Die Stadt und das Möbel

Wien, Schwarzenbergplatz:

Die „Möblierung des öffentlichen Raums“ nennt man das. Verkehr, Infrastruktur allgemein inklusive Stromversorgung sorgen für unzählige sichtbare Pfeiler, Kästen, Gitter, Absperrungen, Schilder und mehr. Die Strommasten haben hier die Rolle von Straßenbäumen übernommen, was nicht die schlechteste Alternative ist.

In Deutschland gibt es vermuteterweise immer mehr Straßenverkehrsschilder. Davon könnte man wegkommen, wenn man Park- und Halteverbote auf die Straße pinseln würde, so wie in England oder Italien: Eine Farbe für Parken, eine Farbe für Parken mit Gebühr, eine Farbe für Parkverbot. Würde das hier jemand vorschlagen, würde vermutlich zehn Jahre diskutiert, dann eine Kommission gebildet, die 20 Jahre tätig ist, und danach bliebe alles wie bisher.

Andererseits ist ja das Indifferente das Interessante. Straßenmöblierung, gerade wenn sie mit der Zeit schäbig wird, ist so ein Fall. Kaputte Stromkästen, schief stehende und zugeklebte Halteverbotsschilder, im Süden und vor allem Osten kilometerweise hängende Stromkabel haben ihren Reiz. Nix mit Rotenburg ob der Tauber.

Wie auch immer: Möblierung des öffentlichen Raums ist ein interessantes Thema, interessanter als die vielen offiziellen Fassaden von Stararchitekten, von Repräsentationen des Establishments oder der Establishmente. Differenz, Zwischentöne, Unentschiedenes.

fade out

(Foto: genova 2015)

Dieser Beitrag wurde unter Architektur abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Die Stadt und das Möbel

  1. Anarchrist schreibt:

    „Würde das hier jemand vorschlagen, würde vermutlich zehn Jahre diskutiert, dann eine Kommission gebildet, die 20 Jahre tätig ist, und danach bliebe alles wie bisher.“

    Ach iwo. Die wuerden die Parkverbotsflaechen gruen machen und Freiparken rot. Und gepinselt wird nur da, wo kurz darauf die Strasse komplett aufgerissen wird, um alle Parkplaetze zu entfernen.

    In der Platanenstrasse in Berlin wurde vor kurzem auch die Strassenmoeblierung ‚aufgewertet‘ durch 46 ‚Links vorbeifahren Schilder‘. (Facepalm)

    Auch sehr schoen: In Hamburg habe ich einmal auf einem etwa 1,5m breiten Gehweg einen etwa 1,2m ‚langen‘ grauen Strom- oder Telefonkasten gesehn. Eigentlich nichts besonderes. Er wurde aber nicht am Rand und in Laufrichtung gesetzt, sondern stand quer mitten auf dem Gehweg, sodass nur noch grob 30 cm des Weges zum passieren uebrigblieben.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.