Warum Anklam einen Besuch lohnt

Ein hochinteressantes Gebäude in Anklam, Mecklenburg-Vorpommern. Es ist das Rathaus mit integrierter Bibliothek. Erbaut 1950 im Stil des „Sozialistischen Klassizismus“ lese ich auf der kommunalen Homepage.

Sozialistischer Realismus ist das, was im Ostblock gemacht wurde, bevor die Platte kam. Unter anderem die Stalinallee in Ostberlin. Eine konservative, rechte – oder vielleicht einfach eine nichtprogressive, antiemanzipatorische, herrschaftsaffine – Architektur, die dem Realsozialismus unter Stalin gemäß war.

So weit, so wenig erwähnenswert. Höchst bemerkenswert wird es jedoch, wenn man sich das rechte Drittel der Rathausfassade anschaut:

Die äußerst rechte Fensterspalte hat plötzlich kein mit Stein verkleidetes Gesims und keine Steinlaibung mehr, sondern hier kamen skurrilerweise nackte Stahlträger zum Einsatz, die nur beige gestrichen wurden. Das Gesims über dem Fenstersturz ist links auch durch einen Stahlträger – alle im gleichen Format – ersetzt, vermutlich ohne statische Funktion. Der Torbogen daneben ist genauso gefertigt. Gleiches gilt für den Fahrstuhleingang.

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In die Querseite wurden runde Fensteröffnungen angebracht, die mit sozialistischem Klassizismus nicht in Einklang zu bringen sind. Man hat hier ganz offensichtlich und bewusst moderne, dem eigentlichen Gestaltungswillen widerstrebende Elemente eingebaut.

Warum?

Meine Nachfragen im Rathaus zeigten ein komplettes Desinteresse an dem Gebäude. Das findet man doof, weil es aus der DDR ist, eine Stadtgeschichte ignoriert dieses phantastische Phänomen und der Stadthistoriker, an den man micht verwies, hatte gerade Mittagspause.

Hat hier ein subversiver Architekt seine Marke gesetzt? Gab es vielleicht bautechnische Mängel – Feuchtigkeit beispielsweise – und einige Jahre nach Einweihung des Gebäudes hat man ganz praktisch und preisgünstig nachgebessert? Vielleicht nachdem der sozialistische Klassizismus schon auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet war?

Die rechte Rathausseite ist durch diese Details zweifelsohne der interessanteste architektonische Aspekt in der ganzen merkwürdigen Stadt. Leider interessiert es keinen.

Innen wiederum dominieren dunkles Holz und ein skurriler Leuchter. Die unverkleidete Säule aus drittklassigem Sichtbeton aber fällt aus der Reihe:

Ob bewusst so gestaltet – vielleicht in Zusammenhang mit den Stahlträgern – oder einfach mangels Materialien roh belassen: ein weiteres Highlight der Stadt.

Die geschundene Stadt Anklam – sie wurde größtenteils im Frühjahr 1945 durch deutsche Bomber zerstört, die Angriffe auf die Stadt flogen, nachdem sie schon von alliierten Truppen eingenommen worden war – wäre gut beraten, sich um solche Details zu kümmern, als Alleinstellungsmerkmal sozusagen. Stattdessen versuchen sie dort, alte Häuser zu rekonstruieren, und das in einer schrumpfenden Stadt, die Neubauten nicht braucht. Anklam ist interessant, weil es schrumpft und DDR-Architektur und -Stadtplanung sichtbar ist. Statt das zu würdigen, will man eine Puppenstube. Vorwärts in die Vergangenheit. Wer sich für dieses reaktionäre Denken interessiert, dem sei das rechte Architekturforum Stadtbild Deutschland e. V empfohlen.

P.S.: Ich bin mir der Problematik des Begriffs „lohnen“ in der Überschrift bewusst. Vielleicht sollte man ihn künftig vermeiden.

(Fotos: genova 2015 und Architektur-Bildarchiv)

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13 Antworten zu Warum Anklam einen Besuch lohnt

  1. Leo Brux schreibt:

    Ich war in Anklam, im Juni letztes Jahr.
    Hab darüber zwei Artikel verfasst.
    http://blog.initiativgruppe.de/2017/06/19/anklam/
    http://blog.initiativgruppe.de/2017/06/20/anklam-2/
    In dem Rathaus war ich natürlich drin, denn da gibt es auch die Touristeninformation. Was dir, genova, aufgefallen ist, hab ich übersehen. Obwohl ich einige ruhige Minuten lang meinen Blick auf die vier Seiten des großen Platzes habe fallen lassen.
    Mein Grund für den Besuch in Anklam war ein anderer: Die NPD meint, in Anklam habe sie es geschafft, eine ausländerfreie Zone zu schaffen. NPD + AfD haben dort mehr als ein Drittel der Wählerstimmen bekommen.

    Du nennst die Stadt „merkwürdig“.
    Das wäre auch eins meiner Adjektive für Anklam.
    Was hast du außer der Architektursache noch merkwürdig gefunden?

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  2. genova68 schreibt:

    Danke für den Kommentar, Leo. Merkwürdig fand ich die Stadt, ja, aber nicht mit negativer Konnotation. Auffällig sind die vielen Baulücken und die Plattenbauten mitten in der Stadt. Es gibt Platz in Hülle und Fülle, den niemand braucht. Man versucht wohl, mit Fördermitteln Häuser in die Lücken und auf die Freiflächen zu setzen, wobei mir schleierhaft ist, wozu man bei abnehmender Bevölkerung neue Häuser braucht. Das läuft wohl so, dass im Gegenzug Platten abgerissen werden. Ich finde solche Städte immer interessant, weil sie etwas reißen müssen ohne die üblichen Voraussetzungen: Bevölkerungsanstieg und Tourismus und dann wird das Ganze touristengerecht entwickelt, was meistens in schnelle Konsumierbarkeit und Langeweile mündet.

    Anklam wird sich vermutlich touristisch nicht entwickeln, dazu sind Greifswald und Stralsund und die Ostsee einfach für die Masse attraktiver. Gegenüber des Rathauses steht übrigens eine Art Einkaufscenter aus den 90ern, da kam ein Westarchitekt und schwatzte den Leuten neue Projekte auf, es gehe jetzt massiv bergauf. Jetzt steht dort einiges leer und man ist sauer auf den Architekten, der kürzlich übrigens gestorben ist.

    Aber vielleicht gibt es dort auch interessante Entwürfe, ich will das nicht schlechtreden, weil ich nur einmal in Anklam war. Generell hat man in solchen Orten das Gefühl von Abgehängtsein, viele einfach gestrickte Leute, was keine Herabsetzung sein soll. Allerdings mit, wie du auch schreibst, einem hohen rechtsradikalen Anteil. Die Fitten ziehen weg, die Situation verschärft sich.

    Aber in einem gewissen Sinn sind mir diese Orte lieber als die vielen kleinen schnuckeligen Wohlfühl-Oasen in Süddeutschland. Es ist authentischer, weniger verkleidet.

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  3. Leo Brux schreibt:

    Wenn du die Wahl treffen müsstest – Anklam oder Cham (im Bayerischen Wald) – oder nimm eine beliebige andere bayerische oder baden-württembergische oder schleswig-holsteinische Kleinstadt an der Grenze, die du kennst –

    würdest du ihnen wirklich Anklam als Lebensmittelpunkt vorziehen?

    Ich würde mich da ausgegrenzt fühlen – und gefährdet. Mein Gefühl in Anklam war: DAS ist nicht Deutschland, ich bin da fremder, als ich es in einer italienischen oder französischen Kleinstadt wäre. Die würden mich nach einigen Monaten steinigen.

    Ich sehe schon auch das Problem der Kommerzialisierung in erfolgreichen Kleinstädten wie Rothenburg ob der Tauber oder Stein am Rhein. Nur, was hast du gegen Oasen? Und gegen Bürger, die sich (wie ich) gerne wohlfühlen?

    Wär ich boshaft, würde ich fragen: Bist du neidisch? – Aber ich bin natürlich im Privaten (!) nicht so boshaft, schließlich bin ich ausgewiesener Gutmensch, also frage ich das nicht …

    Nachdem ich das also, ähem, NICHT gefragt habe, frage ich – ersatzweise politisch (!) boshaft – etwas anderes: Du ziehst also Kleinstädte vor, die sich selbst dem Untergang geweiht haben. Weil das ja nun „ehrlicher“ ist?

    Anklam – ist man irgendwo in Deutschland mehr „Deutsch“ in dem negativen Sinne, den du immer wieder in deinen Beiträgen hervorhebst?

    Dazu kommt dann noch:

    „Die Leute hier lassen sich hängen.“
    „Ein Ausländer aus Frankreich oder Schweden, das geht hier schon. Aber ein Schwarzer, nein, das geht hier nicht.“

    Zwei sinngemäß zitierte Äußerungen des jungen Mannes, mit dem ich in Anklam zwei Stunden lang geredet habe.

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  4. genova68 schreibt:

    Klar lassen sich die Leute in Anklam hängen, sonst wären sie nicht in Anklam. Das ist doch überall das gleiche, aus abgehängten Regionen ziehen die Aktiveren weg. Du hast gut reden, du Münchner! :-)

    Cham wäre mir zu kalt, das ist ja schon Sibierien, da musst du mir was anderes anbieten.

    Ich habe nichts gegen Oasen, aber ich denke, in erfolgreichen Kleinstädten gibt es schnell so eine banale Bräsigkeit, das wäre sicher nichts für mich. Und Städte wie Anklam, Duisburg und Ludwigshafen sind mir sympathisch, sie sind interessant, man kann gut fotografieren, es gibt Differenz, die sind nicht satt, es gibt etwas zu entdecken. In Stein am Rhein vermutlich nicht. Seien wir ehrlich: Kleinstädte sind die letzte Scheiße, verlogen, verspießt, selbstzufrieden, und wäre ich Thomas Bernhard, würde ich hinzufügen: durch und durch nationalsozialistisch. Aber wohnen will ich in all den genannten Städten nicht, sondern in Berlin innheralb des S-Bahnrings oder im südlichen Ausland. Berlin innerhalb des S-Bahnrings ist gewissermaßen schon Ausland, Gott sei Dank. Mein Bewegungsfeld erstreckt sich größtenteils auf Kreuzberg, Friedrichshain und Mitte, das soll auch so bleiben. Fährt man aus diesem Bereich raus, wohmöglich gar aus der Stadt raus, merkt man, dass Deutschland ganz anders ist und will zurück.

    Ich bin also nicht neidisch. Ich wohne nicht in Anklam. Wie die Leute da drauf sind, kann ich nach drei, vier Stunden nicht sagen. In Winter ist es dort sicher hardcore. Aber hardcore ist zumindest interessant.

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  5. Leo Brux schreibt:

    Also, in Rothenburg könnte ich gut leben, in Anklam nicht. Meinst du nicht, das dass auch für dich gelten könnte? In Rothenburg würde man dich nicht bedrohen. In Anklam wärst du deiner körperlichen und seelischen Gesundheit nicht sicher.

    Ich finde die Leute in diesen durchaus konservativen und selbstsicheren Kleinstädten nicht „faschistisch“, sondern angenehm menschlich, auch weltoffen und eher kulturell großzügig. (Ich kenne sie u. a. aus der Heimat meiner Mutter, Pfaffenhofen an der Ilm, sowie aus Partenstein im Spessart, wo eine meiner Schwestern lebt.)

    Thomas Bernhard ist so ziemlich der letzte Schriftsteller, den ich lesen möchte. Ich hab es ein paar Mal versucht (wissend, dass er auf hohem Niveau schreibt) – und bin gescheitert. Ich bin halt ein „positiver“ Mensch. Bernhards monomanisches penetrantes verachtungstriefendes verbiestertes Miesmachen von so ziemlich allem halte ich für KRANK. So wie auch die Battle-Rap-Texte eines Kollegah.

    Wenn Menschen sich auskotzen, neige ich zum Wegschauen und Weghören. Nichts dagegen, wenn du nicht dazu neigst.

    Als Symptom sind diese Kotzprodukte und diese Kotzerei ja auch interessant. Nur – will ich unbedingt auch noch selber kaputt sein und mitkotzen? Ich hab nur ein Leben, ein einziges Leben. Ich würde auch anderen raten, nicht mitzukotzen.

    Leider ist dieses Kotzen ansteckend. Ich sehe darin eine Gefahr für die Gesellschaft. Also bin ich auch aus politischen Gründen gegen alle Kotzrhetorik.

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  6. genova68 schreibt:

    Nur kurz, weil ich keine Zeit habe:

    Wenn du dich nicht auskotzt, bleibt die Kotze in dir. Das ist ungesund.

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  7. Leo Brux schreibt:

    Da muss ich gegenhalten: Warum sollte ich mich so zur Welt und zu den Menschen stellen, dass in mir der Reiz zum Kotzen entsteht?

    Meines Wissens kotzen Menschen, wenn sie zuviel gesoffen haben. Da rate ich dann zur Nüchternheit.

    Oder sie kotzen, weil sie was Falsches gegessen haben. (Was könnte das sein, genova?)

    Wenn ich kotzen muss, vermute ich erst einmal, dass ICH was falsch gemacht habe, und ich lerne daraus.

    Für den Fall, dass ich ZEUGE des Kotzens anderer werde, schaue ich schnell weg. (Könnte ein Problem sein, wenn man das metaphorisch versteht: Der politisch umsichtige Beobachter sollte hinschauen, wenn anderen politisch das Kotzen kommt. Aber dann kotze ich vielleicht mit, WEIL die andern kotzen – und nicht aus dem Grund, weil SIE kotzen. Ich entscheide mich dann dafür, öffentlich GEGEN das Kotzen zu plädieren.)

    Für den Fall, dass ich krank bin und kotzen muss, geh ich zum Arzt. Damit ich nicht mehr kotzen muss.

    Also, genova, such den Fehler bei dir und nicht bei den anderen.

    Wer kotzt, hat – letztlich – unrecht.

    Wer wischt die ganze Kotze weg?
    Möchte ich in einer verkotzten Umwelt leben?

    Die, die kotzen, versauen die soziale und die geistige Umwelt.

    Mich hat die Welt netterweise so erzogen, dass ich eben diese Welt und die Menschen in ihr nicht zum Kotzen finden muss. Ich weiß, das ist nicht meine Leistung, sondern die der Menschen, die für mich im Leben wichtig waren, und die Leistung der Verhältnisse, in denen ich aufgewachsen bin. (Ich hab mich nicht so gemacht, wie ich bin. Also kann ich meiner Welt nur Danke sagen.)

    Dieser Beitrag ist in herzlicher Freundschaft gewidmet
    allen Kleinbürgern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, die in kleinbürgerlichen Kleinstädten leben
    und die von genova so herzlich verachtet werden.

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  8. genova68 schreibt:

    Bernhard ist Kunst, Sprachkunst vom Feinsten. Du hast ihn schlicht nicht verstanden, wenn du das als Kotze und ihn als krank bezeichnest. Warum ist jemand krank, der deiner Meinung nach auf hohem Niveau schreibt? Kunst muss offenbar positiv sein, damit du sie nicht als krank bezeichnest. Und die Gleichsetzung mit diesem Kollegah, nun ja. Reimt der auch auf hohem Niveau? Was hälst du eigentlich von Martin Kippenberger? Vermutlich auch nicht viel.

    Anklam oder Rotenburg, ick wees nich, törnt mich beides nicht an. Die AfD hatte in Rothenburg bei der Bundestagswahl übrigens 12 Prozent. Und das ohne Abgehängtsein.

    Die Kritik an den Kleinstädten hat nichts mit Kleinbürgerkritik zu tun. Ich meine eher die selbstzufriedenen Spießer, die es geschafft haben.

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  9. Leo Brux schreibt:

    Man kann auch krank auf hohem, auf höchstem Niveau schreiben. (Ich bestreite die hohe Qualität der Prosa von Bernhard nicht.)

    Ich finde es aber unangenehm, wenn ich in Kotze waten muss.

    Die 12%, die in einem Städtchen wie Rothenburg ob der Tauber AfD wählen, gehören wohl eher NICHT zu den SELBSTZUFRIEDENEN, sondern zu den sich bedroht fühlenden, verunsicherten, verwirrten, aggressiv werdenden Kleinbürgern.

    Die selbstzufriedenen Kleinbürger sind mir da lieber. Unter denen kann ich leben. Bei denjenigen Spießern, die wild geworden sind, dürfte das für einen wie mich und einen wie dich gefährlich werden.

    Aber DEN Unterschied scheinst du noch nicht richtig würdigen zu können.

    Wie schlimm
    müssen die UNZUFRIEDENEN und darum WILD WERDENDEN Spießer werden, bis du merkst, dass es
    jetzt
    nicht mehr um die
    Ästhetik,
    sondern um die
    Existenz
    geht?

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  10. genova68 schreibt:

    Mir egal. Hauptsache die Sonne scheint und es gibt geile Weiber.

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  11. kalo schreibt:

    Das mit dem ‚Sozialistischen Klassizismus‘ hat jemand erfunden, der den Auftraggebern der Website über war – im Flunkern …
    Auch ‚Sozialistischer Realismus‘ ist nichts Passendes, das gehörte der Bildenden Kunst an (was sollte bei Architektur ‚Realismus‘ sein??). Wundert mich, daß ein Kenner wie genova so etwas glaubt.

    Das unbefangene Auge sieht doch hier eine ungebrochene Fortsetzung eines Stils, der 1935 etc. im Schwange war. Ich mache mir mit meiner Architktenfreundin immer den Spaß, beim Spazierengehen zu wetten, ob das da nun 30er oder 50er Jahre sei – es ist zum Verwechseln ähnlich. Dieses Rathaus ist gebaut worden, ehe jemand über den gerade politisch korrekten Stil entschieden hatte. Da kam ein etabliertes Büro zum Zuge, das schon 1935 …

    Die DDR war erst 1950 so weit, überhaupt ein politisch definiertes Konzept für Architektur und Städtebau zu beschließen. Bis dahin nahm man, was man hatte. Kleine Anregung: https://www.jungewelt.de/artikel/303570.die-ddr-hat-kein-anderes-berlin-gebaut.html

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  12. Jakobiner schreibt:

    Ich kenne mich nicht sonderlich mit Thomas Bernhard aus, habe nur einmal sein Stück „Der Theatermacher“gesehen. Wirklich ein ziemlich manisch-monoligiesierendes Abgekotze eines vermeintlich verkannten Genies über Spießer und was man dafür hält. Nicht eine Idee, was man ändern könnte, ein einziges Gejammer. Da er aber Österreicher wie die Jellinek ist, gilt dies unter Intellektuellen ja als besondere lokale Note, die man rücksichtslos gutheißen müsse, wie man auch den Wiener Humor und Schmäh bedingungslos gut finden soll und ungeprüft über den Klee lobt.Da hatte Wolfgang Ambros „Der Watzmann ruft“mehr Inhalt.

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  13. genova68 schreibt:

    kalo,
    sozialistischer Klassizismus (SK) (von Realismus habe ich nicht gesprochen, den Begriff kenne ich nicht auf die Architektur angewandt, und in der Malerei ist der Begriff des Realismus doch in Ordnung und anerkannt) ist natürlich mit dem NS-Klassizismus verwandt, so wie Hitler mit Stalin verwandt ist. NS-Architektur ist noch monotoner, massiver, einschüchternder, siehe Reichsluftfahrtministerium in Berlin. Allerdings war das Problem ja weniger die NS-Architektur als vielmehr der NS-Städtebau, der vor allem gigantomanisch war.

    SK hat sich als Begriff gefestigt, oder? Das hat nichts mit Websiteauftraggebern zu tun. Man könnte streiten, inwieweit das Rathaus in Anklam zu dieser Kategorie gehört, da der SK eine leicht kitschige Dimension hatte. Die Nüchternheit sollte durch verspielte, schörkelige Details gemildert werden, alles für den Arbeiter. Der Stil wurde somit nicht von innen heraus entwickelt, sondern es wurden nur mehr oder weniger billige Details drangepappt. Das Rathaus ist vor allem bieder, einfallslos, und vormodern, ohne historistisch zu sein. So eine Art ins Konservative gewendete Neue Sachlichkeit.

    Der Zusammenhang zwischen den 30ern und den 50ern vor der Wende ist offensichtlich, ja, sowohl in der DDR als auch in der BRD, wo der International Style mit Verzögerung kam. Du kannst das Spiel mit deiner Freundin aber auch auf die späten 20er ausweiten, Neue Sachlichkeit, was einen deutlichen Umschwung zu den frühen 20ern sichtbar macht. Man könnte sagen, dass der entscheidende Umschlag in der Architektur Mitte der 20er einsetzte und nicht erst 1933. Und nach 45 eben erst nach Stalins Tod und im Westen auch etwa Mitte der 50er.

    Das Interview mit Flierl wäre sicher lesenswert, es ist aber leider hinter einer Paywall versteckt.

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