben Carlo Levis nur bis Eboli, aber welche Verheißung ist es, nach Eboli – bzw. nach Aliano, kurz hinter Eboli, wo Christus nicht hinkommt –  verbannt zu werden? In der Nähe das Meer, Salerno, Paestum, Licht, Luft und Farben und gutes Essen. Ein Diktator, der nach Eboli verbannt, kann so schlimm nicht sein. An der deutschen See: grau, Rollmops und wahlweise windig, starke Böen oder Sturm, also eine ganz und gar und völlig unerträgliche und also unbewohnbare Region. Wir sind uns also einig: Lieber nach Eboli verbannt werden als freiwillig nach Norddeutschland ziehen.

Man sieht an diesem Beispiel auch, dass es mit dem freien Willen beim Menschen – zumindest beim norddeutschen – nicht weit her sein kann. Freiwillig nach Norddeutschland zu ziehen erinnert an Frauen, die gegen das Frauenwahlrecht votieren.

Der einzig nachvollziehbare Grund, an der deutschen Ostsee- oder Nordseeküste zu wohnen, wäre also der der Verbannung, der Strafaktion, der völligen Aufgabe der Selbstbestimmung. Vermutlich sind deutsche Küstenbewohner umfangreich deformiert und behaupten, sie genössen das Leben dort oben, gleichwohl wir doch wissen, dass das nicht möglich ist. So wie Gläubige die Existenz eines Gottes behaupten, gleichwohl wir doch wissen, dass es IHN nicht gibt. Es ist eine umfassende Natur- und Kulturkatastrophe, die sich dort oben tagtäglich abspielt. Die Situation ist ernst.

Landschaftsfotografischer Versuch in Norddeutschland an einem überdurchschnittlich hellen und kontrastreichen Sommertag:

Überhaupt ist das deutsche Land ein gespaltenes: Während man nicht unbedeutende Teile Süddeutschlands zu den schönsten Regionen Europas zählen muss, ist Norddeutschland eindeutig die hässlichste Gegend Europas. Neuere Untersuchungen geben gar Anlass zur Vermutung, dass es weltweit keine hässlichere, abstoßendere und mit derart deformierten Bewohnern ausgestattete Region als Norddeutschland gibt. Vermutlich alle gerade Lesenden können zumindest bestätigen, dass sie noch niemals eine hässlichere, abstoßendere und mit deformierten Bewohnern als denen von Norddeutschland ausgestattete Region gesehen haben, und zwar bei allen ihren Reisen.

Ich als Menschenfreund sehe lediglich eine Möglichkeit des Auswegs aus der Misere: Wir bekehren die armen Menschen. Aufgeklärte Südländer begeben sich ins Katastrophengebiet – natürlich zeitlich begrenzt, durch umfangreiche Zahlungen entschädigt und mit unmittelbar anschließender und langfristiger psychotherapeutischer Betreuung – und klären die Bewohner darüber auf, dass Leben fast überall auf der Erde möglich ist – nur nicht dort, wo sie wohnen.

Nach der Deportation steht ein unbewohnter Landstrich zur freien Verfügung: Man könnte den weltweit auf den Meeren flottierenden Plastikmüll einfangen und nach Norddeutschland transportieren. So hätte diese Region doch noch ihre Daseinsberechtigung.

Lasset uns beginnen.

(Foto: genova 2013)

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12 Antworten zu Das deutsche Eboli

  1. dame.von.welt schreibt:

    Sie sind ursprünglich aus Norddeutschland, nein?

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  2. genova68 schreibt:

    Gott bewahre. Norddeutschland kenne ich nur vom Hörensagen.

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  3. neumondschein schreibt:

    Mancheiner braucht dramatische Wetterereignisse. Anderen reicht die Bruckner-Symphonie aus dem Radio.

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  4. genova68 schreibt:

    Nichts gegen Bruckner, aber den in Norddeutschland zu hören, ist ein no go. Ich glaube, in Norddeutschland gibt es keine Musik. Kein Wunder bei dem Sturm, man würde nichts hören.

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  5. neumondschein schreibt:

    Wird Zeit, daß die Mauer wieder aufgebaut wird! Früher plapperten die Leute in Meckpomm noch ein hübsches freundliches Platt. Heute sind dieselben Leute Nazis und die Landschaft wird durch Tourismus-Industrie und ausländische Oligarchen verhäßcht.

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  6. genova68 schreibt:

    SEHR RICHTIG

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  7. Jakobiner schreibt:

    Aus Norddeutschland und deren Wattinseln stammt auch Otto und Dieter Bohlen–als würde dies nicht schon genügen, werden die Norddeutschen seitens Genova zu deformiertesten Aliens erklärt und müssen auch noch Ostfriesenwitze über sich ergehen lassen, wie etzwa den: „Was macht ein Ostfriese bei Stromausfall?“ „Er geht auf den Deich und holt sich ein paar Kilo Watt“. Bin mit Norddeutschland eigentlich politisch nur zweimals in Kontakt gekommen: Einmal über die „Deutschstunde“von Siegfried Lenz, wo er über seinen faschistischen Vater schreibt, der als Nazipolizist einen Künstler auf einer norddeutschen lebensfeindlichen Insel drangsaliert und zum zweiten durch den Seeheimer Kreis, der viele Anhänger unter den nordeutschen Hanseaten und vor allem Hamburger SPDlern hat (Schmidt, Scholz, Dohnany)..

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  8. Jakobiner schreibt:

    Helmuth Schmidt begründete seinen Ruf als Macher und Krisenmanager ja gerade durch die damalige Hamburger Flut, die es in diesem Katastrophengebiet scheinbar öfters, wenngleich nicht in den damaligen Ausmassen zu geben scheint. Ähnlich auch Schröder bei der Oderflut, wo er sich als Deichgraf betätigte. Aber fraglich, ob Genovas Phänomologie nicht auch auf Ostdeutschland, zumindestens Teilgebiete zutreffen würde, auch schon angesichts der AfD-Wahlergebnisse, die sich in Norddeutschland ja eher moderat ausnehmen.Und die von Genova als lebensfreundlichen Südländer beschriebenen Bayern weisen ja auch den höchsten Wähleranteil an AfD in Westdeutschland auf, mal abgesehen von der CSU–sind das keine Deformationen?

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  9. neumondschein schreibt:

    Bin mit Norddeutschland eigentlich politisch nur zweimals in Kontakt gekommen: Einmal über die „Deutschstunde“von Siegfried Lenz, wo er über seinen faschistischen Vater schreibt, der als Nazipolizist einen Künstler auf einer norddeutschen lebensfeindlichen Insel drangsaliert und zum zweiten durch den Seeheimer Kreis, der viele Anhänger unter den nordeutschen Hanseaten und vor allem Hamburger SPDlern hat (Schmidt, Scholz, Dohnany)..

    Kennst Du Ole Peters? Das dumme Schwein aus Theodor Storms „Schimmelreiter“! Diesen Vertreter der Reaktion, der den Siegeszug der Angewandten Wissenschaft in der Deichbaukunst aufhalten möchte, der der sich mit rückständigen Elementen aus dem Volk mit seinem überkommenen Aberglaube und Tradition verbündete, um den zivilisatorischen Fortschritt, der in Form von Hauke Haien, dem Helden dieser Erzählung auftritt, zu verhindern.

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  10. genova68 schreibt:

    Jakobiner,

    Und die von Genova als lebensfreundlichen Südländer beschriebenen Bayern weisen ja auch den höchsten Wähleranteil an AfD in Westdeutschland auf, mal abgesehen von der CSU–sind das keine Deformationen?

    ich schrieb „nicht unbedeutende Teile Süddeutschlands“. Bayern ist bekanntlich völlig unbedeutend.

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  11. Leo Brux schreibt:

    Als Bayer muss ich dem Artikel etwas hinzufügen:
    Wir waren einst dumme unzivilisierte Bauern, schmorend im eigenen provinziell katholischen Saft – bis unser König Maximilian II Mitte des 19. Jh. die „Nordlichter“ zu uns geholt hat. Die haben dann „Schwabing“ bevölkert – und letztlich aus Bayern das gemacht, was es heute ist. (Und aus mir, was ich bin.)

    Diese Infusion mit Fremdem aus dem Norden hat Bayern sehr gut getan. (Mir auch.)

    Da waren natürlich viele Berliner und Rheinländer dabei, aber so manches kulturbringende „Nordlicht“ war doch von „hässlicher“ küstennaher Herkunft. (Für uns waren sie alle „Preußen“, auch „Saupreußen“ genannt.)

    Ich bin auf meine alten Tage dabei, mir ganz Deutschland anzusehen. Norddeutschland kommt auch noch dran. Ich freue mich schon darauf und bin mir sicher, dass ich angenehm beeindruckt sein werde von der grünen Weite der flachen Landschaft.

    Andere Frage:
    Was sind die hässlichsten Gegenden Europas?
    Diese Frage erzwingt sofort eine Nachfrage: Wie unterscheidet man hier objektives und subjektives Urteil?
    Subjektiv:
    Das Ruhrgebiet ist überwiegend hässlich. Aber andererseits vielleicht gerade deswegen interessant und besuchenswert.
    Modern zersiedelte Gebiete sind fast alle und fast überall hässlich. Ich meide sie wie einen Aussatz.
    Industriegebiete sind hässlich. Ausnahmslos. Aber ich weiß, dass in diesen Menschenhöllen mein Geld geschöpft wird.

    Was verraten diese drei Nennungen über mich und meinen Geschmack?

    Wie nun könnte man ein OBJEKTIVES Werturteil über eine Landschaft fällen, genova?

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  12. genova68 schreibt:

    Geschmacksurteile sind immer subjektiv, was nicht heißt, dass es keine soziologische Begründung für sie gäbe. Hässlich ist eigentlich nichts.

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