Wohnen oder Kapitalismus: Kleiner Bericht von der Mietenwahnsinndemo

Eine Demo letzten Samstag gegen Gentrification mit immerhin 13.000 (FAZ) respektive 15.000 (taz) Teilnehmern in Berlin. Angenehme Stimmung, engagiert, viele kleine Initiativen, die seit Jahren aktiv und gut vorbereitet sind. Sogar ein Altersheim in einem Kleinbus war dabei. Entzückende Rentnerinnen mit Strohhüten.

Eine Auswahl der Plakate und Transparente:

Wegweisend ist der Satz: Enteignung unter Kontrolle der Bewohner bzw. Häuser kollektiv aneignen. Wenn man es Ernst meint mit der Forderung, dass Wohnen der Renditebildung entzogen werden soll, dann läuft es genau darauf hinaus. Wer Häuser kauft, um damit Profite zu erzielen, braucht keine Milde.

Keine Profite mit der Miete läuft auf faktische Enteignung hinaus.

Der Rentnerkleinbus forderte ganz altmodisch, die Politiker sollten sich schämen. Ein sympathischer, dennoch frommer Wunsch. Die aktuellen Politiker wissen kaum noch, was Scham ist. Scham aufgrund asozialer Politik? Ein Gedanke aus einer anderen Zeit.

Generell fehlte bei der Demo diese Aussage als zentrales Motto, als zu transportierendes Anliegen. Kleine Initiativen kümmern sich berechtigterweise darum, dass ihr Block im begehrten Neuköllner Kiez nicht gentrifiziert wird, aber das ändert nicht die grundlegende Situation massiver Ausbeutung durch Wohnen, was ja angeblich ein Grundrecht, im Kapitalismus jdedoch nicht realisierbar ist. Anspruch auf Grundrechte hat man nur, wenn sie entweder nichts kosten oder man sie bezahlen kann.

Dass Mieter keine Zitronen sind, ist ebenfalls ein frommer Wunsch. Im Kapitalismus sind Mieter natürlich Zitronen, die man ausquetscht, sofern das die Nachfragesituation zulässt. Insofern sind solche Sätze zwar gut gemeint, erinnern aber auch an das Verhalten bockiger Kinder.

Die kommunizierten Miet- und Kaufpreisanstiege im angeblichen Problembezirk Neukölln zeigen die Misere: Von knapp 800 Euro 2008 auf über 4000 Euro neun Jahre später. Das Gefüge, in dem so etwas möglich ist, nennt sich immer noch tapfer Sozialstaat. Passend dazu: Die Linkspartei in Berlin ist derzeit stolz darauf, dass Hartz-IV-Bezieher nun deutlich mehr Geld für die Wohnung bekommen. Das Geld wird direkt an den gierigen Vermieter durchgereicht. Das verbucht man in diesem tollen Staat als „Sozialausgabe“.

Wie dreist Politiker sein können, bewies am Rande der Demo der Bürgermeister der Stadt Berlin, Michael Müller von der SPD: Derjenige, der wesentlich dafür verantwortlich ist, dass auf dem ehemaligen Tempelhofer Flughafen keine Wohnungen gebaut werden und der sich in den vergangenen zehn Jahren massiv angestrengt hat, dass die Gentrifizierung in Fahrt kommt, lobte die Demo öffentlich und signalisierte Zustimmung, wie es heißt, zu ihren Zielen. Es gibt einen Satz vom Essen und von dessen ungewolltem Auskatapultieren, den man an dieser Stelle zitieren könnte, wäre er nicht so abgedroschen und sprachästhetisch bedenklich. Leider gab es keine offizielle Zurückweisung dieses Anbiederungsversuchs.

Dass ich hier die rechten Parteien CDU, AFD und FDP nicht erwähne, liegt alleinig daran, dass man von denen noch nie eine soziale Politik erwartet hat. Ich reise auch nicht nach Island, wenn Strandurlaub liegen will.

Die Berliner Wohnungsministerin Katrin Lompscher fand die Demo auch toll. Die will die Situation vermutlich wirklich entschärfen – leider kriegt sie nichts auf die Reihe. Außerdem ist es für diese Frau tatsächlich wichtiger, einen Straßenbaum zu retten als preiswertes Wohnen anzudenken. Lompscher macht die Misere, auch die intellektuelle, der deutschen Linken personifiziert deutlich. Vermutlich ist Deutschsein und Linkssein gleichzeitig nur begrenzt möglich. In Berlin denkt man derzeit auch gerne die Themen Staub bzw. Luftbelastung und dichteres Wohnen zusammen. Bitte nicht verdichten! Man kommt in diesem Zusammenhang aber nicht auf die Idee, mehr Radstraßen anzulegen. Die Linkspartei ist mittlerweile im linken Berliner Bürgertum gut angesehen. Es steht zu befürchten, dass die Partei den Weg der Grünen geht: Man hat es sich bequem gemacht.

Zurück zur Demo: Es fehlte ihr also das klare Signal: Wohnen aus der Renditelogik herausnehmen und die Bodenfrage thematisieren. Und es fehlte auch die klare Abgrenzung von der herrschenden Politik. Immerhin waren keine Parteifahnen zugelassen.

Passend zum Thema gab es die Tage diese Meldung:

Germany’s capital leads the rankings with prices ending the year 21% higher. Strong population growth, a stable economy, record low unemployment and robust interest from overseas investors are together propelling prices higher.

berichtet der Global Residential Cities Index, der weltweit 150 Metropolen in Bezug auf die Kaufpreisentwicklung von Wohnimmobilien untersucht hat. Berlin ist also weltweit Spitze. Unter anderem ein „robustes Interesse“ von Übersee-Investoren trieb die Preise in die Höhe, wobei das englische propelling an einen Flugzeugpropeller erinnert, der nicht nur antreibt, sondern, alles, was in seine Nähe kommt, in tausend Stücke reißt.

Die taz erläutert dazu:

Internationale Konsortien aus teilweise dubiosen Firmenverflechtungen drängen mit hohen Renditeerwartungen auf den Markt und treiben die Preise in bemerkenswerter Geschwindigkeit weiter nach oben.

Das Problem sind nicht die internationalen Konsortien. Die machen das, was man sie machen lässt. Das Problem ist die deutsche Politik, die in vormals kaum erlebter Manier Ausbeutung zulässt.

Dennoch war in unserer neoliberalisierten, politisch und intellektuell komplett derangierten Gesellschaft diese Demonstration ein schönes Zeichen. Ein paar Flüchtlingsinitiativen zeigten ebenfalls, dass sie sich artikulieren können. Wohnraum für alle. Auch in den Wochen zuvor gab es eine Menge öffentlicher Aktionen inklusive spontaner Kreuzungsblockaden.

Sehr schön ist auch, dass bei der Demo auf einem Schild (siehe oben) die Perspektive eines Hauses thematisiert wurde:

„Ich als Haus würde Widerstand empfehlen.“

Sehr richtig. In welchem Geist wurden die Häuser eigentlich gebaut? Und von wem? Und wer macht sich jetzt über sie her? Man sollte öfter mal Häuser fragen.

Berlins Reputation ist nicht nur von stabilen politischen und ökonomischen Verhältnissen geprägt, sondern auch vom Image der Unangepasstheit und des Rebellentums. Demos und ein bisschen Zerstörung sind gut fürs Image. Selbst offizielle Kampagnen der Stadt spielen damit. Insofern dürfte eine Demo gegen Gentrifizierung den gegenteiligen Effekt haben. Es ist verhext: Berlins Reputation als Hort des ästhetischen Widerstands erfährt durch solche Aktionen Aufwertung.

Zum Schluss noch ein Auszug aus einem Kommentar der taz zu der Demo, der es in einigen Punkten ganz gut trifft:

Das Konzept Stadt ist quasi tot. Es zuckt noch hier und da, aber wer sich aktuelle Wohnungsangebote anschaut, erkennt unausweichlich: Wenn nicht eine radikale Wende gelingt, dann wird es die Großstadt, in deren Mitte sich unterschiedliche soziale Schichten ein Leben leisten können, bald nur noch in Geschichtsbüchern geben.

München, Köln, Hamburg kann man als Mieterstadt längst vergessen, in Berlin gibt es dank noch existierender Altmietverträge ein paar bezahlbare Oasen. Aber auch die deutsche Hauptstadt katapultiert sich gerade auf eine Ebene mit Paris und London, in deren Zen­tren sich selbst Angehörige der Mittelschicht allenfalls mit Zweit- oder Drittjob noch eine Minibutze leisten können. Gewöhnlich aber sind sie längst vertrieben an den Rand der Städte. Und das Schlimmste daran ist: Es gilt als normal.

In der Tat: Dass solche Verhältnisse als normal gelten, ist eine Katastrophe und der beste Garant für weitere Ausbeutungsorgien.

Wer heute noch das Märchen vom freien Markt erzählt, der angeblich auch das Mietenniveau regle, ist entweder auf die Lügen der Neoliberalen hereingefallen oder er gehört zu denjenigen, die diese Lügen verbreiten. Denn nirgendwo sonst lässt sich komplettes Marktversagen so klar beobachten wie beim Wohnungssektor.

Exakt dieses Versagen ist gewollt. Je weniger Markt, desto mehr Profit fürs Kapital. Die Politik erweist sich als effektiver Garant für kapitalistische Interessen.

Dann wird es interessant:

Weil die Anbieter die Zwangslage der Suchenden für ihre Profite nutzen, muss man vielfach längst von Wucher sprechen. Der ist laut Strafgesetzbuch nicht nur verboten, sondern könnte sogar hart bestraft werden. Ein Fall für die Staatsanwaltschaften? Ja, da man von dort aber nichts hört, muss man feststellen: Der Wohnungsmarkt ist offenbar einer dieser vielfach gescholtenen rechtsfreien Räume.

Wucher, staatlich organistierte Kriminalität, rechtsfreier Raum. So kann man das wohl sagen. Das schreibt nicht Indymedia Linksunten, sondern die taz. Müsste bei rechtsfreien Räumen die Justiz von selbst tätig werden? Die Staatsanwaltschaft? Ich bin da nicht im Bilde.

Eine langfristig erfolgreiche staatliche Wohnungspolitik kann nur ein Ziel haben: Sie muss Alt- wie Neubauten dem Spekulationskreislauf entziehen, indem sie ausschließlich bewohnerkontrollierte Projekte wie Genossenschaften oder das Mietshäusersyndikat unterstützt. Durch günstige Kredite, durch direkte Förderung und vor allem ein weitreichendes Vorkaufsrecht.

Mit anderen Worten: Es geht um die Verwirklichung eines alten Hausbesetzerslogans: die Häuser denen, die drin wohnen. Klingt radikal? Ja. Aber alles andere ist Quark.

So ist es. Wobei das Vorhaben, Häuser dem Spekulationskreislauf zu entziehen, nicht ausschließlich mit den genannten Mitteln realisiert werden kann. Keine Profite mit der Miete ist der passende Slogan. Dass die herrschende Klasse, vertreten unter anderem durch den üblichen Parteienquark, das Thema ernsthaft angehen wird, ist kaum zu vermuten. Fürs jahrzentelange Beharren auf sowas wie S 21 dagegen reicht die Energie. Oder vielmehr das Interesse.

Dennoch: Es gibt noch die Artikulation von Unwohlsein, von Kritik, von Widerstand. Und die Tatsache, dass dieser Staat eine seiner bekanntesten Ausbeutungszentralen vor den vorbeiziehenden Demonstranten massiv schützen zu müssen meinte, zeigt, dass vielleicht doch noch nicht aller Tage Abend ist:

(Fotos: genova 2018)

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21 Antworten zu Wohnen oder Kapitalismus: Kleiner Bericht von der Mietenwahnsinndemo

  1. Hugo schreibt:

    „Das Problem sind nicht die internationalen Konsortien. Die machen das, was man sie machen lässt. Das Problem ist die deutsche Politik, die in vormals kaum erlebter Manier Ausbeutung zulässt.“
    Jo, es wird z.B. als selbstverständlich vorausgesetzt, daß keine Grunderwerbssteuer bezahlt wird, weil die Buden nicht als Ganzes verkauft werden, was schonmal voraussetzt, daß es für Wohneigentum überhaupt natürliche Personen als Eigentümer gibt. Das reihenweise Verkaufen von städtischen Wohnungsgesellschaften an wenauchimmer, das Vergammelnlassen von Spekulationsobjekten um dann neu und teuer zu bauen, etc. pp. .
    Da sollte mensch „naiv“ im Sinne von (kindlicher) Unvoreingenommenheit und Unverfälschtheit sein und einfach fragen „Warum macht Ihr Politiker das?“
    Ich versteh das ehrlich gesagt schlicht und einfach nicht, auch wenns mich nur indirekt betrifft, wenn es Leute, die es in Großstädte verschlagen hat und ich bei denen mal für ne Woche als Gast sein kann, in die Peripherie der Cities ziehen müssen und ich ewig mit der BVG (um mal bei Berlin zu bleiben) durch die Gegend eiern muß um mir so den Touri-Kram zu geben…

    Zum Glück bauen jetzt einstöckige Kaufhallen Wohnungen auf ihre Läden, ist auf jeden Fall besser, als zu „verdichten“, also (meist) Grünflächen zwischen zur Bauzeit durchgeplanten Stadtquartieren auch noch zuzupflastern. Ich weiß nicht, ob da ein zugepflasterter stillgelegter Flughafen unter den heutigen gesetzlichen Bestimmungen wo der Teufel garnicht soviel fressen kann, wie er scheißen müsste, wirklich Punkte bringt.
    Übrigens; Berlin 1999 3.386.667 EW, 2016 3.574.830; 5,56 % mehr Leute,
    Leipzig 1999 489.532 EW; 2017 575.355, 17,53% mehr Leute
    Dresden 1999 476.668 EW 2016 547.172, 14,8 % mehr Leute
    Jena 1999 99.779 EW, 2016 110.321, 10,06% mehr Leute
    Erfurt: 1999 201.267 EW; 2015 210.118 EW, 4,4% mehr Leute.
    (Zahlen Wikipedia, 1999 als Referenz wg. Eingemeindungen, xy Prozent=100*(EW_201x-EW1999)/EW1999) )
    Also warum, um Himmels Willen, jammert Berlin am allerlautesten?
    Hört mensch was von Jena überregional, obwohl die fast doppelt soviel Leute mehr haben?
    Fragen über Fragen…

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  2. schlingsite schreibt:

    Die Spekulation auf steigende Mieten machen Investitionen lohnend. Bei einer Begrenzung der Erhöhung wären zwar immer noch Gewinne möglich, doch die Raubtiere auf dem Finanzmarkt suchten sich dann fettere Beute. Enteignungen sind nur Träumereien.

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  3. Hugo schreibt:

    Prozentual fast doppelt @Jena/Berlin *oops*

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  4. genova68 schreibt:

    Hugo,
    der Flughafen Tempelhof hätte viele tausend Wohnungen geschaffen, auf nur 25 Prozent der Fläche. Es ist eben ein riesiges Areal siehe hier: https://exportabel.wordpress.com/2014/05/22/flughafen-tempelhof-ein-deutsches-dilemma/tempelhof/

    Aldi überbaut seine Filialen, gut so, aber letztlich zu wenig. Grünflächen werden nicht zugebaut, zumindest keine offiziellen. Es gibt viele unbebaute Baulücken, die jetzt genutzt werden. Da sollte man nicht von Grünflächen reden, sondern von Bauland. Meist protestieren die Nachbarn, not in my backyard.

    Deine Zahlen zu den Einwohnerentwicklungen in den Oststädten sind interessant, danke. Für Dresden habe ich das gerade geprüft, da muss man dazusagen, dass die Einwohnerzahl nach 1990 massiv zurückgegangen ist und jetz die aktuelle Zahl nur geringfügig über der von 1990 liegt. Aber es stimmt schon, diese Städte kriegen das wohl besser hin.

    In Berlin gibt es meiner Beobachtung nach das Dauerproblem, dass die Stadt bis 1990 von westdeutschen Zuwendungen lebte, die nach 1990 massiv zurückgefahren wurden, die Stadt aber erhebliche Anstrengungen unternehmen musste und die Schuldenlast auf 60 Milliarden Euro hochschnellte. Es wurde massiv gespart, allerdings ohne Sinn und Verstand und ohne Erfolg. Jetzt hat man kein Personal. Dazu kommt die gefühlte totale Verblödung der Berliner Politik und Politiker. Ich habe ernsthaft den Eindruck, dass das vor allem Filz ist und völlige Unfähigkeit. Dazu kommt, dass man sich via Verkäufen von Wohnungsbaugesellschaften über Wasser halten wollte. Andererseits kann man marxistisch ganz nüchtern sagen, dass das der Gang der Dinge ist. Es geht immer nur um Renditemöglichkeiten, und eine attraktive Hauptstadt in einem ökonomisch attraktiven und politisch stabilen Land hat aus kapitalistischer Sicht die Aufgabe, Renditemöglichkeiten in Form von Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

    Die Geschichte, die sich in Tempelhof abspielte, ist einmalig, und der Verantwortliche dafür, Müller, ist jetzt Regierender Bürgermeister. Eine Stadt, in der sowas möglich ist, kann den Vergleich mit Städten vom Kaliber einschlägig bekannter Metropolen in Drittweltländern nicht wegdrücken.

    Zu Tempelhof:
    https://exportabel.wordpress.com/2014/05/22/flughafen-tempelhof-ein-deutsches-dilemma/

    schlingsite,
    „Enteignung“ werfe ich provokativ in den Raum, aber selbst das Grundgesetz sieht die vor und sie passieren in Deutschland alle Nase lang. Wenn der Staat eine Straße oder eine Autobahn bauen will, wird enteignet und entschädigt. Passiert aktuell bei der im Bau befindlichen Stadtautobahn. Da geht es nur um die Höhe der Abfindung.

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  5. Jakobiner schreibt:

    Danke für den detailreichen und analytisch kommentierten Demobericht. So bekommt man mit, was hier nicht in den Zeitungen steht. Bleibt abzuwarten, ob es weitere Demos auch in anderen Städten gibt, sich der Protest verbreitert oder ob das eine Eintagsfliege bleibt. Die drastische Lage würde ja erwarten lassen, dass auch andernorts demoinstriert wird. Aber der Deutsche ist geduldig.

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  6. genova68 schreibt:

    Das Thema findet zumindest in den bürgerlichen Medien mehr Aufmerksamkeit, eben weil es auch um die Mittelschicht geht. Heute gibt es im Tagesspiegel ein hochinteressantes Interview mit der Interventionistischen Linken, ich schreibe für morgen etwas dazu.

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  7. Jakobiner schreibt:

    Schreib mal was zur Echopreisverleihung.Die Frage ist weniger, wer der etablierten Musiker da Preise zurückgibt, sondern zuerst wie massenhaft Jugendliche solche Zeilen wie „Mein Körper ist definierter als Auschwitzinsassen“ oder „Man macht den nächsten Holocaust, und schmeisse Molotows“.befürworten können. Dass die mittels Provokation da Geld machen wollen, dass man mehr den Rhytmus denn die Texte hören wil, dass auch die Eltern mal provoziert haben und man das dann unabhängig vom Inhalt auch dürfe, sind da die gängisten Ausreden, die aber Klartext reden über den geistigen Zustand eines Teils der Jugend.Aber vor allem ist die Frage, wie der Neoliberalismus diese Tendenz befördert, es ist ja das Gesamtpaket „Wer Kohle hat, hat recht, der Stärkere überlebt, die Fotzen gehören ordentlich gefickt, rottet die Schwulen aus, etc. und Helene Fischer ein ebensolchiges Massenphänomen und was sie eigentlich befriedigt und warium sie so scheinbar unpolitisch sich aus allem heraushält!

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  8. genova68 schreibt:

    Der geistige Zustand eines Teils der Jugend ist lediglich das spezifische Abbild des geistigen Zustand eines Teils der Erwachsenen. Dass Helene Fischer sich raushält, finde ich ok. Sie singt unpolitischen Schlager. Warum sollte sie zu irgendwas Stellung beziehen?

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  9. Jakobiner schreibt:

    Bester Genova, ich sehe das diamtreal zu dir. Man sollte nicht Kollega und seinen Kollegen angreifen ,sondern mal klar eben die von dir favorisierten und legitimeriten „unpolitischen Sänger“.. Man sollte nicht Farid Bang und Kollega angreifen ,.sondern eben schwerpunktsmässig all jene „unpolitischen „Sänger und Sängerinnen, die gerne einen Echo nehmen aufgrund Verkaufszalen, aber keine Werteorinetierung haben, Ich hab eher den Verdacht, dass du auch so ein unpolitischer LInker bist, gerade das was der Leo Brux als Verlust der Gesellschaftlichkeit bei dir festfstellt, der keine Wetreorientierung mehr hat. Dann kotze ich mich mal über solch Leute wie dich aus. Und wer nicht Helene Fischer, für ihr Desinteresse für politische Themen , ja Holocaustausserungen, kritisiert, sondern noch schützend sich vor sie stellt, weil er sonst außer Stilkritik keine inhaltlcihe Kritik hat, ist für mich ein totaler Rechter,. Und das bist du , bester Genova, bei all deinen pseudolinkem Geschwätze.Immer viel Stilkritik nichts Inhaltklcihes, und wenn dann immer die Betonmng, dass man nichts ändern wolle, alle anderen, die dies wollen, bekloppt findet und nun auch Helen Fischer gut findet.Ich muss nur noch kotzen!“

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  10. genova68 schreibt:

    Gott zum Gruße

    genova, totaler Rechter

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  11. Hugo schreibt:

    @ Jakobiner, https://www.youtube.com/watch?v=DvVZSk0iTas ;).
    Jo, die Kids hören auch alle Helene Fischer und wollen von ihr zum Rechten=linken?!? Glauben bekehrt werden, mannmannmann.

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  12. Hugo schreibt:

    @Genova, das mit der Verdichtung wird z.B. in München reihenweise praktiziert; setzt mensch halt in Neuperlach noch ein paar Blocks dazwischen, und ja, Baulücken sind keine gottgegebenen Grünflächen, begrünte Abstände zwischen mehrstöckigen Häusern, die mal als Spielwiese und Platz zum Wäscheaufhängen geplant waren und schlicht und einfach dafür da sind, daß mensch auch in den ersten Geschossen Tageslicht haben, die Feuerwehr überall rankommt etc. aber schon und nicht nur ABM für die Hausmeister und den GaLabau zwecks Rasenmähen…

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  13. Jakobiner schreibt:

    Okay, tschuldigung, habe da etwas überreagiert und ein paar Bier zuviel.Hier einmal das Video“Apokalypse“von Kollega. Die Weltgeschichte verschwörungstheoretisch als jahrtausendlanges Werk des Werkens von satanischen Geheimbünden, die Menschenopferrituale schwarer Magie begehen mit einer Endschlacht am Tempelberg, bei der alle Juden ausgerottet werden und ein neues Zeitalter beginnt.:

    Das interesante und beängstigende ist, dass dieses Weltbild von Kollega (Illuminaten, Juden, NWO,etc.) von sehr breiten Kreisen geteilt wird, nicht nur bei Jugendlichen. Allein an unserem Stammtisch haben 4 Personen ähnliche weltverschwörungstheoretische Weltbilder.Kollega hat da also seine Kollegen überall, nicht nur in der jugendlichen Rapszene Und man sieht wie geradezu unmöglich es ist sie mittels rationaler Argumente davon abzubringen.Das macht alle politische Bildung und Artikelschreiben nicht wett, da sie zumeist eh nur noch auf Facebook, Twitter und Youtube unterwegs sind und es dort keine richtige aufklärerische mediale Gegenmacht gibt.Der Versuch von Floh Kirner, mal ein Aufklärungsviodeo über die Fed und die Rothschilds zu machen, bleibt da eher die löbliche Ausnahme von der Regel.Und selbst das dringt nicht mehr durch, wenn schon von Echokammern gesprochen wird.Zumal eben ein Gegenstandpunkt und ähnlicjhe Analysen des Weltgeschehens von Jugendlichen schon gar nicht mehr gelesen werden, sie sich nur noch über soziale Medien und Youtube-Clips informieren, kurz, prägnant, mit eingängiger Storyline, mythisch beladen, ästhetsich gemacht.Die Analyse von Staat und Kapital wird ersetzt durch vielerlei Geheimbünde und letztendlich ide Juden, die alles kontrollieren.Witzig auch, dass dies zum Shoatag geschah und nun 70Jahre Israel gefeiert werden und es nun einen Antisemitismusbeauftragten der BUndesregierung gibt. Formelle Sachen, die scheinbar nicht viel nützen.Es gibt offenbar keine Widerwärtigkeit mehr, die den Opfern des Holocaust und ihren Nachkommen erspart bleibt. Die Verhöhnung ihrer Leiden wird zum künstlerischen Marketing-Gag, zur gezielten Provokation, um Aufmerksamkeit zu erregen.

    Nach dem Skandal um den antisemitischen Text der Rapper Farid Bang und Kollegah und ihre Auszeichnung mit dem „Echo“ nimmt jetzt der Kabarettist Sedar Somuncu am Überbietungswettbewerb antisemitischer Geschmacklosigkeiten teil. Er ist Regisseur einer Aufführung des Theaterstückes „Mein Kampf“ von George Tabori in Konstanz.

    Die Premiere soll am höchsten Feiertag aller Nazis stattfinden, am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers. Besucher die eine Hakenkreuzbinde tragen, dürfen kostenlos zur Premiere, den zahlenden Gäste wird ein Davidstern empfohlen. Eine Idee des Theater-Intendanten Christoph Nix.

    Wie gestört muss der Geist eines Menschen sein, um überhaupt auf eine solche abstoßende Idee zu kommen? Welcher Zeitgeist weht, wenn Künstler glauben, mit solchen Provokationen gesellschaftlich noch akzeptiert zu werden? Wird der Bruch des wichtigsten deutschen Tabus zum Rapper-Spaß, zum Theater-Jux?

    Die Rapper, der Theater-Intendant und Somuncu sind wahrscheinlich keine bewussten Antisemiten, aber sie tragen dazu bei, das eine neue Stufe der Verrohung erreicht worden ist, wie Marius Müller-Westernhagen sagt. Sie wird geduldet oder sogar ausgezeichnet von einem Teil der Öffentlichkeit, der jede Sensibilität und jedes Geschichtsbewusstsein abhanden gekommen ist.

    Es wird für Juden ohnehin immer gefährlicher, in Deutschland zu leben. Jüdische Kinder werden in der Schule gemobbt, Kippa-Träger in der Öffentlichkeit bespuckt und angegriffen. Juden trauen sich nicht mehr, ihre David-Sterne öffentlich zu tragen.

    Eine unheilvolle Allianz aus deutschen Rechtsradikalen („Schluss mit dem Schuldkult“) und muslimischen Juden-Hassern bedroht den gesellschaftlichen Konsens, der Jahrzehnte lang in Deutschland galt: nie wieder Antisemitismus. Hoffentlich reicht der Rest-Konsens wenigstens noch so weit, dass die Konstanzer Premiere in dieser Form nicht stattfindet.

    Aber selbst dann, wenn dies passiert: der Schaden ist nicht mehr zu reparieren. Judenhass, Geschmack- und Gedankenlosigkeit sind ein gefährliches Bündnis eingegangen, das Deutschland zum Schlechteren verändert
    

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  14. Hugo schreibt:

    Das mit „Mein Kampf“ in Konstanz kapier ich nicht, warum soll das antijüdisch sein?
    Der Somuncu macht die Lesung dazu schon seit 1996: http://www.theaterkonstanz.de/tkn/theater_und_menschen/regie/09009/index.htm

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  15. genova68 schreibt:

    Antisemitische Weltbilder sind unter Jugendlichen vermutlich wirklich weit verbreitet. Gestern erst habe ich im Kreuzberger Park biodeutsche Jugendliche belauscht: Kollegah ist nicht antisemitisch und dann ging es umstandslos zu den Transatlantikern. Die checken nicht, was sie reden, die se Verbindungen werden ihnen von Leuten wie Kollegah bereitgestellt. Vor ein paar Wochen beschimpften sich biodeutsche Jugendliche im Prenzlauer berg an einer Straßenbahnhaltestelle gegenseitig als Juden. Aber wie gesagt, Jugendliche sind das Abbild der Gesellschaft.

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  16. Leo Brux schreibt:

    Wie macht man eine an sich stabile Demokratie wie die unsere, eine an sich liberal orientierte Gesellschaft wie die unsere auf längere Sicht faschistisch?

    Strategisch betrachtet:

    Entwicklungsschritt 1A:
    Nutze die liberalen Freiräume, nutze den Pluralismus, um so viel SHIT zu produzieren wie möglich; nutze alle Möglichkeiten des Anarchisierens; die Leute sollen keine Grenzen mehr kennen und alles für Lüge halten, was ihnen nicht passt; je mehr Kotze, desto besser – die Leute sollen zu ersticken drohen in der selbstproduzierten Kotze.

    Entwicklungsschritt 1B:
    Die totale Verunsicherung macht den Leuten Angst, Angst, Angst. Schüre diese Angst, schüre die Panik! Nutze jede Möglichkeit der Angstmache. Wir sind Opfer böser Verschwörungen!

    Entwicklungsschritt 1C:
    Gegen unsere Feinde müssen wir uns zusammenschließen. Wir müssen fanatische Kampfbünde schaffen, die den übermächtigen Verschwörern (1B) und die der Anarchie (1A) gewachsen sind.

    Entwicklungsschritt 2:
    1A1B1C schaffen die Voraussetzungen für den Erfolg eines autoritär auftretenden Retters, der die Freiräume nutzt, der die Angstmache nutzt, der die Verschwörungsphantasien und den Fanatismus nutzt. Einmal an der Macht, wird er die Gewaltenteilung reduzieren bzw. abschaffen, wird er die Medien in seine Hand bekommen, wird er den Rechtsstaat aushebeln, soweit das nötig ist für seine korrupte Regierungsweise – er braucht Geld und Machtpositionen für seine Spießgesellen.

    Entwicklungsschritt 3:
    Wenn nach einiger Zeit die Macht des charismatischen Führers bedroht ist, hat er die Mittel in der Hand, um ganz totalitär zu werden. Dann wird es im materiellen und im Sicherheitsinteresse eines jeden Untertanen sein, dabei mitzuspielen. Es tut gut, Teil der Macht zu sein. Teil der Großen Ordnung zu sein.

    Nicht nur der Kapitalismus macht sich selbst kaputt, wenn er sich nicht selbst sozialstaatlich und ökologisch einschränkt;
    auch die Demokratie macht sich kaputt, wenn sie nicht in der Lage ist, 1A, 1B und 1C in Grenzen zu halten.

    Noch gibt es breiten Widerstand gegen Anarchofaschisten wie Kollegah & Co. Gegen antisemitische Tendenzen. Noch ist Deutschland nicht ganz verrückt geworden.

    Ich würde mir ein überparteiliches Bündnis der Nicht-Verrückten und Nicht-Fanatiker wünschen. Derer, die nicht ALLES mitmachen, nur weil es sich gut verkauft. Derer, die bei jeder Parteinahme noch ein bisschen Respekt vor dem Gegner und ein bisschen Skepsis gegenüber der eigenen Parteinahme zeigen.

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  17. Jakobiner schreibt:

    Helene Fischer hat jetzt erstmals Position bezogen. Das wird den Elsässer und die AfD ärgern, da sie sich nicht nur gegen Antisemitismus ausprach, sondern auch eggen menschenfeindliche Propaganda und betonte, dass sie alle Menschen, egal welcher Herkunft und sexuellen Orientierung gleich möge und dieselben Rechte für sie fordere. Da musste zwar Druck gemacht werden, aber er hat gewirkt.Dennoch verweist Anabel Schunke auf der Achse des Guten richtigerweise, dass die Appelle von Campino, der Entrüsteten und Helene Fischer bei den Kollegahhörenden Jugendlcichen gar keine Wirkung entfalten würden, man sich also andere Mittel überlegen müsse, wie man diese Idioten isoliert und bekämpft:

    Kollegah kommt gleich!

    Es hat mich stets beruhigt, zu wissen, dass gemeinhin ein Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung existiert. Dass es die Political Correctness und die damit einhergehende Angst vor sozialen Sanktionen sind, die den multikulturellen Traum oberflächlich aufrechterhalten und weniger die tatsächliche Überzeugung vieler Menschen.

    Es ist beruhigend zu wissen, dass sich der gemeine Bürger abseits der akademischen Blase und linksgerichteten Parteien einen feuchten Kehricht um gendergerechte Sprache und Toiletten schert. Dass der Islam für manch einen Journalisten und Politiker zu Deutschland gehört, ganz sicher aber nicht zur Lebenswelt eines Großteils der Bürger. Kurzum: Dass die Bevölkerung normaler tickt als der alltägliche Wahnsinn, der sich in Politik und Medien offenbart, suggeriert.

    Was beruhigt, kann jedoch genauso gut frustrieren, wenn das Pendel einmal in die andere Richtung ausschlägt. Die Debatte um die Echo-Auszeichnung für Farid Bang und Kollegah mag in den Medien noch nicht gänzlich verstummt sein, bei der betreffenden Zielgruppe ist sie nie angekommen. Während wir Medienschaffenden noch die Grenzen der künstlerischen Freiheit abstecken, bewirbt mein Lieblings-Onlineshop schon seit Tagen Kollegahs neue Klamottenkollektion, die bei den Fans einschlägt, wie Bananen in der DDR.
    Das Problem sind die Fans

    Und so zeigt sich einmal mehr, dass sich das Problem weder an Ausschlüssen oder Nicht-Ausschlüssen von Veranstaltungen, noch an den „Künstlern“ selbst manifestiert, sondern an den Fans, die ihre Musik, ihre Klamotten und Konzertkarten kaufen. Der Erfolg eines Künstlers am Markt bemisst sich eben nicht nach einer vorgegebenen Moral oder Kriterien des „guten Geschmacks“, sondern nach der Nachfrage. Nichts könnte das besser verdeutlichen als ein Musikpreis, der vorrangig nach Verkaufszahlen vergeben wird.

    Sicherlich hätte man sich in einer Republik, in der sonst bei jeder Gelegenheit von Medienschaffenden, Prominenten und Politikern „Haltung gezeigt“ und „Zeichen gesetzt“ werden, schon vor der Echo-Verleihung so etwas wie einen „Aufstand der Anständigen“ gewünscht, der sich sonst bei jeder auch nur gefühlten Bedrohung „von Rechts“ ohne viel Aufwand zusammentrommeln lässt. Es hätte zweifelsohne das eigene Geschmacksempfinden geschont, wenn man diesen Proleten die öffentliche Plattform entzogen hätte, oder zumindest jemand der alten linken Socke Campino zur Seite gesprungen wäre, indem man geschlossen den Saal verlässt. Solche Aktionen setzen jedoch voraus, dass das eigentliche Problem erfasst wird. Dass dies bei einer Mehrheit der Verantwortlichen und Prominenten vor Ort nicht der Fall war, ließ sich u.a. an den geistreichen Kommentaren von bedeutenden Denkern wie Angelo Kelly und Fernsehkoch Nelson Müller auf der anschließenden After-Show-Party erkennen.

    Die Zeit einer künstlerischen Avantgarde, die Kritik an den herrschenden Verhältnissen, ungeachtet von politisch korrekten Erwägungen, übt, scheint zumindest in der jungen, „hippen“ Generation ein für alle Mal vorbei. Mit Campino, Peter Maffay, Klaus Voormann und Marius Müller-Westernhagen zeigt ausschließlich die alte Riege im Musikgeschäft Flagge gegen den unsäglichen Opportunismus der Veranstalter, denen es wohl vorrangig darum ging, von diesem Skandal zu profitieren und die sich insofern nicht von jenen gewissenlosen Menschen unterscheiden, die mit der Vermarktung von „Künstlern“ wie Farid Bang und Kollegah ihr Geld verdienen.
    Einstudierte Empörungswellen

    Und dennoch: Schlimm sind nicht in erster Linie die Reaktionen auf das Ergebnis, auf die Nominierung, den Auftritt. Schlimm ist, welchen Erfolg Rapper wie diese vor allem bei der jungen Generation haben, die sie mittlerweile zu großen Teilen prägen und dass die Diskussion ausgerechnet an dieser Generation vollkommen vorbeigeht. Es sind vornehmlich jene jungen Muslime, deren rassistische und antisemitische Ausbrüche wir mittlerweile auf den Schulhöfen und auf den Straßen dieses Landes erleben dürfen.

    Junge Männer, die von Gleichaltrigen umgeben sind, die entweder ihre Ansichten teilen oder denen schlicht das Bewusstsein dafür fehlt, um sich an ihrem Verhalten zu stören. Jahrzehnte des Ignorierens und Leugnens des muslimischen Antisemitismus haben Spuren hinterlassen, deren Früchte wir jetzt ernten. In diesem gesellschaftlichen Klima ist und bleibt „Kolle“, wie ihn seine Fans nennen, der „Boss“ – daran ändern auch zurückgegebene Echos, eine empörte Presse und schockierte Politiker nichts.

    Es ist dies letztlich das Ergebnis einer Erinnerungs- und Geschichtskultur, einer gesellschaftlichen Debatte, in der es schon lange nicht mehr um Bewusstsein, um Strukturen von Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Co. geht, sondern um einstudierte Empörungswellen, die sich nach nichts anderem als den Regeln einer dem Zeitgeist unterliegenden political correctness richten. Und Antisemitismus aus dem islamischen Kulturkreis gehörte bis jetzt eben nicht zu den politisch korrekten Kategorien, für die es Applaus gab, weshalb es all die Jahre vorher niemanden interessierte, was Farid Bang und Co. da fabrizierten.

    Nein, ein Problem, das schon in den Familien, in den Moscheegemeinden, in den Schulen und im heimischen Kinderzimmer beim Hören der preisgekrönten Musik beginnt, endet nicht mit zurückgegebenen Preisen und zurückgetretenen Verantwortlichen. Genau genommen ist das, was gerade an blankem Hass in die Öffentlichkeit dringt, nicht zuletzt auch aufgrund der aktuellen Zuwanderungspolitik, die von nicht wenigen, die sich jetzt empören, ausdrücklich unterstützt wird, erst der Anfang. Deutschland wird vielfältiger und Kollegah und Farid Bang sind lediglich Ausdruck dieser Vielfalt.
    http://www.achgut.com/artikel/kollegah_kommt_gleich

    ich habe auch schon mal überlegt, ob man nicht eine Bewegung von Gegenrappern organisieren sollte, die Kollegah als Kanakprolls lächerlich machen und ihnen mit Gegegn rap begegnen–etwa mit Zeilen wie:

    Ich schick dich in den Ofen,
    so geschieht´s mit Kollegah und allen Doofen.

    etc, usw. Frage: Begibt man sich da nicht aufg dieselbe Ebene und ist nicht zu erwarten,d ass sie das als Aufruf für einen Battle-Slam wahrnehmen und wieder neue Gegenbattle-raps verfassen, die sie noch poulärer machen.

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  18. Jakobiner schreibt:

    Bayern und München ist ja bekannt für seine Law-and Order-Regierung und verkündet auch fast wöchentlich, dass in Bayern Ordnung herrsche und man alles unter Kontrolle habe, sowie die bayerische Jugend optimistisch in die Zukunft blicke und gut geraten sei. Dies Bild wird seit letzter Woche etwas eingetrübt, denn:

    Was ist eigentlich in München am Monopteros los? Über 1000 Jugendliche, die sich scheinbar über Facebook versammelt hatten, um sich mit Polizei und Rettungskräften eine Schlägerei zu liefern. Nach dem ersten Mal hätte man dies ja noch als Ausrutscher sehen können–shit happens. Aber nun haben sich die 1000 Jugendlichen nochmals bewußt versammelt, um Revanche zu nehmen, haben Polizei und Rettungskräfte per Notruf herbeigerufen, um sich wieder eine Schlacht zu liefern.

    Erwarten uns da neue Schwabinger Krawalle.?Aber die Schwabinger Krawalle hatten einen konkreten Anlass: Das Verbot der Strassenmusikanten durch die Polizei, die die Jugendlichen nicht hinnehmen wollten, sowie wohl auch Protest gegen den Mief der Adenauerära, zu jener Zeit als Halbstarkenfilme mit James Dean und Marlon Brando in Mode waren.

    So klingt dies rein destruktiv und ist auf den ersten Blick kein richtiges Motiv zu erkennen, das es aber geben muss. Konservative würden fragen: Geht es denen zu gut und ein Arbeitslager empfehelen oder linke Sozpäds würden wieder die obligatorische Frage stellen: Macht sich hier mangelnde Zukunftsperspektive sichtbar. Ist das ein Wohlstandsphänomen, weil es ihnen zu gut geht und sie als unpolitische Menschen keinen Sinn oder konkreten Gesellschaftsprojekte mehr im Kopf haben, für die man sich engagieren könnte? Geht es ihnen zu gut und man muss sie in ihrem jugendlichen Überschang und Hedonismus einbremsen?

    Bin mal gespannt, ob es weitere Schlachten um den Monopteros geben wird. Meist künden solche Exzesse ja gesellschaftliche Veränderungen und manchmal sogar zeitversetzt neue politische Bewegungen an: Den Schwabinger Krawallen folgten zeitversetzt denn auch die 68er.Oder gehört dies heute wie der Hooliganismus zum normalen Alltag und speist sich nur aus blindem Vandalismus und hirnloser Gewaltbereitschaft? Bleibt zu beobachten, was folgen wird.

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  19. Jakobiner schreibt:

    Aber interessant ist, dass die Münchner Polizei eingesteht, dass sie bei diesem Phänomen vor einem noch zu ergründendem Rätsel steht und die Vorfälle als außergewöhnlich betrachtet:

    Polizeisprecher: Müssen die Motive herausfinden

    Es reiche aber nicht, jetzt einfach nur Stärke zu zeigen, sondern man müsse schauen, was für Motive dahinter steckten, so die Polizei. Deshalb geht es laut Marcus da Gloria Martins nun vor allem darum, herauszufinden, warum die Jugendlichen auf die Idee kamen, sich ohne Grund mit der Polizei und den Rettungskräften anlegen zu wollen.

    Es handelte sich ihm zufolge um überwiegend männliche Münchner, die teilweise aus den Randbezirken kommen und stark betrunken waren. Der Großteil sei klassische Mitläufer. Angestachelt wurden sie Martins zufolge wahrscheinlich von ein kleineren Gruppen oder ein paar Drahtziehern.
    Innenminister Herrmann fassungslos

    Innenminister Joachim Hermann erklärte dem BR, er könne nicht begreifen, dass sich hier Leute ganz offensichtlich nur zusammengefunden hätten, „um durch vorgebliche Schlägereien die Polizei zu provozieren“. Mit Blick auf den Angriff auf die Rettungskräfte sagte der CSU-Politiker:

    „Das ist wirklich unglaublich. Das ist unerträglich.“ Joachim Herrmann (CSU), Innenminister

    Herrmann verwies darauf, dass die Gewalt gegen Einsatzkräfte zunehme. „Unser Rechststaat muss diejenigen schützen, die uns alle schützen. Das haben die Männer und Frauen der Feuerwehren, der Rettungsdienste und auch der Polizei verdient“, erklärte Herrmann.“

    https://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/brennpunkt-englischer-garten-was-die-polizei-jetzt-plant-100.html

    Das spricht für eine gewisse Ratlosigkeit seitens der Politik und den Sicherheitskräften, die zwar hier eine organisierte Vorgehensweise mit Schwarmwirkung vermuten, aber das Phänomen nur deskriptiv beschreiben können und bei der Ursachen- und Motivationsanalyse plank sind.Zumal wohl auch die Befürchtung seitens der Counter-Insurgency darin besteht, dass solch eine organisierte Vorgehensweise noch breitere Massen von Jugendlichen, vielleicht auch an anderen Orten mobilisieren könnte, ja einen Flächenbrand auslösen könnte, der die Einsatzkräfte wie schon bei dem OEZ-Einsatz paralysieren könnte und sich vielleicht auch noch organisieren und radikalisieren könnte.

    Beängstigend ist hier – neben dem Vorfall an sich – tatsächlich der Fame-Faktor, der gelangweilte Jugendliche in anderen Städten zu ähnlichem mobilisieren könnte. Ich weiß jetzt nicht ob selbiger „Fight-Mob“ (oder wie auch immer man das Phänomen titeln möchte) in Problemvierteln anderer Städte (Köln, Frankfurt, Berlin…) ähnlich „harmlos“ verläuft oder ob Frankfurter Randalierer nicht drauf wetten, den größeren Zeitungsartikel in einem einschlägigeren Blatt zu „erhaschen“! Mit Glück bleibt´s beim (zweimaligen) Einzelfall und wir können uns wieder auf wirkliche Probleme konzentrieren.

    „Fight-Mob“-imteressanter Begriff. Erinnert mich wie auch das ganze Szenario etwas an den Fight Club (Film). Da waren ja auch lauter sinnentleerte Gestalten, die sich nicht mehr konstruktiv in die Gesellschaft einbringen konnten und ihre Aggressionen dann in Boxkämpfen oder anderen Gewaltexzessen austobten. Aber das war abgeschottet in irgendwelchen Hinterhöfen, anonym und untereinander, ohne Konfrontation mit der Staatsmacht und nicht massenmedial und mehr individuell–hier haben wir wirklich einen „Fight Mob“ als Flash Mob. Bliebe immer noch die Frage nach dem Motiv: Hooligans geht´s vornehmlich um ihren Fußballverein, Autonomen am 1. Mai oder beim G-20-Gipfel um politische Ziele, Neonazis um national befreite Zonen und abgefackelte Asylheime, hier aber beim „Fight Mob“bleibt ein Vorwand oder eine ersichtliche Motivation jedoch (noch) unartikuliert.

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  20. Jakobiner schreibt:

    Neues Phänomen in Berlin: Hausbesitzer pflanzen Spikes in die Gehwege, um Obdachlose zu vertreiben:
    http://www.sueddeutsche.de/leben/obdachlose-in-berlin-worte-statt-stacheln-1.3956148

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  21. genova68 schreibt:

    Die Deutsche Wohnen ist in den Dax aufgestiegen. Der Chef Michael Zahn sagt heute im Interview mit der FAZ:

    „Berlin hat das Beste noch vor sich“

    Es zeigt die Perfidität kapitalistischer Gesellschaften, dass solche Typen frei herumlaufen dürfen.

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