Dirk Müller und die echten Männer

Noch ein Abgerutschter: Dirk Müller, vormals Mr. Dax im deutschen TV, trifft und solidarisiert sich mit dem rechstradikalen russischen Rockerclub Nachtwölfe. Mit dabei ist auch der neue Star der [xxx], die [xxx] Kabarettistin Lisa Fitz, [xxx] durch einen [xxx] Song auf youtube.

Müller ist ein interessantes Phänomen: Zuerst Bankkaufmann, später Börsenmakler in Frankfurt, dann rutschte sein Gesicht öfter mal in eine TV-Kamera, wo er kurze Einschätzungen der Lage auf dem Parkett zum Besten geben durfte. Während der Finanzkrise 2008 stellte sich heraus, dass er komplizierte Zusammenhänge ganz gut einfach darstellen konnte. Müller wurde zum Dauergast in Talkshows und lieferte in der Tat vernünftige volkswirtschaftliche Analysen fürs Massenpublikum, gerne im Zusammenspiel mit Sahra Wagenknecht.

Der Erfolg stieg dem weißen Mann leider zu Kopf. Er schrieb ein Buch mit Verschwörungstheorien über angebliche griechische Gasvorkommen und mehr. Der Spiegel sah darin „abenteuerliche Verschwörungstheorien“ und die FAZ fand es „erschütternd, wie ein Mann mit so undurchdachten Thesen in die Bestsellerlisten rücken kann“. Das war allerdings 2013 und 2018 ist es Normalität, dass Verschwörungstheoretiker die Bestsellerlisten bevölkern.

Irgendwann begann Müller, via youtube täglich seine Meinung über Gott und die Welt kundzutun. Wie das omnipotente und zu Hörerem berufene weiße Männer gerne machen. Gerne auch die ohne akademische Bildung. Früher nannte man das Stammtisch.

Mir fiel der Mann zum letzten Mal ungut auf, als er Ende 2011 einen Krieg zwischen Israel und Iran mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fürs nächste Jahr vorhersagte. Vielleicht hunderttausende Tote, für Müller ein Event, mit dem man spekuliert. Er hatte natürlich keine Ahnung und sich übernommen, aber warum sollte das interessieren, wenn man von sich überzeugt ist. Wichtig für ein solches Kaliber ist, dass man innerhalb von drei Minuten sich zu jedem nur erdenklichen Thema der Weltpolitik meinungsstark äußert. Nordkorea, China, Israel, USA, Trump, Clinton, Finanzen, Iran („Was wirklich hinter den Protesten steckt“), Wirtschaft, Parteien: Es ist egal. Irgendwas fällt einem immer ein. Möglichst schnell reden, möglichst keine Luft holen. Es gibt da Affinitäten zu Ken Jebsen, fällt mir gerade auf.

Müller hat laut Eigenaussage „ein sehr, sehr großes Netzwerk in alle Bereiche der Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und alle möglichen Bereiche, die man sich da vorstellen mag“.

Müller in einem Vortrag 2013:

„Wir fahren voll gegen die Wand“, prophezeit er seinen Bewunderern, die sich um ihn geschart haben, um sich ein neu erworbenes Buch signieren zu lassen. „Wir haben 12 oder 18 Monate Zeit, das Ding durchzusetzen“, sagt Müller und zeigt auf sein Buch. „Dann ist der Spuk vorbei.“ Das Geldsystem werde sonst zusammenbrechen.

Prognosen sind eine Spezialität dieses Typus Mann. Mit stolz geschwellter Brust kann man für die Zukunft ohne Selbstzweifel alles behaupten. Es interessiert nur der Moment der Verkündung, nicht der Zeitraum der Prognose.

Nun also die Nachtwölfe. Ganze Männer, rechtsradikal, dumpfbackig, Putinfans. Da fühlt er sich – früher nach eigenen Angaben selbst in der deutschen Motorradszene aktiv – offenbar wohl. Hauptsache gehört werden. Er lobt den „unbedingten Patriotismus“ der Nachtwölfe und ihren christlichen „Glauben“. Die volkswirtschaftlichen Analysen von 2008 waren links anschlussfähig, aber nicht nur.

Dazu passt auch, dass er nun „in Köln und Berlin mit seiner eigenen Live-Show“ auftritt. Eine Karte kostet allen Ernstes zwischen 40 Euro ganz hinten und 66,50 Euro. Es geht da wohl ums Geldverdienen via Spekulation, also um eine volkswirtschaftlich völlig sinnlose Angelegenheit. Die Gemütslage des Publikums kann man sich so halbwegs vorstellen. Die Show wird in Berlin auf Plakaten offensiv beworben. Die Dirk-Müller-Show.

Aktienzocken, Rockerallüren, AfD-Nähe und das Ich-hab-den-Größten. Man trifft das öfter bei Leuten an, die gerne mehr geworden wären. Wenn es seriös nicht geht, dann eben über Emotionen, wie man sagt.

Wobei das Problem eher die Zeiten sind, in denen die Menschen auf solche Fänger abfahren. Leute wie Müller nutzen die Verunsicherung. Deren Verursacher, das sollte man fairnesshalber dazusagen, sitzen woanders. Wobei das Verb „sitzen“ irreführend sein könnte. Es geht wohl eher ums Systemische.

(Foto: genova 2018)

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16 Antworten zu Dirk Müller und die echten Männer

  1. Jakobiner schreibt:

    Ja, dieser Mr. Dax war mir früher auch schon aufgefallen und die Ausstrahlungskraft, mit der die Massen und Börsenverrückten gläubig an seinen Lippen hingen.Man dachte ja schon, der Messias sei gekommen. Ähnlich wie „Der Crash kommt“-Autor Max Otte, der seitdem als Finanzguru und Prognostiker gilt und nun auch das „Neue Hambacher Fest“zusammen mit der AfD ausrichtet. Interesant finde ich neben Mr. Dax auch für Bayern die Präsenz von Lisa Fitz bei den Nachtwölfen. Die galt ja als Superemanze, aber sie hatte schon immer eine Affinität für Machos wie ihrem früheren Freund Ali (in ihrem Song: „Mein Freund ist ein Perser, ein ganz Perverser“). Bei ihr drehte sich alles um Sex. Kein Wunder dass sie bei dem starken Mann „Chirurg“von den Nachtwölfen gelandet ist. Vielleicht brüstet sie sich ja dann auch noch, von ihm gevögelt worden zu sein.

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  2. heinz schreibt:

    Ich kannte diesen Müller nur aus Talkshows und da war er mir schon irgendwie suspekt, obwohl ich mich nie näher mit ihm auseinandergesetzt hatte. Laut Wikipedia scheint er ja auch „Zinskritiker“ und Befürworter von Regiogeldern in der Tradition Silvio Gesells zu sein. Da wundert mich diese Entwicklung dann nicht. Viele Vertreter dieser Richtung scheinen offen für Verschwörungstheorien und nach rechts außen zu sein.

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  3. neumondschein schreibt:

    Jaja, die Börsenberichterstatter aus dem Fernsehen! Wenigstens kriegen sie manchmal in die Fresse! Wie Manne Krug! Der, der dem armen Volk T-Aktien angedreht hat. Einer aus dem Volk hat ihm mal in die Fresse gekloppt. Das geschah Manne recht.

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  4. neumondschein schreibt:

    Die Währungsreform kommt näher und näher. Seit mehr als 10 Jahren kommt die Währungsreform näher und näher…

    …oder etwa doch nicht?

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  5. Jakobiner schreibt:

    Wahrscheinlich wird Lisa Fitz jetzt auch ein Lied auf den Chirurgen wie einst schon auf ihren Ali-Macho komponieren–Text: „Mein Chirurg ist ein ganz ein Schneller, und vor allem ein ganz Krimineller, und ganz locker, haut er dich vom Hocker“–oder so ähnlich.

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  6. genova68 schreibt:

    2011 behauptete Müller, die deutsche Wirtschaft stehe direkt vor einem massiven Crash. Das war im österreichischen TV und der in der Gesprächsrunde damals anwesende Matthias Horx – eigentlich ein Schwätzer – sah das wesentlich gelassener. Dafür wurde er von Müller angegriffen. Im Nachhinein weiß man, wer Unsinn erzählte.

    Verschwörungstheorien sind für alle interessant, die fertige Antworten brauchen. Im Grunde sind Verschwörungstheorien nichts anderes als Religionen. Beide produzieren lächerliche Ergebnisse und fordern zum Glauben auf.

    Zur Zinskritik: Ich sehe da eine Leerstelle, weil man das raffende Kapital nicht kritisieren soll. Der Begriff ist heute obsolet, aber das Thema nicht. Ich muss begrifflich zwischen Kapital, das in eine Maschine investiert wird, die dann etwas Materielles produziert, und dem Kapital, das in Aktien oder in Finanzmärkte zum Zwecke der Spekulation investiert wird, unterscheiden können, zumindest begrifflich. Was Marx zu dieser Unterscheidung sagte – er wollte das bekanntlich nicht akzeptieren – ist erstmal egal. Es geht um das begriffliche Instrumentarium. Kritik an Zinsen sollte möglich sein. Es ist so ein typischer Fall, wo die Linke das Thema rechten Idioten überlässt. Aber jedem ist einfach klarzumachen, dass der Zinseszinseffekt für wachsende Ungleichheit sorgt. Diesen Hinweis mit einem ebensolchen auf Antisemitismus abzutun, ist die übliche Vorgehensweise, die nur dafür sorgt, dass die Linke icht mehr verstanden wird. In diesem Fall völlig zurecht.

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  7. neumondschein schreibt:

    genova hat nicht verstanden, daß Zinskritik sachlich falsch ist. Zinsen sind Teil des Profits. Sie entstehen nur dort, wo Profit entsteht.

    Bitte noch einmal lesen:
    http://neumondschein.blogspot.de/2012/01/mir-die-welt-plus-funf-prozent_21.html
    http://neumondschein.blogspot.de/2011/04/die-angst-vor-dem-zinseszins.html
    http://neumondschein.blogspot.de/2011/04/wie-die-pfeffersacke-die-menschheit-zu_20.html

    Die Nachdenkseiten haben natürlich darin recht, daß die Krise 2007/2008 noch lange nicht ausgestanden ist. Es gibt viel zu viele Blasen und zuviel Liquidität im Markt, das u.a. von privaten Altersvorsorgeinstituten zugeführt wird. Der Übergang zum Umlageverfahren, nachdem früher einmal das Sozialversicherungssystem funktionierte, würde helfen. Crashes und furchtbare Krisen wären also tatsächlich nicht unwahrscheinlich. Dann gibt es noch das Problem Trump mit seiner perversen protektionistischen Handelskriegspolitik. Die gab es 2011 noch nicht. Nach wie vor bestehen viele Risiken.

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  8. heinz schreibt:

    @genova
    „Ich muss begrifflich zwischen Kapital, das in eine Maschine investiert wird, die dann etwas Materielles produziert, und dem Kapital, das in Aktien oder in Finanzmärkte zum Zwecke der Spekulation investiert wird, unterscheiden können, zumindest begrifflich. Was Marx zu dieser Unterscheidung sagte – er wollte das bekanntlich nicht akzeptieren – ist erstmal egal. “
    Natürlich unterscheidet Marx begrifflich zwischen Warenkapital, Geldkapital und zinstragendem Kapital.
    Wenn ich von Zinskritik spreche, meine ich ausdrücklich die sog. Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells und Positionen in seiner Tradition: http://www.streifzuege.org/2005/bye-bye-zinskritik

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  9. neumondschein schreibt:

    Bitte meinen Beitrag freischalten!

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  10. genova68 schreibt:

    heinz,
    Marx unterscheidet begrifflich, ja, aber ich meine, er sieht nicht gutes und böses Kapital. Wobei ich die Unterscheidung in Geldkapital und zinstragendes Kapital nicht verstehe. Was soll denn Geldkapital sein? Entweder Geld oder Kapital. Und Kapital trägt immer Zinsen oder zieht einen Mehrwert ein, sonst ist es kein Kapital, mal abgesehen von Fehlinvestments.

    neumondschein,
    das eine sind Zins und Mehrwertaneignung, das andere ist die Politik, die dem mit Steuern entgegenwirken kann. Theoretisch zumindest.

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  11. Jakobiner schreibt:

    Der Dirk ist wieder aufgerutscht–heute war er wieder im ntv-Börsenfernsehen zu sehen: :Habe gerade die Nachrichten gesehen. Trump dereguliert jetzt wieder den Finanzsektor und lockert die Kreditvergabe für kleine und mittlere Banken, bisher noch nicht die systemrelevanten Banken, aber das kann dann als nächster Schritt kommen. Börsenexperte Dirk Müller meinte, dass sich wieder eine neue Finanzkrise ala 2008 abzeichne,diesmal nicht bei den Immobilien, aber die US-Amerikaner hätten schon wieder über 1,2 Billionen US-Dollar Schulden an Autokrediten angesammelt, die ihre wenig zahlungskräftigen Kreditnehmer gar nicht zurückzahlen könnten, wie auch viele Studenten sich für Studikredite verschuldet hätten. Die jetztige Lockerung befeuere noch die Kreditvergabe und mache das System sicherlich nicht stabiler.

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  12. heinz schreibt:

    Marx analysiert den Kapitalismus als ganzes, warum sollte er da außerhalb der analytischen Unterssheidung eine moralische Unterscheidung in z.B. „gute Realwirtschaft“ und „böse Banken/Zinsen/Finanzmärkte“ machen?

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  13. genova68 schreibt:

    Die einzelnen Phänomene, die Müller aufzählt, sind sicher richtig. Aber daraus immer, oder oft, fundamentale Aussagen zu basteln, haben mehr mit Aufmerksamkeitsökonomie zu tun als mit den Phänomenen selbst. In Sachen Aufmerksamkeitsökonomie kennt Müller sich aus, wie so viele.

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  14. heinz schreibt:

    „Was soll denn Geldkapital sein?“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Geldkapital

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  15. genova68 schreibt:

    Danke für den Link. Im Moment des Verfassens meiner Frage dachte ich an Wikipedia, war aber gerade zu faul zum gucken.

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  16. Jakobiner schreibt:

    Habe gerade die Nachrichten gesehen mit Dirk Müller im ntv-Börsen-TV–er istz wieder aufgerutscht und gefragt.. Trump dereguliert jetzt wieder den Finanzsektor und lockert die Kreditvergabe für kleine und mittlere Banken, bisher noch nicht die systemrelevanten Banken, aber das kann dann als nächster Schritt kommen. Börsenexperte Dirk Müller meinte, dass sich wieder eine neue Finanzkrise ala 2008 abzeichne,diesmal nicht bei den Immobilien, aber die US-Amerikaner hätten schon wieder über 1,2 Billionen US-Dollar Schulden an Autokrediten angesammelt, die ihre wenig zahlungskräftigen Kreditnehmer gar nicht zurückzahlen könnten, wie auch viele Studenten sich für Studikredite verschuldet hätten. Die jetztige Lockerung befeuere noch die Kreditvergabe und mache das System sicherlich nicht stabiler.Da dürfte Müller nicht unrecht haben.

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