Predappio: L´altro lato dell´Italia

Zwischen Bologna und Rimini liegt Predappio. Es lohnt eine Reise, weil es einerseits in dem Ort mit gerade mal 6.000 Einwohnern viel gute rationalistische Architektur gibt. Andererseits ist Predappio der Geburtsort Benito Mussolinis. Der sorgte dort für die Errichtung rationalistischer Architektur, bevor sein architektonischer Geschmack rein faschistisch, also megaloman wurde.

Die Architektur ist also sehenswert, auch, weil dort klar wird, dass rationalistische Architektur keine faschistische ist. Die hat Mussolini später verwirklicht, im römischen Stadteil EUR beispielsweise, oder in den neugegründeten Kleinstädten in den Sümpfen südlich von Rom; Sabaudia heißt eine von ihnen.

In Predappio sieht es so aus:

Links eine Art Gemeindebau mit einem Quasi-Kirchenersatzturm. Ziegel mit einem Travertingerüst, dazu ein formalisiertes Eingangstor.

Die angedeutete runde Ecke als modernes Element, wobei, ähnlich wie im ersten Bild, der Architektur die letzte Eleganz und Leichtigkeit fehlt. Das Gesims ist wuchtig, die Fensterleibungen sind tief, der Sockel ist hoch abgesetzt, die Pilaster sind mächtig. Man könnte das als Vorwegnahme dessen deuten, was kam.

Das kommunale Kino fällt auch nicht aus dem Rahmen. Bemerkenswert ist die überhohe, renaissanceartige Fassade.

Die andere Seite Predappios sind zahlreiche Mussolini-Gedenkshops. Schade, dass die Italiener es offenbar nie geschafft haben, faschistische und NS-Symbole zu verbieten.

„Glauben, gehorchen, kämpfen“, „La mia battaglia“, „Blut und Boden müssen verteidigt werden“, das deutsche „Wir sind das Volk!“ gegen „Volksverräter“ ist hier schlicht „Für oder gegen uns“. „Gott sei Dank bin ich Italiener“ könnte schon fast Heiterkeit erzeugen.

Das Shopklientel macht nicht gerade den seriösesten Eindruck, Fußballfans waren auch dabei. Menschen, die auf den ersten Eindruck aggressiv sind. Väter erläutern ihren Kindern in aller Ruhe die Vorteile der einen Duce-Büste gegenüber der anderen. Interessant war, dass man in den Läden auf Nachfrage problemlos fotografieren konnte. Niemand vermutete in mir einen Kritiker. Es herrschte geschäftige Betriebsamkeit, man beschäftigte sich mit Detailfragen der Exponate.

Dem Bürgermeister sind die Besucher ein Dorn im Auge, betont er. Er scheint machtlos.

Es schaudert einen bei 35 Grad.

(Fotos: genova 2017)

 

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Eine Antwort zu Predappio: L´altro lato dell´Italia

  1. philgeland schreibt:

    Auch Dark Fantasy aber for real. Da sind selbst die Winchester-Brüder machtlos.

    Gefällt 1 Person

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