Gerhard Matzig und die Stadt für alle

Gerhard Matzig fordert in der Süddeutschen Zeitung den “uneingeschränkten Zugang in die Stadt“ (27.2, S. 9). Allerdings nicht in Bezug auf vertretbare Mieten, was man bei einer Münchner Redaktion vermuten könnte. Nein, es geht um den freien Zugang für Autos, egal, wie viel Dreck sie emittieren.

Matzig schreibt das in Reaktion auf die nun gerichtlich abgesegnete Möglichkeit von Fahrverboten in Innenstädten und behauptet ernsthaft, es sei ein Zeichen von Gentrifzierung, dreckigen Autos den Zugan zu verweigern. Ich habe von Matzig noch nie einen vernünftigen Vorschlag gehört, die Münchner Mieten auf runde 30 Prozent des heutigen Niveaus zu senken. Ein an sich selbstverständlicher Vorschlag, wenn man vernünftiges Wohnen im Blick hat und nicht die Kapitalrendite. Dazu schweigt Matzig. Aufmerksam wird er nur, wenn er sich auf scheinheilige Weise gegen Gentrifzierung aussprechen kann: Nämlich dann, wenn der vermeintlich Arme mit seinem alten Diesel nicht mehr in die Innenstadt fahren darf, so oft er will.

Matzig fiel vor ein paar Jahren auf, als er die Gegner von Stuttgart 21 als Kleinbürger und Fortschrittsverweigerer bezeichnete. Darüber schrieb er gar ein ganzes Buch.

Es gibt Leute, bei denen man das Gefühl hat, Verständigung ist nicht möglich.

In der gleichen Zeitung – ich glaube, am gleichen Tag – gab es eine schöne Übersicht über die Fahrverbote in Innenstädten anderer europäischer Länder. In Mailand, Rom und selbst in Palermo, sind Teile der Innenstadt gesperrt. Überwacht wird das mit Kameras, die automatisch jedem einen Strafzettel schicken, der sich nicht an das Verbot hält. In niederländischen Städten läuft es ähnlich. In Deutschland wird man vermutlich über die Fahrverbote ein paar weitere Jahre diskutieren, ohne das sich irgendwas tut.

Der deutsche Autofahrer, die heilige Kuh.

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