Von der vernünftigen Verwegenheit

Aus der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift für Mobilität und regressive Triebentladung auto motor und sport:

Verwegenheit bedeutet laut Duden:

Beherztheit, Draufgängertum, Forschheit, Furchtlosigkeit, Kühnheit, Mut, Unerschrockenheit, Wagemut, Waghalsigkeit; (gehoben) Mannhaftigkeit; (umgangssprachlich) Courage, Schneid; (leicht abwertend) Tollkühnheit; (veraltend) Herzhaftigkeit

Haha.

Man kann sich den braven Familienvater gut vorstellen, der sich solch einen hässlichen Kompakt-Panzer kauft und sich damit verwegen, draufgängerisch, beherzt und mannhaft vorkommt. Tollkühne Männer in ihren Kisten. Mich würde interessieren, ob SUV-Fahrer tatsächlich unbefestigte Wege suchen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang ein Nachbar aus meiner Kindheit und Jugend ein: Ein besserverdienender Familienvater, der jahrzehntelang immer die jeweils größte Limousine von Renault und Citroen fuhr. Leicht avantgardistische Autos mit gewissem Stilbewusstsein, mit einem Bewusstsein vor allem für Eleganz. Neulich kam ich wieder an dem Haus vorbei. Was fährt er jetzt? Ein SUV von BMW, kein kompaktes.

Man sieht an solchen Veränderungen die Ängste der oberen Mittelschicht, die objektiv gesehen immer noch gut verdienen, die wissen, dass sie bis an ihr Lebensende finanziell gut dastehen werden, die aber dennoch meinen, sich einen Panzer zulegen zu müssen und die Eleganz aufgegeben haben. Auch diese Autowahl ist das Ergebnis neoliberaler Verformung. Dazu kommt die objektive Sinnlosigkeit, einen Panzer zu kaufen, wenn man damit nur zum Bäcker fährt und auf der Autobahn unterwegs ist. Würde man die Kreissäge aus dem Keller holen, um ein Stück Butter abzuschneiden, die Absurdität wäre offensichtlich. Beim Auto ist das nicht so.

Demnächst kommt das Recht, Waffen zu tragen.

Dieser Beitrag wurde unter Alltagskultur, Deutschland, Gesellschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Von der vernünftigen Verwegenheit

  1. miesvandenbergh schreibt:

    Ja, vernünftig waren die Menschen selten. Vielleicht dann etwas mehr, nachdem es ihnen sehr schlecht ging, da man dann an das Wesentliche erinnert wurde. Aber heute, in Zeiten von „WOLLT IHR DEN TOTALEN ÜBERFLUSS!?“ in nahezu allen Bereichen suchen sich die Individuen der Masse entweder Dinge, an denen sie erkennbar herausstechen, oder eine andere Möglichkeit bildet die Beschäftigung mit immer geistloser wirkenden Beschäftigungen, Dingen und Angeboten. Was es mit einem SUV zu tun hat? Oder dem Phänomen riesiger Autos? Wir sind einen Ford F150 Platinum probegefahren. Der war klasse, das Fahrgefühl ohne jeden eingeschalteten Verstand für uns alle toll. All die Gedanken über Parkplätze, Verbrauch von Gas, Anschaffungspreis und Sinnhaftigkeit (Ich habe einen Gartenbaubetrieb, hätte also einige Gründe dafür ein solches Fahrzeug zu nutzen) waren wie ausgeschaltet. Zumindest für den Tag der Probefahrt. Und noch ein paar Tage länger. Er wurde es dennoch nicht. Wir haben uns für einen Hybrid entschieden, als Familienauto und einen alten, robusten Allrader für die Wiesen, Gelände und Matschpisten, die da Gärten werden. Aber das Gefühl des großen F150 bleibt in Erinnerung erhebend.
    Brötchen holen wir in der Stadt mit dem Rad, hier in der Vordereifel sind die Wege allerdings so weit und bergig, dass wir sie selbst backen, wie auch unser täglich Brot.
    Freundliche Grüße vom Mittelrhein 🙋 😊 Olaf

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  2. genova68 schreibt:

    Hi Olaf, danke für deinen Kommentar. Danke auch für den Hinweis auf die Eifel, ich gehe beim Brötchenholen immer davon aus, dass man nur um die Ecke gehen muss :-)

    Das gute Gefühl beim F150 kann ich nachvollziehen, auch, dass man höher sitzt. Wenn allerdings irgendwann alle höher sitzen, hat sich der Vorteil relativiert.

    Freundliche Grüße vom Landwehrkanal :-) genova

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  3. hANNES wURST schreibt:

    Nur miesepetrige Pseudo-Umweltschützern und Möchtegern-Ästheten regen sich über einen SUV auf. Einen Minibus, hei den finden sie fein. Deswegen bestelle ich mir jetzt endgültig einen SUV, danke schön.

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  4. neumondschein schreibt:

    Das siehst Du falsch! SUV ist doch nix für harte Männer sondern fuer Warmduscher! Oder eben fuer Familienväter, die der Kinder zuliebe unter allen Umständen unbedingt überleben m&uuml:ssen!

    Kennt ihr die physikalischen Gesätzmäßigkeiten vom unelastischen und elastischen Stoß? Daß beim Zusammenstoß die Anteile der Stoßenergie auf die beiden Stoßpartner derart verteilt sind, daß sie umgekehrt proportional der Masse der Partne beträgt? Stellen wir uns doch einmal vor, so ein Panzer stoße mit einem Fahrrad zusammen! Das Fahrrad bekommt praktisch die gesamte Stoßenergie ab, denn dessen Masse ist mehrere Größenordnungen geringer als die des Panzers. Die ohnehin schon geringe Energie, die der Panzer erleidet, verteilt sich aber proportional der Massen auf seine Teile. Also der Panzerfahrer bekommt von der ohnehin schon geringen Stoßenergie nur einen kaum meßbaren Betrag ab! Seine Masse kann man ja im Vergleich zu der Masse des Panzers vernachlässigen! Der merkt den Zusammenstoß überhaupt nicht! Deswegen sind ja SUV auch nur etwas für Memmen, Weicheier und Warmduscher! Von Fahrradfahren träumen hingegen harte Männer wie Don Alphonso! Für ihn ist Straßenverkehr Krieg, der laufend Opfer fordert. So ist das!

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  5. miesvandenbergh schreibt:

    Ja, liebe genova, das war wirklich was ganz anderes, als wir noch in Steglitz wohnten… aus dem Haus gegangen, nur kurz um irgendeine Ecke gebogen, da war der Bäcker, irgendeiner. Links einer (800m), rechts einer (250m), rechts/rechts einer (300m), alles Nähe Schlossstraße/Laubacher Straße. 😢

    Hier sind es zum nächsten Bäcker 7 km! 😨 Wo sind wir bloß hingezogen….

    Was beim F150 auch echt Spaß machte war die Agilität, kein Wunder natürlich, bei über 400 PS, aber die Verbrauchsanzeige bei dieser Beschleunigung schnellte dann auch mal hoch auf 75 l/100km…😱 Jetzt kommen wir mit 3,8 – 4,2 l durchschnittlich aus, beim F150 wären es min. das dreifache.

    Deine Antwort las ich übrigens erst jetzt, da ich keine Nachricht über sie erhielt. Ich dachte schon, da schreibt man einmal einen etwas längeren Kommentar und das war dann so gar nicht richtig… 🙈😅 Also danke für die Antwort 😊 und besondere Grüße in die alte Heimat (zum Glück können wir öfters die Familie besuchen😄) 🙋

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  6. philgeland schreibt:

    @neumondschein, eben drum. Ist doch „voll schwul“, so ein SUV. Wenn schon Gelände, dann im Kübelwagen.

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  7. genova68 schreibt:

    So ein F150 macht Spaß, glaube ich auch. Mit Hybrid kenne ich micht nicht aus. Das sind vermutlich die Autos, die manchmal ohne Benzinmotor fahren. Es gibt da ja zwei Fraktionen, wie im richtigen Leben: Die, die Hybrid und Elektro und sowas interessant finden und die, die nach wie vor auf den legendären Reihensechszylinder von BMW schwören. Mich täte beides interessieren.

    Ich glaube, man muss Kommentare abonnieren, dann bekommt man sie individuell zugestellt.

    Ich hoffe, es gibt hier kein richtig und falsch.

    Grüße von genova (m)

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  8. miesvandenbergh schreibt:

    Guten Tag genova, wenn Du auf „antworten“ klickst, bekomme ich eine Meldung. 😊
    Wir haben uns für diese Hybrid – Variante entschieden, da die Akkulaufzeit der reinen Elektroautos nicht genug Reichweite hat, gerade im Winter…

    Ein schönes Osterfest wünsche ich Dir!
    Olaf

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