Die Quandts oder: besondere geistige Leistungen

Kürzlich im Spiegel:

Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten erhalten von BMW in Kürze 1,1 Milliarden Euro aufs Konto. Hintergrund: Der Autokonzern hat im vergangenen Jahr 8,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Nach dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat sollen 30 Prozent davon als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Stefan Quandt besitzt 25,8 Prozent der Stammaktien und erhält nach der Hauptversammlung 622 Millionen Euro, seine Schwester Susanne Klatten bekommt für ihre 20,9 Prozent der Anteile 504 Millionen Euro.

Frau Klatten besitzt schon rund 15 Milliarden Euro, wobei diese Schätzung mittlerweile ein paar Jahre alt ist. Jetzt sind es 622 Millionen mehr. Und nächstes Jahr wird sich das Spielchen wiederholen. Selbstredend spenden die Quandts eifrig an Parteien, vor allem an die Union und die FDP. Die größte Gefahr für deren Vermögen wären Politiker, die nicht korrupt sind. Aber keine Sorge, davon gibt es nicht so viele.

Die frische Milliarde der Geschwister muss nun sicher angelegt werden. Vielleicht in Immobilien in deutschen Trendstädten? Da geht sicher noch was.

Frau Klatten hat selbstverständlich eine Stiftung, die irgendwas Gutes tut und dafür steuerbefreit wird und außerdem engagiert sie sich an der TU München. Die bedankte sich, allen Ernstes, mit einem Susanne-Klatten-Stiftungslehrstuhl.

Frau Klatten erhielt 2005 – auch das ist kein Scherz – das Bundesverdienstkreuz am Bande. Das bekommt man laut Wikipedia für „besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet“.

Offenbar läuft das so: Je mehr man dem Gemeinwesen schadet, je massiver man sich auf Kosten anderer bereichert, desto wahrscheinlicher gilt das in diesem Land als eine besondere Leistung auf – man kann es sich nun aussuchen – politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet. Vielleicht ist die geistige Leistung dieser Leute die größte. Nämlich, es geschafft zu haben, dass man sich so unverfroren bedienen kann, ohne Widerspruch hervorzurufen. Das ist in der Tat eine Leistung.

Diese Gesellschaft hält sich für aufgeklärt und findet kein Wort des Widerspruchs, wenn sie solche Meldungen liest. Frau Klatten und ihr Bruder sind von Beruf Tochter und Sohn, sie haben ein riesiges Vermögen geerbt und die Lektüre des Wikipedia-Artikels zur Quandtfamilie reicht, um die Struktur dieses demokratischen und sozialen Bundesstaats namens Deutschland zu erkennen. Eine Gesellschaft, die nicht komplett neoliberal paralysiert wäre, würde solche Aktionen schlicht nicht tolerieren.

Es geht hier, das nur nebenbei, nicht um Neid. Es geht darum, dass andere für das Geld arbeiten müssen. Es ist eine gigantische und völlig legale Ausbeutung. Diese Leute sind nur reich, weil viele andere arm sind. Und diese Ausbeutung verschärft sich mit jedem Euro, den diese Leute zusätzlich bekommen. Dass Geld hier nur noch Fetisch ist, könnte als Nebeneffekt einer kapitalfetischaffinen Gesellschaft bezeichnet werden.

Im Kommentarbereich hier wurde kürzlich diskutiert, ob man diesen Staat einen Scheißstaat nennen darf. Ich würde behaupten, es gibt in der Tat einen Grund, diesen Staat nicht Scheißstaat zu nennen – nämlich der, dass man ihn Scheißstaat nennen darf.

Ansonsten ruht man sich hierzulande seit mindestens 20 Jahren auf den Errungenschaften aus, die andere vor uns erreicht haben. Die Idee der Einrichtung eines öffentlichen Bibliothekensystems beispielsweise wäre heute reine Utopie. Das gleiche gilt für Wohnungsbaugenossenschaften und die sozialen Sicherungssysteme. Keine Chance auf Realisierung. Das Kapital wirkt, verbunden mit dem, was sich vermutlich selbst für die politische Elite hält, parteiübergreifend auf eine Peu-á-Peu-Zerstörung sinnvoller Strukturen hin.

Die Quandts dieses Landes wollen schließlich auch weiterhin finanziert werden.

(Foto: genova 2017)

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13 Antworten zu Die Quandts oder: besondere geistige Leistungen

  1. schlingsite schreibt:

    Am bedenklichsten ist weniger das Geld, sondern der Einfluss auf die Lebensgestaltung anderer, der keinerlei moralischer Rechtfertigung bedarf. Umgekehrt bestimmt ja auch niemand wie sie leben sollen.

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  2. Hugo schreibt:

    „Die Idee der Einrichtung eines öffentlichen Bibliothekensystems beispielsweise wäre heute reine Utopie.“
    Ohne jetzt die DDR glorifizieren zu wollen; da gabs in so ziemlich jedem Weiler eine (kleine) öffentliche Bibliothek mit der Möglichkeit der „Fernleihe“ über die Kreisbibliothek. Hab ich hier im Dorf (ca. 200 EW) als kleiner Hugo auch regelmäßig genutzt, sprich, die dort damals vorhandenen Kinder- und Jugendbücher so ziemlich alle gelesen. Heute müsste ich in die 15 km entfernte Kreisstadt, das war anfang der 90er zu Gymnasiumszeiten noch i.O. weil ich dort eh jeden Schultag war. Gibt zwar noch eine im Hauptort der Großgemeinde mit einmal die Woche zwei Stunden auf, die haben aber eher als Zielgruppe Kids und Leute wo Konsalik o.ä. (ohne das abzuwerten was gerne gemacht wird) lesen. SPIEGEL, oder ne (Populär-)Wissenschaftszeitschrift können die dort aber nicht haben, da Zwangshaushalt, weil u.a. zwei Automobilzulieferer mit ihren Hauptstandorten in der Großgemeinde „geschluckt“ wurden und demzufolge hier keine Gewerbesteuer mehr zahlen.

    Ja, die BRD ist ein Scheißstaat, weil sie dem Teufel auch noch große blinkende Schilder aufstellt, wenn er dahin muß wo auch der Kaiser zu Fuß hingehen musste!

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  3. hANNES wURST schreibt:

    Die Quandts tun mehr für arme Leute als mancher ALG 2 Empfänger

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  4. Leo Brux schreibt:

    Nun ja, genova, du hast wieder einmal bewiesen, dass die Welt im allgemeinen und Deutschland im besonderen kein Paradies ist.

    Das muss man schon immer wieder betonen.

    Ich will also keinesfalls widersprechen.

    Sondern noch zwei Beispiele hinzufügen, die bestätigen, dass die Welt WIRKLICH kein Paradies ist.

    1. Beispiel: München.

    Da steht am Wittelsbacher Platz – die Siemens-Zentrale. Und mitten auf dem Platz das Denkmal unseres bayerischen Vampirs Nummer Eins: Herzog/Kurfürst Maximilian. Bekanntlich einer der Hauptverantwortlichen für den 30jährigen Krieg. Im übrigen sowas wie ein katholischer Taliban.

    So EHRT man einen Verbrecher.

    Läge es nicht nahe, an gleicher Stelle ein Denkmal für die Opfer dieses monströsen Monarchen anzubringen?

    2. Beispiel Bamberg.

    Bamberg ist unter anderem berüchtigt für das größte Hexenmassaker in der deutschen Geschichte. 1626-31 etwa, um die 600 Bamberger effizient exzessiv gefoltert, geständig gemacht und dann bei noch irgendwie lebendigem Leib verbrannt. Die Dokumente beschreiben Fall für Fall – eine Lektüre, die fassungslos macht.

    Verantwortlich: der Fürstbischof Johann Georg Fuchs von Dornheim.

    Einer der offensichtlichen und einer der übelsten Verbrecher in der deutschen Geschichte.

    Ich besuche den Dom. Ein faszinierendes Gebäude, innen und außen. Stundenlang treib ich mich rum, lese hunderte Seiten. Im Dom u. a. der Bamberger Reiter. Und – UND das Grabdenkmal dieses Hexenbrenners Dornheim.

    Kein Domführer (das Führungspersonal hab ich nicht ausprobiert) weist darauf hin, aber das Denkmal in der NW-Ecke ist kaum zu übersehen, wenn man herumgeht und sich mal alles genau anschaut.

    (So ziemlich jedes Steinwerk im Dom wird in den Büchern genannt, wird beschrieben – des Dornheim peinliche Präsenz verschweigt man schamhaft.)

    Ein Grabdenkmal EHRT. Man EHRT den Hexenbrenner.

    Antiquarisch kaufe ich mir Band 6 der „Geschichte des Bisthums Bamberg“, veröffentlicht 1906. Die Seiten 33-82 beschreiben die Vorfälle anhand von Dokumenten. Neutral. Seite um Seite so, als ob diese Leute, die ja alle gestanden haben, tatsächlich in Teufels Auftrag Unheil gestiftet hätten. Ganz zum Schluss kommt dann doch noch eine kritische Wertung: Der Teufel sei tatsächlich am Werk gewesen, aber indem er in den Weihbischof und in den Fürstbischof gefahren sei und sie missleitet habe. Schuld am Hexenwahn war niemand anderes als der Teufel persönlich.

    Das erspart die Frage nach den irdischen Ursachen, nach den Motiven, nach den Hintergründen – die ja wohl auch mit dem christlichen Glauben zu tun haben …

    Wäre es nicht angemessen, neben das Grabmal Dornheims einen Hinweis auf sein mörderisches Wirken anzubringen? Vielleicht auch ein kleines Denkmal für die Opfer?

    Die EHRUNG von Frau Klatten passt in das historische Muster. Ob einmal die Zeit kommt, in der die Perversion des Bundesverdienstkreuzes für eine wirtschafts- und sozialkriminelle Person erkannt wird? Man könnte aber auch anmerken, dass sich ihr Treiben weniger blutig abgespielt hat als das der beiden von mir erwähnten Fürsten.

    Es gibt aber auch Ausnahmen. Hitler und seine Mitarbeiter. In Russland scheint jetzt Stalin wieder zu EHREN zu kommen. Ich schätze mal, das wird mit Hitler bei uns nicht passieren.

    Mit unseren diesbezüglichen Gedenkstätten haben wir Deutsche in Deutschland ein positives Beispiel gesetzt. Soweit ich sehe, sind wir da eine Ausnahme in der Welt.

    Zum Paradies reicht das nicht. Aber immerhin …

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  5. dame.von.welt schreibt:

    Mit unseren diesbezüglichen Gedenkstätten haben wir Deutsche in Deutschland ein positives Beispiel gesetzt. Soweit ich sehe, sind wir da eine Ausnahme in der Welt.
    Zum Paradies reicht das nicht. Aber immerhin …

    Das reicht nicht nur nicht zum Paradies, sondern allenfalls zu einer Art Weltmeistertitel in der Disziplin Kranzabwurfstellen. Deutsches Gedenken an die Verbrechen im 3. Reich verläuft ritualisiert und es erreicht jüngere Generationen wenig bis gar nicht.

    „Nie wieder“ hätte zur Voraussetzung, daß sich jede/r die im 3. Reich überdeutlich gewordenen menschlichen Möglichkeiten bewußt macht und das hieße zuallererst und immer die eigenen menschlichen Möglichkeiten. Stattdessen verkaufen „wir Deutsche“ u.a. Waffen in alle Welt, bleiben von aktuellen Genoziden gänzlich ungerührt, sind in Schockstarre angesichts des rechten Durchmarsches in Europa und den USA und merken noch an, daß sich die BMW-Zwangsarbeit und -Kriegsgewinnlerei, die ihren Anteil am obszönen Reichtum der Quandterben haben, „weniger blutig abgespielt hat als das der beiden von Ihnen erwähnten Fürsten.“ Was ich nebenbei bemerkt für Schönfärberei halte – BMW hat mächtig am WW2 verdient und in die Nähe dieser Blutmenge kommt kein Fürstbischof und kein Kurfürst.

    Was nicht heißen soll, daß ich Gedenkstätten und vor allem die Kontextualisierung vergangener ‚Heldentaten‘ nicht für wichtig hielte. Aber spätestens die Tellkamp-Debatte sollte doch deutlich gemacht haben, daß Bildung im Zweifel vor rein gar nichts schützt. Besagte Bewußtmachung der menschlichen Möglichkeiten hat mit Bildung auch nur zum Teil zu tun, die halte ich weit eher für einen schmerzhaften und anstrengenden psychischen Prozess, der nicht zuletzt daran scheitert, daß die meisten sehr bequem sind und lieber nur das Beste von sich selbst annehmen.

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  6. genova68 schreibt:

    Ich wollte in dem Artikel eigentlich gar nicht auf die deutsche Gedenkkultur kommen, das ist ein anderes Thema. Russland und Stalin, tja, das Land ist merkwürdig gebeutelt und vielleicht einfach zu groß. In Deutschland zumindest ist die Neue Rechte auf dem besten Weg, die 180-Grad-Wende zu vollziehen, und das nicht nur in einer kleinen Ecke.

    Danke für deine beiden Beispiele, Leo.

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  7. Hugo schreibt:

    @ Genova, nuja, den wohl relevanten Haufen (also den wo der Teufel erstmalig für würdig befindet s.o.) hat Opa Günther Quandt im 3.Reich aufgetürmt und eigentlich das Bundesverdienstkreuz kriegen müssen, so rein aus der Logik ;) …

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  8. Jakobiner schreibt:

    Lesetip für Genova: In Berlin Kreuzberg gibt es jetzt eine Ausstellung über die damalige Hausbesetzerszene und wie diese zu Hausbesitzern wurden–vielleicht sehens- und berichtenswert:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wandel-eines-stadtteils-berliners-szenebezirk-ist-zum-touristenziel-mutiert-15530944.html

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  9. genova68 schreibt:

    Aus dem FAZ-Artikel:

    Noch immer fliegen Pflastersteine, wenn der bayerische Hotelier Dietmar Müller-Elmau am Oranienplatz ein gehobenes Hotel eröffnet. Die verhasste „Aufwertung“ dürften die Steinewerfer damit eher beschleunigen: In dem Bewusstsein, dass ein paar hundert Meter weiter die Fensterscheiben klirren, schmeckt der Burger unter der Hochbahn vielen der braven Erlebnistouristen noch besser.

    Das trifft die Situtation ganz gut. Selbst die Autonomen, selbst die Szene, die ganz bewusst Gewalt einsetzt, um das System abzuschaffen, trägt mit jedem Stein zur Aufrechterhaltung und zur weiteren Festigung des selbigen bei. Es gibt keinen Widerstand mehr, weil der Teil der Vermarktungsstrategie ist. Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie ein Polizeieinsatz gegen die Rigaer Straße oder andere Brennpunkte über Stunden hinweg stattfindet – man hört Hubschrauber und Polizeisirenen – und ein paar hundert Meter weiter wird gefeiert, völlig unabhängig vom Geschehen. Oder abhängig dahingehend, dass man es cool findet, dass es action gibt. Die Krawalle am ersten Mai laufen exakt so: Schlanke, wendige Gestalten zünden irgendwas an, sofort kommen Touristen und gucken und dann die Polizei, die sich ein paar Scharmützel liefert. Der Staat als Erlebnisgarant und gleichzeit als Beleg dafür, dass hier doch alles ganz liberal ist und man keinen Grund zum Protest hat.

    Widerstand in einem kapitalistischen System kann vielleicht nur via Verweigerung gehen.

    Interessant dabei sind Leute wie dieser Kollegah, also die Pöbel-Rap-Szene. Die inszenieren den totalen Konsum im ethik- und geistfreien Raum, mit dem alleinigen Vorsatz, dass der Stärkere gewinnt. Es ist die Präsentation einer bewusst verachtenswerten neoliberalen Gesellschaft, in der diese Leute sich obenauf fühlen. Eigentlich konsequent, vielleicht das effektivste Mittel, um diesem kaputten System den Spiegel vorzuhalten. Bewusst faschistisch auftretend zeigen sie die Grenzen des Etablierten, zumindest für alle Nicht-Schläger. Das Kapital zieht naturgemäß auch daraus seine Rendite, aber es sorgt recht effektiv dafür, dass man angesichts dieses Nachwuchses ins Grübeln kommt. Eine neoliberale Generation par excellence.

    Hugo,
    ja, das Stammkapital, aus dem nun Tochter und Sohn ihre Milliarden ziehen, also ihre Ausbeutung legitimieren, ist unter den Nazis zusammengesammelt worden, auch via Arisierung. Dass Quandt sein Vermögen behalten konnte ist auch ein interessanter Teil deutscher Erinnerungskultur.

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  10. Jakobiner schreibt:

    Formiert sich jetzt eine Mieterdemobewegung, die von Berlin auf andere Städte übergreifen wird?
    Oder sind das nur die üblichen Verdächtigen und das bleibt eine einmalige, begrenzte Aktion?
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-04/berlin-demonstration-mietenwahnsinn-tausende-protestieren-gegen-hohe-mieten

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  11. genova68 schreibt:

    Ich bringe morgen etwas dazu.

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  12. Jakobiner schreibt:

    Gestern war eine Demo in Berlin gegen zu hohe Mieten und Gentrifizierung. 2016 und 2017 gab es auch schon solche Demos, aber es beteiligten sich gerade mal 100-300 Leute. Nun 14000 (laut Polizei)-25000 (laut Veranstalter). Nicht die üblichen Verdächtigen der Hausbesetzerszene und des autonomen Schwarzen Blocks, sondern einfache Bürger–junge und alte Paare, Rentner, Behinderte, etc. Mal sehen, ob sich die Demos ausweiten oder gar auf andere Städte überspringen. Bleibt abzuwarten, ob dies ein einmaliger Protest ist oder sich zur Massenbewegung ausweitet. In den 80er Jahren waren es vor allem einige Hunderte Hausbesetzer, die bundesweit für Schlagzeilen sorgten, etwa in der Hamburger Hafenstrasse, während in Bayern Strauss die Parole ausgab, dass kein Haus länger als 24 Stunden besetzt bleiben würde- und so gechah es auch im Freistaat. In den 80ern gab es auch studentische Demos gegen „Wohnklos“. Da aber die Hausbesetzer Linksradikale waren und die anderen Studenten, die nur für sich, aber nicht für die Allgemeinheit Wohnungen forderten, blieb der Protest isoliert. Ja BILD wetterte gegen die priviligierten, faulen Gammelstudenten, die mittags verhascht spät aufstehen und nur an sich denken würden. Diesmal scheint der Protest aber anders strukturiert. Bleibt auch abzuwarten, ob AfD und Rechtsradikale versuchen werden die Proteste zu kappern–vielleicht mit Slogans gegen Flüchtlinge: Wohnungen zuerst für Deutsche oder so. Zudem eben „Merkel muss weg“! Dass der neue Staatssekretär von SPD-Finanzminister Scholz da ehemaliger JuSo war und dann der Deutschlandchef von Goldmann Sachs, die ja auch bei Immobilienspekulationen mitmischen, könnte da der ideale Aufhänger sein. Aber der Wohnungsbauminister heißt Seehofer.Mal sehen, ob der auf den Protest reagiert oder abwartet in der Hoffnung, dass sich das wieder verläuft.Mit einer Demo im Jahr lässt sich ja gut leben als Politiker.Bin schon gespannt auf deinen Beitrag.

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  13. Jakobiner schreibt:

    Seitens der rechten Parteien könnten dann die 890 000 Flüchtlinge und die im Zuge der EU-Freizügigkeit zugereisten ausländischen Mieter für die Wohnungsmisere verantwortlich gemacht werden, obgleich die ja schon zuvor existierte und dadurch verschärft wird. Dann wäre dies schnell eine Inländer-/Ausländerfrage, hieße es wie bei der NPD „Sozial geht nur national!“ mit Forderungen nach Massenabschiebungen, Begrenzung des Familiennachzugs, Einschränkung der EU-Freizügigkeit, Zuzugsstopp für schon dicht besiedelte Städte, Wohnungsgeld nur für Deutsche, Unterbringung der Flüchtlinge in Massenunterkünften, damit sie den Wohnungsmarkt nicht belasten anstatt soziale Forderungen wie Mietpreisbremse, sozialer Wohnungsbau, Bindung des Wohneigentums an die Gemeinnützigkeit des Grundgesetzes, gesetzliche Regulierung von Spekulationsobjekten, etc. Zu den Mietgeschädigten und Wohnungssuchenden kommen auch noch 650 000 Obdachlose in Deutschland, deren Not auch als naturgegebene Größe eines freien Marktes angesehen wird.

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